Nr. 175 Astes Platt
178. Jahrgang
Mittwoch, 25. Juli 1928
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Die Scholle
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sämtlich in (Rieften
DersübtirolerKleruSandenpapst Die Forderung nach Aieligionounlerricht in der deutschen Muttersprache.
Berlin, 25. Dull. Me ben Blättern aus 3nns- brurf gemclbet wird, Hal der deutsche Klerus der Diözese Trient durch eine nach Rom entsandte Abordnung dem Papsl eine Denkschrift überreichen lassen, in der er unter Berufung auf eine im Dahre 1912, also vor dem Krieg, erlassene Dnflruftton bet Fürstbischof, Endricci, wonach „ble Muttersprache bas unerläßlich st e mittel ist, um ben ftinbern bie erhabenen, schwer haftbaren Wahrheiten bes Katechismus zu vermitteln", auch ben Gebrauch bet Muttersprache I m Religionsunterricht für bie brutschen Subtiroler forberl.
Der brutsche Teil bet Diözese Trient weise von in «»gesamt 171 Seelforgegemclnben mit 170 325 Einwohnern nach ber letzten amtlichen italienischen Volkszählung von 1921 141 238 Deutsche, 21731 Italiener und 4351 Ladiner auf. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder fei 20 359, davon 17 820 Deutsche (87,5 v. fj.) und 2573 Dtaliener. 3n 79 Seelsorgegemeinten befinde sich überhaupt kein einzige, Schulkind mit italienischer Muttersprache, und in jenen Orlen, wo seit mehreren Dahren ber Religionsunterricht in ber Muttersprache verboten sei, zeige sich eine er- schteckende Zunahme ber religiösen Unwissenheit unb ber sittlichen Der- roilberung ber Heranwachsenden Jugend.
Vie venkschrist sotdcrl, daß den Eltern da. Recht eingeräumt werde, zu bestimmen, ob ihre Kinder den deutschen oder den italienischen Religionsunterricht besuchen sollen. Falls die Durchsetzung de, Religionsunterrichtes in der Muttersprache von ber Regierung nicht zu erreichen wäre, mußte burch allgemeine Einführung bes Pfarruntcrridjtes für bie religiöse Unterweisung ber Dugenb gesorgt werben. Die italienischen Priester mögen vom heiligen Stuhl angewiesen werben, sich aus die Betreuung ber italienischen ftinber zu beschränken. Schließlich wird um Lntsenbung eines apostolischen v i - f 11 a I o r s deutscher Sprache, ber Bürger eines neutralen Staates sei, ersucht, der bie religiöse Loge in Südtirol studieren soll.
Ausschluß Lambachs aus der Deutschnationalen Partei.
Berlin, 24. Juli. (WB.) vom Landes- verband Potsdam II ber Deutfchnationaien Volkspartei wird folgentc Entscheidung über ben Fall Lambach mitgeteilt:
„Das Parteimitglied Malter Lambach, M. b. R„ hat unter bewußter Ausschaltung ber zuständigen Parteiinstanzen v o r st ö ß e gegen ble programmatischen Grundsätze ber v. 31. v. P unb Auseinandersetzungen mit einem Fraktionskollegen in verletzender Form durch die Presse in die OessentNchkeil gebracht. Lr hat sich dadurch im Sinne bes Paragraphen 17 ber Parteisatzungen schwerster Verletzung der Parte i j u d) l und stärkster Schädigung bes Parfei- anfeoens schuldig gemacht. Er wirb deshalb durch einstimmigen Beschluß des Landesvorstandes aus ber Partei ausgeschlossen. Gegen diesen Beschluß steht dem Ausgeschlossenen innerhalb von vier Wochen Berufung an bas Parteigericht zu."
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Lambach hatte bekanntlich in einem .Monarchismus überschriebenen unb im Organ te-< Deutschnation len £ant> u g g h l cnv.rten <s erschienenen Aufsätze ccllärt da z die Deutsch- nationale Partei ihre praktische Einstellung zum Monarchismus überprüfen müsse, da der monarchistische Gedanke mit der Dahl Hindenburgs zu Grabe getragen sei 3u dem jetzt erfolgten Ausschluß Lambach» aus der Deutschnati- onalen Boll »Partei äußern sich bisher nur wenige Blätter. Die .Deutsche Zeitung" erklärt. das Urteil stelle nur eine Selbstverständlichkeit dar. an der auch bie wahr- scheinlich erfolgende Berufung Lambachs kaum etwas werde ändern können. — Die .D a z" hält das Parteiurteil für einen schweren Fehler. Dieser Beschluß, so schreibt daS Blatt, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen. Die «folgen dieser kurzsichtigen Entscheidung für die Deutschnat tonale Bolkspartei sind unabsehbar. Drohend erbebt sich über der Parteikrise, die eine geschickte Hand noch hätte bändigen können, jetzt bie Gefahr der Parteispal - tung. — Aehnlich äußert sich die .Germania": Allen Warnungen, die aus eigenen Parteikreisen kamen. ;um Trotz hat daS Deutschnationale Partcigerich: das Bcrdik: über BJalter Lambach ausgp rochen. Hugenberg, der mächtige Finanzmann hat gesiegt, und der Parteigeist bat die Vernunft überwunden. Walter Lambach ist ium Märtyrer feiner Ucterjeugung gestempelt worden. Wir glauben nicht, daß der Beschluß die Ruhe wiederherstellt, sondern daß jetzt diejenigen sprechen werden, die in den Anschauungen hinter Lambach stehen. Unb es sollen ihrer nicht wenige fein. Der Beschluß beweist, daß die Deutsch- natirmalen die Zeichen der Zeit immer noch nicht verstanden haben.
Oie Anrufung des Veichsbahngerichis.
Oie Klage der Reichsbahn. - Tariferhöhung und Oawesplan.
Berlin, 24. Juli. (IDB.) wie eine hiesige Korrespondenz ersähet, wird die Reichsbahn auf Grund der Entscheidung des Reichskabinetts Anfang der nächsten Woche das Reichsbahngericht an rufen, nachdem die notwendigen Unterlagen über die Jlolrocnbigfeit der von der Hauptverwaltung geforberten Tariferhöhung zufom- mengebracht worden find. Dos Rclchsbohn- gericht wird unter vorflh von S e - notspröfidenl Meyer zufommentre- len. Ls muß innerhalb dreier Monate fein Urteil gefällt hoben. Falls bei der Durchführung des Urteils der Zinsen- und litgungsbienfl der Reparation-schuldoer- schreibungen gefährdet erfcheint, fo haben beide Parteien dos Recht, bas Haager Schiebsgericht anzurufen.
Die Reichsrcgierung hat der Reichs- bahnvcrwaltung in Sachen ber Tariferhöhung zunächst einmal bie kalte Schulter gezeigt. Wenn baS Aufsichtsrecht der Rcichsregierung ein unbeschränktes unb endgültiges wäre, so wäre damit die Sache erledtgt. Die Reichsbahn- Verwaltung kann aber der Reichsregierung ü b e r- geordnete Gewalten anrufen. Da ist einmal das Reich sbahngcricht. das beim Reichsgericht in Leipzig gebildet wird, das in seiner Besetzung mit BerusSrichtern darüber zu entscheiden hat, ob die Tariserhöhung aus wirlschaft- lichen und sozialen Gründen berechtigt ist oder
Die Reichsbahn fordert diese Erhöhung schon feit Monaten, wobei sie immer wieder darauf hinwcist. daß die Mehreinnahmen zur Erhöhung der Betriebssicherheit verwandt werden sollen. Das ist ja an sich schon ein schlimmes Zugeständnis: die Reichsbahn arbeitet mit einem Haushalt von fünf Milliarden anart jährlich. Sie hat auch einen erheblichen Aufwand für die eigentliche Betriebswirtschaft, nämlich weit über zwet Milliarden Mark. Trotzdem rechnet uns die Reichsbahn vor, daß sie mit dieser Summe nicht alle notwendigen Betriebsverbesserungen bestreiten kann. Auch die Häufung der Etsenbahnunsälle spricht nicht gerade gegen die Gründe der Reichsbahn, denn es ist bwi) zum mindesten erwiesen, daß die Unfälle bei Siegelsdors und München wenigstens zum Teil auf gewisse technische Unzulänglichkeiten zurückzuführen sind.
Die Reichsbahn ist nun einmal eine ber Hauptstützen des Dawesplanes. Der Betriebs- Überschuh in Höhe von 800 Millionen Mark muß fast bis auf ben letzten Pfennig für die Zwecke des Dawesplanes ausgegeben werben. Sowohl der Generalagent als auch ber Treuhänder für die Reichsbahn haben in dem Zwischenbericht für das vierte Dawesjahr die finanzielle Qi o I - läge der Reichsbahn durchaus anerkannt. Das ist zwar sehr wohlwollend, aber dies Wohlwollen ist in seiner politischen und wirtschaftlichen Aus- trtrfur.g für das deutsche Doll gleich unerfreulich. Die Reichsbahn, die cigcntitd) dem deutschen Bolle und der deutschen Wirtschaft bienen sollte, kamt unter Umständen zu einem gefährlichen Instrument gegen bie deutsche Wirtschaft werden. Ls genügt wohl, auf den Gegensatz hinzuwellen, baß bie englische Regierung zur Zeit nach Mitteln unb Degen lucht, um btc Frachtkosten im Interesse der Wirtschaft zu senk e n, während die deutsche Regierung in dieser Hinsicht mit gebundenen Händen dasteht. Wenn die Re chsdahn erhöhte Tarife förtert, fo kann bie Re chsregierung nein sagen. Bur ist bie Sache damit nicht erledigt. Die Reichsbahn klagt!
Wenn die Sntsccheidu.rg des Reichsbahngerrchts auf die Interessen ter deutschen Wirtschaft Rücksicht nimmt, allo die Tariserhöhung versagt, so kann die Retchsbahnrerwaktung darüber hinaus den neutralen Schiedsrich ter an- rufen WaS der Schiedsrichter entscheidet, ist endgültig. Denn er ist es. ber die wirkliche Tarif Hoheit über die deutsche Reichsbahn aus- übt Das ist ein unerträglicher Zustand, denn ber Schiedsrichter muß ja zwilchen den Interessen ter deutschen Wirtschaft unb ben Interessen ter Gläubigerstaaten entscheiden. Tte Gläubiger bestehen auf ihrem Schein, wobei es ihnen gleichgültig ist. daß das auch eine Pro - duktionshemmung für die deutsche Wirtschaft bedeutet. Gerade dadurch, daß die Dawes- gläubiger die Hand auf die Reichsbahn gelegt haben, können sie die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands stark beeinflußen. Liegt an sich schon in tem Ausbau des Dawesplanes ter Zwang für die Reichsbahn die Tarife auher- gew-ohmlich hoch zu halten, so toirb bie'er Zwang noch gesteigert, wenn die Reichsbahn eine Tari,- erhöhung aus Gründen der Betriebssicherheit fordert. Erfahrungsgemäß ist es wohl leichte. Tarife zu erhöhen, aber viel schwerer. hinterher wieder abzubauen. Eine Erhöhung ter Tarife muh den Preisspiegel in Deutschland steigen lassen, muß allo auch die P r od u k ti on s k o ft e n de r Wir t s chaft beeinflussen, zu einer Zeit, too bie abltnfente Konjunktur von ter Äoftenfeiie her gestutzt werten müßte.
Gewiß, bie deutsche Männer, die in ber Reichsbahnverwaltung utzen, kennen bie Röte unb Sorgen ber Wirtschaft aus eigener Er
fahrung. Unb gerate sie müssen ben Zwang furchtbar empfinden, gegen diese Interessen hanteln zu müssen. Allein, sie müssen auch auf die Dawesgläubiger Rücksicht nehmen, weil diese über die Mittel und Wege oerfügen. unter Umständen das Gläubigerinteresle schonungslos durchzusehen. Wenn die Reichsbahnverwaltung es unterließe. Anträge auf Tariferhöhungen zu stellen und durchzus ühren, so könnte ter Treuhänder die Reichsbahn in eigene Verwaltung übernehmen, ober gar an Dritte verpachten! So ist bas teulsche Reichsvahnrecht beschallen. Alle geistige und politische Energie muß daraus verwandt werden, diese- Recht in naher Zukunst schon so um zu gefta l tcn. daß bie Reichsbahn wieder das toirb, waS sie ihrer ganzen Bahrt nach fein foll: ein starkes Instrument der deutschen Wirtschaft! Die Reichsregierung muß darin vor-
angeben, sie darf sich nicht darauf beschränken, ter Oefsentlichkeit mitzutellen, daß sie sich mit ter ReichSbahnverwallung vor tem Reichsbahn - geriebt Herumstreiten will. Sie muß ihre Haltung vielmehr eindringlich begrünten, sie muß Nachweisen, daß für die deutsche Wirtschaft jede Tariferhöhung untragbar ist Die Reichsregierung muß weiter darauf auhnerflam machen, daß eS die Betriebssicherheit erfordert, daß die Reichsbahn ihre Einnahmen, die sie heute f ü r Daweszwecke zur Beringung stellen muß, für die Sicherung deS Verkehr- in technischer Hinsicht verwendet Wir dürfen nicht die Hände in den Schoß legen, weil ein solcher Feldzug vielleicht zunächst aussichtslos ist. Irgendwie müssen wir doch einmal anfangen, zumal doch die Buchprüfung teS Dawesplanes auf ter internationalen Tagesordnung steht.
Löbe fordert Gelbstbestimmungörecht für Oesterreich.
Graz, 24. Juli. (WTB.) Heute nachmittag tourte im Gemcinderatssihungslaal in Anwesenheit zahlreicher österreichischer unb reichsteutschcr Parlamentarier aller Parteischattierungen die Gründungsversammlung ter Ortsgruppe Graz des Oe st erreichisch - Deutschen Volksbun- des abgehalten. Bürgermeister Muchitsch te- grüßte die Gäste, insbesondere den Reichstags- präfitenten L ö be. und gab der Ueberzeugung Ausdruck. daß die im Zeichen des Deutschen Sängerbuntesfestes stehende Ortegruppcngrün- bung für den Anschlußgedanken in der Bevölkerung ber Stadt und des Landes ben entsprechenden Widerhall finden werte. - Präsident Löbe gab seiner Freute Ausdruck, daß er bei der örtßgruppengrünbung bes Volksbunbes zugegen sein könne, ben er seinerzeit mit inS Geben gerufen habe. .Wir strecken", fuhr er fort, „untere Hand nicht au« nach einem fremden Gut und fremden Volk, sondern wir appellieren an daS Gesetz, das die Entente ins Geben gerufen bat. dem deutschen Volk aber verweigert. Wir wollen uns mit niemand vereinigen, ter nicht freiwillig zu uns kommt. Das deutsche Volk, das so viel ungünstige Bestimmungen ter Völker'ounbssatzung ertragen muß. klammert sich an bie einzige günstige Bestimmung dieser Satzungen, die vorsieht, daß ter Wille der Deutschen im Reich und in Oesterreich nach Bereinigung vollzogen werden kann. - Der Redner erinnerte daran, daß Bundeskanzler Dr. Seipel das Sinnen ter Kleinen Entente. Oesterreich einem nichtteutschen Wirt- schaftskörper anzugliedern, mit der Antwort ab- gelehnt habe, nichts ohne Deutschland zu tun. „Wir haben", so erklärte ter Reichstags- Präsident. ..als wir bei Dr. Seipel erschienen, ihm erklärt, baß auch Deutschland nichts ohne Oesterreich tun werte. Gassen Sie uns", schloß Löte, „in diesem Sinne weiter an ter großen Idee ter nationalen Einigung arbeiten. Es toirb ter Tag kommen, an welchem in dem Deutschen Reichstag auch die Vertreter Oesterreichs einziehen werten." — Die Versammlung nahm sodann die behördlich genehmigten Statuten an und wählte bie Ort«gruppenleitung.
Oie pariser Debatte geht fort.
Paris. 24.3uli. «WTB > Die Prelle bespricht auch heute wieder im Zusammenhang mit tem Wiener Sänger est die Anschluß! rage. Das radikale Oeuvre erklärt u.a : Geräuschvolle .Kundgebungen, wie diejenigen in Wien, können im übrigen Europa nur nationalistische und kriegerische (tegenfunbgebungen Hervorrufen Wir müssen die deutschen Revublikaner warnen. Wenn es sich darum hantelt, ein einigere« Europa zu schaffen, so sind wir m i l ihnen. Wenn es sch aber darum hantelt, ein größeres Deutschland wieder herzustellen, fo machen wir nicht mit —. Gegenüber diesem m den Rechtsblättern noch schärfer betonten Standpunkt schreibt ,.P o p u la i re", bas offizielle Organ ter sozialistischen Partei: liniere Rationalisten tollten die letzten sein, bie sich über b:e Anschlußkundgebungen auf regen. Wenn Rationalismus und Patriotismus die ersten Tugenden des französischen Bürgers sind, warum Tollten diese Eigenschaften auf ter anderen Seite ter Grenze z u Lastern werden? Aber es handelt sich gar nicht um Rationalismus. Die Deutschen wünschen den Anschluß fast einstimmig. Der Fall ist denkbar normal. denn bet Vertrag ist doch wohl auf den 14 Punkten Willons aufgebaut, zu denen auch das Selbstbestimmungsr e ch t der Völker gehört. Allerdings haben die Urheber des Vertrages in Anwendung dieses Grundsatzes die Grenzen Io gezogen, bah außer ben S eger- ßaalen niemand damit zufrieden ist. Man hat einen ganz unmöglichen Staat geschallen. ter nicht letenssährg ist: Oesterreich. Die Berichtigung ter Grenzen, so fährt das Blatt fap, ist ein Werk auf lange Sicht. Ater man darf sich nicht wundern, toemt, bie Beteiligten einstweilen friedlich ihre Wünsche befunben.
Wenn man diese Kundgebungen nicht wollte, durste man des SelbsttestrmmungSrecht ber Völker nicht verletzen.
Auch Italien äußert sich.
Rom. 24. 3uli. (XU.) Erst nachträglich bringen die italienischen Blätter Berichte über das Wiener Sängerbuntesfest, mit Antworten aus die sränzösischen Blättcrftimmen. die da« Fest übereinstimmend als politisches Ereignis hinstellten. Der Mailänder ..Eorriere Della Sera" schreibt, man könne nicht von einem Konzert, wohl aber von einer politischen Kundgebung sprechen, zu ter ter Organisationsausschuß 300 000 Personen im Wiener Prater vereinte Der „Impero" kann nicht umhin, festzustellen, daß Oesterreich und Deutschland t a t- sächlich vereinigt seien und vereint bleiben würden, da diese Vereinigung den geistigen und wirtschaftlichen Bedürfnissen ter beiten Länder entspreche. Die Turiner ..Stampa" spricht von einem politischen und gastronomischen Iubelsest, und schließt mit der Bemerkung, daß sich noch, den Diplomaten die Aerzte und Apotheker mit tem Feste zu beschäftigen haben würden. Gleichzeitig bringen die Blätter noch lange Artikel über die Kölner Pressa. Der ..Eorriere della Sera" bringt einen Artikel „Friedenswille i m Rheinland" und sagt. Köln wolle ben Fristen und deshalb verlange es schnelle Räumung deS Rheinlandes, in die auch das Saargebiet einbezogen werten müsse. Die Räumung fei nicht ein Gnatenakt ter Sieger, sondern ein Recht der Besiegten.
Oie3vv-Iahrseier6iralsunds
Ein Fest dcutsch-fchwcdischcr Freundschaft.
6 tralfunb. 24. 3uIL «WB) Im festlich geschmückten Stabttheater fand heute nachmittag eine feierliche (tebmnunbg?bung statt, die zu- sammen mit tem heutigen Atenbbankett den Höhepunkt ter 300-Iahrseier bildet. Bei diesem Festakt begrüßte ter Oberbürgermeister bie Vertreter ter deutschen Regierung und der preußischen Staatsregic-rung. ben Gesandten Frey tag. den Oberpräfibenten ber Provinz Pommern unb den Regierungspräsidenten Ganz besonderen Dank sprach er ter schwedischen Regierung auS. bah sie sich durch zwei so prominente Persönlichkeiten wie ben Minister v. Ribbing unb ben Gesandten a I Wirsen habe vertreten lassen. 'Weiterhin entbot ter Oberbürgermeister herzlichste Willkommensgrüße den schwedischen A»- mee- und Marineteputationen, den Bertrrtern der deutschen Marine, ter evangelischen Kirche, ter Universität GreifSwald sowie aller sonstigen Behörden des Reiches unb des Staates. Gesandter Freytag führte darauf u. a. auS:
Sehr verehrte oestver'aminlung! Erlauben Sie mir als Erstem, auf die freundlichen Begrüfjtng3- toortc des Herrn Oberbürgermejters zu unt- Worten. Wenn ein Gemeinwesen durch 300 Iahre hindurch so treu und stolz eine heroische Tat bet Vergangenheit feiert, wie 6tralfunb es mit ter Abwehr Wallensteins tut. so ist das nicht nur eine traditionelle Hebung, es ist nicht nur ein Zeichen ter Dankbarkeit, sondern eS ist ein freudiges Bekenntnis zur Heimat, es ist ein Gelöbnis, baß die Gegenwart llch dieser Vergangenheit würdig erweise. Es war die Zeit tiefster Erniedrigung und Zernllenheit Deutschlands, als die «Stralsunder ben Schwedenkönig, ihren Glaubensgenossen herbeiriefen, um sie in der Wahrung hreS Glaubens zu schützen. Die Zeiten haben »ich geändert. Aus dem zerrissenen Deutschlanb ist ein einiges Reich entstanden. Glücklicherweise ist es nicht mehr möglich, daß ein einzelnes Gemeinwe'en oder ein Land gegen das Reich kämpft Ein Menschenalter nach ter Gründung des Reiches brach die Katastrophe des Weltlrieges über uns herein, unb aus ihm f nd wir geschwächt unb verkleinert hervorgegangen. Die Lasten drücken uns noch. Die Wunden


