Ausgabe 
27.6.1922
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag, 27. Juni 1922

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)

Nr. 148

Zweites Blatt

Deutscher Reichstag.

235. Sitzung, mittags 12 tibr.

noch vor wenigen Sogen bewies«

überwiesen.

aumeister.

Merseburg Hallesche Stich

*<u

wm

e-

(44

(Nachdruck verboten.)

21. Fortsetzung.

bie

ein

II'

Antrag.

Korell (Dem.) tritt für einen bemo- Antrag ein, der den mittleren Dauern,

-S auf* der- ins-

ine-'

, Maggie zuckte über meine Schwerfälligkeit Achseln.

..Das muht öu doch einsehen, das) hier alles

Ende haben muh?!'

.Mri war es, als sei ich mit einemmal her-

kratischcm

Abg Tratif<bcn

eit. *4» m 6fi in iie. v-,

eöt »g- In» Jen nb;

seinen Folgeerscheinung

6111'

Die Vorlage wird auch in zweiter und dritter Beratung und in der Gesamtabstimmung ohne Erörterung einstimmig angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Kleine Vor­lagen, Nachtragsetat über Gehaltserhöhung der Beamten, Getreideumlage, Arbrilsnachweirgeseh.

Präsident L ö b e teilte mit. das) nach einem ^Beschluß des Aeltestenausschusses am Freitag und Samstag Vollsitzungen statrsinden würden, dah aber die ganze nächste Woche sitzungsfrei bleiben werde, weil sonst die Zwangsanleihe, die Novelle zum Einkommensteuergesetz und zum Erbschastssleuergesetz sowie das Gesetz zum Schutze der Republik und das Amnestiegeseh nicht er­ledigt werden könnten. Endgültige Beschlüsse würde der Aeltestenrat erst am Freitag fassen.

Schttih gegen 9 ilfrr.

Es wird sodann ein Schluhantrag angenom­men und die Anträge gemäs) einem Vorschläge des

wg erwiesene rbindlichsien Dank.

'eder,

1 das Leder

/Dl eoJ scht ne8 ioer rat mit 56<: ulld iier tM

rückt geworden. War das meine geliebte, hin­gebungsvolle Maggie, die vor ein paar Stun­den noch an meinem Halse gehangen hatte?

Du darfst mir glauben.' fügte sie mit weicher Stimme hinzu, .auch mir fällt der Abschied recht schwer, aber es mus) fein, denn hier in Amerika bin ich eine anständige Frau, die ihren Rus 'm acht zu nehmen hat.'

.Ich lachte laut auf.

..Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber ich hatte nicht gewußt, daß Sie in Ihrer sogenannten Anständigkeit zwischen hier und "Drüben einen Unterschied machend

. ,.Sie zuckte mit den Achseln und wandte sich ohne mich weiter eines Blickes zu würdigen, der' Kafülentreppe zu. Das war infer Abschied Lustig. waS? . . . (Schluß folgt)

.Als ich den Namen von ihr aussprechen hörte, gereute es mich, ihr denselben überhaupt genannt zu haben. Ich zuckte die Achseln und sagte: ,Ich glaube hier in Berlin.'

.Maggie sah mich scharf an.

Sie glauben eS nicht nir, sondern Sie totflen es ganz genau 1'

Run denn ja, erwiderte ich. .sie ist hier und'wohnt in der Dersflingerstraße. aber Ich schwöre es Ihnen, ich habe sie seit jener Zeit nicht wieder gesehen.'

.Hetzt lachte Maggie hell auf.

q S.e großes Kind, und Eie ntcrncn wirk­lich "ich glaube Ihnen das alles? Seit einer halixm Stunde erzählen Eie mir eure lange Lügengeschichte und verschweigen dabet das In» terefsantesic bloß weil Die fürchten, tch wurde Ihnen aus Ihrer Liebe zu jener Helene einen Vorwurf machen. Nein, ich bin bescheiden^ und begnüge mich mit dem, was sie mir von Ihrem Herzen übrig gelassen hat

Sie schmiegte sich an mich und !ah mir bittend in die Augen.

..Sage mir, daß du mich lieb hast?!'

.Statt der Antwort schlang ich meinen Arm um sie und verschloß ihr den Mund mit einem Kusse. _

Den Nachmittag verbrachten wir in Sans­souci. Wir wandelten Arm in Arm in den schat­tigen Gängen des Parkes, tauschten tausend ver­liebte Worte, und als der Abend kam, fuhren wir Hand in Hand zur Stadt z urück, st umm und glücklich.

.Als wir in die Nähe ihres Hotels tarnen, blieb sie plötzlich stehen und sagte: ,Es ist nicht wahr, daß du mich liebstI*

Mein Vetter Mus.

Dvman von Richard Skowronnek.

der Gefangenen sonst eine ungünstige Wendung ncchmen würde. Wir handeln also aus einer Zwangslage heraus. Die jetzige Lösung ist nicht befriedigend, aber immerhin besser, als das, womit man unS drohte. Damit schließt die erste Beratung.

daß wir eine I olkes ter bei-

Inifter-1

nstsdmgenduwW

Der Vorstand.

Vorwand mein Erbteil cruszahlen ich glaube, ich hatte ihm vorgelogen, daß ich eS zu hohen Zinsen In einem industriellen Unternehmen au- legen könnte uiÄ> Äs Maggie nach Hause zurückkehrte, da ging ich mit. Auf dem Schiffe verdoppelte sie ihre Zärtlichkeiten, als wenn sie mich den Abschied von der Hei mit vergessen ma­chen wollte, und als wir bi den Hasen von Neutzori einliefen, da sagte sie mit einemmal so ganz nebenher wir standen zusammen aus dem Verdeck. .In einer Stunde, mein Freund, hat unser schöner Traum ein Ende.'

.Ich säh sie verständnislos an.

Nun ja.' fuhr sie fort, .mein Mann kommt mich ab ho len, er erwartet mich am LandungS- vlatze Wenn du ihm vorgestellt sein willst? . . Meinetwegen. Aber ich glaube, es ist besser, wir nehmen hier Abschied von einander.'

Jur Frage des Alkoholverbotes in den Vereinigten Staaten.

Auf den Artikel-vom 24. Juni im Gieße­ner Anzeiger erhalten wir folgende Zuschrift:

Den allgemein gehaltenen Behauptungen des Deutschamerikaners in dem unter obigem Titel gebrachten Artikel im Gießener Anzeiger vom 24. Juni, daß unsägliches Unglück, Arbeitslosigkeit, Ver­brechen und sonstige Schikanen das Alkohol­verbot den Amerikanern gebracht hätte, stel­len wir folgende Tatsachen gegenüber:

In Detroit haben nach Mitteilung deS Polizeichefs im Jahre 1919 20 die Fälle un­erlaubter Bettelei um 90 Prozent, der Dieb­stähle um 35 Prozent, der Mordtaten um 43 Prozent, der Fälle von Prostitution um 54 Prozent abgenommen.

In einem Gefängnis in C h i k a g o ist die Zahl der Gefangenen seit 1919 auf ein Drittel gesunken. Ursache: Das Rauschtrank­verbot vom 30. Juli 1919.

In Massachusetts können nach Aus­sage des SttafanstaltenkommifsarS die Insas­sen von 26 Reichsstrafanstalten heute in fünf Gebäuden untergebracht werden.

In Philadelphia berichtet der lei­tende Arzt des Allgemeinen Krankenhauses, daß die Alkoholikerabteilung anstatt 300 vor 1919 heute nur noch 15 bis 20 Insassen zähle.

In Peoria waren vor 1919 in der Branntweinbrennerei 1000 Arbeiter beschäf­tigt. heute in demselben, auf Verarbeitung von RahrungS- und Futtermittel umgestellten Be­trieb 4000.

In Washington hat die National« Kapitalbrauerei vor 1919 für 130 000 Dollar Rohstoffe verbraucht, heute, in eine Eiscreme­fabrik umgewandelt, für mehr als 400 000 Dol­lar. Ursache dieser Tatsache: DaS Rausch- trankverbvt vom 30. Juli 1919.

Im Staate Ohio find die Sparkassenaul. haben in Vierteljahresfrist um fast 6l/t Millio­nen Dollar gewachsen, das sind 27-, > Millio­nen G o l d m a r f. oder etwa 1100 Millionen Papiermark. Und das in einem Vierteljahr in c i n e m der Vereinigten Staaten. Ursache die­ser Steigerung des Volksvermögens: Das Rauschtrankverbot vom 30. Zuli 1919.

Den deutschen denkenden Lesern stellen wir folgende Tatsachen im Blick auf die Alko­holfrage zur Erwägung:

In Deutschland werden täglich26500 Zentner Getteide in Alkohol umgewandelt, das sind nach Professor Gaupp-Tübingen täglich rund 30 Millionen Teller nahrhafte Gerstensuppe, die unserem hungernden Volk entzogen werden. Während des Krieges sollen durch die Wirkung der Hungerblockade ungefähr 500 000 erwachsene Deutsche verhungert sein, dies hätte zum größ­ten Teil verhütet werden können, wenn nicht in der gleichen Zeit über 50 Millionen Zentner Gerste verbraut, und über 1 60 Millionen Zentner Kartoffeln zu Spiritus verbrannt worden wären. Für jeden Verhungerten wären dadurch 100 Zentner Gerste und 320 Zentner Kartoffel verfügbar gewesen.

Im Bremer Krankenhaus wurden bei­spielsweise 1913 noch 176 Alkoholiker eingelie- fert, 1914 wegen zunehmender Einschränkung von Herstellung und Verkauf geistiger Ge- ttänke nur noch 137, 1915 nur 111, 1916 nur 67, 1917 nur 37, 1918 nur 13. Seit her Beseitigung der Einschränkung steigen die Zahlen bedenklich: 1919 17, 1920 60.

Deutschland hat über 6 Millionen Ge­schlechtskranke, größtenteils infolge von Alko-

Derlin. 26. Iuni 1922.

Die Vorlage, durch welche das Wohnungs­mangelgesetz bis zum 31. Dezember nächsten Jahres verlängert wird, wird in allen drei Lesungen angenommen, ebenso das Gesetz über Kündigungsbeschränkung zugunsten Schwerkriegs­beschädigter uno der Entwurf über die Erhöhung der patentamtlichen Gebühren.

ES folgt die 2. Beratung des Entwurfes zur (Berlängernng der Pachtschutzordnung.

DerAuSschuh schlägt verfchiedeneAenderungen vor. Der von der Regierungsvorlage für Grundstücke unter fünf Hektar vorgesehene Ausschluß der Pächtkündigung wird vom Ausschuß aus ©runb- stücke bis zu zehn Hektar ausgedehnt. In Zweifels­fällen soll Den Pachteinigungsämtern die Ent­scheidung zustehen.

Reichsarbeitsminister Braun wendet sich gegen einige Abänderungsanträge, die von ver­schiedenen Parteien eingegangen sind. Dem Grundgedanken ei es Der Pächterschuhes stehe die Regierung nicht ablehnend gegenüber, aber er sei auQ schon in der Vorlage gegeben.

Abg. Dr. David lSoz.) hofft, daß die im Ausschuß beschlossene Ausdehnung des sozialen Pachtschuhes auf Wirtschaften bis zu 6 Hektar besteben bleibe. Er beantrage eine Erweiterung des Pachrschuhes insoweit, daß das Deputat land­wirtschaftlicher Arbeiter bis zum Ablauf des Wirtschaftsjahres dem Deputanten zur vollen Nutznießung verbleibt.

Abg Hagemann (Z.) wünscht einen größe­ren Spielraum für die Vertragsfreiheil, empfiehlt mcHrere dahingehende Abänderungsanträge und fordert weiter eine Anpassung der Pachtverträge an die © d atwertung noch vor Ablau ie. Pacht­verträge.

Abg Horn (II.) unterstützt den sozialdemo-

W

Port *

von Sotoedg w

SktitaS'K %«>''' $ortR üfW

.1«?

n

6$#°

.Ich schwor bei allem, was mir noch heilig war.

..Beweise es. «widerte fie. .Morgen fahre ich nod> Schlangenbad auf vier Wochen komm nritl*

Das geht nicht so leicht, Maggie, ich nrüßte doch hier erst verschiedenes ordnen

.Die ganze Zeit über hatte ich mich begehrlich mit dem ©eba.tlen getragen, sie bet ihrer Ab­reise, die allerdings, wie fie am Nachmittag ge­sagt hatte, erst in einigen Tagen erfolgen sollte, zu begleiten, jetzt ober, wo sie selbst es mir an­bot und eine Entscheidung verlangte, fehlte mir der Mut des kecken Zrgreifens.

..Das geht asto nicht?' fragte sie und trat mit fböttifdjem Lächeln auf mich zu: .Herr Da im- lehner, Sie haben das Zeug zu einem deutschen Schulmeister, ober nicht zu einem Liebhaber!'

.Ich ftonb noch eine Weile allein und'starrte ihr nach, wie sie erhobenen Hauptes und rasch die Straße hinäbschritt. Dann ging ich lang­sam nach Hause . . .

,2m andern Morgen erkundigte ich mich beim Portier, ob sie wirklich abgereift sei Mit einem diskreten Lächeln, für das ich den Kerl hätte abwürgen mögen, erwiderte er: .Das willen Sie nicht. Hem Daumlehner? Mrs. Bl wer ist heute ganz früh fortgefabven, nach Schlangen­bad. Adresse: Hotel Ci.ibenberg

.Ich ging in die nächste Kneipe, ließ mir Papier und Tinte geben und schrieb Maggie einen langen Bries ein wahnwitziges Schrift­stück, indem ich sie beschwor, mir zu erlauben, daß' ich ihr nachkommen dürfte.

.Ein paar Tage schleppte ich mich in einer seltsam benommenen Stimmung umher und war­tete auf eine Antwort, da erhielt ich durch die Stadtpost einen Brief, dessen Ad.e se eine mir unbekannte weibliche Handschrift trag. Ich zer- rif) den Umschlag es war weiter nichts dann, alS mein Dries an Maggie.

die während des Krieges ihre Wirtschaften ver­pachten mußten, die Möglichkeit geben will, ihre eigene Schalle wieder mit den inzwischen erwach­senen Söhnen selbst zu bebauen. Wenn diese Mög­lichkeit geschaffen toirix könnten die Demokraten auch für die zehn Hektar-Pachtschuhgrenze stim­men. Sonst müßten sie diese Grenze auf Z1 /.. Hek­tar hercrbsehen.

Aba G i l d e m e i st e r (D. Vp.) fordert streng paritätische Anwendung der Pachtschuhvrdnung. Die Bedenken seiner Partei gegen die 10-Hektar- grenze seien noch nicht beseitigt. Deshalb werde sie für den demokratischen Antrag auf Z1/2 Hektar stimmen.

Abg Heidemann (Kom.): Der Land­wucher, der die Hauptschuld an den Lebensmittel- preisen trägt, wird durch die Vorlage nicht be­seitigt.

Unter Ablehnung aller AbänderungSanträgc wird die Vorlage nach den Ausschußbeschlüsfen angenommen, ebenso auch in dritter Le'ung.

Darus wird um 4*/2 Uhr nachmittags die Sitzung abgebrochen, well die Ausbohrung Rathe- naus im Sitzungssaale vorbereitet werden soll. Präsident Lobe wird den Zeitpunkt der nächsten Sitzung bestimmen.

Nächste Sitzung wahrscheinlich heute abend 8 Uhr Deutsch-polnisches Abkommen.

23 8. Sitzung, 2 6. 3u nl, 8 Uhr abends.

Berlin, 26 Zum. Die Sitzung findet im großen Saale des Dberg4d»fTti statt wegen der im Plenarfitzungssaal bereits zur Tra uerseier für Dr. Ratl^ei au getroffenen Vorbereitungen.

Aus der Tage-ordnung steht der G.setzeitt- wurf betreffend Vereinbarung der deutschen und polnischen Regierung mit der Interalliierten Äonuniffvon für

Oberschlesien.

Die Vorlage enthält als locs-enllichste Bestim­mung, daß die vom Oppelner Sondergericht wo­gen Vergehens gegen die alliierten Mächte Ver­urteilten den Rest ihrer ©trafen in Gefäng­nissen deS besetzten rheinischen Gebietes abbüfen dürfen.

Die erste Lesung begründet Gesandter von ©darbt, welcher auSsührt: Die Vorlage ist des­wegen so eilig, well es sich um einen Teil des mit der interalliierten Kommission abgeschlossenen Hebcrgabeabtonrmen8 handelt. Die interalliierte Kommistion habe nur unter der Voraussetzung zugestimmt, daß die Ralisikatwn so schnell als mögtid) erfolgt und auch gedroht, daß das Los

Die Ermordung Nathenaus im preußischen

Landtag.

Berlin, 26. Iuni. Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme einer Regierungserklä­rung in Verbindung mit mehreren Anträgen, die sich mit der Reichswehr und der Schutz­polizei befaßen, sowie mit der Auflösung der monavhistifck^n Organisationen.

Ministerpräsident Braun gibt der Ent­rüstung Ausdruck über die feige Mordtat, der einer der Besten zum Opfer gefallen ist. Dieser Fall zeige besonders, wohin wir gekommen feien. Könnte es so weiter gehen? Bisher habe es gerade Deutschland ausgezeichnet, daß der poli­tische Meuchelmord nicht zur politischen Waffe wurde. Den rechtsstehenden Kreisen fei dies Vor­behalten geblieben. Wir müssen zu Mitteln grei­fen .die wir lieber vermieden wissen möch'en, und er lasse keinen Zweifel, auch den crusf ährenden Organen gegenüber, daß sich diese Maßnahmen lediglich gegen d i e rechtsstehenden Gruppen richten, die den Meuchelmord be­günstigen. Der Ministerpräsident sch'.eßt mit bem Rufe:Kamps gegen alle Feinde der Republik".

Minister beß In nein Severing: Dieser Mord bedroht unser Wirtschaftsleben wie der Kapp-Putsch. Mich schweben in Berlin die Ver­handlungen der Bergarbeiter. Eine Hv'f aunz hin­sichtlich des Ueberfchchtenabko-nmens habe ich feil dem Morde an Rathenau nicht mehr. Wir be­dürfen aber dieses Uebei sächchtenak lvmmens. wenn wir das Reparationsabkommen Halten und den Hausbrand sccherstellen wallen. Da.,u kommt eine neue Gefahr. Ve r sp ren gte Selbstschutz- ko l o n n e n haben die Ruhe und Ordnung in Schlesien derart untergraben, dah Vertreter der Sozialdemokratischen Partei beim Staats» miniflcrium und beim Rcichssabinett vorstellig ge­worden sind, um den Ausnahmezustand für Oberschlesien zu verlangen. Die Aus- führungsbestimmungen sind heute früh an die Oberpräsidenten ttxntergepeben worden. Dic Pro- vinzialbcchörden können nicht im Zweifel sein, dah diese Maßnahmen nur gegen rechtsradikale Stel­len anMittxmben sind. Verboten werden alle Regimentsfeiern und die für den 28. Iuni geplanten Frieden sreriragskundgebun- gen. Die Verordnung wird nicht auf dem Papier stehen bleiben. Ich spreche nicht vom Kampfe gegen die Rechtsparteien, sondern vom Kampfe gegen jeden Verbrecher, der sich mit parteipolitischer Etikette schmückt.

21 bg. Heilmann lEoz ) Di: M rdtat wur ein Ausfluß der Iadenhetze. Geist red Geld der Mord buben stammt aus den rechtsstehenden Kreisen. Nun wird ein neucs Geritzt für de bisher v:l k mimen ve s g nde, > p eu istze Ge lichte geschaffen. Das ist ange ichrs bei '.leber- griffe gegen so i.rldemvt a ische Terfammluncc. die höchste Zeit Die Zustände in der Deichs- tr-ehr erfüllen uns mit ernsterer Sorge als den Reichs tr-ehrminister. Die schwarz-wcih- rote Reichswehr sahne mu1' Im Interesse der Reichswehr selber beseitigt w rden.

Abg. Winkler (Dntl.), unterbrochen von fortwährenden Zwischenrufen, Verwünschungen und Beschimpfun­gen der Äomuuitriften, führt aus. Wir haben

..Doch bo, unter meinem Namen, da stand noch eine Zeile von derselben H«rd, die die Adresse geschrieben hatte. Es waren nur drei Worte. .Absenderin Helene Dähne.'

,Es dauerte eine Welle, bis ich den Zu­sammenhang begriffen hatte. Das war- MaggieS Antwort.

^Noch in derselben Sturrde packte ich meinen Koffer und fuhr mit fern nächsten Zuge nach Schlangenbad. Ich wollte sie zur Rede stellen, mich an ihr rächen, fie umbringen was weih ich. was alles für halbverrückte Gesunken damals unter meiner Schädeldecke kreisten.

.Ich tarn in ihr Hotel, ich pochte an die Tür ,Come in!' erklang ihre Stimme, ich riß die Tür auf, und lachend inb und jubelnd flog sie mir an die Brust und lieh mich mit ihren Küsten nicht zu Worte kommen. ,Ich wußte, daß di nicht eher kommen würdest, als bis ich dich ganz frei gemacht hätte. Nun aber wirst du bei mir bleiben, denn du bist mein!'

Iosua schwieg einen Augenblick, schenkte sich sein C-las voll und stürzte es hastig hinunter. 2lls er wieder zu sprechen begann, klang seine Stimme heiser.

.Es wird mir nicht leicht, mein (Jungchen, mich vor dir in meiner ganzen Erbärmlichkeit auszuziehen, aber erstens wollte ich mir selbst ritte e spuren und barm auch mit möglichster Treue ausschlldern und dir zu erklären ver­buchen, ttn? ich in ein paar Tagen ein so an- speienswürdiget Lump wurde. Und wenn ich fertig bin es dauert nicht mehr lange dann wirst du einfehen, daß ich mir noch fange nicht genug an Buße auferlegt habe. Eigentlich mühte ich nächstens auf spitzen Steinen liegen und tags­über mich blutig geißeln . . .

.Na, kommen wir zu Ende, es zieht schon grau hinter den Scheunen herauf, und du wirst müde fein vom langen Eitzen.

.Also ich blieb natürlich in Schlangenbad, ließ mir von meinem Bruder unter irgend einem

Eie beraubt es nicht nur eines in diasem Augen- ' blick besonders wertvollen Minsters, sie ist ge­eignet, die schwersten Erschütterungen bervor- zurufen. IErneuter Lärm, aus dem die Worte 3ubälter' und _He u chle r" hervorllingen. Die kommunistischen Abgeordneten Meier, Kay und Neumann ci halten Ordn ungsrufe.) Wir werden die Regierung in allem Notwendigen unterstützen. Der Nli ü'terpräsident Hut f.stre- stellt, daß er sich nicht gegen eine politische Partei wende, sondern gegen die Mörder Dic Verordnung aber richte sich nur gegen die Rechte Dabei weih niemand, ob die Täter nicht etwa Ausländer sind. (Eme iter Lärm, wobei die Abgg Schulz. Katz und Scholem (Komm.) weitere OrdmtngSrufe er holten. Präsident Ceinert droht, von den Machtmitteln der Geschäftsurd- mtng Gebrauch zr machen.) Mtt Gewalt kann Liebe zur Republik nicht erzeugt werden. (Zwi­schenrufe, Zischen und Pfeifen links.)

Abg. Dr. Heß (Ztt.): Die vollständig ver­änderte Situation macht neue politische Mittel notwendig. Es handelt sich nicht darum, daß ein Verbrechen begangen ist, sondern darum, wie dieses zu erflären war. Für den Mord sind nicht nur die Täter haftbar zu machen, sondern auch diejenigen, welche die Stimmung erzeügtcn, aus der der Mord geboren ist. Die Herren von rechts können sich nicht damit herausreden, dah sie die Folgen dieser Hetze nicht hätten voraus­sehen können. Der Mord am Kniebis hat nicht zur Umkehr geführt, well er die Hetze noch verstärkt Da gewinnt auch der unerhörte Miß­brauch, der von der Rechten mit Hindenburgs Person in Ostpreußen getrieben wurde, ein anderes Gesicht. Helfferich rief nach dem Staats- gerichtshof für Rat Henau und am nächsten Tage fielen die Schüsse. Ieht kann es nicht mehr so weitergehen. Die Minister der Republik sind fein Freiwild Sie (nach rechts) haben unsere Toleranz in schlimmster Weise mißbraucht. Sic haben die Hetze getrieben, weil Sie nicht ver­schmerzen können, daß Sie die unumfchränlte Kommandogewalt in diesem Hause verloren haben. Es ist das Gebot der Stunde, daß ein fest gefügter Block der Mitte uns aus diesem Zustande befreit

Abg. Dr. Kalle (D. Dpt): Wir find keine Freunde von Ausnahmebestimmungen. Aber nach l iefem furchtbaren Ereignis find sie leider not­wendig. Wir muffen in dieser schweren Zell des Vaterlandes zusammenstehen durch gemein­same Abwehr der gegen unter Vaterland gerich­teten Schläge. Wir billigen die Verordnung, rechnen aber darauf, daß das Gesetz gleichmäßig gegen alle angewendet wird, die sich gegen den Staat t-ergeben. (Zuruf: Warum sagen Sie nicht Republik?) G'gen den Staat, der zufällig Repu­blik ist. In dieser schweren Zeit muß der innere Streit zurückgestellt werden, auch der Streit um die Staatsform (Zuruf: Ein glatte*- Monarchist!) Alle Freunde des Daterlandes müssen, sich jetzt zufammenschliehen. damit wir herauslommen aus dem Elend, das diese Verordnung notwendig macht.

Abg. Obuch (U.) protestiert gegen denStaats- kommissar WeiSmann, der trotz der ihm zur Verfügung stehenden großen Mittel die Morde nicht zu verhindern wisse, und bezweifelt, dah die Iustiz der Verordnung zur Durchführung verhelfen werde.

Abg. M e y e r-Ostpreuhen (K.) wendet sich ebenfalls gegen Weismann, dessen Tätigkeit gerade ein Anreiz für die Orgeschleute zu Morden sei.

Ein Vertreter des Iustizministeriums erklärt, daß dic nottoenbigcn Maßnahmen hinsichtlich der Durchführung der Verordnung des Reichspräst- denten bereits veranlaht sind.

Abg. Dr Schreibe r-Halle (Dem.): Der Mord ist aus der Atmosphäre entsprungen, welche durch die rechtsstehende Presse erzeugt ist. Wir haben nichts gegen eine Opposition, aber sie muh loyal sein. Wir verlangen rücksichtslosen Kampf gegen jedes Verbrechen gegen die deutsche Repu­blik. glrichgültrg, auf welcher Seite der Verbrecher steht.

Abg. Dr. Dredt (Wir-tschaftspartei) gibt seiner Entrüstung über den Mord Ausdruck und betont, dah er bereits vor einigen Tagen Gelegen­heit hatte, einen scharfen Strich zwischen seiner 1 ^irtci und den Deutschnationalen zu ziehen.

^.fichanderheulk irjammlung jafjbl oalitionsparteieil »en 29. i.HUhttj getan en, über die noch! mg erfolgt.

W Pottti gen. MM eV,Gietzta ; 8 lU)r, fhtM kereinshauses" ammtanJ

gemeinsame Front des ganzen Volkes herbei- i----------

fuhren wollten. Wir stimmen mit dem Minister-1 2lbg. Leidig (D. Dpt.) dem DerfafsungsauSschuß prafibenten überein in der Verurielluna der Der- wilderung der politischen Sitten. Die Ermordung dieses Mannes trifft unser Vaterland fchw-r.

. Willi«

slssssS