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Revolution in Krähwinkel.
Es ist zwar Lerne Revolution und es handelt sich auch nicht um das deutsche Städtchen Krähwinkel, sondern um das souveräne Fürstentum Monaco, aber die Geschichte ist doch interessant genug. Monaco war bis zum Jahre 1911 ein absoluttztisch regiertes Fürstentum. Seit damals ist es ein parlamentarisch regierter Staat, dessen Parlament, der Nationalrat, aus 21 auf vier Jahre gewählten Mitgliedern besteht. Daneben gibt es noch eine „Beratend« Kammer", die aber keine beschließenden Funktionen hat. und einen Kommunalrat, dessen Funktionsbereich sich mtturgemäh, La dieser selbständige Staat eigentlich nur aus einem Städtchen besteht, sich ungefähr mit demjenigen des Landesparlaments deckt. F ü r st L u d w i g II. aus dem Hause der Gri- maldi-Matignon, vermählt mit einer ebenso hübschen wie „proletarischen" Brüsselerin, hält sich meist auf seinen Besitzungen in Belgien oder Frankreich auf, im Gegensatz zu seinem Bater, dem verstorbenen Fürsten Albert, der ozeanographisch« Forschungen an Bord seiner Vacht seinen autokratischen Funktionen als Landesoberhaupt seiner 22 000 Untertanen vorzog. Bisher hat man dort von Umsturzversuchen wenig gehört, denn weder der Fürst, noch der Nationalrat haben sich Sorgen um die zweckmäßigste Verwaltung, um das Budget und um die politischen Beziehungen des Landes zur Umwelt machen müssen.
Die Spielbank bestreitet alles. Sie hat einen Teil ihrer früher getooltigen Einnahmen aus die Unterhaltung aller öffentlichen Anlagen zu verwenden, den Monegassen eine schöne, saubere, gepflegte Stadt, alle Einrichtungen des mobernen Komforts und, was das Wichtigste ist, Steuerfreiheit zu gewährleisten, und sie Jt diesen Ausgaben bisher offenbar zufriedenstellend nachgekommen. Aber in den letzten Jahren acht das Geschäft schlechter. Die Nachbarstädte Nizza uiti> Merrtcme haben in ihren Kasinos Spielbanken von nicht ganz der gleichen Ausdehnung und Varietät, aber doch recht beträchtlicher Anziehungskraft ausgebaut, andere Attraktionen geschaffen, und der Zustrom der Fremden, die ilyr Geld regelmäßig in den Kassen des goldstrotzenden Palastes in der Ducht von Monte Carlo abzulicfern pflegten, ist dünner geworden. Vielleicht auch nur. weil die Menschheit weniger Zeit und Geld hat, um sich dieser anstrengenden Erholung mit dem früheren Eifer zu widmen. Jedenfalls ist zwischen dem Parlament Monacos und der Sprslbank eine Differenz entstanden, die die Grundfesten des Staatswesens zu erschüttern droht. Der Nattonalrat ist in seiner Gei amtheil zurückgetveten und der präsumtive Thronerbe, Prinz Peter von Polignac — der die Tochter aus der fürstlichen Ehe zur Frau hat — ist herbemeeilt, um den Konflikt beizulegen. An den Pforten des Schlosses ist eine Kuirdgebung des Fürsten angeschlagen worden, in der er seine Landesknrder flehentlich ersucht, nicht an der Schwelle der Saison, die doch für das Wirtschaftsleben so lebenswichtig sei, politische Kämpfe auszutragen. Es ist anzunehmen, daß sich die Monegassen, die fast alle indirekt von dem schicksalsvollen Rad der Roulette oder den 42 Karten des LLente-eL-Quarante leben, wenn oder weil sie selbst nicht spielen dürfen, sich diesen landesväterlichen Ermahnungen auf die Dauer nicht verschließen werden. Aber einstweilen kann man beobachten, daß die leidige Politik selbst die festgefügtesten Einrichtungen, die auf dem Golde her anderen beruhen, bedroht.
Wird Shrien eine Monarchie?
London, 28. Dez. (WTB.) Daily Erpreß meldet aus Paris, es verlaute, daß vorbehaltlich der Zustimmung der Mandatskommission des Völkerbundes die syrische Verfassung vielleicht geändert und das französische Mandatsgebiet Syrien in eine Monarchie umgewandelt werden würde. Die endgültige Wahl für den Thron werde wahrscheinlich auf Prinz Adil Ben Äy ad fallen, dessen Kandidatur jetzt in einflußreichen Kreisen in Paris erörtert werde. Adil Ben Ayad ist ein Nachkommen der Omaijaden-Kalifen. Seine Frau ist eine Nichte des Königs Fuad von Aegypten. Er selbst ist französischer Bürger, lebt in Passy und steht im Alter von 45 Jahren.
©er Vatikan gegen die auionomisiischen Geistlichen.
Paris, 28. Dez. (WTB.) Die Zeitung .La Rspublique" kündigt an, daß bet Erzbi chof von Straßburg, Ruch aus Grund eines Schriftwcch- sels mit dem Vatikan Abb6 Haegy, dem Leiter des „Cliäs-ischen Kuriers" in Colmar, und Abbs Schieß, dem Leiter des in Straßburg erscheinenden „ Elsässer", die Ausübung der geistlichen Tätigkeit verboten habe. *21666 Schieß sei hiervon bereits verständigt worden.
Oie Treuhänderernennungen für denVerwattungsrat der Reichsbahn
Berlin, 28. Dez. (WB.) Am 26. Dezember hat der Treuhänder in Paris die ihm zustehen- den Ernennungen zu Mitgliedern des Derwal- tungsrates der Deutschen Reichsbahn vollzogen Wiedcvcrnannt tourten Margot und Manco, an Stelle von Habich wurde D r. Silver - berg neu ernannt Dr. Silverberg ist betannt» lich Vorsitzen der des Auf sichtsvats des Rheinischen Drauniohlerrsyndilats.
Oie Rechisrefonn,
Berlin, 29. Dez. (Priv.-Tel.) Wie verlautet, wird im nächsten Jahre eine von den deutschen Landesregierungen beschickte Kommission unter Beteiligung der zuständigen Reichsministerien über die Llusgestaltung und Vereinheitlichung der juristischen Vorbildung beraten. — Im Zusammenhang damit steht die angestrebte Freizügigkeit der Rechtsanwälte. Es ist auch eine Verbesserung der juristischen Ausbildung in der Richtung der stärkeren Betonung der öffentlich-rechtlichen volkswirtschaftlichen Schulung in Aussicht genommen.
OerNeujahrSurlaub der Reichsminister
Berlin, 28. Dez. (Privat.) Während die meisten Reichsmullfter über Neujahr tn Berlin bleiben werden, wird Reichskanzler Müller vom 1. bis 14. Januar sich im Schwarzwald aufhalten. Reichswshrminister G r o e n e r wird am 10. Oanuar von einer Reise zurückkehren Reichsminister des Innern. Severin g, fährt
Amensitzung des preußischen Landings.
Das kommunistische Mtrauens- voMgegendieKonkordatspolilik
Berlin. 28. Dez. (DDZ.) 318 Präsident Bartels die heutige Landtagssitzung eröffnete, waren von den 450 Abgeordneten etwa 100 erschienen, was den Abg. Haake (Nat.^Svz.) zu dem Zuruf veranlaßte: „Der Stall ist ja noch leer!“ Auf der Regierungsbank war Kultusminister Becker an der Spitze mehrerer Beamter anwesend. Presse- und Publikumstribünen waren gut besetzt. Nachdem Präsident Bartels minutenlang die Liste der Abgeordneten verlesen hatte, die für heute Urlaubswünsche ein#» gereicht haben, beantragte Abg. Schwenk (Kom.) auf Grund der Geschäftsordnung die Herbeirufungdes Ministerpräsidenten. Für den Antrag stimmten außer den Kommunisten die Deutschnationalen, die Wirtschaftspartei und die Nationalsozialisten. Die Deutsche Volkspartei enthielt sich der Stimme. Gegen den Antrag waren die Regierungsparteien. Die Her- beizitierung des Ministerpräsidenten wurde mit diesem Stimmenverhältnis abgelehnt. Dann begründete in längerer Rede
Abg. Kor ff (Komm.) den Mißtrau en S- a n t r a g seiner Fraktion gegen daS Staatsmiai- fterium. Das kommunistische Mißtrauensvotum gegen die Staatsregierung anläßlich ihrer Kvn- kordatspolitik sei voll begründet. Der sozialdemokratische Tanz um das Konkordat werde nur der Ministersitze halber ausgeführt. Der Redner fragt die Staatsregierung, ob an die Fraktionsvorstande der Demokratischen Partei, des Zentrums, der Deutschen und der Deutsch- nationalen Volkspartei oder an einzelne Mitglieder dieser Parteien eine Mitteilung über den Stand der Konkordatsverhandlungen ergangen, bzw. ob ihnen die Denkschrift des Kultusministers über Form und Inhalt der Konkordatsverhandlungen zugegangen ist. Das Konkordat bezeichnet der Redner als einen Rückschritt zum Absolutismus. Aus den Zuchthäusern und Gefängnissen werde der kommunistische Messias erstehen. (Beifall und Hand.klatschen bei den Kommunisten, an dem sich auch die Tribünenbesucher beteiligen.)
Abg. Dr. v. Winterfeldt (Dn.) gibt folgende Erklärung ab: Heber das Konkordat habe ich in meiner Rede vom 13. d. M. alles erklärt, was toit" aut Zett dazu zu sagen haben. In derselben Rede habe ich auch die Gründe angegeben,
aus denen wir diesem Staatsministerium mit schärfstem Mißtrauen gegenüberstehen. Wir machen uns die Begründung des kommunistischen Mißtrauensantra^es nicht zu eigen, werden aber aus den in den beiden Reden erwähnten Gründen für den Antrag stimmen.
Abg. Dr. Ausländer (K.) meint, als der Staatssekretär Weismann sagte, der Kultusminister Becker habe ihn händeringend angefleht, (Hört, hörtl bei den Kommunisten), doch nicht über die Konkordats frage zu sprechen, habe das für Herrn v. Winterfeldt genügt, um seine Anfrage zurückzu stellen. Das beleuchte diese Art von Opposition, die sich heute bei den Kommunisten anschmieren möchte. (Sehr wahrt bei den Kommunisten, Gelächter bei den Deutsch- nationalen.)
Abg. Hestermann (W.P.) erklärt, seine Partei habe absolut fein Vertrauen zur fetzigen preußischen Regierung der Weimarer Koalition, weil alle ihre Gesetze dem Mittelstand feindlich ausgeschlagen seien. Aber die Konkordatsfragr habe das Licht der Oeffcntlichkett nicht zu scheuen. Deshalb müsse endlich der Schleier von den schwebenden Verhandlungen genommen werden. (Zustimmung bei der Wirtschaftspartei.) Den kommunistischen Mißtrauensantrag lehne seine Fraktion ab, toeil er einen Vorstoß gegen den Einfluß derchristlichenReligion auf unser Staatswesen bedeute. (Lärm bei den Kommunisten.)
Abg. Christian (Deutsche Fraktion) gibt folgende Erklärung ab: Die Deutsche Fraktion steht auf dem Standpunkt: 1. Staatsverträge zwischen den evangelischen K.rchen und dem Staate sind im beiderseitigen Interesse erfordernd), desgleichen ist ein Staatsvertrag zwischen Katholischer Kirche und dein Staate notwendig: 2. beide Verträge mü'fen gleichzeitig und im all- fertigen Einverständnis geschlossen werden. Diese Notwendigkeit besteht um so mehr, als wir bei dem heutigen unchristlichen Staat die Belange des christlichen Volkes nicht für gewahrt erachten.
Abg. K u b e (NS.) erklärt, seine Partei werde dem kommunistischen Mißtrauensanttag zu - stimmen. Bei dem Konkordat handle es sich nicht nur um Fragen der Religion, sondern auch der Erziehung.
Damit schließt die Aussprache. Die namentliche Abstimmung über den kommunistischen Miß« trauensantrag wird auf den 2. Januar vertagt.
Ewrß nach Neujahr nach Berlin zurück, auch der Reichsernährungsminister, D i e t r ich, ist zur Zeit auf Reisen. Wie der demokratische Zeitungsdienst mitteilt, wird die nächste Sitzung des Reichskabinetts voraussichtlich erst am 14. Januar stattfinden.
Aus aller Welt.
Eine Flaschenpost von Roald Amundsen?
Die aus Tromsö gemeldet wird, ist an der fi ü ff e von Alnmarken eine Jlflfdje mit 2H l f- teilungen über die Tragödie des Flugzeuges „Laiham" gefunden worden, die die Unterschrift Roald Amundsens tragen und in denen Amundsen angibt, die „Lathan," sei in dcrRähe d e r B ä r e n i n s e l u verunglückt und sinke schnell. Die Zeitung ,/Elbens legn“, die verschiedene Sachverständige befragt hat, ist der Ansicht, daß die aufgefundene Meldung in vieler Hinsicht anzuzweifelu sei, doch wäre es ttohdem möglich, daß sie autentisch sei. Die Mitteilung seiineinerenglischeu Bierflasche aufgefunden worden und es sei niemandem bekannt, daß die „Latham" englisches Bier an Bord halte. Weiterhin sei das Papier, auf dem die Nachricht geschrieben ist, völlig verschieden von dem Papier, das Amundsen unmittelbar vor dem Antritt seiner Reise erstanden hatte.
furchtbares Schicksal eines Höhlenforschers.
Die Leiche des seit Juli vermißten Realschul- dircktors Fritz Ratschüler aus Steyr in Oberöstcrreich wurde durch Gra er Höhlenfor'chcr in der Frauenmauerhöhle bei Eisenerz (Steiermark) gefunden. Direitor Ratschu'er war beim Durchforschen der Höhle in einen (Seite n ft o H e n geraten und konnte den Ausgang nicht mehr finden. Aus Aufzeichnungen deL Loten ght hervor, daß er eingrauenvolles Ende gesunden hat. Er hat in seinem Notizbuch niedergeschmeben. daß er mit Schrecken wahrnehme, wie seine Krrze dem vollständigen Niederbrennen nahe fei, und daß er feine LebenSm ttel vollständig aufgezehrt habe. Er knüpft daran die Besorgnis, daß er ohne Licht den Ausgang aus der Höhle nicht finden könne und deshalb in der Hohle ums Leben fommeit müsse. Dann schreibt er weiter: »Ich muß jede Hoffnung auf Rettung aufgeben." In den letzten Worten grüßt er Frau und Kind. Familienangchör ge und Freunde. Damit schließt dieses Dokument.
Erneute Bedrohung Sylts.
Der wieder auffrischende heftige Sturm in der Nordsee bedroht die Insel Sylt wiederum aufs schwerste. Die Südländereien der Insel stehen zum Teil schon unter Wasser, das bis zum Hindenburgdamm vvrgedrungen ist. Auch die Bahnlinie von der Anlegestelle der Helgoland-Dampfer bis Westerland ist überflutet. Es taucht die Frage auf, ob nicht der Hindenburgdamm die Schuld an den hohen Wasserständen trägt.
Lin toter König vor Gericht.
Im Amtsblatt Nr. 51 der Regierung zu Hannover vom 22. Dezember wird König Ernst August von Hannover, der seit 1851 im Mausoleum zu Herrenhausen ruht, auf Antrag der preußischen Regierung vom Amtsgericht zu Hannover durch öf entliche Vorladung aufgefordert, spätestens in dem auf den 20. Februar 1929, vormittags 9 llljr, einberufenen Aufgebotstermin feine Rechte auf den Besitz des Leib- nizhauses anzumelden, widrigenfalls feine Ausschließung von dem Besitz erfolgen soll. Die fraglichen Desitzverhättnifse sind etniger- maßen unklar. Jedenfalls ist durch die Gigen- tumSregelung von 1868 in dieser Beziehung keine zweifelsfreie Entscheidung getroffen worden. Die Stadt Hannover steht auf dem Standpunkt, daß der preußische Staat Eigentümer sei.
und diese Auffassung dürfte zu Recht bestehen. Der König von Hannover hatte das Haus um 1840 erworben, um den Abbruch des architektonisch außerordentlich wertvollen hochberühmten Bauwerkes zu verhindern und in späteren Jahren wurde es mit Unterstützung der Stadt, deren größte bauliche Sehenswür- bigteit es ist, zum Kunstgewerbemuseum auSgebaut. Die Stadt Hannover hat die Absicht, das Haus anderen Zwecken nutzbar machen, und aus diesem Grunde dürfte die Klärung des Besitzverhältnisses erforderlich werden, aber zweifellos ist es eine juristische Kuriosität, daß die Regierung einen längst entschlafenen König, wenn auch nur der Form halber, vor Gericht zu zitteren sucht.
3m Schneesturm erfroren.
Bei Katholisch-Hennersdorf wurde auf einem Felde in der Nähe des Dorfes die 23jährige Tochter Helene eines Maurers erfroren aufgefunden. Das geistig etwas schwach begabte Mädchen war am ersten Feiertag spazieren gegangen, hatte sich verirrt und ist im Sturm in einer Schneewehe liegen geblieben und erfroren.
Starke Zunahme der Millionäre in Amerika.
In einer Ansprache vor der Amerikanischen Statistischen Gesellschaft erklärte Carl Snyder von der Federal Reservebank in Neuyork, bie Zahl der amerikanischen Millionäre sei von 7000 im Jahre 1914 auf 30 000 bis 40 000 im Jahre 1928 gestiegen. Diese starke Zunahme sei zum Teil auf die Geldentwertung während der Jnflations- jahre, zum Teil auf Börsenspekulationen während des letzten Jahres zurückzuführen.
Polnischer Paßschwindel.
Die Verhaftung eines Sekretärs des polnischen Hafeiikommandanten in Gdingen als Haupt- veteiligter in einer Bande von Paßfälschern erregt Aufsehen. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Aißfälscherbande gewerbsmäßig falschePer - sonalbeschreibungen gegen entsprechende Bezahlung anstellte und damit die Erlangung falscher Auslandpässe ermöglichte. Neben dem Sekretär des polnischen chafentommandanten Tara- szkiewicz wurden drei Mitbeteiligte verhaftet, die außer Paßfälschungen auch Betrügereien mit polnischen Postsparkaffenbüchern verübten. Einer der Mitbeteiligten wurde gefaßt, als er auf ein gefälschtes Sparbuch bei der Post in Putzig 73 000 Zloty abheben wollte.
Die Stipendien
der Deutschen Albrecht-Dürer-Stiftung.
Die im Jahre 1928 gegründete Deutsche Al° brecht-Dürer-Sttftung vergibt zum ersten Male zum 6. April 1929 Stipendien an hervorragend begabte Maler und Graphiker zur Förderung ihrer künstlerischen Entwicklung, zum Beispiel zum Besuch von Schulen, für Studienreisen, zur Beschaffung von Werkstoffen und Arbeitsgeräten. Die Stiftung kann auch an hervorragend begabte Künstler zur Ausführung bedeutsamer Werie auf Grund vorgelegter Entwürfe Zuschüsse leisten oder einzelne ausgezeichnete Kunstwerke solcher Künstler erwerben oder sich an der Erwerbung beteiligen. Deutsche Maler und Graphiker, die aus den Mitteln der Stiftung bedacht werden können, müssen ihre Bewerbung bis zum 30. Januar 1929 bei dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Deutschen Al- brecht-Dürer-Stiftung, Oberbürgermeister Dr. Luppe-Nürnberg, einreichen.
Bilderfälschuugen.
Eine Strafanzeige gegen den Kunsthändler Wacker, der beschuldigt wird, an Fälschungen van Goghscher Werke mittel- ober unmittelbar beteiligt zu fein, wird eine außerordentlich schwierige und komplizierte Rechtslage schaffen. Cs wird jetzt besonders die Frage geklärt werden müssen, wie die Käufer unechter Bilder gegen die Verkäufer Vorgehen können, und das ist die Hauptfrage aller kommenden Prozesse. Ein hervorragender Jurist erklärt uns
in diesem Zusammenhang allerdings, daß trotz der schwierigen und komplizierten Rechtslage die Aussichten für die Käufer der gefälschten Bilder auf eine Entschädigung durcha us nicht ungünstig seien. Die Käufer können einmal ihre Abschlüsse wegen Irrtums anfechten, wofür sie allerdings nur sechs Monate Frist haben, aber auch wegen arglistigen Verschweigens ihr Recht fordern. In diesem Falle bleibt ihnen sogar ihr Anspruch auf Schadensersatz und Rückgängigmachung 30 Jahre lang. Die Tatsache, daß Wacker über die Herkunft der von ihm verkauften van Goghs nichts verlauten läßt, könnte ihn eventuell so stark belasten, daß er wegen arglistigen Verschweigens nicht nur zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wird, sondern auch gezwungen wird, die durch seine Manipulationen verrcrsachten Schäden wieder gutzumachen.
Bei lebendigem Leibe auf dec Schlackenhalde verbrannt.
Auf der Halde der Laurahütte in Kattowitz wurde ein Obdachloser, der dort Schutz vor der Kälte in einer Mulde gesucht hatte, von glühenden Schlackenmassen verschüttet und verbrannte bei lebendigem Leibe. Die Arbeiter, die die glühenden Schlackenmassen ausschütteten. hatten den Mann nicht bemerken können.
Eine Mediziualfiattstik.
Das Reichsgesundheitsblatt veröffentlicht das Ergebnis einer Bestandsaufnahme des berufsmäßig tätigen Personals im Deutschen Reiche. Danach wurden 227 665 Personen gezählt, die sich dem Krankendienst widmen. Don ihnen waren 109 200 Männer und 118 65 Stauen. 3m einzelnen stehen im Krankendienst in Deutschland 43583 Aerzte, 8465 Zahnärzte, 10573 approbierte Apotheker und 3712 Apotheker ge- hllfen, 29 343 Hebammen, 15 062 Zahntechniker. 8142 Heilgehilfen und Masseure, 88 872 Äranten» Pflegepersonen. 2283 Säugling p le eiinnen, 1283 Wochenpflegerinnen, 4584 Desin eitoren und 11 761 Laienbehandler. Eine sehr ftarte Zunahme weist der Anteil der Frauen in diesen Berufen auf, besonders auch innerhalb der Aerztefchaft. so daß nunmehr auf 2 4 männliche Aerzte eine Aerzttn kommt.Ebenso hat die Frau im Apotheker beruf einen erheblichen Eingang gesunden. Auf 100 männliche Personen des ApothererpersonalS kommen nunmehr 32.4 weibliche. Am größten ist der Antcll des tocib.ia;en Krankenpflegepersonals. Auf eine männliche Person kommen hier fünf weibliche Personen. Der überwiegende Teil des gesamten Krankenpflegepcronals besitzt die staatliche Aner.ennung. Als Laienbehandler sind in der Statistik bezeichnet sonstige, nichtapprobierte, mit der Behandlung Kcanker sich berufsmäßig befas ende Personen. Ihre Zahl war außerordentlich gesteigert, so daß heute auf 100 Aerzte 27 Laienbehandler kommen gegenüber 4,9 im Jahre 1876.
Oie Wetterlage.
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Freitag- d.28.DezD.1928t7h aDdS
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Wettervoraussage
Durch das nordwestliche Druckfallgebiet kommt es an feiner Südseite zur Zufuhr maritimer Luftwaffen, die auf unser Gebiet überfluten. Infolgedessen herrscht weiterhin vorwiegend wolliges Wct ter. Die Temperaturen gehen, da die Lustmassen aus höheren Bretten stammen, etwas zurück. Niederschläge treten mehr vereinzelt auf.
Wettervoraussage für Sonntag: Bewölkt. Temperaturen etwas zurückgehcnd, noch vereinzelte Niederschläge.
WitterungsaussichtenfürMontag: Meist wolliges Wetter ohne ftärtere Temperaulr- schwankungen, kein oder nur geringer Niederschlag.
Lufttemperaturen am 28. Dezember: mittags 1.1 Grad Celsius, abends 1,3 Grad Celsius: am 29. Dezember: morgens 1,5 Grad Celsius. Maximum 2,8 Grad Celsius. Minimum 0,6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 28. Dezember: abends 0,0 Grad Celsius; am 29. Dezember: morgens 0,8 Grad Celsius.
winterfportnachrichien der Hess. Wetterdienststelle.
Vogelsberg (Hoherodstopf): Rebel,Schneehöhe 10 Zentimeter, gekörnt, Temperatur 0 Grad Celsius. Sportmöglichkeit für Ski ziemlich gut
Odenwald (Tromm und Neunkirchen): Keine Sportmöglichteit.
Sauerland (Wrnterber^): Bewölkt, Temperaturen minus 2 Grad EelsiuS. 25 Zentimeter Schnee, Pappschnee, Ski und Rodel gut.
Schwarzwald (Feldberg): Bewölkt» 0 Grad Celsius. 40 Zentimeter Schnee, verharscht. Ski und Rodel gut.
Alpen (Garmisch-Part enkirchen): Heller. Temperaturen 0 Grad Celsius, 30 Zentimeter Schnee, Pappschnee, Ski mäßig, Rodel gut
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