Ausgabe 
4.12.1929
 
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Es ist nicht nötig, Gnädigste! Mein Junge ist bei Freunden, meine Frau irgcnbtoo zum Tee geladen. Ich werde also keineswegs vermißt.

Zehn Minuten später trat er, sich verabschie­dend, auf die Veranda und führte noch einmal die schmale Weiche Hand an seine Lippen.Deien Sie recht sehr bedankt, gnädige Frau! Auf Wiedersehen." , t

Bogner gab ihm noch eine Strecke da- Geleit und empfahl sich erst, als er Würz zwischen den Stämmen warten sah.

Anstetten machte keinerlei Umschweife und griff, sobald der Forstmeister außer Sichtweite war. nach Stephans Oberarm.Du willst hei­raten? Stimmt das?"

Ein verlegenes Achselzucken.

Kann ich unter diesen Umständen da- Ge­heimnis des Toten, das ja auch daS meine ist, gewahrt wissen?"

Ein Aufatmen des Gefragten:Darum müssens Ihnen net sorg'n, Herr Baron!--G'wih net!

Ein Grab kann net verschwiegener sein. Das geht kein Mensch'n was an! Ein Weib schon gar net! Streng g'nommen, net amal mich. Wanns Sie's befehln, Herr Baron, nachher hab ich's vergess'n."

Anstetten schritt nachdenklich neben ihm her. Kommen ab und zu Besuche ins Forsthaus?"

Selt'n! Ein paar Offiziere! Hin und wieder ein Kolleg vom Herrn Forstmeister. Sonst gar niemand. Es ist ein ganz geruhlicheS Sein da ob'n."

Meine Frau kommt wohl nie herauf?"

Gar nie! Der Gnädig'n is der Weg zu steinig und geht auch allaweÜ bergauf.--

Eine Frag, wann ich hab'n dürft, Herr Baron?"

Anstetten unterdrückte ein Lächeln. Das war das zweitemal, daß er das heute von Würz horte.Und---" Er blieb stehen und hielt

ihm sein Zigarettenetui entgegen.

Stefan griff etwas zaghaft hinein.38 zum Auskommen mit ihr?"

Mit meiner Frau?"

Iessas!" Würz schlug sich auf den Mund. Allemal vergiß ich's wieder, daß jetzt eine Frau hab'n, Herr Baron! Ich kann mir das gar net vorstell'n. Die Leut red'n so viel dumm's Zeug, daß einem manchmal ganz übel wird."

Was reden Sie denn, Würz?"

Stephan drehte die Zigarette unschlüssig zwi­schen den Fingern.Mein Gott nix Gescheits net! Wanns wieder nach Indien reis'n, Herr Baron, nachher geh ich mit.--3ch glaub, daß

ich's bis dahin auch schon satt hab, das Der- heiratsein."

Anstetten lachte belustigt auf.Du bist mir aber noch einen Großteil der Antwort schuldig ge- blieb-n," mahnte er, als der junge Mensch jetzt schweigend neben ihm herging.

(Fortsetzung folgt.)

Oberheffen.

Licht- und Werbewoche in Buhbach.

pb. Butzbach, 3. Dez. Am Sonntag begann die vom Butzbacher Einzelhandels­verein in Gemeinschaft mit dem Verkehrs­au s s ch u ß der Stadt in die Wege geleitete Butzbacher Licht- und Werbewoche, die bis zum 8. Dezember dauert. Sie wurde ein­geleitet mit einer festlichen Beleuchtung des Rat- Hauses, des Marktbrunnens, der Häuser des Marktplatzes usw. Auf dem Marktplatz fand ein Platzkonzert statt. Als Prämie der Stadt Butzbach kommt eine goldene Herrenuhr zur Ver­losung. Der gestrige Sonntag wies bereits einen lebhaften Verkehr auf, die Geschäfte waren gut besucht und die Geschäftsleute recht zufrieden.

Landkreis Gießen.

= Saubringen, 2.Dez. Unsere Gemeinde litt schon im Sommer mehr als die anderen Dörfer der Um'egend unter Wassermangel. Monatelang hatte man nur einige Stunden des Tages Wasser. Seit einigen Tagen ist nun der­selbe Liebelstand wieder eingetreten. Eine der ersten und dringendsten Aufgaben des neuge­wählten Gemeinderats wird es sein müssen, den Rotstand durch Erschließung einer zweiten Quelle zu beseitigen. Gestern abend ver­anstaltet der GesangvereinSängerlust un­ter Geltung seines Dirigenten Aicolai (Gro- ßen-Buseck) und unter Mitwirkung der Kapelle Weller-Einbrodt (Gehen) se'.n Winter- konzert. Der Saalbau Schäfer war dicht be­seht. Das Programm zeigte eine passende, ver­ständnisvolle Abwechselung. Es kamen zahlreiche, fein ausgeglichene, llangreine Chöre zum^Dor- trag, unter denenErwachen der Geister' von Marini,Die Dorflinde" von Llthmann, O süße Heimat" von Schauß undWieder ziehen fort die Schwalben" von Baumann, beson­ders hervortraten. Recht gut wirkte das fein ausgearbeitete Pianissimo in den beiden letzt­genannten Choren. Mit Musikbegleitung wurde aufgeführtViktrinermarsch" von Koschat und Die Mühle im Schwarzwald" von Eilenberg. Besonders dankbar wurde letzteres ausgenom­men, so daß der zweite Teil wiederholt werden muhte. Die Musik zeigte ihr vorzügliches Kön­nen besonders in der Ouvertüre zur OperRora" von Bellini, und in der Fantasie aus der OperetteDie Fledermaus" von Strauß. Diel Beifall erhielt auch das große PotpourriDom Rhein zur Donau" von Rhode. Allerliebst war Leuchtkäferchens Stelldichein" von Siede. Der Derein darf auf einen wohlgelungenen Abend zurückblicken, um so mehr, als er sich durch Der- anstaltung solcher Konzerte in den Dienst der Volksbildung stellt. .

Y Mainzlar, 3. Dez. Die Bautätigkeit in unserer Gemeinde ist gegen das Dorjahr ganz erheblich zurückgegangen. Insgesamt wurden in diesem Iahre nur zwei Wohnhäuser, gegen acht im Dorjahr, gebaut, die nunmehr, bis auf eins, bezogen sind. Größere Um* und Anbauten an Haus- und Wirtschaftsgebäuden sicherten jedoch den heimischen Handwerkern das ganze Iahr hin­durch volle Beschäftigung. Von einer vollen Be­hebung der örtlichen Wohnungsnot kann vor­läufig noch nicht gesprochen werden. Die Holzhauerarbeiten in unserem Gemeinde- Wald haben dieser Tage ihren Anfang genommen. Geschlagen werden ungefähr 750 Festmeter Stamm- und Brennholz. Don Stammholz entfällt ein großer Teil auf Eichenstämme. Mit den Ar­beiten sind zur Zeit zwei Rotten zu je acht Mann beschäftigt.

' Großen-Buseck, 3. Dez. Der Ge­sangvereinGermania", Großen- Buseck, hielt am Sonntag im Saale des Gast­wirts Wagner ein in allen Teilen wohlgelun­genes Konzert unter Mitwirkung von Frau Dr. Wolff (Sopran) und Herrn Bruno Herrmann (Diolincello), beide aus Gießen,

unter Leitung des Musikdirektors Al be r t Kasten, Gießen, ab. Schon der überfüllte Saal bewies das große Interesse der Einwohner für die Konzertveranstaltungen derGermania". Frau Dr. Wolff fang u. a. Lieder von Schu­bert, Brahms, Strauß und Leo Blech. Die Sängerin verfügt über eine äußerst zarte, glockenreine Stimme und singt mit ganzer Hin­gebung; so vermochte sie sowohl die Poesie der Schubertlieder, als auch den dramatischen In­halt des Strauhschen Liedes voll auszuschöpfen. Ganz reizend gelangen ihr BrahmsWiegen­lied und Leo BlechsHeimkehr vom Feste". Auch die übrigen Lieder zeigten die prächtige Schulung der Stimme. Die Begeisterung der Zu­hörer zwang Frau Dr. Wolff zu einer Zu­gabe. Als zweiter Solist des Abends erfreute uns Herr Bruno Herrmann mit feinem wundervollen Cellospiel. MozartsLarghetto" undTre giorni von Pergolese feien besonders hervorgehoben. Reicher Beifall ward auch ihm zuteil. Aber auch der Derein belohnte das ihm entgegengebrachte Interesse durch ausgezeichneten Dortrag der Kunstchore und Dolkslieder, wofür ihm von den Zuhörern mit stürmischem Beifall gedankt wurde. Besonders hervorgehoben seien: Der Chor LachnersHymne an die Musik", dessen Schwierigkeit von dem Sängerchor vor­züglich bewältigt wurde. SodannTief ist die Mühle verschneit", von Podbertsky, und die prächtigen Dolkslieder:Untreue",Amsel im Walde",Ein Traum". Den Abschluß bildeten die Chöre:Dorfgeheimnis", von Wellmann, vom Chor in verständnisvollster Weise vorgetragen, und SonnetsMoselweinlied", ebenfalls vor­züglich gesungen. Der Chormeister, Herr Kasten, bewies durch dieses Konzert erneut, daß er ein Chorleiter von hohen Fähigkeiten ist. Mit herzlichen Worten dankte der Dorsihende des Dereins allen Mitwirkenden. Den Zuhörern wird der Abend unvergeßlich sein.

: Beuern, 3. Dez. Am Samstagabend sand im SaaleZur Germania" der erste Vor­tragsabend des hiesigen Volksbil- dungsv ereins in diesem Winterhalbjahr statt. Als Redner war der Chinese Herr Kwok- Liang Wu, stud. med. in Gießen, gewonnen worden, der an Hand von Lichtbildern über seine Heimat, Land und Leute in China sprach. Herr Wu ist in Kanton (Südchina) geboren. Der ju­gendliche Redner, 21 Iahre alt, der vor drei Iahten noch kein Wort Deutsch konnte, führte den außerordentlich zahlreichen Zuhörern recht anschaulich sein Heimatland in Wort und Bild vor Augen. Bilder aus den großen Millionen­städten des Riesenreiches, wo die Bevölkerung dichtgedrängt in den primitivsten Verhältnissen zusammenwohnt, wechse.ten mit modernen Strcß n- zügen, sowie Kunstbauten aus uralter Zeit in bunter Reihenfolge. Sehr interessant waren die Ausführungen, die Herr Wu über die Geben s- verhältnisse feiner Volksgenossen machte. Der Vor­sitzende, Referendar Hermann, dankte dem Redner für feine interessanten Ausführungen, die einen wertvollen Einblick in die chinesischen Verhältnisse gaben, und stellte einen weiteren Vortrag (Filmvortrag) des Ingenieurs Ertel, Gießen, in Aussicht.

is. Steinbach, 3. Dez. Am Sonntagabend wurde in unserer Kirche bei guter Beteiligung der FilmGlaube und Heimat" vorgeführt. Die klaren Bilder zeigten deutlich und ergreifend das Schicksal eines Volkes, das um feines Glaubens willen von Haus und Hof vertrieben wurde. Der Ueberfchuß des Abends fällt dem Guftav-Adolf-Ver- ein zu.

Y Watzenborn-Steinberg, 2. Dez. Der gestrige, sehr gut besuchte Gottesdienst des ersten Adventsonntags erhielt eine besondere Weihe durch zwei musikalische Einlagen, die sich passend in den Rahmen der ganzen Feier ein­fügten. Gerichtsreferendar Harnisch (Orgel) und Cellist Klingelhofer (Cello), beide von hier, spielten in wirkungsvoller Weise das Hän-

delsche Largo und Sarabande von Corelli und verstanden es, in den Herzen der Hörer echte Advents- und Vorweihnachtsstimmung zu wecken. Die Kirche war, wie alljährlich, mit dem Advents­kranz geschmückt.

* Leihgestern, 2. Dez. Die Volks­hochschule Oberhessen begann ihre dies­jährige Winterarbeit hier mit einem Eröff­nung s a b e n d, der recht gut besucht war. Es waren neben den Mitgliedern des Gemeinde- und Schulvorstandes eine große Anzahl von Ge­meindemitgliedern erschienen. Rach einer Be­grüßung der Anwesenden sprach der Leiter der Volkshochschule Oberhessen W. Heg ar über Wege und Ziele der Volkshochschularbeit". In klaren, volkstümlichen Ausführungen stellte er in wechselnden Bildern das Wollen und Streben, die Kämpfe, aber auch Erfolge der Volkshoch­schule vor die Augen der Hörer. Die rege Aus­sprache drehte sich vor allem um die Frage der religiösen und politischen Einstellung der Volks­hochschule. In dem zusammenfassenden Schluß­wort betonte der Vortragende, daß die Volks­hochschule niemals eine einseitige Einstellung ha­ben könne, sondern sie wolle fein eine Dienerin am Volksganzen. Im zweiten Teile des Abends brachten Frau Fischer (Klavier), Herr Bauer und Herr Knauh (Geigen) aus Gießen Stücke von Mozart, Moskowski und Telemann in vollen­deter Weise zu Gehör. Der Kirchenchor fang unter Leitung feines Chormeisters Herrn Köh­ler drei Volkslieder. Der Verein zeigte, daß er auch auf diesem Gebiet des Chorgesanges Gutes leistet. Eine jugendliche Tanzgruppe aus Gießen führte unter einfacher Musikbegleitung einige Volkstänze vor, die freundlichen Beifall fanden. Als feinen Rezitator lernten die Hörer Herrn H e g a r kennen. Seine Märchen hinter­ließen einen tiefen Eindruck. Ein Schlußwort brachte den Dank der Hörer an alle Vortragenden zum Ausdruck. Der Eroffnungsabe'nd war ein voller Erfolg. Die Kurse der Volkshochschule be­ginnen am Donnerstag, 5. Dezember, mit Vor­zügen über Gesundheitspflege durch Dr. M a - lech aus Gießen.

< Leihgestern, 3. Dez. Am Sonntag­mittag fand eine Inspektion der hiesigen Frei­willigen Sanitätskolonne vom Ro­te n K r e u z statt. Sie wurde vorgenommen durch den Provinzialinspekteur für Oberhesfen, Sani- tätsrat Dr. Hahn aus Bad-Rauheim, und er­streckte sich über eine praktische Hebung und eine theoretische Prüfung. In einer zusammenfaffenden Beurteilung sprach sich Sanitätsrat Dr. Hahn lobend aus über die Leistungen, die durch die noch junge Sanitätskolonne gezeigt wurden. Die Ko­lonne wurde im Frühjahr 1929 gegründet und steht unter der Leitung des Kolonnenführers Georg Held. Kolonnenarzt ist Dr. S p e ck, Großen-Linden, der in dankenswerter Weise die Ausbildung der Mitglieder übernommen hat. Die Kolonne ist dem hessischen Landesverband in Darmstadt angeschlossen. Sie besteht aus 17 aus­gebildeten Mitgliedern, 18 neue Mitglieder be­finden sich jetzt in der Ausbildung. Das Sanitäts- depot befindet sich in der Gastwirtschaft Hassel- bach am Bahnhof.

0 Holzheim, 2. Dez. In den letzten Tagen veranstaltete die Jagdgesellschaft Holzheim eine Feldtreibjagd. Bei gutem Wetter wurden 145 Hasen und einige Rebhühner es war vor der Schonzeit zur Strecke gebracht Durch Vermitt­lung der Bürgermeisterei wurde hier für den Volksbund deutsche Kriegsaräber- f ü r f o r g e gesammelt. Besorgt wurde dies wie immer bei ähnlichen Gelegenheiten von den Kon­firmanden. Es konnte der schöne Betrag von 85 Mark für die gute Sache abgeführt werden.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 3. Dez. Im großen Saal des Hessischen Hofes" fanden am Sonntagnachmittag Vorführungen der Bad-Rauheimer Mu­st er-Turnschule unter Leitung von Turn­

lehrer Willi Sinnwell statt, bei denen 40 Turnerinnen und Turner mitwirkten. Die Lei­stungen der Turner und Turnerinnen, insbeson­dere die Sinnwells als Leiter und Turner, waren hervorragend und boten ein sehr hübsches Bild. Was die Einzeldarbietungen anbelangt, so wurde hier Bestes auf diesem Gebiete gezeigt. Den Schluß bildeten Freiübungsgruppen usw., sowie Kunstturnen am Reck, von Bad-Rauheimer und Butzbacher Turnern gemeinsam ausgeführt, die lebhaften Beifall fanden.

Kreis Büdingen.

* Ober-Widdersheim, 3. Dez. Zu der am Samstag von hier übermittelten Nachricht über den Kursus der K r e i s - W a n d e r - K o ch - und Handarbeitsschule wird vom Schulvorstand berichtigend mitgeteilt: Es sind nur die Schüle­rinnen des dritten Fortbildungsschuljahres verpflich­tet, an diesem sechswöchigem Kursus teilzunehmen. Der zweite Jahrgang soll daran nicht teilnehmen. Die Unterrichtszeit beträgt täglich sieben Stunden, etne davon wird als Ueberstunde gerechnet.

Kreis Schotten.

Laubach, 3. Dez. Dieser Tage fand im Solmser Hof" die Hauptversammlung des Ob ft- und G a r te n b a u v e re i n s Laubach statt. Rach der Begrüßung der zahl­reich erschienenen Mitglieder durch Beigeord­neten P i tz erfolgte die Rechnungsablage, welche die günstigen finanziellen Verhältnisse des Ver­eins zeigte. Er zählt jetzt 34 Mitglieder. So­dann hielt Lehrer D e b u s, Ruppertsburg, einen lehrreichen Vortrag über den Anbau des Obstes in unserer Heimat, worin er beson­ders die wichtige Frage erörterte, welche Obst­sorten sich für unsere Gegend am besten eignen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Eine rege Aussprache schloß sich an den Vortrag an, wo­ran sich besonders Hofgärtner Bias beteiligte. Hierauf fand eine Verlosung von 17 Ob st bäumen statt, die prächtig gewachsen waren und unentgeltlich an die Mitglieder ab­gegeben wurden. Am Sonntagmittag ver­anstaltete der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs seine alle Iahre einmal übliche Wanderung durch die Laubacher Gemarkung unter Führung von Rech­ner D o u t r e n. Man bestieg vorerst den aus­sichtsreichenRotenberg". Von hier wandte man sich zurLandwehr", welche die ganze Lau­bacher Gemarkung umschließt. Es ist dies ein heute noch an vielen Stellen vorhandener star­ker Wall von 34 Meter Hohe mit auf beiden Seiten anliegenden Gräben, der sehr an den römischen Grenzwall (den sog.Limes") erin­nert. Hierauf besichtigte man, nachdem man eine längere Strecke des Walles begangen hatte, die Schanze auf demSteinbühl", die als solche durch Konrektor Schaad (18001890) bezeugt ist. Sie besteht aus einer runden Verteilung (P/2 Meter tief, Durchmesser 3 Meter), der Ge­schützbettung, zwei vorliegenden Schulterwehren (sog. Epaulement) und einem Zwischenraum für das Geschützrohr. Prof. R o e s ch e n erklärte die Anlage, wozu verschiedene frühere Artil­leristen erklärten, daß man auch zu ihrer Zeit die Verschanzung für die Geschütze in gleicher Weise angelegt habe. Lieber das sog.Kreuz­börnchen", dessen Benennung bis jetzt unerklärt ist, kehrte man heim.

)( Ruppertsbürg, 2. Dez. Unter dem Vorsitz des hiesigen Vertrauensmannes des Landwirtschaf tskammer-Ausschusses, Landwirts Konrad Hogh III. fand bei Gastwirt Otto Wag­ner ein l a n d w i r t s ch a f t l i ch e rD o r t r a g s- abend statt. Assessor Dr. 0 11 vom Landwirt­schaftsamt Grünberg sprach über das Saatgut, seine Auswahl und Zubereitung, dabei die Be­obachtungen, die beim Gemarkungsrundgang im vergangenen Sommer gemacht worden waren, verwertend. Der Redner zeigte in anschaulicher Weise, wie sehr der Ertrag der Ernte von dem Saatgut abhängt. Die praktischen Vorschläge tour-

Das Erbe des Herrn von Anstetten.

Vornan von Z. Schneider-Foersil.

Llrheber-Rechtsschuh durch

Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Akab. wie recht hast du gehabt!" Run war chm auch der Besuch des Hindu kein Rätsel mehr. w

Trotz dessen Warnung hatte er das Verhängnis nicht aufzuhalten vermocht. Vielleicht war dieser Besuch bei Oerhen gar nicht ihr erster, wahr­scheinlich würden ihm schon Du;enö andere vor­hergegangen sein. Es war undenkbar, daß eine Frau um diese Zeit in das Haus eines Mannes ging, mit dem sie nicht schon seit längerem intim vermehrte!

Bernd! Lieber, armer Bernd!" Er begriff nun auch alles andere. Jedenfalls war das auch der Grund gewesen, daß er damals den Tod in der Pram suchen wollte. Wie tapfer von dem Iungen, selbst die Sache mit Oerhen in die Hand zu nehmen. Lieber, lieber Bernd! Wie brav von dir, daß du mich schonen wolltest!

Er setzte sich auf dem Heu zurecht und nahm den Kopf zwischen die Hände. Rixa sprang auf und schüttelte das Gras von sich. Wenn er jetzt Hans Peter wäre! Hans Peter! Dann würde der kommende Morgen Oerhen nur noch als Leiche sehen.

Er kniff die Augen zu und krümmte den Finger, als ob er ihn in den Hahn einer Pistole lege: eins zwei auf drei mußte er die Kugel mitten im Herzen sitzen haben!

..Mitten im Herzen!

Er erhob sich langsam, ging zur Türe und prallte vor der Gestalt zurück, die eben herein- kommen wollte.

Ein verblüfftes Gesicht lachte ihm entgegen. Iessas! Der Herr Baron! Hab'ns Unter- stand gesucht? A Sauwetter das! Ret wahr? Wie in der Regenzeit in Indien!"

Stefan Würz schleuderte das Raß seines Hutes in großem Bogen hinter sich.Wann's Ihnen trocknen woll'n, Herr Baron hundert Meter oberhalb ist das Forsthaus. Ich geh' mit. Rixa, Maderl, wie gefallt8 dir denn auf An­stetten?"

Die Wölfin rieb ihren Körper an feinen Schen­keln und bezeugte eine ungebärdige Freude.

Sie hat sich so gut akklimatisiert, wie du," sagte der Baron und trat, nach den ziehenden Wolken sehend, ins Freie.Bist du zufrieden mit deinem Posten? Ich glaube, die Sägerei liegt dir besser, als die Arbeit auf den Fel­

dern oder die Stellung eines Kammerdieners bei mir."

Würz lachte, daß sich alle Muskeln seines Gesichtes spannten:Schon is, Herr Baron! Ich könnt' mir gar nix liebers denken. Gaf- sen's mich jetzt 's Gewehr trag'n, ich glaub, es druckt ein bifferl. Der Riemen sitzt zu eng.

Während Rixa voraustrollte, schritten die bei­den Männer den steinigen Weg hinab, nach dem Haus des Forstmeisters, das in einer Lichtung vorgeschoben stand.

Eine Frage hätf ich, Herr Baron."

3a? Anstetten mußte sich erst in die Gegenwart versehen. Seine Gedanken waren weit abgewesen.

Hab'n 's noch nie Besuch kriegt von3ndien?"

Du vielleicht? Anstetten verhielt den Schritt.

3a! Heut früh, fo um halber fiebene rum, ist der Akab auf einmal vor mir g'ftanö'n. 3ch sollt ein Aug auf Ihnen hab'n, hat er g'fagt. Ich hab in meiner Freud gleich mit beide Händ nach ihm greifn woll'n und hab in d' Luft troffn. Ganz zweierlei is mir worden. Ich hab zittert, wie a jungs Dirkenlaub. Wann er wieder zurückfahrt, hab ich ihn gfragt:Gleich jetzt," hat er mir zur Antwort gebn. Lind wie ich wieder hing'schaut hab, is er schon nimmer da- g'wesen."

Vielleicht hast du geträumt, sagte Anstetten und beobachtete ihn scharf.

Ra, g'wih net, Herr Baron, ich war glöderl- wach. Lim einhalb fiebene, da hab'n ja die Hahnen schon ausbalzt, und die ersten Kirch­leut gehn schon talab. Is er bei Ihnen net g'wes'n?"

Ein wortloses Ricken.

Gott sei Dank! Sonst hätt ich glaubt, ich spinn." Anstetten sah, wie die Brust des jungen Mannes sich weitete. «Daß so was fein kann! Ich mocht's niemand verzähl'n! Ich glaub, ich tät grab ausg'lacht toerb'n.

Da hast du recht, Würz, behalte eL für dich, das ist das beste."

Der rötliche Vollbart des Forstmeisters tauchte auf der Veranda des hübschen Holzhauses auf, das in behäbiger Breite über das Tal hinsah. Recht guten Abend, Herr Baron! Haben Sie die beiden Wechsel, oben an der Föhrinaer Schneide gesehen? Zwei kapitale Sechszehn­ender I"

Ich habe gar nicht darauf geachtet, mein lieber Bogner. Können Sie mir mit einem trockenen Hemd aushelfen? Das meine klatscht. Es war ja die reinste Sintflut, die da herunterprasselte.

Bogner war mit zwei Schritten an der Türe, die ins Haus führte, und rief etwas ins Innere. Lieber die Treppe, die in weitem Schwung zum Oberstocke führte, tarn eine schlanke Frau in weißem Hauskleid, bad dem leichtgeröteten Oval

des Gesichts etwas Mädchenhaftes, Keusches, An­ziehendes gab.

Verzeihen Sie die Storung, gnädige Frau!" Anstetten beugte sich über die kleine Hand, die so fest und lebenswarm in der seinen ruhte.Ich bitte nur um zehn Minuten Unterkunft. Haben Sie keine Rebentüre, durch die ich eintreten kann? Meine Schuhe geben nasse Streifen.

Sie erhob erschrocken die Linke, während ihr rechter Arm die Türe des Haupteinganges zu­rückhielt.Das Haus ist doch Ihr Eigentum, Herr Baron. Wir haben ohnedies solange nicht mehr die Ehre gehabt, Sie bei uns zu sehen."

Oben an der Treppe wartete der Forstmeister und führte seinen Dienstherrn nach einem der Fremdenzimmer, wo bereits alles zurechtgelegt war.Darf ich in einer Viertelstunde zum Tee bitten, Herr Baron?"

Anstetten wollte ablehnen, sah den bittenden Blick seines Beamten und bejahte.

Wie schon es bei Ihnen ist!" Der Baron stand umgekleidet neben der jungen Frau, in dem großen Erker, an welchem sich kleinblättriger Efeu hochrankte und bleichrote Geranien das Sims umzogen.Wie find Sie mit Würz zu­frieden?" Er wandte sich halb nach Bogner zu­rück, der eben einen bequemen Leberftuhl an ben großen runben Tisch schob.

Ganz gut, Herr Baron. Er ist ein braver, ehr­licher Mensch unb versteht zu schießen. Rur kann ich mir noch nicht benten, wie bas werben soll, wenn er jetzt heiratet."

Der Würz?"

Der Herr Baron wissen nicht"

Keine Silbe!" _ lu

Vielleicht hätte ich noch schwe'gen sollen!

Machen Sie sich keine Gedanken, lieber Bog­ner, es ist mir sehr erwünscht, bah ich bavon weih. Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, ihm zu sagen, er soll mich in einer halben Stunde unten im Hohlweg erwarten."

Der Forstmmster blickte nach seiner Frau, beten Hände beim Füllen der Tassen merklich zitterten. Er sah rasch nach Anstetten hinüber, dessen Augen an einem Photo hingen, das in Kreide gezeichnet an der Schmalwand des Zimmers placiert war.

Der Freiherr wandte sich ab unb richtete eine Frage an den Beamten:Ist das nicht mein Detter Günther, den Sie dort an die Wand ge­nagelt haben?"

Bogner verneinte.Sie sind es selbst, Herr Baton. Vielleicht können Sie sich noch erinnern, dah sie mir das Bild geschenkt haben, kurz ehe Sie nach Indien gingen."

Anstetten nickte unb war dankbar, dah die junge Frau ihn einer Antwort enthob, indem sie ihn fragte, ob man nach dem Schlosse telepho­nieren solle, dah er hier sei.