Oberheffen.
fl. Klein-Linden, 25. Ian. Dei der letzten Volkszählung am 16. Juni 1925 waren in unserer Gemeinde 1983 Personen ansässig. Heute ist die Einwohnerzahl bereits auf 2003 gestiegen. Dom 16. Juni 1925 bis heute wurden 174 Zuzüge und 189 Wegzüge, 80 Geburten und 45 Sterbesälle gezählt.
-j- Lollar, 25. Jan. Die im vergangenen Jahre erfolgte Teerung unserer Orts- durchfahrtsstrahe hat auch im Winter ihre angenehme Wirkung behalten. Der stark auftretende Schmutz wird in hohem Mähe von dem Oel gebunden, so daß die Hauptstraße immer ein verhältnismäßig sauberes Aussehen behält. Die sich nach beiden Richtungen anschließende Marburger und Gießener Straße ist im verflossenen Jahre mit Kleinpflaster bis zur Ortsdurchfahrt versehen worden.
§ Daubringen, 25. Ian. Der „Verein Kleinkinderfreund" hielt gestern abend in der Wirtschaft von Ludwig Weimer seine diesjährige Generalversammlung ab, die gut besucht war. Der Vorsitzende, Dekan Guß- mann, Kirchberg, erstattete den Jahresbericht und hob besonders die günstige Entwicklung des Vereins lobend hervor. 2m verflossenen Jahre ist die Mitgliederzahl von 134 auf 143 angewachsen. Wie alljährlich, so wurden im Jahre 1927 dem Verein von einer Anzahl Gönner recht ansehnliche Unterstützungen zuteil, die es ermöglichten, ohne Fehlbetrag den Detrieb der Kleinkinderschule vurchzusühren. So wurden dem Verein überwiesen: je 100 Mk. von dem Landesverband für Kleinkinderpflege in Darmstadt, von der Firma Scheidhauer & Giehing in Donn, der Gemeinde Daubringen und von der Reichseisen- bahndircktion Frankfurt a. M.. die diesmal die seitherige jährliche Zuwendung von 70 auf 100 Mark erhöht hat. Je 50 Mk. stifteten die Vu- derusschen Eisenwerke in Lollar und die Firma Rinn & Cloos in Heuchelheim. An Mitglieder- beitragen gingen 142,50 Mk. ein. so daß sich die Gesamteinnahmen des vergangenen Jahres auf 1055,76 Mk. belaufen, einschließlich des geringen Schulgeldes der Kinder. Die Gesamtausgaben beziffern sich auf 971 Ml., so daß ein Heberschuh von 84,76 Ml. verbleibt, der für das laufende Jahr gutgeschrieben wird. Der langjährige Rechner des „Kleinkinderfreund", Wilhelm Alb ach, der die Geschäfte des Vereins unentgeltlich versieht, erstattete die Dechnungsablage, die vorstehendes Dild ergab. Der Jahresbeitrag pro Mitglied verbleibt bei 1 Mk.
* Allendorf a. d. Lda., 25. Ian. Am Sonntag hielt die im März v. 2s. gegründete hiesige Sängervereinigung im vollbesetzten Saale von Bergen ihren ersten Konzert- und Theaterabend ab. Die vorgetragenen Chöre legten Zeugnis ab von dem Können des Dirigenten Karl Volk, Beuern, und dem guten Stimmaterial des Vereins.
<5 Allendorf a. d. Lda., 25. Jan. Bei der im hiesigen S t a d t w a l d e abgehaltenen diesjährigen er st en Brennholzversteigerung hielten sicb die Preise aus der vorjährigen Höhe. Es kosteten je zwei Raummeter Buchen - Scheitholz 25 bis 28 Mk., Eichen-Scheitholz 13 bis 14 Mk.. Duchen-Knüppelholz 17 bis 19 Mk., Eichen- Knüppelholz 9 bis 11 Mk., 5 Raummeter Buchen- Reisholz 15 bis 17 Mk., 5 Raummeter Eichen- Reisholz 5 bis 7 Mk.
z. Allendorf a. d. Lda., 25.2an. Gestern feierte der älteste Einwohner unserer Stadt, Heinrich Krieb, seinen 9 0. Geburtstag. Der alte Herr, der in feiner Jugend lange Zeit in England als Schreiner tätig war, erfreut sich noch bester Gesundheit.
: Beuern, 25. 2an. Die gestern im hiesigen Gemeindewald abgehaltene Brenn- holzversteigerung erbrachte folgende Durchschnittspreise: Buchenscheit 14 bis 14,50 Mark, Duchenknüppel 12 dis 13 Mk.. Buchenstöcke 6,50 bis 8 Mk., Buchenreisig 2 bis 3 Mk. je Raummeter. — Der hiesige Gesangverein „P o l y h h m n i a" veranstaltete am Sonntagabend im Saale der „Germania" sein gut besuchtes Winterfest. Der Vorsitzende Wilh. Hermann feierte in seiner Eröffnungsansprache den deutschen Männergesang und das deutsche Volkslied, zu deren Pflege er aufsorderte. Der Chor zeigte durch seine gesanglichen Darbietungen, daß er Hervorragendes zu leisten imstande ist. Der Dirigent Hch. S ch o m b e r und seine Sänger können mit Befriedigung auf diesen Erfolg zurückblicken. Weiter wurde das Volksschauspiel „Andreas Hofer" in trcfsl'cher Weise aufgeführt. Sämtliche Darbietungen fanden verdientermaßen reichen Beifall.
* Grünberg, 25. Ian. Das Landwirisch a f 1 s a m t Grünberg berichtet uns: Die Grünlandwirtschaft erfährt in unserem Bezirke großes Interesse. Das Amt wurde bei Umgestaltung einzelner Wirtschaft verschiedentlich in Anspruch genommen. Leider läßt sich die Weidewirtschaft, die eigentlich die besten Ersparnisse an Arbeitskräften und geldlichen Ausgaben bietet, nicht in dem Umfang bei den bäuer- li'chen Betrieben durchführen, wie dies vielfach gewünscht und beabsichtigt wird. Vor allem haben die Gemeinden ohne Feldbereinigung zu stark zersplitterten Besitz. Es lassen sich in den meisten Fällen keine größeren Flächen so zusammenlegen, Daß sie einen rentablen Weidebetrieb ermöglichen. Wenn sich in den bäuerlichen Betrieben zwei bis fünf Morgen zusammenlegen lassen, so genügt drese Fläche in der Regel höchstens als Iung- vmhweide iür den betreffenden Besitzer. Selbst diese Fläche wird in futterarmen Jahren schon zu knapp. Cs macht sich aber zweifellos der Drang auch in bäuerlichen Betrieben immer stärker gellend, Ackerland in Grünlandflächen umzuwandeln um an Betriebskosten zu sparen. Die ungünstige Crntewittcrung der letzten Jahre spielt dabei selbstverständlich eine große Rolle. Das Heber- wintern der Viehbestände wird in dem größten Teil unseres Bezirkes auf keine Schwie- rugkeiten stoßen, da genügend Heu und Grummet gemacht worden ist und der Ausfall der Futterrübenernte cm guter war. Die Zahl der Zuchtsauen wird infolge der schlechten Absatz- Möglichkeiten für Ferkel sichtbar eingeschränkt- auch die S ch w e i n c m a st wirst bei den niedrigen Preisen für fette Schweine nur eine geringe Deute ab. Die Schafhaltung ist in vielen Gemeinden stark gefährdet, da das Interesse sehr zurückgeht. Die Löhne für landwirtschaftliches Gesinde sind im Steigen begriffen. Erste Kräfte (Knechte) verlangen einen Barlohn von 500 bis 600 Mk. Das wäre etwa der doppelte Lohn wie in Vorkriegszeiten. Das zunehmende Interesse für die Grünlandwirtschaft findet darin seine Bc-
T gründung. Die Verwendung von Kunstdünger scheint in diesem Erntejahr auf das notwendigste Maß beschränkt zu werden, da die Landwirte infolge der schlechten Getreideernte über Bareinnahmen aus dem eigenen Halmfruchtdrusch kaum verfügen und der Zukauf von Saatgut für die Winterbestellung in vielen Wirtschaften notwendig war.
ch Grüningen, 25. 2an. Die Masern und die Mumps sind seit kurzem hier stark verbreitet. Don den Krankheiten sind meist die Kinder von 6 bis 12 Jahren befallen, so daß die zweite Schulklasse geschlossen werden mußte. Vereinzelt ist auch die Grippe aufgetreten, dagegen ist erfreulicherweise der K e u ch h u st e n im AbnHmen begriffen. Zum Glück haben alle Crkranrüngen bis jetzt einen gutartigen Verlauf genommen.
* Grüningen. 25. Jan. Durch einstimmigen Beschluß des Hausberg-Wettertal- Sängerbundes auf dem am vergangenen Sonntag in Hochweisel stattgehabten Dekegierten- tag wurde dem Adam Isheimschen Gesangverein E. V. Hierselbst das Wertungssingen übertragen. Dieses findet am 15. Juli anläßlich des 65 jährigen Bestehens des Adam Isheimschen Gesangvereins statt. Das Wertungssingen beginnt vormittags 9 Uhr in der Sing- und Turnhalle.
# Hungen, 25. 2an. Der Bezirk Hungen des hessischen Landjugendbundes hielt hier im „Darmstädter Hof' am Sonntagabend eine Reichsgründungsfeier ab, die guten Besuch aufwies. Die Iugendgruppe Äodheim führte das dreiaktige Dolksstück „Treu zur Heimatscholle" auf. dem noch ein Lustspiel folgte. Mehrere Reden, die Aufführung eines Melodramas und gemeinsame Lieder füllten das Programm des Abends aus.
44 Rabertshausen, 25. 2an. Mit der Reuverpachtung des zu unserer Gemarkuntz gehörenden Hofgutes Ringelhausen ist auch der vor gut Jahresfrist neu angelegte Steinbruch in andere Hände übergegangen. Gegen eine Abfindungssumme von 3000 Mk. trat der seitherige Pächter. Pflastermeister Heinrich Zimmer von Bisses, vom Vertrag zurück. Der Besitzer des Basaltvorkommens, der Fürst zu Solms-Braunfels, hat nun den Bruch an das Basaltwerk Gebrüder Treiser zu Gedern unter der Bedingung verpachtet, daß fünf Prozent der Einnahmen als Pacht an die fürstliche Rentkammer zu zahlen sind. Ein Mindestbetrag von 2000 Mk.. der sich im Verlaufe von zehn Jahren auf 4000 Mk. steigert, muh als Pachtcrlös garantiert werden. Dir neue Firma hat am 20. d. M. den Detrieb übernommen. Rach Durchführung der nötigen Abraumarbeiten und Vergröherung des Bruchfeldes soll die Belegschaft im Verlaufe des Frühjahrs auf 40 bis 50 Arbeiter, gegen seither 8 bis 10. erhöht werden. Dom Steinbruch bis zur Provinzialstrahe Rabertshausen—Rodheim soll neben einem befestigten Fahrwege ein Schienengleis mit Kippanlage errichtet werden. Etwa 200 Meter unterhalb dieses Steinbruches haben die Günterodschen Hartbasaltwerke ungefähr 15 Rormalmorgen Gelände erworbett. das in der Gemarkung Rodheim gelegen ist, um hier ein Basaltwerk zu errichten. Für den Morgen geringwertiges Land auf der Hochfläche des „Weihen Stücks" wurden 650 Mk., für Acker am Abhang 2000 Mk. bezahlt. Die Aufschliehungsarbeiten sollen in Kürze ausgenommen werden, so dah auch hier vorläufig 20 bis 30 Arbeiter Beschäftigung finden. Prvbe- schürfungen haben das Vorkommen von bestem Plattenbasalt ergeben, der sich besonders zur Verarbeitung von Pflastersteinen eignet, nach denen gegenwärtig besonders große Rachfrage herrscht, Sogenannte Sonnenbrandsteine findet man fast nicht.
s- Utphe, 25. Ian. Am Samstag hielt der Gesangverein „Lorelei" in der Gastwirtschaft Tag seine Jahreshauptversammlung ab. Der Vorsitzende Wilhelm Tag gedachte in feiner Ansprache eines verstorbenen Mitbegründers des Vere ns. Dem Rechner Hermann Sack wurde Entlastung erteilt. Man beschäftigte sich dann länger mit der am 11. Februar stattfindenden Abendunterhaltung mit Theater. 3m kommenden Sommer sollen das Bundesfest in Villingen und das Sängersest in Steinheim be» sucht werden. Da am gleichen Tage Bürgermeister Dietz seinen Geburtstag feierte, brachte ihm der Verein ein Ständchen an seinem Hause, woran sich ein gemütliches Beisammensein anschloß.
K.cis Friedberg.
Butzbach, 25. Ian. 2m Jahre 1928 werden hier folgende Märkte abgehalten: 16. Februar. Schweinemarkt: 8. März: Schweinemarkt: 22. März: Schweinemarkt: 5. April: Schweine- und Krammarkt (Ostermarkt): 19. Dpril: Pferde-, Schweine-, Kram- und Faselmarkt: 10. Mai: Schweinemarkt: 24. Mai: Schweine- und Krammarlt (Pfingsimarkt): 14. Juni: Schweinemarkt: 28. Juni: Schweinemarkt: 19. Juli: Schweinemarkt: 9. August: Schweinemarkt: 23. August: Schweinemarkt: 13. September: Schweinemarft: 27. September: Schweinemarkt: 11. Oktober. Schweinemarlt: 25. Oktober: Schweinemarkt: 19. Rovember: Krarnmarkt: 20. Rovernber: Kram- und Schweinemarkt (Katha- rinenmarft): 20. Dezember: Kram- und Schweinemarkt (Weihnachtsmarkt).
L Melbach, 25. Ian. Die hiesige Turn» gemeinde hielt dieser Tage ihre ordentliche Generalversammlung ab. Die Rechnungsablage des Rechners wurde gebilligt und die Entlastung ausgesprochen. Bei der Dorstandswabl wurde der seitherige Vorstand wiedergewählt, nur trat an die Stelle des bisherigen 2. Turn- Wartes der Turner Robert Günther. Es wurde beschlossen, in das Tätigkeitsgebiet des Vereins das Handballspiel mit aufzunehmen: die zur Erlangung eines Sportplatzes notwendigen Schritte sollen bei der Gemeindevertretung unternommen werden. Am Fastnachtssonntag soll ein Theaterabend stattfinden. — Die Ursache des kürzlichen Brandes in unserem Orte ist bis jetzt noch nicht festgestellt. Vom Amtsgericht Friedberg wurden hier eine Anzahl Zeugen vernommen, da der Verdacht besteht, daß Brandstiftung vorliegt.
WSR. Vilbel, 25. Jan. Eine Frau wollte ihre beiden Kinder von sechs und acht Jahren baden. Sie stellte die Wanne mit bechern Wasser in die Stube. Als sie die Stube einen Augenblick verlassen hatte, fielen die beiden Kinder beim Spielen in das heiße Hasser und zogen sich ent etzliche Brandwun- An Su. Der herbeigerufene Arzt überführte die Kinder sofort in das Krankenhaus. Bei dem einen Kind besteht Lebensgefahr.
Kreis Büdingen.
"# DorSdorf, 25. Jan. Dei der hier abgehaltenen Brennholzversteigerung aus dem staatlichen Harbwald der Försterei Glaud- zahl wurden geringere Preise wie im Vorjahre erzielt. Buchen-Scheitholz kostete 12 bis 15 Mk., Buchen-Knüppel 8 bis 9 Mk., Duchen-Stöcke 5 bis 8 Mk.. Buchen-Reisig 80 Pf. bis 1.50 Mk., Eichen-Scheitholz 8 bis 11 Mk., Eichen Knüppel 5 bis 7 Mk., Eichen-Stöcke 4 bis 5 Mk., Eichen- Reisig 50 bis 70 Pf. Reben Kausliebhabem aus den Rachbardörfern waren viele Käufer aus der holzarmen Wetterau erschienen, um. wie von jeher üblich, im Harbwald ihren Holzbedarf zu decken.
gr. Gettenau. 24. Jan. Ein hier bediensteter Knecht aus Schweighausen hat gestern abend 10 Uhr auf der Straße gegen einige Personen Revolverschüsse abgegeben, ohne zum Glücke jemand zu treffen, und sich dann mit einem Schuß am Kopfe verletzt, so daß er ins Krankenhaus gebracht werden mutzte. Die Br- weggründe zu der Tat sind noch unbekannt.
* Ober-Mockstadt, 25. Ian. Hier soll, wie von der Dertreterversammlung in Büdingen beschlossen wurde, am 5. August das diesjährige Kirchengesangvereinsfest des Verbandes der Evangelischen Kirchengesangvereine im südöstlichen Oberhessen stattfinden. Zwei Verbandsvereine können in diesem Jahr auf ein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken, nämlich Wenings und Ober-Mockstadt.
Kreis Schotten.
□ Laubach. 25. Ian. Die gestrige Sitzung des Gemcinderats war die erste, die in dem geschmackvoll neuhergerichteten Rathaussaal abgehalten wurde. An der Ostwand hängt ein Oelgemälde Eimers, das Laubach von Süden darstellt. Eine andere Wand (die westliche) ist vom heimischen Kunstmaler Barnas stilgerecht mit dem Laubacher Stadtwappen (der Solmser Löwe in einer Variante der Färbung, mit einem Engel als Schildhalter) geschmückt worden. Zwei alte Fahnen flankieren das Wappen. Der Saal war zu Ehren des Tags festlich geschmückt. Bürgermeister Böhm hielt eine warme Ansprache über die Bedeutung der ersten Sitzung im neuhergerichteten Saal. Sodann wurden verschiedene Eingaben von Bewohnern um Unterstützung erledigt. Ueber den Plan der Firma Röm Held auf der F r i e d r i ch s h ü t t e bei Ruppertsburg (Eisengießerei), am hiesigen Bahnhof eine Fabrik zu errichten, ist man noch nicht schlüssig geworden. Die Erbauung der Förster- wohnung am Fuße des Ramsberges, oberhalb des „alten Gombach-Weges", gegenüber der gräflichen Schäferei, ist dagegen beschlossene Sache. Der Staat baut, die Gemeinde aber stellt den Bauplatz und übernimmt 50 Prozent der Baukosten. — Aus der gestrigen Holzversteigerung aus den gräflichen Waldungen kam der Raummeter Duchenscheiter auf gegen 12 Mk., Buchen- prügel auf 8 bis 9 Mk., Buchenstöcke etwa 7 bis 8 Mk.
)—( Ruppertsburg, 25. Ian. Als in den Jahren 1870 bis 1880 der Hochofenbetrieb auf der nahen Friedrichshütte eingestellt und der Schmelzbetrieb entsprechend verkleinert wurde, hatte dies für die Arbeiterschaft der Umgegend keine nachteiligen Folgen, denn im Jahre 1870 gründete der 1865 entstandene Verein für chemische Industrie QI.»®., Sih Mainz, unter seinen damaligen Direktoren Heinrich und Hermann D i e tz e zu Friedrichshütte eine Holzverkohlungsanlage, die sich rasch entwickelte. Fast 60 Jahre lang hat dieser Betrieb vielen Einwohnern von Ruppertsburg und den umliegenden Orten lohnenden Verdienst gewährt. Im August vorigen Jahres wurde nun die Verkohlung eingestellt. Von über 100 Arbeitern blieb nur noch ein kleiner Teil in der Fabrik, zumeist mit Aufräumungsarbeiten und der Herstellung von Preßkohlen aus dem Holz- kohlenstaub beschäftigt. Zuletzt waren es etwa noch 15 Arbeiter. Run soll Ende dieses Monats, sicherem Vernehmen nach, die Fabrik bis auf weiteres gänzlich geschlossen werden. Der Holzplatz, auf dem früher stets ungefähr 30 000 Raummeter Buchenholz vorrätig lagen, ist vollständig geräumt und gesäubert. Der Leiter des Betriebs. Dr. H e r r I e. und sein Laborant Gg. Diehl von hier, wurden im verflossenen Herbst an eine gleichartige Fabrik nach Züschen im Kreis Frankenberg versetzt. Der erste Buchhalter Daniel Stenger wurde Verwalter der Fabrik Laufach im Spessart. Run erhielt auch der andere Buchhalter. Otto Stein, eine Abberufung an die Chemische Fabrik Oeventroop im Regierungsbezirk ArnSberg. Die Verwaltung der Gebäude und Betriebsanlagen wurde dem langjährigen Werkmeister Gg. Port II. übertragen. dem noch einige Arbeiter zur Wache und für nötig werdende Arbeiten belassen werden. Die meisten früher entlaßenen Leute haben vorerst Arbeit gefunden, mehrere zur Zeit im Walde, andere bei der Errichtung der neuen Braunkohlenwerke in Trais-Horloff. Letztere haben täglich einen weiten Weg zur Arbeitsstätte zurückzulegen. Heber die Gründe der Stillegung der chemischen Fabrik Friedrichs- butte verlautet nur, daß der Betrieb infolge der hohen Holzpreise der letzten Jahre nicht mehr rentabel gewesen sei. Ob sie oder ein ähnlicher Fabrikationsbetrieb jemals wieder eröffnet werden wird, ist nicht bekannt. Jedenfalls wäre es dringend zu wünschen.
= Ober. Seibertenrod, 25. Ian. Hier und in dem benachbarten Hnter-Seiber- tenrod sanden in den letzten Tagen Versammlungen statt, die sich mit den Bahnbauprojekten im Vogelsberg beschäftigten. In beiden Versammlungen wurde dargelegt, daß ein Projekt Schotten—AlSfeld auf außerordentlich große Geländeschwierigkeiten stoße und außerdem auch nicht allzu viele Gemeinden von einer solchen Strecke Vorteil hätten. Dagegen sei das Projekt Mücke—Oler-Ohmen—Ulrichstein—Ri > eld, also die sog. Ohmtalbahn viel leichter zu verwirklichen und biete auch größere wirtschaftliche Chancen. In beiden Versammlungen wurden demgemäß Beschlüsse zu Bunten des Ohmtalbahn-Projektes gefaßt.
I Ober-Lais, 25. Ian. Die H o l z h a u e r- arbeiten sind hier fast völlig beendet. Einzig im Distrikt Lindenbusch der hiesigen Försterei hat eine Holzhauerrotte noch für kurze Zeit Beschäftigung. Im laufenden Wirtschaftsjahre ind die Holzfällungen gerade in unserer För- terei ganz geringfügig. Die meisten bieigen Holzhauer waren deshalb im Distrikt „Fauerbacher Hecke" der Försterei Michelnau be
schäftigt, wo eine größere Waldfläche als S l e d- lungsland abgeholzt wurde. Auch im Fauer- bach-Ober-Laiser Gemeindewald ist die Holzhauerei schon zum Abschluß gekommen. Es wurde so wenig Holz gefällt, daß die bisher alljährlich durchgeführte Losholzabgabe an die Ortsbürger in diesem Jahre wahrscheinlich unterbleiben muß. Wenn auch die auf ein Los entfallende Holzmenge hier meist geringer war als in den aus den Staatswaldungen mit Losholz versorgten Gemeinden, so entschädigte dafür den etwas geringere Preis des Holzes. Diesmal sind die Gemeinden, denen Losholz aus der Staats- waldungen verabfolgt wird, insofern besonders im Vorteil, als sie wenigstens Holz erhalten. Die Einwohner von Fauerbach und O b e r - Lais dagegen sind gezwungen, ihr Holz auf den Qkrfteigerungen zu erwerben. Dort wird es infolge der geringen Fällungen und des stets großen Andranges sehr teuer werden. Der Fauerbach-Ober-Laiser Gemeinde- w a l d ist der noch recht umfangreiche Rest eines aus der Zeit der germanischen Besiedlung unserer Gegend stammenden Markwaldes. 3n den letzten 3ahren hat er gröbere Flächen durch Abholzung und Urbarmachung an das Feld verloren. Dadurch und durch frühere verstärkte Fällungen (Kriegszeit) erklärt sich die diesjährige geringe Holzernte.
Kreis Alsfeld.
** Alsfeld, 25. Jan. Die Landes ° Abteilung Hessen der Reichszentrale für Heimat- dienst veranstaltete dieser Tage eine staatsbürgerliche Bildungstagung für den Kreis und die Stadt Alsfeld, die im großen Saale des „Deutschen Hauses" stattsand. Den ersten Vortrag hielt Privatdozent Dr. K. Rheindorf (Frankfurt a. M.): „Sicherheit und Gleichgewicht in Politik und Geschichte". Der Referent gab einen geschichtlichen lieberblick über die Entwicklung der Begriffe „Sicherheit" und „Gleichgewicht im Staatsleben" und wies nach, daß das Prinzip der nationalen Sicherheit zuerst von Frank- reich aufgestellt, während das Prinzip des Gleichgewichts von der englischen Politik ausgeganaen sei. Interessant waren die Vergleiche zwischen der heiligen Allianz des Jahres 1815 und dem Völkerbund, den er auf Grund seiner Entstehung als einen Interessenverband der Siegerstaaten bezeichnete, der sich noch nicht von diesem Geiste freigemacht habe. Alsdann folgte ein Vortrag von Dr. Alexander Meier (Frankfurt a.M.) ' über das Thema: „Deutschland, Europa und die Weltwirtschaft". Die- ser rednerisch und inhaltlich hervorragende Vortrag bildete den Höhepunkt der Tagung. Der Redner verstand es in ausgezeichneter Weise, die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen der Weltwirtschaft, Europa und Deutschland klarzulegen, wobei er insbesondere auf die Notwendigkeit Hinweis, daß ganz Europa als eine Schicksalsgemeinschaft sich zu einer Wirtschaftsgemeinschaft verständigen müsse. Don besonderem Interesse waren die Ausführungen des Redners über die Entwicklung der wirtschaftlichen Llerhältnisse in Deutschland von 1924 bis 1927, wobei er sich eingehend mit der Finanzpolitik des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der manchen Fehler begangen habe, befaßte. Als größten Nach- teil der Schachtschen Finanzpolitik bezeichnete der Redner die dadurch heraufbeschworene Reparalions- debatte. Deutschland könne nur wieder vorwärts- komrnen durch eine Rationalisierung unserer öffentlichen Wirtschaft und Vereinfachung des viel zu umständlichen Verwaltungsapparates im deutschen Reiche. Das Endziel müsse [ein, ein Land, ein Staat, ein Volk. Dieser Vortrag sand sehr lebhaften Bei- fall. Alsdann folgte ein Vortrag von Oberstudien, direktor Dr. R. O e h l e r t (Frankfurt a.Tl.) „Wege Sur Volksgemeinschaft". Der Redner bezeichnete als Hauptursachen der bestchenden Trennung im deutschen Volke die verschiedene wirtschaftliche Gliede- rung unseres Volkes, die große Verschiedenheit der Stammeseigenschaften und das Fehlen einer ein- heillichen, außenpolitischen Zielsetzung. Es müsse das Ziel aller Volksbildung fein, durch Auftläriwgs- orbeit, durch guten Willen und durch Erziehung zu intellektueller Redlichkeit die vorhandenen Klaßen-, Weltanschauungs- und parteipolitische Gegensätze zu Überwinden, wobei allerdings mit Zwang nichts auszurichten fei. Die Macht des deutschen Volkes beruhe auf einer wirklichen Volksgemeinschaft, bei der die gegenseitige.Achtung vor einander eine Vorbedingung sei. Auch dieser Vortrag fand lebhaften Beifall. Am Schlüsse der Tagung sprach Kreis- direktor Dr. Stammler den Dank der 23er- sammlung aus mit dem Wunsrl-e, die Tagung im nächsten Jahre wieder in Alsfeld begrüßen zu können. Die Tagung war recht gut besucht.
= Ober-Ohmen, 25. 3an. Die hiesige Basalt-Industrie hat in der jüngsten Zeit ihre Arbeit in vollem Umfange wieder ausgenommen. Eire ganze Anzahl Arbeiter finden dadurch erneut lohnenden Verdienst. Das Unternehmen soll, wie man hört, noch erweitert werden.
Kreis Lauterbach.
WSR. Schlitz, 25. Jan. Ein älterer Mann namens Ochs war am zweiten Weihnachtsfeiertag von der Rachtpolizei aufgefunden und dem Hospital zugeführt worden. Der Mann hatte sich aus dem Spital entfernt und war einen Tag später auf der Lauterbacher Straße gesehen worden. Seit dieser Zeit ist er verschwunden, und man konnte bislang noch keine Spur von ihm finden.
Sängeriagung in Gedern.
V Gedern, 25. Jan. Am Sonntag fand im Stiebelingschen Saale hierselbst die Delegiertenversammlung der „Vogelsberger Sängervereinigung" statt, zu der 16Vereine Vertreter entsandt hatten. Die Tagung erhielt ein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Geschäftsführers des Hessischen Sängerbundes, Herrn Roth aus Darmstadt. Rach der Eröffnung und Begrüßung durch den Bundespräsidenten, Lehrer Strößinger (Ober-Lais), erstattete der Schriftführer, Lehrer Iudersleben (Glashütten), den Jahresbericht, der von einer eifrigen Tätigkeit des Bundes Zeugnis ablegte. Der Rechner, Hofmann (Gedern), legte die Rechnungsablage vor, die mit einem Ueberschuß von 531,15 Mk. ab» chloß. Das Bundesfest für 1928 übernimmt der Gesangverein „Sänger tust" (Glashütten), der damit die Weihe einer Fahne verbindet. Der voraussichtliche Termin ist der 3. Juni 1928. Den Posten des nach Frankfurt verzogenen Dundesdirigenten versieht bis zu der im nächsten Jahre statt- indenden Neuwahl der stellvertretende Dundes- birigent Greul (Ober-Lais). Rach Erledigung des Geschäftlichen ergriff Geschäftsführer Roth aus Darmstadt das Wort. In längeren Ausführungen legte er die Vorteile dar, die dem


