Nr. 171 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesftisi
Montag, 25. Juli (928
WiNschaWagen und Siändeparlamenl.
Don Or. Bernh. Dem bürg, ebtm. 6taateminifter, Dl. b. LR.
Pi« Rachwehen be* «rohen Kriege« find schwer .tf übmrnrbm. Auf der einen Seite ift überall in Europa ein «tobet Kapital- unb Gub- HanAPerluft eingrtretrn dr''en Auffülluna und Ctrdännunfl notwendig ift. GleichZtMa 'lNv aber die Aufwendungen der ö f 1 e n t - l, chen Hand auhereebenllich gestiegen. Man denke nur an die gewaltigen Summen für xrica«- penfionen und Hinterbliebenenfürsorge und die .Zahlungen, die unter dem Titel .Interalliierte Schulden und Reparattoncn" neben der -Der- zinfung und Tilgung der ftarf ^höhr^n nationalen Schuld erforderlich find. So werden an den Fleiß und die Ausdauer der »erftätiyn Sevolkernng ebenso wie deren maschinelle Ausrüstung auherordentlfche Anforde tltngen gestellt Dieter nottoenMgen öttobunfl der Produktivität aller nationalen Wirtschaften sucht man durch deren steigende R at i o n al i - f leruna au Hilfe ;u kommen. Die «me grötzere Produktionsmenge aus den Kops des Deschastigl^, bedeutet aber sich nur nut «rohen Kapitalaufwendungen für moderne ^ascknnen. für Umstellungen der Betriebe und Abschreibungen der veralteten Anlagen durchführen Iaht und Au ihrer Auswirkung erhebliche 3dt verlangt 3ft dem- nach von der Kapitalseite ««lehen die europäische Wirtschaft in einer problematischen Vn«e und zeitweilige Hochkonjunkturerschei- nungen dürfen Darüber nicht täuschen, denn sie hoben Aum erheblichen Teil ihre Grundlage auf ber horübergebenben Arbeit, die eben jene Ra- tionalisieruna mit sich bringt - so ist von der Arbeiters eite gesehen leicht verstanoZch. bah in einer weit bcmDfratificrtcren Weit auS Gründen, die ich nicht aufzählen will, die aber Einüchligen durchaus begreiflich sind, da« starke Bestreben erkenntlich ist. auf dem Weg besserer (rinnahmen die materielle und soziale Stellung zu heben.
Alle eben geschilderten Forderungen tonnen aber nur aus dem Sozialprodukt gewonnen werden. ,ie konkurrieren um den höchst möglichen Anteil an ihm und darum geht auch der Streit. Er erhebt sich im wesentlichen um die Frage von Lohn und Arbeitszeit. Ausgetragen wird er in seinen rohen Formen durch die Kampf- mittel de« Streiks und der Aussperrung. in seiner Verfeinerung in bei Schlichterrolle, di« die Parlamente xmb Regie» ungen durch ihre Wirts «Halts- und Sozialgesetzgebung ausüben. ArbettSlämple sind, wie jedermann weih, auher- gewdhnlich kostspielig und verderblich. Hat doch in den heben 3obren von 1919—26 beispielsweise die 3ab: der von Der englischen Wirtschaft registrierten Streiks über riSOO betragen mit einem Verlust von 360 Millionen Arbeits
tagen, was einem Lohnverlust drr Arbeiter von mindestens 1,5 Milliarden Mark entspricht, ilnb viel schlimmer waren doch die indirekten Auswirkungen, man erinnere sich de« englischen Kohlenarbeiterstreik», der zu einer sehr drastischen Gesetzgebung in England geführt hat. Man ist deshalb überall bestrebt, diese wirtschaftlichen Kämpfe zu mildern und vorbeugend aus- zuschalten. Erleichtert wird diese» Bestreben durch die fortschreitende Organisierung der beiden sich gegcnüberltebenben Gruppen, welche freiwillig und automatisch entstanden, jetzt die staatliche Anerkennung und Einsügung in die Gesetzgebung gefunden haben.
Pa bei ist die Erkenntnis gewachsen. dah im Grunde genommen die Interessen beider Parteien doch weitgehend identisch sind, sie haben sich in denselben Kuchen zu teilen, sie wünschen, dah er recht «roh fei, und sie wissen, dah keine von beiden bestehen kann, wenn sie ihn nicht gemeinsam möglichst schmackhaft baden. Auch haben sie die gemeinsame Er- sahrung. dah alle Dinge immer leichter arrangiert werden können, wenn man sich gleichberechtigt um den runden Tisch versammeln kann. Das gibt eine für den Ausgleich günstige At- niofbbäre und gestattet präventiv ein-ugreifen, ehe es zu spät ift Dor allem aber ist solche
Zusammenarbeit deshalb fruchtbar, well sw bie Teilnehmer gegenteilig darüber aufHärt. was tat, ächl ich 'st und die Grenzen aufzeigt, die für die Bewegungsfreiheit beider Teile bestehen. Und solche Erkenntnis ist keineswegs leicht, denn im Sozialprodukt stecken nicht nur Lohn und Gewinn, sondern aub R o b - material und Zins und von ihm muh von vornherein abgezogen werden Steuern und soziale Abgaben. Abschreibungen undAeservestellungen. Frachten und Dertriebskosten und die allgemeine Regie. Einige dieser Faktoren sind starr, andere labil und das Bild wechselt t»on Sag zu Tag
Verständige Führer von beiden Seiten haben deshalb Arbeitsgemeinschaften der Unternehmer und Arbeitnehmer begünstigt, und es war in der schwersten Zeit Deutschlands ein beglückender Tag als sich unmittelbar nach dem Waffenstillstand Hugo St inne» und der Führer der deutschen Gewerkschaften Legien die Hand reichten. 2llS wenige Monate darauf die neue Verfassung zu Stande kam, bekam diese freie Vereinbarung in der Errichtung einer paritätischen Vertretung, dem A e i ch s w irisch a f t s r a t. eine gesetzliche Sanktion, ihm ist die gutachtliche 'Beratung wirtschaftlicher und sozialer Maßnahmen, die da» deutsche Parlament beschäftigen follen, übertragen und ein neuer Gesetzentwurf will die Befugnisse dieser Körper - s«hast noch erweitern, indem er ihr da» Recht gibt, ihre Beschlüsse vor dem deutschen Reichstag zu vertreten. Beschliehende Kraft aber ist dem Wirtschastsrat nicht verliehen. Er- macht keine Gesetze.
Nun sind in anderen Landern aus gleicher Veranlassung ähnliche Projekte in der Diskussion, und es kommen ernsthafte Vorschläge, die Wirt- schaftsgesetzgebung von der allgemeinen Volksvertretung loszulöfen und einem zweiten Ständeparlament zu übertragen, von dem man eine größere Sachlichkeit und geringere Beeinflussung durch die Parteipolotik erhofft. So allo, dah nur Allgemeinpolitik und auswärtige Po- litik den allgemeinen Volksvertretungen überlasten sein würden. Ich halte diese Vorschläge für nicht gangbar. Schon die große Masse der Konsumenten, die unorganisiert ist, öürbc sich damit nicht abfinden können, und wo gehört die soziale Gesetzgebung hin, die doch die Frauen und Kinder am meisten betrifft und die doch zum großen Teil aus dem Frauenstimmrecht ihre Impulse empfängt? Wohin gehört die Steuergesetzgebung, die doch ein bestimmender Faktor des Sozialprodukts ift, und wohin die Zoll- und Handelsverträge, die doch nachgerade ein Prüfstein für die auswärtigen Beziehungen der Mächte geworden sind. Diele Gesetz- gebung aber hängt direkt zusammen mit ber A b • bedang ber inter staatlichen Schulben , d. h. mit der Ausführung der Friedensverträge, die doch ihrerseits wieder ein Regulativ im Völkerbund als letzte Instanz schließlich finden müssen.
Eine Wirtschaftsstruktur ohne Rücksicht und ohne Abhängigkeit von der auswärtigen Politik gibt es einfach eben nicht. Verfehlt sich Deutsch- land gegen die wirtschaftlichen Klauseln des Versailler Friedens, so setzt es sich, wie die Ruhrbesetzung gezeigt hat, politischen und militärischen Sanktionen aus. Deshalb wurde die natürliche und selbstoer- stündliche Folge eines solchen Ständeparlaments die sein, dah es in allen Lebensbelangen dasPrimat erhalten würde, deshalb aber auch unter den Druck politischer Einflüsse und Leidenschaften gestellt werden würde, die feinen eigentlichen Zweck der objektiven Beurteilung vereitelte. Nur wären diese Einflüsse nicht offen und legitim, sondern vermutlich heimlich und korrupt. Es ist aber auch zweifelhaft, ob eine Vertretung ausgesprochenerrnahen aus Rurinteresfen- t e n in der Lage wäre, tatsächlich den Ausgleich zu finden ohne Opferung der in ihm nicht vertretenen .streife und ob es schließlich nicht bie materialistische Einstellung verstärken würde, die sich zum SchadenoonKulturundEthik,Wisse n- schaftundKunst heute schon so breit macht. Auf
Möwe im Sturm.
Vornan von Sophie Kloerß.
21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Elena stand eine Weile und sah traurig zu ihr hinüber. Zweimal sagte sie bittend: ,3oujou. — Ioujou." Als keine Antwort mehr kant und ihr die Stille schrecklicher wurde als vorhin der Zorn, schlich sie naher, tastete leise mit der Hand nach Marias Haar und strich sanft darüber hin. Die zuckte mit dem Kopf, als wollte sie die kosenden Ringer forlroeifen. Elena hielt erschrocken an. versuchte es nach einer Pause wieder und begann leise zu flüstern. „Es muhte ja einmal kommen. Ich wußte es ja. Du warst ja so unwistend damals. Du sahst ja mit offenen Augen nichts. Mein Kott, die Erziehung von Tante Innozentia. Liebes, mein Allerliebstes, nun ist es geschehen. Nun weiht du alles. Nun schilt mich. Wenn du willst — du darfst mich schlagen. Ja, wenn dir davon teichter werden kann — Ach nein, du bist zu gut. Du schlägst nicht. Du leidest lieber selbst. Aber ich gab' doch auch soviel gelitten, so sehr viel. Wie wir da hinkamen nach Italien — Zwei 3ahrc_ lang kein Heim, keine Zuflucht. Heute steckte mich Sergei hierhin, morgen dorthin. Nur dah er mich immer finden konnte, wenn er mich brauchte. In Rom haben sie mich in einer Pantomime mitgeführt als Königin der Schönheit auf einem Elefanten, und die Männer waren toll nach mir. — Rcpräsentan- tin war ich bei einem reichen Politiker — weiht du. was das heißt?"
„Schweig ftittr schrie Maria außer sich.
„Ja, du sagst: Schweig still. Du willst nicht einmal hören, was ich doch dulden mußte. Ich hätte ja sterben können, aber sterben wollte ich nicht. Noch nicht. — Ls wäre wohl bester gewesen."
Ganz leise redete sie, fast ohne Ausdruck, Maria war es, als schnitte ihr ein Mester in das Herz. Sie richtete sich auf und sah mit ihren heißen verstörten Augen in das schöne Gesicht der Schwester. So hell war es in seiner «arten Blässe, so jung in den feinen Linien, so verklärt unter der goldenen Haarkrone — Konnte so ein Mensch ausseyen, der durch allen Sumpf gegangen war? — War sie nicht wie ein Kind, das leiden muß, was man ihm •
zufügt, und besten Augen unbewußt rein bleiben in aller Erniedrigung?
Jäh kam der llmjd.nnmg. Das grenzenlose Mitleid füllte ihr Herz so ganz, dah aller Zorn in ihm unterging. Beide Arme warf sie Elena um den Hals, barg ihr Gesicht an deren Schulter und begann zu meinen. „Dir armen Menschenkinder! Wir armen verlassenen Menschenkinder! Vergib mir, Elena. Nein, ich will dich nicht mehr schelten. Ich hab' es leicht gehabt im Vergleich mit dir. Und, statt dir zu helfen, wollte ich dich noch hasten, weil du mich an dein Herz genommen hast. Nein, nein, ro-.r beiden dürfen einander nicht im Stich lasten. Wir müssen zufammenstehen in aller Not. Ich will immer für dich arbeiten. Und du wirst mich nie veriasten und mich immer lieben, wirst du?"
„Wie du nur fragen kannst. Wen sollt' ich denn Heben, wenn nicht dich? Du mein Bestes. Du mein reines stolzes Schwesterherz. Bist du mir denn nun wieder gut?"
Sie sagten sich so viele gute Worte wie noch nie in ihrem Zusammensein. Bis gegen Morgen saß Maria auf Elenas Bettrand, hielt die kleine, feine Hand und dachte immer: „Er ist ein ganz herz- loser, roher Mensch, daß er diesem zarten Geschöpf so Diel hat zufugen können. Jetzt kommt er nie wieder an sie heran."
Maria arbeitete unermüdlich. Sie fertigte Entwürfe für eine KunstgewerbeWerkstatt an. Kissenplatten, einen Wandbehang, froh, wenn es ihr ein wenig Extrageld brachte. Elena sollte nicht zu sehr unter der Armut leiden. Nie sollte eine Sehnsucht in ihr wach werden, zurückzugehen zu dem Manne, ber ihr em Wohlleben nur auf Kosten ihrer Ehre geboten hatte Sie ahnte wenig in ihrer Unberührtheit. wie ganz andere Fäden Mann und Weib verstricken, auch dann noch, wenn das Heiligste ber Liebe lange untergegangen ift
Elena hielt das Hocken in den engen Zinnnern nicht mehr aus, seit sie einmal wieder im Trubel gestanden hatte. Und war es nur ein Vergnügen, auf das sie früher oerächttich herabgesehen hatte — es war bod^ Leben, war Musik, Tanz, Lachen, vergnügtfein. Sie ging mit dem dicken Riedinger iweimal abends soupieren, nachdem sie vorher tm sperettentheater seinem Auftreten zugesehen hatte. Es machte ihr einen gant diebischen Spaß, wenn er, vor dem Vorhang erscheinend, sich mit besonde
dtesem Dege ist bie Lösung also nicht zu finden, sie kann nur du Hegen, wo die ökonomischen Gesetze in ihrer Bezugnahme auf alle Staatskomponenten erkannt werden und nicht da, wo der Interestent al» Intercstent auftntt, sondern nur da, wo die Abgeordneten als Vertreter de» gan i c n Sol- k e s ihre Aufgabe mit voller Verantwortlichkeit er- füllen —
Brückenbaubcg'nn in Dehiar.
WSR Metzlar 22.3uii. Mitt dem Bau her üielum Drittenen Lahnbrücke in Wehlar wurde am SamSttag begonnen. De Brücke erhält eine Eiienkonftrukrion aus tret au ft regenden vollwandigen Blvcktträgern mit oben- legender Fahrbahn, die eine Breite von 7.50 Meter erhält cfnpefaftt zu beiden Seiten ütwi Bürgersteigen in je 3 Meter Brette. Die Olfen- tonftruftion flammt von her Harkort A -G Duisburg Man hofft, tue Brücke nodi in Metern Jahre dem Verkehr über «eben zu können.
Aaubniordversuch in Frankfurt
Lpd. Frankfurt a. M. 21. 3uh. 3n den M ttogsUunden he* heut.gen Samstags wurde auf die Kassiererin de» Kaufhauses Ehape in der Ka erfiraf)?. Ecke Weierstraße e.n A a u b m ordne r f u ch unternommen. Der 28jähr g« Wilhelm He u f e l aus Dietzenbach drang, mit einem Tod- •d)lager bewaffnet, in dos Deschoftslokal. hieb auf die Kassiererin ein. raffte das in ber Kasse befindliche Geld an sich und versuchte zu flüchten. Es gelang jedoch, den Kauber feftzunehmen. - - Der Räuber hatte h<b für feinen lieberfall die Zeit zwilchen 12 und 2 llhr ausgesucht, da zu dieser Zeit die Kassiererinnen sich ablösen. Als das Mädchen mit der Geldkassette, in der sich etwa 1800 Mark befanden, auf der Treppe war, stürzte hrf) House 1 auf die völlig lieberraschte und bearbeitete sie mit einem Totschläger. Die Kassiererin brach bewußtlos zusammen, worauf der Räuber mit der Kassette flüchtete. Der Vorgang war jedoch beobachtet worden, und sofort setzten Passanten und Angestellte hinter dem Fliehenden her. der dann nach wenigen hundert Metern in der "Deferftraße eingeholt und feftgennmmen werden konnte Das geraubte Geld war noch vollzählig vorhanden. Der Täter wurde dann ins Pvliz-igefängnis gebracht.
Wirtschaft.
Stagnation im Außenhandel.
Die Außenhandelsbilanz für den Monat 3uni weist eine leichte Zunahme des Einfuhrüberschusses aus. der von .192 Mili Mark im Vormonat auf 214 Mill. Mark gestiegen ist. D.ese Zunahme ist lediglich saisonbedingt und entfällt mit 222 Mill. Mark in ber Hauptsache auf Lebensmittel. Die Rohstoff ein fuhr erhöhte sich um 12.9 Mill. Mark, wovon 7 Mill, auf die Zunahme ber Einfuhr von Bau- und Ruhholz entfallen. Saison- mäßig hätte man bei der Rohstoff einfuhr eine leichte Abnahme erwarten müssen. Beachtlich ist auch die Zunahme der Einfuhr von Eisenerzen und Kupfer, insofern als ihre Steigerung darauf hindeutct, dah sich die Beschäftigungslage der Gifeninduftrie, die besamitlich im 3imi eine höhere Produktion aufzuweisen hatte, immer noch Verhältnis günstig stellt. Don dem Rückgang der Fertigwarencinfuhr. die im 3uni ihren niedrigsten Stand mit 183,8 Mill. Mark für das 3ahr 1928 erreicht hat. gegenüber einem Monatsdurchschnitt von 211.6 Mill, für 1927, abgesehen, zögt die Außenhandelsbilanz für 3uni nur wenig Veränderungen. Die Textilbilanz zeigt auf der Einsuhrseite einen Rückgang in Fertigwaren von 6,9 Mtll. Mark, während auf der anderen Seite bei ihr die Ausfuhr einen starken Rückgang um 10,6 Mill. Mark gebracht hat. Der schon im Mai sehr nichtige Stand der Einfuhr textiler Rohstoffe ist infolge des Rückganges der Einfuhr von ID olle um 11 Mill Mark wiederum überholt worden: die Texttlbilanz insgesamt kennzeichnet die gegenwärtige Lage der beuHdjen Textilindustrie dahingehend, daß einerseits die Aufnahmefähigkeit des 3nlandmarktes für Textilien weiter gesunken ist. es aber andererseits der Textilindustrie bisher nicht gelungen ift,
rem Anstand nach ihrer Loge hin verneigte und alle Blicke im Parkett sofort die gleiche Richtung nahmen. Gewiß, es gab elegantere Herren unter den Künstlern, die ihr huldigten, wenn sie erschien, aber der Buffo hatte eine Sicherheit des Benehmens, eine Selbstverständlichkeit in all feinen Aufmerksamkeiten, daß (te sich am liebsten von ihm begleiten liefe. In feiner Gesellschaft war man sicher, sich nicht zu langweilen. Wenn er nach dem Souper sie in ein Auto heben und ihr dabei zum Vlbidjicb £ie Hand lüften durfte, war er Überreich belohnt. Mochte er sich doch in ganz München um- ichen. wo er eine zweite Dame fand, mit der er solch Aufsehen erregt hätte.
Maria wundert« sich nicht viel über die Schwester. Die war ein Kind des Augenblicks, sröhlich, wenn die Sonne schien, verängstigt, wenn es hagelte. Wenn sie mit diesen leichten Siegen glücklich war — mochte sie doch.
Aber das Geld, das glitt in solchen Tagen so schnell durch die Finger. Und bann sagte die na eines Morgens, als die Lust grau war von fallen- dem Schnee: „Du. Ioujou, ich möchte in die Berge." Aus ihren Kissen heraus blickte sie nach dem Fenster, vor dem die Flocken wirbelten. ..Da rodeln üe jetzt und fahren Schneeschuh, und tanzen abends auf den großen Dielen der Gasthäuser. Ich möchte hinaus in die schöne Winterwslk Die Frau des Professors Belzig und Frau Hauptmann von Besserer, bie ich gestern fennenlemte, haben mich fo sehr gebeten, ich soll mitkommen."
„Wir haben die Mittel nicht, Elena. Solche Ausflüge sind xu teuer."
„Ach, wir wollen doch aar nicht lange fort- bleiben. Morgen früh fahren, am Donnerstag roieherfommen. Und am greitag ist der erste Februar, da schickt Ihre Hoheit Frau Schulz« neue Millionen."
Maria schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich habe nur noch zwanzig Kart, die können dir nichts nützen."
„Aber ich will sahnen. Ich muß fahren. Mus- kalten kann ich es hier nicht mehr. Sonst fang' ich Dummheiten an."
„Schäm' dich, fo etwas nur zu denken." Und nach langem Nachdenken tagte sie ..Bielleicht kann ich das Geld bekommen für meine Mitarbeit an dem Service — ich will sofort fahren und fragen. In einer Stunde bin ich zurück."
dielen Rückgang ihres 3nlanbabfave» durch entsprechend.' StJg.n.na bes Export» auszugleichen.
»-ireu.id) 0abü ist brr Stanb ber gesamten Ausfuhr geblieben, ber nur einen geringen Rück- aar3 au'zuweilen hat R mmt man die Zahlen mr bie Ausfuhr an T. rtilwaren heraus, fo wirb sogar cftentkbr.td). baß b ? ^ern«Warenausfuhr eine steigende Tendenz aufzuweisen bat. Leber, chem ^<he Erzeugnisse Kiip'erwareil. eieklro- iechni«che Erzer.gnil'e. Spie^zm« und vor allem bie wichtigen Gruppen Marinen und erzeugnitte haben durchweg leicht gcfleigcrtc Ausfuhrz.jfern im 3unt gebracht Bei Maschinen stellte sich die Steigerung auf 4 Millionen Mart, bei Eftenwaren auf fast 10 Millionen Mart. Der Fer tigwatenefDort hat sich mit insgesamt 685.1 M'cklionen Merk gegen e nen Durch- 'chnitissatz von 629.0 im Jahre 1927 und 694 Mül tonen Mark im ersten Quartal 1928 auf ferner ersreu'.ich ««'besserten Höhe gehallen Beachtenswert ili daß die Zeitigwarenaustubr insgesamt trotz der zum Xe?, saisonüblichen ungünstigeren Gestaltung bes 2cilllinarcnou(irn- Yanders eine Zunahme von 7.7 Millionen Marl teiüt.
Das Vosamtvolume i bi Ausfcnhandels. welche» im Mai auf 1.989 Milliarden Mk. gegen 2,228 im April eine ziemlich starke KmttralNon erhalten hatte. Hai sich ttveber leicht, und zwar um rund 100 Millionen Mk. au^geveitet Es dürfte sich auch im nächsten Monat um die 2 Milliarben-Grenze bew gen und di« Stagnation im Außenhandel hält damit seit 2Lfril bzw. Mai drr Konjunkturlage entsprechend an. Die Gesamtpassivität des deutschen Außenhandels stellt sich im ersten Halbjahr 1928 im reinen Warenverkehr auf 1.35 Milliarden Mk. gegen rund 2 Milliarden Mk. in her ersten Hälfte he* Vorjahre». Der Rückgang um rund 650 Millionen Mk. ift in erster Linie auf die Kontraktion de» Außenhandelsvolumens, ferner auf bie Verminderung der Einfuhr, die vom 3anuar ab von 1357 Millionen Mk. auf 1108.4 Millionen Mk. gefallen ist. während bie Ausfuhr von 861,9 Millionen Mk. nach vorübergeheiidem stärkeren Ansteigen auf über 1 Milliarde Mk. auf rund 900 Millionen Mk. heraufgegangen ist. IBirtfdiafterüjtmifl durch Subventionen?
Man kann über den Wert ber Subventions- Politik geteilter Meinung fein. Wir in Deutschland haben jedenfalls bisher nur In ganz geringem Ausmaße ha non Gebrauch gemacht. Einen anderen Standpunkt vertritt England, bas sich überraschenderweise nunmehr zu einer zweiten Subvention feiner Kohleninbuftrie entschlossen hat Man darf gespannt fein, wie sich das en - - lisch« Parlament zu dieser Maßnahme verhalten wird, denn wie eriimcrlich kamen gerade aus dem Unterbaute seinerzeit die heftigsten Qppo- sitionsstimmen gegen eine derartige Subventionspolitik, da man sich von einer solchen doch keinen dauerhaften Rutzen versprechen zu können glaubte. Rach Lage der Dinge hätte man e» wahrscheinlich auch im allgemeinen nicht möglich gehalten, daß die englische Regierung etneut zu diesem Mittel greifen würde. Die Lage tm englischen Kohlenbergbau dürfte aber doch entgegen den vielfachen Dementis englifchcrseitS bei weitem schlechter gestellt fein, als eS zugegeben wird. Es scheint aber, daß diesmal die Regierung dem Drängen aller Kreise deS Bergbaus nachgegeben hat. Ob sie sich dabei schon überlegt bat, welche Kosten ihr Im allgemeinen daraus erwachsen werden, das mutz wohl noch dahingestellt bleiben. Die erste Subvention der 3ahre 1925 26 soll weit über 20 Millionen Pfund Sterling verfchlungen haben, und diesmal wird es ganz gewiß auch nicht allzu billig abgeben, wenn auch die diesmalige Hllfe kaum fo lange Zeit ausdauern wird, wie damals. Ratürlich wird der Entschluß Der englischen Regierung auch auf Deutschland und den deutschen Bergbau nicht ohne Einwirkung bleiben. Die Lage dec deutschen Wirtschaft ift keineswegs günstig Die Konkurrenz der ausländischen Kohle macht sich überall bemerkbar, so daß die englische Kohien- exportsubvention selbstverständlich auch noch zu größeren Verlusten her deutschen Kohle auf dem Weltmarkt führen Dürfte. Doch mutz zunächst einmal abgewartet werden. In welcher Form I und In welcher Höhe der englische Bergbau
Sie war schon vorher wieder da und legte fünfzig Mark auf den Tisch. „Das ist alles "
„Ach, du süßes Geschöpf. Natürlich reicht dos. Ich werd' ja so sparsam jein. Ich bring’ dir noch einen Haufen Geld zurück. Maria, es gibt keine zweite Schwester wie dich. Jetzt muß ich mir noch ein Breeches kaufen und einen Sweater und ein paar Bergschuhe —
„Io, Elena, dann ist das Geld aber schon doppelt verbraucht."
„Meinst du?" Sie roar wirklich in Geldsachen von einer unglaublichen Unwissenheit. „Ich denk« doch, seit wir die Goldmark wieder haben, ist alles so billig ." Maria antwortete nicht. Was sollte man auf Io viel Torheit erwidern. „Aber fahren will ich." Jetzt bäumte sich der Trotz sörmlich in ihr auf ,Lch werde hier emsach verrückt. Du — ja, ja du hast dein Atelier, da sitzt ihr zusammen, so viele junge Menschen, da ist immer was los. Und bann haß du deine Arbeiten, die dich so glühend beschäftigen. Und deinen Hein; Godesyeim hast du — mir wär' er ja zu langweilig, aber bu liebst ja fo ehrenfeste Leute, unb —"
„Wie ungerecht bu bist!"
Elena zerbrucktc ein paar Tränen. „Gut benn, bann verkauf' ich ben Schlangenring. Einmal muß er boch bran, das habe ich lange gewußt. Und warum soll ich warten, bis ich alt und grau bin. Lieber mag er mir helfen, noch ein paar frohe Jugendstunden zu haben."
„Tu es nicht Elena."
„Du sollst es selbst tun. Ich werd' doch mir betrogen. Ober soll ich beinen Heinz anrufen, baß er ihn verkauft?"
„Nein, nein. Nur bas nicht. Dann will ich es lieber —" Obgleich es ihr ein gräßlicher Gedanke war, in ein Geschält zu gehen und zu handeln. „Gib ihn her."
Es war longo nicht so schlimm, wie He gedacht. Der Juwelier in der Theatinerstraße, mit feinem weifeharigen, femgefchnittenen Kopf wie em alter Marquis, machte ihr die peinliche Anfrage leicht. Er kannte diele Damen der guten Gesellschaft, die Stück für Stück, den Glanz früherer Tage, auf feinen Tisch legten, um äußerster Not zu steuern.
„Ein Ring, meine Gnädigste? Wenn er mir gefällt — sehr gern."
(Fortsetzung folgt.)


