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slowakischen Republik. Wahren- Proshek sprach, gingen die Kundgebungen für die Republik wei­ter, bis anhaltender Lärm entstand. Der Vor­sitzende muhte ununterbrochen mit der Glocke zur Ruhe mahnen.

Oie Strafrechtsreform.

Rauschgifte. Sicherungsverwahrung.

Berlin. 30. Oft. (V. D. Z.) Der Straftechts- ausschuh des Reichstages setzte seine Arbeiten beim Paragraph 58 des Strafgesetzentwurfes fort, der die Unterbringung in einem Ar­beitshause oder in einer Erziehungsan­stalt, sowie die Behandlung von kranken Ver­brechern in Heil- und Entziehungsanstalten behan­delt. Der Ausschuß hörte dazu mehrere Vertreter des Reichsgesundheitsamtes über die Regelung der Einfuhr und Abgabe von Rauschgif­ten. Oberregierungsrot Hesse (Reichsgesundheits- amt) bemerkt dazu: Gegenüber der Vorkriegszeit ist die Zahl der Morphinisten und der mit anderen narkotischen Mitteln Vergifteten sehr erheb­lich gestiegen. Rach der Heilanstaltsstatistik hat sich ergeben, daß in den Jahren 1923 24 die Zahl der in den Heilanstalten behandelten Kranken die­ser Art bei Männern um 200 o. H., bei Frauen um 150 v. H. zugenommen hat. Es sind gestorben infolge von Morphinismus und anderen narkoti­schen Vergiftungen 1923: 32; 1924: 18 und 1925: 39 Personen.

Direktor Kerp bezifferte die Einfuhr Deutschlands an solchen Giften auf 2400 Kilo­gramm, die Ausfuhr auf 9520 Kiwgramm. Wenn man den Weltbedarf auf 40 000 Kilogramm be­ziffere, betrage die deutsche Ausfuhr höchstens ein Viertel des Weltbedarfs. Gegenüber der Anre­gung, die deutsche Produktion auf den Jnland- bedarf zu beschränken, wies der Redner darauf hin, daß nur Deutschland, England, die Schweiz, Frankreich und Japan Produktionsländer seien. Die legale Verwendung sei gesichert.

Geheimer Regierungsrat Rost bemerkt ergän­zend, das) der schädliche Einfluß zunächst ein persönlicher ist, sich im körperlichen, seelischen und moralischen Verfall der Persönlichkeit äußert und unter Umständen einen schweren Ein­fluß auf den Zerfall der Familie ausübt. Während aber der Morphinist noch lange arbeits­fähig öleiben kann und allein seinem Laster frönt, versucht der Kokainist, auch andere zu verführen. Der Koiainist kommt mit dem Straf­gesetzbuch öfter in Konflikt. Das einzige Heil­mittel gegen diese Gifte ist die Entziehung mit Entwöhnung und langdauernder psychischer Rachbehandlung. Sie ist ohne Schädigung des Patienten, z. D. bei Kokain, ohne weiteres mög­lich. Dem Reichsrat ist eine Rovelle zum Opium- Gesetz corgelegt worden, um u. a. bestimmte Rauschgifte, wie Eucodal, Paramorsan usw. auch in das Opiumgesetz aufzunehmen. Ferner sollen die Suchtgifte, wie z. D. Kokain, nicht mehr in die Hand der Patienten gelangen dürfen, es sollen die Aerzte keinen dieser Stoffe in Substanz mehr verschreiben und Opium oder Morphium mangels augenblicklicher Möglichkeit, die Entziehung einzuleiten, nur dann verschrei­ben, wenn der Arzt darüber Buch führt. Mit den anderen Opiaden einen Süchtigen zu versorgen, wird in Zukunft nicht mehr auf legalem Wege möglich sein.

In der Weiterberatung bemerkt Abg. Dr. H a n e - mann (Dn.), daß ein Verbot der Ausfuhr unserer tüchtigen Jnbustri' doch nur dann einen Erfolg ver­spreche, wenn andere Länder, wie England, Frank­reich und die Schweiz den Weltbedars ganz bestritten. Tatsächlich sei dies nicht der SWL. Deshalb verspreche er sich von der eingebrachten Entschließung nichts, die über den Rahmen des Strafgesetzes hinaus eine Ausfuhr deutscher Rauschgifte verbieten wolle.

Abg. Frau P f ü l f (Soz.) betont den ungeheuren Einfluß, den die Rauschgifte auf die Willensbildung und deshalb auf die Kriminalität ausübten, und weist "bie Befürchtungen des Vorredners zurück.

Ministerialdireltor Dr. Reichert (Wirt- schaftsministerium) meint, verbiete man die Aus­fuhr, so sei fraglich, ob sich die Fabrikation bei dem geringen Jnlandverbrauch überhaupt noch lohne. Er widerrate deshalb solcher Ent­schließung.

Es wird dann mit großer Mehrheit folgende Entschließung angenommen:Die Reichsregie­rung wird ersucht, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um die Herstellung von Rausch­giften in Deutschland auf das durch die Be­kämpfung von Krankheiten in Deutschland ge­botene Maß zu beschränken.

In der Abstimmung über den materiellen In­halt des Paragraphen wurden alle Vorschriften gestrichen, die von der Unterbringung in einer Erziehungsanstalt handeln. Dagegen blieben die Vorschriften bestehen, welche die richterliche An­ordnung der Unterbringung in einem Arbeits­haus ^handeln.

z; 59 (Sicherungsverwahrung) lautet nach der Regierungsvorlagr:Wird jemand, der sch^n rinmaf zum Tode oder zu Zuchthaus ver­urteilt war, nach § 78 als ein für die öffentliche Si:,erheit gefährlicher Gewohnheitsver­brecher zu Zuchthaus oder zu einer Gesängnis- strafe von mindestens einem Iahre verurteilt, so kann das Gericht daneben auf Sicherungsverwah­rung erkennen, jedoch nur dann, wenn der Täter bei Begehung der neuen Tat über 21 Jahre alt ist."

Rcichsjustizminister Koch-Weser bemerkte, je mehr man in der Strasandrohiv.g von Zucht­haus abseh: und kürzere Strahn festsetze, um io notwendiger werde es zu überlegen sein, wie die menschliche Gefellschaft vor solchen Verbre­chern zu sichern sei, die hier in Rede ständen.

Oer Bahnhofsbau in Rüsselsheim.

D a r m st a d t, 29. Okt. (WTB.) In der bekannten Angelegenheit des Bahnhofs Rüsselsheim hat die Botschafterkonferenz in Paris in Abände­rung früherer Entscheidungen nunmehr den An­schluß des Verladebahnhofs der Opel­werke an die Hauptgleise der Reichs­bahn genehmigt. Damit erfährt der Abtrans­port der Opelerzeugnisse eine erfreuliche Erleichte- runa. Allerdings steht die Genehmigung der Dot- schafterkonfereuz zu der geplanten Anlage des neuen Hauptgleises RüsselsheimBischofs­heim leider noch aus. Erst mit dem Bau dieses Gleises dürften die großen Schwierigkeiten, die mit den engen Bahnhofsoerhältnissen in Rüsselsheim Zu­sammenhängen, als behoben anzusehen fein. Hoffent­lich gelingt es den weiteren Verhandlungen bald, den Widerstand der Botschafterkonferenz gegen den Bau des neuen Gleises zu überwinden und damit dieses letzte Hemmnis einer freien wirtschaftlichen Fortentwicklung zu beseitigen.

Räumung und Reparation.

Das pariser Spiel.

Die Franzosen sind wieder einmal an der Ar­beit, das Reparationsproblem mit der Räumung der Rheinlande zu verquicken. Ein Blick in ihre Presse zeigt, daß sie keinen stärkeren Wunsch als den haben, uns mit dem Köder der vorzeitigen Räumung der zweiten, wenn nicht gar der dritten Zone aufs Glatteis zu locken und uns bann auf Reparations- und Räumungsbedingungen fest­zulegen, deren Umfang und Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft des deutschen Volkes wir uns nur schwach oorzustellen vermögen. Daß sie bei uns mit Andeutungen von einer evtl, früheren Räumung gegen entsprechende Zuge­ständnisse deutscherseits stets einen gro­ßen Eindruck heroorzurufen wißen, ist ihnen längst bekannt. Wir sind schon des öfteren auf Verspre­chungen und Hoffnungen, die sie uns gemacht haben, hereingefallen, haben uns auch zu 23 or­te i ft u n g e n bereitgefunden, ohne daß man sich dann in Paris bequemte, nun seinerseits ein- gegangene Verpflichtungen einzulösen. Auch die jetzt auftauchenden Meldungen über Abmarschbefehle an Offiziere und Mannschaften des besetzten Gebietes und Räumungstermine, die vor den im Versailler Vertrag festgesetzten Terminen liegen, werden von den Franzosen nur zu dem Zweck in die Welt ge­setzt, unsere Front zu unterhöhlen, unsere Regie­rung unsicher und unsere politischen Parteien ner­vös zu machen, um aus dieser Situation Vorteile zu ziehen. Nichts wäre für uns im Augenblick gefährlicher, als das von den Franzosen in­szenierte Spiel mit der vorzeitigen Räumung mit­zumachen. Augenblicklich steht das R e p a r a t i onsproblem zur Debatte, das unsere vollste Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und t einer­

lei Belastungen durch Räumungsoer­sprechungen ertragen farm, deren Erfüllung ja schließlich doch nur von der Zuerkennung weitge­hendster Kontrollrechte im Rheinland auch über das Jahr 1935 hinaus abhängig gemacht wird. Ist die Reparationsfrage gelöst, bann können wir uns der Räumung zuwenden. Was wir verlangen, ist bekannt, wir fordern eine umfaßende Bereinigung aller Angelegenheiten des besetzten Gebietes, zu dem wir auch das S a a r g e b i e t rechnen, wobei wir auf eine vorzeitige Räumung der zweiten Zone, die ohnehin in einem Jahr fällig wirb, kei­nen Wert legen. Für uns kommt nur eine allge­meine Befreiung des Rheinlandes in Frage, auf bie wir übrigens auf Grunb bes Versailler Ver­trages einen berechtigten Anspruch erheben können.

Hösch und Schacht Sei Stresemann in Wiesbaden.

Wiesbaden. 29. Okt. (TU.) Am Sonntag- vormittag traf, von Berlin kommend auf der Durchreise nach Paris der dortige deutsche Bot­schafter v. Hösch in Wiesbaden ein und be­gab sich zu längerem Besuch des Reichs- auhenministers in das HotelRose". Er reiste nachmittags gegen 6 Ahr nach Paris weiter und wird voraussichtlich noch heute. Montag, dem französischen Außen- min ist er einen Besuch ab statten. Am Montagvvrmittag traf Reichsbank­präsident Dr. Schacht zum Besuch des Außenministers in Wiesbaden ein. Reichsbank­präsident Dr. Schacht wird voraussichtlich nur kurze Zeit in Wiesbaden herweilen.

Kritische Lage in der nordwestdeuischen Eisenindustrie.

Oie Arbeitgeber lehnen den Schiedsspruch ab. Erneute Verhandlungen. Oie Möglichkeit der Aussperrung.

Eigene Drahtrneldung besGießener Anzeigers".

Berlin, 29. Okt. Die Delegiertenversommlun- gen ber brei Metallarbeitergewerkschaf- t e n haben den Schiedsspruch für bie norbwest- deutsche Eiseninbustrie angenommen, währenb ber Arbeitgeberverband ben Schiebsspruch für bie Eiseninbustrie ab lernte. In ber Ver­sammlung ber Christlichen Gewerkschaften herrschte gewisse Zufriedenheit, weshalb die Gewerkschaften ohne aufgeregte Debatten die Verbindlichkeit bean­tragten. Nur die Akkord- und Prämienarbeiter gaben ihrem Unwillen darüber Ausdruck, daß die Differenz zwischen dem auf dem Leistungsprinzip beruhenden Akkordverdienst und den Stundenlöhnen durch die Neuregelung zu Ungunsten der Akkorb­arbeiter stark verkürzt worden sei.

Der Arbeitgeberverband begründete die Ableh- nung des Schiedsspruches u. a. wie folgt: Die in letzter Stunde erfolgte Herabsetzung ber gewerk­schaftlichen Lohnforderungen von 15 auf 12 Pf. konnte nur als eine taktische Maßnahme angesehen werben, da auf ber Grunblage einer 12-Pf-Forberung ebensowenig eine Einigung un­ter ben Parteien herbeigeführt werben konnte. Der Spruch bes Schlichters, ber bie weitest- gehenben Angebote ber Arbeitgeber sämtlich außer acht ließ, und bie 12-Pf.-Forberung der Gewerk­schaften juminbeften glatt halbierte, mußte die Ar­beitgeber überraschen. Durch den Schiedsspruch dürfte die finanzielle Mehrbelastung größer sein, als beim Spruch vom Dezember des Vorjahres, und in feinen Auswirkungen eine Hinauffchrau- bung des gesamten Lohnniveaus mit sich bringen. Die zwangsläufige Erhöhung ber Löhne für die qualifizierten Stundenlöhner wird auch eine Erhöhung der Akkorde über das in dem Schiedsspruch festgesetzte Ausmaß hinaus nach sich ziehen, da durch die insgesamt in Erscheinung tre­tenden Lohnverschiebungen der Anreiz zum Akkord vermindert wird. Die Gesamtbe­lastung des Schiedsspruchs dürste sowohl für die weiterverarbeitende, als auch für bie eisenschafsenbe Industrie 4 bis 5 Prozent betragen. Seit bem letz­ten Schiedsspruch im Dezember des Vorjahres ist die Konjunktur weiter rückläufig ge­wesen. Die Gestehungskosten haben sich erhöht, die Durchschnittserlöse trotz gestiegener Inland- und Auslandpreise vermindert. Die Arbeitgeber be­trachten das Fe st halten bes heutigen Preisniveaus als bringenbfte Geaenwaits- aufgabe der deutschen Wirtschaftspolitik. Da sie für eine Erhöhung des deutschen Preisniveaus die Ver- antroortung zu übernehmen nicht in der Lage sind, lehnen sie den Schiedsspruch ab. Sie können auch in ber Langfristigkeit bes Schiedsspruchs unter den gegebenen wirtschaftlichen

Verhältnissen keinen Ausgleich für die schweren Be­lastungen erblicken, die ber Spruch zur Folge haben muß.

In Arbeitgeberkreisen gibt man der Meinung Ausdruck, daß es durchaus möglich sei, daß es zu einer Aussperrung komme, die allerdings auf das Gebiet des Arbeitgeberverbandes Nord- West beschränkt bleibe. Die Zahl der in diesem Gebiet von der Aussperrung ^trofsenen würde bei der Hüttenindustrie 125 000 Mann und bei der Weiterverarbeitung rund 100 000 Mann be­tragen. Die Entscheidung über eine Aussperrung wird jedoch erst Dienstag oder Mittwoch fallen, da am Dienstag vormittag int Reichsarbeits­ministerium erneut eine Besprechung zwischen dem Arbeitgeberverband der nord­westlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und den Gewerkschaften über den vom Schlichter gefüllten Schiedsspruch stattfinden wird. Don Arbeitgeberseite wird er­klärt, daß sie einen tariflosen Zustand nicht lasse und daß für den Fall, daß keine Veretn- barung zustande kommen sollte, die für den 31. Oktober ausgesprochene Gesamtkündi- gung in Kraft treten werde. Eine Ver­bindlichkeitserklärung des soeben er­gangenen Schiedsspruchs hält man mit Rücksicht auf die daraus sich ergebende Mehrbelastung nicht für möglich. Man erklärte, bis zur letzten Stunde zu einer Vereinbarung bereit zu sein. Es wird nun alles davon abhängen, wel­ches Ergebnis die am Dienstag im Berliner Reichsarbeitsministerimn stattfindenden Verhand­lungen bringen werden. In unterrichteten Krei­sen nimmt man an, daß, wenn die Gewerkschaften sich hierzu bereitfinden werden, auch die demnächst spruchreif werdenden Arbeitszeitfragen bei den Berliner Verhandlungen nicht berück­sichtigt werden.

Saisonmäßige Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Berlin, 29. Oft (WTB.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeits­losenversicherung weist in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober der Icchreszeit entsprechend eine stärkere Steigerung auf, als in den vorangegangenen Berichtszeiten. Sie stieg von rund 577 100 auf 593 600, d. i. um 16 500, oder um 2,9 v. H. Auch diesmal ist die Steigerung nur auf die Zunahme der männlichen Hauptunter- stühungsempfänger zurückzuführen, deren ZahS um rund 19 700 oder um 6,6 v. H. gestiegen ist. Demgegenüber ist die Zahl der weiblichen Haupt­unterstützungsempfänger wiederum zurückgegan­gen, unZ) zwar um 3200 oder um 2,1 v. H.

Aus aller Welt.

Mordprozetz Gioth.

In Frankenthal begann der Prozeß gegen den 27jährigen ledigen Elektriker Gioth, der, am 18. April d. I. im Werk Ludwigshafen der Farbenindustrie mehrere Meister und Beamte des Werkes niedergeschossen hatte. Der Borsihenbe, Landgerichtsrat Guggenmoos, zählt die Vorstrafen des Angeklagten auf, deren wesentlichste 2 Monate Gefängnis wegen schwe­rer Urkundenfälschung, und von 3000 Papiermark Geldstrafe wegen Aufforderung zur Abtreibung sind. Auch lommen einige Verfehlungen Gioths als Iugendlicher zur Sprache. Dann wird der Eröffnungsbeschluß verlesen.

Gioth war vom 14. Iuli 1922 bis 12. April 1928 in der Farbenindustrie als Elektriker in Stellung. Nachdem er bereits 1925 Akkord- zeitstreitigkeiten mit mehreren Mei­stern und Kalkulatoren gehabt hatte, wurde er zur Vermeidung weiterer Reibereien in die Turbinenzentrale, später in den elektrischenBe­trieb zu Dr. Gröneveld versetzt, wo er den Meistern Heiß und Platz, dem Hilfsmeister Dis- que und dem Kalkulator Graf unterstellt war. Am 11. April war Gioth wegen nicht rechtmäßi­ger Ausführung eines Auftrages von dem Hilfsmeister Disque zur Rede gestelll. Darauf ging Gioth mit einer Eisen st ange auf den Hilfsmeister l o s und verletzte ihni am Arm erheblich. Hierauf erfolgte seine frist­lose Entlassung. Bei seiner Entlassung

kündigte er an, daß er sich an allen, die ihn un­gerecht behandelt hätten, rächen würde.

Nachdem sich Gioth am 17. April von dem Zeugen Heiß eine Selbstladepistole mit 25 Pa­tronen gekauft hatte, schlich er sich am Tage dar­auf in Arbeitskleidung mit zwei Pistolen und einem geöffneten Messer in die Fabrik, überfiel zunächst im Bau 87 den Meister Schneider und den Kalkulator Lauper mit den Worten:Ihr Schufte" und tötete Schnei­der durchvier Schüsse. Lauper wurde durch zwei Schüsse tödlich verletzt. Irn Dau 565 schoß er auf den ihm entgegeneilenden Disque, der schwer getroffen wurde, sich aber noch auf ihn warf. Gioth riß sich los, flüchtete nach einem anderen Dau und schoß dort auf Graf. Die Waffe versagte. Er spannte nnt und schoß mehr­mals. Da Graf sich blitzschnell zu Boden fallen ließ, wurde er nicht getroffen, h ngegen der hin­zueilende QReifter Heiß durch zwei Schüsse.

Beim Verlosten des Baues schoß Gioth noch den Zeugen Platz ins linke Bein. Platz warf sich sokort zu Boden, so daß die weiteren Schüsse ihr Ziel verfehlten. Daraus flüchtete Gioth, erschien aber bald wieder in der Werkstatt und schoß erneut auf Heiß. Dieser erhielt einen schweren Wirbelschuh, der zu gänzlicher Lähmung und zum späteren Tode führte. Als Graf tele­phonisch Polizei ich« Hilfe herbeirufen wollte, kam Gioth und zielte auf den sofort flüchtenden Graf. Gioth stellte sich daraus aus der Polizeistation. Gioth ist dreier Verbrechen des Mordes und dreier Verbrechen des versuchten Mordes in Tat­

einheit gemäß § 211 und 43 des RStrGB. an* geklagt. "

verbandstag bes Reichsverbandes der deutschen poft- und Telegraphenbeamten.

Im weiteren Verlauf bes Verbanbstages bes Reichsoerbanbes ber beutfchen Poft- unb Tele­graphenbeamten ergab sich zum Geschäftsbericht eine ausführliche Aussprache, in ber bie Tätigkeit bes Vorstandes im wesentlichen gebilligt würbe. Dem Vorstände wurde Entlastung erteilt. Der Schatz­meister bes Deutschen Beamtenbundes, Jenz, hatte nochmals die Stellungnahme des DBB. zur Besol­dungsreform erläutert. Frick begründete bann einen Antrag des Verbanbsvorstandes, der den 23er- banbsbeitrag von 1,30 auf 1,80 Mark erhöhen will, um die sozialen Aufgaben beffer als bisher erfüllen zu können. Weiter fei bie Bei­tragserhöhung namentlich für Bilbungszwecke ge­dacht. Der Verbandstag vertagte bann bie weiteren Verhandlungen auf Dienstag, um den acht Ausschüs­sen Gelegenheit zu Vorberatung der mehreren hundert vorliegenden Einzelanträg'e zu geben. Am Dienstag werden die Vertreter der Behörden offiziell den Verbandstag begrüßen. Auch ist ein Vortrag von Unioerfilätsprofeßor Dr. S o rn- bar t (Berlin) über wirtschaftliche Fragen vorge­sehen.

Schwere Aulounsälle.

In Westfalen, zwischen Lennep und Dergisch- Tom, ereignete sich ein schweres Autounglück, dem zwei Personen xum Opfer fielen. Der einem Bahnübergang rutschte das Auto tri' sechs Meter hohe Böschung hinab und stürz'e auf die Gleise. Die beiden Insassen, ein Bier- verleger aus Düsseldorf und sein Chauffeur, waren sofort tot. Da die Aufräumungsarbeiten! längere Zeit in Anspruch nahmen, erlitt ben Zugverkehr ehre mehr als halbstündige Ver­spätung.

Bei Hannover im amerikanischen Staate Mary­land überfuhr der Baltimore Ohio-Ex­preß an einem Bahnübergang ein Auto, wobei sieben Personen den Tod fanden. Drei der Insassen wurden aus dem Wagen weit weg­geschleudert. Zwei verfingen sich in den Trüm­mern: eine Mutter und ihr Kind blieben mit dem Benzinbehälter des Autos an der Loko­motive hängen und verbrannten, als bet Behälter explodierte. In Cleveland wur­den beim Zusammenstoß cin.'d Personenautos mit einem Lastauto fünf junge Leute getötet, die in früher Stunde von einem Gelage zurück­kehrten. Der Führer des Personenwagens ist schwer verletzt.

Erfolglose Fahndung auf ein Schmuggelauto.

Da der Polizei In Iülich die Durchfahrt eines mit mehreren Zentnern geschmuggelten Kaffees beladenen Autos gemeldet war, wurden früh 6 Uhr zwei Beamte an der Roer-Brücke aufgestellt, um das Auto abzufangen. Nachdem mehrere Wagen erfolglos durchsucht worden waren, näherte sich ein Auto in auffälliger Elle. Als dieses auf der Brücke einen Karren Über­holen wollte, verbarrikadierten die Be­amten die Straße mit einem kleinen Kastenwagen. Der Autoführer setzte aber in voller Fahrt mit abgeblendcten Lichtern über das Hin­dernis hinweg, fo daß der Kas'enwagen zertrümmert wurde. Das Auto blieb unbeschädigt und enttarn unerkannt.

Agathe Thoma f.

In Karlsruhe ist im 80. Lebensjahre bie Schwester bes Altmeisters Hans Thoma, Agathe Thoma, bie eine treue Weggenossin unb Helferin bes großen Künstlers war, gejtorben. Sie hat sich befonbers um bas Karlsruher Hans-Thoma-Archio Verbienste er­worben.

Oie Wetterlage.

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A-c.re wo raussage.

Die Ranbstörungen ber im Norben vorüberziehen- benDruckfallgebiete führen ozeonischeLuftmassen nach bem Kontinent, die außer Bewölkung auch gelegent­lich zu Niederschlägen führen. Die Temperaturen, bie anfänglich ansteigen, bürsten später mit bem Vor­bringen maritimer Luftmassen aus höheren Brellen wieder etwas zurückgehen.

WettervorhersagefürMittwoch: Wol­kiges Wetter, auch vorübergehend aufheiternb, ver­einzelt Niederschläge, zunächst etwas milder, süd­westliche bis westliche Winde.

Witterungsaussichten fürDonners» tag: Wechselnde Bewölkung, Temperaturen schwankend, weiterhin vereinzell Niederschläge.

Lufttemperaturen am 29. Oktober: m.ttags 11,8 Grad Celsius, abends 7,1 Grad Celsius; am 30. Okt.: morgens 6,2 Grad Celsius. Maximum 12,2 Grad Celsius, Minimum: 5 Grad Celsius. Erd- temperaturen am 29. Oktober: bends 11,6 Grad Cel­sius; am 30. Oktober: morgens 7,4 Grab Celsius. Sonnenscheinbauer 5i Stunden.