Ausgabe 
28.12.1928
 
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Aus der Provinzialhauptstadl

Dießen, den 28. Dezember 1928.

OaS Streichholz.

Verzeihung, würden Sie mir, bitte, Feuer geben?" hörte ich letzthin in einem Lokal einen Gast zum andern sagen, der an einer Zigarre schmauchte. Der um Feuer Bittende hatte gemeint, daß ihm der andere seine brennende Zigarre Hinhalten würde. Aber dieser griff in die Tasche, reichte ihm eine Schachtel Streichhölzer zu und sagte:Ditte, be­dienen Sie sich/ Sicher hat er seinen Grund dazu gehabt. Welchen ist hier gleichgültig. Mich beschäf­tigte nur die Lässigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der hier das Streichholz behandelt wurde.

Es wäre töricht, im Streichholz einen veson- deren Wertgegenstand zu erblicken, denn ieövr weist, dast er für ein paar Pfennige eine ganze Anz h de er Hölzer b?kommt. Bei der heu.igen Ma lenprodu Hon an Strei h Lern ist es 'elost- aer änd'ich, datz der Wert d s er eug en Gegen­standes sinkt. Es erscheint nicht überfiü s g. daß ran sich auch einmal Gedanken darüber macht, ob dieser Gegenstand nicht doch wertvoller und wich ig?r ist. als wir. von dem bequemen Der- brauch verlebtet, meist mein'N. Wie anders liefe ualec Leben ab. wenn wir nicht jene kleinen Hölzchen hätten, die es uns so leicht machen des Prometheus Raub an den ®->tt?rn und Ge.chenk an di' Menschen zu nützen! Was spielt ein Streich­holz heute für eine Rolle! Eigentlich gar keine. Und doch liegt ein kleines Wunder in unserer Hand. In das kleine Ding ist eine Raturkrast gebannt, harrt unserer Erweckung, und kann für uns zum Segen, zur Annehml chkeit des Daseins werden, aber auch verhängnisvoll wirk.n, das Element in einer Ausdehnung entfesseln, dast wir bangend und ohnmächtig der Vernichtung wertvoller Güler zuschauen nÄf'en.

Selbstvcrständ ich? G.wist. Aber das Selbst­verständlichste wird meist nicht bedacht. Es ist auch kein grostcS Mnglüd, wenn man die Dinge des Alltags hinnimmt, als ob sie eben so sein ( mühten Aber zu ihrer rich.igen Wertung kommt man doch wohl erst dann, wenn man sich auch im weiteren Sinne Gedan'.en darüber macht.

Man erzählte mir von einem Manne, der, ob­wohl er es bereits zu beträchtlichem Vermögen und Ansehen gebracht hatte, dock geizig mit ollem um­ging und selbst jedes Streichhölzchen in acht nahm. Er hat es im Laufe eines langen und arbeitsreichen Lebens zu mehreren großen Fabriken, einigen Dillen und beträchtlichem Grundbesitz gebracht, und seine Söhne zehren noch heute von feiner Arbeit und seinen Erwerbungen. Man hat über feine Schrulle gelacht, wenn er kein einziges Streichholz unnötig entzündete und gelegentlich der Jugend vorhielt: ,^d) habe angefangen, mit Streichhölzern zu sparen!" Ganz gewiß waren die Streichhölzer nicht dos Wichtigste und Bedeutsamste an feinem Besitz. Ader es ist denkbar datz sie der Anlaß waren, damit zu beginnen, auch Das Kleinste und Geringste wert zu halten. Selbstverständlich muß dazu auch noch ein anderer Sinn kommen, der nämlich, zur rechten Zeit auch die großen Dinge richtig zu be­achten und zu nützen. Ader das Große sieht man meist schon rechtzeitig genug. Gesündigt wird am meisten gegen die kleinen Dinge, die zu klein ge­achtet werden. Wer aber das Kleine nicht richtig wertet, wie will der des Grotzen acht haben? Ein Stäubchen am Tisch will nichts besagen, obwohl es auch bereits eine Welt für sich ist. Aber viele Stäub­chen können, wenn es der tückische Zufall will, eine Existenz vernichten. Ein Streichholz bedeutet wenig, wenn man eine volle Schachtel besitzt. Wenn aber nur noch eins darin ist und der Wind dieses eine ausbläst? Was hätte so mancher schon dafür ge­geben, wenn er nur noch ein einziges Streichholz gehabt hätte, als er fror und keine Möglichkeit mehr hatte, ein wärmendes Feuer zu entfacgcn! D. S.

Wann und wie ißt man Aepfel?

Bei uns wird noch viel au wenig Obst genossen. Das gilt für die Jugend im allgemeinen und das mittlere und späte Alter im Besonderen. Käme zu jeder Mahlzeit, auch außerhalb der eigentlichen Obstzeit, Obst in irgendeiner Form zubereitet auf den Tisch, dann würden Arzt und Apotheker merklich entlastet werden, und die Menschheit hatte durch Steigerung des Wohl­befindens und der Arbeitssreudrgkeit den Vorteil davon. Doch davon sollte hier incht weiter die Rede fein.

Gin Apfel hat, wie jede andere Frucht, einen Höhepunkt in der Ausbildung seiner Geschmack- stosfe. Ist dieser erreicht, dann erfolgt der Ab­bau. Der beste Apfel schmeckt nach einiger Zeit nicht mehr. Der Zeitpunkt, innerhalb welchem dies geschieht, ist je nach Sorte und Beschaffenheit de- Lagerraumes verschieden. Kaiser Alexander, Langtons Sondergleicl^n, Coxs Pomona, Eel- Ibri, Manksapfel, Jakob Lebe! sind um Weih­nachten bereits vorüber, oder müssen schnell ge­räumt werden. Gravensteiner, Geloer Gdelapsel, Goldparmäne, Gelber Richard, Landsberger, Ge­flammter Kardinal und Signe Tillisch beginnen nach Reujahr, schon zu verlieren. Aroma und Saftfülle verschwinden nach und nach. Dafür gewinnen Ananasrxirette Coxs Orangen, Bau­manns, Blenheim. "Minister Hammerstein, Lon- donpepping, Eoulons, Ontario, Rheinischer Dohn- apfel, Ehampagner-Renette und Bosloop, nicht zu vergessen den Eiserapfel, von diesem Zeit­punkt an mehr und mehr an Genutzwert und hal­ten sich, sachgemäß aufbewahrt, bis in den April hinein. Unter den genannten Sorten gibt es aber eine Menge Abstufungen, nicht nur tn der Halt- arfeit, sondern auch in Erreichung der Voll- eifc, auf die es eigentlich mehr ankommen sollte, ! aus die Haltbarkeit allein. Was nützt ein "Öner Apfel, wenn er im Geschmack nicht be­

friedigt! Man soll nicht mit dem Genuß warten, bis sich.um das Kernhaus herum eine braune Zone ausbildet, denn bann ist das Beste bereits verloren.

Die Frage, ob man einen Apfel geschält oder ungeschält genießen soll, wird verschieden beant­wortet. Die einen behaupten, das Beste vom Apfel liege dicht unter der Schale und ginge durch das Schälen verloren, die Ratur hätte den Aepseln nicht das verlockende Kleid gegeben, damit es vor dem Genuß als Abfall behandelt würde. Die anderen sind der Meinung, die Schale beschwere nur unnüh den Maien, sie sei schwer verdaulich und von allerlei Milroben und Bak­terien behaftet. Riemanden fiele ein, die Orangen ihrer schönen Schale wegen ungeschält zu ge­nießen, auch wenn sie noch so schon in gold- geschmücktes Seidenpapier gehüllt wären. Dieser Punkt kann als Geschmacksache gelten. Beide haben vielleicht recht. Eine wichtigere Frage ist die, ob gekocht oder ungekocht. Roh ist der Apfel wohl am gesündesten, wenn man sich die nötige Zeit zum guten Durchkauen ninmt und die Aepfel nicht vor ihrer Reiie genic t. Menschen aber, die frisches Obst nicht vertragen können und nach seinem Genuß Beschwerden suhlen, soll­ten darum doch nicht auf den Obstgenuh, ver­zichten, fonbern uni so reicher davon in gekoch­tem Zustande genießen. Obst ist eine herrliche Gabe der Ratur. Wer Obstbäume pflanzt, braucht noch lange nicht um den Absatz zu bangen. Es mutz nur gut und sauber von Schorf und Flecken fein. R.

Aenderungen in der Unfallversicherung.

In Nummer 44 des Reichsgesetzblattes ist das dritte Gesetz über Aenderungen in der Un­fallversicherung veröffentlicht. Unfallschutz genießt jetzt auch der Dienst bei der Feuerwehr, den Rettungseinrichtungen, den sogenannten Wach- und Schlicßgesellschaften, in der Krankenfürsorge, der Wohlfahrtspflege, in Laboratorien und Rönb genbetrieben, auf den Bühnen im weitesten Sinne und beim Lichtspiel, ferner die Bedienung der Gäste in schon versicherten Gast- und Schankwirtschaften, der kaufmännische und verwaltende Teil eines Un­ternehmens, soweit er als Zubehör eines versicher­ten technischen Betriebes gilt. Versicherungsfreiheit tritt dort ein, wo ohnehin schon lebenslängliche Versorgung ober gleichwertige UnfaUfürforge ge­währleistet ist. 3m Feuerwehr- und Rettungsdienst wird die Versicherung von den Ländern, Gemeinden oder öffentlichen Feueroersicherungsanstalten durch­geführt. Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege erhalten eine besondere Berufsgenossenschaft, jedoch können größere Gemeinden oder Gemeindevsrbände Betriebe, die auf ihre Rechnung gehen, in Eigen­versicherung nehmen. Für die Entschädigung wird es so angesehen, als ob das Gesetz schon am 1. 3uli 1928 in Kraft getreten sei.

Bornotizen.

Taaeskalender für Freitag. Stadt- theater:Unb das Licht scheint in der Finsternis", 19.30 bis 22 Uhr. Vortrag von Philipp Lenz Mit Graf Zeppelin über den Ozean und zurück", abends 8 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Harald der Pech­vogel". Astoria-Lichtspiele:Die Abenteuer eines Auswanderers".

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wirb uns geschrieben: Die heutige VorstellungUnb das Licht scheinet in der Finsternis'^ beginnt 19i/8 Uhr. Sonntag, 30. De- Aember,Der Prozeß Martz Dugan" (Bayard Veiller) als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen. Beginn 18 Uhr. Zu Silvester wirb Charlehs Tante" von Brandon Thomas in voll­kommen neuer Aufmachung herauskommen. Leo Hirsch, einer unserer bekanntesten Revuekomponi- sten, hat den Text von Brandon Thomas musi­kalisch-parodistisch untermall. Das Thalia-Thea­ter in Hamburg brachte in dieser Bearbeitung das Stück in einer Serienaufführung über 200 maL Rudolf Goll führt Regie, Karl Löffler baut eine lustige groteske Dekoration. Die Vorstel­lung beginnt schon um 19i/? Uhr, um bsn Theater­besuchern die Möglichkeit zu geben, möglichst bald zur Silvesterfeier zu Hause zu sein. Viel­fachen Wünschen zufolge bietet die Direktion am Dienstag, 1. Januar, ein Gesamtgastspiel des Reuen Operettcn-Thealers. Frankfurt a. M.. mit der beliebten OperetteDie Försterchriftel" von Georg Jarno. Diese Aufführung der Frankfurter Bühne darf erhöhtes Interesse dadurch bean­spruchen. daß die Titelrolle in Lydia Petry eine hervorragende Vertreterin findet. Reben der auch bereits hier gern gescherten Kraft wer­den in den weiteren Hauptrollen die Damen Gisa Bergmann, Peggy Duenkler und Ruscht Wiesner, sowie die Herren Lev B a l - d u s, Richard G u 11 m a n n, Mario Hain­dorff, Gustav Rvthe-Earey, Adolf Wies­ner und Kurt Daum tätig sein. Spielleitung: Fritz D i e ft e L Musikalische Leitung: Gustav Görl i ch. Tänze: Hans Heinz Klüfer.

LU. (Ernennungen bei der Landes- Universität. Die Privatdozenten in der Medi­zinischen Fakultät der Landesunioersität Dr. M o o s, Dr. Woenckhaus und Dr. Lawaczeck wurden zu außerplanmäßigen außerordentlichen Professoren ernannt.

LU. Nach Bulgarien berufen. Der Pro­sektor am Veterinäranatomischen Institut der Can» desuniverfität Gießen, Dr. Rudolf S ü p p e l ist vom bulgarischen Kultusminister zum ordentlichen Do­zenten für Anatomie, Histologie und Embryologie an der Universität Sofia .mannt worden.

LU. Berufung nach Leipzig. Der ordent­liche Professor in der Philosophischen Fakultät der Landesuniversität Gießen, Dr. Walther Fischer, hat einen Ruf an die Handelshochschule Leipzig auf

den neuzubegründendenLehrstuhl für die Wirt- schaftssprache und Wirtschaftskundc des britifch-ame- rikanijchen Sprachgebietes" erhalten.

LU. E i n neuer Gießener Ehrendoktor. Die Philosophische Fakultät der Landesunioersität Gießen hat den Major a. D. Alfred o. Wegerer in Berlin, der sowohl bürd' eigene gewissenhafte wissenschaftliche Forschung, wie durch erfolgreiche Or- aanifation gelehrter Arbeit Außerordentliches zur Aufhellung eines der größten Probleme der Ge­schichtsforschung, der Kriegsschuldfrage, geleistet hat und im Kampf für Deutschlands Ehre nicht ermüdet, ehrenhalber zum Doktor der Philosophie ernannt.

** Evangelisch-kirchliche Persona 1 ie. Aus dem Dienst der evangelischen Landeskirche ent­lassen wurde auf sein Nachsuchen der Pfarrer Georg G öck e l zu Hungen mit Wirkung vom 16. Januar 1929.

* Turner eh ru n g. Den Tümern Emil Marx unb Wilhelm Ziegler, beide Mllglie- ber des Tv. v. 1846, wurde mit Rücksicht auf ihre Verdienste um die deutsche Tumsache bei Gauehrenbrief verliehen.

* * Da s Kreisamt Gießen hält am Sil­vestertag, 31. Dezember, nur beschränkten Dienst ab, und zwar von 11 bis 12.30 Uhr.

MM Ser Unnoernöen Bügel!

** Die Gießener Geldinstitute am Silvestertage. In dem heutigen Anzeigenteil geben die hiesigen Geldinstitute bekannt, daß ihre Geschäftsräume am 31. Dezember nachmittags ge­schlossen find. Interessenten seien auf die Bekannt­machung besonders hingewiesen.

** Auto-Parkplatz am Selterstor. Um vielfachen Wünschen der Antobesiher unb der Geschäftswelt im Selters weg Rechnung zu tragen, plant die Stadtverwaltung, am Selters­tor einen Parkplatz für Automobile zu schaffen. In welcher Form dieses Vorhaben verwirrlicht werden wird, unterliegt zur ZÄt noch der fach­männischen Prüfung.

** Beratung in Erziehungs- und Ehefragen. Zum Artikel des Herrn Dr. phil. Jo­hannes N e u ma n n vom 20. Dezen ter 1928 über Erziehung und Eheberatung an der Volkshochschule wird uns von ärztlicher Seite mitgeteilt: Zur Be­ratung der Bevölkerung in Fragen der Erziehung schwer erziehbarer und nervöser Kinder, sowie der Eheberatung und ähnlicher, diesen Gebieten nahe­liegender Probleme ärztlich-psychologischer Betrach­tung und Behandlung bestehen schon seit längerer Zeit in der hiesigen Stadt Beratungsstellen zur un­entgeltlichen Auskunft an der Universitätsklinik für psychische und nervöse Krankheiten, der Landes-Heil- und Pflegeanstalt, sowie am Wohlfahrtsamt der Stadt Gießen. Da es sich hierbei um Gebiete han­delt, für deren Beherrschung eine gründliche, lang- jährige fachärztliche und j,sychologische Ausbildung und Erfahrung notwendig ist, erfolgt die Auskunft an diesen Stellen durch besonders hierfür vorge- bildets Fachärzte.

** Verwendet zu Reujahr Glücks- po ft karten unb W o h l f a h rt s br i e f- marfeit Bei der älebermittelung von Reu- jahrsglückwünschen bietet die Glückspostkarte der Reichspost für die Deutsche Rothilfe jedem Ge­legenheit, zugleich den notleidenden kinderreichen Familien, alten Leuten und Erwerbsunfähigen in allen Bevölkerungsschichten eine kleine Reu­jahrsgabe zu spenden. Die Karte kostet mit ein­gedruckter 8»Pf.-Wohlfahrtsbriefmarke nur 15 Pst und ist bei allen Wohlfahrtsftellen und Post­ämtern erhältlich. Wer zum Jahreswechsel Glück­wunschbriese schreibt, möge Wohlfahrtsbriefmar­ken verwenden, deren Ertrag ebenfalls der Deut­schen Ro'hilfe zufließt.

** Chormei st er-Kursus in Fried­berg. Der hessische Minister für Kultus unb Bildung veranstaltet in der Zeit vom 2. bis 4. Januar 1929 im Einvernehmen mit dem Hessi­schen Sängerbund und dem Arbeitersängerbund einen Chormristerkursus in Friedberg. Leiter ist der staatliche Hochschuldozent in Leipzig (früher Mainz) Studienrat W e r 16. Die Teilnahme ist unentgeltlich.

* Einheitskurzfchrift. Von den Be­hörden sowohl, als auch von Handel unb Jn° strie wirb heute die deutsche EinheitskurzschrifL verlangt. Der KurzschristvereinGabelsberger" von 1861 eröffnet wiederum in Gemeinschaft mit dem DamenvereinGabels berger" von 1900 einen Anfängerlehrgang am Montag, 7. Januar, abends 7 llfjr, in der Goelheschule, Westanlage. Gleichzeitig beginnen auch verschie­dene Fortbildungs-, Diktat- und Redefthristlurse. Man beachte die heutige Anzeige.

Staatliche Gewerbeschule, Gießen. Wie man uns berichtet, veranstaltete die Schüler­schaft der Staatlichen Gewerbeschule Gießen vor einigen Tagen ihre diesjährige Weihnachtsfeier auf der Liebigshöhe. Reben Vertretern der Stadtverwaltung, des Gewerbevereins und des Handwerks nahmen der Direktor und der gesamte Lehrkörper der Anstalt, sowie zahlreiche Gäste insgesamt etwa 850 Personen an der Feier teil. Der Vorsitzende des Schülerausschusses, Herr Klein, eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache, worauf sich das umfangreiche Pro­gramm, bestehend auS Musik- unb GesangSvor- trägen, Theater, humoristi cher De'cherung ufto., flott abwickelte. Den Abschluß bes genußreichen Abends bildete Tanz.

Berliner Börse.

Berlin, 28.Dez. (WT2. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr war die Stimmung zunächst unsicher. Später aber eher etwas freundlicher. Das Geschäft ist jedoch bis jetzt kaum nennens- wert. Anregende Momente liegen nicht vor.

Reuhork war nach schwachem QSettorf xnm Schluß wieder fester, doch blieb Tagesgeld noch sehr steif. Kurse sind noch nicht zu hören. Man taxiert fie aber unverändert zur Frankfurter Abendbörsck. Am Devisenmarkt nennt man: Paris 124,00. Mailand 92,73. Madrid 29,7650, Dollar 4,1975 und baS Pfund 485,60.

Büchertisch.

Wilhelm Schäfer: Die Anekdoten. 395 Seiten 8°. Georg Müller Verlag, München 1929. (803) Wilhelm Schäfer, nachgerade der Anekdotcnschäfer genannt obgleich seine gro­ßen epischen Werke viel weiter ins Volk dor- gedruntzen sind als diese feine kleineren hat etwa fünfzig dieser Geschichten zu einem neuen Band vereinigt, der soeben erscheint. Von früh auf war des Meisters großes Vorbild der Schwarzwälder Kalcndermairn Johann Peter He­bel, der seine vielfach schnurrigen, vielfach tief­ernsten, immer aber weit weisen Geschichten in dem unsterblichenSchatzkästlein" vereinigt hat. Dieser neue Schäserband schreitet getreulich hinter dem ..Schatzkästlein" her unb birgt des Lebens die Fülle wie er und der Kunst und der Weis­heit. Mit sicherem Schritt wird der Leser aus den Gedanken gesichrt, der die Erzählung veran­laßt hat, unb es gibt wie bei Hebel, wie bei aller guten Prosa feinen ^leberschwang und kein Der­weilen. Launig, sicher und mit brausendem Sprachgefühl erzählt der Sechzigjährige diese drolldreiften Geschichten, führt uns in alte Bur­gen zu Gdelfräulein unb Ritter, führt uns zu Künstlern unb verwöhnten Frauen, die er mit dünnem Scheinwerfer intim vor uns belichtet, zeigt menschliche Schwäche an Großen, menschliche Größe an Kleinen, unb nach jeder Anekdote guckt man in sich hinein und fragt sich: hat er nun dich soeben gemeint? Hat er dich im Garn ge- haot? Große Kunst mutz immer etwas vom Be­schauer zur Schau tragen! Große Kunst muß einem immer eine Hand entgegenstrecken! Das ist älnterhaltungslektüre im besten Siim, im vor' nehmsten Sinn! Dieser Erzähler spricht mit vol­len Bässen und ist von einem gewaltigen Ethos getragen man weiß das. Man läßt sich von einem solchen Mann bereitwillig Anekdoten er«- zählen, da ist der Abend nicht verloren. Wil­helm Schäfers Werk ist groß und erhaben. Es ist auf viele Bände angewachsen und ist in alle Kreise des deutschen Volkes gedrungen, obgleich ihm des Gesanges Gabe, der Lieder süßer Mund durchaus nicht so leicht geschenkt ist. Die Worte fließen ihm schwer von den Lippen, aber sie sind auch nachhaltig und feierlich. Dieser Band dürfte Allgemeingut werden in Deutschland wie die Studien" von Stifter, wieDie Leute von Seldwyla" bes unsterblichen Gottfried Keller, wie HebelsSchahkästlein". Wie alles nach­haltig Gute bedürfen sie freilich heutzutag einer getreuen Werbung, denn die Scharlatane beherr­schen den Markt, und die echten Lieder werden immer seltener

Rilolaus Schwarzkopf.

Jack London: Der Rote. 260 Seiten 8°. Drosch. 3 Mk., Leinen 4,80 Mk. Universitas Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin W 50. (428) Unter vielen greunben Jack Londons gißtDer Rote" als sein bestes Buch. Er kommt taum irgendwo besser zu seinem Recht als in diesen Erzählungen, die konzentriert, gleichsam im Extrakt, alle Vorzüge seiner Kunst zeigen. Der bunte Teppich der Welt Londons rollt sich vor uns auf; die Erzählungen führen uns von der Südsee bis nach Alaska, in die amerikanische Großstadt, aufs Meer und nach Irland.

Sinclair Lewis: Der Erwerb. Preis in Leinen 8.75 Mark. Verlag E. P. Tal & Co., Leipzig. (759) Der bekannte amerikanische Autor schildert hier als Heldin seines neuesten Romans eine von Millionen weiblicher Bureauarbeiterinnen, eine, die unsicher, aber unentmutigt immer wieder danach forscht, was Frauen im Erwerb tun könn­ten, um ihr von liebeleerer Routine erfülltes Da­sein menschenwürdiger zu machen.

Deutscher Dierkalender 19 29. Herausgegeben von I. Schuster. Titelbild von Prof. Ludwig Hohlweirr. Verlag Knorr & Hirth, G. m. b. H., München. Preis 2,75 Mk. (635) Interessante Te?te und Bilder schildern die Tech­nik der Bierherstellung seit den frühesten Zeiten, von den alten Aeghptern bis zu dem heute noch unverändert primitiven Verfahren der Kaffern im heißen Afrika wie bis zu den neuesten ein­gebauten Aluminium-Gärbottichen deutscher Brauereien. Die Gedenktage erinnern in Wort und Bild an die Männer, deren Forschersleiß und Wagemut das brave Handwerk zur größten Industrie unseres Vaterlandes gestaltete. Trink­lieder zum Bier und kräftige Volkssprüche aus alter und neuer Zeit sind eingestreut. Der Hu­mor kommt in Text und Bildern zu Wort. An­schauliche, illustrierte Darstellungen aus Organi­sation und Statistik des Brauwesens nach dem neuesten Stand wechseln mit der Schilderung brutschen Winshauslebens, der gemütlichen Gast­stuben unb schattigen Wirtsgärten, des Rummel­platzes und fröhlichen Volksfestes.

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