Ausgabe 
25.6.1928
 
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Nr. 147 Erste; Blaff

178. Jahrgang

Montag, 25. Juni 1928

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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General Nobiles Rettung.

ZmVrr-wriflung-kampf mit demPolareitz.

Conbon, 23. 3unL (HL) Nach Meldungen ans Sloefpotin Hal das schwedische Berte ibigungsminl- fferium, eine drahtlose Nachricht von dem Führer der schwedischen hllssexpeditton für Nobile erhallen, wonach General Nobile gerettet ist nnb dl, Rettongsarbell sorigesetzt wird. Die HatienUdx (Sesandtschoft In Oslo teilt mit. daß sie eine Bestätigung der Meldung erhalten habe, wonach Nobile gerettet ist. Auch ein zweites Mitglied seiner Gruppe ist gerettet worden. Leide sind verletzt und belinden sich an Lord derCitta dl Milano".

Zur Rettung Nobiles durch ein schwedi­sches Jingboot bringt der Sonderberichter­statter besMontag" folgende Einzelheiten: Bor seiner Rettung hatte Nobile erneut nm Hilfe gerufen und berichtet, dasz das Eis, auf dem sich bas Coger befinbet, anfange nach Norden zu treiben. Gleichzeitig beginne es In schraubende nnb mahlende Bewegung zu kommen, die im Cause des Tages ständig zugenommen habe. Die schwedischen und italienischen Flugzeuge wollen versuchen, Nobiles Gefährten, die sich noch auf dem Els befinden, ebenfalls $ u retten. Man wird auch die unterwegs befindlichen hunde- gefpanne zu größter Eile an spornen, Nobile und seine Leute kämpften die ganze Nacht hindurch einen Berzwelslnngskampf gegen das Els. bas in heftiger Bewegung war. Schollen non Hunderten von Zentnern Ge­wicht wurden wie Spielbälle hin- und berge- schoben. Nobile wurde von einer Scholle das Bein gebrochen und deshalb er als erster ge­holt und an Lord des Schisse« Jnffl gebracht. Die Landung de« schwedischen FlugzeugesU p p - land" ans dem in Bewegung befindlichen Ei« war ein Meisterstück der Fliegerkunst und mit der größten Gefahr verbunden, da der Start­platz sich ständig zu verändern drohte. Nach dem Start brrHpptanb" zu Nobiles Lager ist bas schwedifche hilssschiss ,.2uest" reeller nach Osten oorgebrungen nnb in der hinlopen-Straße vor Anker gegangen, wo Nobile In ärztliche Be- tjanblung genommen wurde. Sein Zustand Ist kritisch.

Die ..Lltta dl Milano" meldet durch Funkfpmch, bah in der Nacht ein mit Skiern versehe­nes schwedisches Flugzeug unter schwieri­gen Umständen bei der Gruppe Nobile gelandet und mit dem General Nobile zurückflog. Ls brachte ihn noch der hinlopen-Strohe, von wo ihn ein fchree- bisches Wasserflugzeug noch der Borgo-Bag auf dieLltta bi Milano" brachte. Das Flugzeug begab sich darauf Im Laufe des Tages von neuem zu der Gruppe der Schiffbrüchigen, um das Rrt- fnngsroerf svrtzusrtzen, aber bei der fdjroieriqen Landung schlug bas Flugzeug um. Der tapfere Pilot blieb glücklicherweise unverletzt.

Die neuen Versuche mit dem Opelschen Naketenwagen.

Vorbereitungen zum Start.

Hannover, 23. 3uni. (SIL) Noch liegt bk Strecke, aus ber in wenigen Stunden der Sta­te tentoa gen ausprobiert werden soll, ruhig da. Fritz v. Opel, Ingenieur Sander und einige Ingenieure, die mit bem QIu»probieren de» Ra- ketenwagens zu tun haben, sind zur Stelle. Mannschatten ber Reichswehr legen die für die Lbberiche 3citmcffung e rforderiichen Draht- 1 et hingen neben dem Schienen kör per. Fritz non Opel und Reichsbahnvizepräsident Wagner labten mit einer Draisine die Versuchsstrecke ab die sich oom Burgwedeler Bahnhofs- iebäube 7 Kilometer in der Richtung nach eile buyiebt Etwa 1000 Meter ostwärts vom Bahnhofsgebäude ist der Startplatz. Die beiden Dagen. Mo zu der Beriuchssahrt bestimmt sind, sind schon eingetroffen. einer mit Stahlrößern, der andere mit Pneumatik versehen, wobei die Gummiräder eine Borrichtung erhalten haben, die da» Lausen auf den Schienen ermöglicht. Die Dagen sind primitiv gehalten, weil es sich zu­nächst ja nur um Versuchsfahrten handelt, von deren Ergebnis die weitere Bearbeitung deS Problems abhängt. Soeben trifft ein Radio- aut o mit Antennenmast ein und nimmt in der Mitte der Strecke Aufstellung, um die Ver­suchsfahrt bem Rundfunk und damit der breitesten Ocffentlicbfcit zu übermitteln.

Zeih von Opel spricht.

Seine Mondfahrtphanlaiien"Nur Lchritl für Schritt vorwärls".

Burgwedel, 23.Juni. (SU.) Die Vorberei­tungen am Start waren beendet, als um 13.40 Uhr der Sonderzug aus Hannover ein­traf. dem etwa 100 Personen entstiegen, unter ihnen Oberpräsident Rvske. Mit den Ankommenden zusammen begab sich Fritz von Opel auf die etwa 350 Meter vom Startplatz nach Telle zu gelegene in Höhe von 15 Metern über die Gleise führende Drücke, um hier noch einige Erläuterungen zu dem bevorstehen­den Ereignis zu geben. Denn er das Dort er­greife, sagte Herr v. Opel, so geschehe daS. um

Die Stabilisierung des französischen Franken.

Annahme der Währungsgesehe in der pariser Kammer.

Soeben hat bie französische Kammer die Ge­ls tze angenommen, die Ministerpräsident Pom- carö zur Durchführung der Frantenstabllisie- nmg eingebracht bat Damit wird auch der letzte Eckpfeiler in der Konsolidierung der Weltwirt­schaft errichtet: man darf es nur begrüben, dah es nun endlich zu diesem Schritte gekommen ist. Es dürfte aus diesem Grunde nicht uninteressant fein, noch einmal auf die Entwicklung der Stabi­lisierung der entwerteten Währungen hinzu­weifen.

Fast als erste der Mächte, die daran gingen, die GeSdverhällnisse wieder zu ordnen, schritt Deutschland zur Neuorganisation seiner Währung. Ss handelte sich für uns ja nicht nur darum, die Währung zu stabilisieren, sondern eine ganz neue Währung überhaupt au schaffen. Die Schwierigkeiten, die sich zur Durch­führung dieses Schrittes ergaben, sind wohl all­gemein noch bekannt und wenn man im Vergleich dazu einmal auf die Entwicklung der fran­zösischen Währungsverhältnisse blickt, so kann man wohl ohne weiteres feststellen, dah die deutsche Stabilisierung ein ganz unerhörtes Werk darstellt. Die Kämpfe, die es in Frankreich noch biS zum heutigen Sag gegeben hat und die Tatsache, dah sich selbst Poincari bis ganz zuletzt hartnäckig dagegen sträubte, den fran­zösischen Franken zu flabHifiercn, geben ein augenscheinliches ZeugmS dafür, welche Bedeu­tung her Tat der deutschen Stabilisierung beb- zumessen ist.

Aber nicht nur diese beiden Staaten hatten ihre Stabilisierung durchzuführen. Mit zu den ersten der Länder, die diesen Schritt unternah­men, gehört auch die Tschechoslowakei, die in ziemlich kurzer Zeit und ohne grobe Schwierigkeiten die Stabilisierung durchfuhren konnte. Dann war es eigenllich lange Zell sehr ruhig um die Stabilisierung der verschiedenen Währungen. Erst In den letzten Jahren trat sie wieder in den Vordergrund, alS Polen nach großen Bemühungen die Stabilisierung des Zloty durchführen konnte der ober heute keines­falls als sichere Währung angesehen werden kann. Erst jetzt folgten auch noch die anderen Mächte, so Oe st erreich, das an Stelle der Krone den Schilling zur Einheit erhob. Un­garn. da- sich seinen Pengö schuf, Belgien, daS den Belga zur Einheit machte, und schließlich schritt Italien vor einem reich­lichen Vierteljahr zur Stabilisierung des Lire. Hier ist zu bemerken, dah Italien alS einziges der Länder, die zur Stabilisierung geschritten sind, keine Goldkernwährung schus, son­dern für A uslandsgeschäste auch die 11m- wechslung der Banknoten in Gold gestattete.

Beben den größeren Staaten haben auch die kleineren ihre Währung stabilisiert, so Litauen und Jugoslawien. In Rum ä n i c n wird zur Ze t der Kamps um die Stabilisierung des L-i au#gctragcn, wobei es allerdings fraglich .st wann es zur Durchführung die'es Schrittes lammen kann, fehlt es doch zunächst noch an dem

stützenden Kapital. Abseits von den Maßnahmen die er Länder muß Buß land betrachtet wer­den. das sich seinen Goldrubel schuf, über dessen Stabilität man aber noch nichts sagen kann, da die russischen Verhältnisse eben noch keine all­gemeine Anerkennung gestatten. Die Maßnahme Frankreichs zur ©tabilifierung deS Franken stellt also, wie der eben kurz gegebene ildxrrblid zeigt, tatsächlich den letzten Schritt in der Beilegung der unsicheren Geldverhältnifse in der Weltwirtschaft bar.

Eine Dauersitzung der Kammer.

Poinear4S Frankensteg.

Paris, 24. 3ani. (TU.) Die Kammer nahm am Sonntagabend kurz vor 21 tthr nach zehn- stündiger Beratung das Stabilisierungsgesetz mit 45 gegen 22 Stimmen bei 472 abgegebenen Stimmen an. wie verlautet, entspricht der fturs des neuen Franken einer Parität von 124,21 für das pfunb Sterling und 25,52 für den Dollar.

Die Somllagsfitzung der Kammer begann um 9 Uhr vvrmtttags. Lange vor Beginn der Sitzung waren die Publikumstribünen überfüllt, während am Seine-Ufer gegen hundert Polizei­beamte die Zugänge zur Kammer überwachten. Der Generalberichterstatter der Finanzkvmmis- sion. Ehappedelain, beschränkte sich im all­gemeinen auf eine kurze Zusammenfassung des Regierungsentwurfes und der beigefügten Ab­kommen, der Generalberichlerstatter ging beson­ders auf das Abkommen zwischen dem Staat und der Bank von Frankreich ein, dah sich für den tzauShalt in einem Gewinn von 100 Millionen Franken auSwirke. Auf eine Zwischen­bemerkung deS Sozialdemokraten Vincent Au - riol stellte Ministerpräsident Dvincarö fest, die französischeRegierung stehe im Gegensatz zu febr vielen Regierungen, die ohne Be­fragung ihrer Parlamente stabili­siert hätten, einer. Klagenden Beweis für ihre Achtung vor der national en Souveränität.

Don den 14 zum Dort gemeldeten R-ebnem nahm zunächst der nationalfozia'i tische A o g a r o au den RegierungSenttDÜrfen (Stellung, ör gab der lieber Beugung Ausdruck, daß die Stabilisie­rung bereits 19 2 4, und zwar zu einem be­deutend günstigeren Kurse hätte durchgeführt werden können, erklärte jedoch die Zustim­mung der radikalfozialissischen Gruppe zu den Gesetzen. Vincent A u r i o l betonte, daß der Sieg den Siegern so teuer gekommen sei wie den Besiegten. Das Gesetz fan tionicre die Kriegs- und Aachtriegspolitll der inbirelten Steuern und Anleihe. Die sozialistische Partei billige die technische Seite der Wähirnng. verlange aber nach der politischen Seite hin Wiedergutmachung der Ungcrttfctigleitcn. Für dieLin.srepublikanische Gruppe ging ber Abg. Pietri besonders auf bie Lage derRentner, die Preissteigerung und bie interalliierten Schulden ein. AlS der

Redner fordert, man dürfe den Rentnern nicht alle Hoffnung auf Aufwertung neh­men. griff PoincarS mit den Dorten ein: ,($inc andere Regierung müßte dann die Der- sprechen halten, die gemacht werden könnten!" Der Haushalt 1929 werde sehr schwierig auszu­stellen fein. Den Rentnern auf dieser Tribüne Versprechungen zu machen, heiße die Oeffentlich- keit täuschen.

Der Radikalfozialisl Lamoureux kündigte je­doch die (Einbringung eines Gesetzentwurfes über die Festlegung der Bilanzaufftellung der gro­ßen G e | e 11 f dj a f t e n an, damit die mächtigen Finanzinftitute nicht ihren Verpflichtungen gegen­über dem Fiskus entrinnen könnten. Der kommu­nistische Abgeordnete P i q u e in a l bezeichnete die Stabilisierung als das Ende einer Bankrott- undFolschmünzer Politik, für die Polncorck einen großen Teil der Verantwortung trage. Die Kommunisten würden gegen die Gesetze stimmen. Der Deputierte (Eoain von der Republikanisch- Demokratischen Union übte lebhafte Kritik an der Stabilisierung, die unweigerlich eine Anpos- sungskrife Hervorrufen würde. Der Stabilisie- rungskurs sei willkürlich gewählt, da der Pfundkurs höchstens 90 bis 100 Fran ?.i betrage. Im Gegensatz zur Regierung sieht der Redner eine Preis- fteigerung voraus Im Anschlüße hieran ent- spann sich eine Auseinandersetzung zwischen (Eoain und Poincarä über die Möglichkeit der Reva­lorisierung. Romens der unionistischen Grup» ? erklärte Franklin Bouillon aus Gründen natio­naler Disziplin die Zustimmung zu dem Gesetz.

Damit schloß bie allgemeine Aussprache unb öle Kammer trat in bie Einzelberatung ein. Da­bei würben bie 13 Artikel beS Gesetzes unter Annahme verschiebener Zusatzanträge bn Durch­schnitt mit einer Wehrhell von 435 gegen 135 Stimmen angenommen. Vach Derabschiebung durch bie Kammer ging ber Gesetzentwurf bem Senat zu, der sich infolge bet ausgedehnten KammerauSsprache von 10 aus 17 Uhr unb bann aus 21 ilffr vertagen mußte. Die Finanzkom- miffion beS Senats hatte vor bet Plenarsitzung ben Gesetzentwurf beraten unb ihn mit 19 zu 2 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.

Mr Einigung des Liberalismus.

Ein Ausruf der liberalen Vereinigung.

Berlin, 23. Juni. (S il.) Die liberale Ver­einigung veröffentlicht folgcnben Ausruf:Die letzten Wahlen haben bem beutfepen liberalen Bürgertum eine ernste Lehre erteilt. Sie haben ihm gezeigt, waS ihm bevorsteht, wenn es den Kurs weiter verfolgt, ben eS bisher ein» geschlagen hat. Verharrt eS in feiner Zersplitterung, fo wirb eS mehr unb mehr aus bem Kreise ber politisch maßgebenden Fak­toren ausgeschaltet. ES droht ihm daS Schicksal, aufgerieben zu werben unb je- ben Einfluß zu verlieren.

dahin zu wirken, baß die Abenteuerlust, die sich in Verbindung mit dem in Frage kom­menden Problem schon viel zu sehr ausgebreitet hätte, auf ein gesundes Maß sachlicher Anteilnahme zurückgesührt würbe. Diele, bie sich mit der Frage des RafctenantriebS nur oberflächlich beschäitigt bitten, glaubten, eS würbe ein Fchischlag werden. Aber bet Gang der Dinge selbst habe bewiesen, daß der rich­tige Weg eingeschlagen wurde. Das habe dann dazu geführt, baß die Skepsis schwand. Aber zu- ?leich habe sich ein geradezu grenzen-

oset Optimismus breit gemacht. WaS ihn. Opel, betreffe, so sei er eindeutig abgerüd t von denjenigen, die sich in Monbf a hr t- Phantasien ergehen." .Wir stehen", so fuhr der Redner fort, .ganz auf bem Boden der Wirklich leit, wir wollen nur Schritt für Schritt vorwärts kommen. Es gilt, abzurücken von bem Lärm der Oesientlichkeit. weiter zu streben mit Sachlichkeit unb Geduld. Zur Durchführung dieser Wsicht haben toir unS gezwungen gesehen, mit Mitarbeitern zu brechen, die an ein sachliches Arbeiten nicht zu gewöhnen waren."

Oer erste Start.

254 Stundenkilometer erreicht.

Nach diesen Worten gab Fritz von Opel das Zeichen jum ersten Start Die elektrische Zündung erfolgte und sofort setzte sich der wagen In Bewegung. Die Antriebskraft der Raketen, die in einer Anzahl von zehn Stück in dem Batterie­behälter untergebrad)! waren, fnnltionierle aus­gezeichnet. 3 n ein Flammenmeer gehüllt flog der wagen vorwärts und ttoh der fast auf ber Stelle rinfeßenden ungeheuren Grichwindigkeit der Fortbewegung war die Fahrt zunäckffk von der Brücke aus gut zn verfolgen. Der wagen raste heran, von Rauchwolken umhüllt Ein Zittern erfüllte die Luft Als der wagen die Unterführung passiert hatte, war nichts mehr zu unterscheiden, nur eine gewaltige Rauchwolke sah man sich vor- märts wälzen. Noch etwa 200 Bieter ging die sau­fende Fahrt dann stiegen Feuergarben auf, nach

links und rechts ausiprihend. Die Brems- rafeten hatten sich gelöst. Der wagen verlang- famte feine Fahrt und etwa 700 Bieter hinter der Brücke tarn er zum Stehen.

Der Bersuch ist glänzend oerlaufen. 3n jeder Be­ziehung hat sich der wagen bewährt kutomatifche Bremse und Bremsraete haben tadellos jufammen- geroirft Gleich nach dem Start setzte sich ein f< o n - trollauto ans den Schienen in Bewegung, um das Ergebnis der Fahrt festzustellen: es fiel vollkom­men befriedigend aus, unb die Loeberfche Zeitmes­sung, die mit Hundertstel Sekunden arbeitet, meldet als genau ermittelte Höchstgeschwindigkeit die nach Zurücklegung von 500 Bieter entwickelt wurde, 2 5 4 Stundenkilometer.

Ein zweiter Start.

Die Kahrt mit verstärkter Raketenbatterie mißglückt.

Fritz von Opel begnügte sich damit, den glud* sichen Erfolg des Experiments zu konstatieren unb im Anschluß daran zu verkünden, daß nach kurzer Frist eine neue Probefahrt mit verstärkter Raketenbatterie erfolgen solle. Eme Draisine ho'te den Raketenwagen zur Abfahrtsstelle zurück, damit er aufs neue geladen werden konnte. Waren beim ersten Ver­such zehn Raketen eingesetzt so beträgt ihre Zaht jetzt 29. also rund das Dreis a ederersten Ladung. Hm 16.21 ilhr verkündeten Start­schüsse. daS alles bereit ist. zritz von Opel und Ingenieur Sander tarnen toieber auf bie Brücke. Das Ze.chen zum Start erfolgte. Unter Brausen und Zischen entloben sich um 16.27 Uhr die Raketen unb ber Wagen fetzt sich in Be­wegung. Run steigen hrche Rauchsäulen in bie Luft. Feurige Garben ragen auf. Aber der Rale tenwagen kommt nicht. Staunende Fragen, verwundertes Verharren. Der Wagen ist nach etwa 20 Meter von den Schienen gesprungen unb rechts zur 6eite ge­schleudert worden. Er siegt an der Böschung in Trümmern. War bk Kratt der Raketen zu stark, um den Wagen auf d: Schienen zu be­lassen. man weih es nicht Opel begab sich sofort

zum Wagen, um bie Ursache deS Fehlstarts sest- zustellen. Der Wagen ist schwer beschädigt, Menschenleben sind nicht )u Schaden gekommen. Feuerwehr und Schutzpolizei wurden zu Aus- räumungSarbeitcn hrrangezozen. Die Ur ache drS Fehlstart- liegt barm, dah der Wagen zu sehr beschleunigt wurde. Er hatte sich vorn gehoben unb kam dadurch von den Schienen ab.

Das Ergebnis.

Eine Unterredung mit Ingenieur Lander.

Burgwedel. 23. Juni. (LU.) Ingenieur Sander von den Opelwerken, der den Ver­suchsfahrten der Raketenwagen beiwohnte, ge­währte dem Vertreter der Telegraphen-Union eine Unterredung. Von dem ersten Start deS Rafctcntoagcn» ist Ingenieur Sander sehr be­friedigt Die zweite Fahrt, de bekanntlich mißlungen ist, schilderte Ingenieur Sander in der Weile, daß er daraus hinwirs, die Leiter des Unternehmens hätten poh vorn­herein mit einem Mißlingen dieses Starts gerechnet Wenig bekannt ist näm­lich. daß Die vorgesehene dritte Fahrt zu ber zweiten gestempelt wurde, well man. um Zeit zu sparen, schon mit dieser zweiten Fahrt H ö ch st- geschwindigkeiten für vch.enen'ahrzcuge erreichen wollte. Man rechnete mit 6700 6hm- den-Kilometer Geschwindigkeit. Aus die em Grunde war der Ratetentoagen beim zweiten Start mit entsprechend erhöhter Rale enantriebs- fraft (29 Raketen) versehen. Man chatte die Ab­sicht. eine sehr hohe Anfangsgeschwin­digkeit herausholen zu wollen, um zu der genormten Rekordgeschwindigkeit zu kommen. In­genieur Lander betonte:Wir haben manche- hinzugelernt" Dir h er gewonnenen Erfahrungen sollen bem neuen Lagen zugute kommen, die. wie Herr v. Opel mitgeteilt hat, sofort in Angriff genommen werden sollen. Die Katze, bie man in ben zweiten Wagen gefetzt hatte, soll im Moment des Lieberschla­gens bas Weite gesucht haben. Einer Be­mannung des Versuchs wagens wirb man erst nähertreten, wenn auf Grund herabgeminderter Geschwindigkeit und der entsprechend verstärkten Sicherheitssaktoren absolute Gewähr für ein Ge­lingen des Rekordversuchs gegeben ist.