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Böhmen und Styrol, in Steiermark und Kärnihen rc., _ die Gräber der Verstorbenen auf den Friedhü en aar herrlich mit Kränzen und Blumen geschmückt und dazwischen brennen kleine Lichter, so lange die Todtenmefse gelesen wird und die Prozession zwi­schen den Gräbern umherzieht. Ein tröstlicher wohl» thuender Anblick, diese wie im Frühlingsschmuck prangenden Grabstätten mit den funkelnden Kerzen, die den Tobten zum Gedächtniß, den Lebenden zur Mahnung leuchten!

Graf Mikosz und Miszta, der Zigeuner.

Humoreske von Trebor.

(Schluß.)

Nun ging's zu Tisch. Der Lord reichte der Gräfin, der einzigen zu Tisch zugezogenen Gesellschafts­dame, einer Baronesse Bay, den Arm, Baron Fehervar hängte sich saus gene in den linken Arm der reizenden Lady, und ließ sich von dieser zu Tische führen.

Sonderbare Manieren!" flüsterte die Gräfin wieder.

Mocht man so in Csongrader Conntat", sagte Graf Mikosz. t

Als aber dann während des Dmers der Herr Baron vom Huhn die Knochen, sie in den Finger haltend, abknapperte, Paprika lothweise verzehrte, laut mit der Zunge schnalzte, sich mit dem Tischtuche den Mund abwischte und dem Tokayer Wein in solchem Uebermaß zusprach, daß die Sache unheimlich wurde, als er dann schließlich zu singen anfing: Jaj, jaj, jaj, Speck schmeckt gut, ober Kuss von ollergnädigste Fräulein schmeckt noch besser", und dies zu erproben gedachte da sah sich Graf Mikosz denn doch gezwungen, die Tafel aufzuheben.

Sonderbare Manieren, dieser Baron aus dem Csongrader Comitat!" wiederholten die Damen. Graf Mikosz aber nahm seinen Gast aus einen Augenblick bei Seite und flüsterte ihm zu:Betyar elendiger, wenn Du Dich nicht wirst anständig betragen, lass' ich Dir morgen vom Hayducken dreißig Wohlgezählte auf­messen!"

Das wirkte! DerMagnat" wurde ruhiger. Es wurde Kaffee herumgereicht. Der Baron konnte nicht umhin, demselben eine tüchtige Dosis Paprika einzuverleiben. (Was übrigens gar nicht schlecht schmeckt. D. Berf.) Es war in der That ein schöner Mann, dieser Baron. Welch schöne feurige Augen! Weich' schön geschnittenes Profil! Welch männliche, sonnverbrannte Züge! Zähne weiß wie Alabaster. Die kohlrabenschwarzen gelockten Haare, keck frisirt, wenngleich ein wenig widerspenstig sich geberdend! So saß er da sein feurig' Auge in wilder Gluth auf Eveline, dies ätherische Geschöpf, ent­sprossen den Gefilden des dreieinigen Königreichs

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

Na, schöne Geschichte! Hob' ich mir schöne Suppe eingebrockt mit diesem elendigen Zigainerlüm- mel!" so sagte sich Graf Mikosz.Wollt' ich mochen

und jetzt wird omende gor noch Ernst daraus. Hob' ich auch viel getrunken gestern, ober elendiger Bandit, Zigainer Piszta hot getrunken noch mehr! Und wos hot er gemacht in Rausch? Hot er durch Vermittlung von Gesellschaftsdame gemocht Liebeserklärung an Lady Fitzgerald und hot sogar gehabt Frechheit anzuholten um ihre Hand! hh batta teremtete! Was moch ich jetzt? Sie hot geantwortet, doss sie ist nicht obgeneigt, wenn vonseite seiner Familie wird nicht erhoben Widerspruch! Seme Familie, elendige Zigainerbagage, wird natürlich, nicht erheben Widerspruch. Graf Mikosz, wird Dir nix bleiben übrig, als zu sogen der Lady, daß, an­geblicher Baron Fehervar ist ein einfacher Zigainer, Piszta Horvath, und dass Graf Mikosz ainzig wollte Bewais liefern, dass Zigainer ist auch ein Mensch."

Und so legte denn Graf Mikosz das Gestandniß ab. Die junge Lady aber, weit entfernt, die Sache Übelzunehmen, bekehrte sich zu der Ansicht, dass Zi- gainer auch Menschen seien, und schwur, von ihrem im Sturm eroberten und liebgewordenen Czigany Piszta nicht lassen zu wollen. Ihr Herz, ihr freier Wille, ihre Unabhängigkeit und Excentruutat erlaubten ihr es ja, aber dem Grafen Mikosz, der sich den kleinen Scherz gestattet hatte, wurden ver­schiedene Bedingungen zu erfüllen, als Aufgabe und Strafe gestellt. Denjenigen, welchen er ihr, als vollendeten Kavalier vom Scheitel bis zum Stiefel- obsotz" vorgestellt hatte, sollte er ihr auch in zwei Jahren als solchen überliefern, und das führte auch Graf Mikosz aus. Er nahm den Czigainer Piszta auf ein Jahr nach Wien und ein Jahr nach Paris, ließ ihn hier von den ersten Professoren unterrichten, und am 30. März 1881 zwei Jahre nach dem denkwürdigen Diner tratender Gentleman Piszta Horvath Esquire und die honorable Lady Eveune Fitzgerald" behufs Eingehens eines unauflöslichen Bundes, an den Altar der Kirche St. Trinito m Paris und leben heute hochangesehen in der Grap schäft Norfolk alsAehemann und Aeheweib!" und dos Hot olles Gros Mikosz zu Wäge gebracht!

leidenschaftlich gerichtet. Eveline hatte es nur zu gut bemerkt. ,Y) .

Weich' sonderbare Manieren; welch' mgenthum- licher Mensch!" so hatte sie im Verlaufe des Diner wohl die hundert Mal sich zugerufen, und auch letzt wiederholte sie sich es.Und doch, welch magnetische Wirkung sie auf mich üben, diese Augen diese Augen, ich habe keine ähnlichen je gesehen er ist hübsch, dieser ungeschliffene Baron, mein Gott, mein Gott, diese Augen sie bohren sich förmlich ein in mein Herz! Und wie er sie geküßt hat, meine Hände! so unschicklich! so stürmiA! Baron Fehervar, ich glaube, ich glaube gar, Du hast mir's angethan!" ' * *