Ausgabe 
28.2.1928
 
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Nordanlage 27. Der treuen Hausgehilfin ist bereits vor 20 Jahren von der früheren Großherzogin das goldene Kreuz für treue Dienste verlieben worden. Dieses seltene Arbeitsjubiläum, das in der heutigen Zeit als ein besonderes Vorbild zu betrachten ist, ehrt die Jubilarin wie auch ihre Arbeitgeberin ob der gegenseitigen Treue und Harmonie in schönster Weise.

* Ein Wirtshausstreit mit ernsten Folgen entstand gestern nachmittag In einer Gastwirtschaft im westlichen Stadtteil. Dort tru­gen zwei Gäste ihre Meinungsverschiedenheiten zwecks besserer Beweisführung mit Bier­gläsern aus, wobei dem einen die Meinung des andern gehörig in den Kopf hineingebläut wurde. Dieserschlagende Beweis" fiel so kräftig aus, daß dem Manne allerlei Glasscherben als Do­kumente der gegnerischen Ansicht im Kopfe stecken blieben. Infolge dieser kräftigenBeleh­rung" mußte die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz zu Hilfe gerufen werden, denn der Belehrte" hatte bei dem Borgang einen blut­überströmten Kopf davongetragen. Rach Anle­gung eines Rotverbandes wurde der Mann der chirurgischen Klinik zugeführt. Das übrige Inter­esse an diesem Debattiernachmittag hatte die Polizei.

" Ortsausschuß der Bertrauens- männer der Angestelltenversiche­rung. Infolge der Reuwahl der Vertrauens­männer und Ersatzmänner der Reichsversiche­rungsanstalt für Angestellte wurde am Sonntag der Ortsausschuß sür die Bezirke Gietzen-Stadt, G.eßen-Land, Friedberg und Büdingen neu ge­bildet. Die Versammlung leitete Direktor Thomö, Gießen. Rach einem einleitenden Vor­trag des Inspektors Busse von der Reichsver­sicherungsanstatt für Angestellte über die Tätig­keit und Ausgaben der Vertrauensmänner und Ersatzmänner wurde der Vorstand des Ortsaus­schusses neu bestimmt. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Kaufmann Wilhelm Horn, Gießen, Obmann: Kaufmannsgehilse Karl Peter, Lich, stellv. Obmann: Kaufmannsgehitfe Georg Io» Haupt, Gießen, Schriftführer: Bankvorsteher Hermann Seum, Ridda, stellv. Schriftführer: Kausmannsgehilfe Albrecht Stein, Hirzenhain, Rechnungsprüfer: Bauunternehmer Heinrich

Deibel, Lollar, stellv. Rechnungsprüfer. Als Beisitzer wurden gewählt: Kaufmannsgehilfe Peter B a h, Friedberg: Prokurist Heinr. Berg­mann, Hirzenhain: Kaufmannsgehilfe August Eich holz, Gießen: Fabrikant Wilhelm 21. Heil, Butzbach: Kaufmannsgehilfe Christian Kreiling II , Wieseü: Zimmermeister Hermann Schelm, Lollar. Mit einem Schlußwort des Obmanns, Kaufmanns Wilhelm Horn, fand die Zusammenkunft ihr Ende.

* Die Hauptversammlung deS Kreis-Obst- und Gartenbauvereins fand am Samstag im Saale des Hotel Hopfeld statt. An Stelle des verhinderten 1. Vorsitzenden, Rcgierungsrats Wolf, eröffnete Garteninspektor Rehnelt die Versammlung mit einem Rachruf für den verstorbenen 2. Vorsitzenden, Lehrer Hein­rich Becker. Der Rechnungsabschluß und Vor­anschlag für das laufende Iahr ergaben geord­nete Kassenverhältnisse. Bei der not'endig ge­wordenen Ersatzwahl wurde als 2. Vorsitzender Herr Rehnelt durch Zuruf gewählt. Der an­gekündigte Vortrag über das LImpfrvpfen der Obstbäume behandelte neben der wirtschaftlichen Rotwendigkeit dieser Maßnahmen hauptsächlich die technische Seite, wie rechtzeitiges und sach­gemäßes Abwerfen der Baumkronen, die Be­deutung der Zugäste und Wasserschossen, Be­handlung der Wunden, die Sortenfrage usw. Die an den Vortrag anschließende Aussprache ergab hierzu wertvolle Ergänzungen. So die hohe Bedeutung, welche der Erhaltung unserer wertvollen Lokalsorten, wie Herrn- und Schnee­apfel, zukommen. Man kann noch nicht sagen, wie die Massensorten sich überall verhalten wer­den und ob man in deren Wahl stets das Rich­tige getroffen hat. Anderseits fehlte es auch nicht an Aeußerungen, die sich mit der Tatsache be­faßten, daß wir einen großen Lieberschuh an Wirtschaftsobst bei gleichzeitigem Fehlen von

3. <5. Bachs Zohannespassion

Zur bevorstehenden Aufführung.

Von angeblich fünf Passionskompositionen I. S. Bachs, über die seine Zeitgenossen berichten, find uns nur zwei, die Iohannes- und Matthäus- Passion überliefert worden: zwei Werke, die in der Gesamtentwicklungslinie der Musik eine Son­derstellung einnehmen und Höhepunkte als 216- schluß einer aus verschiedenen Quellen zusammen­laufenden Entwicklungsreihe darstellen. In ihnen finden die Elemente sowohl der Choralpassion als auch der Motettenpassion und der oratorischen Passion ihre glücklichste Vereinigung.

Die älteste Form der Passion ist wohl in der sog. Choralpassion zu suchen. Schon aus dem 13. Jahrhundert wird berichtet, daß man aus den allgemeinen Evangelienlektionen diePassions- lettionen heraushob, indem man sie mit ver­teilten Rollen vortrug. Ein Geistlicher fang den Evangelisten, ein zweiter den Christus, ein dritter die übrigen Einzelpersonen. Diese dreiSoli- loquenten vereinigten sich bei den Worten der Menge,turbae (des Volkes, der Hohenpriester) zu einem Chor, der später durch weitere Geist­liche verstärkt wurde.

Während das aus dieser Lesungsart ebenfalls hervorgehende geistliche Schauspiel des Mittel­alters die kirchliche Beziehung bald aufgab, er­hielt sich die Art der alten Passionslektion noch lange in den Choralpassionen. Die Bezeichnung als Choralpassion leitet sich aber nicht das sei. um Irrtümern vorzubeugen, besonders be­merkt von etwa eingeschobenen Chorchorälen, wie man sie in den Dachschen Passionen antrifft, ab sondern von der Art des Vortrages der Lek­tionen im sog. gregorianischen Choralton.

Die zunächst einstimmigen Gesänge derturbae nahmen mit dem Aufblühen der musikalischen Satzkunst die Mehrstimmigkeit an, und das 16. Iahrhundert schuf eine neue Form: Die Motetten­passion, in der die Partien der Soliloquenten sämtlich vom Chor ausgeführt werden, der mit den neuerrungenen Ausdrucksmitteln den Lek­tionstext nachhaltig interpretiert. Man kann die Motettenpassion in eine direkte Parallele stellen zu einem Vorläufer der Oper, der Madrigal­komödieAntiparnasso" von Orazio Vecchi. Mit ihr teilt sie auch ihre verhältnismäßig kurze Lebensdauer in der ursprünglichen Form: denn bald vermischten sich die Stilelemente der Choral­passion und der Motettenpassion: die Reden des Evangelisten wurden von Soliloquenten aus- aeführt, die anderen Partien teilweise einem Ensemble überwiesen: am stärksten entwickelten

gutem Tafelobst besitzen. SS totoe bei unseren gegenwärtigen Verhältnissen auch nach der reich­sten Ernte nicht möglich, bei waggonweiser Ver­ladung den Wünschen der Großabnehmer nach­zukommen, die in einem Waggon nur eine einzige Sorte haben wollen. Eine Anregung, die städti­sche Bevölkerung möge doch beim Einkauf von Obst dem deutschen vor dem Auslandobst den Vorzug geben, löste wiederum die Klage über die unsolide Behandlung beim Obsteinkauf seitens mancher Erzeuger aus. Beherzigenswert war die Warnung vor reihenweiser Massenpslanzung ein- und derselben Obstsorte, da beispielsweise der Apfel Schöner von Doskoop aus Fremdbestäubung mit dem Blütenstaube anderer Sorten angewiesen sei. Bedauert wurde der Rückgang der Bienen­zucht, da Obstbau und Bienenzucht einander glücklich ergänzten. Eine Gratisverlosung be­schloß die sehr gut besuchte, vom Alterspräsiden­ten Lehrer Buh (Leihgestern) geleitete Ver­sammlung.

* Elternabend der Pfadfinder. Einen feinen Einblick in sein Treiben und Wollen gewährte derDeutschePfadfinderbund Horst Gießen" durch den Elternabend am Samstag, der in der Aula des Gymnasiums stattfand. Es ist eine in jeder Beziehung einem herben, starken, echt-gesunden Iungentyp ange­paßte Art der Arbeit, die der Pfadfinderbund treibt und die sich längst auch in anderen 3u- genbbünben durchgeseht hat. Die flotten, frisch- gefungenen Lieder mit Flöten-, Geigen- und Klampfenbegleitung legten Zeugnis ab von viel jugendlichem Frohsinn, aber auch von stählernem Wollen, das in der Vaterlandsliebe seine Krö­nung findet. Im ersten Teil gab nach dem Grußwort des Horstleiters Friedrich Gün - z e l die Wetzlarer Gruppe das W. Dlachetta- SpielDie Zaubergeige" nach dem Grimmschen Märchen: Der Iuoe im Dorn, das von der Spielschar mit Liebe gegeben ward und viel Anklang fand. Ein Lichtbildervortrag führte im zweiten Teil Fahrten und Lager des Iabres 1927 vor Augen. Besonderes Interesse fand das große Reichslager in Schlesien, wohin 1200 Pfadfinder aus alten Gauen des Reichs zusam­mengeeilt waren und dort in ernster Beratung und Arbeit beim Thing zusammensaßen oder viel Lagerfreuden kosteten, die doch immer wieder der Ertüchtigung des ganzen Menschen dienten, oder zur besonderen Feierstunde an die hart- bedrohte deutsch-polnische Grenze zogen, den deutschen Freunden dort zu sagen, daß die im Reich treu zu ihnen stehen. Der Vortrag war durchsetzt von Lied und Gesang, an der passenden Stelle dem Charakter g"mäß eingefügt. Der ganze Abend stand im Zeichen eines frisch- frohen 3ugendlebens, das sehr erfreulich wirkte.

Oberhessen.

Auiolinie Lllfa Nidda Hirzenhai,r.

Q Ridda, 27. Febr. Am gestrigen Sonntag fand die erste Probefahrt mit einem 30Sitzer-Probewagen statt, bei der festge­stellt werden konnte, daß trotz der teilweise recht ungünstigen Strahenverhältnisse auf der Strecke ein größerer Omnibus verkehren kann, wenn auf den einspurigen Straßenstrecken die Möglichkeit des Ausweichens durch stellenweise Verbreite­rung der Straße geschaffen wird und die auf die Straße überragenden Obstbäume gründlich ausgeästet werden. Die Provinz wird sich, nach­dem durch diese Omnibuslinie der Verkehr zwi­schen den Bghnstationen Ridda und Hirzen­hain hergestellt ist, dazu entschließen müssen, die Straßen so herzustellen, daß der Omnibusver- kehr ungehindert durchgeführt werden kann. Don heute ab verkehrt der Wagen des Zweckver­bandes Ridda-Lllsa probeweise für die Dauer von zunächst 3 Wochen auf der Strecke Lil, aRidda Hirzenhain nach einem provisorischen Fahrplan. Bei dessen Festlegung muhte man auf den be­stehenden Fahrplan der Linie RiddaLllfa Rück­sicht nehmen. Vormittags wird in Hirzenhain der Anschluß an die Züge 7.34 Llhr Richtung Gedern und 7.35 Llhr Richtung Stockheim und

sich die Sätze derturbae unter reicher Ent­faltung des Chorsatzes. Den Höhepunkt der Aus­wirkung der vereinigten Stile können wir In den Passionen von Heinrich Schütz erblicken.

Ein drittes Entwicklungsmoment führt vom italienischen Oratorium her, und so zeigt die im 18. Iahrhundert entstehende oratorische Passion Instrumentalbegleitung, den ausgebildeten rezita- tivischen Stil und ein Vorwatten des betrach­tenden und lyrischen Elements als Ergänzung der biblischen Handlung. 3a, an Stelle des Evangelientextes treten lyrische und dramatische Llmdichtungen von oft recht zweifelhaftem dich­terischen Wert. Selbst die Passionsdichtung des Hamburger Ratsherrn BrockesDer für die Sünde der Wett gemarterte und sterbende Iesus", die zur damaligen Zeit Allgemeingut geworden war, ist nicht frei von Auswüchsen. Sie wurde zur Fundgrube in allen den Fällen, wo geeignete Texte fehlten. So griff auch Ioh. Seb. Bach danach, als er für feine Iohannespassion Text­ergänzungen nötig hatte. Allerdings übernimmt er sie nur in einer umgedichteten Form, indem er die Geschmacklosigkeiten vermeidet und die Gedankengänge straffer faßt.

Durch den Anschluß an den Text des Johannes» evangeliums erwuchs für Bach eine besondere Schwierigkeit für den Aufbau des Werkes. Wäh­rend. das später benutzte Matthäusevangelium durch seine aneinandergereihten kurzen Auftritte jedesmal Gelegenheit zur lyrischen Ausbreitung gab. ließ der Ausbau des Iohannesevangeliums wenig Möglichkeiten zur Einfügung von Arien offen. Daß gerade die Gestaltung der lyrischen Teile für Bach besondere Mühe in sich schloß, zeigt die Umarbeitung dieser Passion sowohl in bezug auf den Cingangschor und den Schlußchor, als auch auf die Arien. Einzelne Episoden, die der johanneische Text vermissen lieh, fügte Dach aus dem Matthäusevangelium ein: Das 3er- reihen des Vorhangs im Tempel, das Erbeben der Erde beim Abscheiden Iesu und das Weinen des Petrus. Der EinleitungschorHerr, unser Herrscher", wurde erst mit der Wiederholung des Werkes im Iahre 1727 diesem eingefügt. Er stellt sicherlich die eigenartigste Form einer Passions­chormusik dar. Es liegt etwas Bedrücktes über den ersten Worten:Herr unser Herrscher", eine Unruhe im Orchester, eine Spannung, die ihre Losung findet im zweiten Teil des Textes, der auf die Passionstatsache Bezug nimmt. Dieses Gegen­über von Herrlichkeit und Niedrigkeit, dieses Einander-Beeinflussen gibt dem Chor feinen Sonder-Charakter, noch dazu, wo die Holzblas­instrumente von Anfang an ein klagendes Motiv durchführen, das die gedrückte Stimmung betont. Schon wie eit; Hinweis auf die kommenden Er­

bt Mbda 8.29 Richtung Gießen. 925 Richtung Gelnhausen, 9.40 Richtung Schotten und 10.13 Richtung Friedberg erreicht. Bei der Rachmit- tagssahrt dagegen konnte man auf die Zugver­bindungen nicht die erforderliche Rücksicht neh­men. Der endgültige Fahrplan kann erst nach dem Ankauf eines zweiten Wagens festgelegt werden.

Landkreis Gretzerr.

ck. Heuchelheim, 27. Febr. Am «Skmstag- abend hielt der Kreditverein Heuchel­heim e. G. m. b. H. in der Turnhalle seine dies­jährige Generalversammlung ab. Aus öen Geschäftsberichten des Direktors und des Rechners ging hervor, daß die Genossenschaft auch in dem verflossenen Geschäftsjahr einen er­freulichen Aufstieg genommen hat. Die Mit­gliederzahl erhöhte sich von 338 auf 366. Be­sonders erfreulich ist die Zunahme der Spareinlagen um rund 142000 Mk. Weiter­hin beweist die Erhöhung der Spareinlagen das Vertrauen, das die Einwohner dem Kreditverein entgegenbringen. Auch die Kreditsucher konnten mit den Leistungen des Instituts zufrieden fein. Don 167 Kreditgesuchen konnten 132 voll be­friedigt werden. Der Konto-Korrent-Verkehr wies ebenfalls ein lebhaftes Geschäft auf. Der Gesamtumsatz von rund 6,5 Mill. Mk. zeigte, daß die Verwaltung der Genossenschaft es ver­standen hat, sich den Bedürfnissen der Geschäfts­welt anzupassen. Trotz der Geldverknappung und der damit verbundenen Qkrteuerung des Geldes hat es der Kreditverein Derftanben, seinen Ruf als gemeinnütziges Unternehmen durch Riedrig- hattung der Schuld- und Hypothelenzinsen zu wahren. Wahrend die ersteren mit 10 Prozent bei Berechnung von nur Vio Prozent Llmsatz- provision als niedrig bezeichnet werden müssen, stehen die letzteren mit 9,5 Prozent noch gün­stiger da. Die Spareinlagen werden mit 5 bis 7 Prozent verzinst. Der Reingewinn be­trug rund 11 000 Mk. Der satzungsgemäß aus dem Dorstand ausscheidende Kontrolleur Gil­bert wurde einstimmig wiedergewählt. Ebenso wurden die drei ausscheidenden Aufiichrsrats- mitglieber w ebe, gewählt. Zum Sch u . hi lc Rech­ner Dolkmann noch einen -uortrag über Wechsel-Verkehr und sonstige Geldangelegen­heiten'.

* Klein-Linden, 27. Febr. Der hiesige Kriegerverein hatte für Samstagabend seine Mitglieder und Freunde in den Saal der WirtschaftZur deutschen Eiche" zu einem Mi­litärkonzert eingeladen. Das Konzert wurde ausgeführt von der Kapelle des 1. (h e s s.) Grenadierbataillons 15. Inf.- Rgts. aus Gießen unter Leitung des Obermusik­meisters W. L ö b e r und erfreute sich eines guten Besuches, auch aus den Kriegeroereinen der benachbarten Orte. Mit dem Trauermarsch von Chopin wurde der erste Teil, der dem Ge­dächtnis unserer gefallenen Brüder aus dem Weltkrieg gewidmet war, eingeleitet. Der Vor­sitzende des Vereins, Kaufmann Friedrich Schimmel, gedachte in ehrenden Worten der Taten unserer Gefallenen. Der zweite Teil brachte Streichmusik und als Höhepunkt ein Diolinsolo von Herrn W a n i h e k aus einer Komposition von B6riot. Der brausende Beifall nötigte den Künstler zu einer Zugabe. Ein Fan­farenmarsch für Heroldtrompeten und Kesselpauken von R. Henrion eröffnete den dritten Teil, in dem auch eine Komposition von W. Löber zum Vortrag kam. Sämtliche Musikstücke sanden dank­bare Aufnahme, so daß die Kapelle immer wie­der zu Zugaben genötigt wurde. Den Schluß bil­dete das an den Feldzug von 1870/71 erinnernde große Potpourri von Saro, endend mit dem Deutschlandlied, das von den Besuchern be­geistert mitgesungen wurde. Anschließend an das Konzert fand noch durch den Vorsitzenden die Ehrung einiger Mitglieder für 25- bzw. 40jährige Mitgliedschaft beim Kriegerverein statt. Den QUitgliebern für 40jährige Mitglied­schaft, Karl Lang, Kaspar Panzer und Wilhelm 3 u n g I., wurden von Künstlerhand gemalte Diplome ausgehändigt. Im 2Iuftrage der KriegerkameradschaftHassia" sprach Albin eigniffe kann die Gestaltung des Themas für die WorteZeig uns durch deine Passion" gelten, indem sich in dem Melisma die Form des Kreuzes abprägt, ein von den alten Vokalmeistern gern geübtes Kunstmittel. Der Schluhchor des Werkes ist das Gegenstück zu dem in der Matthäuspassion: er verleiht dem Ganzen den versöhnenden 2lbschluß, seinem Aufbau nach könnte man ihn als eine Chorarie bezeichnen mit Hinsicht auf seine Mehrteiligkeit.

Die Chöre des Volkes und der Priester nehmen starken Anteil an der Handlung. Sie zeigen die fanatisch erregte Menge und erreichen ihren Höhepunkt in den Kreuzigungschören, wo sich im Thematischen der Stimmgruppen die Erregung einmal durch kurze Ruse, zum andern durch lang- gehaltene Bindungen, die wie Heulen erklingen, abbilden. Ebenso eigenartig sind die thematisch identischen ChöreSei gegrüßet lieber Iuden-- könig" undSchreibe nicht: der Iuden König". Durch die Bildhaftigkeit der Themen zeichnen sich einmal der Chor der KriegsknechteLasset uns den nicht zerteilen", wo jeder neue Begriff seine anschauliche Abbildung erfährt, und der Iuden- chorWir haben ein Gesetz" aus, wo die musi­kalische Formung des Themas den Gedankengehalt des Textes völlig in sich aufnimmt.

Die Christuspartie wird in ihrer Begleitung nicht besonders hervorgehoben, wie es Bach später in der Matthäuspassion ausführt, indem er dort den Worten Iesu das Streichquartett hinzufügt und dem Ganzen so einen Heiligenschein ver­leiht. Andererseits läßt Bach die geistige Ein­stellung des Iohannesevangeliums in der Christuspartie sich besonders abprägen. Die Evangelistenpartie ist reich an ausdrucksvollen Tonmalereien, wie in der Abbildung des Weinens Petri und in der Geihelszene.

Als Träger der kirchlichen Empfindung läßt Bach das Stockmannsche PassionsliedIesu Leiden, Pein und Tod", verschiedentlich wieder­kehren. zum letztenmal als Choralphantasie nach den Worten:Lind neigete das Haupt und ver­schied", wo zu einer BaßarieMein teurer Hei­land" der vierstimmige Choral öeS Chores ein­geflochten wird.

Ebenso greift der Chor in die BaßarieEilt, ihr angefochtenen Seelen" ein; ein dramatisches Bild, das aus Brockes' Passion entlehnt ist: Die Tochter Zion fordert die gläubigen Seelen auf, ihr nach Golgatha zu folgen.

Die Arien der Iohannespassion weifen eine besondere Frische der Ausdruckskraft auf, nur ließ sich nicht immer eine rechte Verteilung ermög­lichen, so folgen sich z. D. die 2HtarieVon den Stricken meiner Sünden mich zu entbinden" (zwei obligate Oboen) und die Sopranarie ^Ich folge

Klein (Gießen) herzliche DankeSwork, baM den Vereins»orsihenden, Kaufmann Schimmel, besonders ehrend, der auch sein silbernes Mit. gliedsjubiläum feiern konnte.

Hausen, 28. Febr. Am morgigen Mittwoch 29. Februar, begeht Frau Sophie Schäfer, geb' Depp, Hierselbst, in voller Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag.

C> Lollar, 27. Febr. Die Mitglieder der Ortsgruppe Lollar ÖeS Deutschen Seevereins hatten sich am Samstagabend .1! mit ihren Angehörigen zu einem 5a mitten- abend vereinigt. 3m Mittelpunkt des Abends standen zwei Lichtbildervorführungen. Die erste Vorführung betraf eine Reise von Hamburg über Rorwegen nach Spitzbergen und zurück. Hierzu hatte dieHapag" 80 sehr schöne Bilder mit Begleitworten zur Verfügung gestellt. Der zweite Vortrag führte den Besucher im Geiste nach dem Mittelmeer. 3n 120 von der Geschäftsstelle des Deutschen Seevereins überlassenen Bildern wurden die Schönheiten des Südens gezeigt. $je Erklärungen gaben bei der Rordlandreise Jag Mitglied 3ng. Spieß, bei der Mittelmeer- reife der Ortsgruppenvorsihende, Lehrer KeHer. Das Mitglied Heinrich Schön hatte sich mit seinen beiden Söhnen gleichfalls in den Dienst der Sache gestellt und umrahmte öle Vorführungen mit einigen guten Musikvorträgen.

<5 All en dorf a. d. L-da., 27. Febr. Am Sams­tagabend hielt der hiesige Turnverein (1907) sein« diesjährige Generalversammlung ab. Der erste Dor. sitzende, Sattlermeister F a u l st i ch, erstattete den Bericht über das abgelaufen« Geschäftsjahr. Daran; ging hervor, daß der Verein auch in dem abflehu- fernen Jahre wieder recht schöne Erfolge zu verzeich­nen hatte. Di« Mitgliederzahl bewegte sich auf der vorjährigen Höhe. Hierauf wurde die Jahresrech. nung verlesen. Diese ergab ein günstiges Resultat: es verblieb ein Kassevorrat von ca. 100 Mark. Bei der Vorftandswahl wurden gewählt: H. Faulstich als 1. Dors., E. Zimmermann zum 2. Dors, und Schriftführer, Lehrer Strack, Gg. K r i e b , Hch. Rau und Hch. Ranft zu Bei­sitzern, W. Rein zum ersten und Karl Vock zmn zweiten Turnwart, Hrch. Benner zum Geräte- wart, Ludwig und Karl Wallenfels zu Spiel­warten. Eine rege Aussprache rief der Punkt: Turn - und Sportplatz hervor. Dieser Platz, hinsichtlich feiner Lage einer der schönsten der wei­teren Umgebung, hat sich leider als etwas zu klein, besonders für das Handballspiel, erwiesen. Es tourte eine Kommission gewählt, bestehend aus Ph. Hof (Ehrenvorsitzender), Lehrer Heil, Eb. Lotz und W. Keil, di« mit dem Stadtvorstand wegen Le­ibung dieses Uebelstandes in Verbindung treten soll. Nachdem der Vorsitzende noch eine kurze 6r- Mahnung an die aktiven Turner und Zöglinge am pünktlicheren Besuch der Turnstunden der Be­such ließ leider in der letzten Zeit zu würrschen übrig gerichtet hatte, schloß er di« Versammlung.

«.Münster, 27. Febr. Heute vormittag gegen 11 Llhr verunglückte der 56 3ahre alte Ar­beiter Heinrich Pfeifer von hier im Dasaltbruch durch herab stürzende Ge­st e i n s m a s s en , die ihn am Oberkörper und am Kopfe trafen. Der bedauernswerte Mann erlitt dadurch erhebliche Kopfverletzun­gen, außerdem mehrere Rippenbrüche und vermutlich auch innere Verletzungen. Die erste ärztliche Hilfe wurde dem Verunglück­ten durch Dr. Roth- Lich gebracht, der die Lieberführung des Mannes durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen nach der chirurgischen Klinik veranlaßte.

D ©rüningen, 27. Febr. Der hiesige Spar- und Leihkassenverein hielt dieser läge seine 2 7. Jahreshauptversammlung im Saale der Gastwirtschaft Bender ab. Direktor Arnold gab einen kurzen Rückblick auf die Tä­tigkeit der seit dem Jahre 1899 bestehenden Ver­einigung, die eine stattliche Mitgliederzahl (88) auf­weist. Die Vorstandswahl ergab nur geringe Aende- rungen. Der Rechner Karl Euler erstattete dir Jahresrechnung, die mit einem Reingewinn nm annähernd 1000 Mk. abschließt. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die Entwicklung des Ge­schäftsjahres konnte als überaus günstig bezeichnet

dir gleichfalls mit freudigen Schritten", nur durch ein dreiaktiges Rezitativ unterbrochen. Die Tenor­arie am Schluß des ersten TeilesAch, mein Sinn" fügt sich besonders glücklich in den Zu­sammenhang: sie schließt sich an die Worte des EvangelistenLind weinete bitterlich". Aber auch außerhalb dieses Zusammenhanges würde sie eine der schönsten Arien für Tenor bedeuten durch das erschütternd aufgerotlte Seelenbild des Petrus. Als den lyrischen Höhepunkt der Passion kann man Wohl die AttarieEs ist vollbracht" ansehen. 3m Motivischen nimmt sie die letzten Worte 3esu auf; die Altstimme wechselt mit ffa- genden Weisen der Viola da gamba (jetzt burch Violoncello erseht) ab. Ein visionärer MiUelsah feiert den Sieg Iesu, aber statt einer Wiederkehr des ersten Arienteils klingt dieser Sah nur noch

einmal kurz an. .

Ebenfalls erhebt sich der Ausdruck der 2Ine für TenorErwäge" durch den eigenartigen Klang zweier Viola d'amore, an deren Stelle jetzt mei- stens Bratschen treten, zu starker innerer Wirkung. 3n der ersten Fassung der Iohannespassion fchwy sich an die oben erwähnte ChoralphantasieWem teurer Heiland", eine Instrumentalsymphonie, an. Später ließ Bach an deren Stelle die Schilderung der Raturereignisse treten, der sich ein innerlich stark bewegtes Tenorarioso und eine Sopranane Zerfließe mein Herz in Fluten der Zähren anfügen, die letztere mit einem Zueinander von Kindlichkeit und Tragik und einem Stil, der an

Rokoko gemahnen könnte. .

Die sich hier und da im Aufbau des Weckes zeigenden Schwächen werden durch die starre Kraft Dachscher Erfindung und Gestattung einzelnen ausgeglichen. Robert Schumann >ay als Romantiker die Iohannespassion als vc vollendetere an und war geneigt, sie auch T die spätere zu hatten. Vermutlich aber ist o Werk schon während der letzten Köthener o geschaffen worden, wenngleich sich die erste -A sührung bis 1724 verschob. Daß das Komponisten in der ersten Fassung nicht bog befriedigte, erklären die .Umarbeitungen, Die damit in den nächsten 3ahren öornahm. ,

Zu seinen Lebzeiten wurde das Werk verschiedentlich aufgeführt, und auch nach fe Tode wurde es noch zum ®tfl}n9en roat Allerdings gegen Ende des 18. Iahryundcrw es gänzlich verschwunden, und erst eine Rtti l sührung der Berliner Singakademie am. bruar 1833 vermochte der Iohannespastwn dauernde Geltung zu verschaffen: ia. m S a reich hat sie weitere Verbreitung gesund ihre spätere Schwester, die Matthäuspall^

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