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StresemannS Verfcht fn Berlin.

Berlin, 30. Kng. (prioahnelbung des IDIB.) Lelchskavzler Müller Ist Henle vormittag durch einen Beauftragten des Auswärtigen Amtes über den Inhalt der Unterredungen Vr. Slrefemannt mit Brlanb und Poiu - c a 14 schriftlich und mündlich unterrichtet morden. Relchsminisier des Aeußern Br. Strefemann wird dem Reichskanzler in Baden-Baden, auf der Durchreise des Reichskanzler» nach Genf, noch er gänzende Mitteilungen über die Unter­redungen mit Briand und Poincore machen.

Der Bericht bestätigt, wie dosB. I." erfahren haben will, daß poincarL die Räumung der dritten Zone mit der endgültigen Regelung des Reparoliousprobleme» verbunden wissen will, an die man jedoch der amerikanischen Präsi- dentschoflswahlen wegen schwerlich vor Beginn de» nächsten Iahre» herantreten könne. In bezug auf die zweite Zoue sei die Auffassung PoincorL» jedoch weniger ffart; doch müsse in dieser Teilfrage die JnittaNvc der französischen Regierung überlassen werden. Ls könne kaum bezweifelt werden, daß die Räumungsfrage in Genf eine Rolle spielen werde.

Das Befinden Dr. StresemannS.

Berlin, 30. Aua. (Priv.-Del. des WTB.) Heute früh ist Professor Dr. Zondeck in Ber- lin eingetroffen. Auf Befragen nach dem Be­finden Dr. 6 Iresemanns äußert« sich Pros. Zondrk lautCB. T" folgendermaßen^ Dr. Strefe- maim hat die Reise nach Pari« gut überstanden und sich den Anstrengungen, die mit dem Aus­enthalt dort verbunden waren, gewachsen ge- füBLL Der Erholungsurlaub deS Mi­nisters in Baden-Baden, der auf einige Wochen berechnet ist, soll dem Zweck dienen. Rück- fällen vorzubeugen. Ohne Zweifel hat die vorzeitige Ueberanstrengung des MintsterS In Oberhof das Fortschreiten der Besserung in seinem Befinden aufaehalten. 3n Baden-Baden wird der Minister, ohne eine Kur zu gebrauchen, sich noch größte Schonung auferlegen.

Lord Cushendun über Rüstungsfragen.

Genf, 30. Aug. (TU.) Der Vertreter des engli- schen Außenministers Chamberlain, Lord Cushen - dun, machte am Donnerstag gegenüber den in Genf anwesenden Vertretern der englischen Presse einige Mitteilungen über die Haltung Eng­lands zu den verschiedenen zur Verhandlung kommenden Fragen. Er unterstrich zunächst mit un­gewöhnlichem Nachdruck die Bedeutung der von Chamberlain in den letzten Jahren eingenom­menen Haltung gegenüber dem Völkerbund. Cham­berlain sei derjenige Außenminister, der bisher aus­nahmslos an allen Tagungen des Rates teilgenom- mcn habe, ob nun hierbei wichtige Fragen zur Der- Handlung geständen hätten, oder nicht. Die Würdi­gung der Arbeit und der Bedeutung des Völkerbun­des durch die englische Regierung wirke gleichzeitig auch ermutigend auf die übrigen Staaten, der Ar­beit des Völkerbundes praktische Bedeutung beizu- messen. Der Völkerbund habe bisher erhöhtes An- sehen durch die Tatsache gewonnen, daß die Außen- Minister der Großmächte stet» persönlich an den Tagungen des Rate» teUgenommen hätten. Wenn da» diesmal nicht der Fall fei, so bedeute da» in keiner Welse, daß hierdurch eine Einschränkung der Bedeutung der Tagung und der auf der Tagung zu fässenden Beschlüsse erfolge. Er sei vom König als der Stellvertreter Chamberlains auf der Rats- tack>ing ernannt worden und habe Vollmachten zu gl«Dchen Entscheidungen und Beschlüsse, wie sonst der englische Außenminister.

Zu der Abrüslungsfrage erklärt Lord Lushen- bun, e» bestehe gegenwärtig die große Gefahr, daß die Völker nach der Unterzeichnung des kriegsoerzichtpaktes zu große Fortschritte aus dem Gebiete der Abrüstung erwarteten. Es sei eia großer Fehler anzunehmen, daß jetzt nach der Unterzeichnung des Pakte» alles getan fei.

Die Entwicklung gehe nur langsam vor sich und zeitige nur allmähliche Fortschritte. E» sei weiter * in großer Fehler anzunehmen, daß die Unterzeich­nung des Kriegsoerzichtpaktes unmittelbar Wirkun gen Hervorrufen wurde. Die Abrüstung werde viel langsamer vor sich gehen und länger dauern als angenommen werde.

Es sei nicht z u erwarten, daß die Völker nach der Unterzeichnung des stelloggpakles nun­mehr ihre Rüstungen selbst zertrümmern würden.

Auch die Lösung des ungarisch rumänischen Optan- tenstreites und der polnisch-litauischen Auseinander setzuna könne nur mit der Zeit erfolgen. Es müße eine Lösung gesunden werden, die für beide Teile unnehmbar sei. Unter keinen Umständen dürsten die im Dälkerbundspakt vorgesehenen Maßnahmen in diesem Fall ergriffen werden. Es müsse eine Rege­lung gesunden werden, die als eine wirklich gerechte und endgültige Entscheidung anzusehen sei.

Aach einer Meldung des Reuterfchen Bureaus aus Genf erklärte der britische Delegierte zum Bölkerbundsrat. Lord Cushendun. eS feien viele Vermutungen angestellt worden und Miß- verständnisie entstanden über das englisch- franzöf is che Flottenabkommen das gar fein Abkommen Im eigentlichen Sinne deS Worte- und auch noch nichts Endgültiges sei. Bei den Genfer Abrüstungsoerhandlungen sei zwischen England und Frankreich eine Meinungs- verfchiedenbclt über die Grundsätze einer Flotten- abrüstuna entstanden. Es sei keine Rede von der Größe oder der Zahl der Kriegsschiffe, die später geregelt werden würde. Die Länder feien teils der Ansicht Großbritanniens, teils der Ansicht Frankreichs Grundsätzlich unterstützten die Ber­einigten Staaten von Amerika eher den Stand­punkt Großbritanniens als denjenigen Frank­reichs.

Da» englisch-französische Flottenkompromiß sei der amerikanischen, der italienischen und der japanischen Regierung milgetcilt worden.

Denn diese mit ihm überein stimmen, schloß Lord Cushendun. dann hoffen wir. doO die vorberei­tende Abrüstungskommifion in ihrer nächsten Tagung das Äebereinkommen al» Grundlage einer Flotte nabrüftung annebmen mied On dem llebcrcintemmcn find mir vier bis *ünf kurze technische Klauseln entbalten. dagegen keine De hetmklau sein, noch irgendein Ab­kommen für eine Flottenallianz, oder em

Hugo Stinnes verhastet.

Berlin, 31. Aug. (Priv.-Teb deS WTB.) 3m Zusammenhang mit der Untersuchung über u m - fang reiche Kriegsanleiheschiebun­gen, die schon fett längerer Zeit die Berliner Staatsanwaltschaft beschäftigte und rn die auch der Privatsekretär von Hugo S tinnes junior, von Waldow. verwickelt wurde, war vor einigen Tagen auch gegen Hugo Stinnes die gerichtliche Voruntersuchung eröffnet worden. Gestern wurde Stinnes vom Unter­suchungsrichter des Landgerichts I Berlin verhört und ei ru einen Personen gegenübergestellt. Auf Grund deS Ergebnisses dieser Gegsnüberstel- lungen hat sich wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, der Untersuchungsrichter ent­schlossen. Haftbefehl gegen Hugo Stin­nes wegen dringenden Verdachtes des versuchten Betruges und wegen DorliegenS von Verdunke- linigSgefahr zu erlassen. S tinneS wurde tn das Untersuchungsgefängnis in Moabit ein» geliefert.

Heber die Vernehmung von Hugo Stinnes berichtet daS .D. T." folgende Sin,;,beiten: Rachdem Hugo Stinnes j r. etwa !'/, stun­den vom Untersuchungsrichter allein zu dem Thema der Kriegsanleiheschiebungen nemnrrunen worden war. wurde der im Berliner älnteriuchunysgetängnis in Haft sitzende frühere Privatiekretär von Stinnes jr.. o. Waldow. vorgeführt, und es fand vor dem älntersuchungs- richter eine Gegenüberstellung zwischen v. Waldow und Stinnes statt, in der es zum Teil zu recht erregten Auseinandersetzungen zwi­schen den beiden Beschuldigten gekommen fein soll. v. Waldow soll mit aller Bestimmtheit erklärt haben, daß Hugo Stinnes In feilten lv. WaldowS > Plan voll eingewciht war. daß er in wesentlichen Punkten selbst die 3 n i - fiat ine ergriffen habe, und vor allen Dingen erklärte v. Waldow. daß er niemals im» ftande gewesen fei, die KriegSanleihe-

schiebungspläne in Angriff <u nehmen, wenn er nicht die finanzielle Unter­stützung Hugo Stinnes' gehabt hätte. Wie verlautet, soll StinneS schließlich auch eln- gestanden haben, daß er in verschiedenen Punkten von den Geschäftspraktiken WaldowS unterrichtet worden fei. Stinnes habe weiter zugeben müssen, daß er selbst in der ganzen An- ge^genheit genau Bescheid wußte und daß ihm auch die Geschälte v WaldowS die er selbst finanziert hatte genau bekannt waren. Waldows Stellung zu Hugo Sttnnes war in der KriegSanleihenaffäre die eines Pagen zu seinem Herrn. Aus diesem Grund: ist auf An­trag des Rechtsanwalts Dr. Sh le r S für morgen mittag ein HaftprüfungStermin für v. Waldow anberaumt worden.

Richt nur das Ergebnis der Gegenüberstellung mit seinem Mitbeschuldigten v. Waldow. son­dern auch die Bekundungen anderer Zeugen und Beschuldigter, die vom Untersuchungsrichter im Laufe des Rachmittag- vernommen worden waren, führten dazu, daß der Untersuchungs­richter am Schluß der Vernehmung Stinnes den Haftbefehl gegen ihn erließ. Denn der Untersuchungsrichter. Dr. Brühl. sich gestern entschlossen hat. Hugo Stinnes zu verhaften, so sind die Motive darin zu suchen, daß sich der KreiS der Verdächtigen und in die KriegSanleiheschiebungSangelegenheit Verwickel­ten durch die Vernehmung Hugo StinneS noch wesentl i ch vergrößert hat und daß dar­aus Verdunkelungsgefahr geschlossen werden muh. Zn Mülheim soll StinneS im Ver­lauf des Mittwoch sehr wichtige und daS Ver­fahren gegen ihn betreffende Besprechungen mit Persönlichkeiten gehabt haben. die als Mit­schuldige in Betracht kommen. Hm jede wei­tere Verbindung mit diesen Leuten abzuschneiden, hat der Untersuchungsrichter die Verhaftung Hugo Stinnes veranlaßt.

Der SparWenskandal in St. Ingbert.

6 t. Ingbert, 30. Aug. (WTB.) Der Kauf­mann Julius Blatt, Inhaber der Firma Blatt & Co., einer Zweigfirma der Baltiawerke in Heidelberg, einer Fahrradgabelfabrik, ist gestern verhaftet worden. An diese Firma hatte die Sparkasse St. Ingbert über 4 Mil- Honen Mark Kredit gewährt, obwohl ihre Finanzen schon damals völlig zerrüttet waren. Es wurde ferner die Staatsanwallschaft in Augs­burg ersucht, den Inhaber der dortigen Firma Pircher, den Bruder des verhafteten Finanzrates Pircher, fest zunehmen, der die treibende Kraft bei der Verteilung der Kredite gewesen fein soll. Ihm selbst wurden für etwa 1 Million deckungslose Kredite gewährt. Auch in Heidelb erg steht die Verhaftung der Inhaber der Balliawerke bevor.

Wie dieWestpsälzische Zeitung" meldet, hatte der Präsident deS LcmdeSrates, Öd?eurer, gestern mit dem Mitglied der RegieruugSkom» Mission für Finanzen. Morice, eine Unter» redung über die Frage, wie der Stadt St. Ingbert geholfen werden könne. Morice teilte mit, daß er tn den nächsten Tagen ganz bestimmte Vorschläge der RegierungSkommisswn unterbreiten werde, die geeignet seien, unverzüglich wirksam« Hilf« zu bringen, und zwar besonders den Sin» legetn von Sparkassen aeldern, dem Handwerk und der Geschäftswelt. Die endgültigen SanierungSmahoahmen können erst nach Abschluß der sehr komplizierten Revisionen eingtieitet werden, die vorauÄichtlich noch drei Monate in Anspruch nehmen werden.

Wie bereits gemeldet, hat die RegierungS- kommission der Stadt St. Ingbert einen Vor­schuß von 1/« Million Franks unter aewissen Kontrollbedingungen zur Verfügung ge­stellt, um die notwendlgen gesetzlichen Ausgaben der Stadt zu bestreiten. Die Regierungskom­mission hat in ihrer heutigen Sitzung außerdem beschlossen, mit der Stadt 6t. Ingbert, der Stadtsparkasse und der Bezirkssparkasse 6t. Ina- bevt in Verhandlungen elnzutreten mit dem Ziele, mit Hilfe eineS Darlehens der Regierungskom­mission die Spareinlagen bis zu einem Be­trage von 60 000 Franks oder deren Gegenwert siche rzu stellen.

Die Regierungslommission hat ferner, um wirt­schaftlichen Rachteilen aus Anlaß der Vor­kommnisse bei der Slabtsvarkassc 6t. Ingbert möglichst vorzubeugen, die sofortige Einführung des deutschen Gesetzes vom 5. Iuli 1927 über den Vergleich zur Abwendung des Konkurses (Vergleichsordnung) in Form einer Rotverord­nung beschlossen. Die Regierungskommission wird weiterhin bestrebt sein, sobald die Verhältnisse eS erlauben, eine Lösung zu ermöglichen, welche sowohl den Rechtsansprüchen der Gläubiger der 6tabt alS auch den finanziellen Möglichkeiten der Stadt Rechnung trägt. Die disziplinar- r echtlich en Maßnahmen wird die Re- gierungskommissivn treffen, sobald daS Ergebnis des eingeleiteten Strafverfahrens gegen Pircher und Gen. vorliegt.

Zusammenarbeiten der Flotten. Richts der­artiges ist jemals angeregt worden.

Kelloggs Vesuch in Dublin.

London, 30. Aug. (TU.) Staatssekretär Kellogg ist am Donnerstag an Bord des ame­rikanischen Kreuzer- .Detroit" in Kings­town eingetroffen. An Bord deS Kreuzers wurde Kellogg von dem amerikanischen Ge­sandten Sterl i n g . dem irischen Verieidi- gungsminister und anderen Kabinettsmitgliedern begrüßt. Rach der Ankunft in Dublin begab sich Kellogg zunächst zum Irischen Jachtklub, wo eine Willlommensadresse verlesen wurde. Am Rachmittag begab sich Kellogg nach dem Stadt­haus. wo chm das Ehrenbürgerr echt von Dublin verliehen wurde. Bei der Ueberreichung deS Ehrenbürgerbriefes erklärte ein Vertreter des StabtraleS, daß Dublin eS sich zur höchsten Ehre anrechne. Kellogg zum Ehrenbürger ernen­nen zu können. Der erfolgreiche Abschluß des nach ihm benannten Paktes zur Sicherung des Friedens habe Kellogg di e Dankbarkeit der ganzen Menschheit für alle Zeiten gesichert. Kellogg sagte in feiner Antwort, er habe zwar stets in Amerika zu Iren in Be­ziehung gestanden, sei sich aber stets bewußt ge­wesen. daß er nach Irland gehen müsse, um den Herzen deS Volkes näherzukommen. Die ihm er­wiesenen Ehren bedeuteten in Wirklichkeit eine Ehrung des amerikanischen VolleS.

Dublin zeigt seit Donnerstag früh außerordent­lich reichen Flaggenschmuck. Die Bevölkerung nimmt an dem Empfang regsten Anteil.

Trinksprüche CoSgraves und Kelloggs.

Auf dem 6taat6banfctt zu Ehren Kellogg» in Dublin bezeichnete Präsiden! Corgruoe in fei­nem Trinkspruch die Annahme des Kellogg- Paktes als ein Symbol des internatio­nalen Friedens. In feiner Antwort erklärte Kellogg, es habe militärische Verteidigungsbünd­nisse und Schiedsgerichtsbarkeit gegeben, aber die llnterzeichnuna des Paktes sei die crfte Gelegenheit, bei her sich die großen Rationen zufammentaten unb ihren Namen feierlich unter ein Dokument fetzten, in dem sie sich gegen den Krieg verpflichten. Er glaube, daß dies eine tiefe moralische Wirkung auf bie Welt haben muffe.

Einige Staatsmänner allein könnten nicht den Frieden vollbringen, aber wenn bie Völker der Erde en »schloff en feien, daß Frieden herrschen fall, bann werde Frieden herrschen.

(Fr freue sich, daß er innerhalb der legten 48 3tun- hen non acht oder zehn Rationen die Mitteilung erhalten habe daßie bereit sind, dem Vertrage zuzufttmmen. Er hoffe unb glaube, baß fo gut wie

alle Rationen der Welt sich diesem feier­lichen Antikriegspakt anschließen wer­den. Wenn man die vier Jahre des letzten furcht­baren Weltkrieges, der Europa hcimfuchte, über­blicke und an die Millionen auf dem Altar des Krieges geopferten Männer, an di« zerstörten Heimstätten, an die vernichteten Hoffnungen unb vernichteten Nationen denke, fei cs bann ein Wun­der, daß die Welt Frieden wünsche?

Chamberlains Erholungsreise.

London, 30. Aug. lWTB.) Sir Austen Chamberlain ist heute früh nach Liver­pool abgereist, ton er sich für eine lange Er­holungsreise einschijfen wird. Er sah blaß ouS und hatte müde Züge. Er trug den durch neu­ralgische Schmerzen geschwächten linken Arm m einer Binde, ging langsam und stützte sich auf seinen ältesten Sohn. Man mußte ihn fast in den Eisenbahnwagen hinaustragen. Seine Reise wird ihn nach dem Panamakanal führen. Die Rücllehr erfolgt über San Franzisko und Montreal. Seine Frau, fein zweiter Sohn und feine Tochter begleiten ihn.

Bei feiner Ankunst tn Liverpool wurde Cham­berlain im Rollstuhl vom Bahnhof nach dem Kai gefahren und von Matrosen an Bord deS Dampfers getragen. Lady Chamberlain er­klärte, daß die Bahnfahrt den Staatssekretär in­folge feiner neuralgischen Schmerzen sehr ange­strengt habe.

Briand an Kellogg.

Paris, 30. Aug. (DB.) Außenminister Bri­and hat dem amerikanischen Staatssekretär Ke l- lo gg für sein beim Verlassen des französischen Bodens von ihm gesandtes Telegramm in einem An i Worttelegramm gedankt und seiner­seits der Erwartung Ausdruck gegeben, daß daS durch die Unterzeichnung deS KriegSächtungs- paktes vollbrachte Werk eine neue Aera der internationalen Beziehungen «inlei- ten werde.

Außenminister Briand hat auch von Ge­neral Prlmo de Rivera «in Telegramm erhalten, in dem dieser Briand, Kellogg und alle die. di« Kopf und Herz in den Dienst der edlen Arbsit am Weltfrieden gestellt hätten, beglückwünsch!.

Sachsen gegen die Lufthansa.

Berlin, 31. Ang (Priv.-Tel. des WTB.) Die sächsische Regierung hat It ..Ger­mania" an Ire Lufthansa etn Schreiben ge­richtet. in dem sie mitteil:, daß sie weitere Mittel für den deutschen Flugver­kehr nicht mehr zur Verfügung stellen könne.

weil d^e PuftiA' rpeprAww ifkpe per nunvvv ö a eg» fen vom Reiche in keiner Weis« berürf- sichtigt würden. Das Schreiben ist auf Grund eines Beschlusses des sächsischen Geiamtmini. fteriumS abgriaht unb abgesandt worden. Der -Deutschen Allgem. Zeitung" zufolge wird am 6. September im Reichsveriehrsministerium «ine Besprechung dec interessierten Kreise statt­finden, und man hofft, daß der Streit durch diese Besprechung in einer alle Teil« zufriedenstellen­den Weise beigelegt wird.

Vor wenigen Tagen ist ferner lautLokonz." beim Reichsverk-Hrsminifrerium ein Schreiben der bayerischenRegierung eingegangen, in dem bas Rcichsverkehrsministerium u. a. aufgeforbert wirb, bie rechtlichen Gründe zu nennen, aus denen der Nordbayerifchcn Luftver- kehrsgefellfchaft Nürnberg bie Konzes- f i o n für einen MesseoerkeHr versagt wurde. Die bas Blatt weiter mitteilt, finb beim Neichsnerkehrs minifurium keinerlei Mittel vorhanden, um die durch einen eventuellen Ausfall der sächfi schen Subventionen entstehende Lücke auszufüllen. Die Lufthansa mürbe daher für den Fall, daß keine Einigung zustandekommt, roahr- scheinlich gezwungen fein, bie fächsifchen Li« nien sti 11 z u l e g en.

Kommunisten " - und Panzerkreuzerbau.

Berlin. 30. Aug. (WTB.) Heute ist mittel­em geschriebenen Briefes der gemeinschaftlich vom Zentralkomitee der Kommunistischen Par­tei Deutschlands, der Bund«Sführuna des Ro­ten Frontkämpferbunbes und dem kom­munistischen Iugendverband Deuttch- lands gestellte Antrag auf Zulassung eine# Volksbegehrens zugunsten eines Sntwurfes tineS Gesetze- über ein Verbot deS Bauens von PanzerfchiffenundKreuzernbeim Reichsminifrerium des Innern eingegangtn. Der Text des Gesetzentwurfes, der für dos Volksbe­gehren zugelafscn werden foll, besteht aus fol­gendem einzigen Artikel:

.Der Dau von Panzerschiffen und Kreuzern jeder Art ist verboten/

AlS Vertrauensmann Ist benannt M. d. R. Pieck, als Stellvertreter W. d. R. Muen- zen berg. Die formelle und fachliche Prüfung deS ZulafsungSontrageS ist in Angriff genommen.

Professor Franz Stuck f-

München, 31. Aug. (WTB. Funkfpruch.) Im Alter von 65 Iähren ist gestern abend der Akademieprosessor Geheimrat t*$ r a n » Ritter von Stuck infolge eines Herzschlages ge­storben.

Franz Stuck wurde am 23 Februar 1863 in Tettenweis (Riederbayern) als Sohn eine- Mül­lers geboren. Rach Absolvierung der Realschule kam er auf die Kunftgcwerbeschule in München Zum Erwerb genötigt, mußte er viel Zeit auf Zeichnen und Illustrieren verwenden. Bekannt wurde er durch seine Zeichnungen in den .Flie­genden Blättern". 1882 biS 1884 entstanden fehle . Allegorien und Embleme". Sem zeichnerisches Hauptwerk sind die .Karten und Vignetten" und die , Zwölf Monate". AlS er zu malen begann, betrachtete man ihn mit Kopffchütteln und Ver­blüffung. Erst auf der Ausstellung fm GlaSpalaft wurde dem Künstler die gebührende Anerken­nung zuteil. Er erhielt für feinen .Wächter des ParadiefeS" eine Medaille. Man begann Ach­tung vor seiner Eigenart zu haben. Trotz feiner Iugend wurde er zum Akademleprvsefsor er­nannt. 1890 war fein Hauptbild in der zweiten Münchener IahrcsauSstcllung .Luzifer". Reben ihm wurden viel genannt .Reckerei", .Die Be­lauschung", .Die Rivalen". .Rach Sonnenunter­gang" und ^LiebeStoller Zentaur". Reben griechi­schen Motiven wählte er auch christliche. So die .Pietö" und .Kreuzigung". Aus sie folgte .Der Krieg", das Bild. oaS Stuck- künstlerifchrn Höhepunkt bedeutete, das ihm. ebenso wie ,Mc Sünde" starken Erfolg eintrug. Auch al- Land­schafter hat Stuck Hervorragendes geleistet, wie feine Gemälde .Abendlandfchalt . .Einöde". .Abend am Weiher" und andere beweisen.

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rLc.tcrvoraussage.

Der Rückfriteneinsluß der abzichenben Störung führt in unserem Gebiet noch zu vereinzelten Niederschlägen und zu weiterem Sinken bet lern- peraturen. Inzwischen hot sich dos atlantische Hlxbbrvickgebiet aut dem Kontinent auö geb reitet. SS wird unS zunächst ruhigeres und auchridernde- Detrer bringen.

Dorherfag« für Samstaa' Bortoieflcnt heiteres Wetter, trocken, nachts kichft.

Vorhersage f ü r Sonntag: Zunächst noch wenig Aenderung.