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Heute nachmittag entschlief nach kurzem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden unser Heber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel

Herr Friedrich Bierau

im Alter von 72 Jahren.

Die trauernden Hinterbliebenen.

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Am Sonntag früh entschlief sanft infolge eines Schlaganfalles nach kurzem Leiden unser lieber, guter Vater, Schwiegervater und Großvater

Herr Georg Throm

Im fast vollendeten 78. Lebensjahre.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Vorirotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadt­theater:Die Ballerina des Königs", Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22 Uhr. Gesellschaft für Erd« und Völkerkunde: Lichtbrldervortrag, 815 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Lichtspielhaus, Bahn« Hofstraße:Die heilige und lyt Narr". Astoria- Lichtspiele:Der Schrecken von Colorado.

Stadttheater Gießen. Nus dein Stadttheaterbureaiu wird uns geschrieben: Die VorstellungDie Ballerina des Königs" be­ginnt heute abend 19.30 Uhr. Morgen, Mitt­woch, gastiert das Frankfurter Neue Operetten- cheater mitGräfin Eva". Beginn der Vorstel­lung pünktlich 19.30 Uhr. Auf vielfache An­fragen sei hierdurch nochmals ausdrücklich be­tont, daß die Operettengastspiele nicht mehr durch das Operettenensemble Sander gegeben werden, sondern daß die 3ntenZ>an.) des Stadttheaters für sämtliche Operettengostspiele das Frank­furter Reue Operettentheater (Direk­tion Glock und Land) verpflichtet hat. Das Frankfurter (Neue Operettentheater gehört zu den führenden Operettenbühnen Deutschlands. Alle Aufführungen kommen in der Frankfurter Orginalbesehung in Giehen heraus.

Gokdenehochzelt. Botenmeister 1.9t. und Kirchenoorsteher Andreas Göbel, Ebelstraße 11a, kann heute mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit begehen.

* Diebstahl. Der heutige Polizeibericht meldet: Am 24. d. M., gegen 18 Uhr, wurden einer Be­wohnerin der Hofmannstrabe aus dem hinter dem Hause gelegenen Garten sechs Paar fast neue, hell- seidene Damenstrümpfe entwendet. Als Täter kommt eine Dame von etwa 1,70 Meter Größe, die mit einem dunklen Mantel und einer dunklen Mätze be­kleidet war, in Betracht. Personen, die Wahrneh­mungen über den Verbleib der Sachen bzw. die Täterin gemad)t haben, werden gebeten, der Krimi­nalabteilung Mitteilung zu machen.

" Vortrag im D. H. V. Die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Derbandes veranstaltete dieser Tage ihren zwei­ten dieswinterlichen Vortragsabend. Aach den Degrüßungsworten des Bildungsobmanns, Pro­kurist Hirsch, sprach Dr. B o e ck - Rorschacher­berg (Schweiz) über .Indische Gletscherfahrten in Oft- und West-Himalaya, im Banne deS Mount Everest". Der Vortragende berichtete da­bei in außerordentlich interessanter Weise üben die Erlebnisse auf einer Studienreise, die er im Jahre 1889 in jenes Gebiet unternahm. Mit Spannung folgte man den bilderreichen Schil­derungen. die der Vortragende auf Grund seine« reichen Erlebnisse geben konnte. Am Schlch'se seiner Darlegungen zeigte der Redner in eine« großen Zahl von Lichtbildern wunderbare Auf­nahmen von Land und Leuten In Neapel, ins­besondere von seiner grandiosen Dera- unL» Gletscherwelt. Reicher Beifall dankte ihm für seine fast dreistündigen Ausführungen. Es war ein wertvoller Abend, den man dem D. H. V. wieder zu danken hat.

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Im ersten Teil wurden Werke alter Meister ge­boten, und zwar zunächst eine Sonate für Cello und Klavier von Mariello (1686 bis 1739). Ernst Schneider war dem Werk ein feinfühliger In­terpret. Sein Ton ist stark und schön, feine Technik einwandfrei. Eine markantere dynamische Kon- traftierung hätte den langsamen Sätzen noch mehr plastische Wirkung verliehen. Es folgte eine Suite von Domencio Scalatti (1685 bis 1757), die in ihrer Durchsichtigkeit typischen Scarlattischen Kla- viersatz aufweist. Frau Schlesier-Altmann (Klavier) spielte die Suite mit Geschmack und sau­berer Technik und verstand die Thematik geschickt herauszuarbeiten. Eine Arie aus Händels Terxes (Frau Michaelis-Sander) wurde in ihrer Wirkung durch zu starke Begleitung seitens Klavier und Cello etwas beeinträchtigt.

Im zweiten Teil kam zuerst eine Sonate für Cello und Klavier von Richard Strauß zu Gehör. Der erste Satz dieses Jugendwerkes des Meisters ist der stärkste. Herr Schneider (Cello) und Frl. Eckard (Klavier) musizerten mit großer Hingabe und technischer Sicherheit und boten jeder an seinem Platz eine eindrucksvolle und abgerun­dete Wiedergabe des Werks. Die danach folgende Konzert-Etüde von Kullak für Klavier ist mufika- lisch recht flach und eignet sich eigentlich kaum für den Konzertvortrag. Frau Schlesier-Alt- mann wertete sie soviel wie möglich musikalisch aus, blieb ihr jedoch rein technisch hin und wieder etwas schuldig. Schließlich sang Frau Michae- lis-Sander noch je zwei Lieder von Strauß und Pfitzner, die sie mit ihrem wohlklingenden Organ mit prägnantem Ausdruck den Hörern ver­mittelte. Frau Schlesier-Altmann begleitete die Gesänge dezent und mit glücklicher Anpassung. Der Beifall war bei jeder Darbietung sehr herzlich.

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Daten für Mittwoch, 31. Oktober 1928.

Sonnenaufgang 6.50 Uhr, Sonnenuntergang 16.36 Uhr. Mondaufgang 18.07 Uhr, Monduntergang 10.11 Uhr.

1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schloßkirche zu Witten­berg; 1835: der Chemiker Adolf von Baeyer in Berlin geboren.

Gießener Wochenmarktpreise

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 210; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 12 bis 20; gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15; Spinat 25 bis 40; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feld­salat 100 bis 120; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 15; Meerrettich 50 bis 150; Schwarz­wurzeln 40 bis 70; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Birnen 10 bis 30; junge Hähne 100 bis HO; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 90 bis 120; Rüsse 60 bis 100; das Stück: Eier 17 bis 18; Blumenkohl 50 bis 150; Salat 10 bis 20; En­divien 10 bis 30; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20: Sellerie 20 bis 50; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Wirsing 10; Weißkraut 6,50 bis 7; Rotkraut 12; Kartoffeln 4,50 bis 4,80; Aepfel 22 bis 35; Dirnen 10 bis 20 Mark.

E i n Mädchen vermißt. Wie der heu­tige Polizeibericht mitteilt, wird seit dem 21. Ok­tober die 17 Jahre alte Margarete Wieth aus Gießen vermißt. Gründe für das Ver­schwinden des Mädchens sind nicht bekannt. Das Mädchen ist etwa 1,60 Meter groß, schlank, hat ovale Grsichtssorm, braune Augen, blond­lockigen Bubikopf, als besonderes Kennzeichen an der linken Hand verstümmelten Mittelsinger. Es trug bei seinem Fortgänge dunkelblauen Mantel mit schwarzem Pelzkragen, dunkelblaues Kleid, buntgestickte Bluse, braune Strickjacke, braun« Spangenschuhe, halbseidene Florstrümpf«. Personen, die Wahrnehmungen über die Ver­mißte machen können, werden gebeten, der Krimi­nalpolizei Gießen Kenntnis zu geben.

** Anlagenkonzert findet morgen, Mitt­woch, 16 Uhr, durch das Musikkorps des 1. (Hess.) Bataillons, bei günstiger Witterung am Liebigdenk- mal statt. Leitung. Obermusikmeister L ö b e r. Die Musikfolge ist: 1. Armeemarsch II, Nr. 160, Pepita- marsch von C. Neumann. 2. Große Fantasie aus der OperSiegfried" von N. Wagner. 3. Rheinwellen, Walzer von W. Löber. 4. Vom Rhein zur Donau, Rheinlieder-Potpourri von M. Nhode. 5. Unter dem Sparrenschild, Marsch für Heroldtrompeten und Kesselpauken von M. Henrion.

** Personalien. Ernannt wurden der Gen- darmeriehauptwachtmeister Jakob Manz zu Rom- rod zum Gendarmeriemeister mit Wirkung vom 1.September 1928 ab; der Schulamtsanwärter Gos­win R a i ß aus Frankfurt zum Lehrer an der Volks­schule zu Steinfurth (Kreis Lauterbach); die Schul- amtsanwärterin Emma Müller aus Lang-Göns zur Lehrerin an der Volksschule zu Großen-Linden.

** Eine Achtzigjährige. Nachdem am 1. Oktober der frühere Steinbruchbesitzer, jetzige Rentier Johannes Nickel, Großer Steinweg, feinen 81. Geburtstag feierte, kann heute dessen Ehe­frau ihren 80. Geburtstag in voller Frische begehen.

Aus her Provinzialbaupistadi.

Dießen, den 30. Oktober 1928.

Herbstlicher Erdgeruch.

Du fdjreüeft über die herbstliche Flur. Bevor der Linier seine Unbill schickt, willst du noch ein wenig oi, der Natur erhaschen, und du freust dich der werten Stimmungsreize, die sich dir freigebig an- bieten Dort schweben Nebelschwaden durchs Tal wie ccgleier von Elfen geworfen. Das gebrochene Licht wirst sich zart über die Dinge, über den fernen Wald, nbcr das Dörfchen dort am Hügel. Und noch ein oberes ist um dich, das dich aufmerken läßt: Ein qmz eigenartiger Duft kommt zu dir, herb und süß zugleich Vielleicht ist er es vor allem, der dir gibt, cas du herbstliche Stimmung nennst. Er macht dich ia erst empfänglich für das andere, das deine Augen chen, durch ihn gewinnst du erst richtig die nahe Seziehung zum Herbst.

Erdgeruchl Diele gibt es wohl, die sich von der natur entfernt haben, daß ihnen dieser Duft nur itienig zu sagen hat. Aber ganz entziehen kann sich ihm wohl keiner. Freilich den vollen Gehalt schöpft wohl nur aus, der an seinem Grund und Boden h ingt, sich mit ihm so eng verbunden fühlt, daß er ! lein Leben gar nicht denken kann ohne diesen Besitz, | bun seine Sorge, seine Mühe gilt, von dem er aber - and) Ernte und Freude empfängt. Wenn der Land- itiann über feinen Acker schreitet und den herben Duft atmet, dann kommt ihm das echte frohe Heim- g.:fühl. Mag der Winter drohen, der über die Berge h-reinsieht, was tut's? Das neue Werden wartet ja schon wieder.

Rein, es ist svgar schon da. Denn was ist Eier Duft denn anderes alS das Weben und schaffen in der Werkstatt der Ratur? Richt die Erdschollen duften ja, sondern ganz kleine Boden» bckterien sind am Werke, abgestorbene Pflanzen »nb Tiere im Boden zersehend und sie dem mmen Kreislauf in der Ratur zu führend. Kleine Heinzelmännchen sind es, deren Aufgabe es ist, Helfer zu sein für die Erhaltimg des Gleich­gewichts in der Ratur. Was sein Ziel erfüllt hat, muß abtreten und ist dem Untergang ge­weiht. Aber es gibt keine völlige Vevniichtung in Haushalt der Ratur: AuS dem Zerfallenden baut sich Reues auf, daS wieder zu Blüte und Dust und Frucht führt. Ein ewiges, wunder- scnneS Wechselspiel ist es, dem zu lauschen, dem nachzuforschen mit schauenden Lingen, die hinter die Dinge sehen, einen eigenartigen Reiz besitzt.

So ist bann der herbstliche Erbgeruch nicht nur , Slimmungsreiz, fonbern mehr: Einblick in bas im großen und kleinen urgewaltige Schaffen und Wirken im Weltall ist es, bas Kleinste verwanbt bem Gang her Weiten, und bas Größte auch nur Wirkung jenes Ubegreiflichen, vor bem der Mensch in Andacht oer- i«nken steht. S.

Konzert im Realgymnasium.

Frau Schlesier-Altrnann gab am Sarns- faa in der Aula des Realgymnasiums ein Konzert, bei bem noch Frau Lore Michaelis-Sander I (Oefang), Frl Marie Eckard- Gießen, (Klavier) , u nb Herr Ernst Schneider -Gießen (Cello) mit- wirkten.

Arbeitsvergebung.

Unter Hinweis auf die Bestimmungen der Reichsoerdingunqsordnung wirb die Anfertigung folgender Möbel für das neue Polizeiamt in Gießen im öffentlichen Wett­bewerb vergeben: 9528D

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Zuschlagsfrist: drei Wochen.

Gießen, den 30. Oktober 1928.

Hessisches Hochbauamt Gießen.

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