Ausgabe 
15.5.1929
 
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(Sir Josiah (Siamp fährt nach London.

Belgien macht Schwierigkeiten.

Paris, 15. Mai. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenpresse bestätigt, daß Sir 3osiah 6tarnt? für 24 Stunden nach London gereist sei, um, wie sie annimmt, mit seiner Regierung über einige Formeln des Berichts über die Arbeiten der Reparationssachverständigen zu verhandeln, der, wie man glaube, noch im Laufe des heutigen Tages den Delegierten zur Vorprüfung überwiesen werden könne.Matin" schreibt, es sei nicht wahrscheinlich, daß, wenn man zur Annahme eines einzigen Textes gelange, dieser nicht von den Franzosen, Italienern und Belgiern gebilligt werde. Der Delegierte Groß- britanniens habe sich darüber bei seinen Kollegen informiert und Sir 3osiah Stamp glaubte große Aussicht zu haben, daß sein Werk angenom­men werde. Die Schwierigkeit, die bestehe, fei die: Wo findet man ungefähr 100 Millionen Mark? Diese 100 Millionen Mark müßten an England gehen, man dürfe jedoch den Bel­giern nicht zuwenig zuweisen und auch Ser­bien nicht vergessen, das zwar nicht auf der Konferenz anwesend sei, aber seine Ansprüche angemeldet habe. Man wisse wohl, wer die strit­tigen 100 Millionen Mark erhalten werde, aber noch nicht, wer sie geben solle. Hoffen wir, so schrieb .Matin", daß diese Frage vor der 14. Arbeitswoche des Sachverständigenausschusses ge­regelt werden kann.

Lieber das Verhalten der belgischen Dele­gation, das durch eine auffallende Presse-Eam- pagne, durch Onterviews und offiziöse Verlaut­barungen aus Brüssel vorbereitet wurde, schreibt .Petit Parisien": Aus den offiziösen Rachrichten aus Brüssel ergibt sich, daß Belgien fest ent­schlossen ist, keinem Abkommen der Sachver­ständigen »uzustimmen, wenn nicht die Frage der während der deutschen Besetzung ausgegebenen Markbeträge angemessen geregelt wird. 3n diesem Punkte ist Francquis sicher, bis zum Schluß von seinen alliierten Kollegen und besonders von den französischenDelegierten unter­stützt zu werden. Francqui soll dem belgischen Premierminister über die Schwierigkeiten Bericht erstattet haben, auf die die belgischen Sachver­ständigen gestoßen sind, die sozusagen allein die in dem Alliierten-Memorandum enthaltenen Vorschläge restlos aufrechterhielten. Dieses Me­morandum enthalte nach belgischer Auffassung das Höchstmaß der Deutschland zuzu­billigenden Zugeständnisse. Die bel­gischen Sachverständigen hätten bewiesen, (!) daß die Wirtschaftslage Deutschlands es der Reichs­regierung erlaube, die in dem Vorschläge der Alliierten vorgesehenen Verpflichtungen zu er­füll e n. Man erkläre, es sei für die belgischen Sachverständigen unmöglich, ein Abkommen zu unterzeichnen, das in irgendeiner Weise die Rechte 'Belgiens beeinträchtigen würde. 3n einigen Blättern kommt übrigens zum Ausdruck, daß eS nach Ansicht gewisser Konferenzkreise viel­leicht besser wäre, die Entscheidung der Repa­rationskonferenz bis nach den belgischen und englischen Wahlen zu vertagen, um die Einwirkung politischer Einflüsse auf die Entscheidung zu verhindern.

Neue Roifroniverboie.

Stuttgart 14. Mai. (WB.) Der Rote Front­kämpferbund ist in Württemberg verbo­ten worden. Das Polizeipräsidium Stuttgart hat infolgedessen auch das Rote Treffen Pfingsten in Stuttgart und alle ihm die­nenden öffentlichen und geschlossenen Versamm­lungen sowie jeden Auf- und Llmzug der Kom­munistischen Partei für die Zeit vom 17. bis 20. Mai verboten. Der Bremer Senat hat auf G.rund des Gesetzes zum Schuhe der Republik für das Gebiet der Freien Hanse st adt Bremen mit Zustimmung der Reichsregierung den Roten Frontkämpferbund E. D., einschließlich der Roten 3ungfront und der Roten Marine mit allen Zweigorganisatio­nen, Formationen und Einrichtungen verbo­ten und aufgelöst. Das Vermögen der be­troffenen Organisationen wird gemäß § 18 des Gesetzes zum Schuhe der Republik und § 3 deS Gesetzes vom 22. März 1921 zugunsten des Rei­ches beschlagnahmt und eingezogen. Der Lübecker Senat hat für das Gebiet des Freistaates Lübeck den Roten Frontkämp­ferbund und seine Rebenorganisationen verboten. Wie die Telegraphen-Ünion hört, hat jetzt auch das anhaltische Staatsministe­rium das Verbot des Rotfrontkämpferbundes für Anhalt beschlossen, nachdem die Absicht be­kanntgeworden war, den ursprünglich für die Pfingstfeiertage in Hamburg geplanten Rot­frontkämpfertag in Dessau abzuhalten. Früher sind Verbote bereits ausgesprochen für Preußen, Dahern, Baden, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Strelih und Sachsen.

Aushebung eines Wiener kommunistischen Paßbureaus.

Wien, 15.Mai. (WTD. Funkspruch.) Von ungarischen Kommunisten war beabsichtigt, unter dem TitelTechnisches Bureau" eine kommu­nistische Propagandazentrale zu gründen, die a l s Derbindungsstation zwischen Mos­kau undden Budapester und Berliner Kommuni st enkreifen gedacht war. Bisher sind fünf Verhaftungen erfolgt. Da bei den Festgenommenen keinerlei Personaldokumente vorgefunden worden sind, sind ihre Ramen noch nicht ermittelt worden. Der Leiter des Propa­gandabureaus, das mit Dela Khun in di­rekten Beziehungen stand, hat wiederholt Reisen nach Deutschland und Rußland unter­nommen. Die Polizei sucht nach weiteren Per­sonen, die in die Angelegenheit verwickelt sind.

Verhaftung eines Oeutschruffen in Leningrad.

Moskau, 14. Mai. (WTD.) Die Leningrader Polizei verhaftete den früheren Grobfabrikanten Karl Weber wegen Handelsspionaae, Sabotage und Bestechung. Weber, der nicht Reichsdeutscher ist, wird vorgeworfen, er habe seinen Sohn, einen ehemaligen Denikin- Kämpfer und aktiven Weißgardisten, nach Deutschland kommen lassen, damit er dort Einrichtungen für die Sowjetunion einkaufe. Es wird behauptet, daß Weber planmäßig schlechte Ware gekauft und von aus­ländischen Firmen Bestechungen an­genommen habe. Als besonders erschwerend wird angesehen, daß Weber die Ankäufe durch

Die Reform der Arbeitslosenversicherung.

Ein erster Versuch zur Veseitigung der offenkundigsten Mißstände.

Berlin. 15. Mai. (Priv.-Tel.) Die Reichs­anstalt für Arbeitslosenversicherung und Ver­mittlung hat sich dem Drängen weitester Kreise der Oeffentlichkeit, die die Zustände in der Reichsanstalt für unerträglich bezeichnet haben, nicht entziehen können. 3n einem Rund­schreiben des Präsidenten an die Arbeitsämter wird auf Grund der winter­lichen Erfahrungen eine Reihe von Mißständen und die Möglichkeit der Abhilfe erörtert. So versucht man zunächst einmal auf dem Wege der Derwaltungspraxis die ärgsten Mißstände zu beseitigen, womit natürlich eine grund­legende Reform dieser Behörde keineswegs ersetzt werden kann. 3n dem sehr ausführlichen Rundschreiben werden die verschiedensten Fälle von Mißbrauchen der Arbeitslosenversicherung aufgezählt. So erfährt das häufige Vorkommen von Scheinarbeitsverhältnissen vor allem zwischen Verwandten, wodurch ein Anspruch auf eine Versicherungsleistung künst­lich erzielt wird, eine eingehende Erörterung mit dem Hinweis, daß eventuell Strafver­folgung eintreten könne. Eine ganze Reihe von Fällen werden angeführt, in denen vor­übergehende Dienstleistungen und solche, bei denen der betreffende Arbeitslose nur mit starken Einschränkungen und Arbeitspausen angestellt ist, Wohl eine Krankenversicherungs­pflicht begründen, ohne daß aber im Sinne der Arbeitslosenversicherung die Anwartschaftszeit wirklich erfüllt ist. Schärfere Maßnahmen wer­den im Zusammenhang mit der Arbeits­vermittlung und dem Angebotvon Ar­beit für notwendig erachtet, wobei der Hinweis interessant ist, daß die Spruchpraxis der Ver­sicherungsinstanzen in solchen Fällen zu einer Auslegung geführt habe, die nicht im Sinne der Vernunft und dem Zweck des Gesetzes ge­legen ist. Verstärkte Zusammenarbeit der Ar­beitsämter mit der Wohlfahrtspflege, schär- fere Kontrolle der Arbeitsbescheini­gungen und im Zusammenhang den Ge­meinden auch der Schwarzarbeit wird weiterhin als mögliche Wege zur Verbesserung der Derwaltungspraxis der Anstalt vorgeschlagen. Wenn auch mit einer verbesserten Verwaltung der Anstalt ihre schwere finanzielle Krise, die zu einer ernsten Bedrohung für die Reichs­

finanzen geworden ist, nicht behoben werden kann, so ist doch die neue Aktion des Präsidenten der Reichsanstall ein Zeichen dafür, daß man nun endlich die 3nitiative zu Verbesserungen ergriffen hat.

Oer Gewerkschastsring zur Arbeitslosenversicherung. Die Forderung einer Berwaltungsreforur.

Berlin, 14.Mai. (WTB.) Der Gewerk­schaftsring Deutscher Arbeiter-, An­gestellten- undBeamtenverbände hat in einer Sitzung zu der in der Oeffentlichkeit er­hobenen Kritik an der Arbeitslosenversicherung Stellung genommen, insbesondere gegen die Dar­stellungen, als ob lediglich eine falsche Hand­habung der Arbeitslosenversicherung die auf 320 Millionen Mark gestiegene Belastung des Reiches durch die Arbeitslosenversicherung ver­ursacht hätte. 3n dieser Stellungnahme heißt es, daß die nicht vorauszusehende Dauer und Strenge des Winters 1 9 2 8/29 die Ar­beitslosenversicherung so stark belastet haben, daß die Beitragsmittel nicht ausreichten und in erheb­lichem Llrnfange die im Gesetz vorgesehenen Reichsdarlehen in Anspruch genommen werden mußten. Der Gewerkschaftsring erwartet, daß durcheine zielbewuhte Arbeit, insbesondere durch Mitwirkung der öffentlichen Auftraggeber die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt behoben werden. Die Reichsanstalt müsse beschleunigt die Einrichtungen der Ar­beitsämter zur Durchführung besserer Er­mittlung und Vermittlung und auch Kontrollen ausbauen. Der Gewerkschaftsring verwahrt sich energisch gegen einen Leistungsabbau und die Einführung der Bedürftigkeitsprüfung in der Ar­beitslosenversicherung. Der Gewerkschaftsring glaubt, daß die zweckmäßige Durchfüh­rung notwendiger Verw al tungsre- formen nicht unwesentliche Ersparnisse in der Arbeitslosenversicherung bringen wird. Solange die anormale ungünstige Lage des deutschen Ar­beitsmarktes keine Verbesserungen erfahre, sei die Gewährung öffentlicher Mittel für die Arbeits­losen unvermeidlich und notwendig.

Vermittlung ausländischer Vertre­ter getätigt habe.

Tötung auf Verlangen."

Der § 247 des Strafgesetzbuches.

Berlin, 14. Mai. (VDZ.) Der Strafrechts­ausschuh des Reichstages beriet den § 247, der denjenigen mit Gefängnis bedroht, welcher einen anderen auf dessen ausdrückliches und ernstliches Verlangen tötet. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) wies auf die Sterbehilfe als Akt höchster Menschenliebe hin und empfahl, um Mißbräuchen vorzubeugen, zwar die Strafbarkeit auch für diese Fälle bestehen zu lassen, be­sonders leichte Fälle aber straffrei zu lassen. Abg. Dr. Strathmann (Dnl.) wollte diese straffreie Sterbehilfe nicht auf Aerzte beschränkt sehen. Sie soll aber nur zur Abkürzu ng gegenwärtiger Todesqualen, nicht aber bei unheilbaren Krankheiten und nur auf ausdrückliches Verlangen des Ster­benden gewährt werden. Abg. Dr. Alexan­der (Komm.) beantragte Straffreiheit für Sterbe­hilfe bei unheilbaren Leiden. Vorsitzender Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) fürchtete, daß in der all­gemeinen straflosen Gewährung der Sterbehilfe der Beihilfe zur Tötung Vorschub geleistet werde. Auch Abg. Dr. Moses (Soz.) glaubte, das Recht der Sterbehilfe gehe zu weit. Ebenso lehnte Abg. Emminger (Bahr. Vp.) die Straflosigkeit der Sterbehilfe ab. Abg. Bell (Zentr.) trat für die unveränderte Annahme der Vorlage ein. Die gegen die Todes­strafe geltend gemachten Bedenken der 3rrepara- bilität verlangten auch bei der Frage der Sterbe­hilfe Beachtung. Ein Vertreter des Reichs­justizministeriums erklärte, daß sich der Entwurf zurückgehalten habe, weil die Frage für eine gesetzliche Lösung noch nicht genügend ge­klärt sei. 3cdenfalls ließen alle Lösungsversuche die große Gefahr des Mißbrauches befürchten. Äeberdies sei ein praktisches Bedürf­nis nicht anzuerkennen. Der Regierung sei kein Fall bekannt geworden, in dem gegen einen Arzt, der Sterbehilfe geleistet habe, Anklage­erhebung wegen Mordes oder wegen Tötung auf Verlangen erfolgt sei. Der Ausschuß nahm alsdann den § 247 unverändert an, ebenso den § 248, der Verleitung zum Selbstmord mit Gefängnis bestraft.

Oas Branntweinmonopol.

Die Etatdeckungsvorlage im Reichstag.

Berlin, 15. Mai. (VDZ.) Auf der TageS- ordnung steht die zweite Beratung der Rovelle zum Branntweinmonopol. Die Vorlage gehört zu denen, durch die das Defizit im Etat gedeckt werden soll. Die Vorlage will die Monopolabgabe an das Reich erhöhen. Der private Handel mit Branntwein zu niedrigeren Preisen als den Preisen der Monopolverwaltung soll verboten, der sogenannte ermäßigte Brannt­weinaufschlag beseitigt, die Preisbegünstigung für Branntwein zur Herstellung von Heilmitteln und Arzneien aufgehoben werden. Der Steueraus- schuh hat Erleichterungen für die süddeutschen Kleinbrenner beschlossen. 3n der Aussprache er­klärt Aba. Frhr. v. Richt Hofen (Dn.), die Vorlage habe starke Beunruhigung in die Kreise der Landwirte und Winzer getragen. Die an sich schon wenig lohnenden Brennereibetriebe würden dadurch noch weiter geschädigt. Das sei um so weniger zu rechtfertigen, als von der preu­ßischen Regierung die Wiedereinführung der Gemeindegetränke st euern geplant werde. Der Redner beantragt verschiedene Aende- rungen der Vorlage. Die durch die Vorlage er­strebte Erhöhung der Reichseinnahmen werde wirkungslos, wenn auf der anderen Seite die dadurch geschädigte Landwirtschaft subventio­niert werden müsse.

Aba. Kerschbaum (D. Dp.) bellagt die Lage der kleinen Brenner. Die Dranntweinmonopol- gesetzgebung habe sich nicht bewäh^. Sie bewirke nur, daß die Kleinbrenner immer mehr in ihrer Existenz bedroht werden. Der vorliegende Ent­

wurf werde die Lage dieser notleidenden Schichten noch weiter verschlechtern. Die vom Ausschuß be­schlossenen Erleichterungen können nur den Er­zeugern von Edelbranntwein, aber nicht den aller- kleinsten Brennern zugutekommen.

Abg. Dr. Föhr-Baden (Zentr.) tritt für die Vorlage in der Ausschußfassung ein. Wenn dadurch wirklich ein Rückgang des Brannt­weinkonsums eintreten würde, so wäre das für die Volksgesundheit nicht schäd­lich. Der vorher unzureichende Llebernahme- preis sei im Ausschuß verbessert worden. Hierzu sollte die Regierung eine entgegenkommende Er­klärung abgeben. 3m Ausschuß seien auch sonst wesentliche Verbesserungen gegenüber dem Re­gierungsentwurf erreicht worden, wenn das Ge­setz auch ziemlich kompliziert geworden sei. Die Vergünstigung für Edelbranntwein werde hof­fentlich in der dritten Lesung, noch auf andere Sorten ausgedehnt. Den Kornbrennern sollte eine bessere Ablieferungsmöglichkeit gegeben wer­den. Ministerialdirektor Ernst erklärt, die Monopolverwaltung sei bereit, den in Abfin» dungsbrennereien hergestellten Kornbranntwein abzunehmen.

Abg. 3ulier (Ehr.-Ratl. Dp.) nennt die Vorlage ein Gesetz gegen die Landwirtschaft. Es sollte lieber gegen die übergroße Ein­fuhr ausländischer Liköre vorgegangen werden.

Rach Ablehnung aller Acndrrungsanträge wird die Vorlage in zweiter Beratung in der Aus­schuhfassung angenommen.

Das Haus vertagt sich auf Mittwoch: Dritte Beratung der Branntweinmonopolnovelle, zweite Beratung der 500-Millionen-Anleihe.

Oer Etat der Wissenschaft.

Die Auswirkung der Etatkürzung auf die Bibliotheken.

Berlin. 15. Mai. (Priv.-Tel.) Der Reichs­tagsausschuh hat bekanntlich den Fonds für die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft um 1 Million gekürzt, so daß der aus Reichs­mitteln gewährte Zuschuß in Zukunft nur noch 8 Millionen Mark betragen wird, die auf die einzelne Zweige der Wissenschaft zur Verteilung kommen. Allen Erwartungen auf eine Erhöhung der Beihilfe zum Trotz ist es also zu den ge­fürchteten Abstrichen gekommen, und damit die zuversichtliche Hoffnung der Wissenschaft zu­nichte geworden, daß die maßgebenden Stellen die Rotgemeinschaft durch Gewährung der er­forderlichen Mittel in den Stand sehen, ihre stets wachsenden Aufgaben zum Wohle des Volks­ganzen zu erfüllen und so die Weltgeltung der deutschen Wissenschaft zu sichern.

Der allgemeine Pessimismus in den Reihen der deutschen Wissenschaftler prägt sich auch in einem R o t r u f an die Oeffentlichkeit aus, den der Verein deutscher Bibliothekare soeben erläßt. Er sagt darin, daß die Schmäle­rung der Reichsmittel für die Rotgemeinschaft ein kulturelles Verhängnis für unsere Volksgesamtheit bedeutet. Er führt dabei vor allem an, daß sich die Etatskürzung besonders auch bei den großen wissenschaft­lichen Dibliotheken auswirkt, die sich schon jetzt in schwer bedrängter Lage befinden. So ist z. B. die bayerische Staatsbibliothek ge­zwungen gewesen, einen erheblichen Teil ihrer Zeitschriften a b z u b e st e l l e n; bei der Göttinger Llniversitätsbibliothek, die sich bisher zu einem Abbestellen von Zeitschriften noch nicht hat entschließen können, reichen die staatlichen Mittel so wenig aus, daß schon vor Ablauf der ersten Hälfte des Rechnungsjahres keine Bü­cher mehr gekauft werden können, und in ähnlich trostloser Lage befinden sich alle deut­schen wissenschaftlichen Dibliotheken. 3n den Zeit­schriften, die in erster ßinie bedroht sind, spielt sich der Fortschritt der Wissenschaften ab. Sind die Dibilotheken gezwungen, hier Abbestellungen zu machen, so ist das ein Schaden, der nur schwer wieder gutzumachen sein wird. Ganz besonders werden darunter die Raturwissenschas- ten, die Medizin und Mathematik zu

leiden haben. Der Verein deutscher Dibliokhekar, weist auf diesen Punkt nachdrücklichst hin. ES wird daher Aufgabe der Rotgemeinschaft fein müssen, bei der Verteilung der ihr zustehenden Mittel in diesem Falle ganz besonders auf die Rotwendigkeiten und Erfordernisse für die Wis­senschaft zu achten.

Aus aller Welt.

Berufung 6nud Eckeners nach Amerika.

Die NeuyorkerVertreter der GoodyearZep« pelinCompany in Akron (Ohio) geben be­kannt, daß der Sohn Eckeners, Knud Eckener, von der Gesellschaft alsKonstruktionsingenieur für die beiden LuftschiffeZ. R. 4" und ,L. R.5", die die Goodyear Zeppelin Company für die ame­rikanische Marine baut, engagiert worden sei. Das erste dieser beiden Luftschiffe wird, .wie man er­wartet, 1931 fertiggestellt sein.

Die Berliner Philharmoniker in Gens.

__ Das Berliner Philharmonische Orchester unter S^urtwängler, das nach dem Pariser Triumph dieser age auch in einigen Schweizer Städten lebhaft ge­feiert wurde, veranstaltete in Genf ein Konzert, das für das musikalische Genf zu einem künstleri­schen Ereignis ersten Ranges wurde. Eine stark internationale Hörerschaft, darunter viele Völkerbundsbeamte mit ihren Damen, spendeten be­reits nach der einleitenden Symphonie von Haydn rauschenden Beifall, der sich nach der Leonoren-Ouoertüre Nr. 3 zu einer stürmi­schen Ovation für Dirigent und Orchester steigerte und sich zum Schluß nach der 1. Symphonie von Brahms zu einem langen Beifallssturm mit zahlreichen Hervorrufen gestaltete. Die hervor- ragende Ausnahme der deutschen Künstler kommt auch in der Presse unter einmütiger Anerkennung der erstaunlichen Fähigkeiten von Dirigent und Or­chester zum Ausdruck. Nach dem Konzert gaben Generalkonsul Dr. 23 öl cf er s und Gemahlin zu Ehren Furtwänglers einen Empfang, der von der Genfer Gesellschaft und der deutschen Kolonie stark besucht war.

Harry Liedtke schwer erkrankt.

Der bekannte Filmschauspieler Harry Liedtke ist plötzlich an einer Blinddarmentzündung schwer erkrankt und wurde in die Berliner Klinik von Professor Borchardts gebracht.

Beim Skatspiel getötet.

3n einer Chemnitzer Schankwirtschaft wurde bei einem zwischen drei Skatspielern entbrannten Streit einer von diesen, ein 46jähriger Hilfs- schaffner, von einem Dierglas so unglück­lich gegen den Kopf getroffen, daß ihm die Scherben die Halsschlagader durch­schnitten und eine tödliche Verblutung verur­sachten. Der Schuldige, ein kaufmännischer Ver­treter von 37 3ahren, wurde verhaftet.

Typhusepidemie bei Sondershausen.

In Kirchengel bei Sondershausen sind dreißig Personen an Typhus erkrankt. Die Seuche hat bis­her fünf Todesopfer gefordert. Als Herd der Krankheit wird ein Brunnen vermutet, der gegenüber dem Kirchhof liegt. Alle Erkrankten haben aus diesem Brunnen Wasser getrunken, da die Wasserleitung durch Frostschäden Störung erlitten hatte.

lleberschwemmung in Texas.

3n Texas ist eine neue schwere Lleberschwem­mung eingetreten. Mit Sicherheit steht bisher fest, daß vier Personen ertrunken sind, doch befürchtet man, daß die Zahl der Opfer dieser neuen Lleberschwemmungskatastrophe be­trächtlich höher sein wird. Viele Familien mußten in überstürzter Flucht ihr Heim verlassen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Bereits in den gestrigen Nachmittagsstunden hat warme Luft der britischen Störung unseren Bezirk erreicht und zu stärkerer Bewölkung sowie verein­zelten, kaum nennenswerten Niederschlägen geführt. Die Störung bewegt sich langsam über der Nord­see weiter und füllt sich auf. Infolgedessen ruft sie keinen wesentlichen Einfluß mehr auf unsere Wetter­lage aus. Aus Westen zufließende Luft bringt noch zeitweise Bewölkung mit sich, sonst herrscht vielfach aufheiterndes Wetter, Niederschläge sind kaum zu erwarten.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, ohne wesentliche Temperaturänderung, meist trocken.

Wettervoraussage sürFreitag: Vor­wiegend trockenes, teils wolkiges, teils heiteres Sßetter.

Lufttemperaturen am 14. Mai: mittags 16,6 Grad Celsius, abends 12,3 Grad; am 15. Mai: morgens 8,9 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum 5,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Mai: abends 16,2 Grad: am 15. Mai: morgens 12 Grad. Sonnenscheindauer 2% Stunden.

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