Nr. 112 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Mittwoch, 15. Mak 1929
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Zehn Jahre Deutscher Schutzbund.
Die Salzburger Jubiläumstagung. - Von der Schuharbeit zur Volksdeutschen Arbeit.
Salzburg, 14. Mai. (TU.) Die Jubiläums- logung des Deutschen Schutzbundes nahm am Dienstag mit der Vorstandssitzung und der Mitgliedervcr- lammlung in Salzburg ihren Anfang. In beiden Sitzungen sprach Dr. v. L o e s ch ausführlich über die in den zehn Jahren des Bestehens des Deutschen Schutzbundes geleistete umfangreiche Arbeit für das Deutschtum. Beide Körperschaften des Schutzbundes nahmen dann einstimmig in einer Kundgebung die folgende Erklärung des Deutschen Schutzbundes aus Anlaß seines zehnjährigen Jubiläums an, die nachmittags in der festlichen Eröffnungssitzung feierlich verkündet wird:
„Der Deutsche Schutzbund wurde vor einem Jahrzehnt in Zeiten größter Rot gegründet, als die Staakenwelt des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa zerbrochen war. Seine Gründer waren Deutsche aller Stämme, denen im Weltkrieg und Zusammenbruch das Gesamtvolksbewußtsein lebendiges Erlebnis geworden war. Sie wollten im Anschluß an beste lleberlieferungen deutscher Vergangenheit aus diesem Erlebnis eine neue Auffassung von Volk und Volkstum, Volksrecht und Volkspflicht formen, denn cb galt, den deutschen Volkskörper und den deutschen valksboden mit den Kräften der Selbsthilfe zu verteidigen. Diese neue Aufgabe verlangte neue Formen. Der Deutsche Schutzbund faßte die alten Kräfte der vetreuungsarbeit mit neuentstehenden verbänden zu einer Gemeinschaft zusammen. Diese ergibt Sinn, Richtung und Ziel vom gesamten deutschen Volksgedanken.
Die geistige, seelische Hinwendung zum Gesamtvolk erweckte ungeahnte Kräfte. Binnendeutsch- lum, Grenz- und A u s l a n d d e u t s ch l u m lernten einander kennen, gemeinsam leisteten sie i n wechselseitiger Ergänzung Aufbauarbeit. Die Hinwendung zur volksheit brachte eine neue Einstellung zur Vergangenheit und wies den Weg in die Zukunft: zur Lösung der deutschen Frage. Die deutsche Staatsausfassung erhielt damit einen neuen Sinn. Aus der Anerkennung der volksper- sönlichkeil folgt die Forderung für volksrechte für alle Völker. Damit ist die Grundlage geschaffen zu einer wirklichen Befreiung Europas, feiner völ- ter und feiner Staaten.
Der Deutsche Schutzbund ruft am Tage seines zehnjährigen Bestehens alle Deutschen zur volksdeut- jchen Arbeit. Sie steht jenseits aller konfessionellen und parteipolitischen Bestrebungen und fordert die . Hilfe aller, die den volksdeutschen Gedanken bejahen und die staatliche Einigung der Deutschen erstreben, entsprechend den feierlichen Erklärungen der Wiener Rationalversammlung von 1918 und der Weimarer von 1919. So bekennt sich der Deutsche Schutzbund noch zehn Jahren erneut zu den Zielen seiner Grün- dungssahung: pflege des Gemeinschaftsgefühls zu allen Deutschen und Schuhderbe- drohten Volksgenossen ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen, ohne Unterschied der Religion und unter Zurückstellung aller parteipolitischen und Klassengegensätze.'"
Nachdem die Mitgliederversammlung der dies- । jährigen Geschäftsführung unter Leitung von Dr. v. Loesch und Frhrn. v. Wrangel ein- I stimmig das Vertrauen ausgesprochen und den diesjährigen Vorstand bestätigt hatte, folgte im großen Saal des Mozarteums die von Musikvorträgen umrahmte feierliche Eröffnung der Tagung durch Ministerialdirektor a.D. Dr. h. c. Goetz, Stuttgart, der darauf hinwies, daß es kein Zufall sei, wenn die Iubiläumstagung in Oesterreich abgehalten werde. Darin zeige sich die innere Verbundenheit des Reiches und des ge- 1 samten Deutschtums mit Oesterreich. Er begrüßte dann die zahlreichen Vertreter der Behörden und Körperschaften aus dem Reiche, aus Oesterreich und aus dem Auslande, besonders den Alt- Bundespräsidenten Dr. Harnisch und dankte der Presse für die Unterstützung, die sie in den zehn Jahren dem Schuhbunde bewiesen habe. Rach weiteren Begrüßungsansprachen hielt den Festvortrag
Or. Sriebrid) König, Gießen:
Erst die französische Revolution habe die Auffassung vom exklusiven Rational st aat geschaffen, die sich nach 1789 Europas bemäch- tigt habe. Die Dolkheitsbewegung unserer Tage .! bilde eine Art Reaktion auf die Ueberspan- nung dieses Rationsbegriffes. Auch wir Deutsche hätten uns gewöhnt, unter Deutschland nur das , Deutsche Reich zu verstehen, es sei jene Eng- . slirnigkeit des Rurstaatsbürgers entstan- ! den, die den Staatsgenossen fremder Doüheit sich |. verwandter wähnte als den Volksgenossen ande- [;• rer Staatsbürgerschaft. Der Deutsche Schutzbund habe den Weg für eine neue deutsche Auffassung von Volk, Volkspersönlichkeit, Volkstum und Volksgeist frei gemacht. Wir wüßten heute, daß wir deutsche Staatsbürger in 21 Staaten Europas sind, wir wollten heute die engste Zusammenarbeit all dieser Deutschen, um so die deutsche Frage befriedigend zu lösen und eine auf Recht und Gerechtigkeit beruhende neue Ordnung in Europa zu schaffen. Der Weltkrieg bedeute so für uns
Deutsche eine große Wende: wir hätten Deutschland und das deutsche Volt, hätten darüber hinaus Mitteleuropa und das Abendland entdeckt und stünden vor der Ausgabe, unserem Deutschland eine allen seinen Teilen gemäße Form zu geben, unser Volk organisch ins Abendland einzufügen. Dazu muß der Volksbestand erhalten bleiben: Die Schuharbeit erhalte so heute ihren Sinn vom gesamtdeutschen Volksgedanken her, aus ihr sei volksdeutsche Arbeit geworden. Ihr Gegenstand sei das gesamtdeutsche Voll, das es zum Vewußtsein einheitlichen Persönlichkeitscharakters zu erziehen gelte.
Die Volksdeutsche Arbeit müsse sich auch um das Verhältnis der Staaten und der Völker zueinander kümmern; sie verneine aber die geschichtlich gewordenen Staaten nicht, sondern erstrebe, daß Staaten und Völker sich aufeinander ausrichteten. Sie müsse daher das europäische Rationalitätenproblem auch als ihre Angelegenheit betrachten; sie glaube, daß die neuen Rechtsgedanken gesunden werden könnten, durch die volkliche Freiheit in Europa geschaffen werde, sie arbeite so für den toasten Frieden unter den Völkern.
Der Kampf um die Reichsanleihe.
Kaum ist der Reichstag wieder beisammen, dann beginnen auch die innerpolitischen Konflikte wieder. ein Beweis, wie lose der innere Zusammenhalt zwischen den Regierungsparteien ist, ein Beweis allerdings auch für den Mangel an Führerwillen und die Systemlosigkeit, die das Kabinett Müller bisher ausgezeichnet haben und leider auch noch weiterhin auszeichnen sollen. Geradezu typisch dafür ist die Geschichte der unglücklichen R e i ch s a n l e i h e, um die Herr Dr. Hilferding einen schweren Kamps auszufechten hat. Wer Sinn für Bosheit hat, kann nicht gut übersehen, welch eigenartige Verschiebung darin liegt, daß ausgerechnet der Minister der Sozialistischen Partei jetzt eine Anleihe Vorschlägen muß, die nicht nur antisozial, sondern einseitig kapitalistisch aufgezogen ist und so aufgezogen werden mußte, wenn sie überhaupt einen Erfolg haben soll. Indessen, das ist nur Fassade. Viel schwerwiegender ist doch, daß der Finanzminister bis vor wenigen Wochen mit aller Entschiedenheit die Schwierigkeiten der Reichskassengebarung ableugnete, daß er dagegen jetzt das Tempo der Anleihe forcieren muß, wenn er nicht am 1. Juni die Zahlungen ganz oder teilweise einstellen soll.
An dieser Stelle ist schon seit Jahresfrist immer wieder darauf hingewiesen worden,' daß die Finanzverhältnisse des Reiches einer Katastrophe zusteuern. Herr Hilferding, der ja eigentlich der nächste dazu gewesen wäre, das zu merken, hat sich tot gestellt, solange, bis es zu spät war; und mutet jetzt seiner Partei ein Opfer der Ueberzeugung zu, das so kurz vor dem Parteitag taktisch kaum zu rechtfertigen ist. Aber nicht nur seiner eigenen Partei, auch in den bürgerlichen Reihen sind die Meinungen über die Nützlichkeit dieser Anleihe mehr als geteilt. Wenn sie gezeichnet wird, dann nur von den reichen Leuten, die sich ausrechnen, was sie daran an Steuern sparen, dann k o st e t aber diese Anleihe dem Reich eine Verzinsung, die weit über zehn Prozent jährlich liegt. Sie ist die teuerste Anleihe, die ein nicht unter Kuratel stehender Staat jemals aufgelegt hat, noch teurer vielleicht, als man vorhersehen kann,
weil sich die Ausfälle an Vermögens- und Erbschaftssteuer zusammen mit der Einkommensteuer vorher auch nicht annähernd schätzen lassen.
Deshalb sind auch im Kabinett starke W i - der stände gewesen, die nur überwunden wurden, weil das Feuer unter den Rägeln brennt und irgendwie Geld beschafft werden muh. Die Sozialdemokraten aber wollen wenigstens aus der Rot eine Tugend machen und für ihre Zustimmung d i e Erhaltung der Arbeitslosenversicherung in ihrem bisherigen Umfange einhandeln. Ein sehr feiner Plan, der aber daran scheitert, daß die bürgerlichen Parteien die Anleihe nur bewilligen wollen, wenn vorher die Arbeitslosenversicherung auf eigene Füße gestellt ist, weil sonst die ganzen Millionen spurlos in diesem Faß ohne Boden verschwinden würden. Wir beneiden den Kanzler nicht um die Schwierigkeiten, die sich da vor ihm auftürmen, zumal da nun auch die Agrarzölle von den Sozialdemokraten her- angezogen werden. Aber das alles hätte sich vermeiden lassen, wenn etwas mehr Voraussicht in der Führung der politischen Geschäfte obwaltete.
Bedenken der Volkspartei.
Berlin, 15. Mai. (VDZ.) Die Finanzsachverständigen der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hatten heute nachmittag mit dem Reichsfinanzminister Dr. Hilferding eine Besprechung, in der sie die Bedenken der Deutschen Volks- partei gegen die 500-Millionen-An- leihe zum Ausdruck brachten. Wie das VDZ.» Bureau aus volksparteilichen Kreisen hört, gipfeln diese Bedenken vor allem in der Forderung dafür, daß diese Anleihe nur eine einmalige Not- Maßnahme sein darf. Im Anschluß an die Besprechung fand eine neue Fraktionssitzung der Deutschen Volkspartei statt. Im Haushaltsaus- schuß wurde nach der Plenarsitzung zunächst die Besprechung der Anleihe fortgesetzt. Es besteht aber die Absicht, die Beratung auf morgen mittag zu vertagen, d a weitere Verhandlungen der Parteien mit dem Reichsfinanzminister als notwendig betrachtet werden.
Frankreich verzögert den Zeppelinstart.
Der Amerikaflug beginnt voraussichtlich erst Donnerstag stiih.
Friedrichshafen, 14. Mai. (TU.) Der , Zeppelinstart, der am Mittwoch früh 6 Uhr erfol- | gen sollte, mußte am Dienstagabend verschoben werden. Der Störenfried der Zeppelinfahrt ist, wie ; sich nun herausstellt, nicht das ungünstige Wetter, sondern er ist abermals Frankreich, das ja bekanntlich bereits bei den Mittel- meersahrten wenig Entgegenkommen bewiesen hatte. Es besteht nämlich ein Abkommen zwischen j Frankreich und Deutschland, wonach deutsche Flug- । zeuge und Lustschiffe, sofern sie keinerlei F u n k - und photogerät an Bord haben, Frankreich ; ohne weiteres nach Anmeldung überfliegen dürfen. Sofern sie jedoch mit Funk- und Photomaterial aus- geftattet find, bedarf es einer besonderen Genehmigung der französischen Regierung. Frankreich ist nun aber auf die Anfrage der Zeppelinwerft hin in passive Resistenz getreten, d. h., es hat bis heute überhaupt nicht für nötig befunden, die Anfrage zu beantworten. Rach Rorden ouszuweichen und Frankreich überhaupt nicht zu berühren, ist leider zur Zeit unmöglich, da über dem Kanal Windstärke 9 herrscht. Die hier anwesenden zahlreichen Auslandjourna- l i ft e n , namentlich die Amerikaner, find über das unhöfliche Benehmen der franzöfifchen Regierung auf das äußerste empört und haben sich dahin geäußert, daß sie das verhalten der französischen Regierung in ihren Blattern nachdrücklich klarlegen werden.
Dr. Eckener erklärte dem hiesigen Vertreter des WTB. heute abend, er habe soeben erfahren, daß das Uebersliegen Frankreichs nunmehr gestattet sei, aber nur unter gewissen Bedingungen. Die Hauptbedingung fei die, daß die französische Grenze zwischen l und 9 Uhr
früh passiert werden muß. Danach mühte, fuhr Dr. Eckener fort, der Aufstieg spätestens um 5.30 Uhr früh in Friedrichshafen erfolgen. Da es uns aber infolge der späten Abendstunde nicht mehr möglich ist, die Werftmannschaften, die normalerweise erst um 6.30 Uhr ihre Arbeit beginnen, davon zu benachrichtigen, daß sie früher auf dem Werftgelände bereitstehen sollen, kann der Abflug ungeachtet der jetzt vorliegenden Einfahrlerlaubnis am W i i t w o ch m o r g e n nicht mehr vorgenommen werden. Wenn auf der nördlichen Route, deren Benutzung zur Zeit durch ungünstiges Wetter verhindert wird, eine Befferung der Wetterlage eintritt, kann die Fahrt upfer Umständen im Laufe des Mittwoch beginnen. Andernfalls muß der Abflug auf Donnerstag früh verschoben werden, wenn wir die Route über Süd- frankreich nehmen.
An der Fahrt nach Lakehurst werden sich nach der nunmehr feststehenden Passagierliste 18 Fahrgäste beteiligen; darunter der Kommandant Clarke von der Flugstation Lakehurst, eine amerikanische Dame und mehrere Pressevertreter. Im Luftschiffbau und auf den Straßen der Stadt herrschte während des ganzen Tages reges Leben und Treiben. Reben Schulklassen und Wandervereinen belebten das Werftgelände Autos mit Journalisten , Film - leuten und Passagieren, die die neuesten Rachrichten über den bevorstehenden Start des Luftschiffes in Erfahrung bringen wollten. Auch der bekannte Polarforscher Frithjof Hänfen ist heute eingetroffen und hatte mit Dr. Eckener über die Ergebnisse der Berliner Beratungen des Forschungsrates der Aeroarctik über die Polarfahrt des „Gras Zeppelin" eine längere Unterredung. An dem Luftschiff selbst wurden allenthalben die letzten Vorbereitungen ge
troffen. Die Maschinisten überprüften nochmals die Motore. Betriebsstoff wird eingefüllt und in der Hauptgondel diese und jene Reparatur vorgenommen. Im Laufe des Rachmittags wurde auch der kleine drei Jahre alte Gorilla gebracht. Photographen und Filmleute suchten daS aus Kamerun stammende Tier, Susi genannt, mit dem SchifsSrumpf im Hintergrund im Bilde festzuhalten. Die Fracht, die etwa 1800 Kilogramm beträgt, soll im Laufe des Abends an Bord gebracht werden. Rachdem der Aufstieg für die Morgenstunden des Mittwoch abgesagt werden mußte, trat auf dem Werstgelände wieder etwas Ruhe ein. Dem Vernehmen nach sind ungefähr 250 Kilogramm P ost zur Beförderung mit dem Luftschiff vorhanden.
Die Polarfahrt des „Graf Zeppelin".
Finanzierung durch die Weltpresse.
Berlin, 15. Mai. (TU.) Die A e rv-Arc- tis hat am Montag und Dienstag eine Sitzung abgehalten, in der sie sich mit b$m Programm für die große in Aussicht genommene Polar-, fahrt beschäftigte. Wie die „D. A. Z." erfährt, steht „Graf Zeppelin" bestimmt für die Fahrt zur Verfügung, und auch die Finanzierung erscheint gesichert. Es wurde beschlossen, daß die Fahrt in drei Etappen erfolgen soll. Das Luftschiff wird, falls Dr. Eckener nicht den Wunsch haben sollte, die Führung selbst zu übernehmen, von seinen Kapitänen Lehmann oder Flemming geführt. Als Mittelsperson zwischen der wissenschaftlichen Leitung und der Schiffsführung wird Hauptmann Bruns tätig sein. Professor Ran-. 1 e n selbst behält die Oberleitung der Expedition. Die Finanzierung wird im wesentlichen durch die Weltpresse, unter besonderer Beteiligung der amerikanischen Presse, vorgenommen. Die Reichsregierung hat ihre Unterstützung des Luftschiffbaues Zeppelin davon abhängig gemacht, daß „Graf Zeppelin" unter allen Umständen zur Verfügung gestellt wird. „Graf Zeppelin" wird im Herbst, nach einer dritten Amerikafahrt, einen großen Flug um d i e Welt unternehmen, um neue Erfahrungen zu sammeln.
Das Deutschlandlied unter Strafe gestellt.
Französische Gendarmen fühlen sich heraus- gefordert.
Mainz, 14.Mai. (TU.) Ein Lehrer war, wie früher schon gemeldet, vor einigen Wochen in Landau verurteilt worden, weil er von feiner Schulklasse auf einem Ausflug das Deutschlandlied hatte fingen lassen und bei Näher- kommen eines französischen Gendarmen das Singen nicht eingestellt hatte. Gegen dieses Urteil wurde auf Verlangen der Reichsregierung Berufung eingelegt. In der Mainzer Verhandlung erklärte die Militärstaatsanwaltschaft, daß der Gendarm sich herausgefordert gefühlt habe. In allen Fällen, in denen ein Besatzungsangehöriger sich durch das Singen herausgefordert fühle, sei das Singen des Deutschlandliedes strafbar. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Fuehr wies darauf hin, daß bei Gelegenheit der Anwesenheit Dr. Stresemanns in Mainz in der vollbesetzten Stadthalle das Deutschlandlied gefungyi worden sei und, obwohl die gesamte Mainzer Militärkriminalpolizei im -saale anwesend war, um die Versammlung zu beobachten, habe sich doch kein französischer Besatzungsangehöri- ger herausgefordert gefühlt. Das Mainzer Militärgericht verurteilte den Lehrer trotz der scharfen Einwendungen des Verteidigers zu drei Tagen Gefängnis mit Strafaufschub bei Bewährung und 80 Mark Geldstrafe. Durch dieses Urteil ist jederzeit die Möglichkeit gegeben, das Deutschlandlied im besetzten Gebiet unter Strafe zu stellen, weil jeder französische Militärangehörige erklären kann, sich h e r au s ge f o r bert gefühlt zu haben.
Oie chinesischen Wirren.
Berlin, 14. Mai. (Priv.-Tel.) Die inner- politische Lage Chinas hat sich in den letzten Tagen wieder völlig undurchsichtig gestaltet. Es steht aber offenbar fest, daß die Zentratregierung in Rauling bisher noch nicht mit den radikaleren südlichen Kuomintang-Gruppen fertig zu werden vermochte. Außerdem bleibt die Haltung des Generals Fengjuhsiang nach wie vor zweifelhaft. Man rechnet jetzt in allen beteiligten Kreisen mit der Wahrscheinlichkeit, daß es zwischen ihm und dem Staatspräsidenten Tschiangkaischek zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen wird» Tschiangkaischek hat bekanntlich den Versuch gemacht. vor General Feng die Schantung- Halbinsel, die die Japaner jetzt räumen, zu besehen. Wie es aber heißt, hat der von Tschiangkaischek damit beauftragte General starke Reigung, sich gleichfalls selbständig zu machen. Es gewinnt also den Anschein, als ob der chinesische Generalskrieg trotz des so stark gefeierten Sieges der Kuomintang noch längst nicht zu Ende


