Nr. 175 Erstes Matt
178. Jahrgang
Zrettag, 27. Juli 1928
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Das Auslieferungsbegehren her französischen Vesatzungsbehörde.
Die Stellung der Aeichsregiemng
Berlin. 26.3alL (prlo,-IeL) Vie Meldung, bah die französische Besahungsbehörde an die deutsche Regierung da» verlangen geftefll Hal. die drei deutschen Staatsangehörigen au»iulle- fern, die in Abwesenheit ja fünf Jahren Zuchthaus von dem franjöfifdjen Kriegsgericht In Landau wegen angeblichen her- unierreiben» der französischen Flagge von dem Offlzlerkaslno In Zweibrücken verurteilt worden sind, wird nunmehr von den Berliner Blättern benötigt. Der Telcgraphen-Unlon wird von zuständiger Stelle erklärt, dass Deutschland diesem Begehren Folge lei st en wird. Deutschland habe sich an die vertraglichen Bedingungen zu halten, die ihm auserlegt worden seien.
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Bedauerlicherweise kann die deutsche Regierung auf da- französische Auslieserungsbegehren keine andere Antwort geben, solange die unterschriebenen Verträge zu Recht bestehen. Ls war aber zu er warten, das, die obige Antwort gegeben werden würde Trotzdem mutz darauf hingcwiesen werden, datz die Austieserung In Deutschland größte Empörung Hervorrufen wird, um so mehr, al» von französischer Seile immer wieder erklärt wird, datz die Besatzung nur eine „Touristenarmee" sei und feinerlei Drangsalierung der Bevölkerung in sich schliesse Vie drei Fälle, in denen die Besatzungsbehörden nunmehr die Auslieferung der Deutschen verlangen, beweisen, datz bas Gegenteil der Fall ist. Sic zeigen auf das krasseste, datz die Besalzung-behördr immer wieder unerträgliche Zwischenfälle im besetzten Gebiet, schafft und auf diese weise eine moralische Belastung der Bevölkerung schasst, die au f bie Dauer unerträglich ist. Es ist daher an der Zeit, batz Frankreich sich enblich auf seine europäischen pslichten besinnt unb basür Sorge trägt, datz bie ftänbig jur Störung ber deulsch-sranzösifchen Beziehungen beitragende Besatzungsbehörde verschwindet. (Es kann fein Zweiset darüber fein. datz. Irolzdem politische Differenzen zwischen den Behörden anlässlich diese» Falle» vermieden werden, die gesamte deutsäze Bevölkerung doch durch derartig- Zwischenfälle wieder gegen Frankreich eingeflelll wird, unb damit bie Heber,engung erhält, datz bie französische Frie- benspolllif nicht ernsthaft gemeint fein könne unb datz die französische Unlerschrist unter dem ÄcQoggocrkag nur formale Bedeutung besitzt.
Empörung der presse aller Richtungen.
‘Berlin, 26. 3uli. (Priv.-Tel.) Das politische Hauptthema der 'Berliner Blätter ist weiterhin da« von der franko!ild)cn Besatzungsbehörde an Deutichland gcr.chtele Auslieferung-sbegehren. 3n den Äommcniatcn der Prelle wird daraus hin- gewtcfen, datz deutlicher als alle anderen Borgänge der letzten Zeit dieser neue Besatzungs- zwilchenfall die Unmöalid)!eit und Unhaltbarleit der ganzen Rheinlandbriehung bewerfe. Wie der ..Vorwärts" mittcilt, sei nach sorgfältiger Prüfung der Rechtslage doS Auswärtige Amt zu der Lieberzeugung gekommen, datz das formale Recht leider der ReichSreg.crung leine Möglichkeit bietet, das französische Verlangen abzulchtugen. Deutichland werde sich daher grundsätzlich bereit erklären müssen, diesem Begehren Folge zu leisten. DaS Blatt ist jedoch der Ansicht, datz die Reichsregierung nichts unterlassen sollte, um noch auf diplomatischem Dege eine glimpfliche Erledigung des Vorfalles zu erreichen. Zum Schluss betont das Blatt, die ganze Angelegeicheit beweise wieder einmal, datz es leinen wirklichen Friedens- z u st a n d zwilchen Deutschland und Frankreich werde geben können, so lange diese Besetzung fvrtdauere. — D.e „Germania" bringt das Auslieferungsbegehren der französischen Besatzungsbehörde in Verbindung mit der bevorstehenden Unterzeichnung deS Kellogg- Paktes in Paris durch die 21u&cnminiftcr der beteiligten Mächte und sagt:
Anter diesen Umständen unb in diesem Augenblick, während am Rhein französische Sergeanten schalten und walten dürfen, kann ein deutscher Aussenminister nicht nach pari» reifen, um einen Dellfriedenspalt feierlich zu unlerjeichnen, den die Franzosen in so grolestcc Weise verletzen. «He würde sich das mit Deulschland» Würde und Deutschlands Glauben an seine Zukunft vereinigen lasten?
2luch das .B. T." erklärt. Man kann irkbt ^ndeutschen Aussenmurrster einladen, zur Unter- zevchiiung des Kriegsächrungspaktes nach Paris zu lOTuiteh und gleichzeitig die Reichsregierung ersuchen, drei Därtsche wegen Beeidigung der französischen Flagge zu fünfjährigem Zuchthaus auszuliefern. Die .Vosf.Ztg." sieht m dem ^unzosischcn Verlangen einen neuen besonders charakteri ftrschen Beweis dafür, datz auf die Dauer
das 1 lebenernander selbständig arbeitender französischer Militärbehörden im Rhein- lartde und der osfizseilen deutsch-sran.zösischen Verständigungspolitik eine ^Inmöglich- keit ist. Aach dem Wortlaut des Rfccinlanbab» kommens haben formal die französischen Behörden das Recht, die Auslieferung der Verurteilten zu verlangen, obgleich natürlich jedes Gefühl sich dagegen sträubt, nur daran zu denken, datz deutsche Behörden deutsche Staatsbürger wegen eines ausgesprochenen Dumme- jungenstreiches für fünf Fahre in ein französisches Zuchthaus ausliefern sollen. Man stelle sich nur einmal vor, zu waS für innerpolitifchen Kämpfen die Durchführung deS Iranzösilchen Auslief e- rungSbegehrenS in Deutschland führen müsste. Am solche Amnöglichkeiten ein für allemal auSzuschal- ten, gibt eS nur einen Weg: Räumung. — Die .Kreuzzeitung" fragt: WaS nützen Deutschland die Locarnoverträge. waS nützt Deutschland der Beitritt zum Völkerbund, wenn immer erneut gegen Sinn und Gei st dieser Abmachungen verstossen wird. Aehnlsch äutzert sich die .Deutsche Tageszeitung":
Die fremde Besatzung Hal schon längst kein moralische» Recht mehr, am Rhein zu stehen. Ihre blosse Anwefcnhctt ist eine glatte Verleugnung ber 3bee von Locarno. Vie neuen Fordc- rungen aber teigen, bass die französische Be- satzungsbehörbe im Rheinland sich nicht einmal scheut, aud) bie Ehre bes deutschen Volke» In leichtfertigster Weise anzugreisen.
Der .Lvkalanzeiger" erinnert an den Artikel 112 der Reichsversassung, nach dem kein Deutscher einer ausländischen Re- ?icrung zur Bestrafung ausgelie- c r t werden darf und fragt, ob die hinter der Regierung Müller stehenden bürgerlichen Parteien die Verantwortung in einem Falle tragen wollten, in dem die Reichsregierung entschlossen sei. die Reichsverfassung zu brechen. — Die „Sranff UTtcr Zeitung" schreibt .SS ist nicht zu begreifen, dass im Sommer 1928 nach Locarno die Besatzungsbehörde e S wagt, auf den Artikel 4 des RheinlandabkommenS und die Verordnung 2 der Rheinarmee zurückzugreifen.
die so unglaublich sind, dass sie bisher überhaupt noch nicht angewendet wurden. Diese Vorschriften entstanden im Juli 1919, als daS Siegerbewutztsein der Alliierten keine Grenzen kannte. Man vergegenwärtige sich nur, waS damit verordnet ist. Tille Personen, die eines Vergehens gegen die Besatzungsmächte verdächtigt werden, müssen danach von den deutschen Behörden im besetzten und unbesetzten Gebiet auf Verlangen der Besatzungsbehörden an sie auSgeliefert werden. Richt nur überführte Schuldige, sondern auch alle nur vage Beschuldigten müssten, auch wenn sie sich im unbesetzten Gebiet aufhalten, der fremden Mili- tärgerichtsbarkeit übergeben werden. 3 c bc Denunziation im besetzten Gebiet würde der Besatzungsbehörde die Möglichkeit geben, Deutsche im unbesetzten Gebiet tn ihre Hand zu bekommen. Auch in einem der vorliegenden Fälle ist eS sehr unwahrscheinlich, jedenfalls völlig ungewiss, dass die drei Zweibrücker die Schuldigen sind."
Oie Unterzeichnung -es Kelloggpattes.
Die Pariser Zusammenkunft der Aussen- Minister eine Verbeugung vor Briand.
Pari», 26. 3uli. (WB.) Gs wurde nunmehr offiziell bestätigt, dass der Pakt zur Aechlung des Krieges in Pari- am 27. 21 u gu ft untcrzel chnet werden wird. Havas erklärt, dass die Anregung, Paris al» UnterzeichnungS- ort zu wählen, auf Staatssekretär Kellogg zurückgehe, der damit zum 2lusdruck bringen wollte, dass der Gedanke, ben Krieg zu achten, von Briand ausgegangen (et. Kellogg werde persönlich nach Frankreich kommen. Chamberlain werde im Romen Englands und der fünf Dominions unterzeichnen, Briand für Frankreich und Dr. Stresemann für Deutschland. Dagegen sei eS zweifelhaft, ob Mussolini, der durch dringende Pflichten in 3talien zurückgrhalten werde, erscheinen könne. Der .Matin" hält eS für wahrscheinlich, dass
Oie Betriebssicherheit auf den Linien der Deutschen Reichsbahn.
Ergebnis einer Besprechung zwischen ^eichsverkehröministerium und JreichSbahngeneraldirektion.
Berlin, 26. Juli. (WB.) Heute fand zwischen dem ReichSverkehrsminister und dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft anlässlich der letzten Unfälle eine Besprechung über die Betriebssicherheit der Reichsbahn statt. Bei dem Hcbcrgange der Staatsbahnen in die Hände deS Reiches waren die Bahnanlagen und S.cherheitSeinrichtungrn an manchen Stellen Infolge ungünstiger finanzieller Verhältnisse noch nicht bi» zu demselben Grade fortgeschritten, wie in dem übrigen Deutschland. Die ungünstige Wirtschaftslage tn der Rachlriegszeit liess einen weiteren Ausbau nur langsam zu. DieS gilt auch für die Zentralisierung der Sicherungsanlagen auf einigen Bahnhöfen in Bayern, u. a. auch in München.
Zu dem Münchener Unfall wurde festgestellt, datz bei genauer Befolgung her gegebenen Vorschriften die auf dem Hauptbahnhof München bestehenden Einrichtungen für die Sicherheit des Zugverkehrs auSreichen. Rur daS unglückselige Zusammentreffen einer Reihe von Zufällen und Berieten konnte das ilnglüd herbeiführen. Um in Zukunft auch solche Gesahren- momente nach Möglichkeit auszufchallen. bestand aber Ucbcreirjtimmung zu folgendem Vorgehen: Die beftebenben Blockcinrichlungen werden sofort durch zwischenzeitliche Verbesserungen ergänzt, die durch die Gruppen- venraltung Bayern bereits vorbereitet sind. Die im Gange befindliche endgültige Zentralisierung der Sicherheitsan lagen des Hauptbahnhofes München sollen mit allen Mitteln beschleunigt werden lleberhaupt sollen die wenigen noch nicht mit zentralisierten Weichen und Signalen versehenen Bahnhöfe sofort daraufhin nachgeprüft werden, ob der Verkehr eine besonders beschleunigte Durchführung der Zentralisierung erfordert.
Zu den Türgriffen wegen zu starker Inanspruchnahme des Personals wurde feftgestellr: Die Diensteinteilungen sehen in Süd- deuftchland ..Ruhelage" von 32 und mehr Stunden vor. Dadurch wird eine engere Zu- sammenrückung von Dien st sch ich t en, die durch kurze Ruhezeiten getrennt sind, notwendig. Demgegenüber ist in Rorddeusschland die Zahl und Dauer ber Ruhetage geringer, aber die Ruhezeit zwischen den Dienstschichten allgemein länger. Rach übereinstimmender Meinung des Rerchsvericchrsministerö und des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahngefell- schaft wird eS in Zukunft notwendig sein, die süddeutschen Dienftenri eÄungen den zweckentsprechenden norddeutschen mehr an» zupassen. Vorwürfe wegen Perfonalübev-
lastung infolge zu geringer Personalbesetzung können nur Don Fall zu Fall nachgeprüft werden. Auf dem Münchener Hauptbahnhof stellt sich die Kopfzahl gegenüber der Vorkriegszeit trotz zur Zeit verminderter Betriebsausgaben um 14 Prozent höher als 1913. Der Gesamipersonalbestand in Bayern betrug im 3ahre 1927 16 Prozent mehr als in der Vorkriegszeit, während das Gesamt- personal der Deutschen Reichsbahngesellschaft im Jahre 1927 1,6 Prozent mehr betrug. Erne zu geringe Kopfzahl kann also nicht als Ur* sache der Unfälle angesehen werden. Trotzdem sind Massnahmen zu treffen, um an Tagen besonders angestrengten Dienstes VerstärkungSper- s v n a l mehr als bisher vorzusehen.
3m Anschluss an die Erörterungen der betrieblichen Verhältnisse wurde wegen des Siegels- dorser Unfalles, der auf Fehler beim GleiS zurückzuführen ist, die Frage der Oberbauarbeiten geprüft. 3m ganzen ReichSbahnge- biet — und da» trifft auch für Siegclsdorf zu — ist trotz der vermehrten Anwendung neuzeillicher Einrichtungen die Zahl deS Bahnunterhaltungspersonals nicht wesentlich geringer als im 3ahre 1913. Zur besseren äleberwachung der Oberbauaussührungen sind weitere Kontrollen notwendig. 3m Zusammenhang damit sollen die Vorschriften für die Ausführung der Oöerbauarbeztcn sowie *ür die Aufstellung und Entfernung ter ßangfam- fahrsignale verschärft werden. Bi» jetzt ist es mit Rückficht auf den grossen Umfang der Arbeiten 7u>ch isicht möglich gewesen, die Rückstände in der (Erneuerung der Gleise, die sich infolge der Kriegsverhältnisse und der Rachkriegszeit ergeben haben, vollständig au'^arbeiten. Diese Arbeiten sind tunlichst zu beschleunigen. Ss werden bis zu ihrer Vollendung noch mehrere 3ahre notoenbig fein. 3nzwi'chen lässt es sich nicht vermeiden, die heutige geringere Geschwrndrgkcir der Züge gegenüber ber, Bor- kriegszeit auf einzelnen Strecken beizubehalten.
^züglich der Anzahl der durch Unfälle zu Schaden gekommenen Personen ist folgende» festzustellen: Die Zahl der Unfälle betrug auf eine Million Zugkilometer im 3ahre 1913: 4.6. im 3ahre 1927 : 5.71. wobri zu berück- sichsigen ist. dass 1927 die Besetzung der Züge um 24 Prozent grösser war als 1913. Vom Generaldirektor wurde ausdrücklich die Zusicherung «geben, dass er trotz der schw erigen finanziellen Gage bet Deuttchen Reichsbahngesellschaft mit allem Rachdruck weiter dahin wirken werde, dass die Sicherheit des Bahnbetriebes gewährleistet bleibt
Mussolini sich durch UittcrfiaatAfctvetär ®tan- bt vertreten lassen wird. Auch da» ^r|dt>einen deS sapancschen Aussenminister» Tanaka bleibe zweifelhaft, weil die örcignifk In Lhina feine Anwesenheit in Japan erforderlich machten. Dio drei übrigen Signatarmächb', nämlich Belgien, Polen und die Lschechoslowakec würden durch ihre Aussenminifler Hvman», Za- l e s k i und B e n e s ch vertreten fein. Die Frage, ob Spanien ben Patt mitunterzeichnen solle, wie Washington e» angeregt habe, sei noch nicht gelöst.
Die Einladung an Strefemann. Berliner Hossnungcn auf eine Audsprachc mit Poincar^.
Berlin, 26. Juli. (prio.-IcL) Wie die „Voss. Zeitung" von gut unterrid)tc,cr Seite erführt, ist die von der französifchen Regierung an den Reich»- auhenminister Dr. Strefemann ergangene Einladung, persönlich an der auf den 26. August festgesetzten Unterzeichnung des stelloggpaktes in Paris teilzunehmen, bereits vor einigen Tagen durch den französischen Botsüzaster t n Berlin übermittelt rvorden. Die Antwort de» deutschen Aussenminister» ist demselben Blatt zufolge durch Dr. Strefemann» Abwesenheit uon der Reichshauptstadt verzögert morden unb bisher noch nicht erfolgt. Die Unterzeiä-r.nnq bes kelloggpattes würde zum ersten lllale nach der Unterzeichnung des Friedensvertrage» einen deutschen Aussenminister in pari» sehen, vom aussenpolitischen Standpunkt erscheint dieser Besuch de» deutschen Aussenminister» nur unter den Voraussetzungen für Deutschland tragbar, wenn er mit einer entgegenkommenden Haltung der französischen Regierung und der übrigen Alliierten In der Frage der ootjeiligen Räumung de» Rhein- lande» verbunden sein würde, sonst würde der falsche Eindruck erweckt, als wäre das deutsche Volk bereit mit feinen französischen Nachbarn in freundschaftlichen Beziehungen zu leben, gleichgültig, ob da» Rheinland geräumt würde ober nicht.
Nach einer Meldung der Tel.-Union aus Berlin wird es von deutscher amtlicher Seile angeblich ausserordentlich begrübt, dass die Unterzeichnung in Pari» erfolgt da die Anwesenheit so zahlreicher Statsmänner in Paris zweifellos den Anlass dazu geben kann, dass bei dieser Gelegenheit auch andere mit dem Kriegsverzichtsvertrag nicht zusammenhängende Fragen besprochen werden. Ls dürste sich hierbei u. a. naturgemäss auch um bas deutsch-französische Problem handeln, das zweifellos durch eine direkte Aussprache zwischen dem deusschen Aussenminister Dr. Strefemann und dem französifchen Ministerpräsidenten p o l n c a r e ausserordentlich gefördert werden würde. 3n einer derartigen Unterredung zwischen den führenden Staatsmännern Frankreichs und Deutschland» würde eine neue Grundlage für die Fortführung der europäischen Politik zu finden sein, die nunmehr auf Grund der neuen, durch den Kriegsverzichlsoertrag geschaffenen Lage zu Inaugurieren wäre.
Kein Erfolg vor dem Nevisionsgerichi.
DaS Urteil im MarimilianSaucr Zwischenfall bestätigt.
Mainz. 26. 3ulL (Lanbesprefsebienft.) Vor bem Revisionsgericht bet Besatzungsarmee in Mainz würbe heute nachmittag ber Mari - m ilianSauer Zwischenfall verhandelt. Am 3. 3uni abends hatten ber Arbeiter Merz unb seine Freunbe mit einem französischen Offizier einen Wortwechfel. Dabei kam es zu gegenseitigen Tätlichkeiten. Der französische Offizier ging zum Angrift gegen Merz vor. Als ber Ossizrer ben Merz ergreifen wollte, sprang Merz auf ben absahren- ben Personenzug. Der Offizier griff darauf Merz an» Bein, um ihn zurüaHuhal- te n. 3n diesem Augenblick stürzten sich seine Freunde auf ben Offuicr, um ihn von seinem Vorhaben abzuhalten. Merz flüchtete in bas unbesetzte Gebiet. Gegen seine Freurrde wurde in Landau verhandelt. Merz wurde in contumaciam zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, seine Freunde zu 15 Monaten Gefängnis.
Rechtsanwalt Dr. Führ legte gegen biefeS Urteil Berufung ein. Das Kriegsgericht habe nicht genügend geprüft, ob bezüglich der Freunde nicht Rotwehr gegenüber bem Angreifer Vorgelegen habe. Merz sei sowohl bris den Angriffen deS Ofsiziers. als auch beim Herunterreissen vom Zuge lebensgefährlich bedroht gewesen. Aus Antrag des Mllilärstaatsanwalts verwarf das Re- vifionsgericht die Berufung als unbegründet unb erklärte bas kriegsgerichtliche Urteil als zu Recht beftebenb. Bezüglich des Urteils gegen Merz (zwei Jahre Gefängnis) war eine Revision nicht zugelasfen. Gegen Merz wurde jedoch ein A u s - lieferungsverfahren beantragt.


