Ausgabe 
25.10.1928
 
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Parker Gilbert wieder in Serkin.

Küßlnngnatzme mit der Reichsregierung

Berlin, 24. Oktober. (TU.) Der Reparations- agent Parker Gilbert ist heute früh von Brüssel kommend, wieder in Berlin eingetrof- f e n. Mit der Rückkehr Gilberts dürfte die letzte Phase vor dem Beginn der Sachverständigen­beratungen eröffnet sein. Wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Tages, spätestens aber morgen wird sich Parker Gilbert mit den in Frage kom­menden Behörden des Reiches in Verbin­dung sehen und über das Ergebnis seiner Lon­doner, Pariser und Brüsseler Besprechungen Mit­teilung machen. Die deutsche Regierung wird dann prüfen, ob sich ihre Wünsche hinsichtlich der Zu­sammensetzung der Sachverständigenkommis­sion bzw. des Tagungsortes mit den in den alliierten Hauptstädten geäußerten Vorschlägen in Einklang bringen lassen. Während man in L o n - don voraussichtlich einer mehr nach wirt­schaftlichen Gesichtspunkten zusammengestellten Kommission das Wort geredet haben dürfte, wird, falls die aus Paris vorliegenden Meldungen zu- treffen sollten, die französische Regierung die Delegierung auch von beamteten Persönlichkei­ten bei Parker Gilbert in Vorschlag gebracht haben.

Was den Derhandlungsort angeht, so durste es im Interesse aller beteiligten liegen, wenn ein Ort gewählt würde, der in technischer Hinsicht am gün­stigsten liegt, der es für die verschiedenen Sachver- ständigen unnötig machen würde, ständig Reisen zum Zwecke von Rückfragen zu unternehmen. In der Vergangenheit ist es leider vielfach so gewesen, daß die Verhandlungen unter dem obengenannten Vorwand eine mitunter recht unliebsame Störung, meistens in kritischen Augenblicken erlitten. Aus die- em Grunde würde es trotz entgegenstehender an­derer Bedenken vielleicht nicht unerwünscht sein, wenn die französische Hauptstadt zum Tagungsort gewählt würde, da sich sowohl die Re- parationskommission als auch der Rest der Kriegs­lastenkommission und das deutsche Sachlieferungs- bureau sich noch in Paris befinden. Es ist jedoch Sache der Reichsregierung, zu prüfen, ob die die- sein Vorschläge entgegenstehenden Bedenken nicht dennoch schwerwiegender sind als die genannten Vorteile.

Oieunsichtbare" Besatzung.

Die verbotene Nationalhymne.

Berlin, 25. Dtt. (Eigene Drahtmeldung.) Soll man es wirklich glauben, daß in diesen Tagen noch in Wiesbaden der J laber eines 3teftau = r a n t s vom englischen Militärgericht zu 120 Mark Geldstrafe oder v i e r z e h n T a g e n G e f a n g n r s verurteilt worden ist, weil bei ihm das Deutsch­landlied gesungen wurde, daß das gleiche Militärgericht in einem anderen Falle einen Wirt zu einer Mark Geldstrafe wegen des gleichenVer­brechens" verurteilt hat, und ihn nur so milde weg- kommen liefe, well er gegen die Fortsetzung dieser Rationalorgie", als er sie hörte, sofort emgeschritten ist? Gerade die Engländer, die doch ein national bewußtes Volk sind, sollten diesem Un­fug ein Ende machen. Man denke: der Zeppc- [in fliegt über das besetzte Gebiet und wird von einem Flugzeug auf dieser Strecke bewacht, er kommt nach Rcuiiork, die Meldung von diesem Erfolg gelangt nach Wiesbaden, und die stürmische Begeiste­rung findet ihren Ausdruck in dem Singen des Deutschlandliedes, wofür dann der Wirt ins Ge­fängnis wandern muß. Das ist etwas so Ungeheuer­liches, dofe die deutsche Regierung allen Anlaß hätte, diesen Fall als ein Schulbeispiel in der ganzen Welt zu plakatieren. Vor und in Locarno war uns ver­sprochen worden, daß die Besatzung unsichtbar gemacht werden würde, statt dessen erleben wir d a s Gegenteil, statt dessen erleben wir, daß vier Jahre nach den Locarnoverträgen ein Deutscher unter den Augen der Engländer nicht einmal das Deutsch­landlied singen darf!

Wiesbaden wehrt sich.

Worms als Sitz her Nhcinlandkommission in Aussicht genommen?

Wiesbaden, 24. Okt. (Lpd.) Wie eine Wies­badener Zeitung mit teilt, gibt es in Wiesbaden keine verfügbaren Räume, um den aus 350 Personen einschließlich Qlnfcmg bestehenden Apparat der R he i n l a n d k o in rn i s s i o n unterzubringen und die nötigen Privatwohnun- gen zu beschaffen. Eine Frankfurter Zeitungs- Meldung, wonach das ehemalige königliche Schloß in Aussicht genommen ist, sei falsch. Das Schloß ist wohl besichtigt worben, die Räum­lichkeiten für Bureauzwecke reichen aber bei weitem nicht aus. Desgleichen ist das Groß- herzoglich luxemburgische Schloß in Biebrich in Erwägung gezogenword:n. da es vor allem in seinem sogenannten Winterbau im Westflügel größere Räumlichkeiten aufzuweisen hat. Das Schloß ist bekanntlich so gut wie leer, ist aber Privateigentum der Krone Luxemburg und müßte gegebenen­falls von ihr abvermietet werden. Aber auch im Stadtteil Biebrich würde es an Privalwohnungen mangeln. Wie verlautet, soll jetzt Worms ernstlich in Frage kommen. Seitens der Stadt Wiesbaden wird, insbesondere auch in Berlin, alles unternommen, um eine Richtverlegung der Kommission nach Wiesbaden $u erreichen. In Koblenz sind zur Zeit 153 Famllienwohnun- gen und 20 Einzelwohnungen der Rh:inlandkom- rnisiion zur Verfügung gestellt. Die Wiesbadener Arbtttsgcmcinschaft zur Förderung des Kur- und Fremdenverkehrs, der 28 Organisationen mit rund 10 000 Mitgliedern angehören, faßte am Diens­tagabend eine Entschließung gegen die Verlegung der Kommission nach Wiesbaden, die dem Reichs­minister für die besetzten Gebiete zugeleitet wer­den soll.

Oie Autonomisten im Kotmarer Generalrat.

Stürmische Zwischenfälle.

Kolmar, 25. Okt. (SIL) In der Eröffnungs­sitzung des Generalrates des Departements Oberrhein kam es zu stürmischen Zwischen­fällen Die Polizei verwehrte den beiden auto- nvmistischen Generalräten R o s s 6 und Ricklin, die In Begleitung verschiedener Freunde erschienen waren, den Eintritt in den Sitzungssaal. Au ihren Einspruch hin wurde ihnen dann gestattet, im Zuschauerraum Platz zu nehmen Als von einem Generalrat die Aufhebung der Sitzung verlangt wurde, entstand eine heftige Ausein­andersetzung, an der sich die Abgeordneten Brogly

Kommt die Große Koalition im Reich?

Besprechungen zwischen Zentrum und Sozialdemokraten. Und was wird in Preußen?

Berlin, 24.Oktober.

heute vormittag fanden, demB. I. zufolge, im Reichstag Besprechungen zwischen Vertretern der Zenlrumsfraklion und der sozialdemokratischen Jtaf- tion über die Koalition im Reiche statt. An diesen Besprechungen nahmen von Zentrumsseite die Abg. Stegerwald und Esser, von sozial, demokratischer Seite die Abg. Dittmaun, Br. Breitscheid und Herz teil. Die Zentrumsoertreter machten die bekannten wünsche nach Sicherung einer dauerhaften Koalition geltend. Sie wiesen daraus hin, daß über eine Reihe wich­tiger Punkte Klarheit geschaffen werden müßte, damtt die Koalition nicht bei der ersten kritischen politischen Frage gefährdet werde. Von beiden Sei­ten wurde die grundsätzliche Bereit­schaft zur Großen Koalition ausgesprochen. Die Verhandlungen in Preußen werden, so schreibt das Blatt, wahrscheinlich er ff fortgeführt werden, wenn im Reiche eine Einigung erzielt ist.

3n parlamentarischen Kreisen wird zu dieser Mel- düng desB. I. darauf hingewiesen, daß es sich nut um eine erste Fühlungnahme gehan- dell hat, die von den Beteiligten im übrigen oec- abredungsgemäß vertraulich behandelt werden sollte.

3n Zentrumskreisen ist man selbstverständlich dem Gedanken der Großen Koalition an sich nicht abge­neigt, wünscht aber die Klärung bestimmter Fragen Panzerkreuzer und Steuerfragen) zu­nächst herbeigeführt zu sehen, da vor einer endgül­tigen Bereinigung dieser Fragen mit einer Dauer der Großen Koalition nicht zu rechnen ist.

Mit diesen Verhandlungen haben also die Ver- suche, dem Kabinett Müller eine festere Basis zu geben, wieder eingesetzt. Mit dem bisherigen Er­gebnis kann aber der Kanzler vorläufig noch nicht viel anfangen, weil der festere Zusammenschluß der Regierungsparteien im Reich nach wie vor von der Entwicklung der Lage in Preußen, also von der Haltung der preußischen Sozialdemo­kratie abhängt. Daß die Deutsche Volkspartei sich nicht scheuen wird, dem Kabinett Müller jede wei­tere Unterstützung zu versagen, wenn man ihr nach wie vor den Eintritt in die Preußenkoalition ver- wehrt, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch aus der eben von dem Vorsitzenden der volksparteilichen Reichstaasfraktion, dem Abgeordneten Scholz, in Tilsit gehaltenen Rede geht klar und deutlich hervor, daß die Deutsche Volkspartei sich nicht noch länger mit leeren Versprechungen abspeisen lassen wird. Die Ausführungen des Abg. Scholz sind übrigens insofern recht bemerkenswert, als sie erkennen (af­fen, daß alle Verstimmungen, die wegen des be- kannten Telegramms Stresemanns aus Büh- lershöhe zwischen ihm und dem Außenminister entstanden waren, offenbar aus der Well geschafft sind. Weiter hat es Scholz aber auch geschickt Der- standen, unter Hinweis auf das Konkordat die Berührungspunkte zwischen Volkspartei, Demokra­ten und Sozialdemokraten herauszuarbellen und damit die Notwendigkeit einer Hereinnahme der Volkspartei in die Preußenkoa­lition aufzuzeigen. Wir wissen nicht, welchen Eindruck die Hilfsstellung, die hier der Führer der Reichstagsfraktion der Deutschen Vollspartei den preußischen Dolksparteilern gewährt, auf den Mi­nisterpräsidenten Braun machen wird, der bisher von einer Heranziehung der Volkspartei zu den Regierungsgeschäften in Preußen nicht allzuviel wissen wollte. So viel wird er sich aber wohl jetzt endlich sagen müssen, daß er seinen Parteifreund Hermann Müller im Reich in die denkbar schwie­rigste Lage hineinmanövriert, wenn er sich weiter gegen die Große Koalition in Preußen sträubt.

uni) Abbe Haegh beteiligten, die die Zulas- ung Rossss und Ricklins verlangten.

Der Vorsitzende teilte mit, daß Rosso und Rick- lin auf Anordnung des Imienministers nicht das Recht hätten, sich an den Sitzungen des General­rates zu beteiligen. Darauf rief Rosso in den Saal, das Vorgehen des Innenministers fei ein Anschlag auf die Freiheit des el- äffischen Volkes. Dieser ZwischenrufRossss entfesselte wilde Lärmszenen, so daß sich der Vor- fihende veranlaßt sah, die Sitzung zu schließen. In einer neuen Sitzung wurde dann beschlossen, die beiden autonomistischen Abgeordneten ohne Rede- und Stimmrecht an den Generalratssitzun- gen teilnehmen zu lassen, bis in Paris über die Gültigkeit ihrer Wahl entschieden sei.

polnische Schikanen in Pommerellen.

Danzig, 24. Oft. (WB.) Dieser Tage ist die Leiterin des bekannten Töchterheims Scherpingen (Pommerellen), Fräulein Eva Förster, eine Danziger Staatsangehörige, wegen angeblicher staatsfeindlicher Gesinnung aus Po­len ausgewiesen worden, nachdem das Heim selbst vor vier Wochen von der Behörde geschloffen worden ist. In der Angelegen­heit ist der Senat bei der polnischen diplomati­schen Vertretung in Danzig vorstellig gewor­den und hat die erforderlichen Schritte einge­leitet. Wie verlautet, ist bereits im Juli d. I. vom Schulluratorium in Posen die Auflösung des Töchterhei-ms gefordert worden.

Für Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Oberleutnant Schulz.

Berlin, 25.Oft. (Priv.-Del.) Ein schon län­ger angekündigter Antrag des Rechtsanwaltes Dr. Luetgebrune, Göttingen, zur Wiederauf­nahme des Verfahrens, in dem der Oberleutnant außer Dienst Paul Schulz zum Tode verurteilt wurde, liegt nunmehr mit ausführlicher Begrün­dung im Wortlaut vor. Der Antrag stützt sich auf 30 einzelne Punkte. Für diese 30 Punkte wer­den 61 Beweise angeboten. Rach den erbrachten Tatsachen und Beweismitteln sei die Tat der sogenanntenFeme"-Schuldigen an sich schon durch Rotwehr gerechtfertigt ober, wie der Antrag sagt, doch wenigstens durch gut­gläubige Annahme der Rotwehr ent­schuldigt. Dementsprechend stellt Rechts­anwalt Dr. Luetgebrune die Anträge: Die Wie­deraufnahme des Verfahrens für zu­lässig zu erklären und die Erhebung bet an­geb otenen Beweise anzuorbnen: bes fer­neren die Erneuerung der Hauptver­handlung zu beschließen und schließlich die Strafvollstreckung gegen den Oberleutnant a. D. Schulz sofort zu unterbrechen.

Tagung des Deutschen Beamtenbundes

Berlin, 24. Oft. (VDZ.) In dem reich ge­schmückten Festsaal bei Kroll nahm der 6. Bun­destag des Beamtenbundes, wie bet Vorsitzenbe Flügel betonte, der größten Deamtenorgani- fation der Welt, in Anwesenheit von 500 Dele­gierten und 1000 Gästen seinen Anfang. Der erste Tag dient im wesentlichen der Beratung interner Fragen. Der Verhandlungsleiter, Regie- rungsrat Dietrich, Kassel, erflärte, die Tagung solle die Abgrenzung gewerkschaft­licher und wir tsch af tspr aktisch e r Aufgaben, die Reform der Bundesverfassung, aber auch die Erörterung der Stellung der Beamten im Volks st aal bringen. Dann erstattete der Dundesvorsitzende Flügel den Tätigkeitsbericht der Bundesleitung, wobei er be­tonte, da das Deutsche Reich ein Berufsbeamten- tum auf öffentlich-rechllicher Grundlage besitze, fei in Deutschland Beamtenpolitik nur im Rah­men der Staatspolitik insgesamt zu betreiben. Die innenpolitische Atmosphäre sei nicht un- wefentlich entgiftet. Allerdings sei der Weg zum Einheitsstaat noch lang und dornenvoll. Die Besoldungsreform habe neue Unzufrie­denheit geschaffen. Der Deutsche Beamtenbund werde auf Abhilfe hinarbeiten. Von den Be- amtenabgeorbneten müsse erwartet werden, daß I sie die Beschlüsse des DBB. beachten und sie in ihren Fraktionen durchsetzen. Besonders ein­gehend setzte sich der Redner mit den Angriffen

Stegerwalds, Hellpachs und des Ienaer Privat­dozenten Dr. Köttgen gegen das Berus sbeamten- tum auseinander. Eine Verwaitungsresorm, die nur auf eine Dezimierung der Zahl der Beamten hinauslaufe, lehne der DDB. entsch'.eden ab. Er verlange ein einheitliches Beamten* recht auf freiheitlicher und sozialer Grundlage noch in dieser Legislaturperiode. Zwischen De- amtenbund und Beamtenwirtschaftsbund werde eine reinliche Scheidung eintreten. Der Anschluß an den Gesamtverbcmd Deutscher Deamtengewerk- chaften bedeute keinen Kurswechsel. C i n i - ;ungsverhandlungen mit dem ADD. eien gescheitert, weil dieser einseitig an die freien Gewerkschaften gebunden sei. Deshalb könne man aber den DDB. nicht als Gegner der freien Gewerkschaften bezeichnen. Besprechun­gen mit dem Reichsbu nd der höheren Beamten foltert fortgesetzt werden. Mit dem Gewerkschaftsring fei ein Uebereinkvm- men obgefchlossen.

In der Aussprache betonte Potzel (Reichs- finanzVerwaltung) die Unzufriedenheit der mitt­leren und unteren Beamten mit der Desoldungs- neuorbnung. Er verlangte bald ein Beamten­vertretungsgesetz. Garbe vom Reichsverband der KommunaDea inten schllderte deren Kampf um die Anpassung ihrer Verhältnisse an die der Reichs- und Staatsbeamten. Kolmsee vom Zentralverband der Beamten der unteren Lauf­bahn erklärte, daß die Besoldungsreform von 1927 den unteren Beamten teilweise sogar Rück­schritte gebracht habe. Die Diskussion war erst in den späten Abendstunden abgeschlossen. In feinem Schlußwort stellte der Dundesvorsitzende Flügel fest, daß nach dem Ergebnis der Aus­sprache sich der Deutsche Deanttenbund in seinen wesentlichen Aufgaben unb Zielen einig fei und somit eine festgefügte Organisation darstelle. Die 'Beratungen werden morgen fortgesetzt.

Oie Wiederaufnahme der Arbeit in der westdeutschen Textilindustrie.

M.- Gladbach, 24. Oft. (WTD.) Die Wie­deraufnahme der Arbeit in der M.-Glad - bacher und Dürener Textilindustrie auf Grund der gestern für verbindlich erklärten Schiedssprüche wird voraussichtlich am Montag erfolgen, lieber den genauen Zeitpunkt und über noch zu treffende Cinzelbesttmmungen wird noch verhandelt. Da hiermit der Arbeits­friede in der Textilindustrie wiederhergestellt' ist, werden die von den Arbeitgeberverbänden beschlossenen Gesamtkündigungen der Textllarbeiter von Rheinland und Westfalen nicht durchgeführt. Die zum 27. Oktober ausgesprochenen Kündigungen werden in den nächsten Tagen zurückgenommen werden.

Aus aller Wett.

Raubmörder Johann Heidger gefangen.

Köln, 25. Oktober. (WTB. Funkspruch.) Der Raubmörder 3ohann Heidger wurde heute vormit­tag in demselben Häuserblock, in dem er dieser Tage verschwunden war, und zwar in dem Oppenheimschen Hause, entdeckt. Die mit Karabinern, Handgranaten usw. ausgerüstete Poli­zei nahm eine förmliche Belagerung des Hauses vor und nach einem längeren Feuergefecht wurde Heidger durch eine Handgranate zwar nicht, wie anfänglich angenommen wurde, getötet, jedoch lebensgefährlich verletzt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Bei dem Kampf mit dem Verbrecher wurde auch ein Polizeibeamter lebensgefährlich verletzt.

Ueberfall im Reichsentschädigungsamt Breslau.

Im Zimmer des Letters der Zweigstelle Bredtau des Reichsentschädigungs­amtes für Kriegsschäden erschim unangemeldet ein Mann, der, ohne ein Wort zu sagen, eine elektrische Tischlampe ergriff und sie gegen den stellvertretenden Leiter des Amtes warf. Rur dem Eingreifen eines an­keren Beamten war es zu verdanken, daß die schwere Lanwe ihr Ziel verfehlte. Der Aufforde­rung, das Zimmer zu verlassen, kam der An­greifer nicht nach, sondern ergriff das schwere Marmortintenfaß und schleuderte es zu Boden. Erst dem herbei gerufenen Polizeibeamten

gelang es, den Tobenden zu überwältigen und zu fesseln. Rach den bisherigen Feststellungen ist der Täter ein Geschädigter aus Karlsruhe in Oberschlesien namens Hof reifer. Er machte einen geistig gestörten Eindruck. Für den nächsten Tag hatte sich ein zweiter Geschädigter angemeldet, der das Amt in die Lust sprengen will. Das Qünt ist von heute ab unter Polizeischutz gestellt worden.

Lin amecikanisch-er Tantdampfer mit 45 Mann an Bord gesunken?

In Boston wird befürchtet, daß der amerika­nische TankdampserDavid Creed", der Eama- rang auf Java am 1. Oktober mit Bestimmung Philadelphia verlassen hat, während des heftigen Sturmwetters am 15. Oktober mit der ganzen Besatzung auf dem Atlantischen Ozean ge­sunken ist. Die Offiziere des DampfersCar- nifax" erklären, am 14. Oktober seien an Bord desCarnifax" drahtlose Rvtsignale aif- gefangen worden, die vom DampferDavid Creed" stammten und besagten, der Dampfer sei im Sinken begriffen. Der DampferCarnifax" begab sich sofort an die in den Rotsignalen be­zeichnete Stelle, konnte aber keine Spur des Tankdampfers mehr finden. Dagegen war das Meer in einem Umkreise von mehreren Meilen mit Petroleum bedeckt. Der David Creed" hatte 45 Personen an Bord.

Schweres Einsturzunglück auf Malta.

In Hamrun auf d r Insel Malta stürzte eine im Bau befindliche Brauerei zusammen, wobei mindestens vier Personen getötet und 29 verletzt wurden. Der Einsturz er.ofgte b.i dem Versuch, einen großen außerordentlich schwe­ren Kessel unferzubringcn. Bei dem Einsturz des Daches wurde das oberste Stockwerk mit* gerißen und die Schuttmas en schlugm den 3. und 2. Stock durch, bevor die dort beschäftigten Ar­beiter Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen. Es steht noch nicht fest, wieviele Arbeiter sich noch unter den Ruinen befinden.

Ausnahme des Meltrundsunks.

Die ständig wachsende Ausbreitung des Rund­funks in allen Kulturländern hat schon lange den Wunsch reifen lassen, mit Hilfe der auf ihre Fernwirkung erprobten Kurzwellensen­der einen Rundfunkaustausch über Länder und Meere, einen Weltrundfunk, ins Leben zu rufen. Die Deutsche Reichspost hat diesen Gedanken frühzeitig aufgegriffen und auf Grund erfolg­reicher technischer Versuche vor mehreren Mona­ten einen Kurzwellen-Rundfunksen - der größerer Leistung in Auftrag ge­geben. Aller Voraussicht nach kann mit der In­betriebnahme dieses Senders, der in der Rähe des Deutschlandsenders bei Königswusterhausen errichtet wird, im Februar 1 9 2 9 gerechnet werden. Damit wird der Plan eines deutschen Weltrundfunks Wirklichkeit. Der dafür be­nutzte Kurzwellensender wird in den Dienst der internationalen Verständigung gestellt, er wird deutsches Kulturgut über unsere Grenzen hinaus verbreiten und den im Ausland lebenden Deut­schen durch Rundfunkempfang mit verhältnis­mäßig einfachen Geräten die Verbindung mit der Heimat bieten.

Wo Ist die größte llnioersilal?

Vor dem Krieg war die Sorbonne in P a r i s mit ihren 16 000 Hörern die größte Uni­versität der Welt. Es folgten bann die Ber­liner Universität mit 14000, die M o tauet und die Wiener mit je 10 000 und die Petersburger Universität mit 8000 Hö­rern. Heute hat sich das Bild wesentlich ver­ändert. An erster Stelle kommt die Columbia- Universität in Reuhork mit über 32000 Hörern, bann Paris mit 22 000; es folgen wei­tere neun an bete amerikanische Universitäten, darunter die von Montreal in Kanada mit 21 000. Berlin zählt 12000, Bukarest 11 000. Moskau 10500 und Wien 10000 Hörer.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das Nordmeertief flacht sich langsam ab und zieht nach Skandinavien hin weiter. Allgemeiner Barometeranstieg, der Über Nordwest. und Mittel­europa einsetzt, dürfte in unserem Gebiet zunächst zur Abnahme der Bewölkung und Nachlassen der Niederschläge führen. Infolge der einsetzenden Westströmung gehen die Temperaturen zurück.

Wettervoraussage für Freitag: Wol­kig mit Aufheiterung, etwas frischer, meist trocken, um West drehende Winde.

Witterungsaussichten f st r Sanrstagl Keine wesentliche Aenderung.

Lufttemperaturen am 24. Oktober: mittags 14 Grad Celsius, abends 14 Grad Celsius; am 25. Oktober: morgens 12 Grad Celsius. Maximum 14,5 Grad Cel« sius, Minimum 5,3 Grad Celsius.