„Es ist nicht nötig, Gnädigste! Mein Junge ist bei Freunden, meine Frau irgcnbtoo zum Tee geladen. Ich werde also keineswegs vermißt.
Zehn Minuten später trat er, sich verabschiedend, auf die Veranda und führte noch einmal die schmale Weiche Hand an seine Lippen. „Deien Sie recht sehr bedankt, gnädige Frau! — Auf Wiedersehen." , t
Bogner gab ihm noch eine Strecke da- Geleit und empfahl sich erst, als er Würz zwischen den Stämmen warten sah.
Anstetten machte keinerlei Umschweife und griff, sobald der Forstmeister außer Sichtweite war. nach Stephans Oberarm. „Du willst heiraten? — Stimmt das?"
Ein verlegenes Achselzucken.
„Kann ich unter diesen Umständen da- Geheimnis des Toten, das ja auch daS meine ist, gewahrt wissen?"
Ein Aufatmen des Gefragten: „Darum müssens Ihnen net sorg'n, Herr Baron!--G'wih net!
Ein Grab kann net verschwiegener sein. Das geht kein Mensch'n was an! — — Ein Weib schon gar net! Streng g'nommen, net amal mich. — — Wanns Sie's befehln, Herr Baron, nachher hab ich's vergess'n."
Anstetten schritt nachdenklich neben ihm her. „Kommen ab und zu Besuche ins Forsthaus?"
„Selt'n! — Ein paar Offiziere! Hin und wieder ein Kolleg vom Herrn Forstmeister. — Sonst gar niemand. Es ist ein ganz geruhlicheS Sein da ob'n."
„Meine Frau kommt wohl nie herauf?"
„Gar nie! — — Der Gnädig'n is der Weg zu steinig und geht auch allaweÜ bergauf.--
Eine Frag, wann ich hab'n dürft, Herr Baron?"
Anstetten unterdrückte ein Lächeln. Das war das zweitemal, daß er das heute von Würz horte. „Und---" Er blieb stehen und hielt
ihm sein Zigarettenetui entgegen.
Stefan griff etwas zaghaft hinein. „38 zum Auskommen mit ihr?"
„Mit meiner Frau?"
„Iessas!" Würz schlug sich auf den Mund. „Allemal vergiß ich's wieder, daß jetzt eine Frau hab'n, Herr Baron! — Ich kann mir das gar net vorstell'n. Die Leut red'n so viel dumm's Zeug, daß einem manchmal ganz übel wird."
„Was reden Sie denn, Würz?"
Stephan drehte die Zigarette unschlüssig zwischen den Fingern. „Mein Gott — nix Gescheits net! — Wanns wieder nach Indien reis'n, Herr Baron, nachher geh ich mit.--3ch glaub, daß
ich's bis dahin auch schon satt hab, das Der- heiratsein."
Anstetten lachte belustigt auf. „Du bist mir aber noch einen Großteil der Antwort schuldig ge- blieb-n," mahnte er, als der junge Mensch jetzt schweigend neben ihm herging.
(Fortsetzung folgt.)
Oberheffen.
Licht- und Werbewoche in Buhbach.
pb. Butzbach, 3. Dez. Am Sonntag begann die vom Butzbacher Einzelhandelsverein in Gemeinschaft mit dem Verkehrsau s s ch u ß der Stadt in die Wege geleitete Butzbacher Licht- und Werbewoche, die bis zum 8. Dezember dauert. Sie wurde eingeleitet mit einer festlichen Beleuchtung des Rat- Hauses, des Marktbrunnens, der Häuser des Marktplatzes usw. Auf dem Marktplatz fand ein Platzkonzert statt. Als Prämie der Stadt Butzbach kommt eine goldene Herrenuhr zur Verlosung. Der gestrige Sonntag wies bereits einen lebhaften Verkehr auf, die Geschäfte waren gut besucht und die Geschäftsleute recht zufrieden.
Landkreis Gießen.
= Saubringen, 2.Dez. Unsere Gemeinde litt schon im Sommer mehr als die anderen Dörfer der Um'egend unter Wassermangel. Monatelang hatte man nur einige Stunden des Tages Wasser. Seit einigen Tagen ist nun derselbe Liebelstand wieder eingetreten. Eine der ersten und dringendsten Aufgaben des neugewählten Gemeinderats wird es sein müssen, den Rotstand durch Erschließung einer zweiten Quelle zu beseitigen. — Gestern abend veranstaltet der Gesangverein „Sängerlust unter Geltung seines Dirigenten Aicolai (Gro- ßen-Buseck) und unter Mitwirkung der Kapelle Weller-Einbrodt (Gehen) se'.n Winter- konzert. Der Saalbau Schäfer war dicht beseht. Das Programm zeigte eine passende, verständnisvolle Abwechselung. Es kamen zahlreiche, fein ausgeglichene, llangreine Chöre zum^Dor- trag, unter denen „Erwachen der Geister' von Marini, „Die Dorflinde" von Llthmann, „O süße Heimat" von Schauß und „Wieder ziehen fort die Schwalben" von Baumann, besonders hervortraten. Recht gut wirkte das fein ausgearbeitete Pianissimo in den beiden letztgenannten Choren. Mit Musikbegleitung wurde aufgeführt „Viktrinermarsch" von Koschat und „Die Mühle im Schwarzwald" von Eilenberg. Besonders dankbar wurde letzteres ausgenommen, so daß der zweite Teil wiederholt werden muhte. Die Musik zeigte ihr vorzügliches Können besonders in der Ouvertüre zur Oper „Rora" von Bellini, und in der Fantasie aus der Operette „Die Fledermaus" von Strauß. Diel Beifall erhielt auch das große Potpourri „Dom Rhein zur Donau" von Rhode. Allerliebst war „Leuchtkäferchens Stelldichein" von Siede. Der Derein darf auf einen wohlgelungenen Abend zurückblicken, um so mehr, als er sich durch Der- anstaltung solcher Konzerte in den Dienst der Volksbildung stellt. .
Y Mainzlar, 3. Dez. Die Bautätigkeit in unserer Gemeinde ist gegen das Dorjahr ganz erheblich zurückgegangen. Insgesamt wurden in diesem Iahre nur zwei Wohnhäuser, gegen acht im Dorjahr, gebaut, die nunmehr, bis auf eins, bezogen sind. Größere Um* und Anbauten an Haus- und Wirtschaftsgebäuden sicherten jedoch den heimischen Handwerkern das ganze Iahr hindurch volle Beschäftigung. Von einer vollen Behebung der örtlichen Wohnungsnot kann vorläufig noch nicht gesprochen werden. — Die Holzhauerarbeiten in unserem Gemeinde- • Wald haben dieser Tage ihren Anfang genommen. Geschlagen werden ungefähr 750 Festmeter Stamm- und Brennholz. Don Stammholz entfällt ein großer Teil auf Eichenstämme. Mit den Arbeiten sind zur Zeit zwei Rotten zu je acht Mann beschäftigt.
' Großen-Buseck, 3. Dez. Der Gesangverein „Germania", Großen- Buseck, hielt am Sonntag im Saale des Gastwirts Wagner ein in allen Teilen wohlgelungenes Konzert unter Mitwirkung von Frau Dr. Wolff (Sopran) und Herrn Bruno Herrmann (Diolincello), beide aus Gießen,
unter Leitung des Musikdirektors Al be r t Kasten, Gießen, ab. Schon der überfüllte Saal bewies das große Interesse der Einwohner für die Konzertveranstaltungen der „Germania". Frau Dr. Wolff fang u. a. Lieder von Schubert, Brahms, Strauß und Leo Blech. Die Sängerin verfügt über eine äußerst zarte, glockenreine Stimme und singt mit ganzer Hingebung; so vermochte sie sowohl die Poesie der Schubertlieder, als auch den dramatischen Inhalt des Strauhschen Liedes voll auszuschöpfen. Ganz reizend gelangen ihr Brahms „Wiegenlied und Leo Blechs „Heimkehr vom Feste". Auch die übrigen Lieder zeigten die prächtige Schulung der Stimme. Die Begeisterung der Zuhörer zwang Frau Dr. Wolff zu einer Zugabe. Als zweiter Solist des Abends erfreute uns Herr Bruno Herrmann mit feinem wundervollen Cellospiel. Mozarts „Larghetto" und „Tre giorni“ von Pergolese feien besonders hervorgehoben. Reicher Beifall ward auch ihm zuteil. Aber auch der Derein belohnte das ihm entgegengebrachte Interesse durch ausgezeichneten Dortrag der Kunstchore und Dolkslieder, wofür ihm von den Zuhörern mit stürmischem Beifall gedankt wurde. Besonders hervorgehoben seien: Der Chor Lachners „Hymne an die Musik", dessen Schwierigkeit von dem Sängerchor vorzüglich bewältigt wurde. Sodann „Tief ist die Mühle verschneit", von Podbertsky, und die prächtigen Dolkslieder: „Untreue", „Amsel im Walde", „Ein Traum". Den Abschluß bildeten die Chöre: „Dorfgeheimnis", von Wellmann, vom Chor in verständnisvollster Weise vorgetragen, und Sonnets „Moselweinlied", ebenfalls vorzüglich gesungen. Der Chormeister, Herr Kasten, bewies durch dieses Konzert erneut, daß er ein Chorleiter von hohen Fähigkeiten ist. Mit herzlichen Worten dankte der Dorsihende des Dereins allen Mitwirkenden. Den Zuhörern wird der Abend unvergeßlich sein.
: Beuern, 3. Dez. Am Samstagabend sand im Saale „Zur Germania" der erste Vortragsabend des hiesigen Volksbil- dungsv ereins in diesem Winterhalbjahr statt. Als Redner war der Chinese Herr Kwok- Liang Wu, stud. med. in Gießen, gewonnen worden, der an Hand von Lichtbildern über seine Heimat, Land und Leute in China sprach. Herr Wu ist in Kanton (Südchina) geboren. Der jugendliche Redner, 21 Iahre alt, der vor drei Iahten noch kein Wort Deutsch konnte, führte den außerordentlich zahlreichen Zuhörern recht anschaulich sein Heimatland in Wort und Bild vor Augen. Bilder aus den großen Millionenstädten des Riesenreiches, wo die Bevölkerung dichtgedrängt in den primitivsten Verhältnissen zusammenwohnt, wechse.ten mit modernen Strcß n- zügen, sowie Kunstbauten aus uralter Zeit in bunter Reihenfolge. Sehr interessant waren die Ausführungen, die Herr Wu über die Geben s- verhältnisse feiner Volksgenossen machte. Der Vorsitzende, Referendar Hermann, dankte dem Redner für feine interessanten Ausführungen, die einen wertvollen Einblick in die chinesischen Verhältnisse gaben, und stellte einen weiteren Vortrag (Filmvortrag) des Ingenieurs Ertel, Gießen, in Aussicht.
is. Steinbach, 3. Dez. Am Sonntagabend wurde in unserer Kirche bei guter Beteiligung der Film „Glaube und Heimat" vorgeführt. Die klaren Bilder zeigten deutlich und ergreifend das Schicksal eines Volkes, das um feines Glaubens willen von Haus und Hof vertrieben wurde. Der Ueberfchuß des Abends fällt dem Guftav-Adolf-Ver- ein zu.
Y Watzenborn-Steinberg, 2. Dez. Der gestrige, sehr gut besuchte Gottesdienst des ersten Adventsonntags erhielt eine besondere Weihe durch zwei musikalische Einlagen, die sich passend in den Rahmen der ganzen Feier einfügten. Gerichtsreferendar Harnisch (Orgel) und Cellist Klingelhofer (Cello), beide von hier, spielten in wirkungsvoller Weise das Hän-
delsche Largo und Sarabande von Corelli und verstanden es, in den Herzen der Hörer echte Advents- und Vorweihnachtsstimmung zu wecken. Die Kirche war, wie alljährlich, mit dem Adventskranz geschmückt.
* Leihgestern, 2. Dez. Die Volkshochschule Oberhessen begann ihre diesjährige Winterarbeit hier mit einem Eröffnung s a b e n d, der recht gut besucht war. Es waren neben den Mitgliedern des Gemeinde- und Schulvorstandes eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern erschienen. Rach einer Begrüßung der Anwesenden sprach der Leiter der Volkshochschule Oberhessen W. Heg ar über „Wege und Ziele der Volkshochschularbeit". In klaren, volkstümlichen Ausführungen stellte er in wechselnden Bildern das Wollen und Streben, die Kämpfe, aber auch Erfolge der Volkshochschule vor die Augen der Hörer. Die rege Aussprache drehte sich vor allem um die Frage der religiösen und politischen Einstellung der Volkshochschule. In dem zusammenfassenden Schlußwort betonte der Vortragende, daß die Volkshochschule niemals eine einseitige Einstellung haben könne, sondern sie wolle fein eine Dienerin am Volksganzen. Im zweiten Teile des Abends brachten Frau Fischer (Klavier), Herr Bauer und Herr Knauh (Geigen) aus Gießen Stücke von Mozart, Moskowski und Telemann in vollendeter Weise zu Gehör. Der Kirchenchor fang unter Leitung feines Chormeisters Herrn Köhler drei Volkslieder. Der Verein zeigte, daß er auch auf diesem Gebiet des Chorgesanges Gutes leistet. Eine jugendliche Tanzgruppe aus Gießen führte unter einfacher Musikbegleitung einige Volkstänze vor, die freundlichen Beifall fanden. Als feinen Rezitator lernten die Hörer Herrn H e g a r kennen. Seine Märchen hinterließen einen tiefen Eindruck. Ein Schlußwort brachte den Dank der Hörer an alle Vortragenden zum Ausdruck. Der Eroffnungsabe'nd war ein voller Erfolg. Die Kurse der Volkshochschule beginnen am Donnerstag, 5. Dezember, mit Vorzügen über Gesundheitspflege durch Dr. M a - lech aus Gießen.
< Leihgestern, 3. Dez. Am Sonntagmittag fand eine Inspektion der hiesigen Freiwilligen Sanitätskolonne vom Rote n K r e u z statt. Sie wurde vorgenommen durch den Provinzialinspekteur für Oberhesfen, Sani- tätsrat Dr. Hahn aus Bad-Rauheim, und erstreckte sich über eine praktische Hebung und eine theoretische Prüfung. In einer zusammenfaffenden Beurteilung sprach sich Sanitätsrat Dr. Hahn lobend aus über die Leistungen, die durch die noch junge Sanitätskolonne gezeigt wurden. Die Kolonne wurde im Frühjahr 1929 gegründet und steht unter der Leitung des Kolonnenführers Georg Held. Kolonnenarzt ist Dr. S p e ck, Großen-Linden, der in dankenswerter Weise die Ausbildung der Mitglieder übernommen hat. Die Kolonne ist dem hessischen Landesverband in Darmstadt angeschlossen. Sie besteht aus 17 ausgebildeten Mitgliedern, 18 neue Mitglieder befinden sich jetzt in der Ausbildung. Das Sanitäts- depot befindet sich in der Gastwirtschaft Hassel- bach am Bahnhof.
0 Holzheim, 2. Dez. In den letzten Tagen veranstaltete die Jagdgesellschaft Holzheim eine Feldtreibjagd. Bei gutem Wetter wurden 145 Hasen und einige Rebhühner — es war vor der Schonzeit— zur Strecke gebracht — Durch Vermittlung der Bürgermeisterei wurde hier für den Volksbund deutsche Kriegsaräber- f ü r f o r g e gesammelt. Besorgt wurde dies — wie immer bei ähnlichen Gelegenheiten — von den Konfirmanden. Es konnte der schöne Betrag von 85 Mark für die gute Sache abgeführt werden.
Kreis Friedberg.
pb. Butzbach, 3. Dez. Im großen Saal des „Hessischen Hofes" fanden am Sonntagnachmittag Vorführungen der Bad-Rauheimer Must er-Turnschule unter Leitung von Turn
lehrer Willi Sinnwell statt, bei denen 40 Turnerinnen und Turner mitwirkten. Die Leistungen der Turner und Turnerinnen, insbesondere die Sinnwells als Leiter und Turner, waren hervorragend und boten ein sehr hübsches Bild. Was die Einzeldarbietungen anbelangt, so wurde hier Bestes auf diesem Gebiete gezeigt. Den Schluß bildeten Freiübungsgruppen usw., sowie Kunstturnen am Reck, von Bad-Rauheimer und Butzbacher Turnern gemeinsam ausgeführt, die lebhaften Beifall fanden.
Kreis Büdingen.
* Ober-Widdersheim, 3. Dez. Zu der am Samstag von hier übermittelten Nachricht über den Kursus der K r e i s - W a n d e r - K o ch - und Handarbeitsschule wird vom Schulvorstand berichtigend mitgeteilt: Es sind nur die Schülerinnen des dritten Fortbildungsschuljahres verpflichtet, an diesem sechswöchigem Kursus teilzunehmen. Der zweite Jahrgang soll daran nicht teilnehmen. Die Unterrichtszeit beträgt täglich sieben Stunden, etne davon wird als Ueberstunde gerechnet.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 3. Dez. Dieser Tage fand im „Solmser Hof" die Hauptversammlung des Ob ft- und G a r te n b a u v e re i n s Laubach statt. Rach der Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder durch Beigeordneten P i tz erfolgte die Rechnungsablage, welche die günstigen finanziellen Verhältnisse des Vereins zeigte. Er zählt jetzt 34 Mitglieder. Sodann hielt Lehrer D e b u s, Ruppertsburg, einen lehrreichen Vortrag über den Anbau des Obstes in unserer Heimat, worin er besonders die wichtige Frage erörterte, welche Obstsorten sich für unsere Gegend am besten eignen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Eine rege Aussprache schloß sich an den Vortrag an, woran sich besonders Hofgärtner Bias beteiligte. Hierauf fand eine Verlosung von 17 Ob st bäumen statt, die prächtig gewachsen waren und unentgeltlich an die Mitglieder abgegeben wurden. — Am Sonntagmittag veranstaltete der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs seine alle Iahre einmal übliche Wanderung durch die Laubacher Gemarkung unter Führung von Rechner D o u t r e n. Man bestieg vorerst den aussichtsreichen „Rotenberg". Von hier wandte man sich zur „Landwehr", welche die ganze Laubacher Gemarkung umschließt. Es ist dies ein heute noch an vielen Stellen vorhandener starker Wall von 3—4 Meter Hohe mit auf beiden Seiten anliegenden Gräben, der sehr an den römischen Grenzwall (den sog. „Limes") erinnert. Hierauf besichtigte man, nachdem man eine längere Strecke des Walles begangen hatte, die Schanze auf dem „Steinbühl", die als solche durch Konrektor Schaad (1800—1890) bezeugt ist. Sie besteht aus einer runden Verteilung (P/2 Meter tief, Durchmesser 3 Meter), der Geschützbettung, zwei vorliegenden Schulterwehren (sog. Epaulement) und einem Zwischenraum für das Geschützrohr. Prof. R o e s ch e n erklärte die Anlage, wozu verschiedene frühere Artilleristen erklärten, daß man auch zu ihrer Zeit die Verschanzung für die Geschütze in gleicher Weise angelegt habe. Lieber das sog. „Kreuzbörnchen", dessen Benennung bis jetzt unerklärt ist, kehrte man heim.
)—( Ruppertsbürg, 2. Dez. Unter dem Vorsitz des hiesigen Vertrauensmannes des Landwirtschaf tskammer-Ausschusses, Landwirts Konrad Hogh III. fand bei Gastwirt Otto Wagner ein l a n d w i r t s ch a f t l i ch e rD o r t r a g s- abend statt. Assessor Dr. 0 11 vom Landwirtschaftsamt Grünberg sprach über das Saatgut, seine Auswahl und Zubereitung, dabei die Beobachtungen, die beim Gemarkungsrundgang im vergangenen Sommer gemacht worden waren, verwertend. Der Redner zeigte in anschaulicher Weise, wie sehr der Ertrag der Ernte von dem Saatgut abhängt. Die praktischen Vorschläge tour-
Das Erbe des Herrn von Anstetten.
Vornan von Z. Schneider-Foersil.
Llrheber-Rechtsschuh durch
Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Akab. wie recht hast du gehabt!" Run war chm auch der Besuch des Hindu kein Rätsel mehr. w
Trotz dessen Warnung hatte er das Verhängnis nicht aufzuhalten vermocht. Vielleicht war dieser Besuch bei Oerhen gar nicht ihr erster, wahrscheinlich würden ihm schon Du;enö andere vorhergegangen sein. Es war undenkbar, daß eine Frau um diese Zeit in das Haus eines Mannes ging, mit dem sie nicht schon seit längerem intim vermehrte!
„Bernd! Lieber, armer Bernd!" Er begriff nun auch alles andere. Jedenfalls war das auch der Grund gewesen, daß er damals den Tod in der Pram suchen wollte. Wie tapfer von dem Iungen, selbst die Sache mit Oerhen in die Hand zu nehmen. Lieber, lieber Bernd! Wie brav von dir, daß du mich schonen wolltest!
Er setzte sich auf dem Heu zurecht und nahm den Kopf zwischen die Hände. Rixa sprang auf und schüttelte das Gras von sich. Wenn er jetzt Hans Peter wäre! — Hans Peter! Dann würde der kommende Morgen Oerhen nur noch als Leiche sehen.
Er kniff die Augen zu und krümmte den Finger, als ob er ihn in den Hahn einer Pistole lege: — eins — zwei — auf drei mußte er die Kugel mitten im Herzen sitzen haben!
..Mitten im Herzen!
Er erhob sich langsam, ging zur Türe und prallte vor der Gestalt zurück, die eben herein- kommen wollte.
Ein verblüfftes Gesicht lachte ihm entgegen. „Iessas! Der Herr Baron! — Hab'ns Unter- stand gesucht? — A Sauwetter das! Ret wahr? Wie in der Regenzeit in Indien!"
Stefan Würz schleuderte das Raß seines Hutes in großem Bogen hinter sich. „Wann's Ihnen trocknen woll'n, Herr Baron — hundert Meter oberhalb ist das Forsthaus. Ich geh' mit. — Rixa, Maderl, wie gefallt’8 dir denn auf Anstetten?"
Die Wölfin rieb ihren Körper an feinen Schenkeln und bezeugte eine ungebärdige Freude.
„Sie hat sich so gut akklimatisiert, wie du," sagte der Baron und trat, nach den ziehenden Wolken sehend, ins Freie. „Bist du zufrieden mit deinem Posten? — Ich glaube, die Sägerei liegt dir besser, als die Arbeit auf den Fel
dern oder die Stellung eines Kammerdieners bei mir."
Würz lachte, daß sich alle Muskeln seines Gesichtes spannten: „Schon is, Herr Baron! Ich könnt' mir gar nix liebers denken. — Gaf- sen's mich jetzt 's Gewehr trag'n, ich glaub, es druckt ein bifferl. Der Riemen sitzt zu eng.“
Während Rixa voraustrollte, schritten die beiden Männer den steinigen Weg hinab, nach dem Haus des Forstmeisters, das in einer Lichtung vorgeschoben stand.
„Eine Frage hätf ich, Herr Baron."
„3a?“ — Anstetten mußte sich erst in die Gegenwart versehen. Seine Gedanken waren weit abgewesen.
„Hab'n 's noch nie Besuch kriegt von3ndien?"
„Du vielleicht?“ Anstetten verhielt den Schritt.
„3a! — Heut früh, fo um halber fiebene rum, ist der Akab auf einmal vor mir g'ftanö'n. — 3ch sollt ein Aug auf Ihnen hab'n, hat er g'fagt. — Ich hab in meiner Freud gleich mit beide Händ nach ihm greif’n woll'n und hab in d' Luft troffn. Ganz zweierlei is mir worden. Ich hab zittert, wie a jungs Dirkenlaub. Wann er wieder zurückfahrt, hab ich ihn g’fragt: „Gleich jetzt," hat er mir zur Antwort geb’n. Lind wie ich wieder hing'schaut hab, is er schon nimmer da- g'wesen."
„Vielleicht hast du geträumt,“ sagte Anstetten und beobachtete ihn scharf.
„Ra, g'wih net, Herr Baron, ich war glöderl- wach. Lim einhalb fiebene, da hab'n ja die Hahnen schon ausbalzt, und die ersten Kirchleut gehn schon talab. — Is er bei Ihnen net g'wes'n?"
Ein wortloses Ricken.
„Gott sei Dank! — Sonst hätt ich glaubt, ich spinn." — Anstetten sah, wie die Brust des jungen Mannes sich weitete. «Daß so was fein kann! Ich mocht's niemand verzähl'n! Ich glaub, ich tät grab ausg'lacht toerb'n.“
„Da hast du recht, Würz, behalte eL für dich, das ist das beste."
Der rötliche Vollbart des Forstmeisters tauchte auf der Veranda des hübschen Holzhauses auf, das in behäbiger Breite über das Tal hinsah. „Recht guten Abend, Herr Baron! — Haben Sie die beiden Wechsel, oben an der Föhrinaer Schneide gesehen? — Zwei kapitale Sechszehnender I"
„Ich habe gar nicht darauf geachtet, mein lieber Bogner. Können Sie mir mit einem trockenen Hemd aushelfen? Das meine klatscht. — Es war ja die reinste Sintflut, die da herunterprasselte.“
Bogner war mit zwei Schritten an der Türe, die ins Haus führte, und rief etwas ins Innere. Lieber die Treppe, die in weitem Schwung zum Oberstocke führte, tarn eine schlanke Frau in weißem Hauskleid, bad dem leichtgeröteten Oval
des Gesichts etwas Mädchenhaftes, Keusches, Anziehendes gab.
„Verzeihen Sie die Storung, gnädige Frau!" — Anstetten beugte sich über die kleine Hand, die so fest und lebenswarm in der seinen ruhte. „Ich bitte nur um zehn Minuten Unterkunft. Haben Sie keine Rebentüre, durch die ich eintreten kann? Meine Schuhe geben nasse Streifen.“
Sie erhob erschrocken die Linke, während ihr rechter Arm die Türe des Haupteinganges zurückhielt. „Das Haus ist doch Ihr Eigentum, Herr Baron. — Wir haben ohnedies solange nicht mehr die Ehre gehabt, Sie bei uns zu sehen."
Oben an der Treppe wartete der Forstmeister und führte seinen Dienstherrn nach einem der Fremdenzimmer, wo bereits alles zurechtgelegt war. „Darf ich in einer Viertelstunde zum Tee bitten, Herr Baron?"
Anstetten wollte ablehnen, sah den bittenden Blick seines Beamten und bejahte.
„Wie schon es bei Ihnen ist!" Der Baron stand umgekleidet neben der jungen Frau, in dem großen Erker, an welchem sich kleinblättriger Efeu hochrankte und bleichrote Geranien das Sims umzogen. „Wie find Sie mit Würz zufrieden?" Er wandte sich halb nach Bogner zurück, der eben einen bequemen Leberftuhl an ben großen runben Tisch schob.
„Ganz gut, Herr Baron. Er ist ein braver, ehrlicher Mensch unb versteht zu schießen. Rur kann ich mir noch nicht benten, wie bas werben soll, wenn er jetzt heiratet."
„Der Würz?"
„Der Herr Baron wissen nicht"
„Keine Silbe!" _ „ lu
„Vielleicht hätte ich noch schwe'gen sollen!
„Machen Sie sich keine Gedanken, lieber Bogner, es ist mir sehr erwünscht, bah ich bavon weih. Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, ihm zu sagen, er soll mich in einer halben Stunde unten im Hohlweg erwarten."
Der Forstmmster blickte nach seiner Frau, beten Hände beim Füllen der Tassen merklich zitterten. Er sah rasch nach Anstetten hinüber, dessen Augen an einem Photo hingen, das in Kreide gezeichnet an der Schmalwand des Zimmers placiert war.
Der Freiherr wandte sich ab unb richtete eine Frage an den Beamten: „Ist das nicht mein Detter Günther, den Sie dort an die Wand genagelt haben?"
Bogner verneinte. „Sie sind es selbst, Herr Baton. Vielleicht können Sie sich noch erinnern, dah sie mir das Bild geschenkt haben, kurz ehe Sie nach Indien gingen."
Anstetten nickte unb war dankbar, dah die junge Frau ihn einer Antwort enthob, indem sie ihn fragte, ob man nach dem Schlosse telephonieren solle, dah er hier sei.


