Seiten zog ein kleines Messer aus der Tasche und löste ebenfalls eine kleine Piatts.

Auch diese", sagte er,die fast den ganzen Abend sich in der uns verderblich gewordenen Sechs producirt, enthalten denselben Mechanismus, k-in Wunder daher, daß wir auf den letzten Groschen aurgesogen wurden", und mit dumpfer Stimme fügte er hinzu:

Thalheim, Ihr seid ein Fälscher!'

Der junge Mann, dem man diese grauenvolle Beschuldigung ins Gesicht schleuderte, war leichen­blaß geworden, sein ganzer Körper erbebte, so daß er nicht die Kraft gewann, sich zu erheben, er wollte versuchen zu spreche«, aber er brachte keinen Laut hervor. Endlich fand er die Sprache wieder und mit zitternden Lippen sagte er:

Kameraden, Ihr könnt im Ernste nicht an' nehmen, daß ich mit Bewußtsein diese falschen Würfel benutzt habe. Ich habe keine Ahnung, auf welche Weise sie in meinen Besitz gelangt sind, das weiß nur Gott allein. Schon als wir uns zum Spiel niedersetzten und ich sie aus meiner Tasche hervorholte, schien es mir, daß sie von hellerer Farbe seien, als diejenigen, die ich bisher beim Spielen gebraucht hatte, aber ich achtete nicht weiter darauf und arglos begann ich damit, mich selbst über die unerhörte Thatsache wundernd, daß sie fast jedes Mal zu meinen Gunsten fielen. Kameraden, ich schwöre Euch bei meiner Ehre"

Häuft auf Eure Schuld nicht noch einen Mein­eid", fiel ihm Stolzenberg ins Wort.Habt Ihr wirklich die Stirn noch zu leugnen, angesichts der Thatsache, daß Ihr auch schon in der letzten Zett unausgesetzt gewonnen und angesichts dieses Haufen Geldes, den Ihr Euch heute durch Euer falsches Spiel erlistet habt?"

O mein Gott!" rief Thalheim händeringend aus^wie soll ich Euch beweisen, daß ich unschuldig

Ihr seid überführt!" fuhr der Dragonerlieutenant mit harter Stimme fort,und Ihr müßt uns sammt und sonders sür completke Schwachköpfe halten, wenn Ihr wähnt, wir könnten diesem gravirenden Corpus delicti gegenüber den üblichen Entschuldigungen eines entlarvten Betrügers Glauben schenken I"

Ueberführt! Entsetzlich! Welcher Schimpf sür das ganze Osficrercorps!" erscholl es von verschiedenen Setten.

Herr von Bolten", wandte sich Stolzenberg an einen der Dominospieler,Ihr seid der Aeltestr von uns, ich bitte Euch, dieses Geld dort, das uns un» gerechter Weise abgeschwindelt wurde, in Empfang zu nehmen und dem Ehrengericht zu übergeben, das nur allein darüber zu entscheiden hat, was damit geschehen soll." (Fortsetzung folgt.)

Allerlei Lustiges zu Weujaßr.

Es scheint eine Eigenthümlichkrit der menschlichen Natur zu sein, die Höhr der Heiterkeit meist nach dem Grad des Lärmens zu bemessen, der bei dieser Gelegenheit vollsührt wird. Tobt und tollt, jubelt, singt, schreit und lacht man recht aus Herzens- oder aus Kehlensgrunde, so hat man sich gar oft am bestenamüsirt". So mag es wohl auch kommen, daß selbst solche Tage und Stunden, die eigentlich naturgemäß zur Einsicht in sich selbst einladen sollten, just mit Vorliebe zur Einkehr in die Wirths« Häuser verwendet werden und daß gerade dann am allermeisten die allgemeine Lustigkeit als Parole und Signal erscheint.

Auch der Jahreswechsel vor allen Dingen ist so eine Losung für möglichst große geräuschvolle Heiter­keit! Es ist zwar eigentlich eine recht ernste Sache mit solch einem Wechsel, selbst wenn der Wechsel nicht aus einem gewiffeu ominösen Papierstreisen besteht, doch ein jeder Wechsel schreckt den Glück­lichen, das mag auch wohl der Grund sein, weshalb kaum zu irgend einer anderen Zeit des ganzen Jahres so allgemein und concentirt, so laut gejubelt wird als gerade in der Nrujahrsnacht. Man singt, man springt, man tanzt, spielt, lacht und trinkt sich über jene geheimnißvolle Grenze fort, und manch ein Bruder Lustig meint ganz ernsthaft: Das geschehe nur des guten Omens wegen, denn wie man die Neujahrsnacht durchlebe, so geschehe es das ganze Jahr hindurch!"

Wunderliche Sitten und Gebräuche knüpfen an Sylvester und an Neujahr sich, Bräuche, die oft­mals fo alt sind, daß kein Mensch so recht eigentlich die Beschaffenheit ihrer He kunst kennt, und manch eine moderne Gewohnheit trägt im Grunde nur ein neues Kleid, dessen zeitgemäßer Zuschnitt ihr ehr­würdiges Mer uns verdeckt. Wohl gießt es ganze Ortschaften, denen ein alter, schöner Brauch stille und ernste Feier des neuen Jahres im engen Kreis der Ihren vorschreibt, doch meist was wird da nicht Alles getrieben Scherz gethan, im Ernst gemeint! am Sylvesterabend und in der Neu­jahrsnachti Töpfe und Teller an die Mauern ge­worfen, Fragen an die Zukunft gestellt, geschossen, Blei gegossen, Lichtchen schwimmen oder Flachshaare brennen lassen, abgesehen von sonstigen Unterhalt­ungen, wie: Schuhe werfen, um Mitternacht auf einen Kreuzweg gehen, um dm Zukünftigen zu er­blicken, und was sonst noch Alles an der Tages­ordnung ist. Besonders das weibliche Geschlecht ist stark in derlei Unternehmungen, namentlich sobald es gilt, außerdem" Zukünftigen auchden" Zu­künftigen zu erfahren, wozu gerade die Sylvester­nacht, wie der Volksmund behauptet» ganz besonders günstig qualificirt sein soll.

Doch auch sonst wird Kurzweil aller Arten und Orten am letzten Tag des alten Jahres und am Beginn des neuen ausgeüöl! So verlangt z° B. eine