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Großer Betrugsprozeß in Gießen.
Gießen, 22. Okt. Heute vormittag begann vor dem Erweiterten Schöffengericht zu Gießen die Ver- Handlung gegen den ehemaligen Studienrat, jetzigen Kaufmann H. und den Kaufmann R., denen nach dem Eröffnungsbeschluß in gemeinschaftlicher Begangenheit zahlreiche Betrügereien — es stehen nicht weniger als 24 Betrugsfälle unter Anklage — und eine Reihe von Konkursvergehen zur Last gelegt werden. Außerdem ist noch der Kaufmann He. angeklagt, der sich in einem Betrugsfall der Beihilfe schuldig gemacht haben soll. Die Verhandlung wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen, da fast 60 Zeugen geladen und noch zwei Sachverständige zu hören sind. Die meisten Zeugen werden daher gleich wieder für heute entlassen.
Den Hauptteil des Tages nahm die Vernehmung der drei Angeklagten in Anspruch, die über ihre persönlichen Verhältnisse und dann in eingehender Weise über ihre geschäftlichen Beziehungen zu den seiner Zeit mit ihnen in Verbindung gestandenen Banken Auskunft gaben. Nachdem der Angeklagte H. infolge Abbaus im Jahre 1924 in den Ruhestand getreten war, begann er im Herbst desselben Jahres, um seine Einkünfte wieder zu erhöhen, ein Darlehens, und Hypotheken- vermittlungsgefckäft. Im April 1925 Bereinigte er sich mit dem Angeklagten R., der infolge finanzieller Schwierigkeiten seine chemischen Studien nicht beenden konnte. Mit R. gründete H. unter gemeinschaftlicher Firma eine offene Handelsgesellschaft. Wegen einer Reihe Unstimmigkeiten schied dann R. wieder im November aus der Gesellschaft aus. Obwohl beide Angeklagten keine buch- technischen Kenntnisse hatten, führten sie anfangs
selbst die Bücher, die aber infolge Unvollkommen- heit nicht die geringste Uebersichl ihres Vermögensstandes gewährten, so daß sie sich schließlich genötigt sahen, in der Person des Angeklagten He. einen Buchhalter anzunehmen. Dieser war auch zu einer ordnungsmäßigen Buchführung nicht in der Lage, da ihm seitens der Geschäftsinhaber keine ausreichenden Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden. Zum Zwecke der Geldbeschaffung traten die Angeklagten mit einer Reihe Bankinstitute in Verbindung. Zunächst mit der Volksbank in Philipp st ein, die den Angeklagten die von ihnen eingereichten Wechsel diskontierte. Als die Volksbank im Mai 1925 hierzu nicht mehr in der Lage war, traten die Angeklagten mit dem Bankhaus Rasch & Co., Frankfurt a. M. in Geschäftsverbindung, und zwar auf der Grundlage des Akzeptaustausches. Diese Beziehungen wurden einige Monate später schon wieder abgebrochen, da sie nach den Angaben des Angeklagten H., die ihnen von Rasch & Co. gegebenen Akzepte nicht bei ihren Kunden anbringen konnten. Nun fanden sie um diese Zeit in der Sparkasse Rodheim a. d. B. eine andere Geschäftsverbindung. Hierdurch wurde ihnen auf Grund eingereichter hypothekarischer Sicherheiten ein Wechseldiskontkredit eingeräumt. Aber auch hier traten schon nach einiger Zeit Schwierigkeiten ein. Alle diese Umstände, insbesondere den Zusammenbruch der Banken, will H. allein verantwortlich dafür machen, daß sie ihren Versprechungen nicht nachkommen konnten, wodurch ihren Kunden erheblicher Schaden entstand.
Anschließend an die Vernehmung der Angeklag- ten wurde nachmittags mit der Vernehmung der Zeugen begonnen.
Aus der yrovinzialbaupistadi.
Gießen, den 23. Oktober 1928.
Die Aufsichtspflicht des Lehrers bei vorauszusehender Gefahr.
Mit der vielumstrittenen Frage der Aufsichtspflicht des Lehrers hatte sich kürzlich das Reichsgericht zu befassen. Der Lehrer M. aus Eltville hatte anläßlich eines Schulausfluges seiner Klasse erlaubt, in einem neueingerichteten, von der Behörde aber noch nicht zum Betriebe freigegebenen Strandbad zu baden. Gegen diese Erlaubnis sind Einwendungen des anwesenden Bademeisters nicht erfolgt, ja er hat sogar ausdrücklich sein Einverständnis damit erklärt und hat den Lehrer nur auf gewisse gefährliche Stellen im Wasser aufmerksam gemacht. Der Lehrer hat diese Stellen den Schülern ausdrücklich als gefährlich bezeichnet und hat ihnen verboten, sich dorthin zu wagen. 3m Eifer eines Wasserballspiels ist ein Schüler aber doch über die erlaubte Grenze gegangen und ist ertrunken. Der Lehrer M. wurde deshalb wegen fahrlässiger Tötung unter Anklage gestellt, von der Strafkammer beim Landgericht Wiesbaden am 24. April 1928 aber sreigesprochen. Gegen diesen Freispruch legte der Anllagevertreter Revision e:n, die zu dem Ergebnis führte, daß das Wiesbadener Urteil durch das Reichsgericht aufgehoben wurde. Aus den Entscheidungsgründen des Reichsgerichts ist folgendes von Sntereffe:
Der Lehrer hat in einer Badeanstalt baden lassen, die noch nicht eröffnet war. Der Grenz- balken für die gefährliche Zone war noch nicht gesetzt. Richt die zuständige Behörde, sondern nur der Bademeister hatte die Benützung frei- gegeben. Der Lehrer M. durfte nicht, wie er es getan hat, sich darauf verlassen, daß seine Klasse gut diszipliniert sei und daß die Schüler seine Anordnungen befolgen würden. Diese Anordnungen gingen dahin, daß die Badenden nicht über ein bestimmtes Grasbüschel hinausgehen dürfen. Der Lehrer mußte wissen, daß die Kinder im Spieleifer solche Anweisungen gerne übertreten. M. hätte sich selbst in die Lage versehen müssen, die vorherzusehende lieber tre» hing seiner Anordnungen jederzeit korrigieren und so ein drohendes Unglück verhüten zu können: er hätte sich in den vorhandenen Rettungskahn begeben und an die bezeichnete Grenzstelle fahren müssen, ehe das Baden seinen Anfang nahm; er hat den Rachen aber erst betreten, als die Gefahr akut geworden, das heißt, als es zu spät war. Es sollen zwar die Derufsfreude und das Berantwortungsbewußtsein des Lehrers nicht durch Ueberspannung der Forderungen an die Aufsichtspflicht gelähmt werden, aber im vorliegenden Falle hat der Lehrer eben nicht alles getan, was von ihm verlangt werden mutz.
Louis Frech 70 Zähre alt.
Am morgigen 24. Oktober feiert unser Mitbürger, Prokurist Louis Frech, seinen 7 0. Geburtstag. Er entstammt einer alteingesessenen, schon im 16. Jahrhundert hier nachweisbaren Gießener Familie: unter anderen, die den Ramen Frech tragen, erscheint im Jahre 1583 der Bürger Dönges (Antonius) Frech, der der direkte Vorfahre des nun Siebzigjährigen ist. Louis Frech besuchte die Gießener Realschule und widmete sich dann dem kaufmännischen Berufe, in dem er noch heute als Prokurist der Firma Heyligenftaedt & Co. QL G. in voller Rüstigkeit tätig ist. Qi eben seiner Berufsarbeit hat er sich auch künstlerisch und literarisch betätigt. Er ist ein Maler von grohem Talent: was er auf diesem Gebiete leistet, das bietet er, ohne irgendwelche Anleitung und Unterricht in der Mallunst gehabt zu haben. Der Stadtkirche hat er vor mehreren Jahren eine Kopie der alten, 1810 niedergelegten Stadtkirche, und der Iohanneskirche ein farbenprächtiges Bild der Wartburg geschenkt. 2(15 feinsinniger und gemütvoller Schilderer früherer Gießener Zustande ist Louis Frech gleichfalls befannt. 3n dem von 1912 bis 1922 hier erschienenen Gemeindeblatt „Sonntagsgruh" hat er viele Erinnerungen aus seiner Kindheit veröffentlicht und bis in das einzelne genau, aber auch humorvoll, das alte Gießen, wie es ihm in feiner Kindheit und Jugendzeit entgegengetreten ist, wieder erstehen lassen.
Auskunst Sonntags geöffnet!
Die Kritik, die wir in unserer Rümmer 242 vom 13. Oktober an der sonntäglichen Schließung der amtlichen Auskunfts stelle am hiesigen Bahnhof übten und die durch Vorstellungen des Gießener Verkehrs-Vereines bei der Reichsbahn noch unterstrichen wurde, hat gute Früchte getragen. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, ist die bahnamtliche Auskunft jetzt auch Sonntags für den Publikumsverkehr geöffnet. 3n der Zeit von 8 Uhr bis 18 Uhr kann man dort Auskünfte erhalten.
Gic;;ener Wochcumarttpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Butter 190 bis 200 Pfennig, Käse (10 Stück) 60
bis 140, Matte 30 bis 35. Wirsing 10 bis 20 (pro Zentner 12 ML), We.hk.aut 8 bis 15 (6 ML), Rotkraut 12 bis 20 (10 bis 15 ML), gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinal 30 bis 40, Römischkohl 10, Unterkohlrabi 8 bis 12, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 50 bis 60, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 18, Meerrettich 50 bis 150, Kartoffeln (Zentner) 4,50 bis 4,70 ML, Aepfel (Zentner) 20 bis 32 ML, Dirnen (Zentner) 10 bis 18 ML. Zwetschen 15 bis 18, Hagebutten 15, Rüsse 60 bis 100, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120 das Pfund: Eier 16 bis 17, Blumenkohl 50 bis 150, Salat 15 bis 20, Endivien 10 bis 30, Oberkohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pfennig das Stück.
Daten für Mittwoch, 24. Oktober 1828.
Sonnenaufgang 6.39 Uhr, Sonnenuntergang 16.49 Uhr. — Mondaufgang 15.37 Uhr, Monduntergang 12.09 Uhr.
1796: der Dichter August Graf von Platen-Haller- mund in Ansbach geboren; — 1892: der Liederkom- ponist Robert Franz in Halle gestorben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „3ngeborg". Anfang 20, Ende gegen 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sein letzter Befehl". — Astoria-Lichtspiele, Selters- Weg: „ Achtung I Eprengstoftl"
— Stadttheater Gießen. Die heute ftatt- findende Vorstellung „Jngeborg" beginnt um 20 Uhr und endet um 22 Uhr. Die erste Wiederholung von Shakespeares „Richard III." findet am Mittwoch den 24. d. M. statt. In Vorbereitung ist Rudolf Presbers Lustspiel „Ballerina des Königs".
— V. D. QI. Kommenden Donnerstag Ortsgruppenabend mit Lichtbilder-Dorlrag von ©tu» Dienrat Dr. König über „DaS Deutschtum in der Slowakei". Siehe heutige Anzeige.
— Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, veranstaltet die Ortsgruppe Gießen am Donnerstag, 25. Oktober, 8.15 Uhr, im Saale des Katholischen Vereinshauses einen Vortragsabend des Himalaya-Forschers Dr. Bo e ck. Als Forschungsreisender hat Dr. Bock mehrere Jahrzehnte seines Lebens den dankbaren wissenschaftlichen Problemen gewidmet. Es ist, wie man uns schreibt, ein Genuß, zuzuhören, mit welcher Frische der Siebzigjährige von seinen Fahrten, die mit prächtigen Bildern umrahmt sind, erzählt. Näheres in der Anzeige.
** Erstreckung des Gewerbesteuergesetzes 1928 auf 1 9 29. Das hessische Gesamtministerium hat durch Verordnung vom 19. Oktober 1928 das Gewerbesteuergesetz 1928 auch auf das Rechnungsjahr 1929 erstreckt. Diese Verlängerung um ein Jahr war bekanntlich schon in dem Artikel 10 des Gewerbesteuergesetzes für 1928 vom 10. Mai 1928 vorgesehen.
Straßensperrung. Dom Oberhessischen Automobil-Club e. D. (QI. v. D.), Gießen, wird uns folgende Straßensperrung mitgeteilt: Dornassenheim—Offenheimer Kreuz im Zuge der Straße Reichelsheim—Assenheim für alle Fahrzeuge vom 22. Oktober bis auf weiteres, Umleitung über Weckesheim—Dorheim—Fauerbach.
** Bauvorhaben der Hessischen g e • meinnützigen Aktiengesellschaft für Kleinwohnungen. Zwischen der Straße „Am Kugelberg" und der Friedensstraße, entlang der Licher Straße, ist vor einigen Tagen mit der Ausführung von drei großen Baublöcken begonnen worden. Die beiden äußeren Blöcke kommen mit der Giebelfront, der mittlere (etwas zurück gerichtet) mit der Längsseite an die Straßenfront zu stehey. Diese Baugruppe bildet den Abschluß der Siedlungen am Kugelberg und der Friedensstraße gegen die Licher Straße. Jede der drei Baugruppen soll mit zwölf Drei-Zimmer-Wohnungen eingerichtet werden, so daß dort insgesamt 36 Wohnungen erstehen. Die Gebäude sollen in Beton oder Betonsteinmauerwerk hergestellt, mit Schiefer eingedeckt und später verputzt werden. Bauherr dieses Bauvorhabens ist die Hessische gemeinnützige Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen, während die Bauleitung dem hiesigen Architekten Hamann übertragen ist. An der Bauausführung sind die hiesigen Firmen G. Becker, R. Pfaff, H. Weimer und C. Wehrum beteiligt. Die Bauten sollen noch in diesem Herbst im Rohbau fertiggestellt werden.
** Eine Viehhändler-Versammlung wurde, wie man uns berichtet, gestern nachmittag mit Beschleunigung auf den gestrigen Abend in den Saal des Gewerkschaftshauses einberufen. Den Anlaß dazu soll nach diesen Informationen ein Zusammenstoß zwischen Polizeibeamten und Viehhändlern am gestrigen Nachmittag am Güterbahnhof gegeben haben. In der Versammlung, die von etwa 400 Viehhändlern besucht war, sollte als Zeichen des Protestes gegen die Polizei ein dreimonatiger Boykott des Gießener Diehmarktes beschlossen werden, icdoch gelang es den beruhigenden Einwirkungen von Vertretern des Verkehrs-Vereins und einiger anderer Herren, die Versammlung von diesem Beschlüsse abzuhalten und für eine gütliche Beilegung des Zwischenfalles zu gewinnen.
•* Ein schwerer Autounfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich gestern nachmittag gegen 1 Uhr in unserer Stadt. Ein mit drei Personen besetzter Personenkraftwagen, der von einer Dame gesteuert wurde, fuhr in der Marburger Straße gegen einen Baum. Dabei wurde der Chauffeur, der allein hinten im Wagen satz, herausgeschleudert, gegen eine Gartenmauer geworfen und sehr schwer verletzL Die beiden anderen Insassen trugen leichtere Verletzungen davon. Die Frciw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete die erste Hilfe und brachte den Chauffeur in die Chirurgische Klinik, wo er gegen 5 Ahr verstarb. Es handelt sich bei dem auf so tragische Weise Verunglückten um den 27 Jahre alten Robert Eifler aus Frankfurt a. M. Der Unfall soll durch einen Reifen- defekt herbeigeführt worden sein.
** Gängertagung in Gießen. Der Hessische Sängerbund, der unter dem Vorsitz des Ministerialrats Dr. S i e g e r t (Darmstadt) steht, hält seinen diesjährigen Bundes-Sängertag am nächsten Sonntag, 28. Oktober, in Gießen ab. Mit den Vertretern der Bundesvereine aus allen Teilen des Hessenlandes werden auch Delegierte der Gesangvereine in den angrenzenden preußischen und bayerischen Landesteilen hierherkommen.
** Die Dolkshochschu le veranstaltet zur Eröffnung des Wintersemesters in Verbindung mit der Tagung des Verbandes Rhein-Maini-
scher Volkshochschulen am SamStag, 27. Oktober, «inen öffentlichen Qlbend, an dem der bekannt« Kulturpolitiker Dr. Carl Gebhardt über „Das Problem der Masse in der Volksbildung" sprechen wird. Am Sonntag, 28. Oktober, findet wieder ein musikalischer Doikslunstabend statt, In dessen Mittelpunkt ein durch aussühr.iche Beispiele Ulu- strierter Vertrag des Frankfurter Konzertmeisters Gustav Lenzewski über »Wesen und Bedeutung der Violine" stehen wird. Für die Ausführung des musikalischen Teils ist außer Herrn Lenzewski (Violine) noch Professor Dr. K. Schmidt, Friedberg (Klavier) gewonnen worden. (DgL die Rnzeige in der gestrigen Rümmer.)
Kursus für Bank- und Börsen- wesen. Am Donnerstagabend fand im Physik- faalc der Pestalozzischule die Eröffnung des Kursus für Bank- und Börsenwesen statt. In Verhinderung des Kammer >ienrats Schirmer und des Dankdirektors Grietzbauer begrüßte der Dertteter der Industrie- und Handelskammer Gießen in deren Ramen, sowie namens der Gießener Ban'envereinigung, als den Veranstalterinnen des Lehrgangs, die über alles Erwarten zahlreiche Qkrfammlung. Er gab seiner lebhaften Genugtuung über die starke Beteiligung Ausdruck, die wohl der beste Beweis dafür sei, daß man mit dieser Veranstaltung einem vorhandenen Bedürfnisse entgegen fomme. Gleichzeitig wolle sie ihm aber auch als ein Zeichen dafür erscheinen, daß sich die Gießener Kaufmannschaft mit ihren Angestellten des Ernstes und der Härte der Zeit vollauf bewußt sei, die tüchtige und ganze Menschen erfordere. Auch aus den Reihen der Kaufmannschaft müßten dem deutschen Volke immer mehr Führer erstehen: hierfür sei aber die Schaffung eines starken geistigen Rüstzeugs eine Rotwendigkeit. Der Lehrgang wolle an seinem Teile zur Erreichung dieses Zieles beitragen Helsen. An Stelle des erkrankten Dipl.-Handelslehrers Heun hatte Dipl.-Handelslehrer Dr. Wende l den Vortrag für den ersten Qlbend übernommen. Gr behandelte nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick in Haren und leicht verständlichen Ausführungen die verschiedenen Arten und Gesellschaftsformen der Banken. Im Hinblick auf die große Zahl der Teilnehmer, welche die Hundert überschritten hat, hielt die Leitung eine Qlufteilung des Kursus in einen Lehrgang für die jüngeren und in einen Lehrgang für die älteren Teilnehmer für zweckmäßig, wobei der letztgenannte Lehrgang noch durch einige Kapitel erweitert werden soll, welche zwar über den Rahmen des Dank- und Börsenwesens hinaus- geben, aber Wohl in Zusammenhang mit ihm gebracht werden können.
** Wäscher-Werbe-Woche. Das deutsche Wäschereigewerbe veranstaltet vom 22. bis 27. Oktober eine Werbewoche. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird eine Preisaufgabe ausgeschrieben, für deren beste Lösungen Geldpreise ausgesetzt sind. Zur Bearbeitung gestellt ist die Frage: „Welche Vorteile bietet mir die Wäscherei gegenüber dem Waschen im Hause?" Die Bedingungen für dieses Preisausschreiben, das jedermann offensteht, sind auch in Gießen erbälllich. Näheres darüber geht aus der heutigen Anzeige der Wäscherei „Edelweiß" hervor.
Büdmger Gallusmarkt.
!! Büdingen, 22. Ott. Rachdem der ©al- lusmarkt am Sonntag mit mancherlei Volksbelustigungen seinen Qluftatt gefunden hatte, fand heute im Rahmen dieser Marktveranstaltung Pferdemarkt statt. Trotz des schlechten Wetters hatten sich viele Kaufliebhaber auf dem Markte eingefunden. Es standen rund 170 Pferde zum Verkauf. Sehr lebhaft wurden ältere und Schlachtpferde bei mittleren Preisen gehandelt. Die Preise schwankten hier zwischen 50 und 150 Mark. 3n besseren Arbeits- und Luxuspferden war der Handel sehr schleppend. Es wurden in einzelnen Fällen bis 1100 Mark bezahlt. Angelernte Fohlen gingen für 500 bis 600 Mark ab.
Kunst und Wissenschaft.
(Ein seltener Vucherfolg.
Dom Insel-Veriag wird uns geschrieben, daß die in der Insel-Bücherei unter dem Titel »Sternstunden der Menschheit" erschienenen fünf historischen Miniaturen von Stefan Zweig seit ihrem Erscheinen vor einem Jahre das 100. Tausend erreicht haben.
Berliner Börse.
Berlin. 23. Ott. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag wieder vollkommen luftlos und uninteressant. Das Geschäst war sehr still. Die Tendenz war abwartend. Die Kurse taxiert man wenig verändert. ' ।
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