Ausgabe 
29.5.1928
 
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der Hand behalten zu können, so daß er in keiner Hinsicht der Hilfe eines zivilen Beamten, wie es doch der Staatssekretär darstellen würde, bedarf. Dr. Groener pflegt zumeist sich die Ansicht des frühe­ren Reichswehrministers Dr. G e ß l e r zu eigen zu machen, der, nach seinem Urteil über die Schaffung eines Staatsjekretarpostens im Reichswehrministe­rium befragt, immer antwortete:Bei Tage hat er nichts zu tun, und in der Nacht, .. das überlasse ich der persönlichen Ansicht der anderen." Nach Lage der Dinge scheint es wohl so, daß es auch diesmal beim alten Zustande bleibt, solange we- nigstens, als die Sozialdemokraten keine besonderen Forderungen Vorbringen. Es wäre jedoch dringend zu hoffen, daß der Standpunkt des Reichswehr- Ministers Dr. Groener allgemein anerkannt würde. Neben der Bayerischen Volkspartei soll auch die Deutsche V o l k s p a r t e i ihre B e re»tschaft zur Großen Koalition erklärt haben, wohl als sicher anzunehmen ist, daß sie auch zustande kommen wird. Aussteht noch die Stellungnahme in der Wirtschaftspartei und die der Deutschen Bauern, welch letzteren nach den bisherigen Erwägungen das Reichscr- nährungsministerium zugedacht werden soll, wobei man an eine Kandidatur von Fehr denkt. Eine klare Entscheidung wird jedoch nicht vor dem Zusammentritt des Reichstages getroffen werden.

AnWa!ienische Kundgebungen in Südslawien.

Ernste Zwischenfälle in Lcblnico und Spalato.

Rom. 28. Mai. (Agenzia Stefani.) Rach offi­ziellen Rochrichteu des Ministeriums des Aus­wärtigen. haben sich in den dalmatischen Küsten­städten Sebenico und Spalato folgende Zwischenfälle abgespielt: Am Abend des 25. Mai versuchten 200 Manifestanten, das ita­lienische Dizekonsulat in Sebenico zu erreichen. Als ihnen das mißlang, wandten sie sich nach der Wohnung des Dizekonfuls. Der Rizekonsul war abwesend und weilte in Spalato. Nachdem die Demonstranten das Gitter durch­brochen hatten, drangen sie in den Garten, rmd zerschn.eilerten mit Steinwürfen die Fenster- scheiben bis zum dritten Stockwerk. Daraus zogen dir Manifestanten in die Stadt zurück, warfen die Fensterscheiben der Schule und mehrerer ita­lienischer Häuser ein.

Am Nachmittag des folgenden Tages versuchte in Spalato eine Gruppe von Manifestanten, i n das Generalkonsulat einzudringcn. Sie wurde daran durch Polizei behindert. Die Fenster­scheiben des Konsulats wurden durch große Steine zertrümmert. Die Demonstranten griffen zahl­reiche italienische Kaufläden an, von denen sie mehrere plünderten und bei anderen die Schaufenster einschlugen Auch die italienische Schule wurde geplündert. Von zwei italienischen Dampfern, die im Hafen lagen, raubten die Mani­festanten die italienische Flagge. Mehrere Italiener wurden angegriffen und geschlagen.

Der südslawischen Polizei und Gendarmerie, von denen einige Verletzungen daoontrugen, nahmen 30 Verhaftungen vor. die bis zum Augenblick aufrechterhalten sind. Die italienische Regierung wird ihren Gesandten in Belgrad beauftragen, der siid- slawischen Regierung eine Protestnote wegen der Zwischenfälle in Sebenico und Spalato zu über­reichen, in der sofortige Genugtuung ver- langt wird. Man erwartet die Antwort der süd- slawischen Regierung, die bereits versichert hat, sie habe Maßnahmen getroffen, um weitere Kund­gebungen zu verhindern und die Konsulate und das Eigentum der Fremden zu schützen.

Der Ingenieurpwzeß.

Die Anklage gegen Badstieber.

Moskau. 26. Mai. (Dom Vertreter des WTB.) Der Angeklagte Rikischin. der über Vadstieber aussagt, macht den Gindruck eines zusammen gebrochenen jungen Mannes, dessen In­telligenz so gering ist. daß seine Aussagen wie- deryölt durch den Vorsitzenden präzisiert werden müssen. Er gerät wiederholt in Ver­legenheit und schweigt. Trotzdem ist Ri­kischin imstande ouszusagen. die amerikanischen Maschinen der Firma Sullivan und die russischen Maschinen der Fabrik Kramator seien für den Schacht geeigneter gewesen als die Ma­schinen der Firma Knapp, die gleich minder­wertiger gewesen seien wie die amerikanischen Maschinen der Firma Ieffry. Rach den Aus­sagen Rikischins wurden 1. gut: Maschinen, die für die Arbeit im Donez-Druschewer-Schacht ge­eignet waren, gekauft, aber nicht in Tätig­keit gesetzt, um sie ,den künftigen Gruben­besitzern" zu erhalten, 2. minderwertige Maschi­nen gekauft, ..um die Howietwirtschaft" zu schädigen. Rikischin bekundet, die In­genieure Gorletzki und Kalganow hätten ihm An­weisungen für die Abnahme der Maschinen er­teilt, und er habe «ine besondere Drei­zimmerwohnung als Belohnung da­für erhalten, daß er die Unhrauchbar- keit de»- Knapp-Maschinen verschwiegen habe. Rikischin gibt au. daß der Amerikaner Muphrp ihm für günstige Abnahme G e l d v e r - sprechungen gemacht habe, doch habe Muphry, abgesehen von aeringfügigen Zahlun­gen. daS Versprechen nicht gehalten. Hier­aus folgt, daß da» Versprechen von Trinkgeldern einer gewissen 11 f anc« entsprach. Der Tatsache gegenüber, daß der Vertreter der Firma Knapp. K ö st e r. sofort erkannte, daß die Ma­schinenunter den gegebenen Bedingungen' nicht verwendbar seien, behauptet Riki­schin. die Maschinen seien in verrostetem Zustande eingetroffen, und er habe erkannt, daß es sich um Maschinen veralteter Konstruktion handele Trotz­dem habe Oberingenieur Kalganow die Knapp- Maschinen herausgeftrichen und seine sa"verstSn- digen Einwendungen außer Acht gelaßen. Er. Rikischin. hab« darauf mit Badstieber ge­sprochen. der ihn ärgerlich .einen schlechten In­struktor" genannt habe. Schon bei dem ersten Versuch habe sich die Richtverwendbarkeit der Knappmaschin« ergeben, woraufhin Badstieber eine Umarbeitung der Maschine zugesichert habe. Vadstieber habe ihm. .weil er soviel ar­beiten müsse", im Auftrage Seebolds (nicht Kösters, wie irrtümlich gemeldet wurde) e i n Kuvert mit 400 Rubel überaeben Bei einem darauffolgenden Trinkgelage habe Bad­stieber gesagt, daß russische Konserven nichts taugen und bemerkt, »daß Rußland ohne Ein­greifen des Auslandes nicht weiter-

General Groener über die Reichswehr.

Oer Reichswehrminister über Ersatz und Ausbildung der Reichswehr. - Groener fordert Beendigung der Femeprozeffe.

Berlin, 2«. Mai. Der Berliner Vertreter der Neuen Freien Prelle" harte ein Gespräch mit dem Reichswehrminister General S r o e n e r, in der der Minister u.a. sagte:Die Behauptungen, daß d,e neuen Mannschaften der Reichswehr mit Vorliebe aus den Rechtsoerbonden bezogen werden, ent­sprechen nicht den Tatsachen. Mankümmertsich überhaupt nicht darum, ob der für die Reichswehr anzuwerbende junge Mann v o n r e ch t s oder von links kommt. Das Angebot übersteigt den Bedarf in riesigem Maße. Im letzten Jahre lagen so viele Anmeldungen für die Reichswehr vor, daß von je 100 nur 6 eingestellt werden konnten. Auch beim Offiziersersotz gibt es keine politischen Erwägungen: auch hier über­steigt das Angebot ganz bedeutend die Nachfrage. Zum 1. April 1928 z. B. haben sich 2458 junge Leute gemeldet, welche die Offizierslausbahn ergreifen wollen: nur 167 konnten zugelassen werden. Wir stellen hohe Anforderungen an den zu­künftigen Reichswehrofsizier. Beispielsweise verlan­gen wir das Abiturientenexamen und werden in Zukunft dazu übergehen, von dem zukünftigen Offi­zier zu verlangen, daß er das Maturität»- examen mit dem PrädikatGut" be- standen hat.

Im Reichstag ist mehrfach verlangt worden, baß der Aufstieg vom Mannschaftsstande zum Offiziersstande erleichtert werden solle. Diese Forderung erscheint mir durchaus berechtigt, und ich habe Maßnahmen getroffen, um Soldaten, die Eignung zum Offizier zeigen, den Aufstieg au ermöglichen. Soldaten, welche Führereigen­schaften erkennen lassen, sollen In allen Truppen- teilen ausgewählt und in Berlin einer Kom­mission vorgeführt werden. Diejenigen, die ge­eignet erscheinen, zu Offizieren ausge­bildet zu werden, haben dann Lehrkurfe durch­zumachen. In denen sie die für den Offizier er» forderliche militärische und allgemeine Bildung erhalten sollen: auch in den Umgangdformen sollen sie unterrichtet werden. Diese Lehrkurse

werden ein Iahr dauern: dann haben die Offt- zierSkandidaten auS dem Mannschaftsstande durch eine Prüfung nachzuweisen, daß sie imstande sind, dem Unterricht auf den Waffenschulen zu folgen Rach Absolvierung dieser Schulen erfolgt ihre Beförderung zu Offizieren

Die Reichswehr dient keiner politischen Richtung, sie dient der Verfassung, und wenn verlacht werden sollte, die Verfassung ge­waltsam zu stürzen, so wird di« Reichswehr si« schützen, mögen die Versuche von linkS oder von rechts kommen. Lieber die Fememord­prozesse äußerte der Minister:Man darf nicht vergessen, daß sich dies alles wenige Iahre nach dem Ende des Krieges zugetragen hat un6 inmitten des wirren Zustande-, in welchem der Krieg Deutschland hinterlassen hatte. Ich gebe zu. daß manche Fehler gemacht worden sind, auch von militärischer Seite. Was die Gegenwart anlangt, so kann ich versichern, daß aus dieser Vergangenheit kein lieber- bleib sel, auch nicht das kleinste mehr, vor­handen ist. Ich habe nur noch die Reste aus- aeräumt: die Hauptarbeit hatte bereits mein Vorgänger Gehler geleistet. Run sollte man aber auch den endgültigen Strich unter dieDergangenheit machen.DieHebelstände haben ausgehört, aus denen jene Prozesse ent­standen sind doch die Prozesse sollten auch aufhöre n." Der General sagte weiter: Wer, wie ich, den Weltkrieg mitgemacht hat, weih, daß der Krieg ein Unglück ist: und wer dies weih, ist auch davon durchdrungen, dah unserem Volke eine Wiederholung dieses Un­glücks erspart werden muh. Freilich muh ein Volk seine Grenzen schützen, muh gegen Ueberfall, gegen Insurrektionen ge­sichert fein. Rur ein wehrhaftes Volk kann sich behaupten. Sin Volk, das die Wehr­haftigkeit ablehnt, vergeht sich gegen ein Ratur­gesetz: es geht zugrunde."

Oer V. O. A. in Gmunden.

Oie pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland.

Gmunden, 28. Mai. (WTB.) Zum Deut­schen Tage des Vereins für das Deutschtum Im Auslande sind etwa 15 000 Gäste aus allen Richtungen nach Gmunden gekom­men. darunter auch Studenten von fast allen Hochschulen des Reiches und Oesterreichs und aus dem Ausland. Unter den Tagungsgästen bemerkt man zahlreiche aus der volksdeutschen Arbeit bekannte PersönlicUeiten: Lldmiral Seebohm, den geschäftsführenden Vorsitzenden des VDA., Präsident Kaufs mann, den Schatzmeister, Minister a.D. 6ülz, den Vorsitzenden deS Landesverbandes Sachsen, Frau Kuzkel, die Leiterin der Frauenarbeit, ferner zahlreiche AuS- landdeutsche, führende Persönlichkeiten ihres Volksgebietes. wie z.D. Dr. Br and sch, den Dorsitzeirden der deutschen Minderheitengruppe in Europa. Von der österreichischen Regierung hat sich Minister Dr. Schür ff eingebunden, ferner der Landeshauptmann von Oberösterreich, Dr. Schlegel. Aus dem Reich« find zu nennen, der Gesandte a. D. von dem Dusche- Haddenhausen. Staatssekretär a. D. Dr. Brügger. Regierungspräsident Dr. G r u h - ne r. Merseburg, Ministerialrat Dr. H as- linde, Vertreter des preuhischen Kultusmini­steriums usw. Zu der Tagung waren Glück­wünsche u. a. eingetroffen von Reichskanzler Dr. h. c. Marx, vom Staatssekretär der Reichs­kanzlei. P ü n d e r . vom Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, vvm Präsidenten des evange­lischen Oberkirchenrats. Dr. Kapler, und von zahlreichen Körperschaften und Vereinen.

Am Samstagvormittag sand die Hauptaus­schuß s i tz u n g des Vereins im Großen Kurfaale statt, in deren Verlauf Professor Eibl (Wien) über das ThemaDer Oesterreicher im Gesamt- deutschtum* ein längeres, mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Referat hielt. 3m Laufe des Nachmittags sprachen während einer Presiesitzung der Hochschullektor Makros (Wien) überSchutz­arbeit in Oesterreich", Hauptschriftleiter Axel de Vries (Reval) überDer Nordoften" und der Abgeordnete Dr. B r a n d s ch (Hermannstadt) über Der Südosten". 3n der Hauptversammlung wurde an Stelle des ausschcidenden Admirals v. Hintze der ehemalige Gesandte Frhr. von demDusche- Haddenhausen zum Vorsitzenden aewä^t und bann der Bericht über die im letzten Jahre gelei­steten Arbeiten gegeben. Die Mitgliedcrzahl ist ge­genüber dem Vorjahre ganz erheblich a n ae w a ch - s c n und beträgt setzt weit über zwei Millionen. Die Zahl der Ortsaruppen hat von 2078 auf 2489 und die der Schul gruppen von 2314 auf 4078 zugenommen, so daß der Verein insgesamt 6567 arbeitende Gruppen zählt, zu denen noch die 72

Ortsgruppen des ostpreußischen Schuloereins kom­men, die mit dem D.D.A. im Kartelloerhältnis steht. Die Einnahmen haben sich trotz der schwieri- gen Wirtschaftslage sehr günstig gestaltet, da dem D.D.A. im vergangenen Jahre mehr als zwei Mil­lionen Mark zugeflossen sind. Erfreulich ist die Tat- fache, daß nur 4,5 v. H. der Einnahmen auf die Verwaltungskosten verwandt zu werden brauchten. Die gesamte übrige Summe ist der unpolitischen kulturellen Schutzarbeit zugute gekom­men, bei der di« Unterstützung von Scbulen, Kin­derheimen und Büchereien des Auslandoeutschtums die größte Rolle spielt. Eine besonder, wichtige Unterstützungsarbeit leistete der D.D.A. auch durch die Studienbeihilfen an Studierende deut­schen Stammes aus dem Ausland und durch Auf­klärungsarbeit über das Deutschtum im Ausland.

Die große Pfingsttagung des Vereins fand bei strahlendem Sonnenschein und unter reger Be­teiligung von Vertretern aller deutschen Stämme in Deutschland, Oesterreich und dem Grenzlande statt. Gottesdienste in den katholischen und evangelischen Kirchen leiteten die Tagung ein, an die sich Versammlungen des Deutschen Schul­vereins, der Iugendgruppen und der Vertreter der Studentenschaft anschlossen. Sportkämpfe, ein Gartenkonzert und eine Abendfeier, die mit einem gewaltigen Höhenfeuer auf den Bergen endete, bildeten den Abschluß des ersten Pfingst­tages.

An der Morgenfeier am Pfingstmontag nahmen etwa 20 000 Menschen teil. Rach Chor­gesängen hielt der Deutschtiroler Priester 5)o- minicus Dietrich eine ergreifende Ansprache, der er das ThemaGott, Heimat und Doll" zugrunde legte. Anschließend daran schilderte der Siebenbürger Bischof T e u t s ch die Ideen, denen ein gehenbeS Boll folgen mülle. Der Vorsitzende deS Vereins, Gesandter a. D. von dem Busche, nahm darauf die Bannerweihe mehrerer Landesverbände vor und verlas unter begeisterten Heilrufen der Menge di« Ant­wort deS Reichspräsidenten auf daS an ihn gesandte Huldigungstelegramm. Am Rach­mittag wurde ein F e st z u g veranstaltet, an dem Trachtengruppen aus allen deutschen und österreichischen Ländern teilnahmen. Auf der Tagung, die von dem Landrat Stelzer, Rendsburg, vorbereitet worden war. hielten fer­ner der Leiter der Rendsburger VolkShvch- fchule, Dr. T o n n e f e n, und der Direktor A l e n t a von der Ackerbauschul« in Klagen- furth Ansprachen. Wan traf ferner Vorberei­tungen für die Gründung einer 3ungbauern- schäft innerhalb des Verein- für das Deutsch­tum im Ausland.

kommen könne". Der Dolmetscher hat jedoch überseht, »dah Rußland nicht ohne Ein­mischung ausländischer Mächte au8- kommen könne", waS den Sinn des von Rikischin Gesagten natürlich völlig ändert. Ebenso hat der Dolmetscher die präzise Zusammenfassung des Präsidenten bei ganz verworrenen AuSfagen Rikischins einfach fvrtgelassen. Solch« Dor- kommnille sind natürlich geeignet, daS Anklage­bild zu e n t st e l l e n. Der Staatsanwalt stellt ..zwei konkrete Anklagepunkte" gegen Badstieber als erwiesen test. 1. daß er 400 Rubel Be­stechungsgeld übergeben hat. 2. dah er. trotzdem er von der Richtverwendbar- k e i t der Maschinen wußte, ihr« Ausstel­lung veranlaßt hat.

Dadftieber wurde dann vom Vorsitzenden gefragt, ob er sich zu den belastenden Aussagen des Angeklagten Rikischin äußern wolle, wor­auf Dabsticber erklärte, «r wolle sich später tm Zusammenhänge äußern. Dadftieber soll den Ein­druck machen, als stünde er unter einer Harten psdchischen Depression lieber die eidesstattlichen Erklärungen Seebolds und Köster», die iede Gewährung von Bestechungs­geldern in Abrede stellen, wird in der Mrhandlung bisher nicht gesprochen. Die Der- nehmung des Angeklagten Baschkin, der heute I im Zusammenhang mit den Auslagen R'ttschms

vernommen werden sollte, konnte nicht erfolgen, da. wie «s heißt, Baschkins Verteidiger er­krankt ist.

Schwere Llnweileckaiostrophe in Schlesien und Böhmen.

Schü lna u a. d. Katzbach, 28. Mai. (WB.) Die Katzbach führt bei andauernden Regen­fällen starkes Hochwasser. Sie überschwemmte ihre Ufer und richtete im Stadtgebiet allenthalben großen Schaden an. Bei der Reubarth-Mühle mußten Wohnungen und Stallungen geräumt werden. An der St. IohanniS-Kirche hatte die Katzbach etwa 15 Meter bet aus Beton und Zlegelwerk bestehenden hohen Schutz­mauer unterwühlt unb zum Einsturz gebracht. Die Platten des Bürgersteiges und Lhaüllee- stein« sind in das Flußbett gefallen. Riesige Wassermassen führte auch der Steinbach, so dah der Steinbachstauwelher mit 1,4 Millionen Kubikmeter gefüllt war Aus dem Staubecken sahen nur die Kronen zahlreicher im Wasser stehender Bäume. In der Zeit von 31 Stun­den rom Freitagabend bis Sonntag früh gingen inÄgefamt mehr Riederschläge nieder als im ganzen ersten Vierteljahr 1928 zusammen, 76.4

Millimeter in den ersten 12 Stunden. 68,5 Milli­meter in den letzten 24 Stunden. Bei Ried«» kausfung kam es in der Rächt zu einem Damm­rutsch des Eisenbahndammes. Der Zugverkehr muhte während des ersten Feiertages durch Um- steigen aufrechterhalten werden. Erheblich« Ufer- schaden waren auch längs der Katzbach unb in Bad Hermsdors zu verzeichnen. Die Hüllte der Ernte xft infolge HagelschlageS als ver­nichtet anzufehen.

Zwischen Reichenbach und Schweidnitz dehnt sich ein UeberschwemmungSsee von 15 Kilometer Länge und mehreren Kilometern Breite. Die in ihm liegenden Dörfer find zum Teil abgefchnitten. Der Verkehr ist nur mit Kähnen möglich. Die Felder find Der» schlämmt, die erste Heuernte vernichtet, die Kartoffeln vom Wasser f o r t ge r i ff e n. Viel« Landstraßen sind zerstört. In den niedriger gelegenen Stadtteilen von Reichenbach und Schweidnitz wurde an den Gebäuden s chwer er Schaden angerichtet. Zahlreiche Bauten wur­den fortgeriffen, da das Hochwasser aus dem Gebirge ganze Bäum« mit sich führte. Am Ober­lauf der Deistritz ist ein ganze« $ q_u « von den Fluten fortgetragen worden."In der Rähe von Breslau brach am Montagnachmittag in dem Mündungsgebiet der Weistritz in die Ober ein Damm. Die Feuerwehr konnte erst nach fünfstündiger Arbell die Fluten dämmen. Im Riefengebirge wurde auf deutscher Seite weniger Schaden angerichtet. Dagegen sind auf tschechoslowakischem Gebiet mehrere Ge­birgsdörfer schwer heimgesucht wor­den. Schwere Unwetter haben in den Pfingst­tagen auch das nördliche Böhmen heim- gesucht. Im Gefolge schwerer Gewitter traten Hagelwetter auf. die manche Gegenden m Winterlandfchaften verwandelten. Blitzschläge richteten vielen Schaden an. Die Flüsse führen Hochwasser mit sich, überschwemmen die Ufer- gelänbe, reiften Brücken fort und setzen Wohn­häuser und Fabriken unter Wasser.

Schweres Flugzeugunglück im Rheinland.

Düsseldorf. 28. Mai. (WIB.) Da* Brr- kehrsflugzeug der Deutschen Lufthansa D. 583, da* früh 7.40 Uhr in Dortmund zum Fluge nach Frankfurt aofgestiegcn war, ist 8.15 Uhr bet Radevormwald (Sr. Lennep) abgestürzt, wobei es in Brand geriet Der Pilot und zwei Passagiere kamen um* Leben, ein Passa­gier wurde verletzt während ein weiterer Passagier unverletzt blieb. Die Leichen von zwei der Ge­töteten sind vollkommen verbrannt Die Jlamea der bei dem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte« sind folgende: Pilot Hofmann, Herr Lippert (Dortmund) und Herr Runge (Dortmund). Der verletzte Passagier ist ein Herr hummereich au* Essen. Lin Fräulein penzhofer aus Düsseldorf, die einzige an Bord befindliche Dame, Halle nur ganz leichte Verletzungen baoongetragen und konnte ihre Reise fortsetzen. An* dem passagtersiugzeng, da* sich anscheinend in dem dichten Rebel nicht zurechtfiuden konnte und mehrfach über der Gegend kreiste, fah man plötzlich blaue Stichflammen schlagen. Der Apparat ging schnell au* geringer höhe auf einem freien Felde nieder. Kurz nach dem Aufschlagen brannte bet ganze Vorderteil bei Apparate*, unb bie Jlammen verbreiteten sich schnell Über da* ganze Flugzeug.

«bgrorbneter CMar Geck f.

In Mannheim ist der sozialdemokratische Reich*- tagsadgeordnete Oskar G e ck im 61. Lebensjahre an den Folgen einer Gallensteinoperation gestorben. Geck war 25 Jahre als Redakteur an derMann­heimer Volksstimme' tätig.

Oie Wetterlage.

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B-ettcrvo^aussage.

Hoher Luftdruck erstreckt sich noch über Deutsch­land. Da aber noch Luftwaffen verschiedenen Ursprungs zufammentresfen. ist die Bildung ein­zelner Störungen, die sich in Gewitter unb Gewitterregen bemerkbar machen, nicht ausge- schlossen.

Voraussage für Mittwoch: Vielfach heiter unb warm. Reigung zu lokalen Gewitterstörungen mit Regen.

Lufttemperaturen am 28. Mai mittag» 23,1 Grad Celsius, abends 15,3 Grad Celsius: am 2v. Mai: morgen« 16,1 Grad Celsius. Maximum 24,2 Grad Celsius, Minimum 7,6 Grad Celsiu*. Erdtempera- turen in in Zentimeter Tiefe am 28. Mai: abends 20,7 Grob Celsius, am 29. 2Hoi: morgens 15 Grad Celsiu*. Sonnenscheindauer 1OM Stunden.