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bonss, war Advocot und, wenn ich nicht sehr irrte, ziemlich nahe mit der Frau meines Freundes verwandt. Als Jurist und Geldmensch war er „außerordentlich gut ab", wie der Kaufmann sagt. Die Jelfs behandelten ihn, wie man reiche Verwandte behandelt: zuvorkommend; die Kinder waren um ihn herum und der würdige Kammerdiener, der im großen Ganzen nicht so freundlich war, that- was er dem alten Herrn an den Augen absehen konnte. Als ich ihn bei dem verschwindenden Tages- und Lampenlicht betrachtete, fand ich, daß die drei letzten Jahre ihn bedeutend „mitgenommen" hatten. Er war blaß und hatte einen unsicheren Blick, den ich früher nicht wahr- nahm. Die Falten um seinen Mund hatten sich vertieft und die Backen und Schläfen waren eingefallen, wie von Krankheit oder Gram. Beim Einsteigen erkannte er mich nicht, aber jetzt sah er mich augenscheinlich forschend an und als sich der Blick wiederholte, sagte ich höflich:
„Herr John Dwerrihouse, wenn ich nicht irre ?" „So ist mein Name", antwortete er.
„Ich halte die Ehre, vor drei Iahten in Dum- bleton Ihre Bekanntschaft zu machen."
„Ihr Gesicht kam mir bekannt vor, aber ich | erinnere mich leider . ."
„Ich heiße Langford, William Langford", unter« J brach ich. „Ich bin mit Jonathan Jelf in der Schule gewesen und verbringe gemeiniglich einige Wochen des Jahres in Dumbleton. Sie reifen auch dahin?"
„Nicht zum Schloß", erwiderte er. „Ich reise in unangenehmen Geschäften und Sie wahrscheinlich nur zum Vergnügen."
„Freilich, ich habe mich schon gewöhnt, diesen Besuch für meine drei glücklichsten Wochen von den zweiundfünfzig zu halten."
„Es ist ein prächtig Haus", sagte er.
„Ich kenne kein besseres."
„Und Jelf ist so gastfrei."
„Der beste Bursche in der weiten Welt Gotte»." „Ich habe auch eine Einladung auf Weihnacht", fuhr Mr. Dwerrihouse nach einer kurzen Pause fort.
„Kommen Sie?"
„Ich weiß noch nicht, er hängt von der Vollendung meiner Arbeiten ab. Vielleicht haben Sie gehört, daß wir eine Zweigbahn von Blackwater nach Stockbridge bauen?"
Ich setzte ihm auseinander, daß ich längere Zeit außer Landes gewesen sei und deshalb noch nicht von der beabsichtigten Ergänzung des Eisenbahn-Netzes gehört Habs.
Er lächelte wohlgefällig und meinte:
„Es ist entschieden eine Verbesserung. Stockbridge blüht auf und bedarf nichts als eine birecte Verbindung mit der Hauptstadt, um sich zu einem bedeutenden Handelsplatz zu entwickeln. Diese Zweigbahn ist meine eigene Idee. Ich legte den Plan dazu dem Verwaltungsrath vor und überwache die Aussüh- rung selbst,"
„Sie sitzen im Verwaltungsrath?"
„Mein Antheil an der Gesellschaft", entgegnete er, „ist dreifach. Ich bin Director und Syndikus und endlich Eigenthümer vieler Aelien."
Herr Dwerrihouse war geschwätzig, voll von seinem Lieblingkprojeet und seiner persönlichen Wichtigkeit und aus diesem Grunde augenscheinlich außer Stande, von irgend etwas anderm zu sprechen. Deshalb redete er weiter von dem Widerstand, den er gefunden hätte, und von den Hindernissen, die er überwand ; von einer Menge localer Kleinigkeiten und localer Beschwerden; von der Geldgier des einen Grundbesitzers und von der Dummheit des zweiten. Er ging über zu dem Aerger des Pastors, weil fein Land durchschnitten wurde, und redete ausführlich von der sträflichen Gleichgiltigkeit der Krämer in Stockbridge, die mit sehenden Augen nicht begreifen wollten, daß Leben oder Tod für sie an einer direkten Verbindung mit der Hauptbahn hing; von den einfältigen Artikeln in der Provinzialpresse, und den unerhörten Schwierigkeiten in der Auseinanderfetzung über das Gemeindeland. Diese Auseinandersetzung hatte wohl das umfänglichste Interesse für meinen Gefährten, aber für mich gar kein». Zu meiner Verzweiflung verbreitete er sich ferner über noch vsrwickeltere Probleme. Er setzte auseinander, wie hoch die Baukosten per Meile geschätzt seien, was die verschiedenen Unternehmer und Handwerker forderten, wieviel aus der Güterbeförderung auf der neuen Bahn wahrscheinlich eingehen würde n. s. w., weiter, weiter, bis mir der Kopf weh that und trotz aller Anstrengungen die Augen zufielen, Plötzlich schreckten mich die Worte aus:
„Fünfmalhunderttausend Thaler baar."
„Fünfmalhunderttausend Thaler baar", wiederholte ich in dem lebhaften Ton, den ich für den Augenblick annehmen konnte, „das ist viel Geld."
• „Hier", entgegnete Mr. Dwerrihouse und wies \ nachdrücklich auf seine Brieftasche, „inzwischen ist das nur ein Bruchiheil von dem, was wir schließlich zahlen müssen."
Ich rief aus: „Sie haben eine halbe Million in der Tasche?"
„Lieber Herr, das predige ich Ihnen ja feit einer halben Stunde vor. Ich soll sie heute Abend Schlag 9 Uhr bei der Bank als Anzahlung auf den Kaufpreis und als Sicherheit für die von uns übernommenen Verpflichtungen hinterlegen."
„Aber wie können Sie mit diesem ungeheuren Betrag bei Nacht von Blackwater nach Stockbridge kommen?"
„Nach Stockbridge", echote der Advocat. „Ich muß mich schrecklich unklar ausgedrückt haben. Ich dachte, ich hätte Ihnen schon auseinandergesetzt, daß das Geld nur bis Mallingsord reicht — die erste Station für unser Wer? so zu sagen — und daß unser Weg von Blackwater nach Mallingsord ganz und gar durch den Besitz von Sir Thomas Liddell führt."
z (Fortsetzung folgt.)
MGlHr A. Hchkyda. - Druck und Verlas der Brühl'ichtt! TmSmi (Fr. Shx. Pietsch) in Eichen.


