Ausgabe 
30.1.1928
 
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Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder...

Von Gustav W. Eberlein,

Der Himmel über Rom war rein wie die Ahnung kommender Liebe, aber der Heiland Frühlingstag ging noch nicht über die Via Appia, kalte Rächte hielten das Leben in den Gärten zurück, und man schrieb den 20. Januar 1928. Die Menschen auf den Straßen schlenderten an den besonnten Wänden hin, wie sie im Sommer die beschatteten suchten, auf den Kirchentreppen fröstelten in ihren wunderlichen Hüllen die Bett­ler mit den Apostelköpfen, die einst bessere Film­lage gesehen hatten, selbst die Hunde froren.

Da geschah es, daß eines von den kleinen Mädelchen, die gewohnt sind, in die Höhe zu schauen, weil die blonde Miß so arg groß ist, die Augen noch weiter ausschlug, und, das mar- zrpanrosige Väschen wie angebunden an die Mondsichel, vor Staunen stehen blieb:

Mamma mia quanti uccejliI O die vielen, vielen Vögel!

Und schon verfinsterte sich der Himmel, daß die Sonnensucher zusammenzuckten und Geizhaftig-- reir vorwarfen dem Licht des kargen Wintertages, das ihnen nach wenigen Monaten bereits das furchtbare Gestirn wird. Schwere Wolken hatten sich plötzlich in: Westen und Vörden heraufaeschv- ben. Es erlosch, was lieb und rein war, bas Vlau züngelte nur noch flammenhaft durch den Vauch, den bösen schwarzen Rauch. Die blonde Miß raffte den Mantel zusammen und zog das Kind fort.

Aber nun blieben auch die Erwachsenen stehen die Vasen wie an Schnüren hochgewunden Rauch war das Rauch? Wolken? Das waren doch reine Wolken! Der Himmel schloß sich und riß auseinander wie ein Vorhang, schloß sich riß auseinander.

Der Rauch wurde heruntergedrückt. Die Wol­len wanderten Schwebten auf und nieder, gingen durcheinander hindurch wie Schemen, aneinander vorbei wie eilige Menschen. Wie Tüllschleier am L,t>eaterhimmel wurden sie hin- und her­

gezogen, Tag und Rächt wechselten wie dort viel zu schnell, Winterdüster und Januarhelle begegneten sich.

Aber das sind ja Heuschreckenschwärme! Rein, Insekten, Myriaden von Insekten! -Stech­mücken! Die bringen die Malaria! Ach was, Regen gibt's. Wolke bleibt Wolke - Mamma mia quanti, quanti uccelli!

waren Vögel. Starenwolken. Hatte man je so etwas gesehen? Und Rom ist doch schon alt. Rie, nie. Der Hunde bemächtigte sich eine selt­same Unruhe, die Pferde drehten den Kopf scheu zur Seite.

Das wogte durcheinander in unbegreiflichem Rhythmus, in unsagbar weichen und doch plötzlich hart abbiegenden, in scheinbar planlosen und doch irgendwie festgelegten Linien, das kam mit elementarer Verfinsterung dächernah herunter und verflimmerte im nächsten Augenblick zu Kon­fetti, zu Kohlenstaub, zu Richts im Wesenlosen. Millionen, Myriaden von Vögeln.

Das stieg dampfsäulenhaft "in die Höhe und knickte ein wie Kains Opferrauch, das tanzte durcheinander wie die Mückenschwärme im Som­mer, aber mit einem ins Gewaltige gesteigerten Spiel der Unzahl. Das schrieb Zeichen einer un­bekannten Sprache an die Himmelswand und schrieb und schrieb Buchstaben von Vögeln und verschwand.

Das war da wie ein Gedanke und schweifte aus wie ein Gedanke, tastend, nach anderen suchend, findend und sich vereinend, kehrte um. verbesserte sich, nahm einen neuen Anlauf, kreiste^ kam wieder angestoben, oder waren es andere,' man wußte es nicht mehr.

Zuweilen stießen wohl deutlich feststellbar von Norden, immer von Rorden her neue Zeilen hinzu, Kundschafter, Voten, wer will das unter- scheiden, ab und zu löste sich ein Zug, ein Schwarm ab, als suche er einen Ausweg aus einem magischen Zirkel, aber das unabsehbare Heer wurde weder kleiner, noch größer davon, so über alle Maßen zahllos war cs.

Rauschen erfüllte die Luft wie das Getöse ferner Wasserfälle, ein Brausen winziger, durch die ungeheuerliche Menge aber zu 'Sturmes- orgeln gewordener Zwitscherstimmchen übertönte

gebrandmarkt und eine Erneuerung verlangt, toßnn man nicht will, daß die Ostmarken eines Tages tote die Steppe in plötzlichem Brand auflodern". Ein paar Tage nach dieser Warnung kamen die Massenverhaftungen, und derselbe Taraszkicwicz, der 1923 zum Ausgleich bereit war, s tzt jetzt im Gefängnis von Lukiszki.

Mag sein, daß Polen recht haben mit ihrer Behauptung, die tocihrussischeHromada" oder zumindest deren verhaftete Mitglieder sympathi­sieren mit der Sowjetunion, ja, gehen in dieser Richtung noch weiter bis zu Bestrebungen, die letzten Endes auf Lostrennung des pol­nischen Teils von Weißrußland und dessen Ver­bindung mit dem russischen Teil ausgehen. Der kn Bälde bevorstehende Prozeß wird über die Bestrebungen mehr Licht verbreiten, als es bis­her der Fall war. Aber wie dem auch sein mag: Der Grund dieser Bestrebungen liegt nicht nur in einer geschickten Taktik der Sowjetunion, die gerade an der Grenze mit Polen einen weißrussischen Bruderstaat anerkannte und somit den Grund zu einer weißrussischen Jrredenta legte, sondern viel tiefer: in der ganzen oben skizzierten Entwicklung der Weißrussen, die auf Autonomie und vor allem Lösung der Landfrage hindrängt. Solange hingegen die polnische Politik mindcrheitenfeindlich bleibt, wird die Anziehungskraft des großen, sprachlich und rassenmäßig verwandten Rußland sich stets geltend machen.Wie Rußland immer beschaffen sein mag, es wird uns stets größere Vorteile bieten als die agressive polnische Politik", sagt der Hauptideologe der weißrussischen Selbstän­digkeit Zwikewitsch in seinem grundlegendcnBuche Weißrußlands Wiedergeburt und Polen". Die Hromada" zählt heute Zehntausende in ihren Reihen. Eine solche Organisation kann jedenfalls kaum durch Repressalien ausgerottet werden, die die Regierung Pilsudskis eingeleitet hat und nun im Begriff steht, in die Tat umzusetzen.

Oberheffen.

Landkreis Gietzcn.

h. Lollar, 29. Jan. Heute feierte das älteste Glied unserer Gemeinde, Frau Christine Schmitt Witwe, die Schwiegermutter des Spenglermeisters Bierau, bei verhältnis­mäßig körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 9 0. Geburtstag.

Aus dem nördlichen Teil des Kreises, 29. Jan. Die an st eckende Blut­armut bei Pferden tritt unter den Pferde­beständen in hiesiger Gegend immer häufiger auf. Vachdem der gesamte Pferdebestand des Gutspächters Philipp Reinheimer in Oden- Hausen an der Lumda der Krankheit zum Opfer gefallen ist, trat diese Krankheit auch in Reinhardshain auf. Hier mußte, nachdem schon ein Pferd eingegangen war. das andere auf Anordnung des Amtsveterinärarztes ab­geschlachtet werden. In Linden st ruth fiel das Pferd des Zimmermeisters Karl Scheid der Krankheit zum Opfer. Dieser Tage mußten in Beltershain ebenfalls zwei Pferde ab­geschlachtet werden. Cs ist das Schlimmste bei dieser Seuche, daß bei den davon befallenen Pferden keine Hoffnung auf Heilung besteht.

t Allendorf a.d.Lda., 29.Jan. Hier war die Bautätigkeit in den letzten Jahren sehr rege. Vachdem im vorigen Jahre fünf neue Wohnhäuser im Rohbau fertiggestellt wurden, die im nächsten Sommer b^ugsfertig werden, sind für das kommende Frühjahr schon wieder fünf andere Baugesuche genehmigt worden, deren Ausführung zum Teil schon in Angriff genommen ist. Eine Wohnungsnot besteht in unserer Stadt nicht mehr. Vachdem im vergangenen Sommer hier fast feine Erwerbslosen vor­handen waren, ist deren Zahl jetzt nieder auf 20 gestiegen und dürfte sich nach Beendigung der Holzhauerarbeiten auf das Dreifache erhöhen.

z Rödgen, 29. Jan. Vach langem, schwerem Leiden st a r b hier der Gemeindcrechner Wilhelm B e ck e r l. im fast vollendeten 63. Lebensjahre. Sechzehn Jahre Hai er in unserer Gemeinde das Rechneramt treu und gewissenhaft geführt und war durch seine Arbeit so mit den Verhältnissen in der Gemeinde vertraut, daß man gern aus seinen Rat hörte. In den letzten Jahren fiel ihm die Ausübung seiner Pflichten infolge seines Leidens oft schwer: aber er meisterte immer wie­der seine Sache. Besondere Anforderungen stell­ten die Lahre der Inflation an seine Amsicht und seine Geschicklichkeit: doch wußte er den damaligen Notwendigkeiten so gerecht zu werden, daß die

schweren Zeiten reibungslos überwunden wurden. Neben seinem Amt als Gemeinderechner war er auch als Kirchenrechner tätig. Bedenkt man noch, wieviel Leid mit diesem Manne durchs Leben gegangen ist, so darf man sagen, daß der Tod eine starte Persönlichkeit aus unserer Gemeinde genommen hat.

fr Grünberg, 29. Jan. Die jüngste Ge - meinderatssihung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Jöckel brachte u. a. folgendes: Die Ausschachtung für die Wasier- l e i t u n g . sowie Rohrverlegung, Verbleiung, Wiederausfüllung und vollständige Herstellung der Straßendecke wird an K. Buß in Grünberg vergeben. Es werden für den laufenden Meter 2,90 Mk. bezahlt. Das Gesuch des Heinrich Buß und Genossen betreffend Entwässerung ihrer Gärten wird vorläuftg zurückgestellt. Die Ge­ländekommission soll erst eine Ortsbesichtigung vornehmen. Ein Gesuch des Kaufmannes Ehr. Schweißguth betreffend Gewährung eines Zuschusses für Vorträge der Volkshoch­schule wird vom Gemeinderat wohlwollend er­ledigt. Doch will man zunächst den Erfolg ab­warten. Der Gemeinderot stellt vorläufig einen Saal, Heizung und Licht zur Verfügung. Auf Gesuch des W. M. Bock gestattet der Gemeinde­rat bis auf Widerruf die Anbringung eines Aushängeschildes an feinem Hause in der Bahnhofstraße. Studienrat Schot und H. Kreutzer ersuchten um Anbrin­gung einer Lampe in der Nähe ihrer Wohnhäuser. Die Angelegenheit soll ihre Er­ledigung finden, sobald die Beleuchtungskommis­sion dazu Stellung genommen hat. Gerichts­vollzieher König ersucht um Erlaß des Wassergeldes bei Errichtung seines Wohn­hauses. Der Gemeinderat setzt die Erledigung aus, bis geklärt ist, woher König das Wasser entnahm. Einigen Bauherren werden die Ko­sten für die Wasserleitung bei ihren Neubauten bis 1. Oktober gegen Zahlung der Sollzinsen gestundet. K. Selb bat um Abgabe eines Bauplatzes in der Gartenstraße. Das Gesuch wird vorläufig zurückgestellt. Für vier Beamtenwohnungen (Reichsfinanzbeamte) sollen zwei Wohnhäuser errichtet werden, und zwar ein Haus mit zwei Vierzimmerwohnungen, und ein Haus mit zwei Dreizimmerwohnungen. Die beiden Bauunternehmer Jaeger und Bock werden aufgefordert, ihre eingehenden Pläne und Zeichnungen mit genauen Kostenberechnungen sofort einzureichen.

Reinhardshain, 29. Jan. Die H o l z° hauerarbeiten in den hiesigen staat­lichen Waldungen nähern sich bereits ihrem Ende. Durch die überaus starke Inan­spruchnahme in den Nachkriegsjahren find die Bestände sehr licht gestellt worden. Infolge­dessen sind dieses Jahr die Holzfällungen seitens des Forstamts stark gemindert. Während in den vorhergehenden Jahren in den Revieren Saasen und Reinhardshain je 3500 bis 4000 Raummeter geschlagen wurden, werden in diesem Lahre nur je 2000 Raummeter gefällt. Wenn nun aus dem Revier Reinhardshain die Gemeinden Bel­tershain, Göbelnrod und Reinhardshain mit Losholz beliefert werden, wird für die nach­folgende Versteigerung nicht allzu viel übrig bleiben.

# Hungen, 28. Lan. Gestern lief im Gast­hausZum Darmstädter Hof" der Goslar- fiIm des V. D. A. (Verein für das Deutsch­tum im Ausland). Ungefähr 350 Schulkinder aus den benachbarten Dörfern Inheiden, Utphe. Dillingen, Trais-Horloff, Steinheim. Rodheim und Langd waren unter Führung ihrer Lehrer anwesend, um die eindrucksvolle Werbearbeit des D. D. A. auf sich einwirken zu lassen. Am Nachmittag wurde der Film den Schulen der hiesigen Bürger-, Volks- und Fortbildungsschule vorgeführt. Sämtliche Vorbereitungen lagen in den Händen des Bezirksvertrauensmannes des V. D. QI., des Lehrers Jöckel, von hier.

T Obbornhofen, 29. Lan. Die ausge­schriebenen Wasserleitungsarbeiten und die Arbeiten für die Kanalisation des ganzen Dorfes sind in diesen Tagen vergeben worden. Cs hatten 19 Firmen, teilweise aus Süd- und Mitteldeutschland. Offerten einge­reicht. Die Ausführung -tourbe dem Tiefbau­unternehmer Stefan Kuhn von Lnheidenzum Preise von 120 000 Mk. einschließlich Material­lieferung übertragen. Der Unterschied zwischen dem niedrigsten Angebot und der Höchstforde­rung betrug cttoa 13 500 Mk. Mit den Erd­arbeiten ist begonnen worden. Unter Aufhebuna seines früher gefaßten Beschlusses hat der Ge­

meinderat in seiner jüngsten Sitzung mit 6 gegen 2 Stimmen doch die Erbauung einer K a n a l i sationsanlage für das ganze Dorf be­schlossen. obwohl ursprünglich keine oder höch­stens eine teilweise Entwässerung vorgesehen war.

cp Muschenheim. 29. Jan. Heute fand im Saale der Gastwirtschaft Roth eine außerordent­lich stark besuchte Bundesversammlung des SängerbundesWettert al" statt, zu der sämtliche Vereine Dertretcr entsandt hatten. Vach der Begrüßung durch den Bundes­vorsitzenden, Lehrer Günther- Muschenheim. trat man sofort in die Tagesordnung ein. Hier­bei ergab sich, daß im Lause der letzten Monate Unstimmigkeiten entstanden waren, die unüberbrückbar erschienen. Aus diesem Grunde wurde auf Beschluß der Bundesversammlung der SängerbundWettertal", zu dem die Vereine der Gemeinden Muschenheim. Detten­hausen. Langsdorf. Treis-Münzenberg, Dorf- Gill, Grüningen, Eberstadt und Birklar gehör­ten. aufgelöst. Der Kassenbestand kam zur Verteilung. Das Inventar des Bundes wurde dem Bundesvorsihenden überreicht.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 29. Jan. Die Hauptver­sammlung der hiesigen Turn gemeinde, des ältesten Vereins des Turngaues Hessen, ergab für das abgelaufene Jahr ein Bild reich­ster und vielseitigster Arbeit in den verschie­densten Abteilungen. Nachdem der Verein in letzter Zeit auch eine Frauenriege neben der Turnerinnenabteilung gegründet hat, zählt er insgesamt 12 Unterabteilungen. Insgesamt wurde an 676 Zeiten mit 16 000 Besuchern ge­turnt und gespielt, gefochten und geschwommen, gewandert und gesungen: das ergibt wöchentlich cttoa 13 Zeiten mit mehr als 300 Teilnehmern. An der Spitze des Vereins steht nach wie vor Studienrat Thierolf, unter dessen Führung die Turngemeinde einen starken Aufschwung ge­nommen hat. Zum Besuch des Deutschen Turn­festes in Köln haben sich zahlreiche ältere und jüngere Mitglieder des Vereins angemeldet.

' Bad-V anheim, 29. Jan. Zu Beginn der jüngsten Sitzung der Stadtverord­neten teilte Bürgermeister Dr. Ahl mit, daß er an Staatspräsident Ulrich zu seinem 75. Geburtstage ein Glückwunschschreiben der Stadt gesandt und dabei auf die Be­ziehungen hingewiesen habe, die den Jubilar, der feit 34 Jahren alljährlich ein treuer Kur­gast unseres Bades ist, im besonderen mit un­serer Badestadt verbinden. Da sich mehrere Punkte der Tagesordnung mit V e r ke h r s- u n d Werbefragen befaßten, betonte der Bürger­meister in längeren einleitenden Ausführungen die Notwendigkeit, daß auch die Stadt nach Kräften zu der Hebung des Bades bei­tragen müsse. Cinstimmig bewilligt wurde dann eine Garantiesumme bis zu 150 Mk. für den vom Berke h.rsbundOberhessen heraus­zugebendenFührer durch Oberheffen", der unserem Bade zwei Textseiten widmen wird. Für Aufstellung von Warnungstafeln zur ^Regelung des Krafttoagenverkehrs ist ein Kredit von 2500 Mk. erforderlich, der genehmigt wurde. Es ist gedacht an die Anbringung von drei Querschildern an den Haupteingangsstraßen zur Stadt, die mit nachts leuchtenden Prismen ver­sehen werden, außerdem an Dreiecksschilder mit den üblichen Krastfahrzeichen und dem Ver­merkKurstadt! Vehmt Rücksicht!"Gegen die Linke wurden 2000 Mk. als Garantiesumme für das im Sommer hier stattfindende Reit- und Fahrturnter bewilligt, unter der Be­dingung, daß die örtliche Leitung der Ober- anftaltung einem Komitee übertragen wird, das sich aus Vertretern der interessierten Behörden und Organisationen zusammensetzt. Vach Ein­führung des Selbstanschlusses ' wurde im April vorigen Jahres das hiesige Fernsprechamt nach Friedberg verlegt, eine Tatsache, die sich. in vieler Hinsicht als nachteilig für das hiesige Kur- und Geschäftsleben erwiesen hat. Da die zwecks Rückverlegung nach hier unter­nommenen Schritte bis jetzt an der Haltung der Oberpostdirektion Darmstadt gescheitert sind, nahm die Versammlung einmütig eine vom Finanzausschuß vorgeschlagene Entschlie­ßung an, die unter Betonung der besonderen Verhältnisse des Weltbades den Bürgermeister beauftragt, mit allen Mitteln auf eine Rück­verlegung des AmtesnachBad-Vau- h e i m hinzuwirken. Dem Geflügel-. Vogel- und Kaninchenzuchtverein wurden für die am 4. und

5. Februar stattfindende G e f l ü ge l a u s st e l - lung 100 Mk. zur Anschaffung von Preisen bewilligt. Eine Ergänzung der Ortssatzung über die Erhebung einer QJ ter ft euer erfolgte da- hln. daß dem § 1 der Ortssatzung folgender 2. Sah zugefügt wird:Der Bürgermeister tst er­mächtigt, die Biersteuer innerhalb des Höchst­satzes von 7 vom Hundert des Herstellungs­preises je Hektoliter festzusetzen." Der Kredit für die Behelfswohnungen am Rödqerweq. der mit 35 000 Mk. festgesetzt war, wurde auf 42 000 Mk. erhöht. Eine längere Aussprache entspann sich über die Aufnahme von Kin­dern aus der Gemeinde Rieder-Mörlen in die hiesige Volksschule, wozu von Rie­der-Mörlen ein Antrag vorlag. Es handelt sich um den Ortsteil des Vachbardorfes, der räumlich zu Dad-Aauheim gehört, da er sich an der Gemarkungsgrenze eng an unsere Stadt anlehnt. Dem Antrag wurde auf Widerruf und unter Geltendmachung der Rechtslage zugestimmt Unter Besprechungen regte Stadtv. Wieder - mann die Schaffung eines besonderen Schul­vorstandes für die Fortbildungsschule an. Der Volks trauer tag am 4. März soll durck eine allgemeine städtische Fei-er auf dem begangen werden. Ein besonderer Ausschuß wurde mit den Vorbereitungen be­auftragt.

= Bad -Nauheim, 29. Jan. Die mehr- malige Vorführung des Goslar-Films durch den Verein für das Deutschtum im Auslande erbrachte einen Reinertrag von 70 Mk der der deutschen Schule in der Dobrudscha zugute kommt.

... ^ Bad-Nauheim, 29. Ian. Wir konnten vor längerer Zeit schon mitteilen, daß ein Vergleich der fünf größten deutschen Bäder für das hessische Staatsbad die größte Zahl der Hebern ad) tun gen ergab. Bad-Nauheim führte nach dieser Nichtung hin im Jahre 1926 mit weitem Vorsprung vor den Vergleichsbädern. Auch für 1927 lauten nach einer jetzt herausgekommenen Statistik der Bade und Kurverwaltung die Zahlen wieder äußerst gün- ftig. Bei einer Gesamtfrequenz von 39 279 Le suchern wurden 8 68 905 Uebernachtungcn gezählt. Auf 31 284 Kur fremde entfielen 868 9Q5 Uebernachtungen, also im Durchschnitt 27,77 Anwe senheitsiage. Auf 7995 Passanten (bis fünf Tage Aufenthalt), die zum Teil auf das Konto des Wochenend Verkehrs zu buchen sind, kamen 18 553 Uebernachtungen, im Durchschnitt also 2,32 Uebernachtungen. Für das Sommerhalbjahr vom 1. April bis 30. September 1927 betrug die Durchs fchnittsziifer 28,10 Uebernachtungen, während stc sich für das Winterhalbjahr auf 25,72 stellt. Da die Reichszentrale für deutsche Derkehrswerbung wie auch viele Fremdenverkehrsämter für die Berner tung eines Kurortes heute fast nur die Uebernach- tungszahl als Basis zugrunde legen, kann man er messen, welche Bedeutung unserem hessischen Staats bade im großen Verkehr zukommt. Auch die Ziffern 1 bes Ausländerbesuchs find wieder gestiegen. Die,e erreichten 1977 die Summe von 5841, d.h. 14,9 v.H. der Gesamtfrequenz. Insgesamt sind an dieser Zahl emschließlich Danzig 34 fremde Länder beteiligt, von denen Nordamerika mit 1349 obenan steht, während Australien mit 10 die geringste Zahl von Besuchern unseres Bades stellte. Unter den europäischen Ländern führt Holland, das 698 Kur­gäste entsandte.

Butzbach, 29. Jan. Die Dezirksge- f l ü g e l s ch a u war von über 200 Tieren aus An Ortsverbänden Butzbach, Lang-Göns, Kirch- Gons, Gambach. Oberhörgern, Nieder-Weisel bc- schickt. Die in ganz Deutschland bekannten Züchter der nördlichen Wetterau hatten ihr bestes Zmht- material ausgestellt: gezeigt wurden in erster Linie dre bedeutendsten Nutzrassen: Whandottes und Italiener in allen Farbenschlägen: daneben waren stark vertreten Minorka, Hamburger Sllberlack, Hessische Kröpfer und Brieftauben. Die oberhessischen Verbands Medaillen er- hielten für vorzügliche Leistung: Mai. Lang- Gons, für Minorka-Hühner und Ehr. Kaiser Lang-Göns, für Hessische Kröpfer: Träger der Ehrenpreise sind: die Butzbacher Züchter: Dechthold, Schmidt, Ester und Mel- ch i o r: ferner Rern, Pohl-Göns: B e p l e r und Euler, Kirch-Göns: Jäger, Oberhörgern' M a i und Kaiser, Lang-Göns: V o l p. Vieder- Weisel: Schneider, Ostheim. Außerdem wur­den zahlreiche 1., 2. und 3. Preise vergeben/

Kreis Büdingen.

Aidda . 29. Jan. Dieser Tage hielt Die hiesige S ch ü tz e n g e s e l l sch a f t ihre Haupt­versammlung ab. In dem letzten Jahre

den Straßenlärm, nur vergleichbar dem pausen­losen Zikadenzirpen südlicher Länder, diesem gran­diosen Konzert, das fein mitten durchs Orchester rasender Schnellzug zertrümmern kann.

Wer gab diesen singenden Wolken den Weg, wer schrieb ihnen Ziel und Richtung vor, wer den römischen Konzertsaal? Warum, wenn sie Hunger hatten oder müde waren, warum gingen sie nicht nieder vor den Toren, in der weiten, ungestörten Campagna?

Sie hatten Vorläufer gehabt, auch keine schwa­chen Heere, aber das mochten, kilometerlange Züge, auf der Wanderung begriffene Zugvögel sein. Wer aber berief diese Versammlung ein? Wer leitete sie? Welchen Sinn hatte sie? Warum sprachen alle zusammen?

Alle die Tage vorher waren die Schwärme zur Ruhe gegangen, sowie es Abend wurde. Sie übernachteten in den öffentlichen Gärten. An diesem 20. Januar nun geschah das Llnheim- lune, daß der lebendige Himmel auch dann nicht schwieg, als die Sonne unterging und die Sterne aufzogen, mit ihnen eisige Kälte.

Eimnal ballte er sich zusammen zu einem dich- ten Klumpen und dieser Koloß, umgeben von toeitim Vogelringen wie der Saturn, fiel plötz­lich in die Villa Torlonia ein, in die Residenz Mussolinis. Es war, als ob ein Gestirn her» untersiele, zerberstend in unzählige Splitter. In Sekunden war der Park mit flatternden und de­battierenden Vögeln, die samt und sonders die gleiche Starenuniform trugen, bedeckt, Baum und Strauch überschüttet, schwarz in schwarz, wie in ben Tropen die Felder grün sein mögen bei niedergehenden Heuschreckenschwärrnen.

Was hatte das zu bedeuten? Zwischen mei­nem Garten und dem Park Mussolinis liegt nur ein grüner Streifen, nach jeder Wahrscheinlich­keitsrechnung mußten ein paar Vögel auch bei mir einfallen, sei es auch nur aus Versehen.

Nichts dergleichen. Sie statteten nur der Villa Torlonia einen mysteriösen Besuch ab. Ich habe seit Jahren einen immer leer gebliebenen Staren­kasten an meinem Hause hängen. Mussolini hat keinen, in ganz Rom kennt man so etwas nicht. Gleichviel, nicht ein Schwanz ließ sich bei mir

blicken. Wer kennt die Gesetze der himmlischen Heerscharen?

Bis spät in die Nacht hinein hörte man fnal« len, mit Leun und Netzen werden sie ausgezogen sein, die Hebertreibung der Natur auszunüAn, wie die Heringsfischer schnell bei der Hand find, wenn in ihren Meeren die Natur übertreibt. Das schwarze Gewinnnel wurde dadurch nicht gelichtet.

Als es immer kälter wurde, überfiel mich Der Gedanke, die Stare möchten vielleicht, Nacht­frost fürchtend, gezwungen sein, ihr Leben durch unaufhörliches älmherschwirren zu erhalten. Diese ileberlegung mußte ein unerträgliches Mitleiden heraufbeschwören, ich flüchtete in ein Theater, zu Gastgebern danach. Cs wurde getanzt, gelacht, der Wein war trefflich. Doch brach durch die Musik immer wieder jenes Rauschen und Brau­sen rastloser Himmelsvagabunden, und als ich in den ersten, den eisigsten Morgenstunden noch Hause zurückkehrte, da, ja da lieh ich vor Ver- zweiflung den Motor noch lange laufen, um nur möglichst wenig von Dem zu hören, was am Him­mel vor sich ging und niemand mir erklären kann.

Das Volk macht sich so seine Gedanken. Vor dem Kinderkreuzzug geschahen merkwürdige Zei- chen und Wunder, die Hunde lieferten sich noä Den Chroniken förmliche Schlachten, Geißler tric ben ihr Wesen.

.Was ist Die Erscheinung eines Kometen gegen dieses Vogelrätfel? Vielleicht, vielleicht, men: toir nicht an überirDische Dinge glauben wollen nicht an Die DeutenDe unD mahnenDe Hand dn Schicksals, wenn wir auf unserer alten. lieber Erde bleiben, vielleicht ist es das: die Ahnung kommender Liebe? Vielleicht bedeutet es nur daß der Heiland Frühlingstag doch schon Di- Via Appia daherwandle?

Als ich am Morgen in Den Garten hinaus stürmte, war weit und breit kein Vogel zu er­blicken, zu meinen Füßen aber, ich zog Die Schuhe andächtig vor Dem Wunder zurück, leuchtete ein Schneeglöckchen. Ein richtiges Deutsches Schnee­glöckchen, Das Gott weiß wie aus Dem Etoig- keitsboden dieser seltsamen Stadt aufgeblüht war ,

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