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Drr rothe Carvelli lüftete den Hut und näherte ? sich dem Wagerüenster. !
„Verzeiht, MMy", sagte er mit zuvorkommen- .■ btt Höflichkeit; „ich bedauere, Euch zu belästigen —" ;
Olla erkannte sogleich, welchen Menschen sie vor \ sich habe. Sie vermuthete, daß er einer der in Ito- < Hcn so zahlreich vorkommenden Räuber sei. Sie | hatte kein über flüssiges Sdb, um cs einem solchen ? Zwangsanlehen zu opfern, und sie erwiderte das | verwunderte Anstarren des rothen Carvelli mit einem । Lrotzigen, unersLroSenrn Blicke. Vielleicht wußte ä sie, daß Thränen und Bitten bei diesem fiast-ren ; Manne nichts nutzen würden. In keinem Falle lag - es in ihrer Natur, bei demselben ihre Zuflucht zu , nehmen. \
„Es thut Euch leid, mich zu belästigen", sagte । sie in ganz reinem Italienisch, als der Räuber zögerte; „aber Ihr verlangt mein Geld oder mein i Leben. Jst's nicht so?" \
„Nein, Signora, Ihr thut mir Unrecht", erklärte ; der Räuberhauptmann. „Ich habe k-ine Absichten ; gegen das Leben eines so jungen und schönen Ge- i schöpfes. Ich brauche nur Euer Geld —" -
„Ihr werdet dasselbe auch noch weiter brauchen ; müssen", sagte Olla unerschrocken. „Mein Geld ge- ' hört mir und ich beabsichtige, es zu behalten. Wenn । Ihr Geld haben wollt, so verdient es Euch! Ich ' würde m'ch schämen, selbst wenn ich ein Dieb wäre, : ein Mädchen zu berauben —" -
„Ich bitt kein Dieb", versetzte der Bandit, ^c^ch __u
„Wenn Ihr kein Dieb seid, dann entfernt Euch", sagte Olla kalt. Seht Ihr denn nicht, daß Ihr , uns aushaltet —"
„Ich bin kein Dieb", erklärte der rothe Carvelli wieder. „Aber ich bin ein Räub.rhauptrnann von Ruf. Ich bin der roihe Carvelli, von dessen Namen » ganz Neapel erklingt."
„Ich habe nie von demselben gehört", sagte Olla zur größten Demüthigung des Banditen. „Und es macht keinen Unterschied, wer Ihr seid; wenn Ihr uns nicht berauben wollt, so laßt uns fort!"
„Zuerst bas Geld!"
„Ich gebe mein Geld nicht", sagte Olla, den Räuber mit ihren großen, dunklen Augen fest an» schauend. „Ich brauche es selbst und werde mich mit den Waffen, welche mir die Natur verliehen — mit Händen, Füßen, Zähnen — wenn nörhig, ver- theidigen."
Des Mädchens Kühnheit entzückte den Räuber.
„Ihr solltet unseres Gleichen sein — eine Banditenkönigin", sagte er lächelnd. ,Jhr habt den
befahl sie mit stolzer Geberde. „Rührt ihn nicht an! Da meine Diener gefangen sind, will ich Ihnen freiwillig folgen."
Olla stieg ruhig aus, rbe Hilfe zmuckweisend. Guy folgte ihr. Dann wandte sich der Räubkr. Hauptmann an den Kutscher des Wagens.
„Fort mit Euch!" schrie er, „und seid froh, daß Ihr mit dem Leben davon kommt!"
L pari winkte dem Räuberhauptmann verstohlen zu, kehrte mit dem Wagen um und fuhr rasch nach Neapel zurück.
Olla und ihre Genoffen schauten demselben be- stürzt nach.
„Die Pferde!" sagte der rothe Carvelli mit g'- bieterischer Stimme.
Die Männer eilten in das Dickicht und kehrten gleich darauf zurück, jeder ein freies Pferd führend. Zwer von diesen Pferden waren mit Damensätteln versehen. Der Räuberhauptmann half Olla eines dieser Pferde besteigen und hieß dann Frau Poplcy auf dem andern Platz nehmen. Jim Popley und Guy wurden auch auf die Pferde gebracht und der rothe Carvelli stieg zuletzt auf.
„Hm 1" sagte Olla mit einem argwöhnischen Blick-. „Vier freie Pferde und wir sind ni-.r Gefangene. Zwei Damensättel und es stad auch zwei Damen da! Ein sehr sonderbares Zusammentreffen, wenn es überhaupt ein solches ist!"
Sie schaute den Räuberhauptmann durchdringend an. Er wich ihren Blicken aus, indem er sich be» mühte, den Zügel ihres Pferdes zu ergreifen.
Einer von den Räubern führte ebenso Guy's Pferd und auch die Poplcy's wurden auf diese Art von jedem Fluchtversuch abgehalten.
„Ihr habt ohne Zweifel von den italienischen Banditen gehört, Mylady, sagte der rothe Carvelli. „Jetzt sollt ihr sie persönlich kennen lernen. Ich bringe Euch in unsere Höhlen und dort könnt Ihr die freien Beherrscher der Landstraße zur Genüge kennen lernen." __
„Einen Augenblick noch!" sagte Olla. „Gesetzt, ich würde Euch jetzt man Geld geben?"
„Zu spät! I tzt will ich Euch haben." Und der rothe Carvellr lächelte mit schrecklicher Bedeutsamkeit.' „Zu spät, Siznorina, Euer Geschick ist be- siegelt — vorwärts Männer!"
Die Räuberbande verschwand in der Schlucht und ritt auf einem ungangbaren Wege dem Schlupfwinkel zwischen den Bergen zu, in welchen der rothe Carvelli mit seinen Genossen hauste.
(Fortsetzung folgt.)
Geist eines Manner; Ihr sollt deshalb auch Euer Geld behalten, dafür will ich mich aber Eurer kleinen Person versichern. Steigt gefälligst aus!"
Olla weigerte sich ganz entschieden. Erst als man Jim und seine Mutter von dem Wagen gezerrt und Miene machte, Hand an Guy zu legen, wurde sie nachgiebiger.
„Daß Keiner es wage, Hand an ihn zu legen",
Der Ilnwiderstefikiche.
Von Charles Benoit.
Ja, er ist es, unser Adolar von Hohenhausen, aber ihm wird Alles übel ausgelegt. „Eitel, eitel"!


