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Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger.
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Nr. 142. Samstag, den 1. Dezember. 1888.
Dunkel!
Erzählung von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.) "
„Kanntet Ihr den Todten sogleich?" fragte der Richter weiter.
„Gewiß, wir haben ihn ost in Nlldorf beim Gutsbesitzer gesehen — auch in der Stadt."
Der Richter schwieg einen Augenblick. Er kannte die beiden Holzarbeiter, es waren beide rechtschaffene Männer, er hegte gegen sie keinen Verdacht, dennoch mußte er so genau als möglich forschen.
„Weshalb ist denn Einer von Euch hier geblieben?" fragte er weiter.
„Ich wollte den Todten bewachen", erwiderte der Zurückgebliebene. „Ich habe bereits einen ähnlichen Fall erlebt. Es war ein Mann aus der Heerstraße erschlagen worden. Am Morgen wurde er gefunden, aber es blieb Niemand bei ihm. Mehrere Menschen kamen bei ihm vorbei, sie berührten ihn und trugen ihn sogar vom Weg? zur Seite in einen Graben. Als nachher das Gericht kam, waren alle Spuren, die vielleicht zur Entdeckung d-s Mörders führen konnten, zertreten. Der Mörder ist auch nicht entdeckt, und Alls die, welche den Todten berührt hatten, kamen in Untersuchung."
Die Worte des Mannes trugen vollkommen das Gepräge der Wahrheit-
„Es war gut von Euch, daß Ihr es so gemacht habt", sprach der Achter. „Glaubt Ihr, daß der Tobte schon hier von Jemand gesunden ist?"
„Ich weiß es nicht, indeß glaube ich es kaum", erwiderte der Arbeiter.
„Weshalb glaubt Ihr es nicht?"
„Dieser Weg führt von der Stadt nach Alldorf. Wäre Jemand von der Stadt gekommen, so würde er uns begegnet sein, oder es in Alldorf erzählt Haden, und hätte ihn Jemand gefunden, der zur Stadt gegangen, so würde es dort bekannt gewesen fein, ehe ich htnkam. Er wußte indeß noch Niemand etwas davon."
Sie blickten dem Richter ruhig, in's Auge.
„Habt Ihr die Kleidung des Todten untersucht?" fragte der Richter weiter.
„Nein", erwiderten dis beiden Männer gleichzeitig.
„Habt Ihr besondere Zeichen hier bemerkt?"
„Es war Alles so, wie es jetzt ist. Wir haben nichts angerührt."
Nicht einmal das Graö zu S.iten des Weges war niedergetreten, freilich konnte es sich während
der Nacht wieder emporgerichttt haben, denn aller Wahrscheinlichkeit nach war das Verbrechen schon em Nbend zuvor geschehen.
Der Richter schwieg. Zu weiteren Fragen hatte er jetzt keine Veranlassung.
Ungeduldig blickte er dm Weg hinab.
„Sie haben doch zu Prell geschickt?" wandte er sich, an drn Acluar.
„Gewiß", versicherte dieser. „Er ließ mir zu» rückfagerr, daß er bald kommen werde."
„Er bleckt lange", bemerkte der Richter.
Prell war zugleich PhysikuS und Gerichisarzt.
Er mußte in solchen Fällen die erste Untersuchung vornehmen. Mit schnellen Schritten kam er endlich auf dem Wege daher. Der Richter ging ihm entgegen.
„Ein schrecklicher Fall", sprach er.
„Es ist also wirklich wahr?" warf Prell ein. „Er ist ermordet?"
„3a — allen.Anzeichen nach", bestätigte der Richter.
Prell strich mit der Hand über die Stirn.
„Die" Nachricht hat mich furchtbar erschüttert", sprach er. „Eest gestern Nachmittag war er noch bei mir, er hielt um Paulas Hand an und hat sich mit ihr verlobt."
„Gestern Nachmittag mit Paula Braun verlobt?" wiederholte der Richter überrascht.
„Ja — ja. Und er war so glücklich. — Das Mädchen weiß noch nichts davon. — Als er sts verließ, wollte er nach Alldorf gehen, um das Gut zu kaufen. — Paula erzählte es mir — schrecklich, schrecklich — und nun schon tobt. Wann ist die That geschehen?"
Der Richter zuckte mit den Achseln.
„Ich weiß es nicht", erwiderte er.
„Und Sie wissen auch noch nicht, wer ihn ge» tödtet hat?"
„Noch habe ich keine Ahnung davon — keine Spur."
„Es ist mir unbegreiflich", fuhr Prell fort. „Hier im Walde — so nahe der Stadt — der Weg ist stets ziemlich belebt — so lange ich denken kavK, ist hier in der Gegend nichts Aehnliches geschehen."
„Ja — ja, es ist eine dreiste That", entgegnete der Richter, „doch kommen Sie, Herr Doktor. Der Todte liegt noch unberührt da, damit Sie in der Untersuchung durch Nichts irre geleitet werden."
Prell trat an den Todten heran. Fest richtete er das Auge darauf.
„Durch die Brust!" sprach er halb zu sich selbst.


