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Nr. 256 erstes Mail
178. Jahrgang
Dienstag, 50. ©ftober 1928
Laaah»» oen Snjeigei für bie lagtsnnmmer bis zu« Nachmittag vorher.
Preis fflr [ mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt hillman«, sämtlich in Gießen.
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Sonntags and Friertags JH6MBK7 IgV ö
mGletzener Anzeiger
infolge höherer Gewalt.
ZZW General-Anzeiger für Gberhefsen
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„Graf Zeppelin" auf der Heimreise über dem Atlantik.
Mer Herren folgen dem Metten Flug, dein unser großes, schönes Luftschiff .Gras Zeppelin" nunmehr in der Richtung Lakehurst — Friedrichshafen zurücklegt. Es scheint, alS ob er dieSma-l günstigere Wetterbedingungen angetroffen hat und den kürzeren nördlichen Kurs eingefch^agen hat. Wenn alles gut geht, kann er Mittwochabend oder Don- nerSt<^früh die heimatliche Halle am Bodensee wieder beziehen, um sich für neue Taten zu rüsten. Mle Deutschen hoffen inbrünstig, daß diese erste Fahrt in westöstlicher Richtung ohne einen Zwischenfall veriäust wie die erste nach Amerika.
Wenn wir daS schöne Schiff bei der glücklichen Ankunft in Deutschland begrüben, dann erfüllt uns als Deutsche doppelte Genugtuung. Wir sind stolz darauf, daß sich deutsche Technik und deutsche Wissenschaft abermals so glänzend bewahrt haben und die Bewunderung der ganzen Welt erringen. Wenn sich hier und da Reid und Mißgunst hineinmischen, so soll daS unsere Freude nicht stören. Darüber hinaus aber empfinden wir ganz besondere Freude darüber, daß wir nicht wie vor vier Jahren den „Gras Zeppelin" den Amerikanern als Eigentum überlassen muhten, sondern daß wir ihn in unserem festen Besitz haben und behalten. Hoffentlich wird er noch oft die deutsche Handelsflagge in allen Gegenden der Welt zeigen und so werben für den deutschen Ramen. Ein besseres Mittel, unsere Stellung als Ration unter den Völkern der Erde zu stützen und zu stärken, als die Fahrten des „Graf Zeppelin'^ vermag man sich wirklich nicht vorzustellen. Schon hieraus geht hervor, dah es s i che rlich kein Luxus ist den sich das deutsche Volk mit dem Bau dieses Luftschiffes geleistet hat. sondern dah das Unter- nehmen einen sehr realen Hintergrund hat.
Wir wissen noch nicht, ob und wie sich die Pläne Dr. Eckeners verwirklichen werden, die darauf abzielen, eine ganze Anzahl neuer Lufb- schrsfe zu bauen, die den Verkehr mit Amerika und anderen Teilen der Welt in regelmäßigen Fahrten aufnehmen sollen. Gr hat ja mit interessierten Männern der FinanzwÄt drüben eifrige Besprechungen gepflogen, und wir wollen wünschen, daß seine Pläne bald in die Tat umgesetzt werden können. Gew ist, am liebsten würden wir es sehen, wenn das deutsche Volk auseigener Kraft imstande wäre, die gewaltigen Mittel aufzubringen, die erforderlich sind, um eine solche Flotte von Handelsluftschiffen zu bauen. Aber dazu sind wir nun einmal leider nicht in der Lage, und wir müssen uns damit begnügen, daß uns das Ausland mit Kapital hilfreich zur Seite steht.
Mindestens darf man sagen, dah sich die deutsche Luftschiffahrt bereits jetzt das volle Vertrauen der ganzen übrigen Welt erworben hat, und darauf können Dr. Eckener und seine Mitarbeiter fußen. We>nn je ein gesunder Optimismus angebracht ist. daun trifft es hier zu. Es ist durchaus kein Hirngespinst und kein leeres Phantasiegebilde, wenn man sich ausmalt, dah in wenigen Zähren Zeppeline, noch gewaltiger als das jüngste Produkt der Friedrichshafener Werst, das Lüstmeer nach allen Richtungen durcheilen und den Verkehr über Entfernungen vermitteln. die noch vor kurzem als kaum überwindbar erschienen. Man braucht nur daran zu denken, was für ebne Entwicklung das Flugwesen hinter sich hat. um daran zu beurteilen, was für eine Rolle im künftigen Döllerverlchr die Zeppellne spielen können und werden. Aber sie allein sind dann mit dem deutschen Volk und dem Ramen des Mannes verbunden, den das jetzt auf seinem zweite>n Fluge den Luftozean zwischen Amerika und Deutschland kreuzende Schiff trägt.
Oer Start in Lakehurst.
Glatte Startmanöver.
Lakehurst, 29. Oft. (WTB.) Der Start des „Graf Zeppelin" zu seiner Heimreise ging ebenso schnell und lercht vonstatten, wie die Landung, die vor 14 Tagen erfolgte. Die Hilfsmannschaft, aus über 300 Matrosen bestehend und durch die Manöver mit der „Los Angeles" trainiert, marschierte zu den ihr angewiesenen Posten^ hielt den Luitriesen fest, und auf das Kommando des Offiziers wurde das große Luftschiff, das über seine garue Länge erzitterte, von den Seeleuten im Marsch- schritt aus der L u f t s ch i f f h a l le gezogen. So wurde auch die Gefahr vermieden, dah das Luftschiff seine silbernen Flanken an den Pfosten der Luftschiffhalle zerrih. Das Luftschiff glich einem riesigenschwarzen Ginget ü m, dessen Rücken von dem Lichtbild des Mondscheins silbern erglänzte. Das Luftschiff drehte sich darauf nordwärts und bewegte lich vorsichtig unter der Führung der Matrosen einer kleinen Bodensenkung zu, weit genug von der Luftschiffhalle entfernt, so dah nicht mehr die Gefahr bestand, dah es vom Winde gegen die Stahlpfosten getrieben werden konnte. Diese Arbeit benötigte weniger als zehn Minuten. Als die Mannschaften, die den „Graf Zeppelin" auS der Luftschiffhalle geholt hatten, die Seile losliehen, und das Rattern der fünf großen Mofore die nächtliche ©tüte unterbrach, schoh das Luftschiff aufwärts, dem Mond entgegen und beschrieb einen großen
Kreis um die Flugstation, die seit seiner Airkunft von Deutschlarrd sein Heim war. Darm nahm daS Luftschiff nordöstlichen Kurs, dem Ozean entgegen.
Oer erste Tag der Rückfahrt.
Die amerikanische Küste hinter sich. Nacht über dem Meer.
Reuyork, 30.OM. (MTV. Juntfprnd).) Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das, wie schon gemeldet, am INontagftüh 1.58 Uhr Reuyorker Zeit in Lakehurst gestartet war, und 3.16 Uhr nachts (9.16 MEZ.) Reuyork überflogen hatte, wurde am 5.50 Uhr von der Küstenwache von Gay head mit Kurs auf Jalmoulf) (Cape Cob) gesichtet. Die Fahrstrecke entlang der Ostküste wurde sehr rasch zurllck- gclegf. „Gras Zeppelin" verlieh das Festland bereits um 6.05 Uhr amerikanischer Zeit Inder Rühe von Chatham (Massachusets) in nordöstlicher Richtung und nahm Kurs auf das offene Meer. Mit groher Geschwindigkeit wurde Rantucket Sund, etwa zwischen der Mitte des Leuchtturms Great Point und Monotony Leuchtturm an der Spitze des Cape Cod überflogen. Die Leuchtturmwärter und eine Jägergruppe, die das Luftschiff beobachteten, schätzten die Geschwindigkeit auf achtzig Meilen, die höhe auf 1600 Fuh.
Der letzte Mensch auf dieser Seite des Ozeans, der das Luftschifs sah, war der Wärter aus dem Leuchtturm von Ranlucket, Larsen, der, wie et berichtet, den „Graf Zeppelin" erst aus den Augen verlor, als bereits mehrere Meilen zwischen dem Luftfchiss und der Insel lagen. Da» erste Schiff, das den „Gras Zeppelin" über dem Meere gesichtet hat, war der amerikanische Schifssdampser „Dld- geon" nm 7.15 Uhr amerikanischer Zeil 75 Meilen nordöstlich Chatham. Um 10.15 Uhr wurde das Schiss von dem Dampfer „Caconia“ etwa 90 Meilen südwestlich Cape Sabel (Reuschottlaud) gesichtet. Radiotelegramme, die von Borb des Luftschiffes nach der Funkstation von Portland (Maine) gegen 10 Uhr übermittelt wurden, berichteten, dah an Borb de» Luftschiffe» alles wohl sei. Die Motoren arbeiteten ausgezeichnet, das Wetter sei wundervoll. Der hapagdampfer „Deutschland" ist mit dem „Graf Zeppelin" um ein Uhr nachmittags Greenwicher Zeit in drahtlose Verbindung gekommen. Ct konnte das Luftschiff jedoch nicht sehen. Wegen schlechter atmosphärischer Verbindungen war eine Positionsangabe nicht zu erreichen.
Die erste Strecke.
Reuyotk, 30.Oft. (WTB. Funkspruch.) Cs wird hier angenommen, dah der „Gras Zeppelin" um 6 Uhr früh MCZ. etwa ein viertel der Gesamtstrecke Lakehurst—Friedrichshafen zurückgelegt hat. Die Fahrtgeschwindigkeit in der Rähe der Reufundlandinseln wird auf zeitweilig 160 Kilometer geschäht, wobei man den starken Rückenwind in Rechnung stellt, doch wird aus den Position»- und Kursmeldungen geschlossen, dah der „Gras Zeppelin" in mehrere Sturmböen geriet. Offenbar ist das Luftschiff in der Rähe von Reusundland.
Oie Passagiere des „Gras Zeppelin".
N e u g o r f, 29 Oktober. (WB.) Don den 63 Personen an Bord des „Gras Zeppelin" sind 25 Passagiere, darunter drei amerikanische Marineoffiziere. Herr von Wiegand befindet sich nicht unter den Miisahrenden. Auch Lady Drum- m o n b fehlte, da sie angeblich an einer Filmdar- fteUung des letzten Zeppelinfiugs beteiligt ist. Auf der Passagierliste befand sich dafür William UH» mann, ein Sohn de» Teilhabers des Herrn Joseph Jes sei, der selbst kurz vor der Abfahrt noch einen Unfall hatte. Jesi'el war mit seinen Familienangehörigen im Automobil zu dem 16 Kilometer entfernten L a k e w o o d gefahren, um zuAbend zu speisen. Auf der Tpäten, schnellen Rückfahrt über dunkle, schmale Zufahrtstrahen zur Flugstation stürzte das Automobil in einer Kurve um, wobei die Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Jesfel selbst erhielt Risse und Abschürfungen im Gesicht, wurde schien» nigst in Lakewood notdürftig verbunden und mit Jod eingepinselt und traf in Lakehurst gerade oor bem Abflug des Luftschiffes ein. Seine schwerer verletzte Mutter drängte ihren Sohn, trotz des Unfalls, sich die Mitfahrt nicht zu versagen.
Die Passagiere des Zeppelins waren zwar bereits gestern abend davon unterrichtet worben, baß der Zeppelin in den nächsten Tagen starten würde und hielten sich in der Nähe des Luftschiffes auf. Die Benachrichiiguna war jedoch so plötzlich erfolgt, daß die Passagiere nicht rechtzeitig zu Abend essen konnten. Da sie zu spät in Lakehurst eintrafen, waren sie darauf angewiesen, in der Kantine der großen Halle sich mit warmen Würstchen und Limonade zu begnügen. Das Luftschiff hat diesmal als M a s c o t ein chinesisches Pala st Hündchen mit, das von der Eesevsck)aft gestiftet wurde, die das Benzol für den Zeppelin geliefert hat.
Ein blinder Passagier an Bord.
Der .Lokalanzeiaer" meldet von Bord be» „Graf Zeppelin": Um 6 Uhr morgen» wurde ein blinder Passagier an Bord entdeckt. Ein 17jähriger blonder amerikanischer Junge, der bei einem Rechtsanwalt arbeitet. Wir haben um 6.30 Uhr das Feuerschiff Pollock passiert. Jetzt ist es trotz herrlichem Sonnenaufgang über dem Ozean sehr falt Der blinde Passagier Clarence Terhune, der nach seiner Vaterstadt den Spitznamen S t. L o u i s sührt, erklärte, in der vergangenen Woche geheimnisvoll zu feinen Freunden, er werde bald weggehen. Die Freunde glaubten, er meine Kalifornien. Er muß jetzt Geschirr waschen. — Nach feiner Entdeckung erhielt er zuerst etwas zu essen, da er völlig ausgehungert war. Er ist übrigens kein Neuling auf dem Gebiet des Umsonstfah» rens da er bereits als blinder Passagier die Jungfernfahrt des größten amerikanischen Motorschiffes „California" mltgemacht hat.
Oie Ladung des Luftschiffs.
Lakehurst, 29. Ott. (WB.) Außer einigen Daumwollballen nahm der „Graf Zeppelin" drei weitere Frachtstücke an Bord, bestehend aus zwei Reiseschreibmaschinen für die Freund Company in München, eine K i st e gravierter Kupferplatten, die vom Marinebureau von Amerika einer Versicherungsgesellschaft zuAestellt werden, und ferner eine Kiste mit weiden st off, der nach dem Beginn des Amerikafluges des „Graf Zeppelin" gewebt wurde und das Luftschiff in seinem Fluge über Reuyork zeigt Das Gepäck der Passagiere war auf je 44 Pfund beschränkt Die Post di« 32 Postsäcke füllte, hat ein Gesamtgewicht von 1531 Pfund.
Sin letztes Interview mit Eckener.
Zukunftspläne — Der vorautzftchtlicheKurs.
Reuyork, 29. Ott. (T. 11.) In einer Unterredung mtt dem Reuyorker Vertreter des „Acht älh v Abendblatt es" äußerte Dr. Eckener u. a., daß die Zeppelinfahrt bereits den RachweiS geliefert habe, daß das Luftschiff in keiner Hinsicht verbesserungsbedürftig sei. Eine größere Geschwindigkeit könne mit den vorhandenen Motoren nicht erreicht werden und sei auch nickt beabsichtigt, da der „®raf Zeppelin" künftig a l s Schulschiff zur Ausbildung weiterer Zeppelinmannschalten Verwendung finden soll. 3m übrigen ist 6ei den späteren Fahrten des Zeppelin mehr an die Beförderung von Post als an Passagiere gedacht. Ein Dienst, der sich nach Ansicht Dr. Eckeners durchaus gewinnbringend gestalten muß. Es habe nicht in der Absicht Dr. Eckeners gelegen, bei seinen Verhandlungen mit amerikanischen Finanzkreisen bereits zu endgültigen Ergebnissen zu gelangen, das sei eine Frage der Zeit und der kommenden Entwicklung. Rach dieser Demonstration eines Amerikafluges würden die amtlichen deutschen Stellen höchstwahrscheinlich Subventionsvorschläge zu machen haben und er hoffe, selbst bald in Berlin Gelegenheit zu haben, zu hören, welcher Art diese Vorschläge sind.
Auf die Frage nach dem Kurse des Rückfluges erklärte Dr. Eckener, daß eine U e 6 erflieg u n g Berlins ungewiß sei und davon abhänge, wo das Luftschiff Europa an- steuert. Wenn es über England oder dem Kanal ankommt, würde die Route natürlich über Berlin gehen. Falls jedoch ein südlicher Kurs ein geschlagen wird, würde es üben Mittel- und Südfrankreich via Va- s e l direkt nach Friedrichshafen gehen.
Letzte Mfchiedsgrüße.
Washington, 29. Oft. (WB.) Der deutsche Botschafter, Dr. von Prittwitz und Gaff- ron, sandte, sobald er die Rachricht vom Abflug des „Gras Zeppelin" erfahren Hatto, folgenden Funkspruch an Dr. Eckener: ^Empfangen Sie, sehr verehrter Herw Dr. Eckener, beim Verlassen des amerikanischen Ffttlandes nochma5s den Ausdruck meiner Bewunderung und meines Dankes für das hier im deutschen Interesse Gelei st ete. Ich wünsche Ihnen, Ihrem Schiff und allen Mitreisenden glückliche Heimfahrt. Gez. P r i 11 to i tz."
Der Llnterstaatssekretär im Marine- amt, Warner, richtete folgenden Funkspruch an Dr. Eckener: „Bedauere lebhaft, daß es mir unmöglich ist, Lakehurst vor dem Abflug zu erreichen. Wünsche Ihnen gute Fahrt b i s Friedri chshafew Mir sind dankbar dafür, dah drei Marineoff:ziere Gelegenheit zur Teilnahme an der Fahrt haben und sehen mit Freude Ihrer nächsten Amerikafahrt entgegen. Persönliche Grüße an alle an Bord."
DieWetterlage Überbein Wanlik
Günstige Aussichten für eine schnelle Rückreise.
Hamburg, 29. Oft. (WTB.) Das Seeflugreferat der Deutschen Seewarte gibt über die Wetterlage auf dem Rordallantifchen Ozean heute nachmittag folgende Liebers ich t:
Die Wetterlage auf dem Atlanttschen Ozean weist am Rachmittag nur geringe Aenderungen
gegen den Vormittag auf. Roch immer zieht sich eine Rinne tiefen Luftdruckes von Labrador osttwrdostwärts in Richtung auf die Farör und das europäische Rordmeer. Das heute morgen an der Ostküste von Labrador gelegene Tiefdruckgebiet zieht langsam ostwärts, wäh- reno das Tiefdruckgebiet nordwestlich von Irland bei wenig veränderter Lage sich noch vertieft hat. Sein Kern weist Barometerstände von nur 735 Millimeter auf. Vom Labradortief greift ein Ausländer über den Lorenzgolf und über Reuschvttland hinweg, während vom zweiten Tiefdruckgebiet mehrere Ausläufer über 45 Grad nördlicher Breite hinweg südwärts reichen.
Südlich der Tiefdruckrinne zieht sich am heurigen Nachmittag vom Innern des amerikanischen Festlandes ein Hochdruckgürtel ostwärts bis nach der Iberischen Halbinsel. Seine Achse liegt etwas längs des 40. Breitegrades. 2m Bereiche des Ausläufers der nördlichen Tief- druckri77ne wird das Luftschiff kräftige, zwischen Südwest und Rvrdwest schwankende Strömungen anftefsen, deren Geschwindigkeit streckenweise 50 Stundenkilometer betragen wird. Dabei wird wieder im Bereiche des Tiefausläusers vielfach schlechtes Flugwetter anzutrefsen sein. Aus niedrigen Wolken wird Regen vielfach in Form von Schauern fallen. Im Bereich eines auf ungefähr 35 Grad Westlänge gelegenen Tiefausläusers wird strichweise auch Hagel auf treten.
Sollte das Luftschiff jedoch einen Kurs über den Mittelatlantik einschlagen, so wird es in der Rähe des 40. Breitegrades größtenteils schwache Winde und vielfach heiteres Wetter antreffen. Aus dem Gebiete der Azoren auf dem Raume zwischen dem 35. und 43. Grad nördlicher Breite und 45. und 55. Grad westlicher Gänge werden sogar leichte östliche Winde am heutigen Nachmittag gemeldet. Setzt das Luftschiff feinen Kurs dagegen weite r nördlich an, so daß es mxh unter den Einfluß des zweiten atlantischen Tiefdruckgebiets kommt, so werden Regenfälle aus niedrigen Wolken ungünstiges Flugwett er, eine kräftige westliche Strömung aber rasches Dor - wärtskommen nach Osten bedingen. Im allgemeinen stellen die nördlich von 43 Grad Nordbreite stehenden westlichen Winde eine verhältnismäßig rasche Rückreise in Aussicht.
Oie Lage in Samoa.
Das Fiasko der ncusecländischen Mandats- Verwaltung.
Gens, 29. Olt. (WTB.) Die Mandatskommis ion des Völkerbundes hat von den zuge oge- nen neuseeländischen Deriretnrn, darunter von dem früheren Verwalter von West-Samoa, General Richardson. Auskünfte über de jejige Lage in diesem Mandatsgebiet verlangt, um sich Gewißheit zu verschas en über getoi se Nachrichten. die von einem Weiterbe stehen von Mißstimmungen bei einem Teil d.w Eingeborenen berichteten. Nach den Auskünften Richardsons besteht in West Samoa noch e n Geheimbund, der mit de n ausgewiesenen Anstifter der Unruhen, dem Mischlingskaustmann Nelson, in Verbind ng sie-t. ftfte älnzuf.ied n- heit unter den (Singe jor;nm werde von die e n durch die Verbreitung falscher Nachrichten auf- rechlerhalten. Nach weiteren Auskünfien des neuseeländischen Olerlommi sars in London, Sir James P a r r, habe sich die Lage im letzten Halbjahr gebessert, man dürfe jedoch keinen unmi t.'lcaren Er'olg erwarten. Die Ordnu'g werde aufrechterhalten, aber die Verwaltung stoße auf passiven Widerstand, inSbe onde e durch die Verweigerung der Steuern. Neu-Seeland werde, toi? er im Namen f.iner Regierung hinzufügte, äußerste Geduld anwenden, bevor es zu Zwangsmaßnahmen schreiten werde.
Das tschechische Nationalfest und die Deutschen.
Ltürmijche Kundgebungen imPragcrLenat.
Prag, 29. Oft. (WTB.) Im Namen der deutschen Opppfttionsparle'.en, deren Vertreter sick gestern in Reichenberg versammelt hatten, erklärte Senator Hartl heute im Senat: „Die Deutschen haben durchaus keinen Gmind, sich an den Iubiläumsfeierlichleiien der Tschechoslowakei zu beteiligen, denn diese Tage erinnern sie nur an das in den abgelaufenen 10 Jahren an den Deutschen verübte Unrecht. Sie gedenken in tiefer Trauer der Opfer, die während dieser Zeit gefallen sind, und sind fest entschlofsen, f ü r d i e endgültige nationale Freiheit und Selbständigkeit der Deutschen zu kämpfen." Der Redner wurde vom Vorsitzenden wiederholt unterbrochen. Die tschechoslowakischen Senatoren protestierten stürmisch gegen die Ausführungen des deuffchen Senators und brachten Hochrufe auf die Republik aus. Senator Proshek wandte sich nachdrücklich gegen d e Ausführungen des Senators Hartl unb sagte, den Deutschen fei während der zehn Jahre kein Unrecht widerfahren. Er wünsche nur, daß allen Minderheiten anderswo so viel Recht zuteil werde, wie dem deuffchen Volke in der tschecho-


