Jäger auözeichnen, gleichviel ob er einen Löwen, eins Hyäne, einen Strauß oder eine friedliche Gazelle verfolgt. Die lange, seltsam geschäftete Flinte über dem Rücken, das Pistol in der Halfter, den Hand- schar im Gürtel und den leichtbekleideten Fuß im schaufelförmigen Steigbügel, so fliegt der Wüstensohn auf seinem windschnellen Rosse über die Ebene, durchforscht er vorstchtig Gebüsche und Niederungen oder erklimmt er kühn die Bergeshöhen. Nur ungern trennt sich der Araber von seinem Pferde, des- halb ist ihm auch die Jagd auf freier Ebene am meisten zusagend, denn hier kann das Pferd seine köstlichen Eigenschaften ungehindert entwickeln und sein Herr empfindet, neben der Aufregung, welche die Jagd verursacht, auch die stolze Freude, ein herrliches Roß zu besitzen, da» fast immer von ihm aufgezogen und zugeritten worden ist.
Am liebsten jagt der Araber den Strauß, wozu das Pferd erst mehre Tage lang vorbereitet wird. „Der Bauch des Pferdes muß zusammenfallen und nur Hal», Brust und Croupe fleischig bleiben, denn so ist es jagdtüchtig!" meint der Wüstensohn und füttert das Thier bloß mit etwas Gerste, läßt es einmal täglich, bei Sonnenaufgang, trinken, und übergießt seinen Rücken mit Wasser. Diese Vorbereitung heißt Teschaha. Den Schluß derselben bildet kurz vor Beginn der Jagd das Beschlagen des Pferdes mit leichten Eisen. Zur Ausrüstung gehört ein leichter Sattel, bequemer Zaum ohne Kinnkette und schmale Bügel.
Die Straußenjagd hat in Algier — abgesehen von dem Werth des Vogels — zugleich denselben Zweck, wie die Fuchshetzen unserer Hautevolee. Gleich dem nobeln, mit der besten christlichen Erziehung ausgestatieten Fuchsjäger reitet der wilde, rohe Araber, dem hülflosen Vogel so lange nach, bis dieser vor Angst und Mattigkeit gelähmt, endlich zu Boden stürzt. Menschlicher al» der europäische Hetzcavalier, welcher den todtmatten Fuchs oder Hasen von Hunden zerreißen oder den Halbzerrissenen wohl gar wieder curiren läßt, um ihm das zweite Mal das Vergnügen zu verschaffen, nach stundenlangem, systematisch geordnetem Treiben den Zähnen der wuthheulenden Meute zu verfallen, schneidet her Araber dem erhaschten Strauße die Kehle ab, beraubt ihn seiner Federn, der Haut und des Fettes und thui sich an dessen Fleische gütlich. — Die europäische Fuchshetze wird in unseren Augen erst dann einige Entschuldigung finden, wenn der Beweis vorliegt, daß die Hetzcavaliere, zu welchen auch bisweilen Jemand vom schönen Geschlecht gehört, das Opfer zu verzehren pflegen; bis dahin müssen wir dies Vergnügen um so verächtlicher und sündlicher finden, weil es nur von Personen ausgeübt wird, die dem Volke als Vorbilder dienen sollen und wohl gar bisweilen das Directorium eines Vereins gegen Thierquälerei verwalten.
Bei der Straußjagd wendet der Araber keine Waffe an, nur einen Stab hält er in der Hand,
mit dem er den Vogel bisweilen eine beliebige Richtung anweist, oder auch einen Schlag auf den sehr empfindlichen nackten Kopf giebt, der ihn betäubt. Vor Allem hält man das Straußenfett für ein treffliches Heilmittel gegen Fieber, Kopfschmerzen, Rheumatismen, auch wird es mit gutem Erfolg bei Gallenkrankheiten gegeben. Unbedingt ist dieses Fett ein köstliches Heilmittel, das den Körper reinigt, die Gesundheit wahrhaft wunderbar kräftigt und — eine eigenthümliche Erscheinung — die geschwächte Sehkraft stärkt. Die sichtbare Wirkung dieses Arzneimittels ist heftige Ausleerung, auf die eine zeitweilige starke Abmagerung folgt.
Die Jagd auf Löwen setzt ein gutes Auge, ge- paart mit fester Hand und zuverlässiger Waffe voraus, obgleich die Araber das furchtbare Raubthier nur in Gesellschaft angreifen. Gewöhnlich scheuchen sie ihren Feind durch lautes Geschrei au» seinem Schlupfwinkel und schießen dann eine Anzahl Kugeln auf ihn ab, doch kommt es auch vor, daß der Löwe nicht hinreichend verwundet wurde, um auf dem Platze zu bleiben und nun in jähen Sprüngen seinen Angreifern zu Leibe rückt. Jetzt gilt er kaltblütig zu sein.
Vor nicht gar langer Zeit erfuhr ein junger Araber, der jetzt im zoologischen Garten zu Pari» angestellt ist, den Beweis, daß zahlreiche Jagdgesellschaft zwar die Gefahr vor den Zähnen und Pranken des fürchterlichen Thieres vermindern, aber nicht gänzlich beseitigen kann, und nur eine fast übermenschliche Besonnenheit bisweilen im Stande ist, den gefährdeten Jäger aus der entsetzlichsten Lage zu befreien. Wir erzählen da» Ereigniß, wie der Araber selbst es mittheilte, wobei er zugleich die Narben der fürchterlichen Wunden zeigte, welche der Löwe ihm beigebracht hatte.
Die Zelte der Ben-Jussus'«, zu welcher Familie der junge Beduine gehört, standen am Fuße des kleinen Atlas, an einer Stelle, wo ziemlich gute Weiden dem Nomadenstamme hinreichendes Futter für feine Heerden gewährten. Da bemerkte eines Morgens der alte Scheich Ismael, daß der schönste Widder fehlte und das Vieh sehr ängstlich und abgetrieben aussah, Beweis genug, daß irgend ein Rauvthier in der Nahe Hausen mußte. In der nächsten Nacht stellten sich daher einige junge Beduinen auf die Lauer, und kaum hatte der Mond den Horizont überstiegen, als auch der erwartete Gast sich einstell e. Es war ein Löwe von ungeheurer Größe. Die beiden Wächter feuerten ihre Flinten ab, das Raubthier aber streckte die Vsrderklauen, riß gähnend den Rachen auf und ging mit verächtlicher Ruhe stolz und furchtlos in ein nahes Wäldchen, das nur aus Niederholz und schwachen Pistacien- stümmen, gemischt mit einigen Eichen und Cypreffen bestand.
(Schluß folgt).
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Redactton: 8L Schcyda. — Druck und 'Verlag der Brüh l'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gieße».


