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Nr. 251 Erstes Blatt
178. Jahrgang
Mittwoch, 2$. Oktober 1928
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Ort'# vnd Verlag' vrLHI'Iche Untve-siISi,-vuch. and Steinörutfetef TL r-nge in Sietzen. Sdjriftiettnng und S-schästsftelle: Schnlltratz-1
Das Reichskabmett macht selbst VoWage zur Reichsresom
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Dr Friedr. Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THynot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An» zeigenteil Kur« Hillinann. sämtlich in Bietzen
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Eine Enischtießung der Reichsregierung wird der Länderkonferenz vorgelegt. - Vertagungsanirag Bayerns. Die Länder bereiten Ergänzungsvorschläge vor.
Reich und Länder.
Don unserer Berliner Redaktion.
Berlin, 24. Oft. Cs war ohne Frage eine besondere Erleichterung für die weiteren "Beratungen des "Ausschuss der Ländetionferenz. daß sich die Reichsregierung ent chwtz, selbst Vorschläge für die V e r f a s s u n g s re- form zu unicrbrei en. de im wesent ichen darauf hinausgehen, eine starke Reichsgewalt zu schaffen, trotzdem aber leistungsfähige Länder zu erhalten, andererseits aber den Dualismus Reich-Preußen so zu be- fettigen, daß die hierbei gerade in ganz besonderem Matze auf tretenden Verwaltung. Überschneidungen behoben werden. Damit sind all die zahlreichen Denlschristen ad acta gelegt, denn sonst hätte die Gesahr bestanden, datz man sich in eine endlose Disku sion einlietz, die doch am Ende zu keinem Ziel geführt hätte. Run müs.en die Mitglieder des Ausschusses Farbe bekennen, ob sie auf dieser Basis eine Reichsreform wollen. Bayern hat ja sofort erklärt, datz es die Vorschläge der Reichsregierung nicht als geeignete Grund age für die W.ierLeraiung der Reichsreform anseyen könne, sagt allerdings nicht, warum es zu dieser ablehnenden Haltung komme, beweist aber wieder einmal, daß es Da ern gar nicht so sehr an einer Reichsreform gelegen ist, schon weil dadurch eine Stärkung der Reichsgewalt herbei esührt wird, die den Bayern untragbar scheint.
Dadurch ist natürlich eine schwierige Situation entstanden, und der Bund zur Erneuerung des Reiche- könnte vielleicht in diesem Zusammenhänge mit Recht sagen, datz er eben aus diesem Grunde, weil Bayern jede Stärkung der Reichsgewalt ablehnen würde, in seinen Vorschlägen Bayern zunächst völlig herausgelassen habe, um die Reichsreform an sich dadurch nicht zu erschweren. Run weih man zwar noch nicht, wie die Dinge weiter entwick.lt werden können. Autzer Bayern werden Wohl alle Länder sich energisch für eine Reichsreform einsehen. Droh dem stört die Haltung Bayerns selbstverständlich die Entwicklung. Gewiß kann man den Bayern keinen Vorwurf daraus machen, datz sie ihre Selbständigkeit erhalten wollen, das wird ihnen aber auch von feiner (Seite bestritten. Wenn wir aber nun einmal ein Deutsches Reich sein wollen, uni) Bayern erklärt ja auch immer wieder, datz es fest am Reiche halte, dann müssen wir doch auch eine Reichsgewalt schaffen, die eben in vernünftiger Weise regieren kann, und nicht immer wieder in ihrer Exekutive gehindert wird, well sie nach der Verfassung diese an andere Kompetenzen weitergeben mutz, die dann ihrerseits von einem ganz anderen Standpunkt ausgeht.
Cs gibt aber nun einmal Aufgaben, die völlig einheitlich im ganzen Reiche durchgeführt werden müssen. Das wird ja auch in dem Referat des hessischen Staatspräsidenten Adelung betont, der ausdrücklich erklärt, datz im staatsrechtlichen Verhältnis zwischen Reich und Ländern klargestellt werben müsse, welche Machtbefugnisse das Reich zur Wahrnehmung der Aeichsinteressen nach außen und innen zu erhalten habe. Wenn also Bayern jetzt den Regierungsvorschlag ablehnt, so wäre es doch zweckmäßig, wenn es seinerseits eingehend zu den einzelnen Vorschlägen Stellung nehmen würde. Es sind doch darin eine ganze Reihe von Punkten enthalten, die auch nach bayerischer Ansicht durchgeführt werden können. Daß etwas getan werden mutz, ist klar: ebenso klar ist es aber auch, datz die Reform nicht verschleppt werden darf, denn hier stehen die wichtigsten Interessen des Reiches auf dem Spiele. Hoffentlich wird die Entschlie- tzung der Reichsregierung wenigstens dazu beitragen, datz die praktische Arbeit nunmehr bald 'n Angriff genommen wird. Denn es ist jetzt wahrlich genug der theoretischen Auseinandersetzungen, die Reform muh jetzt in Angriff genommen werden.
Die Lniiiaiive der Reichsregierung.
Berlin 2Z.Ott (3BIS.) In der heutigen Sitzung des Ausschusses für Versassungs- und Verwaltungsreform gab Reichskanzler Müller eine Entschließung der Reich sregie- r u n g bekannt, welche in der vorhergegangenen Kabinettssitzung einstimmig beschlossen worden war. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut:
„Auf Grund der gestrigen Verhandlungen des Ausschusses erklärt die Reichsregierung:
1. Die Reichsreform muß getragen fein von der Erkenntnis der Rotwendigkeit einer star- ken Reichsgewalt, der Bedeutung der vielgestaltigen Eigenarten des deutschen Volkslebens und des Erfordernisses sparsamster Finanzge - b o r u n g der öffentlichen haushalte.
2. Eine territoriale Neugliederung ist erforderlich und darf sich nicht beschränken auf solche Gebiete, die infolge Gemengelage einzel
ner Gebietsteile eine besonders erschwerte und kostspielige Verwaltung haben.
3. Ls ist erforderlich, als Glieder des Reiches leistungsfähige Länder bestehen zu lassen, hierfür ist zu prüfen, wie die Verwaltung der Länder zu gestalten ist (Wahl der Landtage, Amtszeit der Regierungen, Landessplhej.
Ferner soll geklärt werden, wie die Organisation des Unterbaues in den Ländern nach einheitlichen Reichvgrundfähen (Reichsrahmengesehen) eingerichtet werden kann.
4. Die Beseitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen erscheint im Rahmen der Lndlösung erforderlich. Deshalb ist zu klären, wie in diesem Falle das Verhältnis des Reiches zu den übrigen Ländern und die Zusammensetzung des Reichsrates gestaltet werden soll.
5. Die Verwaltungsbezirke des Reiches und die Ländergrcnzen sind nach Möglichkeit einander anzupassen.
6. Die Einrichtung der Auftrags Verwaltung ist in dem Sinne auszuarbeilei, daß die Reichsregierung die Länderregierungen mit der Ausführung von Angelegenheiten der Reichs, "rwal- lung beauftragen kann, so daß die verwallun als- dann nach näherer Anweisung der Reichsregie, g geführt wird und für die Ausführung die Vera« Wartung nicht gegenüber dem Landtage, sondern gegenüber dem Reichstag besteht.
7. Es ist zu prüfen, inwieweit den Ländern zur Erledigung im Wege der Eigenverwaltung Aufgaben übertragen werden können, die nicht als Lebensfragen der Ration vom Reiche oder lm Auftrage des Reiches zu erledigen sind. Auf vielen Gebieten wird sich das Reich mit einer Oberschicht von Gesehen und Anordnungen begnügen und die nähere Durchführung den Ländern unter selbständiger Verantwortung überlassen können.
8. Die Reichvregierung empfiehlt dem Ausschuß, zur Bearbeitung dieser Fragen zwei Unterausschüsse einzusehen, von denen der erste Vorschläge für die neue Abgrenzung der Länder und Reichsverwaltungsbezirke und deren zweiter Vorschläge für die Z u st ä n d l g k e i t der Länder und deren Organisationen zu machen hat.
Die heutige Sitzung der Oänderkonferenz dauerte bis gegen 2 Hljc. Sie vertagte sich dann aus morgen vormittag 11 LlHr. Die Vertagung geht auf einen Antrag des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held zurück, der der Auffassung ist, daß die Entschlietzung der Reichsregierung eine neue Situation geschaffen habe, zu der die Delegationen der Länder erst Steilung nehmen mühten. Die Entschlietzung hat in Kreisen der bayerischen Delegation einige Tleberraschung hervorgerufen, zumal sie einstimmig gefaßt ist, also auch die Zustimmung des Reichspostministers Schätzet gefunden hat, der der Bayerischen Dolkspartei angehört. Auf bayerischer Seite werden besonders die Teile der Entschließung als ungeeignet angesehen, die eine stärkere Betonung der Reichsbefugnisse gegenüber den Aufgaben der Länderregierungen anstreben.
Die Delegationen der Länder haben nun heute abend in der Reichskanzlei eine gemeinsame Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, datz die Länder in der morgigen Plenarsitzung des Ausschusses Ergänzungsanträge zu der Entschließung der Reichsregierung einbringen werden. Diese Anträge sollen es ermöglichen, trotz der starken Bedenken, die namentlich von bayerischer Seite geäußert wurden, auf der Grundlage der Entschlietzung der Reichsregierung an dem Problem weiterzuarbeiten. Sie werden von den Ländern einzeln gestellt werden, da die Länderinterefsen gegenüber den Reichsvorschlägen verschieden gelagert sind. Preußen war an der heutigen Besprechung nicht beteiligt, es wird aber morgen eine Erklärung abgeben, die besonders den preußischen Standpunkt zu den in Artikel 4 der Reichs- Vorschläge behandelten Fragen des Dualismus zwischen Preußen und dem Reich zum Ausdruck bringen wird. 3m übrigen übt Preußen offenbar Zurückhaltung. So wird auch hervorge- hoben, datz die heutige Sitzung des preußischen Kabinetts sich nicht mit diesen Fragen beschäftigt hat.
3m übrigen haben sich die heutigen Verhandlungen so entwickelt, daß die Delegationen jede für sich beraten haben. Dann hat Bayern die Fühlung mit Württemberg und Baden ausgenommen und daraus ergab sich die gemeinsame Besprechung mit den übrigen Ländern, mit Ausnahme Preußens. Die Ent- chließung der Reichsregierung wurde in ihren einzelnen Punkten durchgegangen, und es ergab sich, datz sie nach Auffassung der Ländervertreter in vielen Fragen eine 3nterpretation notwendig macht, die nun durch die angekündigten Grgän- zungsanträge gleich hineingearbeitet werden soll.
Besonders werden auf bayerischer Seite die f Punkte 6 und 7 als unklar angesehen, die sich mit der Einrichtung der Auftragsverwaltung beschäftigen. Der bayerische Standpunkt — es wird angedeutet, daß er dem der übrigen süddeutschen Länder nahelommt — geht dahin, datz die Vorschläge annehmbar sind, wenn die Auftragsverwaltung nur den Zweck haben soll, den Ländern Aufgaben zuzuweisen, die das Reich bisher selbst erfüllt hat, datz aber eine etwa damit beabsichtigte weitere Einschränkung der eigen staatlichen Rechte nicht tragbar fein würde und ab- gelehnt werden müßte. Auch die Lösung der preußischen Frage interessiert die süddeutschen Länder, weil sie von hier aus ein etappenweises Fort schreiten zur Auflösung auch ihrer jetzigen Rechte befürchten.
Bayerns „unantastbare Rechte".
Die Bayerische Bolkspartei hält äußerste Vorsicht geboten.
München, 23. Oft. (Sil) Zu der in der heutigen <5i;ung des Ausschusses der Länderkonferenz vorgelegten Entschließung der Reichsregierung schreibt die „Bayerische Volksparteiliche Korrespondenz": Man hat den Eindruck, als ob die Reichsregierung nicht den Mut hätte, das Kind beim Ramen zu nennen. Deshalb ist äußerste Vorsicht geboten, und es ist verständlich, datz der bayerische Ministerpräsident nach Bekanntgabe dieser Vorschläge die Vertagung der Konferenz bis auf den letzten Sag beantragt hat. Föderalisten sind bei diesem Dokument sicherlich nicht Pate gestanden, vielmehr hat man den Eindruck, daß jene Kräfte im Reichskabinett den Ausschlag gegeben haben, die auf den s og. dezentralisierten Einheitsstaat hinauswollen, wie dies der gegenwärtige R.ichsjustizminister Koch-Weser in seinem Vorschlag entwickelt hat. Der Kem- punft der Erklärung ist die Stellungnahme zur preußischen Frage. Man will den Dualismus zwischen Reich und Preußen beseitigen. Welche Regierung und welche Parlamente sollen verschwinden? Ratürlich die preußischen Staatsorgane. Man käme dann auf ein dezentralisiertes Preutzen hinaus, dessen einzelne Teile dem Reich als Selbstverwaltungsorgane unterstehen. An
diese provinziellen Selbstverwaltungskörper sollen die außerfreußischen Länd.r angepaßt werven. Will man darauf hinaus? Das s nd die Hauptfragen. die die Länder, die wirklich Länder im Sinne der Reichsverfassung bleiben wollen, zu stellen haben. Entscheidend bleib: für Bayern die Grundfrage, ob die beabsichtigt Reichsreform die bundes staatlich cStrut- t u r des Deutschen Reiches wahren will. D'.e den Ländern noch verbliebenen Hoheitsrechle, vor allem auf dem Gebiete der Justiz, der inneren Verwaltung und der Kultur sind und müssen unantastbare Rechte bleib.n. Alle Vorschläge, die von diesem Grundsatz abw'ichen, sind für Bayern und für alle Länder, die ihre Eiaen- staatlichkei! wahren wollen, nicht diskutabel. Stuttgart begrüßt die Znitiative des Reichskabinetts.
(Stuttgart, 23. Oft. (SU.) Zur Entschließung der Reichsregierung über die Reichsreform auf der Länderkonfevrnz schreibt der „Schwab. Merkur": Es ist autzerordentlich zu begrüßen, daß durch die anerkennenswerte Initiative der Reichsregierung nun ein frischer Zug in die reichlich abgestandenen Beratungen des Ausschusses kommt, und man muh sich darüber klar sein, datz dieses Vorgehen der Reichsregierung in gewisser Hinsicht ftaglos eine Desavouierung des Ausschusses bedeutet. Man hat sich im Kabinett zu der Auffassung durchgerungen, datz durch die immer wiederholten Schaureden der Ländervertreter gar nichts gewonnen wird, sondern daß der Ausschuß nunmehr von Amts wegen vor die Beantwortung ganz klarer Fragen gestellt werden muh. Zum Schluß weist das Blatt noch darauf hin, datz sich die Reichsregierung nunmehr für die Förderung der inneren Reform mit dem ganzen Gewicht ihrer Amtsstellung und dem Ansehen der in ihr befindlichen Persönlichkeiten eingesetzt hat, und datz jetzt vom Kabinett e i n Druck auf die schnelle Erledigung der Arbeit dauernd erfolgen wird. Das Kabinett hat mit dieser Entschließung einen guten Teil der Verantwortung für die innere Reform auf sich genommen, und man kann erwarten, datz es diese Verantwortung im vollen Umfang auch tragen wird.
DerpoliiischeKurs derBolkspariei.
Der Jrakiionsführer Scholz zur außen- und innenpolitischen Lage.
Tilsit, 24. Oft. (WB.) 3n einer von der Deutschen Dolkspartei einberufenen Versammlung gab Reichsminister a. D. Scholz-einen kurzen ileberblid über die außenpolitische Lage, in der sich Deutschland befindet, nachdem die deutsche Delegation von der Völkerbundstagung in Genf, die wichtige Entscheidungen gebracht habe, zu- rückgetehrt sei. Es sei objektiv notwendig aus- zuspvechen. daß auch durch Reichskanzler Müller die deutsche Ration in Genf in einer Weise vertreten worden sei. die der nationalen Würde Deutschlands vollkommen entsprochen habe. Man könne ihm ebenso wie der Auswärtige Ausschuß es getan habe, Dank dafür aussprechen. Die Stellung Deutschlands in Genf sei nicht leicht gewesen, und es müsse festgestellt werden dah die deutsche Diplomatie einen Erfolg erzielt habe: denn das Problem der Gesamträumung des Rheinlandes sei ausdrücklich durch die Mächte als ein zu diskutierendes Problem bezeichnet worden. Deutschland habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß es zwar eine Regelung dieser Frage begrüße, dah es aber seinerseits es nicht für zweckmäßig halte, diese Frage von sich aus an- zuschneiden. Auch hierin habe Deutschland in Gens vollkoimnen das erreicht, was es wollte. Die Reparationsfrage sei dort von an- derer Seite berührt worden. Das Problem sei in die internationale Diskussion geworfen worden mit dem Ziel einer möglichst schleunigen Festsetzung der Endsumme unserer Zahlungen. Wenn man jedes dieser beiden Probleme besonders betrachte, so glaube er, dah das deutsche Volk auf diplomatischem Wege erreicht habe, was es erreichen wollte. Allerdings seien mindestens zunächst äuherlich diese beiden Probleme miteinander verknüpft worden, und daraus könnten. wenn diese Verkoppelung aufrechterhalten bleibe, wesentliche Schwierigkeiten sich für uns entwickeln. Man muh deshalb fordern, dah diese beiden Probleme getrennt voneinander behandelt werden. Richt die Locarnopolitik habe Schiffbruch gelitten, sondern diejenigen Leute, die in die Locarnopvlitik Utopist i s ch e Hoffnungen gefetzt hätten
Wohin muß die deutsche Auhenpolitik künftig ihre Blicke richten? Er glaube, man forme diese Frage mit einem Wort beantworten: nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Amerika sei einmal der Gläubiger fast der ganzen Welt infolge der sogenannten Kriegsschulden, auf der anderen Seite sei auch Deutschland in
grobem Umfange an Amerika verschuldet. Wir hätten unsere Industrie und unsere ganze Wirtschaft in den vergangenen Jahren nicht aufrecht- erhalten können, chenn besonders die Kommuner« nicht viele Milliarden Anleihen von Amerika erhalten hätten. Diese Doppelstel- lung Amerikas als Gläubiger sowohl der Sieger als auch der besiegten Staaten lege Amerika eine große Verantwortlichkeit und besonders auch Objektivität auf. Amerika habe ein großes Interesse daran, dah wir nicht von unseren direkten Gläubigern, wie England, Frankreich, Italien usw. erdrosselt Werdern
Der Redner kam dann auf die Frage der Koalition im Reich und in Preußen zu sprechen. Aus allen Gebieten könnte fruchtbare Arbeit geleistet werden, wenn im Reich und in Preußen homogene Regierungen bestehen. Die Deutsche Volkspartei habe von Anfang an auch erklärt, daß in die zu bildende Große Koalition auch die Wirtschaftspartei einbezogen werden müsse. In kurzer Zeit dürfte dem Preußischen Landtag eine Vorlage unterbreitet werden, die ein Konkordat des preußischen Staates mit der römischen Kurie enthalte. Dieses Konkordat scheine nach dem, was bisher verlautbart wurde, für den preußischen Staat Verschlechterungen des bisherigen Zustandes zu bringen. In diesem Konkordat würden sogar die Schulen berührt. In dem Augenblick, wo das geschehe, entstehe eine vollkommen neue Situation; nicht nur, daß die Koalitionsoerhandlungen erschwert würden, sondern es würde auch die gegenwärtige Koalition in Preußen g e - sprengt werden, da die Demokraten austreten wurden. Die Deutsche Volkspartei würde natürlich nicht die Aufgabe übernehmen, an der Stelle der Demokraten dem Ministerpräsidenten zu einem Konkordat zu verhelfen. Zum Verhalten der Deutschen Volkspartei zumStahlhelm bemerkte Scholz, er sei bis vor zehn Tagen Mitglied des Stahlhelms gewesen, den er als Aufrechterhalter des alten Front- aeistes und als Erwecker des nationalen Gewissens für notwendig gehalten habe. Der Stahlhelm sei aber bewußt von seiner überparteilichen Haltung abgerückt und in die politische Arena hinabgestiegen. Daß er damit in Konflikte mit verschiedenen Parteien geraten würde, war von vornherein klar. Unmöglich sei es für ihn, Scholz, als verantwortliches Mitglied der Deutschen Volkspartei gewesen, zwei Herren zu dienen. Er habe sich deshalb vom Stahlhelm trennen müssen. Die Fraktionsvorstände der Reichstags- und der preußischen Landtagsftaktion hätten bekanntlich


