Wissenschaft.
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Nr. 250 Erstes Blatt
178. Jahrgang
Dienstag, 25. Moder 1928
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche UniverfitSts-vuch. und Zteindruckeret «.Lange in Stehen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.
Eriche»m tügttch,autzer Sonntags «nd Feiertag»
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Die Scholle
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Gange- für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumscheiu; für den Anzeigenteil Kurl Hillmann, sämtlich in Gießen.
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Die Länderkonferenz berät die Verfaffungsreform.
Bayern wünscht keine theoretischen Erörterungen, sondern fordert Beseitigung der praktischen Schwierigkeiten im Verhältnis der Länder zum Reich.
Oer falsche Weg.
Der Vorschlag deS Preußischen Referenten Brecht.
Wenn der Derfassungsausschnh der LLnber- kvnferenz jetzt seine Arbeiten auf nimmt, bann wirb er mit Stößen von Papier einfach zu- gedeckt. 3n welchem Sinne diese Beratungen vor sich gehen sollen, davon hatte man schon einen Vorgeschmack bekommen, als seinerzeit die Ra- men der Referenten bekanntgegeben wurden. Der bayrische Ministerpräsident Held, der sächsische Minislerialdire.tor Poetzsch-Heffter und der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht teilen sich in die Referate. Das; Dr. Held auch an dieser Stelle seinen extrem-föderalistischen Standpunkt zur Geltung bringen wird, darüber herrscht schon längst kein Zweifel mehr, unb kürzlich hat noch bie bayerische Staatszeitung sich erneut zu diesem Programm bekannt. Von dieser Seite her ist also für eine gesunde und vorwärtsschreitende Reichs resorm nichts zu erwarten, es sei denn, daß man in den jüngsten Aeuherungen des Führers der Reichstagsfraltion der Bayerischen Volkspartei, Prälaten Dr. Leicht, die ersten Anzeichen für eine Stimmungswandlung zu sehen geneigt wäre. Die Denkschrift, die der sächsische Ministerialdirektor Poetzsch-Heffter dem Reichsreformausschuß vorlegt, bewegt sich eingestandenermaßen in den Dahnen, dre durch die gründliche unb erfolgreiche Vorarbeit des Bundes zur Erneuerung des Reiches vorgezeichnet worden sind. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß schon die Gesichtspunkte dieser beiden Referenten nicht miteinander zu vereinen sind.
Damit das Bild der Verwirrung vollständig werde, hat nunmehr auch Dr. Brecht seine Auslassungen der Oeffentlichkeit mitgeteilt, und zwar erkennt man, soweit sich aus diesem etwas krausen Vorschlag überhaupt Klarheit gewinnen läßt, daß hier von Preu irischer Seite her noch eine dritte Auffassung begründet werden soll. Lim es gleich vorweg zu sagen: dieser Brechtsche Plan ist der unmöglichste von allen. Er sieht zwar eine Auflösung der preußischen Exekutivgewalt und eine Lieber tragung ihrer Ausgaben auf das Reich vor, will aber trotzdem einen preußischen L a n dt a g bestehen lassen, er will weiterhin, wenigstens vorläufig, an die gegenwärtigen Landesgrenzen nicht rühren lassen, so daß also in das neue Reich möglicherweise auch die ganz kleinen Länder mit ausgenommen würden. Begründet wird diese sonderbare Konstruktion damit, daß nicht sämtliche preußischen Provinzen ihr eigenes Gesehgebungs- recht erhalten und damit der Zersplitterung Vorschub leisten sollten. Aber jeder Mensch, der an eine vernünftige Reichsreform denkt, ist demgegenüber davon überzeugt, daß die Landtage der preußischen Provinzen reine Selbstverwaltungsorgane ohne Gesetzgcbungs- recht sein müssen. Ein besonders bedenklicher Vorschlag Brechts besteht darin, daß er gewissen großen Städten das Recht der Reichsunmittelbarkeit gewähren will. Selbst wenn man einmal von den verfassungsrechtlichen LInmöglichkeiten dieses Vorschlages absieht, ist er schon aus dem Grunde abzulehnen, weil durch diese den Tendenzen des Deutschen Städtetages entsprechenden Absichten der Gegensatz von Stadt und Land in einer geradezu unerträglichen Weise verschärft werden müßte.
Es mag einer späteren eingehenden Betrachtung Vorbehalten bleiben, welche Reibungen sich aus dem Rebeneinanderbestehen zwischen dem Reichstag und dem neuen preußischen Zentral- Landrag ergeben müßten. 2n den Vorschlägen des Bundes zur Erneuerung des Reiches ist dieser Punkt bekanntlich umgangen worden, so bafj eine besondere Vertretung des gesamten Reichslandes nur bei ganz bestimmten Angelegenheiten in die Erscheinung tritt. Gänzlich unklar bleibt in den Brechtschen Vorschlägen, ob Prerchen künftig im Reichs ra t, wie es die ^rtherschen Pläne wollen, mit dem vollen Gewrcht der chm zustehenden Stimmen vertreten sein soll oder ob es weiter auf ein Drittel der Gesamtzahl der Reichsratssiimmen beschränkt sein soll. Interessant ist aber, daß Brecht der Reichsregierung insofern einen geradezu entscheidenden Einfluß auf den Reichsrat einräumen will, als ein Drittel der preußischen Reichsratstimmen durch die R er chs regieru n g instruiert werden.
Die Vorschläge des Bundes zur Erneuerung des Reiches werden von Brecht nicht etwa aus sachlichen Gründen abgelehnt, sondern nur, weil er glaubt, daß sich ihrer Durchführung zu große Schwierigkciten entgegenstellen toürben. Auf der anderen Seite hat soeben noch wieder der unitarisch gesinnte Reichsjustizminister Koch- Weser auf der Parteitagung dec Demokraten eine neue Lanze für den Einheitsstaat gebrochen und behauptet, die Vorschläge des Grneuerungs- bundes gingen nicht weit genug. Schon aus dieser Gegnerschaft von beiden Seiten her mag I ersehen werden, daß der frühere Reichskanzler Dr. Luther mit seinem Reform Programm das I
sachlich Rotwendige mit dem praktisch Erreichbaren verbindet. Die Vorschläge des preußischen Ministerialdirektors Brecht aber werden deshalb niemals durch^eführt werden, weil sie aus der Zaghaftigkeit geboren sind und wahrscheinlich nur den Anschein einer Bereitwilligkeit zur Reichsreform erwecken sollen, wo in Wirklichkeit nicht der ernsthafte Wille dazu vorhanden ist. Vach den bekannten Ankündigungen des Reichsinnenmini'ters S e v e r i n g darf man erwarten, daß sich dieses „federführende Ressort" nicht die Initiative aus der Hand nehmen lassen wird. Wir sind auf die Vorschläge des Reichsinnenministers Severing äußerst gespannt und hoffen, daß sie nicht wieder nur die Diagonale in diesem Parallelogramm sogenannter Kräfte barstellen.
DerersteTagberLä'ndettmferenz
26 Denkschriften stehen zur Diskussion.
Berlin, 21.Off. (VDZ.) An den Beratungen des Reformausschusses der Länderkonferenz, die heute vormittag in der Reichskanzlei unter Vorsitz des Reichskanzlers begonnen haben, nahmen außer den 18 Ausschußmitgliedern, von denen neun durch das Reich delegiert und neun von den Ländern nominiert waren, noch zahlreiche verfassungssachverständige aus der Wissenschaft und der höheren Beamtenschaft teil. Referenten für das Thema waren der bayerische Ministerpräsident Dr. Held, der sächsische Ministerialdirektor Dr. Poehsch und der preußische Ministerialdirektor Brecht. Die Referate der Sachverständigen beschränkten sich im wesentlichen auf eine Wiedergabe und Erläuterung der hauptgcsichtspnnkte der bereits veröffentlichten Denkschriften ihrer ».ander. Rur Ministerpräsident Held knüpfte daran auch bereits eine kritische Stellungnahme zu den gesamten aufgeworfenen Problemen, so daß dadurch, wie Reichskanzler Müller feststellte, die allgemeine Aussprache bereits eröffnet wurde. 3m übrigen legte Ministerpräsident Held Wert darauf, daß im Ausschuß vor allem die Gravamina behandelt werden, d. h. die Schwierigkeiten, die sich im praktischen Verfassungsleben gezeigt haben, und weniger die theoretischen Probleme des allgemeinen Staatsrechts. Außer den drei Berichterstattern haben sich noch der hessische Staatspräsident Adelung, der sächsische Ministerpräsident h e l d t und Oberbürgermeister Petersen (Hamburg) an der Generalaussprache beteiligt. 3m weiteren Verlauf der Tagung ergriffen das Wort der Reichskanzler Müller, der Reichsjustizminister Dr. Koch- Weser, Ministerialdirektor Brecht (Preußen), Geh. 3ustizrat Prof. Dr. T r i e p e l, Staatspräsident Dr. Remmele (Vaden), Staatspräsident Dr. Bolz (Württemberg), der bayerische Ministerpräsident Dr. Held, Ministerpräsident Delft (Anhalt).
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Das Ergebnis des ersten Tages ber Länberkonserenz wirb von beteiligter Seite dahin gekennzeichnet, baß die bisherigen Beratungen einen allgemeinen Gedankenaustausch gebracht haben, bei dery die Stellungnahme der einzelnen Länder zu bem Problem der Reform herausbestellt wurde. Die Generalaussprache, die bererts heute vormittag mit den Ausführungen des bayerischen Ministerprä identen Dr. Held eingeleitet wurde, umfaßte naturgemäß namentlich die praktischen Schwierigkeiten in dem Verhältnis der Länder zum Reich. Der bayerische Ministerpräsident hatte als Standpunkt Bayerns besonders unterstrichen, daß die Llrsachen dieser Schwier!gkciien nicht im bundesstaatlichen Sy st em, sondern darin lägen, daß dieses System nicht genügend beachtet werde, äleber dieses Problem hinaus umfaßte die Aussprache aber auch alle Fragen der Verwaltungs- und Ver- sassungsreform. Dabei wurde auch verschiedentlich auf die bekannte Tenlschri't des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Luther zurückgegriffen.
Ein Antrag des preußischen Ministerialdirektors Dr. Brecht ersucht den Ausschuß um die weitere Verfolgung der in feiner Denkschrift enthaltenen Vorschläge. Lieber diesen Antrag ist heute rwch nicht abgestimmt worden. Es ist anzunehmen, daß die Stellungnahme der Konferenz zu ihm morgen erfolgen wird. Von den Mitgliedern des Länderausschusses, die der Reichsregierung angehören, hat heute nur Reichsjustizminister Dr. Koch in kurzen Ausführungen Stellung genommen. 3m übrigen hat die Reichsregierung am heutigen ersten Tage der Beratungen zunächst einmal die Länder ausführlich zu Wort kommen lassen, damit sie Gelegenheit hatten, ihre Ansichten gegenseitig zu Flüren. Aus Kreisen der Ländervertretung wird aber versichert, baß gerade die heutigen Beratungen gezeigt haben, wie sehr sich das ganze Problem der Verwaltungs- unb Verfassungsreform noch im ötabium ber Vorbereitung befin- bet. Linker biesen Llrnstänben wirb heute abenb
I bamit gerechnet, baß mehrere Ausschüsse eingesetzt werben, die burch eine Entschließung
I der Gesamtkonferenz ben Auftrag bekommen, sich zunächst einmal in bie einzelnen Probleme zu vertiefen. Man bcnft z. D. an einen Ausschuß, ber bas Verhältnis Preußens zumReich behanbelt, an je einen weiteren für bie Enklaven, bie Verwaltungsreform unb
bas Verhältnis der auherpreuhi- schen Länber zum Reich. Ein Teil ber Konferenzmitglieber hofft heute abenb, baß bie Beratungen doch bereits morgen zu Enbe geführt werben. Lim bies zu ermöglichen, soll morgen unter Llrnstänben ohne Mittagspause weiter verhandelt werben.
Hessens Stellung zur Reichsreform
Ein Referat des Staatspräsidenten Adelung vor der Länderkonferenz.
Darm ft abt, 22. Oft Amtlich wird uns mitgeteilt: Dem Ausschuß ber Länderkonferenz für Derfassungs- und Verwaltungsreform liegt ein umfangrerches Referat des hessischen Staatspräsidenten Adelung vor, bas in seinen Schlußbetrachtungen folgende Gedankengänge enthält: Das Referat geht von derErkennt- nis aus, daß eine radikale Lösung im Sinne der Herbeiführung des Einheitsstaats noch ni chtmöglich sei. Auch ber Dr. Luthersche Lösungsvorschlag sei im gesamtdeutschen Interesse abzu lehnen. Ein solcher Lösungsversuch würde 7 Millionen Deutsche, die bisher ihre Angelegenheiten selbst verwalteten, in einen unbestritten zentral! st isch regierten Staat (Reich-Preußen) einbeziehen, wodurch nicht einem dezentralisiert regierten, sondern zentral!sti- s chen Gesamtdeutschland der Weg geebnet würde. Ein zentralistisch regiertes Reich werde aber von keiner Seite erstrebt. Das vergrößerte Preußen würde übrigens den noch verbleibenden Ländern mit Eigenstaatlichkeit (Süddeutschland und Sachsen) noch -unvermittelter als bisher gegenüberstehen, so daß der Schritt, der als Etappe auf dem Weg zu einheitlicherer Gestaltung Deutschlands gedacht fei, die gegen* sählicheWirkung auslösen müßte.
Man dürfe sich aber den Dingen gegenüber auch nicht negativ einstellen. Möglich seien schon jetzt oder doch in absehbarer Zeit Schritte, die geeignet feien, ohne grundstürzende Aendewrngen der Reichsverfassung einem einheitlicheren und zweckmäßiger gegliederten Deutschland näherzukommen:
1. 3 n territorialer Beziehung sei außer der Beseitigung von Enklaven und Verbesserung der Grenzführung zwischen den einzelnen Ländern vor allem die Frage zu prüfen, ob und in welchem Falle in Vorbereitung einer günstigeren Reugliederung Deutschlands den Landern, die nach Größe, Lage und gesamtdeutscher Bedeutung geeignet und dazu bestimmt erscheinen, auch in einem neugegliederten Deutschland Länder zu fein, durch Austausch oder sonstige Verein
barungen mit benachbarten Gebieten nicht schon jetzt die Möglichkeit einer zweckmäßigeren Gestaltung gegeben werden könnte. Es erscheine notwendig, die selbständige Regierung und Verwaltungsorganisation derartiger Länder zu erhalten.
2. 3n dem staatsrechtlichen Verhältnis zwischen Reich und Ländern müsse Nargestellt werden, welcher Machtbefugnisse das Reich zur Wahrnehmung der Reichsinteressen nach außen und innen bedürfe. Line klarere Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern fei notwendig, um Kompetenzverschiebungen zu vermeiden, die zur Stärkung der Reichsgewalt nicht erforderlich seien und einer als notwendig erkannten Dezentralisation zuwiderlaufen. Anderseits müsse es Sache der Länder fein, der notwendigen Erweiterung der Machtbefugnisse de» Reiches ihre Zustimmung nicht zu versagen. 3m Zusammenhang hiermit könne im Fluge der Entwicklung auch schon daran gegangen werden, auf hierzu geeigneten Gebieten im Wege des Auftrags alle oder einzelne Länder für die Erledigung von Reichsangelegenheiten heranzuzlehen, am der erstrebten Dezentralisation nach Möglichkeit vorzuarbeiten.
3. 3n den einzelnen Ländern könne auf bem Wege der Verwaltungsreform vielen Beschwerden abgeholfen werden. Zu begrüßen wäre insbesondere die Angleichung des Aufbaues der Behörden und der Selbstverwal- tungskörper.
Das Referat macht so ben Versuch, der deutschen innerstaatlichen Entwicklung einen Wcg zu zeigen, der, wie man glaubt, den gegebenen Verhältnissen Rechnung trage, der auch von der Mehrzahl des deutschen Volkes mitgegangen werden könnte, unb an dessen Ende ein einheitlicheres unb zweckmäßiger gegliedertes Deutschland stände.
Englands Weißbuch zum Zloüenkompromiß
Oie Einigung mit Frankreich über die ausgebildeten Heeresreserven. Lebhafte Beunruhigung in Berlin.
Lonbon, 22. Okt. (WB.) Das heute vom Foreign Office ausgegebene Weißbuch über b i e englisch--franz ö fi schcnVereinbarun- gen in ber Fl o4t enfrage beginnt mit einem Bericht über bie ilntcrrcbung zwischen Drianb unb Chamberlain vom 9. März 1928 in Genf, bei ber auf Anregung von Lord Cushenbun bie Möglichkeit eines Kompromisses zum ersten Male besprochen wurde. Chamberlain stellte zunächst mit Bedauern fest, daß bie französische und die englische Auffassung in ben bei ben entscheiden den militärischen unb Marinefragen diametral entgegengesetzt seien. Aus Grund alter Tradition fei man in England des Glaubens, daß die Freiwilligenheere nur defensiven Cha- rakter hätten, während man in den auf der allgemeinen Dienstpflicht beruhenden Heeren eine Verkörperung des Prinzips des Offensivkrieges erblicke. 3n Frankreich sei allerdings, wie ihm bekannt sei, die Auffassung gerade umgekehrt. Die öffentliche Meinung Englands begreife, daß Zugeständnisse beider Parteien rwtwendig seien. Die öffentliche Meinung Englands werde deshalb, wenn Chamberlain sich auf ein französis ches Zugeständnis hinsichtlich der Flottenfrage berufen könne, wahrscheinlich damit einverstanden sein, daß Chamberlain Frankreich gegenüber in der Heeresf rage in einem Punkte nachgegeben habe. England könne aber feinen Standpunkt in der Frage der ausgebildeten Heeresreserven nur dann aufgeben, wenn die englische Regierung dieses Zugeständnis durch einen Hinweis auf ein ähnliches französisches Zugeständnis hinsichtlich bet Flottenfrage rechtfertigen könnte. Driand ersuchte, ihm die Vorschläge der englischen Adrniralttät schriftlich
| zu übergeben, um sie den französischen Marme- 1 beworben vorzulegen.
Weiter veröffentlicht bas Weißbuch die bereits burch Pertinar in ihren Einzelheiten bekannten Roten. Es solgt u. a. ein Zirkular des Foreign Office vom 30. Juli an die Botschafter in Washington, Tokio und Rom mit der Weisung, bie dortigen Regierungen von bem Inhalt des erreichten Kompromisses in Kenntnis zu setzen und um ihre Ansicht zu bitten.
lieber den in Berlin entstandenen Eindruck berichtete ein Telegramm des britischen Botschafters in Berlin, Sir horace Rumbold, vom
4. August an Chamberlain:
»Die deutsche Regierung scheint durch die Rach- rirht von dem französiich-britischen Macinekom- prorniß etwas beunruhigt zu sein und befürchtet, es könnte irgendein Zugeständnis der britischen Regierung bezüglich der Frage ber Einschränkung der Canbrüftungen einschließen. Diese Auffassung ist durch die letzten Artikel in ber französischen Presse, bie bem Kompromiß weitgehenbe Wichtigkeit zuschreiben, etwas bestärkt worden. Ich beabsichtige binnen kurzem, den Staatssekretär zu sehen, und nehme an, baß, wenn er auf die Frage zu sprechen kommt, ich auf Ihre neuliche Llnterhauserllärung Hinweisen unb bar legen barf, daß in bem Kompromiß nichts enthalten ist, was mit ben Locarno-Verträgen unvereinbar ist."
Dieses Telegramm würbe ber Washingtoner Botschaft zur Information weitergegeben, ebenso bie Instruktion Chamberalins an ben Berliner Botschafter vom 5. August, worin er bie erbetene Ermächtigung erteilt unb fortfährt: „Der Wortlaut bes Kompromisses selbst bezieht sich ausschließlich auf bie Einschränkung


