Hichener Jamilienblätter.
BelletriALfches BeMM DM GreßrnK Aqeiger.
M. 141 Dienstag den 30. November. 1886.
Wis zur letzten Kkippe.
Original-Roman von E. Heinrichs.
(Fortsetzung).
„Freilich, dem Don Carlos bekam es schlecht, daß er daheim blieb und die Flucht zu spät ergreifen wollte. Lasten wir das Weib, es hat seinen Lohn dahin; berichten Sie von Ihren Abenteuem in Californien."
Felix strich sich über die Stirn und athmete tief, der Spott und Hohn des Manne», dem er die Rettung seines Lebens dankte, hatte ihn verwundet und gedemükhigt, und doch durfte er stolz das Haupt erheben, weil der unreife Knabe den Kampf mit dem Leben ausgenommen und wie ein Held gestritten und gesiegt harte.
Ec unterdrückte deshalb seinen Groll und fuhr nach kurzem Besinnen fort: „Meine deutschen Landsleute hatten nicht zu viel versprochen, wir fanden nicht allein eine reiche Mine, sondern auch inmitten einer geheimen, vielleicht nur von Rothhäuten betretenen Schlucht einen Bach, welcher außerordentliche Ausbeute versprach. — Der Pole Olinski ver- : stand es vortrefflich, uns als die eigentlichen Arbeiter zu überwachen und das Amt des Caisierers ohne Weiteres an sich zu nehmen, während er selber keine Hand zur Arbeit rührte, doch war es mir nicht möglich, meinen verblendeten Landsleuten auch nur ein Fünkchen von jenem Mißtrauen einzuimpfen, welches mich bis zum Ueberschäumen gegen den frechen Tagedieb erfüllte. Ich mußte vielmehr nur zu bald die Wahrnehmung machen, daß er den Spieß gegen mich gewandt und meine Ehre auf eine Weise verdächtigt haben mußte, die mir nur die Wahl ließ, auszascheiden oder den Verleumder zur Rechenschaft zu ziehen. — Meine Mitarbeiter ließen ' nämlich sehr unzweideutige Aeußerungen über mich i fallen, und zogen sich, wo es nur anging, von mir i zurück. Ich machte kurzen Prozeß, ging ihnen direct : auf den "Leib und erfuhr die Wahrheit. Olinski ; war nach Sacramento hinunter, um einen Theil ; unserer reichen Ausbeute bei einem Banquier zu; hinterlegen. — Ich hatte gegen diesen Beschluß j energisch protestirt, was nur ein Hohngelächter her- ; vorgerufen und sah mich ohnmächtig einem Schurken ; und der leichtgläubigen Majorität gegenüber. Daß er mich aus dem Wege haben mußte,- war ganz natürlich, — ich durfte auf Alles gefaßt sein; doch zweifelte ich stark an seiner Rückkehr. — Ich hatte mich., verrechnet, — der schlaue Fuchs kam wieder,
weil er die Beute ganz und ungetheilt haben wollte. In Gegenwart meiner Landsleute stellte ich ihn zur Rede; er hatte gesagt, daß ich in meiner Heimath mich an einem Raube betherligt und die Flucht ergriffen habe. — „Run", entgegnete er frech, „ist es etwa Lüge, daß Sie Ihren Vater bestohlen haben und dann heimlich auf und davon gegangen sind? — Ich kannte den alten redlichen Mann, der aus Kummer über den ehrlosen Sohn — —"
„Weiter ließ ich ihn nicht kommen. Außer mir vor Zorn stürzte ich mich auf den Schuft, um ihn zu erwürgen; doch griffen zehn Fäuste zugleich nach mir und im nächsten Augenblick fühlte ich einen heftigen Schmerz in der Seite, welcher mich bewußtlos machte. Als ich wieder zu mir gekommen, sah ich einen jungen Mann neben meinem harten Lager knieen; es war der Jüngste von unserer Gesellschaft, der 18jährige Reffe unsers schweigsamsten und fleißigsten Miners. Dieser junge Mann, Vincenz war sein Name, stammte aus den baierischen Gebirgen, nach dem sein ehrliches Herz sich unaufhör« lich zurücksehnte. Er hatte sich heimlich zu mir geschlichen und erzählte mir, daß ich in der Seite verwundet worden sei, und keiner von Allen es gethan haben wolle; daß er aber st-.-ff und fest an die Schuld des Polen glaube, der dolchartige Meffer bei sich führe. — Sein Onkel, der alte Matthes, welcher mich verbunden und für mich gesorgt habe, meinte es ebenfalls, fei aber zu friedliebend und zu schweigsam, um den Olinski anzuklagen. Ich fühlte mich ungemein schwach und ergab mich darein, in diesem Winkel der Welt wie ein Hund zu sterben und verscharrt zu werden. Wundsieber stellte sich ein, welches mir das volle Bewußtsein meiner schrecklichen Lage raubte; ich wußte nichts davon, daß mein junger Freund Vincenz und sein Onkel abwechselnd bei mir wachten und mich pflegten, wofür sie von ihren Kameraden nur Spott und Hohn ernteten und unter Olinskr's Haß zu leiden hatten, wußte es nicht, daß ich diesen beiden braven Menschen mein Leben allein zu danken hatte, da jener Schurke meinen Tod be- schloffen. Als die Fieber endlich von mir wichen, die Wunde heilte und ich zum ersten Male mit Vincenz's Hilfe mich erheben konnte, waren mehrere Wochen verfloffn. Man hatte an diesem Tage einen mächtigen Klumpen Gold gefunden, überhaupt eine so überaus reiche Ernte schon gehabt, daß man sich zu einem lustigen Feiertag entschloß, welcher auf den nächsten Tag festgesetzt wurde. Ich wurde schon gar nicht mehr zu der Gesellschaft mitgezählt, besaß weder Stimme noch irgend em sonstiges Anrecht und


