Ausgabe 
29.5.1928
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 124 Erster Blatt

178. Jahrgang

Dienstag, 29. Mai 1928

Erich« in i iaglid),<m5ei Sonntags ir.b gtirrtogs Beilagen.

(Bleßener JJamihenblättei Heimat im Bild Di« Scholl«

KoaatfBqegsireis;

2 Reichsmark un6 20 Reichspfennig ftr Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern Infolge höherer Gew all. Fernsprechanl chlüssa: 61. M und 112

Lnfchrift füi Drohtnach» richten Anzeiger Gieße«.

Pelfd)e<ftoirte: Ätanffnrtam Main 11688.

GießenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drud hhö Derlag: vrühl'fche Uwtoerfitftts-Bed)« vnd Stetabrnderet R. tauge In Stetzen. Schriftlettvng nnö Seschästrftele: Schnltttatze 7.

Annahme von Anzeige» f*r bk Tagesnnmmer bis Zn» Nachmittag vorher.

Preis fir 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig. für Re» Uameanzeigen von 70 mm Breit, 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20' . mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr Dich Longe. Derantworilich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.Thgrwt, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; sür den An» zelgenterl Aurt tzillmann, sämtlich in loiehen

Vier Tage ohne Tiachrichi vom Polarflug derItalia".

Verschollen.

Die trüben Dorahnungen der Gattin Nobiles, baß die Norbpolefpedition ihres Mannes kein glückliches Ende nehmen werde, scheinen sich erfüllen zu sollen. Seit Tagen fehlt jede Nachricht über daS Schicksal der _3taüa, die in ihrem letzten Telegramm mitteilte, baß sie zwar den Nordpol erreicht hat, daß aber die schweren Sturme sie zur schleu­nigen Nückkehr veranlaßten. Was auf die­sem Rückmarsch passiert ist, weiß biS beute kein Dlensch und wird vielleicht auch niemals jemand erfahren, wenn eS Nobile nicht doch gelungen fein sollte, Alaska oder Nordsibirien zu er­reichen und zu landen. Aber alle Hoffnungen können doch nur recht schwach sein, einmal weil die .Italia" bei ihrem Polslug durchaus nicht mehr die gleiche Leistungsfähigkeit aufwies wie bei ihrem Start, und zum andern, weil die Expedit ionSteilnchmer mehr kühne Männer als gute Aeronautiker sind, denen es in der Haupt­sache nur darauf ankam. den Pol zu erreichen und ein dem italienischen Dolk gegebenes Ver­sprechen einzulösen Trotzdem braucht natürlich noch nicht das Schlimmste befürchtet zu werden. Ls ist sehr leicht möglich, daß sich die Mann­schaft gerettet hat und versuchen wird, sich über das allerdings jetzt schon sehr brüchige PolareiS hinweg in bewohnte ©egcnben durch­zuschlagen. Wiederholt haben mutige Forscher, die sich zu weit in die GiswildniS vorgewagt hatten, unter großen Gefahren den Rückweg ge­sunden. aber sehr viele haben auch ihr Leben lassen müssen.

Ebenso, wie sich längst her ausgestellt hat, baß bas Flug.zeug für Ozeanuberquerungen durchaus ungeeignet ist, ist auch jetzt der Beweis dafür er­bracht, daß für Polarforschungen nur Luftschiffe brauchbar sind, von denen von vornherein fest­steht, baß sie mit jedem Sturm fertig zu werden vermögen. Unerläßlich ist natürlich auch eine Mannschaft, die ein an aeronautischen Erfah­rungen reiches Leben hinter sich hat. Nobile war gewiß eine wagemutige Natur, daS hat sich gerade bei seinen letzten Flügen von Spitzbergen aus gezeigt, er war aber doch nicht der Luft­schiffer. der sich ohne Sorge die Aufgabe einer Erforschung deS Polargebietes stellen konnte. Bereits bet seinem Flug RomKingsbay mußte wiederholt die wenig erfreuliche Feststellung ge­macht werden, daß die Führung sich nicht auf der Höhe befand. Dann aber war die .Italia" durchaus nicht .polartüchtia", wie überhaupt die ganze Expedition recht schlecht vorbereitet war. Schon die Uebcrqucrung deS Poles durch die ..Norge", an deren Bord sich Nobile befanb, hätte ihn auf die Gefahren aufmerksam machen müssen, die einem Luftschiff mit kleinen Aus­maßen und wenigen Motoren drohen. Es ist auf daS tiefste zu beklagen, baß er sich auf dieses Wagnis eingelassen hat, bas von Anfang an unter keinem guten Stern ftanb. Sollte er mit seiner Mannschaft aus ben Einöden des Nordens zurückkehren, was nur zu hoffen und zu wünschen ist, dann dürfte er Erfahrungen in genügend, r Menge mit nach Hause bringen, die ihn veranlassen werden, seine zweite Expedition auf eine andere Basis zu stellen. Daß Nobile, wenn er brr Eiswüste entrinnen sollte, seinen Versuch toicberbolen wirb, dürste wohl keinem Iweifel unterliegen. Noch jeder Polar­forscher ist an die Stätte seines Wirkens trotz Not und Tob, die seiner harren, zurückgekehrt. Hilssexpediiionen für Nobile, ttitta dr Milano" im Packeis. Flugzeug- cxpeditroncn

Kopenhagen. 27. Mai. (TU.) wieExlra- blabcT über Oslo ersähet, ist die J£ i 11 a bi M i - lano* am Sonntag früh um halb neun Uhr von ft i n g « b a g au« in nördlicher Richtung in See gegangen. Bereif« in der Rahe der Amsterdam-Insel stieß da« Fahrzeug jedoch auf so feste« Packeis, daß ein weitere« Vordrin­gen unmöglich wurde. Infolge oerschiedencr Umstände kommt man jetzt immer mehr zu der Ueberzeugung, daß dieItalia" am Freitag kurz nach fünf Uhr morgens zwischen dem 77 und 71 (Brab nördlicher Breite unb 17. und 28. Grab öst­licher Länge niebergegangen sein muß. Alle bisherigen Nachrichten, bie von einem Auffangen oon Notsignalen wissen wollen, werben von bet Citfadi Milano" als falsch bezeichnet. Den letz­ten Funkrus Nobiles hat man demnach am Jreifag früh gehört. 3m Gebiet des Spih- bergener Nordosttan des, wo dieItalia" wahr- fcheintich verunglückt ist, befinden sich mehrere nor- wegische Seehundfänger - Fahrzeuge. Die Litfa di Milano" will versuchen, mit einem dieser Fahrzeuge Verbindung aufzunehmen und eine An­zahl erfahrener Polarleute veranlassen, mit Hun­den ins NordoVtand oorzudringen. Am späten Abend des Samstags sand in Oslo in der dorti­gen italienischen Gesandtschaft eine Besprechung statt, die bis in die späte Nachtstunde hineindauerte und in der die Aussichten einer Hilfsexpedi­tion erörtert wurden. Man einigte sich dahin, von ftingsbay aus, einen Vorstoß nach

Norden zu versuchen. Leiter der Expedition soll Risser Larsen werden. Ein Motorschiff und ein Wasserflugzeug sollen ihm zur versügung gestellt werden. Risser Larsen vertrat die Meinung, daß man bei einigermaßen klarem Wetter die Möglich­keit habe, in verhältnismäßig kurzer Zeit weite Strecken zu durchforschen. 3m Falle die3falla" in bet Nähe von Spitzbergen geftranbet sein sollte, habe man alle Aussicht, sie zu finben. wenn sie jcboch nach Norbsibirien ober in bas Polgebief ver­schlagen worden fei, werbe bie Hilfsexpedition nichts ausrichten können.

A m u n b | e n unb S werbrup, bie gcrabe auf einem Fest zu Ehren ber amerikanischen Polarfor­scher Witkins unb Eyelsons weilten, als bie nor­wegisch? Regierung an sie bie Frage richtete, ob sie an bie Spitze einer hilssexpebition für Nobile treten wollten, erklärten sich sofort bazu be­reit. Die Worte Amundsens wurden im Hinblick auf ben zwischen ihm unb Nobile schwebenden gro­ßen Streit oon der Gesellschaft mit brausendem Beifall ausgenommen. Witkins wies auf bie gro­ßen Schwierigkeiten hin, bie für eine Expebition darin beständen, daß zur Zeit bas 6 < s im Po­largebiet a u f b r ä d) e. Trotzdem müsse alles getan werden, um Hilfe zu bringen. Amundsen be­tonte sodann nochmals feine Bereitwil­ligkeit, selbst im Fluge an der Suche der

Italia" teilzunehmen. Trotzdem aber müsse gesagt werden, daß es heiße, eine Nadel In einem heusuder ;u finden, wenn es nicht vorher gelänge, die drahtlose Verbindung mit dem Luftschiff aufzunehmen.

Der norwegische Fllegcrleutnant L u e tz o w - Holm ist am Montag früh von horten mit einem Marinestugzeug nach Iromfoe gestartet. Dort wird er sich mit seiner Maschine auf den See­hundsängerHobby" elnschisfen, ber sofort nach ftingsbay auslausen soll. DieHobby" soll als Ausgangspunkt für bie Erkundungsflüge dienen. Die eigentliche hilssexpebition soll erst abgehen, wenn Luehow-hoim seine ersten Flüge becnbel hat. Man will zu biesem Zweck oustänbische Flugzeuge, vermutlich beutsche ober italienische, benutzen.

Beunruhigung in Italien.

Rom, 28. Mai. (TU.) Die Beunruhigung über bas Schicksal derItalia" wächst von Stunde zu Stunde. Jede Meldung, die auf Nobile Bezug hat, wirb gierig oon den Redaktionen und den amtlichen Stellen, die sich der Anfragen nicht mehr erwehren können, verfolgt. Man gibt aber trotz­dem die Hoffnung nicht auf, daß sich doch noch alles zum Besten wendet. Die Bereitschaft der Skandi­navier und Russen, sich an der Suche mittelbar oder unmittelbar zu beteiligen, ist mit Befriedigung aus­genommen worden.

Wege zur Verwaliungsresonn.

Don untererBerliner Redaktion.

Berlin, 28. Mai. Di« gestern publizierte Derorkmung des ReichsftnanzmintsterS, durch die 40 kleinere Finanzämter in Bayern aufgehoben werden, läßt wieder einmal di? Hoffnung auf­keimen. daß es m.t der DerwattunaSreforir unb der Vereinfachung und Derbilligung unserer jis- kalifchen Maschinerie doch noch ernst totrö. Gerade das Reichsfinanzministerium hat noch mehr derartige Maßnahmen in Dorbereitung, so eine zweckmäßigere Abgrenzung der Landes- ftnanzamtsbezirke. Unb wenn man gegen die erwähnte Teilmaßnahme an den Stellen, wo man immer eine Benachteiligung der übrigen Länder zu Gunsten PreußenS wittert, die Fraye aufwerfen sollte, warum hier gerade nur tn Bayern reformiert wird, fo ist dazu festzustellen, daß die Gesamtausgaben des einzel- staatlichen DerwaltungsetatS sich fol­gendermaßen stellen: für Preußen 16 Prozent der Gesamtausgaben, für Bayern 31, für Württem­berg 42, für Baden 44 und für Sachsen 56 Prozent!

Man hat wiederholt errechnet, daß eine durch­greifende Derwaltungsresorm ohne Deränderung der staatlichen und Länderlompetenzen allein an technischen Derbesserungen 150 bis 200 Millionen he raus holen könnte. Das ist ge­wiß nicht viel, aber die Summe läßt sich ver­vielfachen, wenn man Reichsverwaltungen zu- fammenlcgt und die finanzielle Selbständigkeit der kleineren Länder übrigens mit deren Zu­stimmung, denn schließlich tragen ja auch ihre Landcsttnder in erster Linie die Kosten einigermaßen beschränkt, lieber die Wege, auf denen dieses wünschenswerte Ziel zu erreichen wäre, ist man sich theoretisch bereits ziemlich weitgehend im klaren.

Zunächst einmal gilt es, die Ausgaben­besch l ü f f c der Reichs-. Landes- unb Ge­meinde-Parlamente an höhere Mehrheiten also z. D. an die Zweidrittelmehrheit zu binden. Dann sollte dem Reichssin anzminister bzw. den 2änbcrminiftem des gleichen Ressorts ein Einspruchsrecht gegen Etatserhöhun­gen durch die Parlamente und gegen nachträgliche Mehrausgaben zugestanden werden. Außerdem müßte dem Reichstinanzminister eine Ginspruchs­möglichkeit gegen derartige, festgestellten Richt­linien^ zuwiderlaufende Beschlüsse der Länder, der Städte usw. zugestanden werden. Ferner wäre eine Schlüsselung wünschenswert, die bei voller Wiederherstellung der kommunalen Selbst­verwaltung die Ausgabenwirtschaft der Gemeinden auf eine bestimmte Relation zu ihren Dorkriegsausgaben bringt.

Und schließlich sollte eine Deröffent- lich ungsp flicht für die Finanzgcbarung aller öffentlichen Körperschaften geschaffen wer­den. Die Finanzwirtschaft einer Stadt, wie Berlin, Köln oder München oder auch eines größeren Bezirks reicht ziffernmäßig an die Umsätze einer Großbank heran. Aber während diese in zwei­monatlichen und oft noch kürzeren Abschnitten neuerdings haben die Großbanken die (Sin- Monatsfrist fest gelegt einen Ausweis über ihre Ein- und Ausgaben, über die Struktur­veränderungen ihres Geschäftes oerlegen, erfährt man von öffentlichen Körperschaften meist nur einmal im Iahre und dann erst Monate danach, toervn das Interesse halb erloschen ist, wie sich ihre Einnahmen und Ausgaben gestaltet haben und wo der Schuh drückt.

(Snblicß aber wäre bei dieser Gelegenheit dem Publikum ein Geschenk zu machen, auf das es feil vielen Iahren, besonders aber seit dem Kriege, seit die verschiedenen Steuern sich nach

Zahl und Art ins unendliche gesteigert haben, mit Schmerzen wartet: «S müßte die vollkommene Vereinheitlichung des Ginzi«- hungSwefens durchgesührl werden, so daß man mit einer einzigen De ranlagung seine (amtlichen Verpflichtungen an d'e öffentliche Hand bewältigen kann, fei es Reich, Land, Ge­meinde, Kreis, Provinz oder was immer. Auch die Religionsgemeinschaften und die öffentlichen Lieferungsbetriebe für GaS, Wasser, Elektrizi­tät usw. wären einzubeziehen. Aber freilich zunächst ist das alleS noch eine P fingst betrach- tung, ausgelöst durch baß einzelne knospende RöSlein einer ftnanzminifteriellen Verordnung!

Reform

der Reichsfinanzverwaliung.

Berlin, 26. Mai. (WTD.) 3m Bereich der Reichsfinanzverwaltung ist feit Iahren der Frage der Vereinfachung und Berbilligung der Ver­waltung besondere Aus merksam leit gewidmet worden. Auf dem Gebiete der inneren Organi­sation ist die Zahl der Instanzen dadurch vermindert worden, daß Aufgaben, die bis­her vom Ministerium oder von den Landes­finanzämtern wahrgenommen wurden, den Landesfinanzämtern ober Finanz­ämtern übertragen worden sind, eine Maßnahme, durch die die Erledigung der Ge­schäfte vereinfacht und die Derantwortungsfreu- digkeit der Beamten gestärkt wird. Hand in Hand mit diesen Maßnahmen geht die Reform der äußeren Organisation der Reichssinanzver- waltung durch Verringerung der Zahl der Dienststellen. Eine den heutigen Wiri- schasts- und Verkehrsverhältnissen angepaßte Neuabgrenzung der Landesfinanz­amtsbezirke wirb vorbereitet. Nachdem im Laufe der letzten Iahre im Reiche bereits eine Reihe kleinerer Hauptzollämter, Finanzämter usw. mit ben benachbarten Bezirken vereinigt wor­den ist, werden nach einer im Reichsgnzeiger erschienenen Verordnung des Reichssinanzmini- sters Dr. Köhler jetzt im rechtsrheinischen Bayern, und zwar im Einvernehmen mit ber bayrischen Dtaatsregierung, eine größere Zahl von Finanzämtern, insgesamt 40, aufgeho­ben. deren Weiter bestehen mit ben Grunbsähen einer sparsamen Wirtschaftsführung nicht ver­einbar erscheint. Wegen Aushebung weiterer De- zirksstellen der Reichsfinanzverwaltung a u ch i n anderen Teilen des Reiches sind Ver­handlungen im Gange.

Abgrenzung der Arbeitsämter.

Berlin. 26. Mai. (WB.) Der Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung hat in dieser Woche seine Beratungen übet die Abgrenzung ber Arbeitsamtsbezirke abgeschlossen. Er ging dabei von Vorschlägen aus. die von den Derwaltungsausschüssen der Landesarbeitsämter in enger Fühlung mit ben örtlichen Stellen aus­gearbeitet und von ben obersten Landesbehörden gutachtlich geprüft worben waren. Für die Fest­setzung der neuen Grenzen sollten nach dem Wil­len des Gesetzgebers wirtschaftliche Zu­sammenhänge entscheidend fein. Es mußte also baß Ausgleichs bedürinis des Arbeitsmarktes in ben einzelnen Bezirken geprüft, die besonderen Anforderungen charakteristischer Teilarbeils- märfte berücksichtigt und schließlich auch die Der- binbung ausgesprochener Arb eiter- wohngemeinden mit den wichtig ft en Beschäftigungsgemein den gesichert wer­den.

Diese GesichtSpunfte haben zu einer starken Zusammenlegung ber bisherigen ArbeitS- amtsbezirke geführt: auch politische Grenzen mußten nicht selten überschritten werden. Wäh­rend gegenwärtig im Reichsgebiet 8 87 öffent­liche Arbeitsnachweise bestehen, unb zwar In ber Regel für den Bezirk jeder unteren Ver­waltungsbehörde ein Arbeitsnachweis, ist die Zahl ber Arbeitsämter nach ben neuen Beschlüs­sen auf 3 6 2 festgesetzt worden. Diese ver­teilen sich auf 13 LandeSarbeitsamts- bezirke wie folgt: Ostpreußen 12 (bisher 43), Schlesien 27 (65), Brandenburg 33 (82). Pommern 11 (50), Nordmark 16 (58). Niedersachsen 28 (85), Westfalen 34 (63). Rheinlanb 39 (55). Hessen 18 (40). Mitteldeutschland 33 (76). Sachsen 34 (105). Bayern 41 (98) unb Sübwestbeuschland 36 (70). Mit ber Abgrenzung ber Arbeitsämter ist eine weitere wichtige Voraussetzung für die Ein- glieberung ber öffentlichen Arbeitsnachweise in bie Reichsanstalt erfüllt, so daß nunmehr alSbald die Einführung beS Gesetzes über Arbeit^vermilt- lung und Arbeitslosenversicherung auch in orga­nisatorischer Beziehung abgeschlossen sein wird.

Das Bureau des Reichstags.

LocbcS Wiederwahl zum Präsidenten wahrscheinlich.

Berlin, 28. Mai. (Priv.-Tel.) Der neu- gewählte Reichstag wird zu seiner ersten Sitzung erst aus den 13. Iuni einberufen werden, da bie Feststellung des amtlichen endgültigen Wahlergebnisses sich verzögert. Im neuen Reichs­tage ist der dem Zentrum zugehörende LandeS- ökonomierat Herold der älteste Tlbgcorbncte. Herold erreicht im Iuli fein 80. Lebensjahr. Er wird in der ersten Sitzung ber AlterS- vorfitzende fein. Da nach parlamentarischem Brauche ber Präsibent der stärksten Fraktion entnommen wird, ist die Wiederwahl beß sozialdemokratischen Abgeordneten Paul Loebe zum Präsidenten deS Reichstages gewiß. Der erste Vizepräsident wird wieder ein Deutschnationaler, (bisher Abge­ordneter G r ä s - Thüringen), der zweite ein Zen- trumSmann (bisher Abgeordneter Esser) sein. Dritter Vizepräsident war im früheren Reichstag der volksparteiliche Abgeordnete Rießer. der eine Wiederwahl abgelehnt hat, aber abgesehen davon, baß Geheimrat Rießer dem Reichstage nicht mehr angehört die Deutsche Volks- Partei ist nicht mehr die viertstärkste Fraktion. Sie hat den vierten Platz der kommuni­stischen Fraktion abtreten müssen. Es wird abzuwarten fein, ob die Kommunisten den An­spruch auf die dritte Dizepräsidentenftelle, die ihnen nach dem Brauch zustehen würde, auch geltend machen werden. Wie das Blatt wißen will, wird der Gedanke erwogen, die dritte Dizepräsidentenftelle eingehen zu laßen. Eine bestimmte Zahl von Vizepräsidenten ist in der Geschäftsordnung nicht vorgesehen: sie wird vom AeltestenauSschuß feftgeseht. Zum Präsi­denten des Preußischen Landtags wird der von schwerer Krankheit genesene sozial­demokratische Abgeordnete Bartels gewählt werden.

Kombinationen.

Eine Kandidatur Wirth? Ter Staats­sekretär im Reichswchrministerium. - Tie Große Koalition.

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 28. Mai. Allmählich gelangt in den Wust der Kombinationen eine gewisse Ueberfidjt, die es immerhin ermöglicht, schon etwas sicherer zu urteilen. Wenn es auch noch nicht zu Besprechungen der Parteien selber gekommen ist, iso haben sich doch schon einzelne Vertreter der Parteien untereinander unterhalten. Dabei sind zwei Tatsachen bemerkens­wert. Wie wir bereits melden konnten, wird vielfach als zweiter Anwärter für den Kanzler- post e n der Zentrumsabgeordnete Dr. Joseph Wirth genannt. Wie es scheint, steht das Zen- t r u m vor allem einer solchen Losung nicht ganz unsympathisch gegenüber, weil es glaubt, dadurch wenigstens einen gewissen Einfluß auf seine Linkskreise gewinnen zu können. Die So­zialdemokraten würden sich bann mit dem Poften des Vizekanzlers begnügen, der dies- mal mit dem des Innenministers verbunden ist. Das Ministerium für die besetzten Gebiete ioll auch weiterhin mit dem Äanzlerposten verbunden bleiben. Ob die Kandidatur Wirths durchdringen wird, hängt selbstverständlich noch von den Parteibespre­chungen ab und vor allem auch davon, ob Otto Broun den preußischen Minifterpräsidentenposten behalten soll. Interessant ist schließlich, daß die Schaffung eines Staatssekretärpostens im Reichswehrmini ft eriurn erneut erwogen wird, wobei sich allerdings noch nicht übersehen läßt, wie das Für unb Wider ber einzelnen Par­teien gelagert ist. Jedenfalls steht soviel fest, daß sich Reichswehrminister Dr. Groener ganz entschieden gegen die Schaffung eines solchen Postens wendet. Rach seiner Ansicht würden der Ches der Heeresleitung sowohl als auch der Chef der Marineleitung zu einer geordneten Führung des Reichswehrministeriums genügen. Und im übrigen glaubt der Reichswehrminifter, schon s e l b ft in ber Lage zu fein, die Leitung bes Ministeriums fest m