Ausgabe 
26.10.1928
 
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kontrolliert. Dm 25. d.Mts. hörte eine dieser Streifen in der Oppenheim-Straße Schüsse vom Rheimiser her. Sie lief zum Kaifer-Fried­richs-Ufer; dort rief sie der Hausmeister des Grundstücks Kaiser-Friedrichs-Ufer 5 nach seinem Hause. Heidger sei dort. Die Beamten sperrten das Haus ab. Ein Ueberfalltommandv, von privater Seite angerufen, war sofort zur Stelle und gleich darauf trafen der Polizei­präsident und der Regierungsvizepräsident sowie Kriminalbeamte und Beamte der dritten und vierten Bereitschaft ein. Etwa 100 Beamte sperrten das Haus und begannen die Durch­suchung, nachdem alle Zivilpersonen das Haus verlassen hatten. Man begann im Erdgeschoß und kam allmählich zum dritten Stott. 3n dem Zimmer zur Linken steckte Papier imSch lüs- s eil och. Diese Tür wurde eingetreten, ging aber nur etwa eine Handbreit auf. Die war von innen durch Möbel versperrt.

Durch die Oesfnung sah man In einem Wand­spiegel und in diesem spiegelte ein Bell und am Muhende des Bettes saß Heidger, der dort kniete und eine Pistole auf den Beltrand auf­gelegt hatte. Die Beamten riefen ihm zu:Sie sind im Spiegel zu sehen, kommen Sie her­aus! Hände hoch! Es wird nicht geschossen!" Darauf schoß Heidger den ersten Schuh, der durch die Türöffnung in die Wand ging.

Nun schossen die Beamten durch die Türöffnung nach Heidger. Der Oberwachtmeister Mai- b o o m hatte sich in den Gang gelegt, parallel zur Wand und zur Tür und schob sich nach der Tür­öffnung hin. In der Linken hielt er einen Kugel­panzer vor den Kopf. Als er an dem Kugel­panzer rechts vorbeisah, schoß Heidger zum zweiten Male und traf den Beamten in die Stirn über dem rechten Äuge. Bom Gange her forderten die Beamten Heidger nochmals auf, sich zu ergeben, und drohten mit Handgranaten. Aber Heidger feuerte Schuß auf Schuß durch die Tür auf die Beamten. Jetzt wurden Handgra­naten geworfen. Die erste sprengte die Tür, die zweite wurde in die rechte Zimmerhälfte, die dritte in die linke geworfen. Nach der dritten Handgranate rief Heidger, der im dichten Qualm nicht zu sehen war, er wolle sich ergeben. Die Beamten riefen ihm zu: ,^)ände Hochstrecken, sonst kommt die vierte Handgranate!" Heidger streckte die linke Hand an der Tür heraus. Die Beamten riefen:Auch die Rechte!" Dies tat er nicht. Darauf sprang ein Be­amter der Schutzpolizei vom Gang in die Tür und schoß seine Pistole mehrmals auf ihn ab. Heid­ger brach zusammen, die Pistole in der rech­ten Hand. Er wurde auf eine Bahre gelegt und nach dem Binzenz-Hospital gebracht. Man fand zwei P i st o l e n bei ihm. Heidger hatte in der linken Brustseite einen Schuß mit Ausschuß. Er hatte einen zweiten Schuß in der Magengegend. Er tjatte ferner eine Menge kleiner handgranatenver« letzungen.

Bei Heidger flud Briefe ausgefunden worden, die er auf Bogen aus Schreibblocks, die sich in dem Zimmer befanden, während der Belage­rung geschrieben Hal. Diese Briefe sind an den Hafer, an die Geschwister, an ein Mädchen und an die Staatsanwaltschaft gerichtet. Diese

Briefe lauten:

»Liebe Geschwister!

Wenn Ihr mir verzeihen Knnt, so verzeiht. Ich habe viel an Euch gesündigt, aber ich strau­chelte von einer Grube in die andere. Immer, immer tiefer. Daß ich mal zum Mörder würde, hätte ich nie geglaubt. Lebt wohl! Ich bin ja doch Euer Bruder, lebt wohl! Heinz, Dir schadete ich vielleicht am meisten. Aber auch Du wirst dem Toten wohl verzeihen, was Du dem Lebenden nicht kannst."

»Lieber Vater!

Die Zeit eilt Sie kommen schon. Ich will Dir noch schnell danken für alles Gute, das Du mir getan. Du warst so gut, wie ein Vater nur sein kann. Sei der Mutter niemals böse und helfe chr durch Güte diesen SchicksalsschlOA ertragen zu können. Leb wohl Papa, Dein Sohn Harrs."

Der Brief an die Braut lautet:

Liebe Maria!

Wenn Dir vielleicht an meinem letzten Gruß nichts gelegen ist, aber nein, Du zürnst mir nicht, denn Du hast mich geliebt, wie ich Dich. Ich habe viele Mädels kennengelernt, doch geliebt habe ich Dich, nur Dich allem. Liebe Maria, wenn Du meine Gedichte haben willst, so bitte den Herrn Staatsanwalt, er möchte sie Dir aushän­digen, und ich glaube, er wird es eventuell tun. Denn damit können sie doch nichts anfangen. Wenn sie auch nicht schön sind, so schrieb ich sie doch in Liebe zu Dir. Ich küsse Dich schnell noch einmal. Sie kommen, sind schon zwei Türen nebenan. Lebe wohl! In ßkbe Dein HanS."

An die Staatsanwaltschaft:

Ich möchte Sie bitten bei Karl Linde­mann bei der Verurteilung zu berücksichtigen, daß Karl Lindemann wohl furchtbar leichtsinnia ist, aber allein solch einer Tat, wie ein ileberfall, nicht fähig ist. Er stand vollständig unter meinem Einfluß. Sr wollte ein Leben füh­ren, ohne Diel zu arbeiten und er kam in meinen Dann und damit ins Verder­ben. Wollte er nicht mitmachen, so mußte er sich trennen und arbeiten, und das mochte er auch nicht gern.

Oberst Nauer als Reorganisator der chinesischen Armee.

DieTime s" meldet aus Schanghai, daß Oberst a. D. Bauer, während des Krieges einflußreiches Mitglied des deutschen General­stabes, im Rovember als militärischer und kommerzieller Ratgeber bei der Rankingregierung eintreten werde. Die Mission des Obersten Dauer sei nicht nur mili­tärischer Ratur, sie schließe auch industrielle Aufgaben ein. Dauer genieße die Unter­stützung von deutschen Syndikaten, die an der Industrialisierung Chinas interessiert seien.

Wie die Telegraphen-älnion hierzu erfährt, verlautet in unterrichteten Kreisen, daß sich Oberst Dauer bereits seit Jahr und Tag in China aushatte. Damit entfällt bereits der sen­sationelle Charakter derTimes"-Meldung. Hebet die Tätigkeit des Obersten "Bauer in China, der sich dort völlig privat aushält, läßt sich in Deutschland nichts tn Erfahrung bringen. An der eventuellen Neuorganisation der chinesischen Ar­mee sind, wie an zuständiger Stelle versichert

Tagung des Deutschen Veamtenbundes.

Reichsinnenminister Severing über Rechte und Pflichten des Beamten im neuen Staat.

Derlin, 25. Oft. (DDZ.) Der Deutsche De- amtenbunb setzte am Donnerstag mit einer großen öffentlichen Kundgebung seinen oiesjäh tgen Bun­destag fort. Der Bundesvorsitzende Flügel führte in seiner Begrüßungsansprache u. a. aus, daß die neuerliche Vereinbarung des Deutschen Deamten- brmdes mit dem Gewerkschastsring einen Fort­schritt auf dem Wege zur organisatorischen Ge­samtzusammenfassung des deutschen Beamtentums bilde. Besonders herzlich begrüßte er die Vertreter des Beamtenbundes der Freien Stadt Danzig, des Saarbeamtentums und die Delegierten aus dem besetzten Gebiet. Trotz Lo­carno und dem Völkerbund, so erklärte der Redner, sind noch immer erhebliche Teile deut­schen Landes besetzt. Wir wünschen, man möchte im Verkehr der Staaten nicht immer nur von dieser Atmosphäre des Vertrauens sprechen, son­dern endlich einen offenkundigen Be­weis dieses Vertrauens liefern und die immer noch besetzten deutschen Gebiete und das Saarland freigeben.

Für die Reichsregierung erklärte

Reichsinnenminister Gevering:

Die Reichsregierung und ich wissen sich verbunden mit einem freudigen, staatsbejahenden Berufsbe­amtentum. Neben der Opferwilligkeit und Berant- wortlichkeit der deutschen Arbeiterschaft war es das Berufsbeamtentum, das im Jahre 1918 Volk und Land vor dem Schlimmsten bewahrte, und als ein­einhalb Sabre später Verräter am deutschen Volks- tum versuchten, das Volk in neue Wirren zu stür- zen, war es neben der Arbeiterschaft wieder das Berufsbeamtentum, das in übergroßer Mehrheit fest zu Land, Volk und zur republikanischen Ver­fassung stand. Das Reich weiß diese Dienste zu schätzen, und denkt nicht daran, das Berufsbeamten­tum abzuschaffen oder zu mindern. (Lebhafter Bei­fall.) Der Minister sagte dann au, daß alle B e - amtengesetze noch in dieser Gesetzgebungs­periode verabschiedet werden sollen und er­klärte, daß man durch einen Abbau von Beamten eine Verwaltungsreform nicht erreichen könne. Die Notwendigkeit, unser Vaterland nicht verküm­mern zu lassen, zwingt, uns gebieterisch zu einer Vereinfachung und Verbilligung d.er Verwaltung. Erfreulicherweise hätten sich auch die süddeutschen Staaten bereit gezeigt, daran mit­zuarbeiten."

Der Minister dankte dafür, daß der Beamten­bund sich fest mit der Republik verbunden fühle. Leider ergebe sich aber manchmal, daß nicht alle Berufsbeamten auf diesem Standpunkt stehen.Ich trete stets für eine Besserung der sozialen Stellung und für das Recht d« r freien Meinungsäußerung ein. Wenn sich aber Organisationen im Deutschen Reiche auftun, die den Hoß gegen die Republik auf ihre Fahne schreiben, und ihre Absicht verkünden, das deutsche Staats- wesen überrennen zu wollen, so haben die ver- antwortlichen Stellen der Republik die Verpflich. tung, die Reihen dieser Organisationen daraufhin zu prüfen, ob nicht auch Berufsbeamte dabei sind." (Lebhafte Zustimmung.) Dann werde sich der Minister daran zu erinnern haben, daß es nicht nur Bcamtenrechte gibt, sondern auch Bestimmungen, die diese Rechte begrenzen. Mit der nochmaligen Versicherung, alles in seiner Kraft Stehende für das Wohl des deutschen Be­rufsbeamtentums zu tun, schloß der Minister seine mit langanhaltendem Beifall ausgenommenen Ausführungen. Der Vorsitzende Flügel dankte Minister Severing und erklärte: Auch der Deutsche Beamtenbund ist der Ansicht, daß es unmöglich ist, daß ein Beamter in einem Staat und für einen

Staat Dienst tut, der diesen Staat verneint oder ihm feindlich gegenübersteht. (Lebhafter Beifall.)

Weitere Begrüßungen.

Hieraus begrüßte Finanzminister Dr. Hopker- A s ch v f s die Versammlung namens der preußischen Staatsregierung. Weitere Berüßungsansprachen hiel­ten noch Reichstagsabgeordneter T o r g l e r für die kommunistische Fraktion, ferner Reichstagsabgeord- neter Lucke (Wirtschastspartei) für die übrigen Reichstagsfraktionen und Landtagsabgeordneter Meyer-Herford (Deutsche Dolkspartei) für die Fraktionen des Preußischen Landtags. Reichstags­abgeordneter Lemmer sprach dann noch für den Gewerkschaftsring. Rektor Schneider vom Be- amtenbunb des Saargebietes und Landgerichtsrat Jochem für die Danziger Beamtenschaft. Dann nahm das Wort der erste Referent des Tages

Reichsminister a. O. Or. David

Die Schwierigkeiten fester Mehrheitsregierungen seien nicht Rachteile des neuen Systems, sondern nur Folgen ungenügender politischer Reife, die der Obrigkeitsstaat gehemmt habe. An der politischen Erziehung des Volkes habe nun vor allem auch die Beamtenschaft mitzu­wirken. Dann erörterte Dr. David dir neuen ver­fassungsrechtlichen Freiheiten des Beamten, für die es allerdings eine Grenze gebe, weil bau Beamten auch außerdienstlich das Ansehen der autoritativen Persönlichkett anhaste. Deshalb dürfe er nach dem Gesetz über die Pflichten des Beamten nichl gehässig oder aufreizend für Wie­derherstellung der Monarchie oder gegen den Bestand der Republik wirken. Zum Schluß be­tonte er die Rotwendigkeit, den Vvllsstactt zum sozialen Dolksstaat zu machen.

Geheimrat v. Outhig

hatte sich das Thema gestellt:Probleme der Derwaltungsreform, insbesondere Reform des Beamtenrechts". Er erinnerte zu­nächst an den bekannten Vers: Der Bureaukrat tut seine Pflicht von zehn bis vier, mehr tut er nicht!, erklärte aber, er selbst habe als Diszipli- narrichter diesen Beamten niemals gefunden. Im Kriege, während des Umsturzes, in der In­flation und Deflation habe die Beamtenschaft unter Entbehrungen mehr als ihre Ps.icht getan. Die hohe Beamtenzahl führte der Redner daraus zurück, daß trotz der Warnungen der Deamtenorganisationen immer neue Auf­gaben in die öffentliche Hand gelegt würden. Darum trete die Beamtenschaft leb­haft für Reichsreform und Verwal- tungsreform ein. Allerdings sei sie un­möglich auf dem Wege des Beamtenabbaues. Rotwendig sei ein Behördenabbau. Der Erwerb habe nicht cm erster Stelle zu stehen, sondern die Rütt,icht auf das Gemeinwohl. Das sei ja auch die einzige Rechtserttgung für die Klebern ahme von wirtschaftlichen Unternehmun­gen in Me öffentliche Hand. Darum müsse auch die Reichsbahn wieder mehr zur öffent­lichen Derkehrsanstalt werden. Der Redner machte dann Einzelvorschläge für die Reichsreform, wobei er eine Zerschlagung Preu­ßens ablehnte und als Ziel das Aufgehen der Länder oder ihrer Proviinen im Reich als Reichsprovinzen aufstellte. Zum Schluß verlangte er die Erfüllung der Ver­fassungszusagen für die Beamten, die baldige Verabschiedung eines Beamtenvertre- tungsgesehes, eines allgemeinen "Beamten* gesetzes, eines Dienststrafge etzes und Unfallfür* sorgegesetzes, und zwar nach freiheitlichen und sozialen Grundsätzen.

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wird, aktive Offiziere der Reichswehr jedenfalls nicht beteiligt. Ein Verstoß ge­gen den Versailler Vertrag, nach dem Deutschland die Entsendung jeglicher Militärmission verboten ist, liegt selbstverständlich nicht vor, han­delt doch Oberst Bauer völlig als Privat­mann, der auch nicht die geringste Unterstützung von feiten der Regierung erfährt. Wenn China auf Oberst Bauer und andere ehemalige deutsche Offiziere zurückgriff, so dürste man in Ban Fing eben bestrebt fein, alte Militärs dafür auszu­wählen, weil man sich von ihnen eine moderne Armeeorganisation verspricht,und andererseits eben Offiziere eines Landes, mit dem man in außen­politischer Beziehung nicht irgendwie belastet ist.

Ein Gparanirag der Wirtschastspartei.

Berlin, 25. Okt. (Täl.) Im Preußischen Landtag ist em Antrag La dendorsf (Wirt­schaftspartei) eingegangen der sich gegen das ileberbanbnebmen von Besichtigungsrei- sen durch Vertreter parlamentari­scher und kommunaler Körperschaf* t e n richtet. Es wird ein Beschluß des Landtages dahin gefordert, daß gemeinsame Reisen von Landtagsausschüssen auf Fälle dringlich­ster Art zu beschränken seien. Fermer solle die Staatsregierung dahin wirken, daß bei den Reisen staatlicher und kommunaler Be­amten ebenso verfahren werde. In der Be­gründung wird betont, daß es Sache der Staats­regierung sei. den parlamentarischen Ausschüßen auf Verlangen das zur Prüfung erforderliche Material vollständig und einwandfrei zu be­schaffen. Heberbie8 sei jeder Abgeordnete a u f Grund seiner F r e i f a h r t b e r e ch t i- gung in der Lage, über Vorgänge in seinem Wahlkreis, die sein besonderes Interesse er* wetten,_ sich und seine Frakttonsfreunde in den Ausschüssen soweit zu unterrichten, daß die Aus­schüsse hieraus und aus den Informationen der Regierung ein klares Bild von der Sachlage ge­winnen könnten. Eine große Ausdehnung hätten auch die Reisen von staatlichen und kommunalen Beamten genommen, die diese als Mitglieder von Verbänden aller möglichen Art zu Ausstellungen, Besich­tigungen, Kongressen, Verbandstagen und ähn­lichen Veranstaltungen vornehmen, und die sogar ins Ausland führten. Ramentlich leitende Be­amte würden häufig durch solche Reisen einen erheblichen Teil des Jahres ihren eigentlichen Dienstgeschästen entzogen. Wenn Reisen sich tatsächlich als notwendig erweisen, so könne im Interesse der Sparsamkeit zum mindesten die Zahl der Teilnehmer wesentlich beschränkt werden, ohne daß die Sache selbst darunter Schaden leide.

Aus aller Wett.

Sechs zahlende Passagiere des Zeppelinrückflugs.

Die Good Bear Zeppelin Co. teilt mit, daß eine Dame und fünf Herren aus einer Ge­samtzahl von 50 Bewerbern als zah­lende Passagiere für den Rückflug desGraf Zeppelin" auSerwählt worden sind. Der Fahr­preis beträgt je 3000 Dollar. Dr. Eckener gab be­kannt, daß der geplante große W e st f I u g des ®raf Zeppelin" bis nach Eingang der morgigen Wetterberichte hinausgeschoben worden ist. Die gegentoärtige Windstärke wird nicht als günstig für die Herausnahme des Luftschiffes aus der Halle angesehen

vorgeschichtliche Gräber.

In einem Hause in Ma'-^en (Eifel) wurde bei Ausschachtungsarbeiten ein Frankengrab freigelegt, in dem ein guterhaltenes Skelett etwa 1,40 Meter tief in Richtung West-Ost lag, das Gesicht war nach der aufgehenden Sonne gewen­det. Weder Stein- noch Holzsarg barg das Grab. An der rechten Seite des Skeletts stand ein 7,5 Zentimeter hoher Tonbecher und der untere Teil eines schwarten Kruges. Bei Versuchsgra­bungen bei Ettringen tourten weitere fünf Gräber zutage gefördert. Es handelt sich um germanische Gräber aus der letzten Hälfte des letzten vor­christlichen Jahrhunderts und in einem Falle um ein Römergrab.

Reue Attertumsfunde auf Gotland.

Auf der Insel Gotland, der reichsten Fund­grube Schwedens für Altertümer, ist eine sen­sationelle Entdeckung gemacht worden. Bereits frühere Ausgrabungen haben gute Ergebnisse gezeitigt in der Gegend des Waltema rkreuzes, das der dänische König Waldemar nach seinem Sieg 1361 über Gotländer und Deutsche in Disby errichtete. Jetzt ist wiederum ein Mas­sengrab mit mindestens 100 Kriegern gesunden worden, mit guten Rüstungen und auch sehr seltenen Panzern, Handschuhen und eisernen Hauben. Don der Fundstätte sind bereits 150 Kisten in das Rattonalmuseum nach Stockholm gesandt worden, das hierdurch ein reicheres Ma­terial über die mittelalterliche Geschichte als irgendein anderes Land bekommt.

Ein 7 Zentner schwerer Kassenschrank auf einem Bahnhof gestohlen.

In Roigheim (Württembergisches Oberamt Neckarsulm) drangen in der Nacht Einbrecher in den Bahnhof ein. Nachdem sie vier Türen ge­sprengt hatten, Gelangten sie zum Kassenraum, tn dem der Kasse nschrank eingemauert war. Nach harter Arbeit gelang ihnen, den 7 Zentner schweren Schrank auszubauen. Sie trugen ihn bann auf ein bereit stehendes Auto und

fuhren ins Badische davon. In dem Kassenschrank befanden sich etwa 2200 Mark.

Mord in einer Fürsorgeanstalt.

In der Fürsorgeanstalt M.-Gladbach in Rheindahlen wurde der 15jährige Sohn des Werk- leprmeifterS Holländer ermordtt. Man fand ihn mit mehreren Beilhieben im Zimmer auf. Der Mörder, der 17jährige Fürsorgezögling Staudt, ist entkommen. Er hat aus der Wohnung des Meisters einen Geldbetrag von 500 ML und einen Smoking gestohlen, den er wahrschein­lich zur Flucht angezogen hat.

von einem Hirsch angefallen und getötet

Auf Rittergut Lieben bei Drofsen wurde ein 69jähriger Invalide beim Betreten eines Hirsch­gatters, in dem er die Fütterung besorgte, von einem starken Hirsch angefallen und getötet.

hauptausschuhsihung des v. D. A. in Kassel.

Auf Einladung des Landesverbandes Hessen-Nasiau und Waldeck tritt am 27. und 28. Oktober der Hauptausschuß des Vereins für das Deutschtum im Ausland zu feiner Herbst- tagung zusammen. Zur Beratung steht die in letzter Zeit sehr bedrohlich werdende Kulturlage des Deutschtums in West polen, besonders die Tatsache der ständig anwachsenden Zayl deutscher Kinder, die keine deutsche Schule besuchen können. Oberbürgermeister Dr. L u k a s ch e k (Hindenburg in Oberschlesien) wird über ,^Obersch le sii e n dies­seits und jenseits der Grenzen" sprechen. Ferner ist ein Bericht über die kulturpolitischen Ver­hältnisse in Eu pen-Malmedy vorgesehen. In Kiel wird Pfingsten 1929 die große V. D. A.-Ta- gung stattfinden. Zur Einleitung der Kasseler Tagung wird eineVolksdeutsche Schau", genanntVogel Rock" von Jörg Volkner zur Aufführung gelangen. Es ist bei diesem Spiel der Versuch gemacht, mit den Mitteln der Revue die Aufmerksamkeit auf deutsches Volksschicksal zu lenken.

Eine Statistik des Grauens.

Eine Statistik des Mords und des Totschlags veröffentlicht soeben die Stattstische Korrespon­denz des Preußischen Landesamtes, die erschüt­ternde Zahlen in einfacher und trockener Form aufzeigt, hinter denen f ch aber wohl Tragödien und Menschenschicksale verbergen, von denen die Welt nichts weiter als eben die Zahlen kennt. 906 Personen büßten nach den statisttschen Er­mittelungen im Jahre 1926 durch Mord und Totschlag ihr Leben ein und fünf Personen wurden im gleichen Zeiträume hingerichtet. Auf 100 000 Einwohner berechnet, find die Fälle von Mord und Totschlag von 2,3 in den Jahren 1924/25 auf 2,4 D, H. im Jahre 1926 angetoach- s e n. Erschreckend ist die Tatsache, daß vor allen Dingen der Kindesmord beträchtlich zuge­nommen hat. Er belauft sich nämlich auf 33,8 v. H. der Gesamtzahlen. Diese Steigerung hat allev* dirrgs auf der anderen Seite eine Abnahme bed getöteten erwachsenen Personen zur Folge. Die Statistik ist genau und präzise. Sie zählt auch auf, auf welche Weise die Morde und Tot­schläge erfolgt sind. 20,2 v. H. der Getöteten fielen Schußwaffen zum Opfer, 19 9 v. H dem Messer und 14,8 v. H. wurden erschlagen. Der Kindrs* mord ist in den meisten Fällen durch Ertränken begangen worden. Schließlich sagt die Stattstik noch, an welchen Plätzen die Tötungen erfolgt sind und in welcher prozentualen Hohe. So ist Derlin die Stadt, die die meisten Mord- und Totschlagsaffären aufzuweisen hat, es steht mit 3,11 v. H am erster Stelle, dem Ostpreußen mit 2,89 v. H folgt und schließlich erst mit 2,63 die dichtbevölkerte Rheinprovinz. Die Zah­len der Statisttk sprechen für such, sie sind erschüt­ternd und unheimlich.

Oie Wetterlage.

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Lbettcrvo ^ussagc.

Ein neues kräftiges Tiefdruckgebiet naht von Westen heran. Unter seinen Einfluß wird unsere Witterung gelangen, so daß wir weiterbin mit trübem, regnerischem Wetter zu rechnen Haven. Die Temperaturen werden zunächst etwas anfteigen, später aber wieder zurückgehen.

Voraussage fürSamstag: Meist bedeckt, Temperaturen wenig verändert, weiterhin Nieder­schläge.

Witterungsaussichten für Sonntag: Noch immer unbeständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 25. Oktober: mittags 14,4 Grad Celsius, abends 12,1 Grad Celsius; am 26. Ott.: morgens 11,9 Grad Celsius. Maximum 14,4 Grad Celsius, Minimum 10,5 Grad Celsius. Erdtempe­raturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 25. Oktober: abends 11,6 Grad Celsius; am 26. Oktober: morgens 10,6 Grad Celsius. Niederschlag 13,5 Millimeter.