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mittheilte.
„Hierher sich verirren?" meinte Frau Möller, ver- ächtlich den Kopf zurückwerfend, „na, der mag nur zu Hause bleiben. Was so'n Kerl sich einbildet? Als ob unsere Gegend eine fremde Insel wäre? Der soll mir nur kommen, Hannes!"
„Jawohl, Madame! — der soll uns nur kommen", lachte Hanne», „so'n spleeniger Engländer kann einem Hamburger nichts weiß machen. Aber was das kleine Göör hübsch ist, Madame!" setzte er, das Kind
muffen."
Hannes war> mit zwei Sätzen hinaus.
„Will doch erst lieber das Kind zu Bett bringen, ehe wir von der Mutter sprechen, Herr Steen!" bemerkte Frau Möller besorgt, „das arme Ding versteht jedes Wort."
(Fortsetzung folgt.)
Iussufs Abenteuer.
Wenn der Araber unbezweifelt zu den kühnsten und gewandtesten Kriegsleuten gestört, so läßt sich nicht leugnen, daß diese Eigenschaften ihn auch aks
hochgewachsener eleganter Herr; ein langer Regen- I betrachtend, bewundernd hinzu, „eS sieht bemahe so rock umschloß die vornehme Gestalt, während der aus wie unsere selige Dorrs!
feine, breitkrempige Hut sein blasses mit einem mili- I „Na, laß gut sein, Hannes!" wehrte dis Wrrthm, tärisch gestutzten Schnurrbart versehenes Gesicht halb stch rasch mit der Hand über die Augen fahrend,
verhüllte. hastig ab, „mir ist's nun mal, als ob meine Dorr»
„Was giebt» hier?" fragte er den Hausknecht, I mir diesen armen Wurm geschickt hat — und da
welcher soeben wieder vor die offene Thür der die Mutter wohl mausetodt sein wird."
Wirthschast „Zur goldenen Traube" trat. „Mama! Mama!" flüsterte das Kind, heftig
Unterwürfig erzählte dieser ihm dir Geschichte aufschluchzend.
von der tobten Frau. I „Still, mein Seern, meine nicht", tröstete Frau
„Und Eure Herrschaft hat sich ohne Weiteres Möller, ihr mitleidsvoll die wirren dunklen Locken
jenes Bettelkindes angenommen?" fragte der Herr I streichelnd, „sollst es gut bei mir haben, ein warmes, ungläubig. , | weiches Bettchen und jeden Tag ein großes Stück
„Jawohl, gnädiger Herr, wenigstens für diese I Kuchen. Verstehst du auch?"
Nacht", bekräftigte der Hausknecht, „wenn der Herr I „Das Kind nickte traurig.
unsere Madame kennte, na, die wäre im Stande, „Mg heißt du denn eigentlich, mein liebe»
da» arme Göör als ihr eigenes anzunehmen. Haben ?"
erst vor acht Wochen unsere einzige kleine Tochter „Wem!" antworte die Kleine, noch immer
begraben, da könnt' das fremde Kind ja man gleich schluchzend.
in die offene Stelle kommen." „Ist das ein putziger Name", meinte Hanne»
Hannes belachte seinen Witz. verwundert.
Der fremde Herr zuckte wegwerfend die Ach,e n. „Davon verstehst Du nichts", belehrte ihn Frau
„Vermag an solche Barmherzigkeit, bte sich um I ^^er, „Wem klingt vornehm und paßt für sie, einen Gotteslohn fremde Bettelkmder aufladet, nun . Re6t Lq1)> 6U8 wie eine verkleidete einmal nicht glauben. Bin neugierig darauf, werde Prinzessin? Hast Du je ein so feines Gesicht schon
vielleicht in einigen Tagen nnch wieder nach dieser AA Hannes?"
Gegend verirren, um die Probe zu sehen." 0 „M, Madame, unsere selige Doris", — be-
Er nickte nach diesen Worten dem Hausknecht I merkte der Hausknecht, wurde aber von der Wirthin
herablassend zu und schritt rasch weiter. mit einer energischen Hcmdbewegung unterbrochen.
Hannes blickte ihm verwundert nach. „Unsere kleine süße Doris" — Frau Möller
„Gewiß ein verrückter Engländer, der vor Lange- | rotf(^e sich die Augen, — „war auch hübsch, mein weile nicht weiß,. wie er die Zeit todtschlagen soll", [^ber Hanne», — aber verstehst Du, in ihrer Art, brummte er, in's Haus tretend, um seiner Madame, j |n unserem Stande vorkommt. Dies Kind ist welche der Kleinen zu essen und zu trinken gab, da- Qber bestimmt von feiner Herkunft, denn das von zu erzählen. Gesicht ist so apart. Sieh, da bist Du ja, Möller!"
„Na, Hannes I" rief Frau Möller ihm entgegen, I unterbrach sie sich beim Anblick ihres Mann^, der „ist das arme Göör aber schmächtig, rein zum Er- I soeben in die Stube trat, „und ba ist ja auch Herr barmem Gewiß ist bie Mutter vor Hunger ge- Steen wieder. Na, was bringen Sie denn Gute» ?
storben, obschon sie bann keine Droschke hätte nehmen „Zuerst wollen wir bem Schlingel von Hanne« können. Aber einerlei, leib thut's mir doch, baß stinke Beine machen", versetzte ber Wirth, eine be-
wir sie nicht erst mal in’s Haus genommen haben, ^bige Gestalt mit breitem, gutmütigem Gesicht,
vielleicht hätten wir bie arme Person noch roieber „dieser Tagebieb glaubt überall, wo es was zu
herausgefüttert." gaffen und zu lungern giebt, mit dabei fein zu
„Da haben wir's", triumphirte Hannes, „nun auch noch bie Mutter, unb ber verrückte Englänber wollte es partout von bem Kinbe nicht mal glauben."
„Was faselt der Quast ba zusammen?" lachte die Wirthin, bas Kinb liebkosenb, worauf Hanne» ihr feine Unterrebung mit dem vornehmen Herrn


