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-Bein Gesicht ist ruhig. Er scheint gut getroffen zu sein — Mit dem Tode Hst er nicht lange gekämpft."
„Wollen Sie ihn nicht näher untersuchen?" bat der Richter.
Prell kniete neben dem Tobten nieder. Ein Päckchen mit Instrumenten legte er neben sich.
Der Doktor Prell untersuchte den Rock und die Weste des Erschossenen.
„Er ist erschossen", sprach er. „Hier dies Loch in Rock und Weste rührt von einer Kugel her. — Ja — er ist durch eine Kugel,gestorben", fügte er hinzu, nachdem er dis Wunde von Blut gereinigt hatte. „Mitten dmch's Herz ist sie gegangen — ein sicherer Schuß — deshalb ist auch auf dem Gesichte kein Zeichen eines Todeskampfts zu sehen. Es muß schnell mit ihm zu Ende gewesen sein — augenblicklich."
Der Richter stand neben ihm. Er sprach ^kein Wort
Prell nahm die Sonde zur Hand, um die Wunde zu untersuchen.
„Ein scharfer Schuß I" fuhr er fort. „Die Wunde ist tief — über vier Zoll tief — das ganze Herz ist von der Kugel durchbohrt. Am Rückenwirbel muß-die Kugel angeschlagen sei«. — Die Richtung der Wunde führt dorthin."
Ex sprach dies, während er fortwährend die Wunde noch mit der Sonde untersuchte. Seine Hand war fest dabei.
Er war ja zugleich ein tüchtiger Chirurg, ein Operateur.
„Richtig, da ist die Kugel I" rief er. „Am Rückenwirbel ist sie eingeschlagen, dann etwas zur Seite gedrungen. Es wird schwer halten, sie heraus« zuziehen!"
Er legte die Sonde zur Seite und nahm ein anderes Instrument zur Hand.
Die Hinzugekommenen hatten einen Kreis um ihn und den Tobten gebildet und sahen mit Spannung zu. Nur dann und wann hörte man ein Flüstern.
Prell schien dies Alles nicht zu bemerken. Er war ganz mit dem Tobten beschäftigt. Das Heraus- ziehen der Kugel wollte ihm nicht gelingen. Ein Instrument nach dem andern nahm er zur Hand.
Endlich glitt ein Lächeln über fein Gesicht. Er hatte dieselbe mit einer Zange erfaßt und zog sie nun langsam heraus.
„Da ist sie, die ein Menschenleben gekostet hat", sprach er.
. In dem neben ihm stehenden Wasser reinigte er sie von Blut. Dann betrachtete er sie genauer.
„Ein leichtes Kaliber", fuhr er fort. „Sie ist am Rückenwirbel etwas breit geschlagen, dennoch erkennt man, daß es eine Spitzkugel gewesen ist. Die schießen scharf. Deshalb auch nur das kleine Loch in Rock und Weste und die kleine Wunden- öffnung. Ueberzeugen Sie sich selbst", fügte er hinzu, indem er ste dem Richter überreichte.
Dieser nahm sie schwetzend zur Hand. Sein Blick ruhte prüfend darauf.
„Herr Doktor, Sie find ja selbst ein Jäger", sprach er endlich. „Sie habe« Erfahrung in den Sachen, halten Sie dies für eins Pistolen- oder Büchfenknge! ?"
Prell zuckte mit den Achseln.
„Das kann nach der Kugel Niemand entscheiden", sprach er. „Man kann eine große Pistolenkugel am einer engläufigen Büchse schießen und umgekehrt, ich kann aber hierüber nichts behaupten. Aber ein anderer Punkt kommt hinzu. Ich Halts es nicht blos für einen Zufall, daß die Kugel das Herz so gut getroffen hat, ich glaube vielmehr, daß Derjenige, der sie abgsschosscn hat, eine sichere Hand besitzt, rechnen wie die Kraft hinzu, mit der die Kugel eingedrungen ist, so gewinnt es an Wahrscheinlichkeit, daß die Kugel SUS einer Büchse geschossen ist. Man schießt stchkrer mit einer Büchse.
Der Richter begnügte sich mit dieser Auseinandersetzung. Er selbst hatte ja kein Urtheil darüber.
„Wollen Sie die Kleidung des Tobten untersuchen?" bat er den Doktor.
Prell kam der Aufforderung nach. Sämmtliche Taschen der Tobten waren leer, nur in einer der Westentaschen steckte ein kleiner Schlüssel.
„Es ist kaum denkbar, daß er ohne Uhr, ohne Geld mit sich zu führen, fortgrgangen ist", warf der Richter ein.
„Er trug eine goldene Uhr an goldener Kette", bemerkte Pr-ll. „Ich sah es zufällig, als er gestern Nachmittag bei mir war."
„Also ein Raubmord!" rief der Richter.
„Paula erzählte mir auch", fuhr Prell fort, „daß er eine Summe Gelbes bei sich geführt habe, um damit in Alldorf die erste Anzahlung auf das Gut, welches er zu kaufen beabsichtigte, zu machen. In feinen Taschen findetMch nichts — er kann freilich erst auf dem Rückwege von Alldorf erschossen sein. Dies ist sogar wahrscheinlich."
„Weshalb?" warf der Richter ein.
„Als er mein Haus verließ", sprach Prell, „brach der Abend bereits herein, es war indeß noch nicht ganz dunkel, bei seiner Heimkehr muß es indeß Nacht gewesen fein, und ich denke, für solche Thal wählt so leicht Niemand die Tageshelle."
„Sie sagen, daß er den Gutsbesitzer Frenzel in Alldorf besuchen wollte?" fragte der Richter.
„Paula erzählte es mir so. Zu mir selbst hat er nichts davon gesagt."
„Ich werde zu Frenzel schicken und ihn fragen lassen, ob Berger dort gewesen ist", fuhr der Richter fort.
Er blickte sich nach einem Boten um.
Mehrere Männer, welche von der entgegengesetzte« Seite des Weges kamen, überhoben ihn der Mühe. Sie kamen von Alldorf und der Gutsbesitzer war unter ihnen.
Auch nach Alldorf war die Nachricht der Unglücks bereit» gedrungen.


