Ausgabe 
27.6.1922
 
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holgenuß, 30 000 Menschen versinken alljähr- Lch in die Nacht des Säuferwahnsinnes, 150 000 Trinker verfallen als Llebertreler der Gesetze and Verbrecher dem Arm des Straf­richters.

Ans Deutschlands städtischem Leben ent­rollt der Direktor des Lübecker Statist. Amtes ein trübes Bild: Die Zahl der Trinker schwillt ununterbrochen an, in vielen Familien haben sich Zustande entwickelt, die jeder Beschrei­bung spotten, die Trinkerfürsorgestelle kann kaum noch ihrer Aufgabe genügen.

Vielsagend sind folgende Nichtlinien, welche die AuSschuhsihung des Brauereibun­des im Oktober 1921 in Berlin festgelegt hat:

Als Mittel zum wirksamen Abwehrkampf gegen die Antialkoholbewegung wurden emp­fohlen:

Wir müssen trachten, Aussprüche von berühmten Sportsleuten zu erhalten, daß nach Llebermüdung der Alkohol eine günstige Wir­kung auf die Belebung der Sportfreudigkeit nicht verfehlt. Der Unterricht über Alkohol- schäden muh entsprechend in unserem Sinne in Zukunft gefärbt werden. Wir müssen insbeson­dere die Schulbehörden gewinnen. Die Wissen­schaft muh für unsere Zwecke dienstbar ge­macht werden. Es muh ein eigenes Presse­bureau eingerichtet werden, das die gesamten Zeitungen Deutschlands, natürlich in unauf­fälliger Weise, mit unseren Artikeln versieht. Diese müssen so gefärbt sein, dah nicht einmal die interessierten Kreise merken, dah die Ar­tikel im Interesse der Brautndustrie geschrie­ben sind. 3n Zeitungsartikeln, Flugschriften, Broschüren, Postkarten Kinos muh die gute Wirkung des Alkohols hervorgehoben werden. Der Nährwert des AlloholS muh in allgemein verständlichen Worten insbesondere in den Blättern der Hausfrauen erläutert werden. Auch die Drauindustrie muh sich an der Be­kämpfung der Trunksucht aktiv beteiligen, dann werden die Waffen den Alkoholgegnern aus der Hand geschlagen, ohne dah sie es merken. Zur Erreichung dieses Zieles brauchen wir Zeit und Geld. DaS Alloholverbot in Ame­rika wird sehr schwer wieder rückgängig zu machen sein, sorgen wir dafür, daß wir hier im alten Europa nicht in dieselben Fehler ver­fallen."

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Anmerkung der Redaktion: Selbst­verständlich treten wir nach wie vor für eine vernünftige Mäßigkeitsbewegung im Alkoholverbrauch für Deutschland ein. Ge­rade well man gegenwärtig leider wieder eine Zunahme der leidigenTrunksit- ten insbesondere bei der Studenten­schaft wahrnehmen kann, wobei vielfach Kla­gen über nächtliche Ruhestörungen und Ra- dauszenen Betrunkener einlaufen, sollte man dem Alkoholmißbrauch scharf entgegenwirken. Der Artikel über die Wirkung des Alkoholver­botes in Amerika sollte nur ein Bild geben, wie ein unvermitteltes, gesetzliches Ver­bot jeglichen Alkohvlgenusses von schäd­lichsten Wirkungen begleitet sein wird. Ein sol­ches Verbot haben wir für Deutschland ja aber nicht zu befürchten.

Kirche imb Schule.

)( Nidda, 26. Juni. Der gestrige Tag hatte eine große Anzahl auswärtiger Kirchengescmgver- eine nach unserem schön gelegenen Städtchen ge­führt. Vormittags um 10 Uhr fand die Haupt­probe für die Massenchöre unter Leitung von Pfarrer Stumpf (Eschenrod) statt. Um 2 Uhr begann der Festgottesdienst. Als erster Massenchvr wurde von etwa 400 Sängern und Sängerinnen ein Dachscher ChorDu Friedensfürst, Herr Jesu Christ" vorgetragen. Die Predigt hielt Pfarrer Lenz aus Lich über das PsalmwortIch will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein": in äußerst frischer, jeder­mann verständlicher Weise wuhte er die Zuhörer zu packen unb das Gotteslied aufzuzeigen als Tröster und Freudebringer in jeder Lebenslage, auch in jeder Not. Am Schluß des Gottesdienstes kam unter der Leitung von Pfarrer Stumpf der ChorHerr nun selbst den Wagen hall" ebenso machtvoll zum Vortrag. Nach einer kurzen Kaffee­pause und Aufstellung der einzelnen Vereine am Marktplatz ging es unter Vorantritt des unermüd- llchen Obermockstädter Posaunenchors, der schon morgens im Freien konzertiert hatte, unter Ab- stngen von fÄhlichen Marschliedern in langem Zuge nach dem Festplah. Leider setzte schon gleich nach dem ersten gemeinsamen Lied und der An­sprache des Dekanatsstellvertreters Pfarrer Scriba (Sichetsdorf) ein gewitterartiger Regen ein, der die Abhaltung des Festes im Freien unmöglich und seine Verlegung in die Kirche nötig machte. Hier trugen dann die einzelnen Vereine geistliche und wellliche Volkslieder vor, die von der zahlreich versammellen Zuhörerschaft beifällig und dankbar ausgenommen wurden. Dazwischen waren An­sprachen von Pfarrer Stumpf, Pfarrassistent Wichmann und Vorträge des Posaunenchors eingestreut, bis schließlich die Feier um 6 Ahr mit einem Schlußlied der Gemeinde geschlossen wurde. Die anwesenden Vereine schlossen sich zu einem Vezirlsverband zusammen. Im nächsten Jahr wird so Gott will der Verband einer Einladung nach Ortenberg folgen, vielleicht auch noch hier unb da ein kleineres Kirchengesangvereinsfest abhalten.

Turnen, Sport und Spiel.

Lang-Göns, 25. Juni. Der hiesige Turnverein beteiligte stch mit 18 Zöglingen und Turnern am Dezirkswetturnen in Steinfurth und alle kamen preisgekrönt zurück. 1898 wurde der Verein gegründet, der jedoch stets unter dem Mangel eines geeigneten Turnlokals litt. Schon 1908 wurde ein Daufonds gegründet. Im Jahre 1921 lebte die Baulust wieder auf und eine Baracke wurde gekauft, die aber einer Erweiterung bedurfte, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Unter Mitwirkung der ganzen Gemeinde wurde daher eine größere Halle errichtet, die demnächst eingeweiht werden wird.

- Die Spiele der Deutschen Turnerschaft im Schlagball, Faustball, Trommel­

ball. Schleuderball und Dar laus hatten I folgende Ergebnisse: Schlagball: Oberschles. Spiel- und Lausverb and gegen Verein für Kör­perübungen Königsberg 73: 61; Berliner Stadte- mannschaft gegen Kaufm. T. V. Tondern 48:41; St. Bonifacius Köln gegen Evang. Zungmänner­verein Gütersloh 63:51; Preuß. Hochschule für Leibesübungen gegen M. T. D. Köln 93: 53; Kauf­männische T. V. Tondern gegen St. Bonifacius Köln 60: 44; T. V. Saarbrücken gegen Oberschles. Spiel- und Eislcrufverbcrnd 87:78; Derl. Städte­mannschaft gegen M. T. D. 79-München 74:59; Hultschwer Lengen gegen St. Bonifacius Köln 97:59. Faust ball der Männer: Derl. Turnerschast gegen Oberschles. Spiel- und Eislauf- vcrband 62:37; Verein Licht- und Luftbad Frank­furt a. M. gegen Gütersloh 49:18; Derl. Turner­schaft gegen Deutsche Zugendkraft, Abt. Char- lottenburg, 43:32; Turnklub Hannover gegen T. V. Pankow 35:31. Frauen: Hamb. Turner­schaft gegen Damen T. V. Brühl-Berlin 52: 47. Trommelball: Frauen: Oberschl. Spiel- und Cislaufverband West gegen Ost 140:134. Darlauf: Turn gern. in Berlin gegen V. f. L. 58 50:43. Schleuderball: Oldenburger Turnerbund gegen Allg. T. V. Rodenkirchen 7:6.

Das Tennis-Kamps spieltur- n i e r auf den Grunewakdplätzen ist am Sonntag mit der noch ausstehenden Entscheidung des Herreneinzelspiels zwischen Kl.isch'oth und Kreuzer zu Ende geführt worden. Nach dem sensationellen Sieg von Rahe über Froitz­heim wurde Rahe in der Vorschlußrunde wider Erwarten von R. Kleinschorth 4:6, 6:1, 6-2 geschlagen. Auch. im Endkampf gegen Kreuzer zeigte Kleinschroth das bessere Spiel und sicherte sich in einem scharfen Kampfe 8:6, 8:6, 5:7, 6:3 den ersten Preis. Das Herrendoppel- spiel getrann Schomburgk-Grandh ge en Ko len - Moldenhauer 6:2, 4:6, 6:1, 6:0 und das ge­mischte Doppelspiel sicherte sich das Ehe­paar Schomburgk nach hervorragendem Zu­sammenspiel gegen Frau Käber-Demasius 6:8, 7:5, 6:1. Die Turnerischen Meh r- kämpfe hei den deutschen Kampfspie­len, die wegen der riesigen Deteiligungszisfern geraume Zeit zur Erledigung gebrauchten, zeitig­ten in allen Wettbewerben ausgezeichnete Leistun­gen. Im einzelnen gab es folgende Sieger: Vier­kampf der Männer: Reck: Z. H Felsina (Dortmund) und M Gebhardt (Frankfurt a. M.) je 76 Punkte Barren: 1. Ehrhardt (Derl. Turn- genossenschaft) 78 Punkte. Pferd: 1. Schaffert (Pilsen) 75 Punkte. Neunkampf der Frauen: 1. Marg. Furchheim (Jahn Neu- Vlln) 171 Punkte. Zwölfkampf der Män­ner: 1. Kobe (T. V. Vorwärts Breslau) 233 Punkte. Vierkämpfe der Frauen: Reck: 1. Marie Opitz (Bremen) 79 Punkte. Barren: Ofenbrunner (München), Meiser (M T. V. Mün­chen) und Bickenbach (Köln) je 75 Punkte. Pferd: 1. ©örtner (A. D. T. 2. Gvatz) 76 Punkte.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Fortbildungsschule für Mädchen.

Unser Dienstmädchen, das die Haushalts­abteilung der hiesigen Fortbil­dungsschule besucht, muh nach der neuen Stundenplanfestsetzung Montags und Donners­tags, jedesmal am Vormittag von 8 bis 12, resp. 1 Uhr den Unterricht besuchen, wird also der Haus­wirtschaft zu einer Zell entrissen, in der gerade am meisten zu tun ist. Ich kann mir nicht denken, dah die staatliche Verfügung derartige Schäden für den Arbeitgeber tm Gefolge haben soll. Ich kann mir auch keinen stichhalligen Grund denken, warum man den Unterricht nicht ebensogut auf den Nachmittag legen kann, an dem doch eiegntlich mehr Lehrkräfte zur Verfügung stehen dürften, als an dem durch den Hauptdienst besetzten Vormittag. Wenn die Heranziehung der Mädchen zum Fvrt- bildungsunterricht mit sieben Stunden (mit Ein­rechnung des Schulwegs 89 Stunden) wöchent­lich an sich schon eine bedeutende Belastung sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer darstellt, so sollte sie wenigstens zu einer gün­stigeren Zeit vorgenommen werden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch bemer­ken, daß in der am 15. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, anberaumten Besprechung des Lehrerrats mit den Eltern, bei der ich als Vertreter der Eltern un­seres Dienstmädchens zugegen war, von einer der­artigenBesprechung" nichts, aber auch gar nichts zu spuren war; hier wäre Gelegenhell eines Mei- nungsaustauschs zwischen Ellern und Centern über günstigste Lage der Unterrichtszeit und ähnliche Fragen gewesen. N.

*

{Die Erfahrungen in der Einheitsschule."

Dem Herrn 2erfaffer des t-Eingesandts betr. Erfahrungen in der Ginhellsschule" diene fol­gendes zur gefälligen Kenntnisnahme: Der beste, kürzeste und sicherste Weg zur Lllifklärung über die ungezogenen Fragen, gegebenen Falles auch zur Herbeiführung von 2erbefferungen ist der, der öhne alle Umschweife unmittelbar in die Amtszimmer der in Betracht kommenden Rek­toren führt,

Gießen, 26. Zuni 1922.

Die Rektoren der hiesigen Volksschule.

Handel.

Frankfurt a. M., 26. Juni. (Börsen- stimmungSbild.) Zurückhaltung ist das Gebot der Stunde. Wohl selten war das Ge­schäft der Börse so schleppend und in so engen Grenzen gehalten, wie an dem heutigen Tage. Man stand unter dem Zeichen des Mordes an Rathenau. Das Gefühl der Unsicherheit drückte sich in den Kursen aus. Am Devisenmarkt war die Haltung nicht mehr so erregt wie am SamStag. Der Dollar ging bis auf 360 biS36< herauf und schwankte dann zwischen 350, 358 bis 352. Von der Geschäftsstille waren nur vereinzelte Spezialpapiere ausgenommen. Benz 445, Inag 340 bis 350. Becker-Stahl 400. Am LRontanaktienmarkt war die Ten­denz vorwiegend zur Schwäche neigend. Ma­schinen- und Metallaktien zeigten ein unein­heitliches Aussehen. Still lagen ferner Elek­trizitätspapiere, Anilinwerte erhielten mäßige Befestigung. Der Schluß gestaltete sich unein­heitlich bei schwankenden Kursen. Privatdis­kont ,4V> Prozent.

Frankfurt a. M., z6. Zuni Jcr Börsen- vorstanb gibt bekannt: Am D i e n s t a g, 27. Juni, ist die Frankfurter Wertpapie r-D o r s e ür jeden Verkehr geschlossen. Auch D e ö i - en und Noten werden nicht notiert.

Derlin, 26. Juni. Börsen st immungs- b i l d. Im Anschluß an die ausländische Mark­entwertung erfuhren die Devisenkurse heute vor­mittag eine scharfe Steigerung. Die Bewegung war jedoch in der Hauptsache spekulativ, was sich durch eine beträchlliche Abschwächung bei Beginn des offiziellen Verkehrs kundgab. Die Hallung des Effektenmarktes war unsicher. Große Zurückhaltung wurde allerdings beobachtet. Kaliaktien setzten vor­wiegend erheblich niedriger ein. Sonst hielten sich am Industrieaktienmartte mäßige Rückgänge und Besserungen etwa die Wage. Späterhin schrumpfte der Verkehr mehr und mehr zusammen, bei un­einheitlicher Kursbewegung. Bankaktien und Schiffahrtsaltien konnten sich im allgemeinen gut behaupten. Ungarische und österreichische Anleihen chwächten sich meist etwas ab. Oesterreichische Goldrente verlor 55 Prozent, Valutapapiere wur­den entsprechend der Devifensteigerung höher be­zahlt. Deutsche Anleihen schwächten sich meist ab 3prozentige Reichsanleihe verlor 8 Prozent. Die Devisenkurse unterlagen bet nervösem Geschäft Schwankungen.

Frankfurt a. 'M.. 27. Juni.

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Airs Kurs Kurs

Datum:

5 °/ Disch. Kriegsanl. 4°/o Disch. Reichsanl. 3"/g Disch. Reichsanl. 4°/o Preuß. Konsuls Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconw-Gesellschast Dresdner Bank. . . Mitteld. Creditbank. Äationalbank f. D. . Boch. Gußstahlwerke Bud.- Eisenw.-Akt.. D.-Luremb. Bergw.. Gelfenkirch. Bergw.. Harpener Bergbau. Öberschl. Gisenb.-D. Oberschles. Eifenind. Phönir-Bergb.-Akt. Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Ällg. Ciektr.-Ges. . . Felten & Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4° 0 Hess. Staats anl. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbank

23. 6. 26.6.

77 50 77,50 108,- 106,50

147 - 145, -

88,50 81,20 398,- 393.- 292,50 290,25 294,- 295, - 286 - 285,-

522,- »14, - 414,50 312, 308,- 249.25 248,- 283,-

5»0'- 575'- 960 - 952,- 990 1000,-

- - 1785,- 845'- 835,- 592 - 600 -

- - 1160,- 710,- 718,- 618,- 625,- 632,- 630, -

-,- 710,- 630,- 639,- 429,- 420,- 408, - 400, -

80, - 80,- 720,- 730,- 189,- 185.-

23. 6. 26.6.

77,50 77,50 108 75 107,56 149,- 146,

83,50 82,10 392,50 396,- 287,- 295,- 296,- 295,50 288 287,-

, 525,

416, - 410,- 315,- 314, - 248,75 247,50 288,- 287,- 11158,- 1051,- 546,- 560,- 961,- 951,- 999,75 10C0,- 1792,- 1798, - 835,50 830,- 587,- 586,- 1165,- 1163,- 719,- 712,- 615,50 620,- 630,- 639, - 715,- 711, - 634, - 629,- 428,- 420,- 401,- 402,-

80,- 80,- 730,- 740,-

Derlmer Devisenmarkt.

Saturn Amstd.-Aotterd. Brüssel-Antw. . Christiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helsingfors. . . Italien London Neuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr» Prag Budapest .... Buenos AireS . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro

Geld Dri< 24. Juni.

3083,60 13116 40

2766,50 2773,50

5622,95 5637,05

7270,90 7289,10

8724,05 8745,95

753,05 754,95 1602 15 1607,05

1508,10 1511,90

341,56 345,44 2411,35 2918,65

6516,80 6533, :0

5343,30 5356,70

1,88 1,90

654,15 655,87

34,25 34,32

122,82 123,10

231,20 231,85

167,- 163,55

4719,- 4730, -

s Gelb Brief 26. Juni.

.3483 10 13516,90 2776,90 2783,10 5682,85 5687 15 7440,65 7459'35 8909,85 8931,15

780,- 782, - 1588,- 1602, - 1538,15 1541,05

348,56 349,44 2866,40 2873,60 6516 80 6533,20 5328, 0 5341,70

',93 1,97

673,15 674,85

34,95 35,05

124,82 125,17 234,70 235,39 16?,50 166,50

4694,- 4706,-

Marknotterungen.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 24.6. 26.6.

Zürich Fr. 125.40 1,55 1,52

Amsterdam Fl. 59.20 -.77 -,75

Kopenhagen Kr. 88.80 1,40 1,37

Stockholm ...... Kr. 88.80 1,13

Wien Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 14,80

London Sh. 97.80 1,50 1,51

Neuyork $ 23.80 -,28 -,28

Paris Fr. 125.40 8,49 3,45

Züricher Devisenmarkt.

28. 6. 27. 6»

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 Fl. = 202.25 202.10

Deutschland 100 HU. = 1.45 1.52

Wien 100 Kr. 0.03 0.027

Prag 100 Kr. 10.- 16.125

Paris 100 Fr. 44.45 44.-

London 1 £ = 23.45 23.25

Italien 100 L. = 24.45 24.80

Brüssel 100 Fr. = 42.45 41,85

Budapest 100 Kr. 0.53 0.535

Neuyork 100 $ 529.50 527.75

Agram 100 Kr. --- L70 1.687 Warschau 100 Är. --- 0,117 0,117

Märkte.

Frankfurter Getreidemarkt.

Frankfurt a. M., 26. Mai. Die inner- politische Lage die in letzter Zeit einen stär­keren Druck auf die allgemeine Geschäftslage ä is- geübt hat hat sich durch die Ermordung des Reichsministers Dr. Ralhenau noch verschärft. Da­durch kam es zur weiteren Devisensteigerang, in­folge der Entwertung des Markkurses. Die For­derungen der Getrcidep reise ftnb trotz der Bes­serung des Suatenstandes in Deutschland höher. Im Frühverkehr herrschte iroch große Ge'chöfls- unlust und die Preiserhöhungen konnten nicht durchdringen, da es an Kauflust fehlte und die Forderungen den Angeboten gegenüber zu hoch waren. Die Haltung für Weizen war fest, Roggen war ebenfalls nur zu besseren Preisen erhältlich. Zurückhalteird verhielt man sich in Maisabschlüs- fen. §afer tag ruhiger. Gerste bleibt gesuchter. Mehl stellt sich höher. Hülsensrüchte sirw knapp. Futterstoffe behaupteten ihren Preisstand. Nach­träge "bestand infolge der Rege ifälle für Klee­saaten. Lupinen und Seradella bevorzugt. Preise: Wri .en. alsbaldige Lieferung, 1850 bis 1875 Mk., Roggen dto. 1475 bis 1500 Mk., Sommergerste dto. für Drauzwecke 1750 bis 1800

-ncaat, Hafer dto. 1600 bis 1650 Mk., Mais bto. (Mixed) 1600 bis 1650 Mk., Weizenmehl dto (sudd. Spezial 0) 2425 bis 2500 Mk., Äoggen- mehl dto. 1700 Ml., Weizen- unö Roggenlleie 1000 Mk.. Erbsen für Speisezwecke 1500 bis 1800 Mark, Heu. sudd., gut, gesund, trocken, 880 Mk.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 26. Juni. (Amtlich) Marktverlauf: In allen Viehgattungen langsamer Handel. Schweine hmterließen ileberftanb. Im einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 849 Rinder, darunter 107 Ochsen, 41 Dullen, 701 Fär­sen und Kühen, ferner 369 Kälber, 14 Schafe, 1480 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zent­ner Lebendgewicht: für Ochsen von 2000 bis 3350 Mark, für Dullen von 2200 bis 3000 Mk., für Färsen und Kühe von 2400 bis 3250 Mk. für beste Färsen und von 1400 bis 2500 Ml. für beste Kühe, für Kälber beste Qualitäten von 3000 bes 3600 Mk., für Kälber mittlerer Qualitäten von 2500 bis 2800 Mark, für Schweine unter 80 Kilogramm Lebend­gewicht von 4400 bis 5000 Mk.. von 80 bis 100 Kilogramm Lebendgewicht von 5200 bis 5400 Mk., von 100 bis 120 Kilogramm Lebendgewicht von 5300 bis 5500 Mk., von 120 bis 150 Kilogramm Lebendgewicht von 5300 bis 5500 Mk., für Fett- schweine über 150 Kilogramm Lebendgewicht von 5300 bis 5500 Mk., Sauen und Eber von 4700 bis 5000 Mk. Die Marktpreise Hegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheb­lichen Gewichtsverluste, Spesen und Hchidler- gewllme in sich schließen.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Die Verordnungen

zum Schutz der Republik.

Gießen, 26. Juni 1922.

Das nächste Amtsverkündigung S- blatt des Kreisamts Gießen vom 27. L Mts. enthält die Verordnungen, welche der Herr Reichspräsident aus Anlaß der ruchlosen Er­mordung des Reichsministers des Aeußeren Dr. Rathenau erlassen hat. Das Amtsblatt weist darauf hin, dah bei dem KreiSamt der feste Wille zur Durchführung dieser Maßnahmen besteht und emp­fiehlt dem Polizeiamt Gießen, den Bürger­meistereien und der Gendarmerie des Kreises gewissenhafteste Mitarbeit. Dem Kreisamt ist durch diese Stellen unverzüglich Mitteilung zu machen, wenn Veranstaltungen im Sinne des 8 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsi­denten geplant sind, welche Besorgnisse der im § 1 ebenda genannter Art entstehen lassen können. Zuständig für das Verbot solcher Ver­anstaltungen ist das Ministerium des In­nern in Darmstadt, in Eilfällen, wenn Gefahr im Verzug ist, auch das Kreisamt.

Englische Pressestnnmen.

London, 26. Zuni. (WTD.) Sämtliche Blätter nehmen in Leitartikeln zu der Ermordung Rathenaus Stellung.Daily Telegraph" sagt, die Nachricht von dem Mord an Rathenau sei allgemein mit aufrichtigem Bedauern und Ent­rüstung ausgenommen worden. Man sei der An­sicht, daß Deutschland es sich schlecht leisten könnte, in einem Zeitpunkt wie der gegenwärtige, eine so hervorragende Persönlichkeit zu verlieren, man empfinde aufrichtige Teilnahme mit Reichskanzler Wirth und seinen Kollegen, deren Persönlichkeit selbst sehr ernst bedroht fei. Man hoffe und glaube in London, daß nicht nur alle demokratischen Ele­mente in Deutschland, sondern auch alle ordnungs­liebenden Bürger sich um Wirth scharen werden, gegen die neue Anarchie, die von der äußersten Rechten drohe. Bei dem Versuch, diesen Aufruhr zu unterdrücken, werde die Stellung der deutschen Regierung die vollste moralische Unterstützung der zivilisierten Welt erhalten.

DieTime s" schreiben, der abscheuliche Mord an Rathenau sei ein neuer Schlag für die Hoffnung aufeine allmähliche Befestigung des Friedens. Es bestehe kein Zweifel, daß eine weitverbreitete Verschwörung gegen die deutsche Republik im Gange sei. Man dürfe wohl glau­ben, daß die Mehrheit des deutschen Volkes Frieden und Ruhe wünsche. Es gebe jedoch in Deutschland eine entschlossene Minderheit, die eS sich in den Kopf gesetzt habe, durch "biefe Morde und durch Einschüchterung der Führer der Demo­kratie bei demokratischen Sache Abbruch zu tun. Sie werde das Land in Streit und Einordnung stürzen und in diesem Durcheinander eine despo­tische und aggressive Herrschaft auf dichten. Ihre Methoden seien denen der Bolschewisten ver­wandt. Wenn das deutsche Volk ssich nicht ent­schlossen an strenge, diese Versuche, Deutschland und ganz Mitteleuropa tn die Anarchie zu stürzen Widerstand zu leisten, so müßten die Aussichten für die unmittelbare Zukunft dünke» sein.

Daily Chronicle" bemerkt a. a: Es könne kein Zweifel daran bestehen, daß die strenge Haltung der französischen Regierung gegen Deutschland den deutschen Reaktio­nären viel geholfen habe. Sie habe Oel in das Feuer des Hasses gegossen. Sie habe ver­hindert, dah die Regierung Wirth-Rathenau tn der Lage war, einen augenfälligen Gewinn als Ergebnis ihres guten Betragens aufzuweifen. Die Alliierten brauchten eine positive Politik der Un­terstützung und der Förderung des Fortschrittes und der versöhnlichen Elemente tn Deutschland.

Westmtnster Gazette" bezeichnet den Mord als einen grausamen Protest der deutschen Reaktionäre, deren Zukunft ebenso schlimm sei, wie die ihrer Gegner. Der Mord könne die deutsche Politik nicht ändern, denn es gebe keine andere Regieruna die irgend eine Hoffnung auf die Wiederherstellung des Friedens erhalten als in der Lage der Erfüllung der Forderung der Alliierten. Das linksliberale Blatt kommt zu dem Schlüsse, keine deutsche Regierung könne wirk­sam bewaffnet werden gegen die Wiederholung dieses auf Umsturz gerichteten Angriffes, be­vor sie nicht mit einer Reparationsprobe ver­sehen werde, die nicht nur gerecht, sondern auch durchfüh bar sei. Solange Deutschland gezwun­gen werde mit einer Ausgabe zu ringen, die sein Vermögen übersteige, müsse es den Weg gehen den seine Sieger bezeichnet haben.

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