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Nr. 198 Lrfte; Statt

178. Jahrgang

Donnerstag. 23. August 1928

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feig« höherer (BcwalL Fer»spr«cha>schl-sse:

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Lnschrrst fix Drahtnach- richten Anzeiger Gietze».

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Iraikfirl am Main 11CM.

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vn»S und Verla-: vrühl'sche Universittttr-Vuch' unö SteintnKferel L Lange In Sießea. Schrtftlettnng und Seschöftzstelle: 5chalftraßc 7.

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tH)efrebaklrur:

Dr. Fnedr. TD üb. Lange. Deranlwörtlich lür Dolihk Dr. Fr. TDifi). Lange: für Feuilleton Dr. H.THyrlot. für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An­zeigenteil Jturl Tillmann, sämtlich in Dietzen.

Frankreichs neuer Etat.

Haushaltspläne verdienen immer die größte Beachtung, nm so mehr, al- genaue Äenner der einzelnen (Xtattpofi turnen zwischen den öetlen der Zahlenreihen ganz genau herau-lesen nmneii. Wie der Wind weht. d H. wa- der betreffende Staat im kommenden Hau-haft-jahrr für Ab­sichten hegt Während nun Deutschland leinen jeweiligen Dtattvoranschlag der Oessentlichkeit immer au Weihnachten kredenzt, fällt die Ber- öslentlichung des französischen Hau - - daltsplaneS in jedem »Jahre in den Monat August und siel in den letzten Jahren dazu noch zumeist mit dem Geburt-tage de- fron- zSsischen Ministerpräsidenten zusammen. Pvin- carös neuer Stak ist nun in vieler Hinsicht interessant. Aus der einen Seite verrät er. bah ursprünglich 6 Milliarden Mehrfvrderungen be­standen hätten, die der sranzösische Minister­präsident in der Ruhe seine- SvmmerausenthaltcS in Lampignv um 5 Milliarden wiederum gekürzt hätte Dabch ball es Pvincare für notwendig, daran« hinzuweisen bah in dieser Hinsicht der ursprünglich von dem Ariegt-, Marine- u n b K v l o n i a l m i n i st e r i u m angelorderte Betrag d e Zifser de- Vorjahre- um reichlich vier Milliarden überschritten hätte, die er aus ®runb der Kürzungen de- Finanzmini­sterium- an diesem ötat auf eine Milliarde reduzieren konnte. Für den eiligen fielet klingt da- natürlich außerordentlich verlockend, wobei er vor allem leicht geneigt sein könnte, diele Maßnahme al- eine Geste der Abrüstung anzu- sehen <3inc Geste die in mancher Hinsicht auch mit der bevorstehenden Unterzeichnung des Stcl- loggpatte- in Zusammenhang gebracht werden kann, denn schon die Mitteilung, daß sich der französische Ärieg*nüniftcr Pain 1 evö ent­schlossen habe, den so döse klingenden Hamen feine- Ministerium dahingehend abzuändern, bah da-selbe fortan nur noch Armeeministerium hei­ßen soll, soll ja als eine solche Huldigung der Kriog-ächtung gelten 3m Grunde genommen handelt es «ich aber bei der Erhöhung der Militärausgaben um 1 Milliarde ganz einfach um eine R u st u n g s m a ß n a ß m c Da» sagt ja schon die Begründung, die Poincarö «einem Hau-halt-vvranschlag gift Man gebt sicher nicht in der Annahme fehl, wenn man be­hauptet. baft ein großer Teil dieser Heuanforbe- rungtn für die Desensivvrganisation verwand! werden soll Denn schon der gestrige Arttkel des .Gcho deS Pari-" zeigt, daß man e- drüben in Frankreich recht ernst mit dem Ausbau nimmt, wobei man sich sogar so sehr versteift, die Aheinlandräumung von dem Ausbau dieser Definsivorganisation abhängig zu machen Vielleicht hat auch Frankreich auf Grund des MarineabkornmenS mit önglanb in seiner Heete-or,Ionisation eine freiere Hand bekommen.

Der zweite interessante Punkt in dem neuen französischen Budget ist die Tatsache, dah Frankreich diesmal zum erstenmal seine Dawe-einkünste mit einer Milliarde Papiermark IS) Millionen Reich-mark auf der Kreditseite figuriert. Dies wird besonder- unter strichen. und Poincarö sieht «ich ver­anlaßt au erklären, daß er sich nicht ohne einiges Zögern zu btek-r Maßnahme entschlofsen habe 3m übrigen beschäftigt sich der Voranschlag mit den Annuitäten des Dawesplanes, die ja in diesem 3abrc zum erstenmal in normaler Höhe eingehen. Ernste Mahnung an die Ministerien, leichte Beruhigung für die Bevölkerung und schließlich ein kleines Zuckerbrot in der Erhöhung des steuerfreien Einkommens das ist die Form, in der Poincara seiner Bevölkerung sein Geburts­tagsgeschenk überreicht Man must natürlich noch abtoarlen, bis der Statsvoranschlag im einzelnen bekannt wird, ehe man den neuen französischen Haushaltsplan in seinen Einzelheiten beurteilen kann.

Die deutsche Soziallast.

Eigene Drahtmeldung des®iefjcnec Anzeigers".

Berlin, 23. Aug. Die Vachkriegczett hat in Deutschland eine wesentlich« Steigerung der sozialen Belastung gebracht Da­vorliegende amtliche Material zeigt, dast der größte Anteil der deutschen Soziallast mit 1.4 Milliarden Mark im Jahre 1025 auf Ära nfen» Versicherung entfällt, während für die 3 n - validenverficherung nur rund 0ch Mil- lurrde aufgebracht wird Es folgt bann die An - gestelltenverficherung die im gleichen Jahr 185,8 Millionen Mark beträgt und die sich jetzt noch um weitere 40 bis 50 Millionen er­höhen wird. Auch die Unfallversicherung verschlingt immerhin rund 237 Millionen Mark. Inzwischen ist aber noch eine weitere Steigerung der gesamten Soziallast. die ^>25 nach den amt- Heben Ziffern rund 2,5 Milliarden Mark aus- machte, eingetreten, so dah man jetzt mit einer ^r Häfen Belastung von über drei M i Hia r d e n Mark rechnen muh. Zu diesen Summen, die von Arbeitgebern und Arbeik- nehmem aufgebracht werden, kommt dann noch duröfsentlicheSoziallastausAeichs- zuschuffen. die nn Jahre 1913 nur 60ch Mll- [tonen Mari für den Aeichset^t ausmachte in* Mifch-n aber auf das Zehnfach« gestiegen ist. Bet Smrechimng dieser öffentlichen Soziallast wird man für das 3atzr 1927 als soziale Gesamtaufwendung immerhin einen Be­trag annehmen müssen, der annähernd vier Milliarden Mark beträgt ileber die Ver­teilung der Soziallast auf Arbeitgeber und Ar-

Das Reichskabinett geschlossen hinter Etresemann.

Keinerlei weitere deutsche Gegenleistungen für die Vheinlandräumung.

Die Franzosen sangen an, sich mit dem Gedanken tmer Zusammenkunft ihres Ministerpräsiden­ten Poincars mit dem Reichsaußenminifter Dr. 6trefemann vertraut zu machen. Sie haben allmählich eingejehen, daß sich diese beiden Herren auf der Außenministerzusammentunst anläßlich der Unterzeichnung des Kellogg Paktes nicht dauernd au» dem Wege gehen, ober sich nur über belanglose Fragen unterhalten können. Früher oder spater wird da» Gesprächsthema doch einmal zur Rhein- I a n b f r a g e hinuberwechseln unb ben Minister­präsidenten vor die Ausgabe stellen, dem deutschen Außenminister über seine Absichten und Pläne reinen Wein einzuschenken Damit nun Poincar« nicht etwa auf den Gedanken kommt, den tatsächlichen Machtverhällnissen Rechnung zu tragen und irgendwelche Zugeständnisse zu machen, die für die trotz der fchweren Bewaffnung Frank­reich» nach wie vor äußerst ängstlichen Chauvinisten unerträglich scheinen kannten, wird bereits versucht, den Preis genau zu umreißen, den Deutsch- l o n d für eine eventuelle frühere Räumung des Rheinlande» zahlen mußte, wobei jedoch nicht ver­gessen wird, hinzuzufiigen, daß Deutschland erst einmal kommen und feine Vorschläge unterbreiten möge. Wir glauben, daß, wenn es dem Außen­minister gelingt, Räumungsverhandlungeii in Fluß zu bringen, er mit feinen Vorschlägen nicht hinter dem Merg halten wird. Wie sie ungefähr aussehen müssen, dürste in Paris nicht ganz unbekannt sein, nachdem sich unser Botschafter v. H v e s ch gerade in den letzten Wochen sehr eingehend mit den maß­gebenden Persönlichkeiten der sranzösischen Regie­rung über diese» Thema unterhalten hat. Nie- ni a I s werden sie sich aber in jenen Bahnen be- roeaen, die verschiedene Panier Zeitungen dem Auftemninister brüte schon vorschreiben mochten, als da sind: Verzicht aus den Anschluß Oesterreichs an das Reich, internationale Kontrolle des Rheinlan­de» und Erfüllung der Wunsche Polens auf Garan­tierung der gegenwärtigen deutsch polnischen Grenze. Wir sind bereit, im Rahmen von Rnumungsver- Handlungen über die Wünsche Frankreichs mit nn< reden zu lassen, niemals jedoch üb r For - berungen, bie über ben Versailler Vertrag hinausgehen. Auch Teillösungen scheiden van vornherein aus, da ohnehin bie [Räu­mung ber zweiten Zone vor der Tür steht. Dr. Stresemann» Aufgabe in Paris wirb gewiß nicht leicht sein, sofern sich Poincars bereit findet, sich mit unserem Außenminister an einen Tisch zu setzen unb ernsthaft biejenigen Probleme einer Dis­kussion zu unterwerfen, bie bas deutsch-französische Verhältnis belasten unb, nachbem wir ben Ver­sailler Vertrag in allen seinen Punkten unb sogar darüber hinaus erfüllt haben, seit langem eine Lö­sung erheischen.

Die gestrige Kabinetissihung.

Berlin. 22. August. (WB.) 3n der heutigen, unter Vorsitz de» Reichskanzler» abgehaltenen ftablnell»Hhung gaben Rcichsaußonminlstcr Dr. Stresemann unb Staatssekretär o. S ch u - b e r t einen Ueberblid über die außenpoli­tische tage und über die Probleme, die In der bevorstehenden Völkerbundstagung zur Er­örterung stehen. An die erwähnten Darlegungen schloß sich eine eingehende Aussprache, welche die völlige Einmütigkeit de» Kabinetts über die Behandlung der aktuellen außen­politischen Aragen ergab.

Die weiteren Verhandlungen de» Kabinett» gal­ten der Krisenfürsorge. Das Kabinett be­schloß. von einer Zwischenlösung abzusehen und die Verlängerung ber Unterftützungs- dauer auf 39 Wochen, die der Reichstag vor seinem Auseinandergehen gewünscht hatte, mit Wirkung vom 17. September b. 3. in Kraft zu sehen.

Ein bcmcrfcnemerfcr Kommentar.

Berlin, 22. Aug. iPrivannformation des WTB.) Aach bet heutigen Kabinettsfitzurig wird in Berliner politischen Kreisen zur außen­politischen Lage darauf hingewrefc". daß dre Unterzeichnung be* Kellogg-Pakte» für uns in erster Linie eine Angelegenheit nicht der

beitnehmer liegen keine amtlichen Ziffern vor, doch bezahlen bei der Krankenversicherung die Arbeitnehmer zwei Drittel des Beitrage», so daß allein aus ihrem Aufkommen drei Fünftel der ganzen deutschen privaten Soziallast von den Ar­beitnehmern getragen werden.

Rücktritt

der Thüringer Regierung.

Weimar. 22. Aug (WTB.) Die thürin­gische Regierung ist in ihrer Gesamt­heit jurüdgelrcten und hat dem Präsi­denten des Landtages davon Kenntnis gegeben.

Staatsrat Glöckner (Sonneberg) stellte heule dem Präsidenten des Landtages leinen Po­ften als Staatsrat zur Verfügung. Sr ctflärte. daß er damit der au« dem Demo­kratischen Parteitag in Weimar von seiner Partei gegebenen Anregung Rechnung ge­tragen habe.

deutsch-französischen, sondern der deutsch­amerikanischen Politik ist. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Reise Dr. Strese­mann- nach Pari- zu betrachten. Natürlich ist zu erwarten, daß der Ausenthalt Dr. 6 1 rc le­rn a n n 6 in der französischen Hauptstadt auch Gelegenheit zu Konversationen über bie Fragen bieten wird, an denen w i r ein be­sondere- Interesse haben So wird der deutsche Außenminister gewiß auch zum ersten Male mit Poincarö Fühlung nehmen. Die­sen Unterhaltungen ist aber keine Bedeu­tung beizumessen, alS ob sie irgend welche greifbaren Ergebnisse zeitigen könnten. Da­gegen wird die bevorstehende Tagung des Völkerbünde- rm Anschluß an die Pariser Zusammenkunft voraussrchtl'ch in der üblichen Weise von Besprechungen der Außen­minister begleitet sein, und es ist anzunehmen. daß dabei auch die aktuellen Fragen der deutsch-französischen Politik eingehen­der besprochen werden, darunter natürlich in erster Linie da- Problem der Rheinlanb- r ä u m u n g. Was diele letzte Frage anlangt, so dürften für bie deutsche Außenpolitik zwei Gesichtspunkte maßgebend sein, ein­mal bie Notwendigkeit einer Gesamtlösung, die beide Zonen betrifft, und zum anderen, daß für uns irgendwelche politische Gegenleistun­gen nicht in Frage lommen. Diese Gesichts­punkte entsprechen der Linie, die die Außenpolitik seit Locarno immer verfolgt hat.

Richt fünf Minuten!

Berlin. 22. August. (prio.-IcL de» WIB.) Zu ber Meldung de»Daily Telegraph, wonach Frankreich unb Belgien für bie Räu­mung ber brüten Zone bie permanente internationale Kontrolle Im Rheinland. Mobilisierung eine» erheblichen Teile» der Dawes- Bonds, ein Ostlocarno zwischen Deutschland unb polen, einen erneuten Verzicht auf den Anschluß und Einlösung der von der deut­schen Regierung in Belgien ausgegebenen Franken fordern werde, schreibt dieR a 11 o n a 11 i b c - rate Korrespondenz, die Dr. Strese­mann nahestehl:Wir hallen diese Meldung für ersunben, weil man an allen maßgebenden Stellen Belgiens und Frankreich» genau weiß, daß sich In Deutschland keine Regierung finden würde, bie bereit wäre, auf einer derarti­gen Basis auch nur z u diskutieren: nicht fünf Minuten!

Erweiterung

der britischen Nesahungszone

London, 23. Aug. (WIB. Funkspruch.) Line Reutermelbuug au» Koblenz besagt, daß die britische B e sa tz u n g » z o n e a u » g e d e h n I werden wird und daß in einigen lagen die Fran­zosen den Engländern ein große» Stück Land u m Erben heim bei Wiesbaden herum über­weisen werden, wo gegenwärtig ein Flugplatz im Bau ist. Die Grenze des britischen Besatzungsge- biete» werde in südwe st sicher Richtung um ungefähr drei englische Meilen ausgedehnt werden. Fährt Stresemann nach Gens?

Berlin, 23. Aug. (XU.) Laut _B.T.- wird heute vormittag bei Dr. Stresemann eine ärztliche Beratung ftattfinben. in deren Verlaus festgestellt werden soll, wie weit der Reichsauyenminister sich in diesem Augen­blick. nach Beendigung der für jeden Rekonvale­szenten anstrengenden Karlsbader Kur, noch eine gewisse Schonung auserlegen muh. Es handelt sich bei der ärztlichen Beratung keineswegs darum, noch zu entscheiden, ob Dr. Stresemann bie Teile nach Paris unternehmen soll. Dir«e Reise ist beschlossene Sache, und Dr. Strese­mann hat in Pari- nur wissen lassen, mit Rück­licht auf seine Rekonvaleszenz von einigen an- «trengenden Veranstaltungen abzulehen. die zu seinen Ehren geplant waren. So dürfte bet der

Weimar. 23. Aug. (XU.) Der Rück- tritksbelchluh des Kabinett- hat hier als Entspannung gewirkt. Da- bisherige Kabi­nett wird als geschäft-führendes Ministerium ohne Verantwortungolange im Amt bleiben, bi- ein neues Kabinett geblldet worden ist. Die Znitia tive zur Regierungsbildung werden die Parteien ergreifen müssen, die bisher an der Koalition nicht be­teiligt waren.

Die demokratischen Minister und der Panzerkreuzer.

Berlins 23. Aug. <Prio.-Tel. deS WTB.) Rachdem über die Spaltung der demokrati- ' che M'n.ster ; m Rechskabinett zu der Frage des Baues deS Panzerkreuzers widersprechende Meldungen in die Prelle gelangt lind, hat der Demokrat.«chc Zeitungsbienst über die Gründe, die die demokratischen Minister zur

heutigen ärztlichen Konlultation höchsten- cr- toogen werden können, ob Dr Stresemann. bald nach dem Ausenthalt in Paris, an der Tagung deS Vvlkerbund-rates teilnehmen ober doch, ob er während der ganzen Tagung in Genf bleiben soll.

Minbtiner-SWbau acht nicht na® Senf.

Berlin, 22. Aug. (Privat-Tel deS WTB- 2n einigen Blättern war angetünb.gt worben, baß auch ber deutfchnationale Re.chstag-abgeord- netc v. Linbeiner-Wilbau mit ber beul- schen Delegation zur Dölkerbunb-taaung nach Gens gehen werbe. Die bie ,.D. A. Z. hört, trifft es zu. baß ein« (Sinlabung an Herrn v. Linde.ner ergangen war Er habe aber dem Auswärtigen Amt mitgeteilt, baß er leider nicht in der Lage sei, ihr Folge zu leisten.

(Scharfmacherei der stanzösischen Militaristen.

Vangcmachen alo Mikkel zum Zweck'

Pari», 22. Aug. (WTB.» DasEcho de Paris veröffentlicht einen anscheinend von will- tärischer Seite deeinslußten Artikel, der den Wert der Rheinlandbefetzung nl» Sicher­heitsunterpfand hervorhedt und vor einer vorzeitigen Räumung des Rheinlandes warnen will. Der Autor behauptet, daß Frankreich, wenn es fiel) vor dem Zeitpunkt der rechtlichen Räumung, also am 10. Januar 1935, befindet, auf Grund des Ar­tikels 249 des Versailler Vertrags bie von Deutsch, land angebotenen Garantien gegen einen nicht provozierten Angriff als ungenügend be­trachten müsse. Die Rheinlandbefetzung muffe also, so heißt es in dem Artikel weiter, b c stehen bleiben, um fo mehr, als sie praktisch ge­sehen heute noch eine wichtige Sicherheilsgarantie lei.

DasEcho de Paris" kommt dann zu einer Be­trachtung de» Werte» der Besatzung vom mflitd* rischen Standpunkt aus und entwickel« baba einen Operation »pla n für bie französischen Trupp »n. E» wäre übertrieben, zu behaupten, daß das Heer, das Frankreich im Rheinland unter­halte, seiner Sicherheit nur eine Illusorische Garantie gebe.

Gewiß könne bie geringe Stärke von nur 50 000 Wann unb bie Zerstreuung nach örtlichen, nicht strategischen Dunklen, die au» trfparungsgrüu- ben erfolgt sei, diese Truppen Im Falle eine» Abbruch» der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland in eine heikle Lage versetzen. Nlchtsdesloweuiger würde der Eröffnung der Feindseligkeiten eine mehr ober minder lange Periode oorangehen, In deren verlauf es außerordentlich leicht wäre, die Truppen nach Kampfstellungen zu werfen, die ihnen schon in Frieden»;eiten angewiesen seien. E» würde In­folge de» wahrscheinlichen versagen» der rhei­nischen Eisenbahnen wohl schwer sein, die fron- zösifchen Besatzungslruppen rasch zu verstärken, aber mau könne ja in einigen Stunden F I u g- zeuggeschwader nach dem Rhein­land senden, die bie deutschen militärischen Vorbereitungen in recht starkem Maße in Frage stellen und die Reldjsregieruag ein wenig zum Nachdenken anregen könnten.

Das deutsche Oberkommando würde natürlich so sehr wie möglich den Stützpunkt ausnutzen, beit Frankreich ihm durch die Räumung der Kölner Zone ausgeliefert hat. Aber falls Deutsch­land durch Belgien und nach dem Maastal oorrücken wolle, würde es durch die Konzentration feines Znvosionsheeres in dem Stützpunkt Köln zunt Angreifer werden. Frankreich könnte dementsprechend seine Truppen im Nhpin. land verstärken und dann im Rücken des deutschen Heeres stehen. Bevor also da» deutsche Dberfom- manbo eine ähnliche strategische Operation wie im August 1914 durchnchren könnte, müsse es erst ein- mal mit ber französischen Armee am Rhein fertig werden. Schon die Tatsache, daß dann aller Vor­aussicht nach ber Kamps auf deutschem Boden ftottfinben würde, genüge, um die Be- setzung des Rheinlandes zu rechtfertigen. Uebrigens könnten französischerseits fang» d e s Rheins durch an den Verkehrsmitteln vor , u - nehmende Zerstörungen auch auf fange

Zustimmung zum Bau des Panzerkreuzer- veranlaht haben, folgende Auskunft emacholf-

De demokratilchen Minister haben ihre Mei­nung. daß ber Bau deS Panzerkreuzers pol.tilch urrerwün«cht und militärilch unzweckmäßig ist. nicht geändert. Die politische Lage machte aber den Der«uch. den vom Reichstag beschlossener Dau des Panzerkreuzers zu Fall zu br.nger. auSl-.cht-los Sine Zustimmung derjenigen Mi- n.ster. die für den Bau sind, zu einer Sistierung war unerr?.chbar. 3m Reich - tag ist auch nach den Reuwahlen eine M e hrheit f ü r b e n Bau vorhanden. Die demokratischen Minister hatten also nur die Möglichkeit, zum Zechen des Protestes gegen den Bau von '.hrem Amte zurückzutreten und die Koa­lition zu sprengen. Sie haben sich dazu n.cht entschlossen. Maßgebend für ihre Haftung war die Aufrechterhaltung ber Koa­lition.