Ausgabe 
28.12.1928
 
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V

I.

Kampfpause in Afghanistan?

(Sin Aufruf Amanullahs.

London, 28. Dez. (WTD. Funkspruch.) Daily Mail" berichtet aus Lahore: Die auf­ständischen Afghanen sind jetzt von den Re­gie ru n g s t r u P pe n in die Kabul um­gebenden Berge vertrieben worden. Ihre Verfolgung ist im Gange. Die Hauptstadt ist jetzt ruhig. Die königliche Familie hat sich nach Kandahar begeben, um Stämme um sich zu schoren, mit denen sie Blutsverwandtschaft be­sitzt. Es wird angedeutet, daß Amanullah viel­leicht zugunsten seines Sohnes zurück- treten werde. Gin Militärflugzeug aus Bagdad ist in Kabul eingetrosfen und ein weiteres folgt zur 'Beschleunigung der Ablransporte. Augen­blicklich herrscht in Kabul Schneefall, der den Abflug der Maschine verhindert. Diele Personen warten noch auf ihre Wbeförderung und d i c Vorräte gehen z u Ende. Bei der Lan­dung des Flugzeuges aus Bagdad soll, wie Daily Mail' weiter meldet, eine deutsche Frau von dem Propeller getroffen und ge­tötet worden sein. Die britische Gesandt­schaft hat unter schwerem Feuer ge- standea und ihre Zimmer sind verbarrikadiert.

Wie weiter gemeldet wird, macht der strenge Frost weitere Kämpfe in Afghanistan völlig unmöglich. Der König habe an das afghanische Voll einen Aufruf gerichtet, in dem er eine Politik des Friedens sowie Zugeständnisse an die religiösen Gemeinschaften an- sündigte und die Unterstützung des Volkes im Kampf gegen die Aufständischen verlange. Zwi­schen seiner Mutter und Vertretern der reli­giösen Gemeinschaften sei ein Abkommen er­zielt worden. Der Overmullah soll beschlossen haben, die Aufständifchen zur Einstellung des Kampfes gegen die Regierungstruppen auf­zufordern. Der Köing habe den Kronrat ein» berufen.

Aus Kabul gerettete Deutsche.

Berlin, 27. Dez. (WB.) Am 25. Dezember sind mit einem Flugzeug folgende Deutsche aus Kabul ab geflogen und in Peshawar eingetroffen : Frau Herbordt und Sohn, Frau Staude, Frau Dorten und zwei Kinder, Frau Manager, Frau Hetzel, Frau Iven, Frau Buchholtz, Frl. Iven und Frl. (Sinfelbt sowie zwei Kinder Perron. Nach einer Reutermeldung aus Neudelhi befinden sich ferner unter den aus Kabul nach Peshawar von britischen Flugzeugen beförderten Personen die Sekretärin des deutschen Vertreters, ferner Frau Holet Afaf, die deutsche Frau eines türkischen Lehrers an einer Militärschule und ihre beiden Kinder, sowie ihr Kinderfräulein und Frau Chisterne (?), die deutsche Frau eines Angestellten im afghanischen Kriegsministerium und ihr Kind.

Neue Verschärfung im-amerikanischen Konflikt.

Vorstöße bolivianischer Trnppen.

Washington, 27. Dez. (WTB. Zunkspruch.) Nachdem die vermiltlungsbemühnngen zum Still­stand gekommen find, da man abwariet, ob Bön­nien und Paraguay den vor zwei Tagen hier aus- gearbeitelen Protokollentwurf annehmen, be­richtete die Gesandtschaft Paraguays heute abend, die Bolivianer hatten das Fort Danguardio in dem umstrittenen Gebiet wieder beseht und ihre Truppen zwölf weilen weiter in das innere des Gebiets vorgeschoben und dadurch wieder einesehr ernste Lage" geschaffen. Die Gesandtschaft bemerkt, dieser Vorstotz sei ohne Gefechte vor sich gegangen. Die Bolivianer hätten Vorteil aus dem Befehl gezogen, den die Regie­rung Paraguays an ihre Truppen ausgegeben hatte, alle Feindseligkeiten einzustellen.

Verhör desZachot-Attentäters

Benoit leugnet, einer Politischen Gruppe anzugehören.

P a r i s, 27. Dez. (WTD.) Der Tkntersuchungs- nchier hat heute Georges 'Benoit zum ersten Male wegen des Attentates auf Fachot verhört. Benoit erflärte, er habe durch die Lektüre dessen, was in den elsässischen Zeitungen in deutscher Sprache und in den Pariser Zeitungen über den Colmarer Prozeß berichtet wurde, die Lieber­zeugung gewonnen, daß der Colmarer Prozeß in allen Stücken erfunden und ungerecht sei. Darin fei er noch dadurch bestärkt wvrden, daß Senator Helmar Staats­anwalt Fachot in Briefen, die veröffentlicht wur­den, als einen unehrlichen Menschen hinstellte, der in Seouesterschiebungen der elsässischen Kaligruben verwickelt sei. Alles dies habe ihn zu der verrückten 3dee bewogen, auf Fachot zu schießen. Er Hobe eine f i f e Idee gehabt, der er nicht habe widerstehen können. Er sei ein gläubiger Katholik und habe noch im Treppenhaus gebetet, daß er Fachot nicht töte. Er gehöre zu keiner Gruppe, habe niemals Politik getrieben und nur nach Rückkehr von Ricklin und Rosse nach ihrer Begnadigung Ende 3uti oder Anfang August nach Straßburg an einer Kundgebung teilgenommen. Gr habe von seiner Tat zu niemand gesprochen und bedauere sie fetzt.

Eine neue Untersuchung im Fall Klotz?

Politische Rücksichten auf den ehemaligen Minister.

Paris, 27. Dez. (WB.) Der Verteidiger des ehemaligen Senators Klotz hat, nachdem die gerichtsseitig angeordnete Untersuchung seines Klienten dessen völliges Verantwor­tungsvermögen festgestellt hat, eine neue ärztliche Prüfung des Geisteszustandes ski- i<es Klienten beantragt In dem Schreiben, in dem der Verteidiger diese zweite ärztliche Unter«' fuchung beantragt, teilt er auch mit, daß die Karosserie-Firma Kellner, deren Mage wegen ungedeckter Schecks gegen Klotz dan Antrag auf Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität und das Gerichtsverfahren auslöste, ihre Klage zurückgezogen hat. In dem Schrei­ben, das die Firma Kellner an den Anwalt von Klotz gerichtet hat, heißt es u. a., die Finna habe sich zu ihrem Vorgehen durch einen ihr zitteil- gewordenen Hinweis bestimmen lassen, daß sie durch diese- legitime Druckmittel eine dis­

krete Regelung der Schuld durch­setzen würde. Die Finna habe nicht voraus­sehen können, daß dieser Schritt entgegen ihren Absichten gerichtliche Folgen und einen ö f - fentlichen Skandal nach sich ziehen würde, den sie bedauere, da er unnütz einen Mann treffe, der einer der Bevollmächtigten Frankreichs in der Stunde des Frie­dens gewesen sei.

Chinesische Liebenswürdigkeiten.

Paris, 27. Dez. (TL1.) Kundgebungen die z u Ehren des britischen Gesandten in Rauling aus Anlaß der .Ihrer,ekgnung des b.i i ch ch n?iischen Verir.g. {tätig fun.en ha-'en, fan^n nicht die Zustimmung aller LHi- nefen. General Hutsunztu ließ mitten auf der Strecke zwi,chen Hankau und Peling beiTicheng- T'cheou den Zug des englischen Gesandten, der sich In Gesells^aft des hol änd schon und des por^ugie ischen G.sand.en sowie höherer ch nesi- scher Beamter befand, a n h a l t e u, um die ßo.o» motiven auszutauschen. Wir der Sonderbericht­erstatter desPetit Parisien' dazu berichtet, reiste der chinesische G.neral in enig:g enges.tzter Richtung. Da der Zua des engll,che.t Ge analen eine schnellere Maschine als der des Generals hatte, befahl General Hutsungtu dem Bahnhofsvorsteher kurzerhand, die Lo.omotiven zu wechseln. Da d:r Beamte sich w.igerle, chlugen Soldaten auf ihn ein and bemächtig.en ich der Ma,chine des Dip omatenzuges, nachoem ie auch den Zugführer des Zuges vecprstgelt hatten. Die Diplomaten mußten bei grimmiger K.llte sechs Stunden warten, bis eine andere Maschine aus Peking eintraf.

Rückschlag im Befinden des Königs von England.

L o n d o n, 27. Dez. (WB.) Nach dem heute abend veröffentlichten Bulletin war das Befinden des Königs im Laufe des Tages nicht so zufrie° den st eilend wie bisher. Dtr König zeigte Abneigung aeaen die Nahrungsaufnahme, und der Kräftezustand hat sich nicht ganz auf der bisherigen Höhe gehallen. Der Puls ist nach wie vor stetig.

Tarissriede bei der Reichsbahn.

Berlin, 27.Dez. (WB.) In den letzten Tagen haben beim Eijenbahner-Einheitsver- band, der größten Organisation der deutschen Eisenbahner, Verhandlungen darüber stattgefunden, ob das bis zum 31. Dezember laufende Lohn . abfommen gekündigt werden soll ober nicht. Nach langen Erwägungen kam man zu der lieber« zeugung, daß aus taktischen Gründen eine Kündi­gung des Abkommens zur Zeit nicht emp­fehlenswert fei und daß der Vorstand des Ver­bandes erst später entsprechende Schritte unter, nehmen wolle.

Aus aller Welt.

China sabotiert deutsche Forschungsarbeit. \

Die Expedition Dr. Trinkler« nach Ehine- sisch-Turkestan, di« für die Wissenschaft eine Fülle von wichtigem Material gesammelt hat, hat durch die chinesische Zentralregierung eure Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden gehabt, über die sich jetzt der Schweizer Teilnehmer an der Expedition, W. Boßhard. ausläßt. Dr. Boß Hard weilt augenblicklich noch In Kaschgar, da ihm für die Rückreise die Pässe noch immer nickt ausgestellt worden sind und ihm auch weiterhin beträchtliche Schwierigkeiten seitens der Zentral­regierung gemacht werden. Boßhard hebt in seinen Ausführungen hervor, daß bas Programm der Trinklerschen Expedition seinerzeit durch die chinesische Zentralregierung sowohl alS auch von den lokalen Behörden genehmigt wvrden sei, diese jedoch plötzlich im März 1928 ihre freund­liche Haltung änderten und mit allerlei Schwie­rigkeiten die Aufgaben der Expedition zu d u r ch- kreuzen suchten. Man verbot zwei der Expe- ditionsteilnehmer das Photographieren und Dr. Trinkler überhaupt jede wisfensckastliche Tätig­keit. Als daraufhin die Expedltionsteilnehmer mit ihrem Gepäck abveisen wollten, wurde ihnen die Ausreisebewilligung versagt und sämtliche Sammlungen beschlag­nahmt. Eine Erklärung für dieses seltsame Vorgehen wurde nicht gegeben und auch die lokalen Behörden lümmerten sich nicht um die Proteste, mit denen sie von den Expeditions- teilnehmern bestürmt wurden. Boßhard bringt dieses seltsame Gebaren der chinesischen Behör­den in Zusammenhang mit der Chinestsch-Tur- kestan-Expedition Sven Hedins. Dieser hatte bei seinem Aufbruch von Peking Bedingungen unterschrieben, die von jedem anderen For­schungsreisenden Zurückgewiesen worden wären. Er verpflichtete sich u. a. eine Anzahl chinesischer Professoren und Studenten auf seine Kosten mit­zunehmen, ihnen während der Dauer der Ex­pedition Gehälter au bezahlen und schließlich seine ganze Sammlung chnen zu überlassen. Diese Chi- nesen setzten bann alles in Bewegung, um den Begleitern Dr. Trinllers Schwierigkeiten zu machen, was ihnen, wie Boßhard ausführt, auch vollständig gelungen ist. Um die Tat­sache, daß die frühere chinesische Regierung dem Trinklerschen Unternehmen die Dewitligung er­teilt hatte, kümmern sie sich wenig, da sie auf bequeme und billige Art in den Besitz der Sammlungen zu kommen beabsichtigen, die im Süden von Chinesisch-Tuickestan von Dr. Trinkler und seinen Mitarbeiten: gemacht wor- ! den sind. Boßhard bedauert es, daß Sven He- din nicht seinen ganzen Einsluß gegen das Vor­gehen der Chinesen und der chinesischen Zen­tralregierung gcltent) macht, und läßt durch­blicken, daß das Verhalten der chinesischen Re­gierung der Ausdruck eines gewissen Konkur­renzneides Sven HedinS ist.

Das historisch« Gasthaus bei Leuthen abgebrannt.

Am Dienstagabend ist daS historische Gasthaus in Saara bei Leuthen, welches in der Schlacht bei Leuthen im Jahre 1757 unter Fried­rich Dem Großen eine große Rolle gespielt hat, völlig niedergebrannt. Das Feuer verbreitete sich in dem alten morschen Gebälk mit rasender Ge­schwindigkeit, so daß nach einer halben Stunde bereits das Treppenhaus brennend zufammerv« stürzte. Der Gastwirt und drei kinderreiche Fa.­milien, darunter eine von neun Köpfen, konnten nur das nackte Leben retten. Infolge Wassermangels war die Bekämpfung des Brandes sehr schwierig. Von dem ganzen Gebäude ist nur dir Gaststube mit dem anschließenden historischen Zimmer erhalten geblieben. Don der Breslauer

Brcufsfeuerwehr. die zu Hilfe gerufen wurde, sind zwei Mann verunglückt. Der eine brach durch die Decke und zog sich außer anderen Ver­letzungen erhebliche Brandwunden zu, der andere erlitt Kopfverletzungen.

Großfeuer au der Mosel.

In Eröv an der Mosel brannten am zweiten WeihnachtSseierlag drei Wohnhäuser und zwei Scheunen mit Vorräten und verschie­dene Ställe nieder. Vier Familien sind obdach­los: sie sind nur gering versichert. Das Vieh wurde gerettet

vom Starkstrom getötet.

An der Chaussee, die von Oranienburg nach Schmachtenhagen (bei Berlin) führt, fanden Tele- graphenarbeiter ein Fuhrwerk, descn Be­sitzer und Pferd tot waren. Dir Pollzei stellte fest, daß es sich um den Waldarbeiter Otto Schrader aus Schmachtmh7gen hand.lt. Der mit seinem Ponnysuhcwrrl auf dem Wege au seiner Arbeitsstelle gewesen war. Das P.erü hatte auf eine gerissene Stark st romleitung getreten und war geLtet word.m. Schröder war dann vom Wagen gestiegen und Halle beim Aussträngen dos Tieres ebenfalls die Leitung berührt. So hatte auch er einen elektti.chen Schlag erhalten.

Ueberschwemmungskalastrophe in einem Bergwerk in Süd-Rhodeflo.

Durch ein Unwetter wurde die Dirthday- grübe bei Shabany überflutet. Don den im Berg- wer! Beschäftigten wurden ein Europäer und 14 Eingeborene durch eine Hilfskolonne gerettet. 20 Eingeborene werden noch vermißt.

Zwei Sinder erftunfen.

Trotz des Tauwetters spielten drei Kinder aus der Eisfläche eines Dorfweihers bet Longertch in der Rähe von Köln. Plötzlich brach die Eisdecke ein. Trotzdem Hilfe bald zur Stelle war, konnte nur ein Kind gerettet wer­ben, während die beiden anderen im Alter von fünf und sechs Jahren erst nach längeren Be­mühungen nur als Leichen geborgen werden konnten.

3m Alkoholrausch erfroren.

Drei jugendliche Arbeiter der Glasfabrik Brod« witz hatten am Heiligen Abend in Weinböhla ge* zecht. Der erst 17]äl)rige Arbeiter Max Flögel aus Hindenburg war nicht mehr imstande, allein zu gehen. Seine beiden Kollegen schleppten und trugen ihn eine Zeitlang. Dann aber wurde ihnen der Transport zu schwer und sie ließen Flögel einfach auf der Straße liegen. Flögel wurde am folgenden Morgen erfroren auf» gefunden.

Tod in den Bergen.

Der 25jährige Stisahrer Peter Riegel aus Wersen unternahm während der Feiertage meh­rere anstrengende Touren im Gebiet des Hoch- könlgs ^Salzburg). Run fanden ihn Touristen erfroren eine Viertelstunde unterhalb des Ar- thur-Schutzhauses auf eine mSch neehausen fitzend auf. Riegel hatte eine volle und eine leere Wärmflasche neben sich Die Leiche wurde durch die RettungsgeseNschast in Wersen zu Tal gebracht.

Die Influenzaepldemle in den vereinigten Staaten.

Amtlich wird gemeldet: In der am 22. Dezember abgelausenen Woche waren in 58 Städten 710 Todesfälle infolge Influenza zu ver­zeichnen, während sich in der Vorwoche die Zahl der Todesfälle in 62 Städten auf 475 beließ. Dis Neuerkrankungen an Influenza wahrend der vergangenen Woche werden auf li Million ge­schätzt. Die Zahl der Todesfälle, die auf Lungen : entziindung zurückzuführen find, hat ebenfalls start zugenommen. Das Gesundheitsamt von Har- risburg-Pennsyloanien erklärte, die Jnfluenzaerkran- kungen hätten besonders in den Ortschaften entlang der Pennsylvaniaeifenbahn den Charakter einer bös­artigen Epidemie angenommen.

Zwei Schwestern beim Benutzen des Schienenweges überfahren.

Die 18 und 17 Jahre alten Schwestern Gnech aüs Sophienhof, die sich in Begleitung eines befreun­deten Neichswehrfoldaten nach Lauenbura be­gaben und, v m die Wegstrecke abzukür- zen, die Eiscnbahngeleife benutzten, wurden dicht vor dem Bahnhof Lauenburg von dem Danziger Personenzug erfaßt und überfahren. Der Sol­dat, der neben den Schienen ging, kam mit dem Schrecken davon. Die eine der Schwestern war so­fort tot, während die andere in der Nacht im Kran kenhaus ihren schweren Verletzungen erlag.

Schweres Unglück auf der Santa-Je-Bafm.

Auf der Santa--Bahn (Kalifornien) ereignete sich bei Hesperia ein schweres Unglück. Der Schnell­zug Los AngelesChikago entgleiste an der genannten Stelle mit der Lokomotive und sieben Wagen. Einige der besetzten Wagen stürzten die 15 Fuß hohe Bahnböschung hinunter Die Zahl der Verletzten scheint glücklicherweise nur gering zu sein. Es wurden bisher zwei Fahrgäste als schwerverletzt festgcstellt. Nach Ansicht der Bahnbe­amten ist die Entgleisung des Expreßzuges, der zur Zeit des Unglückes mit voller Geschwindigkeit fuhr, auf einen verbrecherischen A k t zurückzufüh­ren. Don unbekannten Tätern ist, so erklärten die Bahnbeamten der Nagel einer Schiene entfernt worden.

Aufregende Verbrecherjagd in Olwütz (Böhmen).

In der Mittagsstunde beobachteten in Olmütz (Böhmen) Passanten in einer dec belebtesten Straßen einen Einbrecher bei der Ar­beit. Als Polizei erschien, flüchtete der Ein­brecher durch die belebtesten Straßen, unaus­gesetzt au 6 seinem Revolver feuernd, und lief schließlich in ein Haus, wo er sich im dritten Stockwerk in einer Privatwohmrng ver­barrikadierte. Als er nach einer längeren wilden Schießerei sah, daß seine Lage unhaltbar ge­worden war, knüpfte er drei Bettücher zusammen und wollte sich damit aus dem dritten Stock­werk herablassen. Dck die Leinentücher für die Flucht nickt ausreichten, kehrte er in die Woh­nung zuruck, knotete ein weiteres Lernen tuch an und prang auf diese Weise in die im zweiten Stockwerk gelegene Wohnung eines Zahnarztes, wo er den Zahntechniker und die Assistentin mit dem Revolver bedrohte. Aus dieser Wohnung flüchtete ec durch einen kühnen Sprung auf die Dachrinne eines zwei Meter tiefer gelegenen Daches, von wo er ein Schnell­feuer aus feine Verfolger eröffnete. D)m Dach- giebol dieses Hauses wagte er da in einen etwa acht Meter tiefen Sprung au : ein anderes Dach, von dem er in einen vier Meter tiefen Hof gelangte. (Er flüchtete sodann, immer hart versorgt, über den Mafaryk-Platz und den Wil­

Oie Wetterlage

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Wettervoraussage.

Die Reihe der vorüberziehenden Srudftönmgeu bat noch nicht ihren Abschluß gesunden, obwohl- die an der Rückseite der ersten Störung zuge- strömte Kaltluft einen Temperaturrückgang von etwa 3 Grad Celsius verursachte, läßt eine neue Staffel feuchter, milder ozeanischer Luftmassen, die Temperaturen wieder zum Steigen bringen. 3m Bereich der ozeanischen Luftmassen hält der gegenwärtige Witterungscharakter an. Die Tem­peraturen erfahren eine weitere geringe Zunahme und Riederschläge treten vorerst noch auf.

Witterungeaussichten für Sams- t a g: Ueberwiegend wolkig bis bedeckt, mit zunächst etwas ansteigenden Temperaturen, noch zeitweise Niederschläge.

Witterungsaussich-ten für Sonntag: Nur noch vereinzelte Niederschläge und wolkiges Wetter mit sinkenden Temperaturen.

Lufttemperaturen am 27. Dezember: mittags 5 Grad Celsius, abends 2,7 Grad Celsius: am 28. Dezember: morgens 1 Grad Celsius. Maximum 5 Grad Celsius, Minimum 0,6 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 27. Dez.: abends 1,8 Grad Celsius: am 28. Dezember: morgens 1,2 Grad Celsius. Niederschlag 0,3 Millimeter.

wlnlersporlnachrichten der Hess. Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hoherodkopf): Schnee, all, 2 Grad Celsius, Schneehöhe 5 ZenüMlt t, Papp­schnee, Sportmöglichkeiten nur im Walde.

Odenwald (Tromm): Schneefall, 0 Grad Celsius, 10 Zentimeter Schnee, Pappschnee, kerne Sportmöglichkeit.

Schwarzwald (Feldberg): Rebcä, Tempera­turen Plus 3 Grad C., Sckxnee 45 Zentimeter, Pappscynse, Ski und Rodel mäßig.

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): bewölkt. 0 Grad C., 32 Zentimeter Schnee, Pappschnee, Skr mäßig, Rodel gut.

son-Plah, drang in eine Bäckerei etn tfnb zwang mit vorgehaltener Waffe die Ge..ilfen zur Flucht, Vor der Bäckerei hatten sich inzwiichen zehn Wachleute und eine große Menschenmenge ein­gesunden, die jedoch der Verbrecher mit feiner Waffe in Schach zu halten vermochte, bis ei.r deS Weges kommender Ballettmeister vom Ol- mützer Stadttheater ihm die Waffe schließlich entriß und ihn durch Schläge auf den Kopf betäubte, so daß endlich seine Fest­nahme gelang. Es handelt sich um dm gefähr­lichen ungarischen Räuber Joseph Schwartz. Bei dem von ihn, verübten Einbruch hatte Schwartz 3000 Kronen geraubt.

Weihnachtim trauten Familienkreise".

Eine blutige Weihnachtsfeier gab es In einer Bergmannsfamilie in Hamborn. Dort kam es im Verlauf der Feier gegen 4 Uhr morgens zu schweren Ausschreitungen, wobei der Stiefsohn durch mehrere Messerst.che lebensgefährlich verletzt wurde. Der Vater erhiett von dem Sohn mit einer Kaffeetasse einen wuchtigen Schlag auf den Kopf und wurde ebenfalls schwer verletzt. Die beiden Verletzten wurden dem Kranken­haus zugeführt; doch glaubt man kaum, sie dem Leben erhalten zu können. Der Täter wurde fest- genommen.

Die Amerikafahrt desGraf Zeppelin" als Weltrekord.

Die Filtration Aeronautique Internationale (F. A. I.) hat jetzt die Rückreise des Luftschiffes Gros Zeppelin" von Lakehurst nach Friedrichs- basen in der Zeit vom 29. Oktober bis 1. November dieses Jahres mit einer Entfernung von 6384.500 Kilometer als Weltrekord der Klaffe B (Luftschiffe) anerkannt.

Die PolarexpedlNon Byrd».

Byrds Südpolexpedition, deren Kosten auf eine Million Dollars veranschlagt werden, nähert sich dem als HauptbasiS gewählten Ort an der Wal­fisch-Bay. Der amerila mische Marinesettetär er­hielt einen Funkfpruch über die Ankunft bei Expedition an der großen Roß-Barriere am Wei hnachts tage

Toscaninl-Feier lu der Mailänder Skala.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde die Theatersaifon in der Königlichen Oper in Ron» und in der Skala von Mailand eröffnet. 3M Mailand fiel Der Eröffnungstag mit dem 30jähri- gen 3ubiläum der künstlerischen Leitung Tosca- ninis zusammen. Da Toscamni vor 30 Jahren bei der Eröffnung der Skala dieMeister-« finget dirigiert hatte, wurde auch diesmal die Saison mit denMeistersingern" eröffnet, Toscanini wurde vom Publikum stürmisch ge­feiert.

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