Ausgabe 
15.5.1925
 
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ür. 113 Erstes Blatt

U5. Jahrgang

8reüag, 15. Mai 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Das Ränkespiel in der Räumungsfrage.

Durch das französische Ränkespiel in der Räu- mungsirage, das zu einer neuen Verzögerung der itontroUnotc führte, ist natürlich neue Unruhe und Unsicherheit in die Kreise getragen worden, denen es mit der Befriedung Europas ernst ist. Sauerwein verkündete imMotin" iogor, das, die Räumung Kölns kaum noch in die- sem Jahre erfolgen würde, weil Deutschland nicht imstande sei, die sogenannten Verstöße gegen die 'Abrüstungsbestimmungen im Verlaus weniger Mo­nate abzustellen. Daraus scheint mindestens hervor- zugehcn, daß, s e l b st wenn die Konfroll - note In einigen Wochen übergeben wird, an eine Klärung der Räumungs- frage vorläufig nicht gedacht werden kann. Die ganze Angelegenheit wird sich in ihrer weiteren Entwicklung um so schwieriger gestalten, weil die endgültige Entscheidung darüber, ob Deutsch­land die Entwaffnungsbestimmnngen erfüllt hat oder nicht, nicht von einem unparteiischen Gremium ent schieden wird, sondern letzten Endes von Marschall Foch. Damit ist also die Räumung Kölns, ob­wohl eigentlich England am meisten an dieser Frage beteiligt ist, völlig in die Hände Frank­reichs gespielt, das eine Gelegenheit hat, sie ganz im Juteresfe seiner Politik als Drudmittcl oder sonstwie zu benutzen. Die Verkoppelung der Sicherheitspaktfratze mit der Ent­waffn ungs- und Räumungsfrage ist erfolgt, ganz hintenherum, und England wird nichts dagegen einwenden, wenn es auch immer be­tonte, daß es sich einer solchen Verquickung entschie­den widersetzen mürbe. Dadurch, daß England in her Frage der Räumung Köln.- den französischen Wünschen und Sortierungen nachgegeben und auf die Festlegung be.. Räumungstermins schon in der Rote verzichtet Hai, hat es der französischen Willkür Tür und Tor geöffnet

B r i a n b hatte gestern eine Besprechung mit ausländischen Pressevertretern über die schwebenden Fragen der französischen Außenpolitik, wobei natür­lich auch die Räumungs- und Entwaffnungsfragen gestreift wurden. Die Auskünfte», die Briand dabei auf einzelne Fragen gab, sind n'i ch t geeig­net, irgendwie die Auffassung über kommende Schwierigkeiten zu entkräften. Auch bas De­menti der Eingaben Sauerweins klingt aus dem J'hinbe Brian.. nicht sehr überzeugend, da er sich e eichzeitig hinter die Mitteilung verschanzt, ein be­stimmtes Datum für die Räumung sei -noch nicht fest­gesetzt, da sie von der Durchführung der Entwasf- nungsklauseln durch Deutschland abhängig sei. Die Kontrollnote wird, wie Briand mitteilte, in etwa zwei Wochen abgeben. Bei dieser Angabe muß wohl vorausgesetzt werden, daß es innerhalb dieser Zeit gelingt, die trotz aller gegenteiligen Versicherungen zwischen England und Frankreich bestehenden Mei­nungsverschiedenheiten ausztigleichen. Dann endlich wird die beut|d)c Regierung <Gelegenheit haben, sich zu den angeblichen Verfehlungen zu äußern, die die interalliierte Kontrollkommission feftgcfteUt haben wird. Dann erst wird es möglich sein, alle die Ver­leumdungen zu zerstören, mit denen Frankreich jetzt durch seine Presse gegen Deutschland hetzt, ohne daß sich Deutschland dagegen erfolgreich zur Wehr setzen kann.

Zranzösische verfchleppungsmanöver.

Paris erwartetcineu weiLercu'Vcweis unseres einten Willens".

London, 14. Mai. (T. U.) Wie der Pariser Times"-Korresponbent berichtet, hat Briand die Form eines Memorandums auf die Antwort auf die deutschen Vorschläge mit der Absicht gewählt, hie 9 n i t i a t i n e fürben nächsten Schritt jetzt der deutschen Regierung zu über­lassen. Es fei wichtig, daran zu- erinnern, daß der ursprüngliche Entwurf der Antwort an Deutsch land eine Gruppe von Fragen enthielt, die sich direkt auf verschiedene Punkte der deutschen Vorschläge bezogen. S) e r r i o t habe indessen kurz vor seinem Rücktritt den Entwurf selbst abgeändert und einen Fragebogen mit einer Anzahl von Erklärungen hin- zugefügt, die den französischen Standpunkt vertraten. Briand habe das Memorandum allgemeiner geftaltet. Dadurch, daß man seht Deutschland überlassen habe, den ersten Schritt zu tun, habe die deutsche Re­gierung Gelegenheit, einen weiteren Beweis ihres guten Willens abzulegen. Das Mißtrauen habe sich

feit den Paktvoricklägen nicht gemindert.

Der französische Wunsch fei, zu wissen, welches die .Haltung der Her^n Luther und otrefemann seit der Wahl Hindei^urgs zum Reichspräsidenten sei.

Die Sitzung der Botfchaster- konferenz wieder verschoben.

Paris, 15. Mai. (5il.) Amtlich wird mit- geteilt, daß die Botschafterkonferenz nicht heute vormittag, fonSam er ft Anfang kommender Woche zusammentreten wird.

Heber den Grund für bieeu überraschenden Be- ichluß gehen die mannigfaltigsten Gerüchte um. Man fuhrt ihn darauf zurück, daß die Mei­nungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England noch nicht bcigclcgt werden konnten Don halbamtlicher sranzös krer Seite wird allerdings behauptet, daß die brckisch? Regierung ihrem Pariser Botschafter Lord Crew.- noch Leine Weisungen zu dem Antwortenttourf an Deutsch­land übermittelt habe. Die Reutermri tiung. daß eine interalliierte Konferenz unter Hinzuziehung Deutschlands zur Rege­lung dcr Abrüftungsfrage erforderlich ist. wird hier bestritten. Man weist darauf hin^

Das diplomatische Korps beim Reichspräsidenten.

Berlin. 14. Mai. iDäl. i Amtlich wird ge­meldet : Der Reichspräsident hat heute 12 lU)r mittags die Glückwünsche der hier beglau­bigten fremden Missionschefs citigcgcn- genommen. Hierbei hielt der Doyen des diplo­matischen Korps, der päpstliche

Runtius Monsignore Pacelli in französischer Sprache eine Ansprache, die in der llebersetzung wie folgt lautete:

Herr Reichspräsident, das diploma- tische Korps ist hocherfreut, sich heule um Ihre Person vereinigen zu können und dem neuen Reichspräsidenten seine ehrerbietig st en Glückwünsche darzubieten.

Mir hegen den Munsch, daß unter ihrer weifen Führung die deutsch? Ration im Innern nicht allein ihre materielle Wohlfahrt, ihre Ar- beits- und Prvduktioirssähigkeit. sondern auch die Güter höherer Ordnung zur Blüte bringen möge, welche die sicherste Gewähr für die Zivili­sation und das Fortschreiten der menschlichen Gesellschaft bieten. Wir wünschen, daß unter ihrer höchsten Leitung das deutsche Volk seine Beziehungen zu den anderen Böl­tern befestigen möge zum Gewinn der grosten Sache der Weltbefriedung. Dann wer­den die Wünsche aller derer erfüllt werden, die unter den Menschen den geistigen Frieden und die Einheit und Wahrheit im internationalen und sozialen Frieden durch das Walten der Liebe und der Gerechtigkeit begründet sehen.

In biefem Sinne ist es. daß ich es mir als eine Ehre und Freude anrechne, heute das Wort an Sie richten zu dürfen, und mir gestatte, die göttlichen Segnungen auf Sie. Herr Reichspräsi­dent, und die demsche Ration herabzuflehen.

Der Reichspräsident

erwiderte mit folgenden Worten:

Herr Runtius! Die Worte, die Cure Exzellenz im Ramen des diplomatischen Korps an mich als den vom deutschen Volk erwählten Reichspräsidenten zu richten die Güte hatten, erwidere ich mit Empfindungen des aufrichtigsten Dantes. Cs ist mir eine besondere Freude, die Glückwünsche ou oernehinen, denen das diplo­matische Korps in so ehrbarer, untadeliger Weise heute für meine Amtstätigkeit und für die Wohl fahrt des deutschen Bolles durch Ihren beredten Mund Ausdruck verleiht.

Seien Sie versichert, Herr Runtius, daß ich die von Ihnen ausgesprochenen Gedanken zur Entwicklung aller Elemente des menschlichen Fortschritts in vollem Maße würdige.

Wer an die Spitze eines großen Dolles be­rufen ist, kann keinen höheren Wunsch kennen

daß England bereits seit längerer Zeit diesen Gedanken endgültig aufgegeben habe.

Die Pariser Presse zu der Ver­tagung der Botschasterkonferenz

Paris, 15. Mai. (TU.) Die Morgenblätter verzeichnen fast ohne jeden Kommentar die neue Vertagung der Botschafter-Konferenz. Nur ein Teil der Presse versucht mit auffallender Lebhaftigkeit den Verdacht zu entfräften, die Ver­schiebung könnte durch neue englisch-französische Meinungsverschiedenheiten erfolgt sein. ..Journal" dementiert entschuldigend, die Verschiebung sei be­greiflich, weil England erst am 12. 5. und die übrigen alliierten Mächte am 13. 5. den franzö­sischen Entwurf erhalten hätten. Nach Meldungen einiger Morgenblätter wird die Botschafter- Ko nferenzentwederam Dienstag oder Mittwoch kommender Woche zusammentreten.

Eine interalliierte Konferenz unterHinzuziehungDeuts lands

Paris, 15. Mai. (TU.) Die Antwortnote Der französischen Regierung auf das deutsche Siche - rungsangcbot ist gestern sämtlichen Verbündeten zugestellt worden. DerT c m p s" bringt eine Reu­termeldung, wonach die englische Regierung die beiden französischen Notenentwürse in der Frage der Abrüstung und des Garantieverlrages amtlid) nicht erhalten habe und daher dazu noch nicht Stellung nehmen kann. Wahrscheinlich werde vor deren ti- gültigen Regelung der beiden Fragen die Einberufung einer interalliierten Konfe­renz unter Hinzuziehung Deutsch­lands nötig werden. Die Morgenblätter geben die sensaiionelle ^-chlußwendung dcr Reutermeldung unter ausdrücklichem Vorbehalt wieder.

Neue Bedingungen für die Aufnatzme in den Völkerbund.

Paris. 15. Mai. (TU.- Der frühere fran= Söfifch? Minister für öffentliche Arbeiten, Le 2 r o c g u e r, stellt in der ..Revue des beut Mondes" eine Reihe von Betrachtungen über die franko-belgische Eifenbahnregie an der Ruhr an, mit deren Einrichtung er von Poincare beauf­tragt worden war. Er bestreitet, daß die An­nahme des Dawesgutachtens die Aufhebung der Eisenbahnregie nach sich ziehen müßte und weist daraus hin, daß die Regie vor allem ein Reparations»und Elcherungsorgan war. Es sei noch nicht zu spät, den Fehler wieder gutzumachen. Man müsse daher Deutschland Vor­schlägen, nach dem Abzug der französischen Dc- satzungstruppen das Eisenbahnnetz der inter­alliierten Zone im Rahmen der Reichsbahn zu

als den, fein Doll in Frieden und Gleich­berechtigung an den Aufgaben der Welt mitwirken zu sehen.

Mil Eurer Exzellenz verkenne ich nicht die Schwierigkeiten, die ich aus diesem Grunde vor­finde. Aber ich lebe der Hoffnung, daß sie nicht so unüberwindlich sein werden. Was an mir liegt, von diesem hohen Platze aus zur Lösung der unserer Zeit gestellten Ausgaben beizutragen, soll mit Gewissenhaftigkeit und mit voller Hingabe geschehen. Wenn alle Völ­ker gleichen Willens sind, wird auch Gottes Segen, den Sie, Herr Runtius, für uns anriefen, für uns nicht fehlen.

Hierauf zog der Reichspräsident den Run­tius in ein Gespräch und nahm die Borstellung der Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger entgegen. Bei dem Empfang waren der Reichs­kanzler, der Außenminister und Staatssekretär Meißner zugegen.

Der Empfang

der Staatssekretäre.

Berlin, 14. Mai. (T.U.) Der Reichs­präsident empfing heute die Staatssekre­täre d e s R e i ch e s. In ihrem Namen richtete Staatssekretär Dr. Joel aus dem Reichsfinanzmini­sterium eine Ansprache an den Reichspräsidenten:

Namens der Staatssekretäre der Reichsinini- ftcrien tzestattc ich mir, Ihnen unsere ehrerbietigen Glückwünsche beim Antritt Ihres hohen Amtes aus- zusprechcn. Das parlamentarische System der neuen Reichsoersassung mit seinem naturgemäß häusigeren Wechsel in der politischen Leitung der Ministerien hat die Staatssekretäre vor die besondere Aufgabe gestellt, die Kontinuität der Verwaltung und der sachlichen Arbeit in den Ministerien slcherzustellen. Die deutsche Beamtenschaft blickt in Ehrerbietung und vollem Vertrauen zu Ihnen, Herr Reichspräsi­dent, auf und wird Sie mit allen Kräften in Ihrem Wirken für den Wiederaufbau unseres Vaterlandes unterstützen."

Der Reichspräsident dankte mit folgen­den Worten:

Ich weiß, wie schwer gerade Ihre, der Herren Staatssekretäre unermüdliche Arbeit dem deutschen Volke und dem Reich von Nutzen war, und ich bin überzeugt, daß Sie, meine Herren, auch in Zukunft mit dem Beispiel pflichtgetreuester Arbeit der Be­amtenschaft vorangehen werden."

Hierauf ließ sich der Reichspräsident die ein­zelnen Herren vorstellen und unterhielt sich mit ihnen über Fragen der Ressorttätigkeit und der Be- amtenschaft.

Gegenbesuche Hindenburgs.

Berlin. 14. Mai. <WB.) Reia)«lvusident v. Hindenburg stattete heute nachmittag halb 5 Uhr dem R e i chs t a g s p r ä s i d i u w tin Hause des Präsidenten des Reichstag.- einen Gegenbesuch ab. Der Reicbspräsid. von Staatssekretär Meißner begleitet, wurde vom Präsidenten Löbc. den Vizepräsidenten Bell und Graf imb den Schriftführer.! und Schrift- fübreiinnen des Reichstags begrüßt

Um 5 Uhr nachmittags erwiderte der Reichs- prasideitt den Besuch der Vertretung des Rcicb." rats im Hause des preußischen Staats- m i n i st e r i u m S, wo ihn der preußische Mi- nisterpräsident Braun mit dem 6taat»frirciur Weismann und den Gesandten und Bevoll­mächtigten der Länder zum Reichsrat empfingen. Sowohl am Reichstag wie in dcr Wtlhelm. strahe wurde der Reichspräsident von der Be­völkerung lebhaft begrübt.

Englands Glückwünsche.

London, 14. Mai. (TU.) Wie der diplo­matische Korrespondent desDaily Tele­graph" berichtet, wird die britisch? Regie­rung an den neuen deutschen Rcichspräside ien eine Höflichkeitsbestätigung mit den bei solchen Gelegenheiten üblichen Glück­wünschen senden. Die Erllärungen Hinden- burgs bei seiner Amtsübernahme haben, wie der Korrespondent weiter sagt, in ßonZton einen sehr günstigen Eindruck hervorgerufen. Man fühle, daß seine Uebercinstimmung mit dem Kabinett Luther- Stresemann in der auswär­tigen Politik ehrlich gemeint sei.

Kein Glückwunsch Frankreichs.

Paris, 15. Mai. 1TU.) Der deutsche Bot­schafter von Hösch hat gestern abend der fran­zösischen Regierung aus dem üblichen Wege den Amtsantritt des Reichspräsidenten von Hi. o.Bi­burg mitgeteill. Am Quai d'O c f et) wird i - * (tätigt, daß die französische Regierung ta:i Hindenburg keinen amtlichen Glück­wunsch senden wird.

Hindenburgs Dank an die Stobt Frankfurt. Frankfurt a. M., 14. Mai. (WTB.) Reichspräsident v. Hindenburg bat auf die Beglückwünschung der Stadt Frankfurt o M. anläßlich seiner Amtsübernahme folgendes Aul- wort-Telegramm an Oberbürgermeister Dr. Landmonn gelangen lassen:Ich d.mle Ehnen herzlichst für Ihre guten Wünsch? und die end­liche Einladung, auf die ich zu gelegener Zeit ein­mal zurückkommen werde, v. Hindenburg. Reichs­präsident."

einer selbständigen Berwaltung zu erheben. Don der Erfüllung dieser Bedingung solle inan die Ausnahme in den Bollerbund abhängig machen. Rüdtritt Austen Chamberlains?

Paris, 15. Mai. (WTB. Funkspruch.) Ha- Vas verzeichnet ein Gerücht, das in Londoner konservativen Kreisen, die der Regierung nahe- stehen, umlaufe und wonach Auste.n Cham­berlain demnächst seine Demission als Staatssekretär des Aeußern ein­reichen werde. Als fein Nachfolger wird Lord Birkenhead genannt.

Man versichere, daß die Bündnis­pol i t i t mit Frankreich und Belgien, so wie sie Austen Chamberlain vor zwei oder drei Monaten in Aussicht genommen hatte, und die vorn Kolonialrnmister Amery stark belämpft wor­den sei, niemals von der Mehrheit dcs Kabi­netts angenommen worden sei. Auch habe der am Sonntag durch dieReuyork World" vor- off entlief) tc Text eines Memorandums die Stellung des Staatsseki.elärs des Foreign Office innerhalb des Kabinetts geschwächt. 3n offi­ziellen britischen Kreisen weigere man sich, zu diesem Gerücht Stellung zu nehmen und darüber irgend etwas zu äußern, man müsse also das Gerücht mit allen mög­lichen Borbehalten aufnehmen.

Französische Offensive

. in Marokko.

Paris, 15. Mai. (1.2L) Die Blätter mel­den einen großen Sieg der französischen Truppen in Marokko. Die Rifkabylen seien auf der ganzen Front zu überstürztem Rückzug gezwungen und werden von sranzösischen Kampfgeschwadern ans nächster Röhe mit Maschinengewehren beschaffen. Der französische Angriff wurde durch heftiges Trommelfeuer eingefeitel, woraus die Infanterie mit dem Bajonett oarglno. Das Darf El Azar fei im Sturm genommen wor­den. Seif dem Dormittag soll die ganze Front im Deichen fein.

Die dem Bergmasfiv uon Bibane vorgelagerte Ebene wurde von Rifleuten gesäubert. Die sran­zösischen Truppen ersteigen jetzt die steilen Anhöhen, auf denen die Rijfrupen sich verschanzt haben.

Nach den letzten Agenturmeldungen aus Rabat sollen die Rifleute an einzelnen Stellen wieder sehr hartnäckigen Widerstand leisten. Die Ko­lonne des Generals Solombat bringt auf dem linken Flügel kämpfend vor. Die Kolonne des Obersten Freydenberg stieß auf stark befestigte Stellungen. Der Gegner hatte schwere Ver­

luste. Man' las auf dem Schauplatz des Gefechtes 6 0 Tote, zahlreiches Kriegsmaterial und Wafien auf .Außerdem find Öen französischen Truppen z 1)1- reiche Gefangene in die Hande gefallen. Die Fran­zosen verloren bei den gestrigen Kämpfen 4 Flug­zeuge, mehrere Kanonen und Gefangene. In Fez und in den Oasen der Sahara macht sich starte Gärung bemerkbar.

Französische S ritte bei bet spanischen Regierung.

Paris, 15. Mai. (WTB. Funkspruch.) Havas nielbet aus Madrid: Hier ist der ehemalige Nci- nifter Maloy eingetruffen. Er soll mit einer wid;- tiflen diplomatischen Mission bei der spanischen Re­gierung betraut sein, jcooch weigere er sich, Presse­vertretern über seinen Auftrag etwas mitzuteilen. Zur Lage m Marokko erklärt« er, FrankreI > lei in seiner Zone angegriffen wor­den, es müsse also die Rebellen zurLckweisen, je­doch habe es keine E r o b c r u n g ö a b j i d) t c r. Frankreich wolle die Verpflichtungen, die ihm die internationalen Verträge auferlegten getreu er­füllen.

Deut'cher Reichstag.

Annahme der internationalen Ar . its- abfonnncu.

Berlin, 14. Mai. Nachdem Präsident Löbe des Ablebens des Abg. Siever «Dl. Harm. Part.) gedacht und die Abgcord.'.elen sich zu Ehren des Berstorbcnen von ihren Plätzen n hoben haben, tritt das Haus in die Beratung der internationalen Arbeitcrablom- m e n ein.

Abg. Lambach IDrschntl.) erklärt, daß feine Fraktion dem Waihingtoner Abkommen über die Arbeitslosigkeit und Cent Genueser lieberemkom- men über die Stellenvermittlung für Seeleute zustimmcn werde, weil dadurch feine Aenderung der deutschen Gesetze hrrbsige'ührt werde. Be­züglich des Gesetzes über den Dervallungsrat des Internationalen Arbeitsamtes. in dem Deutsch­land noch nicht vrKlwertig vertreten sei. müsse die Regierung darauf dringen, daß auch die deutsche Sprache doit als Amtssprache gleichwertig anerkannt würde. Die deutsche Sprache würde ja nicht nur in Deutschland sondern auch in Oesterreich, Sandig, den Ostseeprovmzen usw. gesprochen. Der Redner setzt sich dann dafür ein, daß nicht nur bestimmte Gewerkschaften, son­dern alle Arbeitnehmer und auch die Arbeitgeber im Verwaltung sra: vollwertig vertreten sein mühten. Seine Frattion würde dann auch die­sem Gesetzentwurf zustimmen. Im übrigen könne