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Deutschlands Ziel in den Reparationsverhandlungen.
Unbedingter Schutz der deutschen Währung.
Berlin, 23. Oft (TU.) In einem Artikel über die neue Phase der Reparationspolitik weist die „DAZ." darauf hin, daß für die kommende Tagung der Sachverständigenkommission die Formulierung des Ausmaßes von besonderer Bedeu- tung sei. Es sei nicht möglich, einem Sachverstän- digen-Gremium einfach den Auftrag zu geben, die Endsumme zu fixieren mit der Deutschland für Reparationen belastet (eki solle. Es müsse geklärt werden, ob die Kommission von weltwirtschaftlichen Erwägungen, von der L e i st u n g s - söhigkeit Deutschlands oder von im Versailler Vertrag proklamierten Grundsätzen ausgehen wolle. Versäume Deutschland eine solche Klärung, dann bestehe die ernste Gefahr, daß die Sachverständigenkommission eine möglichst lange Dauer der Zahlungspflicht Deutschlands festsetzt, um zu einem I e tz t w e r t der Reparationsendsumme zu kommen, die den Wünschen Frankreichs einigermaßen entspreche. Je länger die Zahlungsjahre bemessen würden, um so mehr nähere man sich den Forderungen Poincares, die ja weniger auf die Leistungsfähigkeit Deutschlands, als auf das Prinzip abgestellt seien, daß Frankreich Deckung für d i e Kriegsschäden und für gewisse Budgetlasten haben muß. So könnte bann äußerlich dem Standpunkt der Leistungsfähigkeit Genüge getan, in Wirklichkeit aber Poincares Standpunkt akzeptiert werden. Man habe den Eindruck, daß die Gefahren des beschrittenen Weges nicht überall richtig erkannt würden.
In der „Deutschen Tageszeitung" wird darauf hingewiesen, daß in Deutschland keinerlei Anlaß bestehe, die These Poincares, daß Frankreich die Wiedererstattung seiner amerikanischen Schulden und Wiederaufbaukosten erhalten müife, zur Diskussion zu stellen. Sie finde nicht einmal im Versailler Vertrag, der von den Kriegsschulden der Alliierten kein Sterbenswort enthalte, eine rechtliche oder materielle Begründung. Ebensowenig können wir uns auf Verhandlungen über die Aufhebung des Transferschutzes einlassen. Wenn etwa auch der Reparationsagent selbst ernstlich an eine Aushandelung der Transferklausel gegen eine bescheidene Herabsetzung unserer jetzt untragbaren Jahresleistungen denken sollte, so müßten wir demgegenüber den Schutz unserer Währung unbedingt in den Vordergrund stellen. Amerika und die Schuldensrage.
Die Unterbringung der deutschen EisenbahnbondS.
Veuhork, 22. Oft. (Täl.) Wie aus Washington berichtet wird, verlautet in amtlichen Kreisen, daß die amerikanische Regierung voraussichtlich nichts gegen die Teilnahme amerikanischer Finanzkreise an den Reparatrvnsbcsprechungen einzuwenden habe. Die amerikanische Regierung habe feine Befugnisse, gegen den Ausschuß zu protestieren, der unter Umständen über Reparationen und Kriegsschulden im Zusammenhang beraten werde. Europa habe jedoch zunächst zwei Dvraussehungen zu erfüllen. Einmal die Reuregelung der Reparation und ein andermal die Ratifizierung des ameeifanisch- französischen Schuldenabkommens. Erst dann könne darüber beraten werden, ob die auf 62 Jahre vorgesehene Zeit für die Kriegsschulden abgekürzt werden könne. Auch die Unterbringung eines Teiles deutscher Eisen
der Seerüstungen. Aber es besteht ein Einverständnis mit der französischen Regierung, das erreicht wurde, bevor der Wortlaut des Kompromisses tatsächlich gezeichnet war. Das Einverständnis besagt: »Wenn die französische Regierung sich mit der britischen Regierung über die Frage der Seeeinschränkungen einigen rönne, dann würde die britische Regierung bereit sein, ihre Opposition gegen die Ansichten der französischen und der meisten anderen Regierungen in der Frage der ausgebildeten Reserven, die die Stockung der Verhandlungen der vorbereitenden Kommission im Wärz 1927 verursacht hatte, aufzugeben. Irgendwelche weitere Verpflichtung ist von feiner der beiden Regierungen eingegangen worden." — Am 10. August sandte Lord Cushendun an die Washingtoner Botschaft ein langes Telegramm mit der Weisung, es dem Staatssekretär Kellogg sobald wie möglich vorzulegen. Es beginnt mit der Bemerkung, in Washington scheine bezüglich der genauen Reichweite und des Zieles der englisch-französischen Marinevorschläge eine gewisse irrtümliche Auffassung zu bestehen.
Es wird betont, daß die Vereinbarung durchaus kein Vertrag fei und auch keinen bindenden Charakter habe, wenn sie nicht zur Unterzeichnung einer Konvention in Genf führe. Eine vorzeitige Veröffentlichung der Einzelheiten der Vorschläge könnte nur schädlich fein. Die Auffassung, daß ein Tauschhandel vorliege, beruhe auch auf einem Mißverständnis.
lieber die Frage der ausgebildeten Reserven wird in einem späteren Memorandum noch gesagt, die britische Regierung habe beständig eine Oluffafiung vertreten, die der Auffassung der französischen und der meisten anderen in der vorbereitenden Kommission vertretenen Regierungen en tgegengesetzt war. »Seit einiger Zeit aber ist sie sich klar darüber geworden, daß weiterer Widerstand ihrerseits gegen die Ausschließung dieser ausgebildeten Reserven angesichts der von der Mehrheit der vorbereitenden Kommis ton eingenommenen Haltung nur die Wirkung haben könnte, einen Fortschritt auf unbegrenzte Zeit zu verhindern. Schon im April 1927 hat der britische Vertreter in der Kommission, Discount Cecil, deutlich ein Aufgeben des britischen Widerstandes gegen die Majoritätsansicht im Interesse der Einigung in Aussicht gestellt. Infolgedessen war man, als beide Regierungen sich in der Frage der Seeeinschränkung einem Kompromiß näherten, der Ansicht, daß der Prozeß der Einigung sehr erleichtert werden könne, wenn die französische Regierung formell verständigt würde, daß ein von der französischen Regierung in der Frage der Marineklassifizierung gemachtes Zugeständnis der britischen Regierung d i e Aufgabe ihrer Opposition in der Frage der ausgebildeten Reserven ermöglichen würde."
Eme aufregende Verbrecherjagd in den Straßen von Köln.
Oie Gladbecker Raubmörder Heidger umstellt. — Ein Verbrecher von polizei- beamien im Kampf erschossen. — Auch ein Polizist seinen Verletzungen erlegen.
bahnbonds hänge von der Erfüllung der beiden ersten Voraussetzungen ab. Außerdem sei die Frage, ob Deutschland finanziell stark genug sei und ob Amerika überhaupt in der Lage sei, einen größeren Teil dieser Bonds aufzunehmen. Das Staatsdepartement müsse sich auf alle Fälle die üeberwachung des Verkaufs derartiger Riesenbeträge in Amerika Vorbehalten. Jeder derartige Plan müsse daher scheitern, wenn die amerikanische Regierung ihm nicht zustimmt.
Italien nimmt an den Äeparationsverhandlungen teil.
Auch Nom verlangt Bezahlung seiner eigenen Kriegsschulden.
Rom, 23. Oft. (Sil.) Während der Verhandlungen Parker Gilberts in Paris und London kündigten die italienischen Blätter an, daß der Repar ationsagent nach Rom kommen werde, um die italienische Regierung über den Stand der Reparationsfrage zu unterrichten. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß Parker Gilbert nicht nach Rom kommt. Er hat vielmehr Mussolini brieflich über das Ergebnis seiner bisherigen Besprechungen unterrichtet und Italien ersucht, an neuen Verhandlungen teilzunehmen. Einen Brief ähnlichen Inhalts von Schatzkanzler Churchill hat der englische Botschafter in Rom Mussolini überreicht. »Giornale d'Italia" ersäh.t dazu, daß zum Vertreter Italiens in der nach der Genfer Vereinbarung vorgesehmen technischen Kommission der Minister Dr. Pirelli ernannt sei. Die italienische Presse betont weiterhin, .Italien müsse darauf bedacht fein, daß die von Deutschland zu zahlende Endsumme mindestens so hoch bemessen werden müsse, daß der Anteil Italiens ausretche, um die eigenen Kriegsschulden z u bezahlen. Man wolle nicht Opfer bringen, die etwa wieder Frankreich zugute kämen. Die „Sribuna“ äußert die Ansicht, daß eine Revision des Dawesplanes unmöglich sei, wenn Amerika nicht in eine Revision der Kriegsschulden einwillige. Das Blatt beklagt es, daß Amerika eine Verkoppelung der Kriegsschulden mit der Re- parationssrage ablehne.
Das kommunistische Volksbegehren in Hessen.
Ein klägliches Ergebnis.
Darmstadt, 22. Oft. (Landespressedienst.) In die Listen des Panzerkreuzer-Begehrens haben sich, wie amtlich mitgeteilt wird, im (Stimm* kreis 33 (Volks st aat Hessen) insgesamt 12 8 9 9 Personen unterschriftlich eingetragen. Die kommunistische Wählerzahl bei der Reichstagswahl im Frühjahr 1928 betrug 52 007, so daß also nur e i n Viertel der damaligen Stimmen erreicht wurde. In den einzelnen hessischen Kreisen wurden an Unterschriften für das kommunistische Volksbegehren gegeben (die kommunistischen Reichstagswahlstimmen in Klammern): Darmstadt 1127 (1928: 4599), Bensheim 650 (2414), Dieburg 878 (2399), Erbach 286 (1264), Groß-Gerau 1240 (3952), Heppenheim 464 (1771), Offenbach 5248 (20 256), Alsfeld 59 (667), Büdingen 151 (1017), Friedberg 977 (3048), Gießen 195 (1429), Lauterbach 39 (267), Schotten 17 (313), Alzey 69 (387), Bingen 97 (600), Mainz 927 (5659), Oppenheim 10 (225) und Worms 465 (1740).
Insgesamt liegen von dem Volksbegehren Resultate bis jetzt aus 20 Wahlkreisen vor. In diesen 20 Wahlkreisen sind 924 181 Stimmen abgegeben worden. Die Gesamtzahl der Stimmberechtigten in diesen Kreisen beträgt 25 244 856.
Am Samstagvormittag wurde bekannt, daß sich die wegen mehrfachen Raubens und Erschießung eines Polizeibeamten in Gladbeck und Essen gesuchten Gebrüder Johann und Heinrich Heidger, sowie Karl Lindemann in einem Hause der Riehler Straße in Köln aufhalten sollten. Kriminalbeamten gelang es, die Verbrecher in dem bezeichneten Hause zu steilem Wäh.end Lindemann fest genommen werden konnte, ist es den Brüdern Heidger gelungen, zu entkommen. Bei der versuchten Festnahme der Brüder Heidger sind beiderseits Schüsse gewechselt worden, wobei ein Kriminalbeamter und ein Landjägerbeamter schwer verletzt wurden. Die beiden Schwerverletzten sind in das Vincent-Haus eingeliefert worden, wo der Kriminalbeamte bereits seinen Verletzungen erlegen ist. Die Brüder Heidger haben auf der Straße eine kleine Opellimousine angehalten, die Insassen durch Vorhalten einer Pistole zum Aussteigen gezwungen und sind dann mit diesem Auto geflüchtet.
Am Montag um 10 Uhr abends versuchten in der Riehlerstraße zwei jüngere Leute ein Motorrad zu stehlen. Ein Zollbeamter glaubte in ihnen die beiden Heidger zu erkennen und nahm ihre Verfolgung auf. Die Verbrecher begannen sofort zu schießen, konnten aber das Motorrad zur Flucht nicht benutzen, da dieses angeschlossen war. Der Beamte feuerte gleichfalls und lief den Fliehenden nach. Es kam zu einer erneuten Schießerei, an der sich auch ein Mann beteiligte, der auf seinem Fahrrade die Verfolgung mit aufgenommen hatte. Der junge Radfahrer wurde durch zwei Schüsse in den Unterleib und Oberschenkel erheblich verletzt. Flucht und Verfolgung trugen sich darauf durch die Riehlerstrahe hin. Hier stießen die Verbrecher auf einen dort haltenden Wagen der Straßenbahnlinie 12, schwangen sich hinauf und zwangen mit vocgeh lltenern Revolver Fahrer, Schaffner und Fah.gäste, den Wagen zu verlassen. Sie machten sämtliche Lichter in dem Wagen aus und rasten dem Zoologischen Garten zu. Fast alles hatte sich in wenigen Minuten
abgespielt. Vier Minuten nachdem es benachrichtigt worden war, war das Ueberfall- kommando zur Stelle, das den Wagen anhielt, aber die Banditen ergaben sich noch nicht. Sie verließen in schnellem Lauf den Wagen und eilten feuernd den Anlagen zwischen dem ehemaligen Vergnügungspark und dem Rheinufer zu. Inzwischen hatte sich eine große Menge Reugieriger angefammelt, welche die schwierige Aufgabe der Beamten in unnützer Weise erschwerten und sich auch unnütz in Gefahr begaben. Die ganze Anlage wurde jetzt umzingelt und von anderen Beamten wurden die Straßen von den Str aßen gängern geräumt Das Feuergefecht nahm an Heftigkeit zu. Bei dem weiteren Kugelwechsel wurde auch noch ein Polizeibeamter verletzt Der ältere Verbrecher flüchtete in einen Garten, der von einer hohen 23ad ft einmauer umgeben ist und verbarrikadierte sich dort. Die Belagerung hat um 11.30 Uhr begonnen. Das Kampffeld bietet den Anblick eines Schlachtfeldes. Hinter deil Bäumen haben sich die Beamten mit Pistolen in der Hand postiert. Sogar in den Bäumen fitzen Kriminalbeamte und halten Ausschau. Um Mitternacht wurde das Gelände von 5 Polizeihunden durchsucht Ein Automobil hat seine Scheinwerfer auf das in dem Garten stehende Gebäude gerietet Die Kriminalbeamten glaubten, im Lichte der Scheinwerfer in einer Fensternische die Gestalt des Räubers zu erkennen und gaben im ganzen etwa 20 Schüsse ab. Die Bevölkerung des ganzen Viertels ist in heller Aufregung. Gegen 23 Uhr kam es erneut zu einer wilden Schießerei, in deren Verlauf der 22 Jahre alte Heidger erschossen und mehrere Passanten verletzt wurden. Bisher ist es jedoch der Polizei noch nicht gelungen, des älteren Raubmörders Johann Heidger habhaft zu werden. Es ist anzunehmen, daß der Flüchtige verletzt worden ist. Ein gewalliges Aufgebot von Kriminal- und Polizeibeamten ist fieberhaft auf der Suche. Der Häuserblock, wo der Flüchtige zuletzt gesehen wurde, ist d i ch t u m st e l l t. Ob Heidger überhaupt noch in diesem Häuserblock oder in der Nähe sich befindet, ist g a n z u n g e w i ß.
Die Front gegen Rußland. DieAuswirkungen des polnisch-rumänischen Militärbündnisses.
B u k o r e st, 23. Oktober. (TU.) Für Mitte nächster Woche wird hier der französische General Le R o nd, aus Belgrad kommend, erwartet. Le Rand wird sich von Bukarest nach Warschau begeben. Bekanntlich war General Le Rond schon vor einigen Monaten in Bukarest, wo er zusammen mit mehreren polnischen Offizieren unter Führung von rumänischen Generalstäblern eine Besichtigungsreise durch Rumänien an die polnische, ungarische und tschechische Grenze machte. Dieser Besuch des französischen Generals ist von besonderer Wichtigkeit, wenn man bedenkt, daß Bestrebungen vorhanden sind, die Bewaffnung der polnischen und rumänischen Armeen zu vereinheitlichen und in Siebenbürgen mit Hilfe von Skoda und Creusot eine Waffen- und M unitionsf abrik zu gründen, die die polnische und rumänische Armee versorgen soll. Auch aus Warschau wird ein Generalstäbler in Bukarest erwartet, der zusammen mit Le Rand die Ausarbeitung der Einzelheiten des kürzlich abgeschlossenen polnisch-rumänischen Vertrages durchführen soll.
Oie westfälischen Textilarbeiter beantragen Verbindlichkeitserklärung.
Düsseldorf, 22.Okt. (WB.) In der heute ab« gehaltenen Sitzung der Spitzenorganisationen der Textilarbeiter wurde beschlossen, den Schiedsspruch anzunehmen und die Verbindlichkeits
erklärung zu beantragen. Die Gewerkschaften haben gleichzeitig einen Aufruf an alle Mitglieder beschlossen, in dem auf die grundsätzliche Bedeutung des Schiedsspruches und die Gründe, die zu feiner Annahme führten, verwiesen wird.
Der Lohnstreit in der nordwest- -eutschen Eisenindustrie.
Keine Einigung vor dem Schlichter.
Düsseldorf, 22.Oktober. (WB.) Heute fanden unter dem Vorsitz des Schlichters, Oberlandesgerichtsrates Dr. I ö t t e n, die Schlichtungsverhandlungen für b i e nordwestliche Gruppe der Eisenindustrie statt. Zu Beginn der Verhandlungen gaben die Gewerkschaften die Erklärung ab, daß sie vor Eintritt In die Schlichtungs- Verhandlungen eine Zurücknahme der Kündigungen verlangen müßten. Die Arbeitgeber erklärten hierauf u. a.: Da die Werke bei der schon an und für sich außerordentlich gespannten Selbstkostenlage weder die Unsicherheit eines tariflosen Zustandes, noch eine über ihr Angebot binausgehende Lohnerhöhung tragen können, mußten sie am 13. Oktober, als dem letzten gemeinsamen Kündigungstermin, durch allgemeine Kündigung die Aussperrung zum 1. November oorbe- reiten. Die Arbeitgeber haben stets.betont, daß sie sich dem Schlichtungsverfahren nicht entziehen wollen. Eine Zurücknahme der Kündigung kommt für die Arbeitgeber nicht in Frage.
Die Arbeitnehmer teilten daraufhin mit, daß nach ihrer Auffassung die Nichtzurücknahme der Kündigung ein absichtliche Verschärfung der Lage herbeiführen solle. Ihre Ablehnung, einen Treuhänder die Unternehmerzahlen nachprüfen zu lassen, versuchten sie mit dem Hinweis auf die angeblich zu kurze Zeitspanne zu begründen. Sie seien aber bereit, unabhängige Personen in Zukunft mit den Nachprüfungen zu betrauen, welche sowohl vom Arbeitgeberverband als auch von den Gewerkschaften oorgeschlagen würden. Zu einer Beteiligung an den Schlichtungsoerhandlungen seien sie bereit.
Da die Gewerkschaften unumschränkt an ihrer Forderung auf Lohnerhöhung von 15 Pfennig die Stunde festhielten, scheiterten die Erni- gungsverhandlungen vor dem Schlichter. Es wurde daraufhin eine Schlichterkammer gebildet. Die Verhandlungen werden erst am Donnerstag zum Abschluß gebracht werden.
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Aus aller Welt.
Schwerer Wirbelsturm in London.
£ o n b o u, 23. OtL (WTV. Junffprudj.) Ein Teil der Londoner Lity wurde gestern abend in der 9. Stunde plötzlich von einem kurzen, noch nicht einmal eine halbe Minute dauernden, aber ebenso schweren Wirbelsturm heimgesucht. Hunderte von Fensterscheiben wurden zerbrochen, mehr als 100 Ladenzeichen und -schilder wurden auf die Straße geworfen. Ziegelsteine wurden von den Dächern herabgeschleudert. Der Wind warf eine Anzahl Passanten zu Boden und die Luft war mit Ruß, Papierstücken, hüten und anderen Gegenständen angefüllt. Das Dach einer Arbeitsvermittlungsstelle wurde abgedeckt. 3n einem bekannten Lass riß der Wind die Türen auf, warf die im Flur stehenden Angestellten um und stürzte zwei große chinesische Schmuckvasen auf die Erde. 3n einem anderen Restaurant wurden die Tischtücher mit den darauf stehenden Schüsseln h e r - untergeweht. Die Omnibusse schaukelten während dieser Zeit hin und her wie Schiffe auf hoher See. Bemerkenswert ist, daß während dieser Zeit indenübrigenTeilenLondonsnurstar- ker Regen bei Nordwinden zu spüren war. Rach den bisherigen Meldungen wurden lediglich ein Mann und eine Jrau verletzt.
Das erste Luftschiffpassagebureau.
Reuyork, 22. Ott. (WTD.) Thomas Cook L Son kündigten heute an, daß sie auf Grund von Verabredungen mit der Goodyear Zeppelin Company den Verlauf von Passagier- Plätzen für die Rückfahrt des Zeppelins nach Deutschland übernehmen. Damit ist heute sozusagen das erste Passagebureau für den Luftschiffreiseverkehr in Amerika eröffnet worden. Die genaue Zahl der Passagiere, die mitgenommen werden können, ist noch unbestimmt. Wie verlautet, sind schon über 100 Bestellungen für Passagierplahe eingelaufen, von denen etwa zwölf berücksichtigt werden. Der Preis für die äleberfahrt soll 3000 Dollar betragen. 2In der geplanten Fahrt des „Graf Zeppelin" nach dem mittleren Westen werden außer drei Offizieren der amerikanischen Armee die Unter* staatssekretäre Warner vom Marineamt und Maccracken vom Handelsamt teil- nehmen. Im übrigen verlautet, daß Dr. Eckener, um die Lufttüchtigkeit des „Graf Zeppelin" zu erweisen, fest entschlossen ist, die Fahrt nach den Weststaaten sowohl wie die Rückfahrt nach Deutschland ohne Rücksicht auf die Wetterlage anzutreten.
liebet dem Aletschgletscher aus dem Flugzeug gestürzt.
Von Thun aus führte ein Militärpi- lot mit einer Passagierin einen Flug über die Alpen aus, wobei das Flugzeug über den Aletschgletscher in eine außerordentlich starke Fallbö geriet. Als es dem Piloten gelang, den Apparat wieder in die normale Fluglage zu bringen, bemerkte er eine Gewichtsverminderung und gewahrte, daß die Begleiterin aus dem Deobachtungssih Ij er a uS* gestürzt war. Die Rachforschungen einer von der Jungfrau-Dahn organisierten Hilfskolonne führten zur Auffindung der Leiche der Verunglückten auf dem Gletscher.
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Die Wetterlage nimmt durch die herrschende Druckoerteilung noch keine Beständigkeit an, denn erneute Störungsgebilde bestimmen weiterhin den Witterungscharatter. Wenn auch die Welle kühler Lust, die über England Barometeranstieg verursachte, in unserem Gebiet zeitweise Bewölkungszunahme und vorübergehend Temperaturrückgang bringt, so wird aber erneut eine Warmluftwelle wieder Erwärmung und Bewölkung verursachen. Das Auftreten zeitweiser Niederschläge besteht dabei fort.
Wettervoraussage für Mittwo ch: Meist bewölkt, aber auch vorübergehend noch geringer Temperaturrückgang; zeitweise einzelne Niederschläge.
Witterungsaussichten für Donnerstag: Noch keine Aenderung des Witterungscharakters.
Lufttemperaturen am 22. Oktober: mittags 12 Grad Celsius, abends 10,1 Grad Celsius; am 23.Ottober: morgens 9 Grad Celsius. Maximum 12 Grad Celsius, Minimum 9,1 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 22. Oktober: abends 10,4 Grad Celsius; am 23. Oktober: morgens 8,6 Grad Celsius. — Niederschlag 6,4 Millimeter.


