Nr. 205 Erster Blatt
US. Jahrgang
Zrettag, 5|. August 1928
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General-Anzeiger für Oberhessen
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ahefrebaktenr
Dt. Jntbr. Wild Lange. Verantwortlich für TMitth Dr. Fr will) Lange ftr Feuillelon Dr tz Thgnot, für den übrigen Teil Ernst Vlumlchetn, für den 3w» jelgenttil Äurl tztvmann.
sämtlich in Diesten
Völkerbundsaustaki in Genf.
Aus Genf toh-b irn# gd4ri«ben
Der 51. Laguna d«S Dö lkerbunds- rat» bk lochen begonnen Hai. fehlt durch bat Sernb.eiten ötrclcmannl und Eharnber- la Int eigentlich der Mittelpunkt. Dr. vtrese- mann Hut sich in der fucym Zeit, da er dem Rat angebört. eine erstaunlich- Popularität er- worben und zwar gleichmäßig bet Diplomaten wie bet Journalisten, während »bamberlatn, her immer wie ein stets gewordenes Handtuch durch die »egend stolzierte, mehr alt besondere Spezies bet englischen Typt angestaunt wurde. Doppelt schade, das, Dr. Stresemann nicht da ist. weil auf seinen Wunsch die Historische Glas- heranba um bat Doppelte vergröbert worben ist und man gerne gehört hätte, tote er in ferner leicht ironischen Qfrt einige liebenttoürbige Bemerkungen über diese erste ."Reform" vorn Bölkerbuiwe gemacht hätte. Denn leider ist bat Ne einzige Reform geblieben, in allen anderen Dingen ist der Apparat bet "Bunbet. so jung er ist, schon völlig verkalkt und bedürfte bringend nicht nur einer Auffrischung, fonbem einer grünblichen Rationalisierung.
Wenn man die Tagesordnung der Rats- f i 6 u ng ansieht, die 352 Punkte umfaßt — wozu bann spater noch 35 Punkte der Tagesordnung der Doll Versammlung kommen —. bann staunt man über bat hclllose Durcheinander, bat d er herrscht. Kunterbunt, ohne jebe Unterscheidung, ohne Sinn für da- Wichtige unb Wesentliche ist alles buntKinanbcrgcmengt, unb den Ratsmilglledern wird zugemutet. nachein- anber stundenlange Dorlesungen über alle möglichen unb unmöglichen Kommissionsberatungen anzuhören, damit ihnen bann wenige Minuten ■3ert bleiben, um wichtige politische Fragen zu erörtern. St to&re wirklich notwendig, hier einmal den Hebel an^uleben unb bat Programm zu reformieren, so daß Reben sächlichkeiten auf ihre "Bebentung herabgedrückt werden, dafür aber auch mehr Zeit für eine gründliche Durchberatung entscheidender Dinge bleibt. Entscheidende Dinge? Allzuviel ist et diesmal nicht, was btc beschauliche Ruhe der Ratssitzung erschüttern könnte. Der acmze polnische Konflikt ist durch Bbmadjungen aut der Welt geschafft, die der Rat leider! - mir zur Kennt- nlt nehmen kann. Da^u die Minoritäls- ftrettigfetten, die ja zum eisernen Bestand des Rates gehören. Auch der rumänisch-ungarische Streit taucht - zum wievieltsten Male? — wieder auf: Ungarn hat sich durch die überraschende Art. wie es beim vorigen Male abgebnebt wurde, nicht für befriedigt erklärt, unb beruft sich auf bat klare Recht der Bundes- satzungeii. St hat eben immer noch die Hoffnung nicht auf gegeben, baß in Genf wirklich die Gerechtigkeit entscheidet unb nicht bat Interesse, das sich aus politischen Machtgruppierungen ergibt. Warten wir ab, ob et diesmal mehr Glück bat. Auch Wolde maras. der Miniatur-Diktator Litauens, bringt feinen Anspruch auf Wilna unverändert in feiner Aktentasche mit, und er hat es verstanden, den polnischen Derhandlnng»wünschen bisher aus dem Wege zu gehen, wahrend Polen mit kluger Taktik den Eindruck zu erwecken versteht, als oh cs mit den Litauern nur zu gern eine Bcrftänbigung möchte: selbstverständlich, indem es Wilna behält. 3aleffb legt alles darauf an, bah der Böller» bunbsrat schließlich die Geduld verliert und den gordischen Knoten zugunsten Polens durchschlägt, das m her starken Position bet glücklich "Besitzenden natürlich die Rückgabe von Wilna ablehnt, aber darüber hinaus von Litauen die Wiederherstellung geordneter Wirtschaftsbeziehungen verlangt. Auch eine Ruh, woran sich die hohen Ratsmitglieder Me Zähne ausbrechen können.
Indessen, es wird auch diesmal so gehen, dah die eigenttich wichtigen Srcigniffc sich nicht im Rat ober in der Vollversammlung abspielen, sondern neben der eigentlichen Tagung bergeben. St geschieht ja vieles in der Weit, worum der Rat sich überhaupt nicht kümmern kann ober darf Die Lage in Ehina würbe einem echten .rricbentbunb dankbare Ausgabe zum Dermitteln sein. Auf dem Balkan ballen sich drohende Wolken zusammen, der englisch-französische Vertrag bebautet eine Gefährdung bet europäischen Friedens aber bat linb alles Themata, über die nicht gesprochen werden bars, woraus sich allein schon die untergeordnete De- beutung ergibt, die ber Völkerbund alt Organisation in Ser internationalen Diplomatie immer noch spielt. Auch ber KeUogg-Pakt hat ja 'eine Entstehung und feine Vollendung neben dem Völkerbund gefunden. So werden denn auch die deutsch.französischenDesprechun- gen, die für die Gestaltung ber Dinge in Europa von ausschlaggebender Bedeutung sein müssen, nicht im Rat. sondern nebenher erledigt, nur weil die Anwesenheit aller maßgebenden Diplomaten die beste Gelegenheit zu persönlicher Rücksprache gibt Gens ist vorläufig noch nicht viel mehr alt eine internationale Börse, an ber mit Dölkerinteressen gehandelt wirb. Trotzdem hat et einen starken Eindruck gemacht dah ber beursche Reichs- * angler selbst nach Genf kommt Das war. ro Stresemann fehlte, vielleicht die beste Lösung, reil die Anwesenheit des Kanzlers den 3ran- osen ein Ausweichen zuw. mindesten «chwer nacht, weil aber Herr Müller nebenbei auch
noch ber Führer ber stärksten beutfchen Partei ist unb man von außen her mehr bt« Stellung sieht, die er repräsentiert, alt bie Persönlichkeit selbst. Man munkelt bethalb auch tn Genf davon, dah Herr Müller noch andere Ziele verfolgt unb im Völkerbund bat Thema ber Abrüstung anzuschneiben gebenkt. beren Wetterführung bisher von ben interessierten Mächten mit erstaunlichem Geschick hintertrieben worden ist Sin deutscher Antrag auf Beschleunigung ber Abrüstung aber würbe ein Steinwurf fein, ber bie friedliche Welle ber "Bunbct- versammlung in stürmische Bewegung bringen könnte...
Die Eröffnungssitzung des Rates.
ffl <n f, 30. Aug. (ffiTBJ Unter dem Dorsitz de» finnischrn Außenminister» P r o c o p e ist der v ö 1 - ferbunberat beute vormittag 11 Uhr zu feiner 51. Tagung jufammengetrekn. Unter ben üblichen Ratsmitglieber fehlen biesmal außer dem deutschen Reichsauhenminister Dr. Stresemann, der durch Staatssekretär Dr v. Schubert vertreten ist, auch Sir Austen Chamberlain und der rumänische Auhenminister Titulefcu. England ist durch seinen interimistischen Auhenminister, Lord Cushendun, und Rumänien durch seinen ständigen 'Vertreter beim Völkerbund, Anto- n i a b o , vertreten. Frankreich ist bis zur Ankunft B r i a n b s, ber am Sonntag erwartet wirb, durch Paul-Boncour vertreten
In ber üblichen nichtöffentlichen Eröffnungssitzung würben zunächst verschiedene Verwaltung», technische unb Budgetsragen nach ben Vorschlägen bes Generalsekretärs genehmigt unb bie Ernennung de» englischen Generals ft i r ro a n zum Präsidenten de» Inve st igations-Komitees für Ungarn vollzogen. Der bisherige Vorsitzende, der eng- lische General E l i o e, hat wegen persönlicher Der- Hinderung vor einiger Zeit den Vorsitz vor Ablauf seine» Mandate» niedergelegt.
Aus der Tagesordnung der anschliehenden öffentlichen Sitzung stehen Berichte über die Sitzung des Weltlehrfilm-Institutes in Rom, über die Tätigkeit de» Wirtschaftstomitees des Völkerbundes, über die Zusatzkonoention für Aushebung der Au»- und Einfuhrverbote und -bcschränkungen und die Genehmigung der von der Lustsahrtkommis- sion vorgeschlagenen internationalen Flugverkehrsordnung.
Zu Beginn der nichtössentlichcn Sitzung gab der neue Ratspräsident, der finnische Auhenminister Procope, seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, dah Sir Austen Chamberlain an den bevorstehenden Arbeiten nicht teilnehmen kann, und dah Reichsauhenminister Dr. Stresemann abermals gesundheitshalber verhindert ist, an ben Beratungen teilzunehmen Gleichzeitig gab er seiner Befriedigung darüber Ausdruck, dah B r i a n b, der bekanntlich an der Iunilagung des Rates ebenfalls au» Gesundheitsgründen abwesend war, nunmehr roiederhergestellt ist. Auf seinen Antrag erhielt er vom Rat die örmadyigung, an Reichsauhenminister Dr. Stresemann und an Sir Austen Chamberlain Vegrühungstelegramme mit dem Wunsche baldiger Genesung zu übermitteln. Dem von den Vertretern Deutschlands und Eng- lands ausgesprochenen Danke fügte Staatssekretär v. Schubert hinzu, dah Reichsauhenminister Dr. Stresemann ganz besonders bedauere, an den bevorstehenden Beratungen nicht teilnehmen zu können.
Der Dolkerbundsrat hat in seiner nichtöffentlichen Sitzung den seit "Beginn des wahres unbesetzt gebliebenen Posten des Direktors der M i n derhe i ten- Abteilung des Dölkerbundssekretariotes dem Beamten des spanischen Außenministeriums Aguirre de Garer übertragen. Bekanntlich war der erste Leiter der Mind.rheiten-Abieilung der Rorweger C o l- ban. der nach dem Ausscheiden des Leiters der Abrüftunzsabt'ilung. des Spaniers Madariago, dieses Amt übernommen hatte.
Auherdem beschloh der Rat in feiner nichtöffentlichen Sitzung, über den ungarischen Antrag auf Weiterbehandlung des ungarisch-rumänischen Optanten st reiteS in der jetzigen Ratstagung erst in den nächsten Togen zu entscheiden da die rumänische Regierung beule vorrn f.ag bereite e.ne neue Mitteilung in d eler Angelegenheit dem Völkerbund zugeste'lt hat.
Schließlich wurde die Beantwortung des Briefe^ der Regierung von Eostarica. in dem die Rückkehr üostaricas in den Völkerbund von einer authentischen Auslegung d:r Monroe- Doktrin durch den Völkerbund abhängig gemacht wird, dem BatöoräfL'enten übertragen, der für die nächste, bereits Witte September beginnende Ratstagung einen Entwurf ausarbeiten soll.
Oie erste öffentliche Sitzung.
Gens, 30.Bug. (WB.l In bem neuen Ratssaal, ber nach bem von Rcichsminister bes Aeußeren Stresemann vor Iodres'rift angeregten Umbau nunmehr bopptit so vicl Platz bietet als früher, begann kurz vor zwölf Uhr die erste öffentliche Sitzung ber 51. Ratstagung. Der erste Punkt der Tagesordnung galt dem Bericht des Ausfchusies für die tonschreitende ft obisizie- rung des internationalen Rechts, in dem in bezug auf ben von Frankreich vor eineinhalb Jahren beantragten Abschluß einer internationalen Konvention gegen die Falschmünze- r e i von unmittelbaren Mahnahmen Abstand ge
nommen, dagegen xur Erleichterung de» Kampfe» gegen bie Falschmünzerei bie Anregung gemacht wird, bie Auslieferung ber Falschmünzer international VI regeln. Ber zweite Punkt der Tagwortmunq zur Genehmigung ber Satzungen be» von ber italienischen Regierung angebotenen We111ehr» film-Institut» in Rom gab Aniah zu einer längeren Aussprache »wischen dem italienischen Ratsmitglied 6c ia Io ja unb bem Direktor be» Internationalen Arbeitsamt», Albert Thoma», brr bie in den Satzungen des Instituts vorgesehene Mitarbeit des Internationalen Arbeitsamt» al» ungenügend kritisierte. Er wurde unterstützt von Paul-Boncour, ber für bie satzungsmähige, ftänbige Vertretung des Arbeitsamts im Dermal- tungsrat des Weitiehrfiim-Instituts plädierte. Der Rat ftiminte jedoch der Auffassung Sciaiojas zu, wonach die Vertretung des Arbeitsamtes in allen in Betracht kommenden Stellen ausreichend gesichert ist.
Staatssekretär v. Schubert legte unter Zustimmung zu den vorgeichlagenen Satzungen Artikel 2 dahin au-, dah eine eigene Filmproduktion deS Deltlehrsilm-Instituts nicht in Betracht kommen kann, und gab die Srklärung ab. dah die deutschen Lehrsilmproduzenten sehr gern am Werke des Instituts Mitarbeiten tocr- den. Die weiteren Punkte der Tagesordnung über den Tätigkeitsbericht des Wirtschaftskomi-
Gntschltehung trat der ftmigreh bt bie Behänd- lang des zweiten Punktes der Tagesordnung ein. der der Besprechung der kulturellen Arbeiten der Minderheiten und ihoer kulturellen "Beziehungen zu den Stammvölkern gilt.
KeineEinigungüberdieKontrolle der Rüstungsindustrie.
Genf. 30. Aug. IWTB.) Der unter dem Vorsitz Graf Dernstorffs stehende Sonderau», schuh für die Ausarbeitung einer Konvention über die Kontrolle der Rüstungsindustrie hat heute nachmittag seine zweite "Tagung abgeschlossen, ohne den von der Versammlung verlangten Konvention Steft dem DölkerbundSrat zwecks baldiger Einberufung einer internationalen Konferenz vorlegen zu Tonnen. Der im Frühjahr 1927 auf der ersten Tagung auegcarbeitctc Borentwurf hat zwar inbe- zug auf die Bewerkstelligung der Kontrolle durch die halbjährliche Bekanntgabe aller Regierung»- lizenzen nicht unwesentliche Veränderungen er- fahren Zu diesen Veränderungen wurden jedoch verschiedene Vorbehalte angemeldet, während die früheren Vorbehalte nicht zurückgezogen wurden. Der ungewöhnlich knappe Bericht über die soeben abgeschlossene Tagung besagt lediglich, dah
prof. Werner ans der Oeutschnatwnalen
Volkspartei
Der hessische Landtagsabgeordnete unb frühere langjährige Reichslagsabgcoebnete profesior Hin- ner-Giesten teilt ber ^Deutschen Zeitung" mit, bah eransberventschnationalenvolk»- pnrtei ausgetreten ist.
wie wir auf Anfrage bei Herrn Abgeordneten Professor Werner hören, Ist sein Austritt au» der Deutschnationalen Volkspartei erfolgt, weil er mit der Haltung der ventschnatlo. na len Beichstagssraktion In wesentlichen polnischen Fragen sAuswertungsangelegenheU, Auswärtige Politik, völGche Jrage. Beteiligung an der Regierung, der er als entschiedener Gegner von vornherein gcgcnübcrflanb, weil er eingesehen habe.
ausgetreten.
bah damit die Veutschnattonale Partei eine Schwenkung vornehme, die verhängnisvoll werden muhte) nicht Überein stimmte. Vie Sache Lambach hat, wie Herr profesior Werner besonder» betont, mit seinem Austritl au» der Deutschnationalen Volkvpartei an si ch nicht» zu tun, er halte aber die Entscheidung be» Obersten partei- gerichk» für eine Schwäche; sein Austritt aus ber veutfchnationaten Bolkspartei war bereit» erfolgt, ehe da» parteigericht tagte, profesior Werner wird sich zunächst keiner anderen Partei anschtiehen, er wird aber sein Mandat beibehalten, um e» in gleichem Sinne wie seit vielen 3obren auszuüben.
tecs und über die im Juli von rund 25 Staaten unterzeichneten Schlustprotokolle zur Aushebung ber Sin- und Ausfuhrverbote, worüber das deutsch« Ralsmitglied berichtete, gaben zu keiner Aussprache Anlah. Ratspräs.dcnt Procope betont, dah mit bem erfolgreichen Abschluß der Heiden Protokolle zur Regelung des Handels auf dem internationalen Häute- unb Knochenmarkt erstmalig durch einen Kollektivvertrag ein internationaler Zollsatz vereinbart worden ist. Der Bericht über die internationale 5Lugoer- kehrsordnung wurde auf eine spätere Sitzung vertagt. Die nächste Ratssitzung findet morgen vormittag statt. Heute nachmittag tritt da» Sreierf omitee des Rate» für Min - herbeitenfragen zur Besprechung über die Beschwerden des Deutschen VolkS- b u n d e s zusammen.
Minderheiten-Entschließung gegen den Völkerbund.
Genf. 30. Bug. (WB > Der Minder hei- tentongreb hat heute vormittag zu dem Thema .Die Lage der Minderheiten und der Völkerbund" eine Entschließung angenommen, in der die vom Völkerbund übernommenen Garantien nicht als abgeschlossen. sondern a>S erster Ansatz für internationale Maßnahmen zur Anbahnung einer ftaatspvtiiischen v5u1ammenarbeit zwischen den Mehrhciis- und Mrnderheitsnationalitäten bezeichnet werden Die Entschließung wendet sich ferner gegen die unzureichende Gestaltung deS Bes chwc rdevcrf a hrenS unb gegen die mangelhafte Da brnehmung der vom Völkerbund gegemtber ben Minderheiten übernommenen Verpflichtungen. Sie spricht insbesondere die "Besorgnis des Kongresses wegen der Assimilationstheorie aus. die den ursprünglichen, für den Bestand ber Minderheiten entscheidenden Sinn der Minder- bettenoenräge in Zweifel ziehe bzw. in fein Gegenteil verkehre.
Die Rcubcfehung be» Postens bes Direktor» der 1 Minderheitenableilung im völkcrbundssekreta- riat, die soeben ohne Rücksicht auf die Objeftioi- tälsgarantie erfolgt fei. lasse In besonder» beunruhigendem Mähe die Befürchtung aufkommen. dah da» völkerbundsfekretariat künftig seinen vorbereitenden Ausgaben nicht gerecht werden könne.
Der Minberhertenkongrest erklärt deshalb, dah daS Vertrauen ber vierzig Millionen Seelen umfaTcnbcn nationalen Mrnterhe.ten j u m B ölte rb unb als Garanten der Minderheirenrechte schwer erschüttert sei. Rach Annahme dieser
der Ausschuß versuchte, bie verschiedenen Standpunkte einander näherzubringen, dah aber nach der neuen Tagung nichts anderes übrigbleibe, als sestzustellen.
dah grundlegende Meinuiig»verfchiedcmheiten wciterbestehen, und dah ee dem Au»schuh nicht möglich ist, dem Hal und der Versammlung den verlangten Linheit»teik1 vorzulegen.
Für die deutsche Delegation gab Graf Bemstorff in ber heutigen Schlußsitzung eine Srklärung ab. dah die deutsche Delegation bie früheren Vorbehalte ebenfalls aufrechter halte. Er stellte fest, dah ein Konventions- enttourf. der auf Rüftungsangaben und auf Angaben bes Wertes der Rüstunasgegenstänbe beruhe. keineswegs für ben Abfchluh ber geplanten Abkommen bienen könne. Die beutfche Delegat io n könne nur einem Gntwurf zustim - men, ber in Ausführung beS Mandates der VölkerbunbSvcrsamrnluna eine vollständige Waffenhandels-Konvention bilde und demgernäh auher der Angabe der RüstungS- auSgaben bzw. deS Werte- auch genaueSin* zelheiten über die Zahl und daS Gewicht der einzelnen Kategorien deS hergestellten Ziriegs- maleriaie vorfehe. 3n feiner S-genfchaft als Prätident deS Ausschusses fügte Graf "Bemstorff hinzu, dah ereinbesfereS Ergebnis gewünscht hätte. Leider sei eS nicht möglich gewesen. zu einem Einheitsentwurf zu kommen. Er gebe aber die Hoffnung nicht aus, dah bei der bevorstehenden Beratung deS jetzigen Ergeb- nisfes durch die Völkerbundsversammlung eine Klärung erzielt werde, durch die der SonderauS- schuh bei der neuen Tagung zu einem solchen Ergebnis komme, dah der Rat zur baldigen Einberufung der Konferenz fchreiten könnte.
Stresemann an die Völkerbundsjournalisten.
Genf, 30. Aug. (TBB) Reichsauhenminister Dr. Stresema nn hat an ben Verband ber beim Völkerbund beglaubigten Journalisten für die chm telegraphisch übersandten Wünsche für feine Wiederherstellung einDank - telegramm geschickt, in dem es u. a. heißt:
„Da» Zusammenarbeiten mit der Presse der verschiedenen Rationen ist mir stets eine Genugtuung gewesen. Gern denke ich an jene Zusammenkünfte Ihrer Association in Gent, auf denen die Empfindungen für die Zusammenarbeit ber Rationen in richtungweisenden Ausführungen -um Ausdruck kamen. Ich bedauere am meisten an der diesjährigen Tagung des VöllerbunbeS nicht teilnehmen -u können?


