bitfem Al kommen auhenpolitifc^ gar tcmc große I Bedeutung beigelegt werden. weil die soztal- poiiiischen Bestimmungen des Versackter Vrr- ,; agc5 von den 5 eindstaaten nicht ernst genommen würden, was sich auch daraus ergebe. daß noch nicht zehn Staaten die Entwürse ratifiziert hatten. Das deutsche Prestige würde «ich nur heben, weirn sich Denischland mit der Ratifizierung Nicht so sehr beeile.
’2Ibg. Rädel (Komm.) crtlart. daß, obwohl die Kommunisten einer internationalen Partei angehörten. lehnten sie das Internationale Arbeitsamt ab. weil es nur zur Täuschung der Arbeiterklasse bestimmt sei. Stufe Lendmz gehe schon daraiis hervor, daß im Ver- waltungsrat die Arbeitnehmer nur mit einem Viertel der Stimmen vertreten seien. Zum Washingtoner Aebereinlommen über die Arbeitslosigkeit gibt der Redner seine Zustimmung.
Abg. Erkelenz (Dem.» befürwortet die vorliegenden internationalen Arbeiterubereinkom- men. ES sei bedauerlich, daß man deutscherseits nicht Dia früher an das Internationale Arbeitsamt herangetreten sei. Daraus erkläre sich auch, daß nunmehr die besten Plätze beseht seien. Deutschland komme leider immer zu spät. Das habe sich anderwärts, z. V. bei dem Kolonial- erwerb, gezeigt. Internationale sozialpolitische Debereinkoinmen und Kongresse, wie der demnächst in Genf stattfiridendc. müßten auch von Deutschland zu propagandistischen Zwecken aus- genuht werden.
Abg. Lh iet (D. Vpt.) meint, daß der von Erkelenz vorgeschlagene Weg für Deutschland nicht gangbar sei, weil das Zurschaustellen denn deutschen Wesen widerspreche. Demgegenüber müsse Deutschland vor allen Dingen darauf dringen, daß es als gleichberechtigtes Land mit England und Frankreich behandelt wird.
In der Abstimmung nimmt das Haus sämtliche vorliegenden internationalen älebereinkommen an, ebenso einige Entschließungen, die die Regierung auffordern, für die gleichberechtigte Behandlung Deutschlands energisch einzutreten. _
Abg. Keil (Soz.) beantragt, auf die Lages- ordnung der morgigen Sitzung den Antrag des Aufwertungsausschusses zu sehen, demzufolge die Regierung ersucht wird, baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen. der im Interesse der Aufwertung eine Sonderbesteuerung der neu entstandenen Vermögen sowie derjenigen Vermögen, die während der Inflation einen Zuwachs oder keine wesentliche Mmderung erfahren haben, festseht. Es entspinnt sich über diesen Antrag eine lebhafte Auseinandersetzung, in der der Abg. Schu lz-Vromberg (Dntl.) den Vorschlag macht, den Antrag auf Sonderbesteuerung morgen dem Steuerausschuß, der dafür zuständig sei, zu überweisen. Rach weiterer lärmender und lebhafter Geschäftsordnungsdebatte wird der Antrag Keil, den erwähnlen Antrag auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu sehen, zur Abstimmung gebracht, deren Ergebnis zweifelhaft ist. Es folgt eine Abstimmung im Hammelsprung. Das Ergebnis ist: 148 Ja-Stimmen, 155 Rein-Stimmen. Der Antrag Keil ist also mit 7 Stimmen Mehrheit ab gelehnt worden.
Preußischer Landtag.
Berlin, 14. Mai. (£11.) Aus der Tagesordnung steht als erster Gegenstand die erste Beratung der Zentrumsanträge. Herold (Ztr.) fordert Annahme eines Entwurfs für eine P reust i sch e Städteordnung und einen solchen für eine preußische Landgemeindeordnung. Der Gegenstand hatte bereits em- »gehend den 22er-Ausschuh des aufgelösten Landtags beschäftigt. Ein Untersuchungsausschuß hatte >bie Beschlüsse redaktionell zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefaßt. Der Zentrumsantrag »nimmt diese Arbeiten wieder auf, hat aber nicht ein einheitliches Gesetz, sondern zwei Sonderent- würse vorgelegt. In der Aussprache bedauert Abg. Haas (Soz.), daß die Zentrumsantrage den Gegenstand wieder auseinander gezogen haben. Der Redner wünscht ein Einkammersystem, spricht sich für die Burgermeistereiverfassung aus und lehnt die Magistratsverfassung ab. Er erklärt sich auch gegen das staatliche Bestätigungsrecht. — Abg. Freiherr v. Mirbach (Dntl.) erklärt, die Reform sei nicht eilig, wenn auch eine gewisse Revision nötig sei. Seine Fraktion wünsche, daß der Gegenstand im Ausschuß noch gründlich durchgeprüft wird. Die Bürgermeisterei einfach zu übernehmen, halte er nicht für angezeigt, da noch nicht genügend Klarheit vorhanden sei. Seine Fraktion lehne es auch ab, daß die beiden Entwürfe in ein Gesetz zusammengeschweiht würden. — Abg. Schüler (Ztr.) empfiehlt schnellste Derabschiedung, da der 22er-Ausschuß des früheren Landtags den Gegenstand aufs genaueste behandelt habe. Das Rheinland und Westfalen hungerten geradezu nach der Aeuordnung.
Abg. von Eynern (D. Vp.) hält es nicht für zweckmäßig, daß das Zentrum die Beschlüsse des Ausschusses des vorigen Landtages einfach übernommen habe. Es zeigte sich ja. daß Deutschnationale und Sozialdemokraten sie ab= lehneii. 2Dg. Heym (Komm.) lehnt besonders das 2-Kammer-System und das Bestätigungsrecht ab. Abg. Dr. Preuß (Dem.) führt aus, es bleibe nichts anderes übrig, als die Derwal- tungsorganisationen im Ganzen anzusasseii. Die Regierung müffe ein Verwaltungsreformpro- gramm verlautbaren. Abg. Müller-Fran- t en (Wirtschaftl. Vg.) erklärt die Mitarbeitsbereitschaft seiner Fraktion. Abg. Biester (Deutschhann.) wendet sich iiisbesondere gegen das staatliche Bestätigung stecht. In ihm liege eine unberechtigte Beschränkung der Selbstver- waltung.
Die Aitträge werden daraus zur Ausschuß- beratung überwiesen. Zum Schluß verabschiedet das Haus noch eine Rovelle zum Beamten- diensteinkommengeseh. wodurch die preuß. Bestimmungen mit den Reichsvorschriften in Hebereinstimmung gebracht werden. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag. 9. Juni.
Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.
Darmstadt, 14. Mai. (Eigener Bericht.) Der Finanzausschuß des Hess. Landtags setzte heute seine Beratungen bei Kap. 114 (Landesanstalt für Wetter- und Gewässerkunde) fort, das genehmigt wurde: ebenso Kap. 115 (Privateisenbahnen u. Kraftwagen). Zu Kap. 116 (Stellvertretungs- und Aushilfskosten) stellte Abg. Dr. Leuchtgens den Antrag, den hierfür angesetzten Betrag um 50 Proz. zu kürzen. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt und das Kavitel gegen zwei Stirnen genehmigt. Das-
Vor dem Aufwertungsksmpromitz.
Die Richtlinien für die Beratung der Airfrvertungsgesetze.
Berlin. 15. Mai > Die hinter der Regierung stehenden R e i ch s t a g s f r a 1t i o - n c n haben untereinander mit der Reichsregierung für die Beratung der Aufwertungsgesehe folgende Richtlinien vereinbart:
1. Der Aufwertungsbetrag (8 2 des Aufwertungsgesetzentwurfes) wird für alle Hypotheken und anderen dinglichen Rechte auf 25 Prozent erhöht.
2. Der Auswertungsbetrag von 25 Prozent ist ohne Unterschied von Aufwertung und Zusatzaufwertung einheitlich an der alten Rangstelle des Rechts einzutragen. Soweit der nach dem Verhältnis des berichtigten Wehrbeitragswertes zum gegenwärtigen Grundstücks- Wert herabzusetzende Goldmarkbetrag der ersten Hypothek deren Aufwertungsbetrag übersteigt, ist dem Eigentümer eine (Eigentümer-® r u n lisch u l d vorzubehalten. Der Rang t>cr_ncu eingetragenen Reichsmark Hypotheken, Feingold-, Roggerrrenten- und anderer wertbeständiger Hypotheken bleibt gewahrt.
3. Bezüglich der Verzinsung verbleibt es bei der Regierungsvorlage.
4. Der Rückwi rkungstermin wird bis zum 15. Juni 1922 zurückverlegt. Dabei ist die Härteklausel zweckentsprechend zu erweitere Bei der Rückwirkung findet die Aufwertung nicht nur zur Hälfte, sondern in voller Höhe des Aufwertungsbetrages statt.
5. Der Aufwertungssah der Industrie- obligativnen wird für Altbesiher, d. h. für Personen, die bereits am 1. Juli 1920 Inhaber der Obligationen waren, um 10 Proz. erhöht. Die Erhöhung des Aufwertungsbetrages um 10 Proz. wird in der Form von Genuß- scheinen gewahrt, die folgende Rechte haben: Rachdem vom ^eingetoinn zunächst ein Betrag von 6 Proz. an die Aktionäre als Dividende ausgeschüttet worden ist, wird der diesen Betrag übersteigende Reingewinn folgendermaßen ver- teilt: Bei jedem Prozent der Dividende auf die Aktie ntüssen 2 Proz. auf die Genußscheine verwandt werden bis zu einem Höchstbetrag von 6 Proz. des Betrages, auf den die Genußscheine lauten. Don den auf die Genußscheine entfallenden Beträgen werden Ausschüttungen auf die Genußscheine in Höhe der alten Zinssätze der Obligationen gemacht. Der verbleibende Rest wird zu Auslosungen zu pari verwandt, die mindestens jedes zweite Jahr erfolgen müssen. Die erhöhte Aufwertung kommt auch den Alt° besihern zugute, deren Obligationen nach dem 14. Februar 1924 eingelöst worden sind. Im übrigen findet eine Rückwirkung bei der Aufwertung von Indnstrieobligationen nicht statt.
6. Entsprechend der Höheraufwertung der Hypotheken auf 25 Prozent erhöht sich auch das in § 12 Absatz 1 des Entwurfs vorgesehene Maß für die Aufwertung anderer Derrn ö g e n s a n l a g e n auf 25 Prozent.
7. D i e Anleihen des Reichs werden durch eine neue Anleihe zum Sah von
5 Prozent abgelöst. Der Teil der Ablösungs- anleihe. welcher gegen Martanleihen alten Besitzes ausgegeben ist, wird durch Auslosung zum doppelten Nennbetrag (an Stelle des einfachen) zuzüglich 5 Prozent des Auslosungsbetrages für jedes Jahr feil dem Beginn der Auslosung getilgt. Diese Tilgung soll innerhalb 30 Jahren (statt 40 Jahren) durchgeführt werden, sofern ras Ergebnis der schwebenden Verhandlungen über die Steuerreform, den Finanzausgleich und den Reichshaushalt dies nicht unmöglich macht. Die in der Regierungsvorlage vorgesehene Anleiherente fällt fort. Die Vorzugsrechte für die bedürftigen Anleihebesiher bleibt bestehen.
8. Die Markanleihen E>_c r Gemeinden und Gemeindeverbände werden durch neue Anleihen zum Satze von 5 Prozent abgelöst. Der Teil der Ablösungsanleihen, der gegen Markanleihen alten Besitzes ausgegeben ist. wird durch Auslosung nicht zum einfachen, sondern zum zweieinhalbfachen Renn betrag zuzüglich 5 Prozent des Auslosungsbetrages für jedes Jahr seit dem Beginn der Auslosung getilgt. Die Ttlgungsdauer beträgt nach näherer Festsetzung der obersten Landesbehörde 20—30 Jahre. Die Gemeinde- aufsichtsbehörde kann einen Treuhänder zur Wahrnehmung der Interessen der Anleihegläubiger bestellen. Auf Antrag der Gemeinde ober eines Anleihegläubigers oder des Treuhänders ist der feste Rückzahlungsbetrag der abzulösenden Markanleihe zu erhöhen, sofern dies dem Anleiheschuldner nach seiner finanziellen Leistungs- sähigkeit und unter Berücksichtigung seiner öffentlichen Aufgaben zugemutet werden kann. Die Entscheidung über den Antrag erfolgt durch die von der obersten Landesbehörde zu bestimmenden Stelle. Gegen deren Entscheidung ist die Beschwerde an eine von der obersten Landesbehörde zu bestimmenden Beschlußbehörde innerhalb einer Frist von einem Monat zulässig. lieber die Unterscheidung zwischen Gemeindeanleihen alten und neuen Besitzes Bc- f!immungen zu treffen, bleibt den Ländern Vorbehalten.
Zu den Richtlinien der Regierungsparteieit über die. weitere Behandlung der Aufwertungsfrage teilt die Pressestelle der Deutfchnationalen Volkspartei mit, daß sich die Parteien verpflichtet haben, diese Richtlinien im Ausschuß durchzusehen und bei Abstimmungen und Anträgen nicht von ihnen abzuweichen. Die Deutschnationale Reichstagsfraktion hat fick dem Kompromiß mit der damit verbundenen Verpflichtung angeschlossen. Damit scheint eine baldige Verabschiedung des Gesetzes sichergestellt zu sein.
Das Kompromiß der Regierungsparteien in Iber Aufwertungsfrage ist noch gestern nachmittag dem Reichsrat zur Kenntnis gegeben worden.
selbe geschah mit Kap. 117 (Postgebühren). Kap. 118 (Ausleihungen unö Staatsschuld) wurde angenom- men. Hierauf setzte der Ausschuß seine Beratungen bei Kap. 75 (Ministerium für Arbeit und Wirtschaft) fort; cs lag hierzu ein Antrag Dr. Werner vor, dieses Ministerium mit dem Ministerium des Innern und dem Justizministerium zu vereinigen. Ein Antrag Glaser- Dr. L e u ch t g e n s will die Verhältnisse der Vorkriegszeit wiederherstellen und verlangt die Streichung von 11 Stellen für akademische Beamte und 25 mittlere und Unterbeamten. Beide Anträge wurden gegen fünf Stimmen abgelehnt und das ganze Kapitel gegen fünf Stimmen angenommen. Kap. 76 (Stellvertretungs- und Aushilfskosten) und Kap. 77 (Postgebühren) wurden bewilligt; die hierzu gestellten Anträge Glaser-Dr. Leuchtgens, die festgesetzten Summen um 50 Proz. herabzusetzen, wurden abgelehnt. Genehmigt wurden ferner Kap. 78 (Hochbauwesen), Kap. 79 (Geologische Anstalt) und Kap. 80 (Kosten der Pachtungsämter).
Zu Kap. 82 (Landwirtschaftliches Unlerrichts- wesen) lag ein Antrag Glaser und Dr. Leuchtgens vor, worin ausgeführt wird, daß sämtliche Beamte, die unter dieses Kapitel fallen, der Landwirtschafts- t'nmmcr unterstellt werden. Infolgedessen könnten 15 für das landwirtschaftliche Unterrichtswesen vorgesehene Assessoren entbehrt werden und die Kosten dafür seien beim Kap. Landwirtschaftskammer ein. zusetzen. Die Landwirtschaftskammer sei aufzufordern, Ersparnismaßnahmen für 1926 in Vorschlag zu bringen. Die Anträge wurden gegen 3 Stimmen und einer Stimmenthaltung abgklehnt und das Kapitel 82 genehmigt. Zu Kap. 83 (Bodenverbesse rung und Wasserversorgung) hat der Abg. I o st Anträge eingebrachl, worin der Wunsch ausgesprochen mar, daß die Beträge für Feldbereinigungen und Hutweiden erhöht werden. Der Ausschuß faßte einen Beschluß, worin die Regierung ermächtigt wird, falls die Beträge nicht ausreichen, sie selbständig zu erhöhen. Das Kap. wurde genehmigt. Ebenso wurde Kap. 84 (Förderung einzelner Zweige der Landwirtschaft) genehmigt. Die Beratungen wurden bei Kap. 85 (Landwirtschaftskammer abgebrochen; dieses Kapitel soll nicht in der morgigen Sitzung, sondern erst am' Montag in Angriff ge npmmen werden.
Der HimmeSsbach-Ausschusi im Hessischen Landtag.
Darmstadt, 14. Mai. (Eigen. Bericht.) Heute nachmittag trat ber Ausschuß zur Untersuchung des Hi m melsbach -Skandals im Landtag zusammen und wählte den Abgeord- ncten Schül zum Vorsitzenden. Es wurde beschlossen. zunächst das einschlägige Material zu sammeln imb in 14 Lagen in die Beratung cin- zutreten
Kleine politische Nachrichten.
Der internationale Gerichtshof im Haag wirb Samstag, den 16. OKai. in öffentlicher Sitzung sein Gutachten übet die Streitfrage der Danziger Briefkasten bekanntgeben.
Aus Lyon wird gemeldet, daß Herriot eiliflimmig wieder zum Bürgermeister der Stadt Lyon gewählt wurde.
Wie die Morgenblätter heute aus Prag melden, werden in dortigen politischen Kreisen lebhafte Zweifel gehegt, ob die wenig freundliche Kommentierung Der Ergebnisse der Budapester Konferenz in Oesterreich eine Reise Dr. Beneschs nach Wien opportun erscheinen lasse.
Das .Kriegsgericht in Ramur verurteilte den General Roquo vom Hannoverschen Infanterie-Regiment Ar. 77 und den Major Gärtner vom 5. Garde-Grenadier-Reaiment wegen angeblicher Greueltaten in Llbwesenheit zum Lode.
Wie Havae. aus Athen meldet, ist ein Teil des fr niizö fischen Mittelmeergeschwcv- ders im Hafen von P halervn eingetroffen.
Aus aller Welt.
Preisverteilung zum Baden-Badener Schachturnier.
Baden-Baden, 14. Mai. (WB.) Heute fand die Preisverteilung auf dein internationalen Schachgroßmeisterturnier statt. Den 1. Preis erhielt Aljechin ° Frankreich in Höhe von 1500 Mark. Die weiteren Preisträger sind: als 2. Rubinstein-Polen, der allmählich wieder seine altelSpielstärke gewinnt. Dritter wurde der junge Berliner Meister Saemisch- Deutich- land, dem die deutsche Schachgeschichte ein neues Ruhmesblatt zu verbanken hat. Vierter wurde der in Lriberg ansässig gewordene Bogoljubow- Llkraine. In den fünften und sechsten Preis teilten sich Marshall-äl.S.A. unb Dr. Tarta- lower-Oesterreich, die eine respektable Seiftung hinterlassen haben. Den siebenten Preis erhielt ein Reuling auf Großmeisterturnieren, Rabino- witsch-Rußland. Den achten Preis errang der Wiener Theoretiker Grünfeld-Oesterreich. Den neunten Preis erhielt Riemzowitsch-Dänemark, und schließlich wurde letzter Preisträger der jugendliche Lorre-Me-iko. her auf diesem Turnier seine erste Feuerprobe bestand. Den Sonderpreis der „Zoppoter Zeitung" holte sich Colle-Belgien, der in den letzten Runden als Richt-Preisträger zwei Punkte gewonnen hat.
Eisenbahnkatastrophe bei Moskau.
Der Moskau-Rigaer 0-Zug ist in der Mittwochnacht unweit Moskau e n t g l e i st. Ein Wagen der 2. Klasse und ein Speisewagen wurden vollständig zertrümmert. Dabei wurden 10 Personen getötet, 30 verletzt, linier den Passagieren des Zuges sollen sich auch viele Reichsdeutsche befunden haben.
Thomas Mann in Florenz.
Im Rahmen der deutschen Kulturwoche hielt im Konferenzsaal der Internationalen Buchmesse in Florenz Thomas Mann, der vom deutschen Konsul vorgestellt wurde, einen Vortrag über Goethe und Tolstoi, der von den zahlreichen Gästen mit lebhaftem Interesse an» gehört und zum Schluß mit starkem Beifall ausgenommen wurde.
Wettervoraussage.
Vorwiegend heiter, tagsüber warm, Winde aus östlicher Richtung, trocken, (höchstens schwache Gewitterneigung).
Das Tagesmittel der Temperaturen stieg gestern um 1—2 Grad an. Die Morgentemperaturen in Deutschland liegen heute durchweg höher als 15". Der hohe Luftdruck hat sich zwar etwas verflacht und zwischen Island und Irland zeigt sich ein neues Zollgebiet, das jedoch morgen unsere Wetterlage noch nicht beeinflussen wird.
Aus Stadt und Lavb.
Grehen, den 15. Wat 1925&
Kommunistische Sprengstoff- Vorräte beschlagnahmt.
Im Zusammenhang mit den Verhak» tungen hiesiger Kommunisten, übet die wir schon berichteten, haben die Behörden umfangreiche Rachfvrfchungen nach Belastungsmaterial angestellt, das zur vollkommenen Äeberführung der Angeschuldigten dienlich ist. Dabei ist es gestern nachmittag gelungen, eine größere Menge Sprengkörper und Pulver, die eingepackt im Walde vergraben waren, aufzufinden und auszugraben. Der Fund ist in behördlichem Gewahrsam sichergestellt. Die Linker- suchung der Angelegenheit geht weiter.
Bornotizerr.
— Lageskalender fü-r ^Freitag. 81/.. Llhr Vortrag von Prof. Kalbfleisch int Physikalischen Institut: „ Friedrich Gottlieb Weicker, ein großer Forscher und ein deutscher Mann". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße. „Der Demütige Imb die Sängerin".
— Vom Lichtspielhaus Bah nh o s - st raße wird uns geschrieben: Der neue Spiel- plan bringt den Film „Der Demütige und die Sängerin", frei nach dem Roman von Felix Hollander. Die auswärttge Kritik schreibt darüber: „Der Film ist besser als der Roman, er ist weit stärker in seiner Wirkung als die Lektüre. Lil Dagover ist auch hier wieder mit der Hauptrolle betraut und rechtfertigt ihren Ruf als Schauspielerin von Rang aufs neue. Darin liegt überhaupt mit die Hauptstärke des Films, daß er getragen wird von echtem, schauspielerischem Können, wovon die Figuren Hans Mierendorffs und Margarete Kupfers berebteä Zeugnis ab« legen. Auch in den kleineren Rollen ist der Film vorzüglich beseht, so daß seine Vorführung ungeteilte Freude macht.
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2.11. Don der Landesuniversität. Die zweite und letzte feierliche Immatrikulation findet morgen, Scmrstag. 12 Uhr pünktlich, in der Kleinen Aula der Universität statt.
** Der Mörder Steul als Einbrecher. Der hier in Untersuchungshaft befind liche Mörder Adolf Stcul hat am 9. Oktober vorigen Jahres in Wiesbaden mit einem ge« wissen Heinrich Hoffmann einen Wohnungseinbruch verübt, wobei ihnen erhebliche Wettsachen in die Hände fielen. Nach der Tat begaben sie sich mit dem Diebesgut nach Frankfurt a. M., um es abzusetzen. Hierbei gerieten sie am 12. Oktober wegen des Erlöses in Streit.
** D i e Wasserwärme der Lahn heute vormittag 16 Grad Reaumur.
** Der „Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur" eröffnete am Dienstag die Werbewoche für das Gemeindebe stimmungsrecht, lieber die Vorträge wird uns berichtet: Frau Aenne Hepding zeigte in lebendiger Schilderung, wie die Alkoholschäden nm Mark unseres Volkes zehren, wie der Alkohol sich in Gestalt von Likörbonbons schon bis in die Kinderstuben geschlichen hat. Doch Kritik allein bringt uns nicht aus der Alkoholnot heraus, außer unermüdlicher Aufklärung nmß eine vernünftige Gasthausreform einsetzen. Wegweiser dafür sind die Schweizer Frauen, die unter Führung von Fron D r c 11 i • Zürich in allen größeren Stödten der Schweiz eine namhafte Anzahl alkoholfreier Gaststätten geschaffen haben, die sich auf rein wirtschaftlicher Grundlage mit verblüffendem Erfolg aus den bescheidensten Anfängen von einfachen Kaffeestuben zu erstklassigen Hotels entwickelt haben, ein zwingender Beweis, wie groß das Bedürfnis des Volkes danach ist. Die Soldatenheime der Kriegszeit wurden in alkoholfreie Fabrikkantinen umgewandelt, anfangs verhöhnt als ,,Weiberwirtschaft", heute riesig geschätzt, da der Arbeiter sieht, daß er für sein gutes Geld vollwertige Nahrungsmittel in freundlichen Lokalen erhält. od)on dehnt sich das Arbeitsgebiet der Schweizer Frauen auf das Land aus, wo das Wirtshaus weit mehr als in der Stadt Mittelpunkt des geselligen Lebens ist, man baut sog. Gemeindestuben, in denen alt und jung sich freudig zur Geselligkeit einsindet. In Deutschland sind die Anfänge zur Gasthausreform in einzelnen Städten vorhanden, und das Beispiel der Schweizer Frauen soll uns ein Zeichen fein, was zielbewußte Frauenarbeit erreichen kann. Der zweite Redner, Unioersi- tätsprofessor Dr. Frick, sprach zu dem eigenUichen Thema der Werbewoche „Gemeindebestimmungsrecht". Kurz streifte er die denkwürdige Reichstagssitzung vom 18. Februar d. Js., in der sich der Reichstag zum ersten Male entscheidend und ausführlich mit der Alkoholfrage befaßte, unb wo die Beratung des Entwurfes zum Reichsschankstcitten- gesetz abgelehnt wurde, weil angeblich das Gemeindebestimmungsrecht die Trockenlegung Deutschlands und damit eine Vergewaltigung des deutschen Volkes bezwecke. Die Begründung dieser Meinung ist durchaus hinfällig. Das Gemeindebestimmungsrecht will lediglich allen wahlberechtigten Deutschen die Möglichkeit geben, über die Konzessionierung der (schankstätten, also über eine öffentliche Angelegenheit von einschneidender Bedeutung, mitzuentscheiden. Jede Gemeinde hätte die Möglichkeit, die Zahl und Art ihrer Gaststätten selbst zu bestimmen. Wo steckt hier die Vergewaltigung? 9m Gegenteil, jeder einzelne hat ein weitaus größeres Recht als bisher. Der einzelne beugt sich fast stets der in unferm Volk geradezu allmächtigen Trinksitte, und so konnte der Bierkonsum im Jahre 1924 um ein Drittel steigen, verbrauchten wir in drei Monaten sechsmal mehr Spirituosen aus Frankreich als der Versailler Vertrag uns aufbüröet. Doch wer es wagt, dieser Sitte engegenzutreten, dem wird überall die Frage entgegenklingen: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?"
** Der Gießener Schwi m m verein hielt gestern abend im Gasthaus Boller seine Monatsversammlung ab. In: Vordergrund der Verhandlungen stand das diesjährige rerbands- offene Schwimmfest, das auf den 28. Juni festgelegt ist. Wie alljährlich, werben wieder viele Vereine aus allen Gegenden Deutschlands tn der Müllerschen Badeanstalt, die mit zwei 50= Meter-Bahnen und einer 100-Meter-Bahn versehen ist. an den Start gehen. Am 24. Mai hält der Verein sein Anschwimmen ab. Der große Zuwachs an Iugendschwimmern, die durch das Wintettraining eine gute Ausbildung erhalten haben, wird schöne Kämpfe zeigen. Besonderer Wert wird auch auf Rettungsschwimmen gelegt werden, außerdem wird man die humoristischen


