Aeitag, 30. März (928
178. Jahrgang
Nr. 77 Erstes Matt
Tariferhöhung der Reichsbahn
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Abg. Or. Scholz (O. B. P.)
führt aus: Die Grundlagen der Stresemannschen Außenpolitik seien jetzt Gemeingut des deutschen Dolles geworden, auch der Deutschnationalen im Gegensatz zu ihrer früheren Haltung. Dem Grafen Bernstorfs gebühre Dank für feine energische und kluge Haltung als Unterhändler in Genf. (Beifall.) Das Ziel des Einheitsstaates müsse allmählich erreicht werden. Bismarck könne nicht als Kronzeuge für den ewigen Bestand der bundesstaatlichen Berfassung angerufen werden. Bon Bismarck sollte man aber
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Chefredakteur
Dr. Fnedr. Wiih. Lange. Verantwortlich für Polttik Dr. Fr. Wiih. Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen
Konjunktur nicht tun kann. Aus diesen Gründen muh man zu der Lleberzeugung kommen, daß die Reichsregierung nach wie vor eine Tariferhöhung ab lehn en wird.
Oer Beschluß
des Verwaltungsrats.
Berlin, 29. Mär;. (IDIB.) Amtlich, vom 26. bis 29. März 1928 tagte der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschast in Berlin. Die auch bei den vorigen Sitzungen, stand die finanzielle Lage im Vordergrund der Beratungen. Der Ausgleich der Ausgaben durch die Einnahmen macht immer größere Schwierigkeiten. Die Einnahmen auf den Zonenkilometer find durch Tarif- ermäfjigungen von 5,08 Pf. im Jafjre 1924 auf 4,44 Pf. im Jahre 1927 zurückgegangen. Bei einem allgemeinen Preisindex von 150 Pro), gegen 1913 betragen heute bei der Reichsbahn die Einnahmen für den Perfonenkllometer nur 123 Proz. und für den GÜterzonenkilometer nur 132 Proz. bet Einnahmen von 1913.
D Be 1 astung der Gesellschaft dagegen ist feit Beginn des Geschäftsjahres 1927 um 57 5 Millionen Reichsmark gestiegen, wovon auf Reparationszahlungen HO Millionen, auf Dividende für Vorzugsaktien 15 Millionen und auf Löhne und Gehälter 450 Millionen Reichsmark entfallen. Die Erhöhungen der Ausgaben je Kopf des Personals beträgt nach der neuen Gehalts- und Lohnregelung für die Beamten 184 Prozent, für die Arbeiter pro Arbeitsstunde 200 Prozent der Sähe von 1913. Dazu kommt die autzer- ordentlick-e Belastung der Reichsbahn mit Ruhe- geholtem, die von 114 Millionen in 1913 auf 500 Millionen Mark in 1927 gestiegen sind. Kur die günstige Verkehrsentwicklung seit Mitte 1926 und die feit Ende 1927 durchgeführte Einschränkung der Aufwendungen für Unterhaltung und Verbesserung der Anlagen unter ein auf die Dauer erträgliches Matz hat es ermöglicht, bisher von einer Tariferhöhung abzufehen. Die jetzige Drosselung der An- terhaltungs- und verbesferungsausgaben kann jedoch ohne dauernde Schädigung des Unternehmens nurnochsürganzkurzeZeit beibehalten werden. Eine wesentliche Vermehrung der Einnahmen durch Tariferhöhung ist also jetzt nicht mehr zu vermeiden.
Der verwaltungsrat Hai es deshalb unter Würdigung der dagegen sprechenden ernsten Bedenken im Einvernehmen mit der Hauptverwaltung für
Berlin, 29. März. Wie der ..Lokalanzeiger" ' man in Regierungskreisen der Absicht
der Reichsbahnverwaltung, durch Tariferhöhungen neue Einnahmequellen zu schassen, zum mindesten sehr skeptisch gegenüber. Es ist noch keineswegs als sicher anzusprechen, datz das Verkehrsministerium bzw. das Reichskabinett sich mit diesem Plan des Derwaltungsrats einverstanden erklären wird, denn man hegt begreiflicherweise die Besorgnis, daß eine solche Tariferhöhung, auch wenn sie sich nur auf 5 Prozent belaufen sollte, eine allgemeine Teuerungswelle im Gefolge haben konnte. Infolgedessen wird dieser Beschluß des Der» waltungsrates im Kabinett sehrgenaunach- g e prüft werden, und man wird möglicherweise vor einer Zustimmung zu diesem Beschlich der Reichsbahndirektion nahelegen, den Dersuch zu machen, auf andere Weise, z.B. durch Einschränkung der K a pi t a linv e st i e- rung, sich die benötigten Mittel zu verschaffen.
Abg. Graf Westarp (Dn.) bezeichnet es als einen einzigartigen Vorgang m der Geschichte der bisherigen 17 repuollkanischen Regierungen, dah nach formeller Losung der Koalition die Regierung[ t m Amt« geblieben ist und in verhältnismäßig kurzer Zeit noch eine Fülle nützlicher und praktischer Arbeit vollenden konnte. Die Arbeitsprogramms sei eine neue Bestätigung dasür. dah nur eine Verbindung der üNitte mit den Deutschnationalen, nicht eine solche mit ter Sozialdemokratie, feste Rcgierungsverhaltnisse und fruchtbringende Arbeit gewährleisten kann Auf weiten Gebieten habm wir den nach ^rer Ansicht erreichbaren Fortschritt nicht du chsehen können, well wir nicht allein die Mehrheit haben. Das gilt besonders für die auswar tige Politik. Auch wir wünschen tee fnete licte Verständigung mit Frankreich. Sie muß aber wirklich gegenseitig sein. Diesmn Ziele sind wir bis %eute nicht na he r .aekommen Die Räumung des Rheinlandes ist nicht erfolgt, die Fragen der Abrüstung, des Schutzes der Minderheitoii sind nicht gelost. Wo rst em teirch- schlaaender Erfolg im Kampf gegen dieSchuld lüge^Die letzte Rede des französis^n Mmllter- Präsidenten zeigt, daß in Frankreich _ ?u einer wahren Verständigung n i ch t vorhanten ift Wer glaubt im Ernst daran, daß es nach den Wahlen anders wird?! Der Aus gang der Abrüstungskonferenz verschärft d>e ernste Lage Alle Welt erkennt, daß es sich dort nur um9 eine Komödie handelt: es handelt sich nicht nur um ein Fiasko des Dolleichuntes.son dern um eine R i ed e rl ag c Deu ts ch l an ds. Die Grenze ter Geduld ist erreicht. Wir 611 ■ ligen^it Haltung des deutschen Vertreters auf der Abrüstungskonferenz und werden mit ällem Rachdruck daran arbeiten, daß.^September eine solche Regierung Vorhaben 'st. die den An kündigungen des Grasen Bernstorfs die ^at folgen läßt.
Abg. Or. Stegerwald (3 ) erkennt an, daß von der Negierung in den letzten fahren eine Fülle von Arbeit geleistet worden sei. Die zerrüttete deutsche Wirtschaft habe sich ihren Platz in der Weltwirtschaft w'eder errungen. Den in der Inflationszeit zermürbten Gehaltsund Lohnempfängern fei wenigstens die Lebens- Möglichkeit wieder gegeben worden. Die Dawes- qefetzgebung sei die Voraussetzung gewesen für die Wiederankurbelung der Wirtschaft^ und für die Steuersenkung, die fortgesetzt werden muffe. Die sozialpolitischen Fortschritte gegenüber ter Bor- kriegszeit seien nicht zu verkennen. Deullch and habe heute die beste Sozialversicherung der Welt. Unftr Volk mutz D i st a n z g e w i n neu zu der Entwicklung feit 13 Jahren. Wir muhen verhüten, daß durch die Verfolgung wirtschaftlicher Spezialinter- cfsen eine allgemeine Volksoerdrossenhett Platz greift zum Schaden aller Gruppen unseres Volkes. Wir brauchen keine Planwirtschaft aber eme planmäßig geleitete Wirtschaft, die vor allem auch der Not der Bauernschaft steuert. Neben der staatlichen Sozialpolitik brauchen wir eine fokale Staatspolitik. Es dürfen nicht an die Stelle ter ^gefetzten Landes- fürsten unbeschränkte Jndus^ieherzoge mit Kartellen und Trusts treten. (Ruse lmks. K ockncr Thyssen!) Wir verlangen eine foMe Schulpolitik, die in allen Schularten mit dem Kastengeist aufräumt und ohne Rücksicht auf die B€rmogcn5lagc jedem Bürger seinen Anteil an den Bildungsgutern der Nation sichert. Das Zentrum ist im neuen Staat
immer die Spitze der Republik und Demokratie gewesen. Es ist falsch, wenn man gerade mich als einen Gegner der Demokratie hinstellen will. Ich habe Herrn Dr. Wirth immer wieder Brücken gebaut; nicht aus Opportunismus. Ich war in den letzten Jahren häufig mit ihm nicht einverstanden, aber ich habe es nie zum Bruch kommen lassen, weil in ihm Kräfte lebendig sind, die für Deutschlands Geltung in der Welt und für den inneren Staatsaufbau von fundamentaler Bedeutung sind. (Bewegung.) Die Gegensätze liegen nicht im Ziele, sondern in der Methode und in dem Tempo des Vorgehens.
WchlMchl im Reichstag. - Prügelei auf offener Szene.
Fortsetzung der Eiatsberaiung. - Giresemann an die Deutschnationalen. - Or. Wirth und das Zentrum. Eine Mahnung Kahls. - Ein peinlicher Abschluß.
auch lernen, daß bei der Errichtung des Einheitsstaates die süddeutschen Länder mit der nötigen Vorsicht behandelt werten müssen. Die künstliche finanzielle Aufrechterhaltung an sich lebensunfähiger Staatsglieder müsse aufhören. Dann werte ter Weg zum Einheitsstaat leichter fein. Die sozialpolitische Arbeit der letzten Regierung sei anzuerkennen, es dürfe aber nicht vergessen werden, daß die Grundlage je* derSozialpolitikeinegesundeWirt- schaf tspolitik fei. (Beifall.)
Reichsaußenminister
Or. Gtresemann:
Wenn Graf Westarp erklärte, das F i a s k o der deutschen Autzenpolilik sei allgemein an« erkannt, so mutz aus dem Munde eines Führers ter größten Regierungspartei eine solche Erklärung seltsam anmuten. (Lebhafte Zustimmung.) Er hat die Haltung ter Deutschnationalen in ter Negierung damit erklärt, daß sich die Deutschnationalen gewissermaßen in einer Zwangslage befunden hätten. Er sagte, die Deutschnationalen hatten sich mit dem Locarnovertrag und tem Eintritt in den Völkerbund abfinden müssen: aber das bedeute keine nachträgliche Billigung dieser beiten Tatsachen. Bei ter Uebernahme ter Regierung hat aber Reichskanzler Marx gesagt, daß auf gemeinsamen Beschluß aller Regierungsparteien die bisherige Außenpolitik fortgesetzt werden solle. (Lebhafte Zustimmung.)
Berlin, 29. März. Der Reichstag tritt in die dritte Beratung des Etats für 1 9 2 8 ein.
Abg. Wels (£>.)
erklärt: Die an die neue Regierung geknüpften Erwartungen hätten enttäuscht, die beim Regierungsantritt festgelegten Richtlinien seien nicht eingehalten worden. Roch nie habe eine Regierung so jammervoll geendet wie die Regierung Marx-Schiele-v. Keudell. Für Winistersihe hätten die Deutschnationalen ihre augenblickliche Ueberzeugung verkauft. Seit ter Beteiligung ter Deutschnationalen an ter Burgerblockregie- rung habe die deutsche Auhenpolitik nicht ten geringsten Erfolg gehabt. Dr. Stresernann habe die in Genf und Thoiry angeknupsten Faden wieder verloren. Er sei von Gens immer wieder mit leeren Händen zurückgekommen und habe dennoch Vertrauenskundgebungen ter Deutscy- nationalen erhalten. Die schlimmsten Demütigungen habe Deutschland gerade unter der Regie- rung erfahren, in der vier deutschnationale Minister sahen. Die Befreiung Deutschlands könne nicht mit den Deutschnationalen, sondern nur gegen sie durchgeseht werden. Die gegen di e Ar- oeiterschast gerichtete Macht des Kapitalismus fei unter ter Dürgerblockregierung weiter gejtartt worden. Die weltanschaulich und parteipolitisch gespaltenen Arbeitermassen würden fick aber in dem kommenden Wahlkampf z u s a m m e n f t n * den zu einer sozialistischen Einheitsftont gegen die Mächte des Kapitalismus und Imperiatts- mus für den Völkersrirten und für die Befreiung ter arbeitenden Massen aus dem Joch ter Ausbeutung und älnterdrückung.
feine Pflicht gehalten, eine Tariferhöhung zu beschließen, die eine jährliche Mehrein- nähme von 250 Millionen Mark ergeben soll, wobei der Güterverkehr etwa zwei Drittel und der Personenverkehr etwa ein Drittel zu fragen hat.
Schwere Bedenken der Reichsregierung.
wenn Sie (zu den Deutschnationalen) meinen, dah die Methoden der Außenpolitik in dieser Regierungspolitik nicht richtig waren, was haben Sie denn getan, um diese Methoden zu ändern? (Sehr gut!) Graf Westarp sagte, die Deutschnationalen hätten in der Koalition nicht die Mehrheit gehabt. 3<h hatte auch nicht die Mehrheit. Es wäre doch Ihre Ausgabe gewesen, dem Reichvauhen- minifter richtigere Wege zu weisen und eine ganz andere Außenpolitik zu inaugurieren. (Sehr wahr!) Will Gras Westarp behaupten, daß wir weniger Veranlassung zu Klagen hätten, wenn wir nicht den Cocamovertrag abgeschlossen hätten und nicht in den Völkerbund eingetreien wären?
Er sagte auch, dah wir nach tem Locarno- und dem Dawesplan einen Rechtsanspruch auf die volle Räumung gehabt hätten. Unser Anspruch auf Rheinlandräumung grüntet sich aber nicht auf den Locarnovertrag, sondern auf die Bestimmungen des Versailler Vertrages. Graf Westarp wies hin auf die letzte Rede des französischen Ministerpräsidenten Poincarö. Als ich die ersten Zeitungsberichte über diese Rede las, war ich entsetzt über die Aeberschrift: „Poincare verlangt neue Pfänder von Deutschland!" Rach tem Wortlaut der Rete hat Poincars zwar den Ruhreinbruch mit Argumenten verteidigt, die ich für falsch halte, aber er hat dann gesagt, es habe keinen Zweck, von der Vergangenheit zu sprechen. Ich kann nicht aus der Rede des französischen Ministerpräsidenten eine Absage zur Frage der Rheinlandräumung herauslesen.
wir sind alle ter Meinung, daß sich aus dem Geiste ter Verträge die Notwendigkeit der bedingungslosen Räumung ergibt. Dafür weiter
zu kämpfen ist unsere Aufgabe.
Ich halte es deshalb nicht für richtig, in den Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten etwa eine Absage an ten bisherigen Gang der Politik zu sehen. Glaubt man, daß unsere Stellung in der Welt eine andere wäre, wenn die Locarnoverträge nicht bestünden. ^>n dem Begriff der psychologischen Atmosphäre unter den Böllern ist cm Impon- terabile, das früher viel zu sehr vernachlässigt worden ist. Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika ist materiell und ideell von größter Bedeutung. Die Widerstände dagegen, die bis in die letzten Sekunden angedauert haben, wären vielleicht nicht überwunden worden, wenn nicht die Atmosphäre ter letzten Jahre zwischen Deutschland und den anderen Völkern bestanden hätte Man kann nun einmal nicht jeden Tag die Bilanz ziehen. Wenn auf einem langen Wege einmal ein Still st and oder Rückschritt eintritt, so ist das noch kein Grund, ten Weg ganz aufzugeben. Wir müssen mit allem Rachdruck die Abrüstung verlangen. Trotz mancher Enttäuschungen kann ich eine Aenderung der bisherigen Außenpolitik nicht in Aussicht stellen. Ich halte diese Politik ftir die einzig mögliche und einzig r ich - tige. die uns im Endergebnis zu tem Erfolg führen kann, den wir erreichen müssen. (Lebhafter Beifall. - Pfiffe bei ten Rationalsozialisten.)
Abg. Hummel (D.)
Das Scheitern des Schulgesetzes braucht man nicht zu bedauern. 2n ter Simultanschule ist genügend Garantie für die richtige Erteilung des konfessionellen Religionsunterrichtes gegeben. Weite Kreise der Wirtschaft, die von dieser Regierung eine individuelle Entlastung erwartet hatten, sind enttäuscht worden. Industrie, Hantel, Landwirtschaft und auch der Deamtenstand
GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vrvck und Verlag: vrühl'sche Untoerfilüls-Vuch- und Zteindruckeret H. Lange in Sieben. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 1.
Eigene Drahlmcldung des .Gießener Anzeigers".
Berlin, 30. März. Was immer wieder dementiert wurde, was man immer wieder durch Beschwichtigungen hinauszuschieben suchte, was aber auch immer wieder als Schreckgespenst drohte, ist nunmehr wahr geworden, der Ber- waltungsrat ter Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft hat den Beschluß gefaßt, ein«^Tariferhöhung vorzuschlagen. die eine jährliche Mehreinnahme von 250 Millionen Mark ergeben soll wobei ter Güterverkehr etwa Zweidrittel und ter Personenverkehr etwa Eindrittel zu tragen haben. Er begründet dies damit, daß die jetzige Drosselung ter Ilnterhaltungs- und Bertes- serungsausgaben ohne dauernde Schädigung des Unternehmens nur noch für ganz kurze Zeit beibehalten werden könnte, und dah teshatv eine wesentliche Vermehrung der Einnahmen durch eine Tariferhöhung nicht mehr zu vermeiden Ware
Diese Rochricht dürfte allseitig mit U c b c rz raschung ausgenommen werden, zumal man aus Grund der Ansicht ter Reichsregieru-ig, nach ter eine Rotwendigkeit zu einer Tariferhöhung nicht vorliege, für ten Augenblick eine solche auch nicht erwartete. Die Reichsbahn wird nunmehr der Äeichsregierung eine Denkschrift unterbreiten, in ter die näheren Grunde ter Tariferhöhung ausgeshiirt werden Mlen. Mit Recht wird in diesem Zusammenhänge schon jetzt auf die Befürchtung hingewiesen, dao die Gedankengänge, die der a uf Gr uni) des Dawesplanes bei der Reichsbahn Jungte- rente Kommissar in seinem letzten Bericht nietergelegt hat und die darin gipfelten daß die deutsche Reichsbahn bei ihrer Reparations- belastung nicht niedrigere Tarife als unbelastete Bahnen m so n sti gen Ländern haben könnte, auch von der Reichs- bahnverwaltung übernommen Worten fern könnten. Eine derartige Argumentierung laßt sich aber keinesfalls aufrechterhalten. Man bedenke doch, wie hoch schon jetzt art imo für sich unsere Tarife sind, welche Lasten ter deutschen Wirtschaft dadurch aus- erlegt werden und was nun eine folcte Erhöhung für sie bedeuten, muß, die doch keinen geringen Anteil an den R e- parationslasten hat. Gerade aus diesem Grunde herrschte bei uns doch immer die _~cn- denz vor. die Tarife so niedrig wie nur möglich iU halten. Wenn man jetzt also davon ab- weichen wollte, so liefe das ganze doch auf eine schwere Schädigung des gesamten,Wirtschaftslebens hinaus, das doch jetzt wie wir bereits an dieser Stelle anbeuten konnten, ourch das ^lbbröckeln der Konjunktur eine ganz gewaltige Bedrückung erfahren dürfte Faßt man all diese Gedankengänge zusammen, so muß man, selbst wenn sich der Kapitalanspruch der Reichsbahn rechtfertigen ließe, notwendigerweise zu dem Schluß kommen, daß es zur Zeit wenigstens keinesfalls zu einer solchen Tariferhöhung kommen darf. Die Er- klärung des Verwaltungsrats gibt aber auch zu der Frage Veranlassung, ob denn ein so schwerwiegender Entschluß des Verwaltungsrates wirklich seine Berechtigung hat. um so mehr^ als der Beschluß des Derwaltungsrats noch k e i n R e ch t schafft. Dabei ist zunächst zu sagen daß die bisherigen Einnahmen des laufenden Geschäftsjahres, die infolge ter anhaltenden günstigen Konjunktur und hort, ste^ gegenüber den entsprechenden Monaten des der Reich. Vorjahres erheblich gestiegenen Guterwagenstellung eine nicht unbeträchtliche Zunahme aufweisen, durchaus Zu ter Annahme berechtigen, daß die Reichsbahn die Mehrbelckstung aus der Lohnerhöhung tragen kann. Wenn die Reichsbahn ein Ab sinken der Konjunktur. welches bisher nicht besteht, m Rechnung stellt und bereits jetzt die Einnahmen durch Tariferhöhung steigern will, so wurde eine Erhöhung ter Tarife auf B orr a t eintreten, ba wie gesagt, die Konjunktur bisher ihren günstigen Stand behalten hat Angenommen, die Konjunktur sinkt wirllich ab, so liegt auch noch keine Berechtigung zu einer die Wirtschaft te- lastenden Tariferhöhung vor, da gerabe bann die
• Reichsbahn in der Lage wäre, an cmen billigeren - Kapitalmarkt zwecks Anleihe heranzutreten, was . sie augenblicklich infolge ter Hochspannung ter


