Ausgabe 
1.9.1888
 
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Vielleicht weiß unser Vogel in solchen alten Ge­bäuden Bescheid", bemerkte der Commiffar ironisch, doch gleichviel, dis Zeit drängt, ich habe schon zuviel davon verloren."

Ulrike hatte, als der offenbar etwas gereizte Be­amte sich der Thür zuwandte, einen Blick Hedwiga's aufgefangen, welcher ihr das Blut erstarren ließ. Es war ein so angstvoll flehender Blick, daß sie so­fort ihre schreckensvolle Ahnung verwirklicht sah, Hedwiga wußte um das Versteck des verfolgten Verbrechers!

Mrt dem Aufgebot ihrer ganzen Willenskraft be­herrschte Ulrike ihre gewaltige Aufregung und gelei­tete den schweigsamen Commiffar, der offenbar einen bestimmten Verdacht gefaßt hatte, mit stolzerhobenem Haupte durch die übrigen Räume des Hauses, die verschiedenen Gänge und Winkel, bis sie plötzlich das heftige Klingeln der Schwester vernahm.

Entschuldigen Sie eine Minute, Herr Commiffar!" sprach sie gemessen,die Kranke wird meiner bedürfen, ich sende Ihnen sofort den Diener zum weiteren Geleite."

Sie setzte den Leuchter auf ein an der Wand befindliches Gestms, verneigte sich leicht und schritt eiligst den langen Corridor zurück, wo sie Johann traf, welcher auf Befehl der Gnädigen zu Fräulein Hedwiga sich brgeben wollte.

Geleite den Commiffar durch die übrigen Thetle, besonders die Winkel und Verstecke de» Hause», Jo­hann!" befahl sie ruhig,er wittert noch immer den Verbrecher hier irgendwo verborgen. Dort unten im Corridor findest Du den Herrn."

Die kranke Gnädige sendet mich zu Fräulein Hedwiga", stotterte der Alte schreckensbleich.

Ich gehe jetzt zu ihr", beruhigte ihn Ulrike mit einem forschenden Blick in sein verstörtes Gesicht. Weshalb sich fürchten und ängstigen, alter Freund? Wir können der Polizei selbst das geheimste Versteck, welches ein uneingeweihtes Auge nicht zu entdecken vermag, unbeanstandet zeigen, da ein fremder Ver­brecher sich dort unmöglich verbergen k<nn."

Sie lächelte ihm zu und ging rasch weiter.

Richtig, richtig, ich bin rin alter Hasenfuß", murmelte Johann,sie ist zu klug, um nicht etwa» zu wittern und schickt mich nicht umsonst als Beglei­ter des Durchsuchens mit. Es ist haarsträubend in diesem Hause!"

Der Commiffar hatte mittlerweile, von Ungeduld gepeinigt, den Leuchter vom Gesims genommen, um die Untersuchung der nächsten Umgebung allein vor­zunehmen.

Der alte Diener und das junge Fräulein find mir verdächtig vorgekommen", lautete dabet sein Ge- danken-Monolog,seine Todesangst und ihr trium- phirendes Spottlächeln waren verrätherische Anzeichen eines bösen Gewissens. Halt, was ist denn das für ein Gitter? Verwünschtes Haus, das überall Vkxir-Schrullen hat und die schönsten Versteck bietet, ich bin fest überzeugt, daß her Bursche hier irgendwo

verborgen ist, hätte doch lieber Thorsen, der die rich­tige Spürnase dazu hat, mitnehmen sollen."

In diesem Augenblick erschien Johann, um seine Dienste anzubieten.

Ra, Alter!" sagte der Commiffar, ihn scharf anblickend,welches Geheimniß sperrt denn dieser Gitter ab?"

Kein Geheimniß, Herr Commisiar I" lächelte Jo­hann, welcher sein inneres Gleichgewicht wieder ge­wonnen,es scheidet nur das Hauptgebäude von seinem rechten Flügel, der in früheren Zeiten ganz separat für die Dienerschaft und die Wirthfchaftr- Räume bestimmt war."

So, so", nickte der Beamte nachdenklich. Und wohin führt die Fortsetzung de» Corridor», der sich hier zur Linken in ein ängstliches Dunkel verliert?"

Rach den Gastzimmern, welche schon seit Jahren unbenutzt geblieben find."

Kann ich auch diese Räume sehen?"

Recht gern, Herr Commiffar! habe die Schlüssel dazu vom gnädigen Fräulein erhalten."

Er hob lächelnd da» große Schlüsselbund empor, nahm den Leuchter und schritt ruhig voran.

Der Commissar biß sich unmuthig auf die Lip­pen; er war jetzt überzeugt, in jenen Räumen nicht» zu finden und nur unnöthig Zeit zu verlieren. In der That fand er nur dumpfe Luft und eisige Oede, aber keinen Verbrecher. Der alte Johann zeigte ihm sehr gewissenhaft jeden Winkel und Raum und ging dabei mit einer Gründlichkeit zu Werke, welche den immer ungeduldiger werdenden Beamten in eine ge­linde Verzweiflung versetzte.

Er ist gut, mein Freund!" sprach er endlich, ich merke und sehe schon, daß hier nicht» Verdäch­tige» zu finden ist."

Das freiherrlichs Haus von Jmmendorf hat niemals Verdächtiges geborgen", bemerkte der Alte feierlich.

Er verschloß die Zimmer und führte den Com­miffar dann durch einen Seitengang in den rechten Flügel hinüber, wo das eigentliche Reich der Wendel­treppen und Verstecke begann.

Ah, hier wird's interessant", sprach der Com­missar, innerlich auf's Reue tief bedauernd, seinen Detectiv Thorsen nicht bei dieser schwierigen Durch­suchung mitgenommen zu haben.

Ja, dieser Thril ist auch zweihundert Jahre älter al» das Herrenhaus", erläuterte Johann,er stammt au» dem 14. Jahrhundert, wo die Bauleute keine geraden Linien kannten, wie das gnädige Fräu­lein behaupten."

Scheint in der That so", lächelte der Commiffar, gebt mir das Licht, mein Freund! ich möchte hier mein eigener Führer fein."

Johann verzog keine Miene und beherrschte seine geheime Angst mit großer Willenskraft, weil er e» sehr wohl bemerkte, daß der Beamte häufiger al« nöthig war, sein durchdringender Auge auf ihn richtete.

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