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solchen Höhe. Laß man bei den Oafthrmem ruhig von Kunstturnen reden tonnte, aber auch die einheimischen Turner zeigten, dah ihr Äönnen auf einer solchen Stufe steht, dank der rührigen, zielbewuhten Arbeit des Obrrturnwarts Ra­benau. Reben den Vorführungen der Turner wurden noch gezeigt die Freiübungen für das Deutsche Turnest und vom Dolksturnen Frei- weithixh. wobei besonders Reuter durch seine Technik glänzte, wurden auch die Zuschauer durch ine schönen Leistungen der Turnerinnen inÄeu- lenschwingen. Freiübungen und Vollstanz ent*

welche Vorführungen unter der bewährten Leitung des Frauen tu rnwarts Kurt Walter standen.

. Lich, 30. Mai. Der gestrige Kreis- ziegenmorkt, den der Kreisziegenzuchtverein und die Landwirtschaftskammer hier veranstalteten, wies einen sehr starken Auftrieb von über 200 her- oorragenden Ziegen und Bocken auf. Die Leitung des Marktes hatten Aba. Fenchel (Ober-Hörgern) und Obersekretär P h i l i p p von der Landwirt- schaftskammer. Als Preisrichter waren tätig: Ober­reallehrer Ringshausen (Friedberg), Techniker Büxler (Gießen), Joh. S)aub (Rieder-Weisel) und Joh. Martin (Angenrod). Aus dem Markte wurde lebhaft gehandelt, für Jungböcke wurden 50 bis 75 Mark bezahlt. Bei der Prämiierung wurden 450 Mark an Preisen verteilt. Das Ergebnis der Preisoerteilunq war folgendes: Kl. 1, Bocke (2 Jahre und älter): 1. Preis Gemeinde Lich, 2. Gemeinde Alten-Bufeck. 3. Bellersheim und Trohe. blasse 2, Böcke (1 Jahr alt): 1. Preis Gemeinde chattenrod, 2. Gemeinde Burkhardsfel­den, 3. Gustav Rühl (Utphe). Klasse 3, Hie- gen (3 Jahre und älter): Ehrenpreis cheinrich Rühl (Utphe), 1. Preise chch. Rau IV. (chatten- rod) und Andreas Burkhardt (Ettingshausen), chch. Wagner III. und Christ. Scheld VI. (Gro- ßen-Buseck) und Joh. chch. Roth I. (Bettenhausen), 2. chch. Albohn und Karl Munster (chattenrod), Ehr. Alles und Fr. Lechens (Lich), cheinrich Frank II. und Ehr. Wagner III. (Großen- Buseck), 3. chch. Iox und chch. Seipp III. (Ettings­hausen), Joh. Jäger (Queckborn), Karl Peter (Laubach), chch. Scheid (Harbach), Karl K l ö s (Inheiden), Gg. Kopf III. (Bellersheim), Rudolf chahn (Obbornhofen). Klaffe 4, Ziegen (2 Jahre alt): 1. Preise Ehr. Volk und cheinrich Scheid VII. (Großcn-Buseck), 2. Wilh. Wag­ner IX. (Großen-Buseck) und chch. Scheid III. (charbach), 3. Hugo Keil (Ettingshausen), Jak. Naumann und Karl Peter (Laubach. Klasse 5, Ziegen (1 Jahr alt): 1. Preis Aug. Trechsler (Lich), 2. Joh. Stein (Lich), Otto Fink und chch. M ü n ft e r (chatienrod), 3. Gg. Kopf III. (Bellersheim), chch. M ü n st e r und chch. Rau, gen. Schieferftein (chattenrod). K l a f s e 6, Zeitziegen: 2. Preise Christian Graulich (Bersrod) und Theod. Seipp (chattenrod), 3. chch. S i e n g e l l. (Laubach). Außerdem wurden zahl- reiche Anerkennungen bzw. 4. Preise ausgegcben.

F Steinheim, 3). Mai. Der bMig? Geiang- verein Frohsinn" hat auch dieses Jahr das Pfing st singen wieder durchgeführt. In aller Frühe des ersten Feiertages wurden an etwa einem Dutzend Stellen je zwei Thöre borge* tragen. In den ersten Jahren nach der Grün­dung des Vereins. Ende der Siebziger Jahre, hatte dieser schchne Brauch schon einmal bestanden. Man ist allgemein erfreut darüber, dah man diese schöne Sitte auf Anregung des Schäfers Hofmann hat wieder aufleben lassen. Das 50jährige Jubelfest des Gesangver- -eins, das in der Zeit vom 7. bis 9. Juli d. I. stattfindet, wirft aerobe in kleindorflichen Ver­hältnissen. wo höchstens alle Jahrzehnt eine größere Festlichkeit abgehalten wird, seine Schatten voraus. Vor allem sind die Weißbinder stark beschäftigt, um mehreren Häusern ein schönes Aeußeres zu geben und auch Anstreicharbeiten in den Wohnungen vorzunehmen. Die Festaus­schüsse sind daran, die letzten Organisationsarbei­ten duvchzuführen In Anbetracht der allge­meinen Wirtschaftslage hat man davon abge­sehen. eine neue Fahne anzuschaffen. Es soll eine von den Frauen und Jungfrauen des Ortes gestiftete Ehrenschleife m künstlerischer Auf­machung zur äleberneichung fommen. Reben sämt­lichen zeyn Vundesbereinen des Sängerbundes .Mittleres Riddatal", dem der feftgebende Ver­ein angehört, haben noch fast 20 Gesangvereine der näheren und weiteren älmgrbung mit rund 1000 Sängern ihr Erscheinen -ugffagt, so daß mit einer Festlichkeit in größerem Ausmaß ge­rechnet werden muß. Als Festplatz ist die land­

schaftlich schön gelegene und zweckdienlich be­schaffene Wiesenfläche an der Delnhäuser Bahn- ft rede unweit der neuen Schule endgültig be­stimmt worden.

Kreis Büdingen.

Ridda. 30. Mai. Am 2. unb 3. Juni findet hier die 4 7. Jahreshauptversammlung des Gesamt-V. Sy 6. statt. Am 2. Juni: Vorstandssiyung des Gesamtvereins und abends Begrüßungsabend mit reichhaltigem Programm tn der Turnhalle. Sonntagfrüh Hauptversamm­lung und Gang nach Bad Salzhausen zur Be­sichtigung der Anlagen. Sonntagfrüh Empfang der Teilnehmer des Sonderzuges MainzDarm­stadt-Frankfurt nach Bad Salzhausen und Ribda mit Führung durch und um Ridda durch die Stadtverwaltung.

--Ortenberg, 30. Mai. Am Pfingstsonntag hielt in unserer mit Maien pfingstlich geschmück­ten Kirche unser neuer Geistlicher. Pfar­rer Le tzing, feine Antrittspredigt. Infolge Beurlaubung des Dekans muhte Leiber von einer feierlichen Einführung Abstand genommen wer­den. Doch hatte es fich die Feuerwehrkapelle, der Gesangverein Frohsinn unb der Kirchen­gesangverein nicht nehmen lassen, durch den Vor­trag passender Ehöre den Gottesdienst festlich auszustatten. Bereits beim Einzug ins Pfarr­haus hatte eine offizielle Begrüßung durch Prinz Ernst zu Stolberg-Roßlaim Auf­trag des Patrons der Kirche unb den Kirchen­vorstand stattgefunden. Die Gemeinde ist froh und dankbar, nach kurzer Vakanz sich wieder eines geregelten kirchlichen Dienstes erfreuen zu können.

Kreis Schotten.

Laubach, 31. Mai. Zu dem Bericht über die Weihe des Ehrendenkmals ist eine kleine Richtig­stellung dahin zu machen, daß nicht 12 Tafeln mit je 6 Namen der Gebliebenen in die umgeben- den Pfeiler eingelassen sind, sondern 6 Tafeln mit je 12 Namen der Gebliebenen in zeitlicher Folge des Todestages.

§ Gedern, 30. Mai. Die verflossenen Psingstfeiertage standen infolge des herr­lichen Maiwetters im Zeichen eines außerge­wöhnlich starken Verkehrs. Die überfüllten Züge, namentlich die Sonntagszüge, brachten große Scharen von Wanderern, auch mehrere Iugendgruppen, die von hier aus ihre Wande­rungen meist zum Hoherodskopf an traten. Er­wähnenswert ist auch das Treffen bet Fünfzigjährigen, die sich zu einer Wieder- sehensfcicr zusanrrnengefunben hatten unb zum Teil von weither gereift kamen, um die alte Heimat wiederzusehen unb im Kreise der ehe­maligen Schulkameraden (Erinnerungen aufzu- frischen. Den würdigen Auftakt der Feier bildete ein gemeinsamer Besuch des Gottesdienstes am erfter. Feiertag, welcher durch einen Chorvortrag des K-rchengesangvereins verschönt wurde und in der mit Pfingstmaien geschmückten Kirche einen erhebenden Verlauf nahm. Der Ortsgeistliche be­grüßte in einer besonderen Ansprache die Jubi­late. Am Abend sand im großen Saale des Bergwirtshauses eine durch ein gemeinsames Essen eingeleitete Familienfeier statt. Im Ramen der Fünfzigjährigen sprach Landwirt Hermann Birx tief empfundene Worte, während Frau Sophie Foß, geb. Funk, aus dem Saargebiet in Gedichtform ergreifend zu den Anwesenden zu sprechen wußte. Fräulein Marta R a g e l be­grüßte mit eindrucksvollen Versen. Auch der Sjumor kam mehrfach zu feinem Recht, besonders bann, wenn die Erinnerungen an die Schulzeit an Hangen. Die tüchtige HauSkapelle (Ludwig Stiebeli n g. Hans Wagner und Alois Zitzelsberger) sorgte unermüdlich für musi­kalische Unterhaltung, und Opernfänger Z i e - fing aus Darmstädt erfreute durch ansprechen­den Vortrag mehrerer Lieder. Dom Wert und Segen des Heimatgedanlens unb von der auf­bauenden Macht der Heimat- unb Vaterlands­liebe sprachen der Ortsgeistliche unb Lehrer Vona11 - Worms, ein alter Gederner und wohl­bekannter Heimatfreund und -dichter. Den Ab- schluß der Tagung bi'bete ein gemeinsamer Aus­flug am Rachmittag des zweiten Feiertages nach Bad Selters. Um das Zustandekommen der Feier hatten sich besonders verdient gemacht Frau Pauline G ü l d n e r, geb. Donalt aus Frankfurt a. M., sowie die Herren Ei'enbahn- Oberinspcktor S p i tz n a g e l aus Frankfurt a. M. unb Fabrikarbeiter Hermann Ragel I.-Gedern.

Die liir mit den MS Wern.

Roman von Sdqar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig 20 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Mit finsteren Brauen stieß er die Tur zum drit­ten Zimmer auf. Es war nur eine Kammer. Sie enthielt zwei Matratzen, ein paar Decken. Sonst nichts.

Meine Rumpelkammer", erroiberte Staletti den fragenden Blick des Inspektors.

Und nun zum zweiten ßaboratorium."

Staletti nickte.

Er fühtte die Herren dienstbeflissen noch ein paar Stufen hinauf, bis sie vor einer hohen Tür standen.

Dahinter log das Laboratorium, das offenbar nach (Erbauung des Hauses aufgestockt worden war. Zwei Dachfenster spendeten das Licht. Ein mach- tiges Regal lief an zwei Wänden entlang unb war mit Retorten gefüllt. Eine Kommode, auf der ein Sterilisierapparat stand, enthielt chirurgische In­strumente. In der Mitte des Raumes stand ein langer schmaler Tisch. Darauf befanden sich in grauenhaftem Durcheinander eine halb aufgeschnit­tene, tote Ratte, die an ihren vier Füßen aufge- spießt war, ein großes wertvolles Mikroskop, ein paar Meßinstrumente, mehrere Probierröhren, eine Feinwage und eine Sodaflasche, die mit roter Flüs­sigkeit gefüllt und mit Baumwolle verstopft war.

Sneed beugte sich sogleich über die Ratte.

Cs zuckle um Staletti» Lippen. Seine Hände öff­neten und schlossen sich wie in einer Zuckung der Wut.

Ja, Herr Inspektor," sagte er ölig,hier können Sie sehen, womit ein armer Gelehrter seine Muße stunden ausfüllt. Sie gehen in eine Revue. Ihr xluge labt sich an schlanken Mädchenbeinen Er forscht im Bauch der Ratte, sein Blick sieht in ihrem Gekröse den schönsten Sinn der Welt. Rein, nein, die Ratte war tot, ehe ich sie ausschnitt". setzte er rasch hinzu, als Sneed das Tier mit mißtrauischem Finger befühlte.Ihre Gesetze find stärker als ich Ich oivisezicre nicht mehr. Ich versage mir bluten den Herzens den höheren Weg zum Wissen, weil Ihr törichtes Land es so will '

Sie sind heute sehr geschwätzig, Staletti", sagte Sneed mit dunklem Groll.

Die Freude macht mich geschwätzig, Herr In­spektor! Die Freude, einmal meinesgleichen zu sehen. Ich sitze wochenlang einsam in diesem Hause. Ich höre nichts außer dem Rauschen der Blätter und dem fernen Surren der Motore draußen auf der Chaussee. Oh, ich bin nicht betrübt Ich denke an die flachbrüstigen kleinen Manner, die in den Automobilen sitzen und deren Hirn zu nichts taugt als zu faden Geschäften, ich denke an die geschmink­ten Weiber, die nichts gelernt haben außer dem Flirt, dem Zigarettenrauchen und einem sinnlosen Ballspiel. Wie sind sie sklavisch voneinander abhän aig mit ihren kleinen Sorgen und jämmerlichen Begierden. Ich bin von niemandem abhängig. Nicht einmal eine Köchin brauche ich. Denn ich lebe von rohem Fleisch, wie es mein Schöpfer modle, als er mich zum Fleischfresser schuf. Doch Sie, Herr In­spektor, Sie sind aus anderem Hol,; als die Chausseeflöhe, die mich mit ihrem BenAingestank irritieren. Sie sind groß und stark. Sie nähern sich meinem Ideal. Sie sind eine willkommene Unter brechung meiner Einsamkeit, und da rede und rede ich, um so lange wie möglich Ihren Anblick zu genießen."

Sneed ließ den Fluß des Geschwätzes wie an einem Gummimantel au sich abgleiten. Er machte eine kurze, ungeduldige Bewegung mit den Armen, und die Worte tropften wirkungslos an ihm herab auf den Boden.

Wer schläft auf den beiden Matratzen in der Kammer?" polterte er los.

Niemand." Staletti fchüttettc verwundert den Kopf. ,Ich sagte doch, es fei meine Rumpel­kammer. Die beiden Matratzen habe ich aus­rangiert.

Dann blitzte es plötzlich in seinen Augen auf. Er legte den Zeigefinger an die lange Nase.

Ah nun verstehe ich ... In der Heimlichkeit Ihres Herzens haben Sie ein paar Päppelkinder bei mir zu sehen gehofft. Sie haben fich gedacht: Ci, sieh da. dieser Staletti, er lebt einsam in einem einsamen Haus. Das hat edier triftigen Grund. Die drei Monate haben ihn also doch nicht sittlich ge­läutert. In feiner Herenküche ift dieser verfluchte Schwerenöter wieder dabei, aus ,ämmert ichen Krea­turen menschlicher Degeneration ein paar oorwelt-

Die Heimat hatte eine große Anziehungskraft ausgeübt: von 36 ehemaligen Schulkameraden waren 30 erschienen.

(!) Stumpertenrod. 30. Mai. Dom schön­sten Wetter begünstigt, fand dieser Tage die Einweihung der neuen Vereins» sahne dvs hiesigen Gemischten EhoreS statt. Der Tag nahm seinen Anfang mit einem Festgottesdienft in dem vollbesetzten Gotteshause, woselbst Pfarrer Södler den sehr eindrucks­vollen Festgottesdienst hielt. Hieraus bewegte sich ein langer Zug nach dem Gottesacker. An sämt­lichen Grabern ehemaliger Sängerinnen und Sänger und am Fuße des Kriegerdenkmals wur­den Kränze niedergelegt. Der Dirigent des Vereins, Lehrer Lunz, sprach dabei einen sehr zu Herzen gehenden Rachruf. Hm 1 Hhr bewegte sich ein schöner Festzug durch die geschmückten Straßen unseres Dorfes: Schulkinder. Festdamen. Bundesvorstand der Schwalm-Antrist^ Felda- Sängervereinigung, Ortsvorstand, Freiwillige Feuerwehr. Krieger» und Schützenverein und Gemischter Ehor. Am Festplatze angenommen, trug der Musikverein eine Ouvertüre vor. worauf ein Prolog gesprochen und der Degrüßungschor ge­sungen wurde. Der Vorsitzende des Gemischten Thors begrüßte nun alle Erschienenen herzlichst und dankte der ganzen Einwohnerschaft für die reichen Spenden, wodurch eine Fahne angeschasft werden konnte. Lehrer Cunz hielt nun eine kernige Festrede, bezeichnete den Taa als einen wichtigen Markstein in der Geschichte des Vereins, feierte in eindrucksvollen Worten die Macht des Gesanges und weihte die Fahne als Sinnbild der Einigkeit und Qteinfjeit Reicher Beifall be­lohnte seine Rede. 3m Ramen der Schwa lm- Antrift-Felda-Sängerrereinigung übermittelte Lehrer Roth- Kestrich, als stellvertretender Vor­sitzender dem Iubelverein herzliche Glück- und Segenswünsche. Mit dem Deutschlandliede fand die Feier ihren würdigen Abschluß.

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld. 30. Mai. Ein Unfall, der noch glimpflich abgelaufen ist, ereignete sich am 3. Psingstfeiertage abends um 7 plhr in der Schellengasse. Ein mit mehreren Schwälmer Mäd­chen besetzter Einspännerwagen, der mit den Pfingstmarktbesuchem wieder.nach Hause wollte, fuhr in starkem Trabe die abschüssige Straße hinunter. Dabei verlor der Lenker des Fuhr­werks an einer scharfen Kurve der Schellengasse die Herrschaft über das Pferd, so dah dieses mit voller Wucht mitsamt dem Wagen auf einen gegenüberliegenden Gartenzaun rannte, wobei das Pferd zu Fall kam und auch die Mehrzahl der Insassen aus dem Wagen geschleudert wurde. Während das älntergestell des Wagens voll­ständig in Trümmer ging, kamen alle Insassen wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davon und erlitten nur einige leichte Hautabschürfungen. Auch das Pferd hatte anscheinend keine Ver­letzungen davongetragen. Der hiesige Pfingstmarkt. der wie alljährlich am dritten Psingstfeiertage stattfand und den Treffpunkt hauptsächlich für die Jugend aus einem großen Teil des Kreises Alsfeld und dem benachbarten Schwalmtal bildet, bot auch diesmal wieder ein farbenfrohes Bild mit den zahlreich vertretenen Schwälmern und SchwälmeriTwen in ihrer fchmuk» ken Tracht, die immer wieder den Fremden ent­zückt. Zum ersten Male feit dem Kriege bemerkte man unter den fremden Marktbesuchern wieder Bad Salzschkirfer Kucgäste. die in früheren Jahren zu den regelmäßigen Besuchern des Marktes gehörten. Etwas Reues für AlSfeld bot der Besuch der Musikantengilds Darmstadt in Alsfeld, die am Samstag und Sonnntag hier hervorragende Proben ihres Kön­nens ablegte. Am Samstagabend veranstaltete die flehte Künstlerschar eine weltliche Freimusik auf dem Marktplatz, am Sonntagabend fand unter ihrer Mitwirkung eine geistliche Abend- musik in der Walpurgiskirche statt. Der gutge- schulte Chor bot eine prächtige Leistung, tn 6e*ug auf Klangfülle, Beweglichleit und Frische des Vortrags. Es war eine schöne PsinHstmusik, welche die Musikantengilde ihren baut baren Hörem dar- bot. Das hiesige Postamt hat eine dankens­werte Einrichtung geschaffen, indem es an den Sonntagnachmittagen mit den vorhandenen Post­kraftwagen besondere Fahrten nach den htupt- sächlichsten Ausflugsorten in der Rähe von Als­feld veranstaltet. Sämtliche Wagen toaren recht gut besetzt. Demnächst soll eine Sonderfahrt nach der Edertalsperre ausge.ührt werden.

Ober-Ofleiden. 30. Mai. Gestern mittag erfolgte hier in würdiger Weise bie 8m» wechung der vom Oberhessischen Geschichtsverein und der Vereinigung der Freunde des huma­nistischen Gymnasiums gestifteten Gedenktafel zu Ehren der beiden berühmten Brüder Friedrich Gottlieb Weicker und Karl Theodor Weicker. Die Gedenktafel ist am hiesigen PfarrHause an­gebracht. wo die Brüder ihre Jugend verlebten: die Inschrift bezeichnet die beiden hervorragenden Männer al» .Zwei gute Deutsche . Leider war Geheimerat Behaghel. der Vorsitzende des Oberhessischm Geschichtsvereins, verhindert, an der Feier teilzunehmen. Der Oder-Osleidener Po­saunenchor leitete die Feier ein durch den wir­kungsvollen Vortrag von .Wie schön leucht' uns der Morgenstern". Sodann dankte im Ramen der Familie Oberregierungsrat Weicker in beredten Worten für die Stiftung der Tafel und führte in trefflicher Weise die Bedeutung der beiden Männer aus. Zum Schlüsse (einer Ausführungen übergab er die Gedenktafel der Obhut der Kirch<mgemeinde. Pfarrer Rürn- b e r g e r ertiärte in geistvoller Erwiderung, daß er diese Ehrenpflicht gerne übemähne. Sodann verlas noch Oberregierungsrat Wagner ein sehr ansprechendes Gedicht eines weiblichen Glie­des der Familie. worin diese die Bedeutung des Tages feiert Zum Abschlüsse der erhebenden Feier spielte der Posaunenchvr: .Ich bete an die Macht der Liebe". Rach Beendigung der Feier begab man sich zum hochgelegenen Städtchen Homberg, wo man im Gasthaufe . Frankfurter Hof" den Familientag Weicker abhielt.

KreieiiagSfjhungdesKreises Lauterbach

tz. Lauterbach. 30. Mai. In der jüngsten Sitzung des Kreistags de» Kreises Lauterbach tarn der Derwa ltungsde- richt deS Kreisausschusses zur Vor­lage, der, soweit er die Rechnungsführung der KreiSkasse im Rj. 1926 betraf, die Genehmigung des Kreistags fand. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß der Kreis an Vermögen (Grund* stü e, W rt api r und A tiv apitalien) 155 219,54 Mark besitzt und schuldenfrei ist. 3n 1927 fanden neun Sitzungen statt, rn denen über 104 Gegen­stände verhandelt wurde. Weiterhin stand die Beratung unb Festsetzung des Kreisvor­anschlags für 19 28 zur Tagesordnung. Der Voranschlag wurde ohne weitere Debatte nach dem Entwurf des Kreisausschusses genehmigt und in Einnahme und Ausgabe auf 288 380 Mk. fest­gesetzt. $He Kreisumlagen betragen 71 000 Mk. und werden mit 35 800 Mk. von den Gemeindeae- marfungen bei folgenden Steuersätzen aufgebracht:

a) Grundsteuern: 2 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert der Gebäude und Bauplätze. 4 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert der land- und forst­wirtschaftlichen Grundstücke, b) Gewerbe­steuern: 7,5 Pf. auf je 100 Mk des gewerb­lichen Anlage- unb Betriebskapitals. 5 Pf. oitf je 100 Mk. des gewerblichen SteuererttagSsolls und mit 35 200 Mk. von den selbständigen Ge­markungen und vom gemarkungsselbständigen Grundbesitz mit folgenden AuSschlagSsätzen:

Grundsteuer: 15,75 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert der Gebäude und Bauplätze. 33,75 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert des landwirffchaft- lichen Grundbesitzes. 37,50 Pf. auf je 100 Mk. Steucrtoert des Waldoeffhes An Reichssteuer­anteilen werden 32 330 Mk. in Einnahme er­wartet.

Den breitesten Raum in dem Voranschlag neh­men die Bedürfnisse deS KreiswohlfahrtSamtes, des BezirkSsürsorgeverbandes und des KreiS- jugendamts in Anspruch, die mit 127 098 Mk. in Ausgabe und mit 64 678 Mk. (Ersatzleistungen der Gemeinden, des Staates usw.) in Einnahme vor­gesehen sind.

2llS dritter Punkt der Tagesordnung kommt der Antrag aus Erbauung eines Kreiskrankenhauses zur Verhandlung, der aber mit Majorität abgelehnt wird. Schließ­lich crflärt der Kreistag seine Zustimmung zu der lleberschreibung eines Grundstücks der Gemar­kung Ilbeshäuser Wald m die Gemarkung der Gemeinde Ilbeshausen.

Starkenburg.

WSR. Darmstadt. 30. Mai. Die staatliche Stelle für RaturdenkmalSpflege in Preußen ver­anstaltet im Laufe dieser Woche einen größeren Lehrgang für Degetationskunde im Mittelrheingebiet, an dem über fünfzig

liche Riesen zu züchten. Nichts zu machen, teuerster Herr Inspektor. So gruselige Sachen Hingen in der Theorie ganz nett, in der Praris .. .*

Mr. Martin hat einen furchtbaren Schrei ge­hört, als er fich von Ihnen das Benzin holtet schnitt Sneed wütend den unerschöpflichen Rede- ström ab.

Hat er? Wie ungesund für ihn. Ich merkte dem Herrn sogleich eine nervöse lleberreizung an."

Er wurde auf dem Fahrweg von einem halb­nackten Wilden überfallen ... Nennen Sie das auch eine nervöse lleberreizung?"

Gewiß, Herr Jnsoektor, Sie glauben gar nicht, wie anfällig für solche Komplexe ein nervöses Ge­hirn ist."

Sneed sah Staletti in die Augen, als wollte er in die tiefsten Geheimnisse seiner Seele bringen. Staletti begegnete dem Blick mit funkelndem Spott und ohne mit den Wimpern zu zucken.

Da wandte sich Sneed wortlos ab und verließ mit seinen Begleitern das Haus.

Die Beamten bestiegen ihre Autos und fuhren langsam den Fahrweg hinab. Man hielt Ausschau nach allen Seiten. Keine Oeffnung zeigte sich. Dos Loch an der Hecke war zugeschüttet worden.

Staletti schaute am Fenster seines Schlafzimmers den Daoonfahrenden nach.

Dann rieb er sich mit heimlichem Lächeln die Hände und begab sich ins Nebengemach. Er stieß die Schublade des Stahlschranks zurück, die einzige übrigens, die sich öffnen ließ, und drückte auf einen Knopf. Die ganze Vorderfront des Schrankes schwang heraus, und aus dem mächtigen Dunkel dahinter blinzelten zwei Augenpaare ins Licht.

17.

Es war am andern Morgen. Havelock las wohl ;um dritten Male einen Brief, der mit der ersten Post gekommen war, als Dick Martin bei ihm ge­meldet wurde.

,,3d) hoffe, mein Telephonanruf kam Ihnen nicht ungelegen, Mr Martin", entschuldigte sich der An- I walt.Ich hatte Sie mit diesem Brief nicht behelligt, wenn die Borkommniffe der letzten Tage mich nicht so bedenklich gcstimmt hätten."

Cr reichte Dick das Schreiben Lord Seffords, das den Aufdruck von Shepherds Hotel» in Kairo trug.

Dick las:

Lieber Havelock!

Ich erhielt Ihr ÄabcÜelegramm mit der Nach­frage nad) Doktor Cody und beeile mich, darauf zu erwidern. Gewiß ift mir Cody persönlich be­kannt Ich bin ihm einmal im Ausland begegnet und stand zeitweilig in ziemlich lebhaftem Brief­wechsel mit ihm. Es i|i mir unerfindlich, warum er das leugnet Möglicherweise trägt daran eine gewisse Gereiztheit auf seiner Seite die Schuld. Er bat mich vor einiger Zeit um ein beträchtliches Darlehen, weil er |id) in England von irgendeinem heimlichen Gegner bedroht fühlte. Er schrieb mir, daß er Gruno hätte, um sein Leben zu Zittern. Ich nahm ihn jedoch nicht ernst. Seine Befürch- tungen hielt ich für eine Spiegelfechterei, die mich zur Hergabe der Summe oervslichien sollte. Kurzum, ich lehnte ab unb habe seitdem auch nie wieder von ihm gehört.

Ich benutze die Gelegenheit dieses Briefes, um Sie zu bitten, sogleich 25 000 Pfund für mich flüssig zu machen. Schicken Sie das Geld in fron- zösischen Banknoten als Wertpaket nach Ronftan- tinopcl, Hotel *Mra Palace Gleich rach dem Empfang des Geldes gedenke ich nach Odessa auf- zudiechen. Ls sollen in Ludrußland große wert­volle Besitzungen um ein Butterbrot zu haben fein.

Der Brief enbete in höflichen Floskeln unb trug die UnterschriftPierce"

Werden Sie seinem Wunsche nachkommen?" fragte Dick.

Ich muß wohl!^

Dick schüttelte den Kopf.

Sie übernehmen da eine große Verantwortung." Havelock zernagte nervös seine Lippen.

Das soll ich tun? Er ift mündig. Er ist mein Klient. Ich habe nicht das Recht, ihm dos Geringste zu verweigern."

Line sehr peinliche Lage für Sie", sagte Dick Gewiß, unb ich möchte am liebsten den ganzen Karren hinschmeißen, mag ihn, wer da will aus dem Dreck ziehen. Ai'ch mein Bureauvorsteher, des­sen gesundes Urteil ich mehrfach berounbem konnte, rät mir dazu. Cs ist allerdings ein Schritt, der sehr überlegt fein will: denn die Verwaltung bringt jährlich gegen fünftausend Pfund ein.'

(Fortsetzung folgt.)