Ausgabe 
24.10.1928
 
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beschlossen, den Mitgliedern der Parlamente zu empfehlen, angesichts dieser politischen Haltung des Stahlhelms aus diesem auszutreten. Was tag.'gen die Volksparteiler, die nicht in gesetzgebenden Kör­perschaften tätig sind, anbelan^e, so hoffe man, daß durch deren Verbleiben im Stahlhelm dieser wieder auf den richtigen Weg zurück­kehren werde.

Oie Todesstrafe.

Aussprache im Rechtsausschutz des Reichstags.

Berlin, 23. Oft (T. 11.) In der Aussprache über die Todesstrafe im Strafrechtsausschuh des Reichstages bekannte sich Dr. Ehlermann (Dem.) als Gegner der Todesstrafe. Gerade weil es sich um eine Frage der geschichtlichen Entwick­lung handele, und es auch bei den Anhängern der Todesstrafe personell und sachlich abbröckele, bitte er jetzt, bei Schaffung des neuen Straf­rechts, die Todesstrafe akHuschaffen. Der volks- partelliche Abgeordnete Dr. Zapf bezeichnete eine lebenslängliche Verwahrung als grausam und bezweifelt, daß Oesterreich auf dieses Korn- promih eingehen werde. Der Redner kam zu dem Ergebnis, daß die Abschaffung der Todesstrafe abzulehnrn sei.

Preußischer Ministerialdirigent Schäfer wies den Vorwurf zurück, als ob Preußen das Gna- Lenrecht jetzt übermanne. Vorn Reichsjustizmini­ster sei ein Schreiben an die Länder ergangen, vorläufig mit Rücksicht auf diese Verhandlungen die Vollstreckung von Todesurteilen auszu- setzen. Dieses Schreiben habe Preußen zur Kenntnis genommen. Eine grundsätzliche Stel­lungnahme der preußischen Staatsregierung sei aus diesem Anlaß nicht erfolgt und kein Erlaß an die Justizbehörden ergangen. Eine Antwort fei auf das Schreiben von dem Justizministerium nicht verlangt und nicht erteilt worden.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Lands­berg wies auf die Scheußlichkeit des Vorganges einer Hinrichtung hin und auf die uner­hörte Grausamkeit, die die Todesstrafe gegen den Verurteilten mbl sich bringe. Es sei auch geschichtlich unwahr, daß die Todesstrafe noch niemals an Unschuldigen vollstreckt worden sei. Mit dem Vorschlag einer dauernden Ver­wahrung des Mörders ohne die Möglichkeit einer Begnadigung könne sich seine Partei nicht befreunden.

Die deutschnationale TDgeordnete Frau Müller-Otfried setzte sich für die Bei­behaltung der Todesstrafe ein. Höher als das Mitleid mit Verbrechern müsse das Mit­gefühl mit den Opfern stehen. Die Red­nerin lehnte auch die Ausnahmebehandlung für verbrecherische Frauen ab. Es kam dann zu einem kleinen Zwischenfall. Der sozialdemo­kratische Abgeordnete D i't 1 m a n n griff die Vor­rednerin heftig an und bezeichnete es als un­erhört, aus dem Munde einer Frau solche Wort« zu hören. Er warf der Rednerin Gefühllosigkeit und Hartherzigkeit vor und erklärte, er habe für «in« solche Frau nur ein kräftiges Pfui. Der Vorsitzende Dr. Kahl rief den Redner des­halb zur Ordnung. Der Abgeordnete Ditt- mann bezeichnete die Todesstrafe als Kernfrage der ganzen Strafrechtsreform und erklärte, er werde für ein Strafgesetzbuch, das die Todes­strafe enthalte, keinesfalls fein« Stimme geben. Weiter sprach Dr. Iörissen (Wirtschafts­partei): Er erklärte, daß gegenwärtig für Ka­pitalverbrechen die Todesstrafe noch nicht zu entbehren sei. Eine Vollsabstinnnung würde für die Beibehaltung auSschlagen.

Oie Wohnungsansprüche der Rheinlandkommission.

Zur Uebersiedelungsfrage.

Frankfurt a. M, 24. Oft. (Landespresse­dienst.) Bekanntlich ist die Frage der lieber­sied l u n g der Interalliierten Rhein!andkorn- mission von Koblenz nach einer anderen Stadt des besetzten Gebietes akut. Es wurden bereits verschiedene Städte, darunter auch Wiesbaden, genannt als neue Unterkunft der Rheinlandkommission, doch ist die Frage bisher noch nicht entschieden. Die llebersiedlung wird für dre betroffen« Stadt wesentliche La st en mit sich bringen. Die Rhrinlandkommission um­faßt im ganzen 176 Personen. Da es sich meist um verheiratete Offiziere handelt, sind für sie 153 Wohnungen beschlagnahmt, außer­dem noch eine Anzahl von Einzelräumen. Die Rheinlandkommission hat außer diesen Privat- räumen die Dienstgebäudr des Oberpräsi­diums der Rhcinprovinz in Koblenz, das Ge­bäude des Regierungspräsidenten mit einer Reihe von Rebengebäuden, die Pavil­lons des Schlosses, Tennisplätze usw. beschlagnahmt. Die Kommission besteht aus 93 Franzosen, 48 Engländern und 35 Belgiern.

Oas Flottenkompromiß, ein Verrat am Weltfrieden.

Lloyd George über das britische Weitzbuch.

London, 24. Oft (TBI23. Funkspruch.) Rach demDaily Chronicle" erklärte Lloyd George auf die Frage nach seiner Ansicht über das britische Weißbuch: Das Dokument bestätigt was ich in Parmouih gesagt Hobe. Die Preisgabe unseres Standpunktes in der Frage der ausgebildeten Re­serven bedeutet, daß die Abrüstungskonfe- ren; eine Komödie sein wird. Es ist ein vollständiger verrat an der Sache des Weltsrieden s. Rach dieser von uns un­terstützten Vereinbarung hat Frankreich ein Heer von fünf Millionen Wann aufrechlerhalten, Polen ein Heer von zwei Willionen, die Tschechoslowakei ein Heer von eineinhalb Willionen. Der Kellogg- pakt ist unter diesen Umständen nicht einmal das Fahrgeld Lord Cushenduns für seine Reise nach Paris zur Unterzeichnung des Paktes wert

Oie Lage in Gpanien.

Primos Diktatur und das Heer.

Paris, 24. Oft. (Privatmeldung WTB. Funk pruch.) DemOoumal wird aus Madrid berichtet, General Prtmo de Rivera werde am 27. Oft bei feiner Rückkehr nach Madrid eine

durchgreifende Umbildung seine s Kabi­netts vornehmen. General San I u r o würde Vorsitzender des Kriegs- und Marineministe­riums werden. Finanzminister würde Graf Los Anges. Gleichzeitig werde die Regierung auch über die Strafmaßnahmen Beschluß fassen, die den ernsten Zwischen'«!! beilegen sollen, der sich am letzten Sonntag bei einer militärischen Zeremonie in Valencia ereignete. General Lopez Barrion soll nämlich in einer An­sprache bei Hebergabe einer Standarte an ein Kavallerieregiment erklärt haben: »An un­

serer Fahne fehlt eine dritte Farbe, das Symbol der Republi k." Diese Worte hätten bei den Anwesenden lebhaften Beifall ausgelöst. Der stellvertretende Mi- nisterprä!ident. General Anido, habe, als er von dem Zwischenfall erfuhr, sofort den Gene- ralkapitan von Valencia aufgefordert, seine De­mission einzureichen. Dieser habe dies kate­gorisch abgelehnt Das nunmehr in mili­tärischen Kreisen bekanntgeword.ne Ereignis hab« dort eine große Erregung ausgelöst.

Sie Lage in der rheinischen Lisenindnstne.

Aus dem rheinisch-westfälischen Industrierevier schreibt man uns:

Die Verhandlungen über die in der nordwest- deutschen Eisenindustrie ausgebrochenen Lohn­streitigkeiten sind jetzt in ein entscheidendes Sta­dium getreten. Wie erinnerlich, hat die Industrie beschlossen, ab 1. Rovember die Werke stillzu- legen. Ihr Vorgehen ist vielfach auf eine heftige Kritik gestoßen, namentlich ist ihr vorgeworfen worden, daß sie' einen Machtkampf anstrebe. Da­von kann keine Rede sein. Die Eisenindustrie hat t>en Kampf aufgenommen, weil sie endlich einmal dem Wettlauf zwischen Löhnen und Preisen ein Ende machen und ein für die gesamte Volkswirtschaft unbedingt erforder­liches stabiles Preisniveau schaffen will. Aus diesem Grunde hat sie sich zu dem äußersten Mittel der Kündigung entschlossen. Da die Gewerkschaften die Tarife gekündigt hatten, wäre vom 1. Rovember ab ein tarifloser Zu­stand eingetreten. Ein solcher wäre nicht trag­bar gewesen, denn bekanntlich geht die Taktik der Gewerkschaften schon seit geraumer Zeit da­rauf hinaus, während eines tariflosen Zustandes Teilstreiks zu veranlassen, um einen höheren Lohn zu erreichen oder beim Festbleiben des Werkes den Verband jedesmal vor die Frage zu stellen, gegen den Teilstreik in einem einzel­nen Werke eine Gesamtaussperrung als Ab­wehrmaßnahme anzuordnen. Es liegt auf der Hand, daß ein solcher Zustand ständig« Beun­ruhigung infolge der dauernden Abänderung der Lohnbedingungen darstellt.

Die Unternehmer betonen, daß sie die Er­haltung des allgemeinen Preis st an» des aus volkswirtschaftlichen Gründen für das erste Gebot ansehen und daß sie daher jede Er­höhung der Selbstkosten als eine schwere Be­drohung des schon jetzt außerordentlich über­spannten Preisniveaus ablehnen müssen. Es wird festgestellt, daß trotz gestiegener In- und Aus­landpreise die Erlöse bei fast allen Produkten feit Ende vorigen Iahres entweder überhaupt nicht oder nicht genügend gestiegen sind, um die Erhöhung der Selbstkosten wieder auszu- gleichen. Die Unternehmer haben bei den Ver­handlungen zahlenmäßig belegt, daß sämtliche Erlöse in der Eisenindustrie infolge des immer stärkeren Ueberwiegens der verlustbringenden Auslandlieferungen bei gleichzeitiger erheblicher

Steigerung der Selbstkosten seit Oktober 1927 rückläufig waren, und daß überdies der Auftragsbestand der Werke in dem dritten Vier­teljahr 1928 zwischen 25 bis 30 Prozent zurück­gegangen ist, während die Durchschnittsverdienste der Belegschaft in dem gleichen Zeiträume um 4 Prozent gestiegen sind. Die Gewerkschaften haben diese Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage nicht bestritten, halten sie aber doch noch für so gut, daß sie den Mehrverdienst in der Eisenindustrie im Monat Mai auf 48 Millionen Mark schätzen, während nach den Ziffern der Arbeitgeber in diesem Monat statt des vermeint­lichen Mehrerlöses sogar ein erheblicher Min- dererlos festzustellen war.

Wenig treffenZ> dürfte in diesem Zusammen­hänge der Hinweis der Gewerkschaften auf die erhöhten Produktionsziffern sein, denn einerseits sind Produktion und tatsächlicher Absatz verschiedene Dinge, da es natürlich bei rück­läufiger Konjunktur nicht sofort möglich ist, den Produktionsapparat entsprechend zu drosseln, und andererseits ist die Produktion, im arbeitstäg- lichen Durchschnitt gerechnet, bei den wichtigsten Werken, z. D. den Vereinigten Stahlwerken, in der Tat beträchtlich gesunken und zeigt weiter sinkende Tendenz. Vergegenwärtigt man sich das alles und berücksichtigt weiter die günstige Lag« der ausländischen Konkurrenz, von der insbeson­dere di« ftanzösischen Werke infolge ihres Kapi- tailüberflusses zu ebnem weiteren Ausbau ihrer Anlagen und zu entsprechender Selbstkostensen­kung imstande sind ganz abgesehen von den dauernd niedrig, etwa 50 Prozent unter unseren, liegenden Löhnen, so versteht man, daß für die Industrie diesmal die Haltung des all- gemeinenPreisniveaus von höchster Be­deutung ist.

Berbindlichkeiiserklärurrg der Schiedssprüche für die westdeutsche Textilindustrie.

Köln, 23. Oft. (WB.) Die Nachoerhandlungen über die beiden Schiedssprüche in der Vürener und M.- Gladbacher Textilindustrie vor dem Schlichter für das Rheinland endeten abends mit der Derbindlichkeitserklärung der beiden Schiedssprüche. Für die Diersener Seidenb«triebe wurde ein Sonderabkommen vereinbart.

Aus aller Wett.

Eine Ehrung des deutschen Handwerks.

Der 75. Geburtstag Harry Plate s, des Ehrenmeisters des deutschen Handwerks, gestal­tet« sich für den Jubilar als ein Ehrentag von seltenem AuSrnatz. Zahlreiche Abordnungen hat­ten sich emgefunden, um Plate ihr« Glückwünsche auszusprechen. Für die Reichsregierung, ins­besondere für das Reichswirtschastsministerimn, war Ministerialdirektor Dr. Reichardt erschienen, der folgendes Handschreiben Hinden­burgs mit dem Bild des Reichspräsidenten und ein Schreiben des Reichswirtschaftsministers überbrachte:

Sehr geehrter Herr Plate!

Da ich leider wegen Trauerfalles in meiner Familie meine Gratulation zu Ihrem 75. Geburts- tage gelegentlich meiner Anwesenheit in Hannover nicht persönlich überbringen kann, bitte ich stall dessen schriftlich von Herzen treue Dünsche senden und beifolgendes Bild zukom­men lassen zu dürfen.

Wit vielen Grüßen in Verehrung Ihr ergebener von Hindenburg

Ehrenmeister des deutschen Handwerks."

Ministerialdirigent Schindler vom preußi­schen Handelsministerium sprach die Glückwünsche der preußischen Staatsregierung und des preußi­schen Handelsministeriums aus. Er überbrachte zugleich ein Schreiben des Handelsministers und in dessen Auftrag eine kostbare Vase. Don den zahlreichen übrigen Rednern seien hervorgehoben Oberpräsident R o s k e, Dr. Mensch als erster Vorsitzender des deutschen Handwerk- und Ge­werbekammertages, der Vorsitzende des Reichs­verbandes des deutschen Handwerks und der Rektor der Technischen Hochschule in Hannover.

Der Weg zum Erfolg desGraf Zeppelin".

Die Amerlla-Fahrt des neuen deutschen Zeppe- linluftschiffes gibt Veranlassung, sich derO k - t o b e r d a t e n in der Entwicklung der Luft­fahrt und des mühseligen Weges zu erinnern, der begangen werden mußte, ehe das Streben von Erfolg gekrönt war. Am 8. Oktober 1883 führte das mit einem Elektromotor getriebene Luftschiff der Brüder Tissantier in Paris feinen ersten Flug aus. Am 9. Oktober 1890 voll- sührte Major Adler als erster mit seinem Drachenflieger Fole" in Frankreich einen Streckenslug über ... 50 Meter. Am 13. Oktober 1902 verunglückt« das Luftschiff des Barons Bradskh in Paris; der Erfinder und sein be­gleitender Ingenieur fanden den Tod. 1905 be­gannen von Toul aus die ersten Flüge des französischen MNitärluftschifsesL e b a u d y - Iulliot II". Am 9. und 10. Oktober 1906 erfolgten die beiden ersten Ausstiege des Zep- p e l i n s ch i s f sZ. III.. Ein Iahr später nahm das englische MilitärluftschifsRulli Secun- du s seine Probefahrten auf. Wieder ein Iahr weiter, und Wilbur Wright vollführte aus seiner Maschine den Sensationsflug von 1,04 Stunden Dauer mit einem Passagier! Am 10. Ok­tober 1909 durch flog der Deutsche Hans Grade 13 Kilometer in 11 Minuten 12 Sekunden. Dom 8. bis 12. Oktober führt« das Parsevallust- s ch i f f VI. seinen Aussehen erregenden Fernflug von München nach Berlin durch, geführt von Oberleutnant Stelling und Regierungsbaumeister

Hackstetter. Wir feiern in diesen Tagen die Sie­ger über das Element laßt uns dies« Pioniere nicht vergessen!

Der Schuh der Arbeit.

In diesen Tagen feiert ohne raufdjenbe FesteS- klang-e das Deutsche Arbeitsschuh- museum sein 25jähriges Bestehen. Lind doch ist dieses Museum eines der praktisch wichtigsten und segensreichsten Institutionen, di« wir be­sitzen. Das Arbeitsschutzmuseum umfaßt das ganze weite Gebiet der Unfallverhütung, es ist ein Mittelpunkt in der deutschen sozialen Arbeit geworden. Vor jetzt beinahe 40 Iahren wurden die ersten Llnfallverhütungsvorschriften erlassen und damals begann di« erste Vorarbeit für dieses Museum, das zunächst aus dem Ma­terial der Erftnder und Konstrukteure entstand, daS in immer größeren Massen dem Reichs­versicherungsamt eingefanbt wurde. Rach langen schwierigen Verhandlungen gelang es denn, das Arbeitsschutzmuseum mit den Beständen des Reichsvers-icherungsamtes als Grundstock des Ausstellungsmalerials zu gründen. Mit der Ent­wicklung der Technik mußte das Museum ständig erweitert werden. Auch von der privaten In­dustrie wurden -wertvolle Stiftungen gemacht, wie z. B. die Hergabe des großen Hygiene- Mus-eums, daß die A.E.G. dem Arbeitsschutz­museum geschenkt hat. So wurde besonders klei­neren Industriewerken Gelegenheit gegeben, an einer zentralen Stelle die Möglichkeiten des neuesten Unfallschutzes zu sehen und mit den eigenen Maßnahmen in dieser Richtung zu vergleichen. Das Arbeitsschutzmuseum ist das praktischste deutsche Museum.

Der Raubmörder

Johann Heidger noch nicht gefunden.

Köln, 23. Oktober. (WB.) Die Absperrung und Durchsuchung des Häuserdreiecks zwischen Riehler Wall, Niederländer Ufer und Oppenheim- Straße, wo der Mörder Johann Heidger zuletzt ge­sehen wurde, dauert fort. Spuren von ihm wurden dabei noch nicht gefunden. Ein Diebstahl von Medikamenten in der Eifelstraße wird vielfach in Zusammenhang mit den Brudern Heid- aer gebracht. Die Untersuchung ergab aber einen solchen Zusammenhang bisher nicht. Bei der Ver­folgung wurden vier Personen durch die Schüsse der Verbrecher verwundet, der Gärtner Peters aus Köln erhielt einen Oberschenkel- und einen Bauch­schuß und schwebt in Lebensgefahr. Bei den anderen Verwundeten handelt es sich um Poli­zeibeamte, von denen einer durch einen Blasen- und Darmschuß schwer, di« anderen leichter verletzt wur­den. Der am Samstag bei dem Kampf mit den Verbrechern verletzte Landjäger Schmitz ist außer Lebensgefahr. Auch bei dem in der vergange­nen Nacht schwerverletzten Oberwachtmeister Stam­mel besteht keine Lebensgefahr. Nach Blättermel- düngen verfolgte die Polizei im Laufe des Nach­mittags eine neue Spur, da gemeldet worden war, daß auf dem Rhein ein Nachen ab­handen gekommen ist, der später ans Ufer getrieben ist. Ob der Mörder mit dem Nachen ent­kommen ist, ist bisher noch nicht sestgestellt.

Die BtiUanlen-Ria verhaftet.

Don der Leipziger Kriminalpolizei wurde die 28jährige Klara Partenfelder, die den Spitz­namen »Drillanten-Ria trägt, unter dem drin­genden Verdacht verhaftet, Mitglied oder sogar

Anführerin einer Einbrecherbande zu fein, die in Süddeutfchland eine Reihe großer, bisher unaufgeklärter Verbrechen verübt pat Angeblich bediente sich die Bande bei denRaub- zügen eines luxuriös eingerichteten Wohn- a u tos, in dem sich auch Schweiß apparate und modernste Einbrecherwerkzeuge befanden. Rach anfänglichem Leugnen gab die Verhaftete einen Teil der Einbrüche zu. Sie kam gerade aus Stuttgart: tags zuvor war dort ein Einbruchdiebstahl verübt worden, bei dem ein Bahnwärter so geknebelt wurde, daß er erstickte. 0b die Verhaftete damit in Ver­bindung steht, wird erst die Untersuchung er­geben. Die Partenfelder ist nach ihrer Festnahme in den Hungerstreik getreten.

Tagung der deutschen haupksürsorgestelle für Kriegs­beschädigte und Kriegerhinterbliebene.

Am 19. und 20. Oktober tagten ht Dresden die Leiter der HauptfürsorgestAlen für Kriegsbeschä­digte und Kriegshinterbliebene. Es waren 32 Hauptsürsorgestellen vertreten: erschienen waren ferner Vertreter des Reichsarbeitsministeriums, der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung, des preußischen Docks- Wohl,'ahrtsministeriums, des Verbandes der Preu­ßischen Provinzen und der Direktor der Kredit- gemeinschaft der gemeinnützigen Selbsthilfeorgani­sationen. Ern« Reihe Fachfragen, wie Wohnungs­und Siedlungsfürsorge für Kriegsbeschädigte, Er- ziehungs- und Derufsfürsorge 'für Kriegerwaisen und Kriegsbeschädigtenkinder, Heilstürsorge für Kriegshinterbliebene. Zweifelsfragen des Zusatz- renlenwe'ens, Arbeitssürsorge als aufbauende Wohlfahrtspftege, Kapitalabfindung und Fragen des Schwerbeschädigtengesetzes wurden behandelt. Die Teilnehmer besichtigten außerdem eine Reihe sozialer Einrichtungen.

Die neue Welle des Deutschland-Senders.

Berlin, 23. Ott. Da auf der Funkkonferenz in Washington 1927 für die auf langen Wecken arbeitenden Grohrundfunksender das Weckenband 1340 bis 1875 Meter vorgesehen ist, muh auch die Wellenlänge des D e u t s chl a n d-S en - der auf die Welle 1 649 umgeändert werden. Dieser Umbau, der eine ungeheuere Summe verschlingt, hat bereits begonnen und wird noch in diesem Monat beendet sein. Da im Anfang aber noch mit Störungen in größerem Umfange zu rechnen ist, wird die Umstellung des Deutschland-Senders praktisch erst nach und nach erfolgen. Auf der Internatio­na le-n Funkkonferenz gelang es bedauerlicher­weise den anderen Staaten, vor allem aus mtli* tärtechnischen Gründen, diese neue Wellenver­teilung durchzusehen.

Das Fiasko der deutschen Windhundrennen.

Die vor etwa Iahresfrist in Deutschland von englischer Seite ins Leben gerufenen Windhund­rennen und d-« zu diesem Zweck« gegründeten Gesellschaften haben jetzt, nachdem es sich schon nach den ersten offiziellen Rennen herausstellte, wie wenig Interesse in Deutschland da­für vorhanden ist, endgültig liquidieren müssen. Dieser Tage standen in Potsdam einige 100 Windhunde, Tiere, die von England gekom­men waren und ausschließlich für di« Rennen dressiert wurden, zur Versteigerung. Aber auch dabei war das Interesse des Publikums außer­ordentlich gering, so daß sich die Besitzer ge­nötigt sahen, den weitaus größten Teil der Tier«, um Die nicht unecheblichen Kosten für ihre Unter­haltung zu tragen, zu verschenken.

Oie Wetterlage.

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Dienstag, EzS d.23. Okt. 1928.7hat?ds.^

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Unter deut Einfluß höheren Druckes, der von Südwesten her oorgestoßen ist, kam es zur Auf­lösung der Wolkendecke, so daß während der ver­gangenen Nacht zeitweise wolkenloser Himmel herrschte. Infolgedessen gingen die Temperaturen stark zurück und in unserem Bezirk lag das Mini­mum etwa fünf Grad tiefer als am Vortaae. Durch das erneute Vordringen warmer Luftwaffen, di« das Nordmeertief mit sich führt, wird der Hoch- druckeinfluß wieder zerstört und unter zellweiser stärkerer Bewölkung treten abermals Niederschläge auf. Die Luftzufuhr, die vorwieaend aus Südwesten kommt, nimmt zunächst infolge stärkerer Barometer- gefalle zu und führt wieder au mildem Wetter.

Wettervoraussage für Donnerstag: Mild, wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen, lebhafte Südwestwinde.

Witterungsaussichten für Freitag: Wolkiges Weller mll vorübergehender Aufheiterung, etwas frischer, einzelne Niederschläge.

Lufttemperaturen am 23. Oktober: mittags 12,7 Grad Celsius, abends 6,6 Grad Celsius: am 24. Okto­ber: morgens 7,9 Grad Celsius. Maximum 12,5 Grad Celsius, Minimum 4,9 Grad Celsius. Erdtempera­turen in 10 Zentimeter Tiefe am 23. Oktober: abends 9,6 Grad Celsius: am 24. Oktober: morgens 6,9 Grad Celsius. Sonnenscheindauer zwei Stunden.