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Kranken jetzt das mit dem gräflichen Wrppen ver­siegelte Schreiben überreichte.

Irmgard hielt den Brief in der Hand, besah die Aufschrift, dann das Wappen mit der siebenzinkigen Krone, und wieder überflog bas hektische Roth ihr wachsfarbiges Gesicht, da sie beides nur zn wohl kannte.

(Fortsetzung folgt.)

Asserheikigen und Merseeken.

(1. und 2. November.) Bon H- Salcho.

(Nachdruck verboten.)

"'Na zal'gen Hoog Dag",ein glücklicher hoher Fest!" so lautet in Vlämingen allenthalben der gegen­seitige Glückwunsch am 1. November, htm Tage "AUer Heiligen." Die Zahl derjenigen Per­sonen, welche von der Kirche als Heilige verehrt werden, wurde mit der Zeit eine so große, daß das Gedächtniß eines Jeden nicht mehr einzeln gefeiert werden konnte; die Feier ihrer Geiammtheit ward damals von den Päpsten Gregor III. und IV. 731 bez. 834 auf den 1. Nov mber festgesetzt. Es ist also ein Todtrnfest, ebenso wie dasAller Seelen" am 2, November, welches in den meisten katholischen Ländern mit großer Pietät b-gangen zu werden pflegt. Schon im abeu Heidenthum ehrte man das Andenken der Abgeschiedenen durch Opfer und F-ste, ein Brauch, der seinen Grund in dem Glauben Ruhet, daß die seligen Geister in der Oberwelt oder in der Unterwelt in einer gewisien allgemeinen Verbindung mit der Erde und den Lebenden standen. Er sand ein Leichenmahl statt, Todtengesänge erschölle-!, Opfer wurden dargebracht, denn alle Jahre am Todestage erschien die Seele wieder an der Grabstätte, um sich an den Gaben zu erquicken, als Schutzgeister der Familie am heiligen Herdfeuer zu weilen. Und eine solche Todtenfeier erfolgte sowohl im einzelnen Haus- halt, in dem drr Hausvater zugleich Priester war, als auch von Seiten der gesammten Gemeinde, in letzterer jedes Jahr drei Tage laug zur Michaelis zeit, wenn Wodan im Herbststurme einherzieht, wenn die Ernte eingebracht ist, wenn die Vegetation ab­stirbt und die bisher thäiiz geglaubten Geister der Abgeschiedenen in das Innere der Erde sich zurück» begeben. Einem solchen tief eingewurzelten Volks­glauben, einer so allgemein üblichen Sitte konnte die christliche Kirche nicht völligen Abbruch thun, sie ver­mochte ihr nur ein christliches Gepräge zu rerleihen, indem sie an Stelle der Opfer Mahlzeiten für die Armen und Stiftungen zu frommen Zwecken, an die Stelle der Gesänge Fürbitten, Seelenmeffen setzte, welch' letztere wie die heidnischen Opfermahle gewöhn­lich als soz. Todten-Vigilien in der Nacht erfolgten. Auf diese Weise bildete die Kirche die private heidnische Todtenfeier wenngleich sie dieselbe in ihrer ursprünglichm Form nicht ganz zu verdrängen im Stands war, wovon die noch hmte in vielen Ge«

senden üblichenLKchmschmaufs" zeugen zu eines christlichen um, und ein Gleiches geschah hinsichtlich des allgemeinen heidnischen Todtenfestes. Ein solches fand, wie gesagt, in deutschen Landen um die Michaelirzett statt, und zwar in der Meinweken oder Gemeinwoche, die am Sonntags nach Michaelis be­gann; aber auch in der Martimzsit scheint von den Germanen ein Herbst-Todtrnfest gefeiert worden zu sein, so daß mit der von der Kirche auf den 2. No­vember angeocdnetrn allgemeinen Todtenfeier, eben dem Feste Aller Seelen, den aus dem Heidsnthum vererbten abendländischen religiösen Gewohnheiten und Bedürfniflen bequem entgegen gekommen ward. Darum wohl mit zum Theil wird in katholischen Landen noch heut' Allerseelen so traulich ge­feiert und darum wohl hat auch der Protestantis­mus, obschon die Reformation von einem Todtenfeste nichts wisien wollte, wegen der aus den Vigilim vielfach hrrvorgegangenen Mißbräuche, später wieder eine allgemeine Todtenfeier als ein Errnnerungsfest an die Verstorbenen eingeführt, in Preußen 1816, im Königreich Sachsen 1840, die freilich später als Allerleelen, bekanntlich am letzten Sonntag des Kir­chenjahres stattfindet.

Mancherlei Volksbränch« und Volksmrinungen sind mit Allerheiligen und Allerseelen verbunden. In Flandern, in Oesterreich, in Bayern, Böhmen und Tycol werden zu ihnen besondere Bröschen ge­backen, welcheSesleri-Brödchen",Seelen-Wecker.", Seelchen" heißen, und hier wie dort erbitten die Kinder solche Kuchenfür die armen S eien", für die Seelchen im Fegefeuer." Denn wenn die Kirchengtocker am Abend von Allerheiligen läuten, dann kommen auch die Seelen aus dem Fegefeuer und können, einmal im Jrhr, von ihren Qualm ausruhen, die Erde besuchen, und man büret sich deshalb, in Antwerpen die Thüron und Fevst-r scharf zuzuschlagen, um die Seelen nicht zu verletzen, man füllt die Lrmpe mit Schmalz und Butter in ande­ren Gegenden, damit sie durch Eiuriben mit dem Fett die Schmerzen der Brondwunden zu lindern vermögen. Auch wurden und werden wieder an anderen Orten die Armen am Allerheiligen-Abend und Allerseelen-Tage mit Brodspenden bedacht, in Schwaben die Kinder von ihren Pathen mitSeelen- Bretzeln" erfreut, und e'n altes Lied sagt in Bezug hierauf:

Der Wintermonat hat das Recht, Daß man viel Seelen-Brätzeln bächt, Und damit als mit raren Sachen Pfl-gt And'ren ein Präsent zu machen.

In Nieder-Oesterreich ober, da gehen die heiraths- fähigen Mädchen in der Nacht von Allerheiligen zu Allerseelen auf einen Kreuzweg, harren dort des ersten ihnen entlang kommenden jungen Mannes, be­fragen ihn nach seinem Taufnamen, küsien ihn schnell und eilen davon: nun wissen sie den Namen des Zukünftigen!

Und am Allerseelentage selbst, da sind in katho­lischen Ländern in Schwaben und am Rhein, in