Ausgabe 
30.11.1886
 
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schien Allen außer Meinen beiden Freunden nur ein unangenehmer Ballast zu sein. Vincenz erzählte mir von dem Goldklumpen und theilte mir heimlich mit, daß Olinski mit dem vielen Golds wieder nach Sacramento hinunterginge, weil, wie er ihnen vor- gefchwatzt, man hier nicht sicher vor räuberischem Gesindel sei. Der alte Matthes Und Vincenz waren die einzigen, welche ihm mißtrauten, doch hatte der Bursche durch sein glattes Wesen und geistiges Ueber- gewicht eine solche, ich möchte sagen, unheimliche Macht, über die rauhen, schlichten Männer gewonnen, daß jene Beiden es nicht wagten, ihr Mißtrauen laut zu äußern und es ruhig mit ansehen mußten, wie man ihm das unter harter Arbeit erkämpfte Gold, für welches er keine Hand gerührt, übergab, mit dem Auftrage, am nächsten Tage mit Rum und allem nöthigen Zubehör zurückzukehren."

So dumm konnten auch nur Deutsche handeln", warf der Jäger, dem Erzähler einen vollen Becher Wein hinschiebend, verächtlich hin.

Ich geb' es zu", nickte Felix, hastig trinkend, man trifft besonders in Süddeutschland unter dem Landvolk noch recht viel vertrauensvolle Leichtgläubig­keit und Gutmüihigkeit, wie die Landsleute es hinlänglich bewiffen. Ich war überzeugt, daß der Olinski diesmal nicht wiederkehren werde und knirschte vor Wuth bei dem Gedanken, noch zu schwach zu sein, um den Schurken, deffen mörderische Hand mich niederstreckte, verfolgen und ihm seine Beute viel­leicht abjagen zu können. Nun, um es kurz zu machen, Olinski kam nicht zurück, sie warteten am nächsten Tage vergebens auf seine Wiederkunft und legten sich spät Abends mit der närrischen Ueber- zeugung zum Schlafen nieder, daß ihn irgend ein Hinderniß oder ein Unfall zurückgehalten haben muffe. Es mochte nach Mitternacht sein, der Schlaf floh meine Augen, weil die Gedanken an den verrätherischen Schurken mir keine Ruhe ließen, als ich, durch ein leises Geräusch wie von schleichenden Fußtritten auf­merksam gemacht, mich erschreckt emporrichtete und mit allen Sinnen darnach horchte. Noch muß ich bemerken, daß die Nacht kalt war und ich mich des­halb mit meinem Bärenfell in eine durch unsere Miner hervorgebrachte Felsenhöhlung zur Ruhe nieder- gestreckt hatte, wodurch ich etwa 200 Schritt von meinen Landsleuten entfernt war, auch herrschte eine ziemliche Dunkelheit, doch nicht so stockfinster, um die Gegenstände, zum Exempel einen Menschen von einem Thier nicht unterscheiden zu können. Ich ver­nahm deutlich die schleichenden Tritte und strengte meine Sehnerven on, die nächtlichen Besucher zu er­kennen. Das Herz klopfte mir wie ein Hammer, als ich eine Anzahl Männer an mir vorüber­schleichen sah."

Plötzlich blieben sie vor meiner Höhle stehen und eine Stimme flüsterte:Dort in gerader Linie steht das Minerzelt, Ihr könnt sie leicht im Schlaf überwältigen, macht kurzen Prozeß, das Gold findet Ihr in einer Höhle hinter dem Zelt, verschonet keinen, damit kein Ankläger sich erhebe,

dieses Revier ist übrigens schon eines kleinen Kampfes werth; noch eins, laßt mir den Schurken, welcher krank und schwach erscheint, zuerst daran glauben, er vor Allen würde Euch an den Galgen bringen, weil er der Geriebenste ist." Der Mann, welcher diese Worte halblaut sprach, war Olinski, welcher sich jetzt entfernte, nachdem er, um seinen Raub in Sicherheit genießen zu können, die Mörder­bande hierher gebracht hatte- Ich saß wie gelähmt auf meinem Lager, bis das Gesindel sich weiter ge­schlichen. Da erhob ich mich mit einem festen Ent­schluß und eilte geräuschlos, mit jedem Schlupfwinkel vertraut, durch einen äußerst gefährlichen Felspfad, um der Bande zuvorzukommen; die Rettung der Unglücklichen hing jetzt an der Secunde. Wie ich vor den Mordgesellen das Zelt erreicht, kann ich nicht sagen, da ich mich in einem Zustand wahn­sinniger Aufregung befand, genug, es gelang mir, die Schläfer durch einen Schuß zu erwecken, was die Räuber auf einen Augenblick stutzig machte und aufhielt.Zu den Waffen!" rief ich meinen verdutzten Landsleuten zu,Olinski hat Euch verrathen und verkauft, man will Euch wie Schafe avfchlachten!" Ha, ha, wie sie schimpften, die Braven und mich für einen Wahnsinnigen erklärten, bis der nächste Augenblick sie eines Befferen be­lehrte, als die Mörder mit Revolvern und langen Meffern hereinstürzlm, und eine Kienfacksl jetzt das schauerliche Blutbad erleuchtete.

Ich sah nur noch, wie die Unglücklichen hinge­streckt wurden, fühlte meinen Arm ergriffen und mich durch eine Oeffnung des Zeltes gewaltsam ge­zogen, worauf es in Windeseile mit mir bergab ging. Dann schwand plötzlich mein Bewußtsein. Als ich wieder erwachte, befand ich mich in einem guten Bette und in einem anständigen Zimmer; mein erster Blick fiel auf Vincenz, welcher mich ge­rettet hatte, als fein Onkel von einem Schuß nieder­gestreckt worden war. Er erzählte mir, daß ein reicher Kaufmann aus Sacramento, welcher des Weges gekommen, sich unserer erbarmte und uns in seinem Wagen mitgenommen, auch für unsere Auf­nahme in einem anständigen Gasthofe gesorgt habe. Etwas später kam der wackere Mann selber, um nach uns zu sehen, er wußte, daß wir Deutsche waren, wurde aber mächtig überrascht, als ich ihm ohne Bedenken meinen Namen und meinen Geburts­ort nannte, und auch ich war hoch erfreut, in ihm einen alten Hamburger und noch dazu einen Jugend­freund meines Vaters kennen zu lernen. Er ruhte nun nicht, bis ich in seinem prächtigen Hause wohnte, ich und mein treuer Vincenz, welcher ebenfalls wie ein Freund ausgenommen wurde. Nun, ich war Kaufmann und verstand, wie man zu sagen pflegt, mein Metier, ich trat als Correspondent in das große, ausgebreitete Geschäft der Firma Datering, während Vincenz als Lehrling placirt wurde. Der Chef des Hauses war unverheirathet und behauptete, auch in Hamburg sowenig wie in der ganzen Welt Verwandte zu besitzen. Was soll ich weiter erzählen,