nehmer infolge btt Rational lsletungs- mahnahmen aus dem Arbeitsprozeft ausgeschieden sind.
Sehr stark hat sich die 43f1undlgc Arbeitswoche durchgrsetzt. die in 81,5 Proz. der Verträge vorgeschrieben ist. Nur noch 49? Verträge für 1,3 Millionen Arbeitnehmer f chrn eine längere ArbeitSzeil vor. Troy der zahlreichen Arbeitskämpfe zeigt be Statistik im großen und ganzen eine erstaunliche Stabilität der Tarifverträge Wehr als die Hälfte aller Verträge bestand länger als -wei Jahre. 23 Proz. hiervon sogar länger alS vier Iahre Die Stabilität oder sogar Popularität des Tarifver- tragswelenS zeigt sich schließlich in der Tatsache. dah 82,4 Proz. aller Verträge durch freie Vereinbarung entstanden' 11 Proz. kamen auf Grund eines Schiedsspruchs zustande und nur 3.6 Proz. nach Streik oder Aussperrung.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Dießen, den 23. Juli 1928.
... und dann, was ich mitnehmen soll.
Ein alter Bekannter von mir, der scheinbar von Reiseberichten anderer verlockt worden war, auch eine Wanderung anzutreten, schrieb mir vor einigen Tagen und fragte bei mir — dem alten Reiseonkel — an, was er mitnehmen sollte. Er wollte vier Wochen in die Berge. Meine Antwort über die mitzunehmcn. den Gegenstände war ziemlich kurz: denn man weiß ja nie, was sein Mitmensch für Bedürfnisse hat. Ich riet aber meinem freunde, mit den Sachen, die er für nötig erachtete, hierherzukommen, dann wollten wir den Hoffer und den Rucksack packen. Denn Soffer packen ist nicht so einfach. Roch viel schwerer ist es, den Rucksack vorfchriftsmähig zu füllen. Zum Schluß meines Briefes schrieb ich- . Vergiß nicht, einige gute Bücher einzusteckcn, denn es kann auch einmal regnen, und Du mußt im Zimmer sitzen. Aber einen Schwimmgürtel brauchst Du nicht mitzunehmen."
Während des Schreibens war mir nämlich ein heiteres Erlebnis eingefallen, das — weil wir eben in der Reisezeit sind — ganz gut hier stehen kann. Es handelt sich um meinen Freund Heinrich, der immer so vorsichtig ist, auch auf Reisen.
Vor einigen Jahren, es war in der Inflationszeit, bestiegen wir in Gießen den bekannten durchgehenden Pcrsonenzug Frankfurt-Hamburg. Natürlich 4. Klasse. Wir wollten nach Helgoland. Schon bald hinter Marburg holte Heinrich umständlich und vorsichtig ein Luftkissen aus dem Rucksack und begann, es auszublasen. Die Reisegesellschaft lachte, und einer sagte: „Hast du nicht auch einen Schwimmgürtel mitgenommen?" Heinrich schwieg und setzte sich still auf sein Kissen. Die Fahrt dauerte anständig lange. Hinter Hannover hatten wir eigentlich schon genug, und der Spötter, der sich nach dem Schwimmgürtel erkundigt hatte, sprach setzt ganz freundlich zu Heinrich: „Willst du mir nicht einmal dein Kissen überlassen?" Heinrich erwiderte ebenso freundlich: „Nein! Aber den Schwimmgürtel kannst du bekommen !“
Also der eine nimmt ein Luftkissen mit, der andere nicht. Wie dem auch fei, ich glaube, es ist ziemlich schwierig, hier allgemein gültige Vorschriften zu geben. Rach meiner Ansicht besteht auch der Hauptvorteil einer Erholungsreise darin, daß man recht viel zu Hause lassen soll. Hier könnten schon eher Ratschläge erteilt werden.
Also, lieber Reisegenosse, laß zunächst alle Sorge n daheim! Versuch' es wenigstens, Geschäfts- und Berufssorgen, und wenn du verheiratet bist und allein reisest, auch deine Familiensorgen! Brich, soweit es geht, alle Brücken hinter dir ab! Laß dir keine Poft nachsenden-, vor allem keine Fachzeitschriften! Sonst stehst du bald wieder mitten drin in deinem Alltagskram und wirst womöglich deine Minderung ober deinen Aufenthalt unterbrechen.
In deiner Sommerfrische mußt du leben wie aus einer Insel, nur ganz fern darfst du die Brandung des Lebens noch hören.
Und du, liebe Mutter, wenn du Kinder unter der Obhut der Großmutter oder der Tante zurückgelassen hast, sei nicht zu ängstlich! Frage nicht jeden Tag brieflich oder gar telephonisch an, ob die Kinder auch noch munter seien. Gewiß sollst du an sie denken, aber nicht in jeder Minute und dir nicht immer ausmalen: Das kann geschehen, und die Krankheit haben sie noch nicht gehabt! Wenn du deine Zeit in der Sommerfrische damit ausfüllft, bann werden deine Nerven nie zur Ruhe kommen. Da ist es schon besser, du bleibst daheim oder nimmst die Kinder mit.
du zurück.
Man soll ja, wenn man die Mittel dazu hat, an die See oder in die Berge gehen, e h e es der Arzt verschreibt. Das ist hundertmal schöner, und man fann sich auf diese Art einen gewissen Vorrat Gesundheit sammeln, kommenden anstrengenden Tagen
gerüstet entgegenzugehen. r .
Eins aber lasse bestimmt zu Hause: Deine kritische Ader Die Betten sind manchmal nicht so weich wie daheim, das Essen wird anders zubereitet. Dann mäkle nicht immer! Dor allem tue auch nicht so, als ob du zu Hause in fürstlichen Verhältnissen lebtest Wirklich vornehme Reisende schweigen. Wenn ihnen etwas nicht zusagt, wandern sie eben, weiter.
Auch in der Erholungszeit heißt es: -sich anpaffen! Je mehr es dir gelingt, dich in die neuen Verhältnisse einzuleben — und fei es auch nur für einige Wochen — desto reicher und gekräftigter kehrst
Mensch und Maschine.
Es ist noch fein Ende abzusehen in diesem atomlosen (Ringen zwischen Mensch und Maschine. Denn mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit des einen schiebt sich scheinbar automatisch die Grenze des Erreichbaren bei dem anderen weiter hinaus. Der Mcm'ch vollbringt heute schon Unmenschliches in der Zusammenarbeit seines Gesamtorganismu», •n der Präzision. mit der Verven und Wille. Muskel und Hirn sich gegenseitig ergänzen, wenn es gilt, sein Ziel unter Aufbietung der letzten Energiefaser zu erreichen. Der Heutige, wenn er -um Sklaven einer Idee geworden ist. wächst über sich scll>st hinaus, wird durch den ständigen Ansporn aber auch allzuoft in dem gleichen Maße, in dem er nach außen aufsteigt, als Mensch kümmerlicher und schwingt nur noch in der Tourenzahl. die ihn der jeweilige Zweck einzuschalten Swingt.
Die Maschine ist heute in einzelnen Exemplaren das. was nicht nur der Laie ..Teufelswerk" nennt. Die Wunder der Technik haben dem Begriff „Wunder" längst den Todesstoß verseht. Man muß schon das „sich wundern" verlernen und sich daraus gefaßt machen, dah der künstliche Mensch mit seinem leiblichen Vruder den Konkurrenzkampf aufnimmt. Dah der Maschinenteufel das menschliche Him aufsaugt. Die Maschine hat Zeit und Raum au lächerlichen Geringfügigkeiten herabgedrückt, und zerfasert die Seele aller Dinge, um sie neu und größer wieder zusammenzufügen. Es gibt kaum etwas, was jetzt ober später vor ihren Polhpenarmen sicher ist.
Der Mensch wird zum Motor, und die Maschine zum psychotechnischen Rätsel. Mensch und Maschine aber, wenn sie sich verbrüdern, um die Hinfälligkeit aller Theorien zu beweisen, können Tatsachen schaffen, die in ihren gigantischen Ausmaßen und Auswirkungen uns vor der Zukunft schaudern lassen. Ob bann noch der Sinn des Lebens sein wird: Mensch gewesen zu fein, ober ob der Maschinenmensch der liebe rmensch sein wird? Lpd.
Ehescheidung und Wohnungsanrecht.
Vor dem Landgericht III Berlin wurde vor kurzem ein Prozeß verhandelt, in dem sich als Parteien Mann und Frau gegenüberstanden, deren Ehe rechtslrästiQ geschieden worden war, die aber noch unter demselben Dache wohnten. Der Ehemann, in diesem Falle der Kläger, hatte gegen seine frühere Frau, die noch eine Kammer der Wohnung innehatte, die Räumung beantragt. und er drang damit auch durch Die speziellen Einzelheiten dieses Falles können hier unerörtert bleiben, dagegen dürsten die grundsätzlichen Ausführungen, mit denen das Gericht sein Urteil begründete, von allgemeinem Interesse fein. Die besagten in der Hauptsache folgendes:
Hat die Ehefrau als Mitmieterin den Mietvertrag mit unterschrieben, so ist sie mit dem Ehemann z u gleichen Rechten und Pflichten an der Wohnung beteiligt ober, anders ausgedrückt, sie hat dann gegenüber dem Vermieter dieselben Rechte und Pflichten wie der Mann. Die Trennung deS ehelichen Standes hat keinerlei ® in - flüft auf die Rechtsbeziehungen der Parteien hinsichtlich der Wohnung, wenn beide Eheleute Mieter sind. Rur dann, wenn die Ehefrau nicht Mieterin der Wohnung ist, muft sie nad) rechtslrästiger Scheidung die bisherige eheliche Wohnung verlassen, ganz gleich, ob sie ober der Ehemann an der Scheidung schuld ist. Wer Mieter der Wohnung ist, kann
den anderen Teil hinauSsetzen. Ee- yörle die Wohnung der Frau als Mieterin, so fann He nach rechtslrästiger Scheidung den Ehemann hinausfetzen, nicht etwa der ©bemann sie. Sind dagegen beide Eheleute Mieter der Wohnung. so kann nach Scheidung der Ehe keineswegs der eine den andern hinaussetzen: es fann vielmehr. da das Verhältnis der geschiedenen Ehegatten an der Wohnung als ein solches der Geme n'chast nach bürgerlichem Rechte zu betrachten ist. nur tzinc Regelung der Gemeinschaft, eventuell auf gerichtlichem Wege, angestrebt werden. Die Entscheidung des Rechtsstreits, in dem der Kläger Räumung der Wohnung durch die Beklagte verlangt, hängt im vorliegenden Falle also ^diglich davon ab. ob wirklich der Kläger alleiniger Mieter der Wohnung ist ober ob die Beklagte, wie sie behauptet, zu gleichen Rechten und Pflichten die Wohnung mit gemietet hat.
Taten für Dienstag, 24 Juli.
Sonnenaufgang 4.12 Uhr, Sonnenuntergang 20 Uhr, — Tlonbaufgang 12.31 Uhr, ÜÄonbuntergang 23.10 Uhr.
1783: Simon Bolivat, der Befreier Südamerikas, in Caracas geboren (gestorben 1830); — 1802: der Schriftsteller Alexander Dumas der Weitere in Vil- lers Cotterets geboren (gestorben 1870); — 1854: der Dichter Frank Wedekind in Hannover geboren (gestorben 1918); — 1908: der Maler Walter ßeifti- kow in Berlin gestorben (geboren 1865); — 1920: der Schriftsteller Ludwig Ganghofer in Tegernsee gestorben (geboren 1855); — 1923: Unterzeichnung des Jriedensvertrags von Lausanne zwischen der Türkei und den Alliierten.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der rote Ritter der Luft". — Astorla-Lichtspiele: „Die sieben Sünder-.
L.U. Von der Landesuniversität. Herr Dr. med. Sigwalb Bommer, der sich für bas Fach der Haut- und Geschlechtskrankheiten an unserer Universität zu habilitieren wünsch!, wirb am Montag. 23. Iuli. nachm. 6 Uhr. in der Kleinen Aula feine öffentliche Probevorlesung halten, über das Thema: „Die Ernährungstherapie der Hauttubertulose nach Gerson-Sauer- bruch-Hermannsdörfer".
•• Beginn der Hundstage. Mit dem 23. Iuli beginnen kalendermäftig gerechnet die „Hundstage'. Cs ist dies gewöhnlich die heifteste Zeit des ganzen Sommers. Doch manchmal, und es ist dies nicht selten, ist das Wetter auch außerordentlich schlecht. Wir haben in letzter Zeit schon Hundstage genug erlebt und wissen, was uns bevorstcht, wenn nunmehr noch gar bis etwa 22. August, dem astronomischen Ende der „Hundstage', sich wieder die Hitze so aus- breiten würde, wie wir sie eben glücklich überstanden haben. Wir wollen aber nicht hoffen, daft es noch ärger wird. Auch ist die Zeit pe- kommen, in der die sog. „ftclten Rächte" chr Ende erreicht haben. Dafür jedoch können wir uns an der unbeschreiblichen Pracht des Sommer» nachthimmels erfreuen, der häufig gerade in der Zeit der „Hundstage" eine seltene Klarheit aufweist.
** Rauchen in landwirtschaftlichen betrieben. Die Bevölkerung auf dem Lande wird namentiid) im Hinblick auf die anhaltend trockene Witterung erneut auf das polizeiliche Verbot des Rauchens in Räumen, in denen sich Garben, Stroh, Futter und andere leicht brennbare, oder besonders feuergefährliche Stoffe befinden, sowie das Verbot des Betretens solcher Räume mit unoerwahrtem Licht oder Feuerzeug nachdrücklich hingewiesen. Verfehlungen gegen die bestehenden Vorschriften ziehen strenge Bestrafung nach sich.
•• Raturschuh in Hessen. Die bekannte Monatszeitschrift „Bott und Scholle" (HeimatS- blätter für beide Hessen, Rassau und Frankfurt a. M.) hat ihre soeben erschienene Iuli-Rummer als Raturschuhheft herausgebracht. Ram- hafte Mitarbeiter sehen sich in wertvollen Beiträgen dafür ein, daft der Raturschuhgcdanke in Hessen mehr gefördert werde als bisher, älniver- sitätsprofessor Dr. Hubert Erhard, Freiburg, (früher in Gießen) tritt in seinem allgemeinen Beitrag „Raturschuh" vor allem für den Küh- kops am Altrhein als Naturschutzgebiet ein. Für die „Denkmäler der Erdgeschichte" fordert Oberbergrat Dr. Schottler, Darmstadt, der Di-
rcT'.or der Hessischen Geologischen Landescorsdall. in einem ernsten Mahnruf mehr Beachtung .Hesinrs Vogekwelf o.handckt der Marburg« Ornithologe Dr. D. Sun Tel Der Pllanzen- tpclt unserer Heimat und ihrem Schuh widmet sich ein Beitrag von Professor Dr. Spil- 9et, Darmstadt. Studienrat Grau. Offenbach beschreibt das erste hessische Raturschuhgebiet »Hengster , das unweit Of'enbach gelegene Hochmoor mit feinem seltenen Pflanzenwuchs. Für cne „Salzsteilen tx*r Wetterau" und ihre eigentümliche »lora und Fauna fordert Lehrer Ä O ft TO a I d. Bad-Rauheim, Schutzmaßnahmen, eh« ^.SU pät 'st, in erster Linie für die Salzwiesen bet Wissel^h.'im und Munzenbcrg. Der Beitrag „Rheinuser einst und jetzt". t*5n Pastor Dr med. h. c. Otto Kleinschmidt. Wittenberg gilt der Schönheit der Landschaft um die Altwasser des RheinS.
•• Stadttheater Gießen. Aus dem Stabttfteaterbureau wird uns geschrieben: Wegen des außerordentlich großen Erfolges, den das Stadttheater Gießen mit der Wiedereröffnung der Waldbühne durch die Aufführung des Lustspieles „3m weißen Röftl" errungen hat. hat die Intendanz eine einmalige Wiederholung dieses Lustspiels am Sonntag, 12. August, nachmittags ’/j4 älhr angesetzt.
•• Männerbadeverein 1 836. Das 92. Stiftungsfest des Männerbadevereins am gestrigen Sonntag konnte, dank des günstigen Wetters, programmgentäß gefeiert werden. Der Vormittag war dem sportlichen Teil Vorbehalten und bot jungen wie älteren Schwimmern und Schwimmerinnen Gelegenheit. ihr Können zu zeigen. DaS Wettschwimmen zeigte folgende Ergebnisse: a) 50 Meter-Kampfbahn: Schüler von 6 bis 9 Iähren: Sieger Heinz Kähler, 58 Sekund. Schüler von 9 —12 Iahren: Hellen Stappel. 48-,- Sek. Schüler von 12—15 3obren. Hans Weicker 44’ 5 Sek. b) 100 Meter-Kampf- bahn. Junioren von 15 18 Iahren: Hugo Bör - manir 1,34 Min. Iunioren von 18—25 Iabren: Emst Keßler. 1,39 Min. Scnioren von 25 bis 35 Iahren (50 Meter): Dr. Earl Pi stör, 45’ , Sekunden. Senioren von 35- 45 Iahren: Köh - Unger, 45 Sek. — Schülerinnen von 6 bis 9 Iahren: Elise Komps, 58 Sek. Schülerinnen von 9 12 Iahren: Rosa Lippert. 50 Sekund. Schülerinnen von 12—15 Iahren: Else lag* ner, 49’/, Sek. Damen von 15 18 Iahren: Betti Blum. 49' Sek. Damen von 18—25 Iahren: Dora Mittel. 48-' 5 Sek Der Ehr Zimmer- Gedächtnis-Wanderpreis konnte V. ausge- schwömmen werden, da die Tertei. . d, ‘eiben wegen Teilnahme an der ßaftnftaffci verhindert waren. — Der der Geselligkeit getoibn..te Rachmittag verlies ebenfalls in schönster Weise. Auf dem stark besuchten Platze konzertierte von 3 ilftr ab die Kapelle Weller. Dec erste Vorsitzende. Georg Todt, bewillkommnete die Erschienenen, dankte allen, die sich für die Sport fache eingesetzt, und forderte zum Anschluft an die Sportvereinigungen auf. Sein Hoch galt dem altehrwürdigen Männerbadeverein. Herr R e u h l. der sich um die Vorbereitungen unb Durchführung des Festes besonders verdient gemacht hatte, teilte in humoristischer Rede mit. daß Ga. Tobt der Titel eines BaderateS erteilt worden sei. — Ein von 8 Damen des Turnvereins 1846 aus geführtes Figurenlegen erhielte stürmischen Beifall, ebenso das von Mannschaften des Männerturnvereins und des MännerbadevereinS gebotene Wasserballspiel. Kinderpolonaise mit Brezelverteilung. Wurstschnappen im Wasser ufto. waren willkommene Programmeinlagen für die Iugend, und Preisschießen für die Erwachsenen. Mit der Preisvertellung am Abend fand das Strandfest seinen Abschluß.
** Bom KlinikSviertel. An einem zur Chirurgischen Klinik gehörigenWirtschastsgebäude. daS in den kalten und nassen Frühjahrstagen angefangen und in der Sonnenglut der letzten Woche fertiggestellt wurde, haben Die Arbeiter folgenden Spruch angefchrieben: Trotz Sonnen- glut. trotz Regenschauern sind nun vollendet diele Mauern, ihr Leut, die ihr vorbeigeht, schaut, was fleih'ge Hände haben erbaut
" Rosenaus st ellung in Bad-Rauheim. Eine Rofenausstellung. Decanftaltet von der bekannten Firma Gebr. Schultheis m Steinfurth, fand am letzten Samstag im Rau- Heimer Kurhause statt. Die Reu Hellen der letzten zwei Iah re und die des nächsten Iahres in einigen Tausend der edelsten und schönsten Blu- men ausgestellt, gaben einen bequemen Heber-
Dos Zauberflöienhäuschen.
Don Liesbet Dill.
Ein Kalvarienberg, steil, viel ausgetretene Stufen, führt auS den engen Gassen Salzburgs zum Kapuzinerberg. Hmrauscht von grünen Wipfeln alter, regengetränkter Bäume steht es einsam auf feiner Höhe, Vögel zwitschern leise. Cs ist Sonntag und doch geht der Wanderer hier oben nicht vorbei. Der geht unten über die Brückn, durch den Rokokogarten Mirabells, der sitzt Im engen Stieglkeller, wo einst auch Mozart saft und sich neue Schwungkraft holte unb neuen Mut zu diesem armseiigen Leben. ... Der arme Mozart. .. In diesem Leinen Bretter- hauS hat er seine „Za über flöte" geschrieben. Cs war seine letzte grafte Ober. . .. Das Häuschen ftanb einst in Wien. Cs reifte hierher, nach Salzburg. Weshalb es die Wiener ftergegeben haben. ... Mysterium. ...
Don diesem Häuschen geht ein Zauber aus. ... es hat soviel Menschliches und Rührendes. In diesen vier Wänden, gefallt und abgeblichen von der Sonne, saß Mozart, gehetzt und bedrängt von seinem Gönner Schikaneder, dem Lbeaterdirektor zu Wien und schrieb eine Ober, Mozart arbeitete unendlich leicht, wie im Sieber, wenn ihn eine Idee besaß, sauber und geordnet schrieb er die Melodie hin, zierlich, elegant, er hatte alles im Kopf, ehe er begann.
Unö dieser Schikaneder, der vor dem Bankrott stand mit seinem Lh«tter, der ihn anstehte ..Schreib mir eine Oper sonst mach ich Schluß!" wie miserabel bat er ihn bezahlt, ihn kaum am Gewinn beteiligt, nachdem die Oper fertig war und einen Erfolg erlebte wie ferne Oper vorher. ...
Schikaneder ging nicht einmal zu seinem Begräbnis mit, als Mozart sich ausgehustet hatte in dem harten Winter daraus. Es war em Begräbnis dritter Klasse, im Schneetreiben und Sturm. Rur ein baar Musiker begleiteten den einfachen Sarg, seine Frau war auch zuhause geblieben. Eonftanze hatte sich zwar aus Verzweiflung in das Bett des Toten gelegt, um ..auch krank zu werden und zu sterben" aber sie ist nicht krank geworben, sie ist erst mit achtzig Iahren gestorben, nachdem sie den Staats
rat v. R i s s e n geheiratet hatte. Daß Mozart nicht einmal ein Grab kreuz bekam und niemand heute mehr zu sagen weiß, wo er eigentlich liegt, ist ihr zu danken. Sie hatte sich gar nicht um fein Grab gekümmert und mit Mozarts Totenmaske ist ihr ein Unglück passiert, sie hat sie beim Hausputz zerbrochen. ...
Wenn man die Bilder dieser hageren, dünn- armigen Constanze sieht, mit der langen Rase, den schwarzen, nichtssagenden Augen, kann man sich schwer vorstellen, was Mozart an sie fesselte. Sie schenkte ihm sieben Kinder, die Eonstanze alle überlebte. Mozart war ein guter Ehemann, von Seitensprünyen ist nichts bekannt Er hat gern einmal Wein getrunken und sich im Siegl- fellcv einen kleinen Rausch geholt, aber selbst ein Genie kann nicht nur hungern, obwohl man das von einem Genie verlangt... Seinem strengen Vater, der Mozart als Wunderkind mit sieben Iahren schon in der Welt herumschleppte, wird Mozarts früher Tod in Rechnung gestellt. Dieses unregelmäßige Leben, das Heber- nachten in ärmlichen Wirtshäusern, in ungeheizten Zimmern, die anstrengenden Konzertreisen, alles daS hat Mozarts ohnehin zarte Gesundheit untergraben. Er starb mit 32 Iahren, kurz nach der Vollendung der .Zauberflöte .
Sein Sterbehaus stand in Wien, aber es ist heute nichts mehr davon übrig, man hat das Haus ... abgerissen ... Aber fein Geburtshaus steht in Salzburg und beute gehen die Fremden in den einfachen, stillen, kühlen Zimmern umher und bedachten mit Ehr urcht Mozarts bdilan'.en- besetzte Uftr, die er von der Kaiserin bekam, seine Locken, seine Briefe, feine geschriedenn Roten und sein merkwürdiges Spinett mit den schwarzlackierten Untertasten und den weißen Obertasten, sein .Reiseklavier", seinen abgeschabten Sessel. Die Stelle, wo sein Deburtsätt gestanden, ist leer Welke Lorbeerkränze liegen dort...
Auch hier an den Wänden des Sommerhäuschen. das aus einer einzigen kleinen Stube besteht, bangt überall weiter Qoorbcer. Bei Lebzeiten htt er wohl schon Lorbeer bekommen, aber wenig Geld. Der sparsame König Leopold bat ihn fo schlecht bezahlt, daß die | Hälfte feinet Gehalts davon für Miete drauf ging. Er lebte kümmerlich wie irgend em kleiner
Leben.
Musiker. Es gab ja so viele. . . An diesem Holztisch schrieb er seine „Zauberflöte", er benutzte diesen einfachen Stuhl. Während eine- Sommers hat er hier gearbeitet, er aß sogar in diesem Gartenhaus, während er arbeitete. Rur Schikaneder besuchte ihn und drängte, daß die Oper ja zum Herbst aufsührungsbereit sei. . . Im Frühjahr wurde sie skizziert, dazwischen mußte Mozart nach Prag, um dort eine Oper „Titus" zu schreiben. Als er zu rücktam, schon angegriffen, vollendete er feine ZaubeZlöte rasch am 30. September wurde sie zum erstenmal in Wien aufgeführt und batte großen Erfolg. Im selben Iahr im Dezember ist Mozart gestorben.
Dor dem Heinen Gartenhäuschen steht Mozarts Denkmal. Gr ist immer jung, und fein zerstreuter, in der Ferne verlorener Blick ist in anderen Welten, er hat keine Sorgen - auf Denkmälern — er ist immer vierundzwanzig Iahre alt und immer schön . . Eine wilde Dlumenwiese umblüht das kleine Haus. In den Kastanien singen leise die Vögel, Lotten ziehen übet Salzburg, in dem Schloß Mirabell rauschen die Wasser und unter seinem Denkmal steht. Mozart. . . jung. . . groß. . spät erkannt . nie erreicht. .
Er hatte sieben Kinder und kein Geld, er hatte kein Holz, um sein Arbeitszimmer zu heizen und mußte mit seiner Frau tanzen, um sich die erfrorenen Deine zu erwärmen, auch daS warme Gilet nützt nichts mehr, das chm eine ältere Freundin strickt, er friert immer, er weiß, es dauert nicht meh: lan$. . . Todesahnungen umschwebten ihn schon, wahrend er in diesem kleinen stillen Häuschen an der Zaubers löte arbeitete. . . Die Sorge, was auS seiner Frau, seinen Kindern werden wird, zehrten ihn aus. tagsüber muß er sich abschinden. Klavierftunden geben, sich heiser reden. Vorspielen. Proben ab- halten und nachtS arbeitet er. . . er hat nur Zeit zu komponieren, toerm alle andern schlafen. . €em Leben ist wie ein Licht erloschen . . an jenem falten Dezemdermorgen. . . Wo ist fein Grab. ... wo die Stätte, wo er fein Leben ausgehaucht hat? Richts mehr von allem. . . Rur das Zauher*lötenhäuschm steht auf der Höhe . . . Ein ÄalDarcnbeig . . . wie sein
Ser Hegen als archäologischer Mtarbelter
Schwere Regenfälle im vorigen Rovember führten in der Oaie Fahrern in Oberägypten zu einer bemerkenswerten archäologischen Entdeckung. Miß Caton --Thompson, die Leiterin einer englischen Expedition, wurde darauf aufmerksam, daß auf diese Regengüsse die Vegetation in einer ganz merkwürdigen Form ausblühte, di« an den römischen Wegebau erinnerte. Sie ging der Erscheinung nach und entdeckte, daft an diesen Stellen im Sande begrabene Bewässerungskanäle lagen, und fo wurde schließlich ein ganzes System von Bewässerung durch Becken. daS 21 englische Quadratmeilen ceutigen Wüstenlandes durchzieht, entdeckt. Die ägyptische Regierung, die benachrichtigt wurde, zeigte ihr Interesse durch Entsendung von Hilfsarbeitern. Im toci'ercn Verlauf der Untersuchung wurden Hausstätten. Töpferwaren und Münzen gesunden, aus denen sich ergab, daft die Funde aus der Zeit des Ptolemäus II. und Ptole- mäus III., also aus dem 3 vorchristlichen Jahrhundert stammten.
Sin unberbrennbarer MtorbettieMoff.
In Paris wurden interessante Versuche mit einem nicht entzündbaren Motorbetriebsstoff vorgeführt, der von dem russischen Ingenieur Makhonin erfunden ist. Der Spiritus, der schon seit einiger Zeit in Gebrauch ist. war bisher für private Verbraucher nicht auf dem Markt und wurde nur für Großverbraucher, wie den französischen Lustdienst und Ozeandampfer, abgegeben. Ietzt soll er aber auch für den Prwatverkehr zur Verfügung gestellt werden, und er kann in einem gewöhnlichen Wagen nach einer kleinen Veränderung des Vergasers verwendet werden. Er wird in Frankreich zum Teil aus schweren Oelen und zum Teil aus Kohlen here,e stellt. und der Oriinbet erklärt, daft die Kosten 20 Prozent niedriger sind als für Petroleum und der Derbrauch 40 Prozent geringer. Bei der Vorführung zeigte es stch. daft bet Betriebsstoff, selbst wenn et Im Wagen warm geworden war. nicht Feuer fmg und er konnte n.cht nur durch Zündhölzer nicht angcAÜnbet werden, sondern widerstand auch ©eiftgiuftenft gemachtem Eisen.


