Ausgabe 
28.5.1925
 
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stellen Von französischer Sette werden ebenfalls crnslliche Einwendungen gegen den zu großen Stab der Staatspolizei und eine An­zahl untergeordneter Punkt« gemacht. Sn Bezug auf diese Angelegenheiten ist es nach französischer I Ansicht möglich, das; Deutschland Ne in der Aote gestellten Bedingungen bis Ende Sep­tember erfüllen kann, toas die Räu­mung Kölns zur Folge haben werde. Gemäß der Vereinbarung. die Herriot und Theunis mit Deutschland getroffen haben, wird das Ruhr­gebiet am 16. 21 u g u ft geräumt. Zur gleichen Zett werden die Besahungstruppen aus den drei Sdten Düsseldorf. Duisburg und Ruhr­ort zurückgezogen, die eine Kategorie für sich I gebildet haben. Dieser Bezirk hat nichts mit der Kölner Zone zu tun und wird geräumt werden, da Deutschland bereits gewisse Verpflichtungen des DaweSplanes erfüllt habe.

Vor Ueberreichung Der Note.

Paris, 27. Mai. (MTV.) Die Bolschaf- lerkonserenz wird am Freitag oder Samstag zufammentreten, um die Frage der Ent- nraffnung zu diskutieren Die Aeporations- f o m m l f f i o n wird am Freitag zusammentreten, um offiziell festzustellen, ob Deutschland seine Re- pacationsverpflichtungen erfüllt hat. Wenn die Fest­stellung befriedigend ausfällt, wird die V o t s ch as­te r k o n f e r e n z um die Vegleitnole an Deutschland, über die man sich endlich unter den Alliierten geeinigt hat, fertig zu stellen. Die Role wird dann, nachdem sie die endgültige Be- flätigung der Regierungen gefunden Hane, am Dienstag dernäch st en wochenach Ber­lin abgesondt und von den alliierten Bot. schaflern unter Führung Lord d'Abernons am Mittwoch in Berlin überreicht werden. Lin Hindernis fei allerdings noch, daß General Waloh auf die Einfügung von ein oder zwei Verfehlungen bestände, die von englischen mili- tärischen Sachverständigen nicht wichtig genug gehalten würden.

Der Sicherheitspakt.

Die englischen Liberalen für gegen­seitige Sicherheit.

London, 28. Mai. (T. 11.) DerManchester Guardian" sagt in feinem heutigen Leiartikel, daß Deutschland in gleicher Weise wie Frankreich Sicherheiten gegen 2In = griffe haben müsse, und daß die Veroslichtung gegenseitig sein müsse. Die Franzosen seien der' Ansicht, daß Frankreich das Recht haben müsse, Truppen in das Rheinland zu entsenden, obwohl Deutschland dies nicht tun könne, und obgleich das Rheinland deutsches Gebiet sei. Die ein - seifige Bestimmung des Vertrags könne nicht in die neueSicherheitsgarantie hin- übergenommen werden. Wie weit das in dem neuen französischen Notenentwurf yeschehen sei, sei noch nicht genau bekannt, aber es sei augenscheinlich, daß die britische Regierung mit dem gegenwärtigen Inhalt der Rote beträchtliche Schwierigkeiten habe. Wenn die britische Regierung nicht mit den Richt­linien der französischen Rote übereinstimme und die Franzosen ntdn gewillt seien, sie zu ändern, dann bleibe nur ein Weg für die britische Regierung: sie | Müsse bann au f eigene Faust eine offizielle ! Antwort entsenden Es wäre natürlich besser ge­wesen, wenn Frankreich und England in der Lage . gewesen wären, sich zu einigen. Aber wenn das nicht möglich wäre, dann könnte die Regierung nicht eine Po'iiik gutheißen, von der sie sich nichts verspreche und in keiner Uebereinstimmung mit ihren früheren Erklärungen stände.

Die Iunitagung des Völkerbundsrates.

Am 8. Juni wird der Vblkerbundsrat zu seiner Sommerscssion zusammentrelen. Die Tages­ordnung ist nicht umfangreich, aber doch recht . interessant. So stehen u. a. auch QU inder - heitsfragen zur Debatte, leider aber nur solche, die sich auf Ost- u n d S ü d o st e u r o P a beschränken und das brennende Problem der deutschen Minderheiten in Polen, der Tschechoslowakei, Südslawien und Stalien nicht berühren. Das ist außerordentlich zu bedauern, auch we>m Deutschland nicht zum Völkerbund ge­hört, wäre es doch ein schöner Zug von ihm gewesen, wenn er sich der schwer bedrängten deutschen Minoritäten angenommen hätte. Er hätte dadurch unzweifelhaft für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund geworben, so ruft er jedoch eine nicht zu unterschätzende Bitter- feit hervor, durch die die Abneigung gegen einen Beitritt nur noch verstärkt wird. Aber auch ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist geeignet. daS deutsche Volk vor den Kops zu stos^n. Es soll nämlich die Frage der Militär­kontrolle, also die Aeberwachung der Rüstun­gen Deutschlands und Oesterreichs beraten werden. Dagegen hat der Rat sorgfältig vermieden, auf die Anregungen des Reichsäußenministers Dr. ©tretemann einzugehen und diesen Pro­grammpunkt dahin auszubauen, daß auch für die übrigen Staaten Abrüstungsvor- schläge. mindestens aber doch Rüstungsbe­schränkungen unterbreitet werden. Schließ­lich steht noch die Danziger Brief- kastenfrage ^zur Erörterung, zu der in­zwischen vom internationalen Gerichtshof im Haag ein Gutachten abgegeben worden ist. Die Zusammensetzung des Völkerbundsrates bürgt aber nicht dafür, daß Danzig zu feinem Recht kommen wird.

Trotzkis Rückkehr.

Mit der Ernennung Trotzkis zum Vorsitzenden des Hauptkonzefsions- k o m i t e e s und zum Leiter der Techni­schen Abteilung des russischen Volk s- wirtschaftsrates breitet fid) über die Kluft des großen Parleistreites in Moskau die Decke der äußeren Versöhnung. Wenngleich Sinow­jew in der letzten Zeit mehrfach großen Kon­gressen ferngebliebcn ist. beharrt er nach wie vor auf seinem Standvunkt der erttufitxm Delt- revolution. 3n Wirklichkeit aber hat er innen­politisch seinen Rückzug vollzogen, und die Ernennung des Qkrbarmten stellt damit gleich­zeitig die von der russischen Landwirtschaft und Industrie, zum Teil aber auch von den kommu­nistischen Parteigängern zwangsläufig geforderte Konzession an die bürgerliche Außen- welt dar.

Die beiden von Trotzki jetzt besetzten Posten sind in ihrer volkswirtschaftlichen und politischen Bedeutung die gegebene Basis für bto Betäti­

gung Trotzkis in der Richtung seiner Politik, I um derentwillen er einige Monate im Sudan verbringen mußte. Fügt man d.e zuverlässige Version hinzu, die Verbannung Trotzkis sei ledig­lich zu dem Zwecke erfolgt, um den schon früher I als notwendig erkanntem Rückzug Sinowjews zu verschleiern, so hat die privatwirtschaftliche Zm- tiative und die ihr zuneigende kommunistische Opposition den vollen Sieg errungen. Freilich, der Streit ist noch nicht zu Ende.

Aus den Reichstags- ausschüffen.

Berlin, 27. Mai. (TU.) Der Auswer­tung s a u s s ch u ß des Reichstags nahm die einzelnen Bestimmungen des § 5, der die Zah­lungstermine für die Aufwertungs- tapitalbeträge usw. vorschreibt, ent­sprechend dem Kompromißantrag der Regie­rungsparteien an, ferner eine Entschließung, die die Regierung ersucht, alsbald mit den in Be- I tracht kommenden Grundkreditanstalten in Verbindung zu treten, um unter Ausschließung eines gesetzlichen Zwanges die Möglichkeit zu schaffen, daß Die Aufwertungsbeträge der Htzpo- thekengläubiger von den Grundkreditcmstalten gegen Ausgabe von Pfandbriefen abgenommen werden. Weiter wurde beschlossen, für jede Frak- tion einen Vertreter für eine beim Reichswirt» schaftsministerium für die Frage der Modifizie­rung der Hypotheken zusammentvetende Kom­mission zu entsenden.

Im Steueraus schuh des Reichstags wurde ein Antrag angenommen, wonach es in das Ermessen der Finanzbehörde gestellt Wird, bei einem offenbaren Mißverhältnis zwischen dem Versteuerten Einkommen und dem Verbrauch eine Veranlagung nach dem Verbrauch vorzunehmen. Weiter hat der Ausschuß be­schlossen, daß eine Besteuerung nach dem Ver- j brauch nicht erfolgen darf, wenn der Steuer­pflichtige nachweist, daß er den Verbrauch aus seinem Vermögen bestritten hat, das bei seinem Entstehen in den letzten drei Iahren der Besteuerung nach dem Einkommensteuergesetz unterlegen hat. Ferner bestimmte der Ausschuß, daß eine Besteuerung nach dem Verbrauch nur Anwendung finden Darf, wenn der Verbrauch mindestens 15 000 Reichsmark jähr­lich beträgt. Die Regierungsvorlage enthielt als Grenze einen Iahresverbrauch von 8000 RM.

Schließlich beschloß der Ausschuß, daß bei der Veranlagung besondere wirtschaftliche Verhältnisse, die die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen wesentlich beeinträchtigen, durch Ermäßigung oder Erlaß der Einkommen­steuer berücksichtigt werden, wenn das Ein­kommen 16 000 Reichsmark nicht übersteigt. Als Verhältnisse dieser Art sollen außergewöhnliche Belastungen durch Anterbalt oder Erziehung einschließlich der Berufsausbildung der Kinder, durch gesetzliche oder sittliche Verpflichtung zum Unterhalt mittelloser Angehöriger, durch Krank­heit, Körperverletzung, Verschuldung, Änglücks- sälle, darunter Ernte- und Hochwasserschäden oder durch besondere Aufwendungen am Haushalt gelten. Die für die zur Haushaltung Steuer» j pflichtigen zählende Ehefrau und für jedes minder­jährige Kind vorgesehenen Ermäßigungen sollen auch gewährt werden, für die Ehefrau und die minderjährigen Kinder, die nicht- zur Haushaltung des Steuerpflichtigen zählen und für uneheliche minderjährige Kinder, die nicht zur Haushaltung zählen, wenn sie von dem Steuerpflichtigen ganz oder im wesentlichen unter­halten werden.

Noch keine Nachricht von Amundsen.

JnErwartuuaderRückkehr.Besseres I Wetter. Norwegische Hilfsaktion.

Oslo, 27. Mai. (TU.) Die arktischen Sach- | verständigen empfinden keine Nervosität^ über das Schicksal Amundsens. Sie halten eine Ret­tungsaktion für verfrüht. Die norwegischen Fischer­flotten in Grünland und Nowaja Semlja sind an­gewiesen, nach den Fliegern Ausschau zu halten.

Nach einer Neuyorker Kabelmeldung hat sich I außer Coolidge jetzt auch Marinesekretär Wal- bürg über eine Entsendung des Lustschiffes ,.S h e- n a n o o a h" dahingehend geäußert, daß eine der­artige Hilfsexpedition kostspielig, gefährlich und wahrscheinlich erfolglos sein werde. Man rechnet Da» mit, daß Amundsen sich auf dem Wege nach Alaska befindet.

An Bord des Schiffes der Flugexpedttion mar» tet man mit steigendem Interesse auf Amundsen. Sollte er bis Freitag nicht zurückgekehrt sein, so erwägt man, Hilfe von außerhalb herbeizurufen. Das Weller hat sich jetzt bedeutend gebessert. Auf Rordsplhbergen ist Sonnenschein und steigende Tem­peratur.

Lerteidigungsminister 3 a t d b j c n erklärte | Journalisten, daß die Situation jetzt derartig sei, daß die nötigen Vorbereitungen a u g e n b l i ck - l i ch in Angriff genommen werden müßten, um für eine etwa erforderliche Hilfeleistung bereit zu sein. Der Staatsrat werde auf den Marine­stationen untersuchen lassen, ob zwei Flugzeuge mit einem Kriegsschiff nordwärts geschickt werden kön­nen. ~)ie Flugzeuge würden nicht bis zum Pol nordwärts gefdjirft werden, sondern in großem Bogen bedeutende Strecken absuchen und so die ver­hältnismäßig große Möglichkeit haben, die Flie­ger zu finden, falls diese nicht allzuweit von Spitz­bergen herabgegangen sein sollten.

Kleine politische Nachrichten.

In Düsseldorf begannen dje Verhand­lungen der Allgemeinen deutschen Arbeits­nachweistagung. Landeshauptmann Dr. Horion begrüßte die Tagung. Der erste Tag ist Fragen der Arbettsmarktpolitik gewidmet. Als erster Redner sprach Professor M o m b e r t» Gießen über den deutschen ArbettSmarkt der Iahrhundexlwende unter dem Einfluß des Wan­dels der Kultur. Sodann sprachen Lüttaen- Magdeburg und als letzter Redner Professor W e h r l e - Aürnbera über Ziele und Grenzen der Arbeitsmarktpolitik.

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Wie derVorwärts" berichtet, beschäftigte sich das Ehrengericht, das auS mehreren Richtern und zwei deutschnationalen Reichstags­abgeordneten bestand, mit der Weigerung Dr. Bests, der Aufforderung der deutschnationalen ReichstagSsraktion nachzukommen und sein M a n-

bflt niederzulegen. Das Ehrengericht billigte einstimmig das Verhalten Vests, der sein Mandat beibehalt.

Im Plenarsaal des ReidMiwirtschaftsrats fcnib gestern eine Protest Versammlung gegen die preußischen A u sl üh r u n g s best im­mun g e n über das Grundschulgeseh statt. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der die Ausführungsbestimmungen des preu­ßischen Kultusministers zum Grundschulgesetz als verfassungsmäßig und gesetzlich nichtig bedetd)- net werden, weil sie Zweck und Ziel der Grund» schulgesehnovelle in das Gegenteil ver­kehren und den Aufstieg der leistungsfähigen Kinder hemmen. Es wird verlangt, daß zedem Kind, das das Pensum der Grundschule in drei Iahren durchgemacht hat, die Möglichkeit gege­ben ist, die im Grundschulgeseh vorgesehene Auf­nahmeprüfung für die höhere Schule abzulegrn.

Dlätlermeldungen aus Sofia zufolge wurde das Todesurteil an den Tlrhebern des Domben-Attentats in der Kathedrale von Sofia, Friedmann, Zadgorski und Koeff, voll­streckt. Alm 8 Llhr führte man die Verurteilten auf einen großen Platz im 'Westen der Stadt, der rings von trtfhinenartigen Anhöhen umgeben war, wo sich eine Zuschauermenge von über 50 000 Personen angefammeU hatte. Rach der Llrteilsverlesung und Beichte der Verurteilten wurden Koeff und Zadgorski und schießlich Fried­mann gehenkt. Die Henkersdienste verrichteten drei Zigeuner.

Aus aller Wett.

Eröffnung der Grotzdeutscheu Kunstausstellung in Darmstadt.

D a r m ft a d t, 27. Mai. (WTB.) Heute mittag ist in Gegenwart zahlreicher Vertreter von Be­hörden, der Künstlerschast und in Anwesenheit vieler geladener Gäste die Großdeutsche Kunstaus- st e l l u n g auf der Mathildenhöhe eröffnet worden, die eine der Hauptoeranstaltungen desDarmstädter Sommers" ist. Die Ausstellung ist mit Unter­stützung der Stadtverwaltung ein Unternehmen der Darmstädter Ortsgruppe der Allgemeinen Deutschen Künstlergenossenschaft. Als deren Vorsitzender hielt Professor G e t r o st - Darmstadt die Eröffnungsrede, I worauf der Minister v. Brentano im Auf­trag der hessischen Regierung Glückwünsche über­brachte. Als Vertreter der Stadt sprach Oberbürger­meister Dr. G l ä s s i n g. Der städtische Kunstreferent, Bürgermeister Buxbaum, erklärte hierauf die Ausstellung für eröffnet. Als Vertreter des Haupt- ausschuffes der Allgemeinen Deutschen Künstler- genossenschast war Professor Fenkohl-Berlin an­wesend. Die Ausstellung ist von deutschen und öster­reichischen Künstlern beschickt; sie ist sehr vielseitig und deshalb eine der bemerkenswertesten, die in den letzten Jahren hier stattsanden. Es sind auch Künstler der verschiedensten Richtungen vertreten und die be­deutendsten Namen alter und junger Kunst darunter. 3m ganzen weist die Ausstellung nahezu 600 Werke | der Malerei, Graphik und Plastik auf.

Turmeinsturz in Bad Dürkheim.

Am Dienstagnachmittag zwischen 2 und 3 Uhr ereignete sich auf dem Bismarckturm auf dem Peterskopf ein großes Unglück. Eine Schulklasse hatte den Turm bestiegen, als plötzlich der Boden unter den Füßen der Schüler wich und in den Turm hineinstürzte. Während des Einsturzes des Betonbodens an der Westseite des Turmes be­fanden sich auf ihm ein Lehrer und etwa zwölf Schüler aus Frankenthal. Mit dem Bo­den stürzten neun Kinder auf die unten befindliche Terrasse und wurden sämtlich mehr oder weniger schwer verletzt. Vier Kinder erlitten Bein­brüche, davon ein 12jähriger Keabe innere Ver­letzungen, während die übrigen mit Weichteilver­letzungen davonkamen. Der Lehrer und zwei Schu­ler blieben deshalb von dem Sturz verschont, weil sie f.d) an einer etwas seitwärts gelegenen Stelle befanden, die nicht einstürzte. Etwa zwanzig auf der unteren Terrasse befindliche Schüler konnten fid) vor dem Einsturz der Betonmassen noch rechtzeitig in Sicherheil bringen, sonst wäre eine große Anzahl erschlagen worden. Nack) Anlegung von Notverbänden durch die Sanitätskolonne Frankenthal wurden die Verletzten in das Städ­tische Krankenhaus nach Frankenthal übergeführt. I Ein schwerverletzter Schüler ist auf dem Transporte I verschieden, während bei den übrigen keine Lebensgefahr besteht. Als Ursache des Unglücks nimmt man an, daß eine Bodensenkung den Riß in den Betonwänden verur­sacht hat, denn bereits in der vergangenen Wod)e wurde von Ausflüglern feftgestellt, daß der etnge- stijrzte Boden einen großen Riß hatte und schwan­kend war.

Luftverkehr HamburgDresden.

Am Dienstagabend landete aus Magdeburg komend ein sechssitziges Junkers-Verkehrsflugzeug I auf der Elbe bei D r e s d e n. Bei den in D r e s d e n und Magdeburg veranstalteten Flügen handelte es sich um die Vorbereitung der im Juli zu er­öffnenden Wasserflugstraße Dresden M n g d e b u r g H a m b u r g. Wie die Lustoer- kehrs-Aktien-Gesellschast mitteilt, sind die Flüge be­friedigend verlaufen. Es wurde festgestellt, daß sich die Elbe zur Eröffnung eines solchen Verkehrs sehr gut eignet. Mit der neuen Linie nach Magdeburg und Hamburg erhält Dresden eine weitere wichtige Strecke, die sich insbesondere auch für den sächsischen Luftverkehr eignet und ohne Schwierigkeit bis Prag verlängert werden kann.

Eckener Dr. h. c. der Grazer Technischen Hoch­schule.

Die Grazer Technische Hochschule hat gelegent­lich eines Besuches Dr. Eckener und Dr. Dürr zu Ehren-Ooktoren ernannt.

Schwerer Verkehrsunfall in Breslau.

Wir hören aus Breslau: Ein Autobus riß an der Ecke der Kaiser-Wilhelm- und Viktoria- Straße ein vier Stock hohes Gerüst um, Ein von dem Gerüst herabhängendes Seil verfing sich in dem Trittbrett des Wagens; der Hührer des Autobusses fuhr weiter, ohne etwas gemerkt zu haben. Im gleichen Augenblick stürzte dasganzeGerüst in sich zusammen und riß die darauf arbeiten­den Handwerker in die Tiefe. Drei Arbeiter waren sofort tot, zwei wurden schwer verletzt in» Krankenhaus gebracht. Der stellvertretende Polizeipräsident und Vertreter der Staatsanwalt­schaft begaben sich sofort an die Unglücksstelle.

Spritschieber Kopp auögeliefert.

Der vor einigen Monaten in Rotterdam von einem deutschen Kriminalbeamten in Verbindung mit der bolländischen Polizei verhaftete Sprit­

schieber Kvpp ist setzt wm Öen BoHSriRMte 1 Behörden ausgelrefert und sn daS Derttn« LlntersuchungsgefängniS über geführt toodxm. DaS Verfahren gegen Kopp wird mit dem gegen j Spritschieber Weber verbunden.

Zwei Dienstmädchen vom Blitz erschlag«. / |

Nach einer Meldung aus Halle erschlug dep Blitz in Landgrafroda zwei Dienstmädchen eines Landwirts, die mit ihrem Arbeitgeber vor einem Gewitterregen unter einem Baume Schutz gesucht hatten. Der Landwirt wurde betäubt uno er bolff sich bald.

Beim Vaden ertrunken. ,

Auf dem Kummerower See bei Dem­min wurde ein junger Mann beim Baben vom Herzschlag getroffen und sank sofort unter. Zwei andere junge Leute ertranken bei dem Rettungsversuch.

Schweres Eisenbahnunglück bei Sofia.

Wie wir hören, entgleiste bei Sofia ein Personen zug infolge falscher Weichen­stellung. Soweit bisher festgestellt -werden konnte, sind 10 Personen getötet und 20 schwer verletzt worden.

Wieder ein großes Erdbeben von 37 Minuten Dauer.

Nach einer Meldung aus Neu-Orleans stellte der Seismograph der dortigen Universität ein großes Erdbeben fest, das ununterbrochen 3 7 Minu - t e n dauerte, und zwar von 2,23 bis 3 Uhr früh. Das Zentrum des Bebens liegt 10 000 englische Meilen südlich von Neu»Orleans.

Explvsionskatastrophe in Mulden.

In Mukden fand eine schwere ExPlo - s i o n statt, die viele HLuser zerstörte. Man zähtt bisher 300 Tote.

Dergwerkskatastrophe in Amerika.

Aus Raleigh (Aorth-Carolina) wird ge­meldet, daß in einem Bergwerk der Carolina Coal Company infolge einer Explosion etwa 50 Bergarbeiter verschüttet wurden. Die Explosion ereignete sich gegen Mittag. Dicht« gelbe Rauchwolken machten ein Einbringen in den Schacht unmöglich und verhinderten so das Rettungswerk. Zwei mit Gasmasken ausgerüstete Bergleute drangen eine kurze Streck» I in den Schacht, waren jedoch gezwungen, zurück» Ären. Eine spätere Meldung besagt, daß eine

:re Gruppe von Rettungsmannschaften I sechs Tote geborgen habe.

Mettervo raussage.

Bei vorwiegend westlicher Luftströmung weiterhin halb bis ganz bedeckt und Regenfälle. Temperatur wenig geändert.

Linser Bezirk ist mehr und mehr unter den Einfluß von westlicher Luft gekommen, die durch die in breiter Front ostwärts nach Mittel­europa vordringenden Tiesausläufer bedingt ist. Das Zentrum des Wirbels scheint sich etlraS abzuschwächen. Für morgen bleibt der eingetretene Witterungscharakter bestehen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 28. Mai 1925.

Mehr Munrenschrnuck.

Von Gartenbauinspektor R e n t s ch, Friedberg.

(Rachdruck verboten.)

Vor ungefähr 10 Iahren im Weltkrieg kam man vielerorts auf den Gedanken, den Blumenschmuck des Hausgartens, ja sogar des Balkons, zu Gunsten der Gemüsezucht zu opfern. Die Rotwendigkeit der Sicherstellung Dec Er­nährung, der Mehrerzeugung von Rahrungs- Mitteln ließ diese Maßnahme, soweit es sich um Gärten handelte, teilweise gerech fertigt erscheinen, denn wir hatten Weltkrieg! Iede Einfuh vvn Nahrungsmitteln war uns damals abgeschlossen. Von einer Gemüsezucht in Balkon- und Fenster» kästen war aber nicht viel Ersprießliches zu er» warten. Es war ein Unding, wenn empfohlen wurde, Salat, Kohlrabi, Blumenkohl, Tomaten und anderes mehr auf Dem Balkon zu ziehen. Bei Tomaten war es bei föhniger Lage vielleicht noch am ehesten möglich. Ruf jeden Fall liegt aber heute nirgends mehr ein Grund vor, zu Gunsten irgendeiner Gemüsepflanze aus byt Blumenschmuck zu verzichten. An Rahrungs- Mitteln ist heute fern Mangel mehr; ja an Ge­müse ist heute überall Lleberfluh, der Derart auf die Preise Drückt, Daß die Existenz vieler deutscher Gemüsezüchter auf Dem Spiele steht. Die hollänDi- schen Gärtner und auch die anderer Länder über­schwemmen Die Märkte unserer StäDte mit Ge­müse, und zwar zu einem Preis, für Den es in Deutschland meist nicht gezogen werden kann.

Dort, wo man also in Zeiten 'der Rot den Blumenschmuck verbannte in Hausgärten, Vorgärten, auf Ballonen sollte man ihm seine alt erworbenen Rechte wieder einräumen. Ueber- | Haupt sollte man sich der schmückenden Eigenschaf« I ten der Blumenwelt mehr bewußt werden und recht viel davon Gebrauch machen. Leider stellen unsere meisten Vorgärten Grasplätze dar, Die oft genug noch schlecht gepflegt sind unD schließ­lich als Bleichplah dienen. QNöchte doch jeder. Der sein Haus an eine Straße, besonders an eins verkehrsreiche Straße g-baut hat, sich bewußt fein, daß er Dann Den Vorgarten schön zu erhalten hat, um das gesamte Straßenbild zu heben. Man wende nicht ein, daß Das heute für Den Haus­besitzer zu teuer sei. Es bedarf keines Blumen­schmuckes, der vielleicht aus irgendwelchen aus- länvischen, empfindlichen Pflanzen besteht, Die sich nur mit großen Kosten ersetzen lassen. Bringen wir die Blumen, die unsere Großeltern im Hausgarten zogen, wieder mehr zur Geltung, und wir haben einen Blumenschmuck, der aaco für weniger Beiyittelte heute noch erschwinglich ist. Ich erinnere hier an unsere Frühlingsblühsr, die jeder sich im Garten heran^ieh«n kann, wie Stiefmütterchen, OZergißmeinnicht, ONaßliebchen und Phlox. Sie ersetzen uns vollständig da« schönste Beet holländischer Tulpen. Für den Sommer haben wir Dann Astern, Tagetes, Löwen­maul, Zinnien, Levkojen, Relken, Begonien und andere. Roch billiger sind Diejenigen Blumen, Die man balD an Ort und Stelle säen kann, wie z. 03. die verschiedenen Mohnarten: Calendula Kapuzinerkresse, Reseda, Cosme i. Eschscholhia, Fuchsschwanz, Schleifenblume, Calliopsis und an­dere. Für den, der über geeignete Aeberwinte- rungSräume verfügt (heizbare Glasv:randen, Helle, wenig geheizte Zimmer, Helle, frostfreu: Keller), feien diie verschiedenen Sorten Pelar­gonien (Geranien), Fuchsin, Heliotrop, Agera- tum, Mimulus, Oltarguriten (nicht zu verwechM" mit Wucherblumen) und Sakvien erwähnt. Für 1 einige Mark lassen sich auch junge Pflanzen da-