Nr. 17' Lrftes Blaff
178. Zahrgang
Montag. 25. Zuli 1928
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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zeigenteil Jiurt HiNmann, sämtlich in (Biehen
Glänzender Verlauf des Wiener Sängerfesies.
Die Anschlußkundgebung der deutschen Sänger.
Töten. 21. 3uIL (X.-U.) 3m Rahmen des SängerbundeSscste« fand am SamStag die grobe Rnlchlubtundücbung in der Sängerhalle statt. Sie war gleichzeitig mit ter britten arohen Ausführung txrrbunten. die, wie die beiden vorhergehenden Aufführungen, von 40000 Sän- gern auSgeführl wurde. Der Zudrang deS Publi- kumS war heule noch viel größer als an den vorhergehenden Tagen. Obwohl in ter Sänger, holle etwa 80 000 Menschen Einlaß finden können. muhten viele Taufende an den Kaffen zurückgewiesen werden, weil die Halle bereit« voll war. Diese zahlreichen Menschen blieben auf dem Festplahe und hörten die Reden und musikalischen Darbietungen durch die angebrachten Lautsprecher an. Man sah unter den Ehrengästen u. a. den deutschen Gesandten, Grafen Lerchenfeld, und den Reichstagspräsidenten LSbe. Zwischen diesem und dem Reichsinnenminister Severtng sah ter Wiener Oberbürgermeister Seitz. Die Regierung war durch den Minister Waber vertreten. Ferner sah man die Spitzen der Fetzorganisatton und sämtlicher rcichS- teulschcn Verbände sowie des Deutsch-öfter- reichischen Volksbundes und der deutsch-österreichischen Arbeitsgemeinschaften. Den Anfang des Programm- bildeten wie bei den bisherigen Aufführungen die .Fanfaren" von Richard Straub und die .Hymne an Schubert", die von dem Gcfamtchor gesungen wurde. Dann bestieg, von grobem Beifall begrüßt.
Rechtsanwalt Znednch Liszt, Berlin,
die Dirigentenbühne zur Begrüßungsansprache, in der er auSsührte. daß das österreichische Land und di« Stadt Wien deutsch bleiben würden, solange es ein deutsches Doll und eine deutsche Volks oerbundenhei t gebe. Der Redner weihte dann den gefallenen Brüdern im Weltkrieg ein Gedenken und führte weiter aus. dab die Schict- salS gemein schäft des Weltkrieges verwirklicht hätte. was der Sängerbund aus ferne Fahne geschrieben hatte, eine allgemeine deutsche Volksverbundenheit, ohne Rücksicht auf politische Grenzen, zu schassen. Wie sollte es da anders sein, als dah der Heist« Wunsch auf- steige, das geistige Drostdeutschlund auch nach austen hin «S ein einiges Droscheutschland ersteben zu lassen. Wenn auch tausend Bedenken ter Verwirklichung dieses Gedankens entgeaen- ftänden, so fühlten die deutschen Sänger es doch zu tief, dast «S nationale Pflichten geben dürfe, die ein Voll nie ausgeben dürfe, ohne sich selbst aufzugeben. »AuS den Flammen der Begeisterung des heutigen Tages", so schloß der Redner, .möae die Liebe zum großen deutschen Daterland e. befreit von allen Schlacken und Borurteilen, erstehen, damit die Welt sieht und erlentti, dah der Deutsche Sängerbund und jeder ejnzeine seiner Sänger nur das eine Ziel im Auge hat. durch die Pflege des deutschen Liedes dem deutschen Ged anlen in der Welt zu dienen, für Alldeutschlands- Einigkeit und Gröhe Wir grühen dich, du grvsteS deutsches Vaterland, aus überströmendem Herzen mit brausendem Heil.ruf. Wir erneuern das Bekenntnis zu dir in den machtvoll dahin- strömenten Klängen des Deutschlandliedes, das in seiner Verkündung der Worte des norddeutschen DichterS mit dem von einem österreichischen Dunster geschaffenen Tönen das Sinnbild deutscher Verbrüderung unlöslicher deutscher SchicksalSver- bundenheit ist."
Liszt wurde wiederholt durch stürmische Beifallskundgebungen uno häusiae Hellrufe unterbrochen. AlS er in seiner Rede der gefallenen Sänger gedachte, erhoben sich Sänger und Publikum einmütig von den Sitzen. ES trat eine weihevolle Pause ein, die mehrere Minuten dauerte. Hierauf erhob der Dirigent Keldorfer den Taktstock und die Sänger setzten zu dem Liede ein: .3 ch hatt' einen Kameraden." DaS Publikum fiel geschlossen in den Gelang ein. Darauf setzte Rechtsanwalt Liszt seine Rede fort. AlS er schloh. brach ein tosender Beifall aus. der kaum ein Ende nehmen wollte. Darauf wurde von Sängern und Publikum gemeinsam das Deutschlandlied gesungen. Rach der An- schluhseier wurde das mu-ikalifche Programm unter der Leitung von Professors Wohlgemuth (Leipzig) fortgesetzt.
Oer Feflzug.
Wien. 22. Juli. (T.U.) Am Sonntag veranstalteten die deutfchen Sänger einen gewaltigen Fest- zug, der einen glänzenden Verlauf genommen bat. Die ungeheure Arbeit und vor allem die organisatorische Leistung, die es zu bewältigen galt, wird durch einige Zahlen veranschaulicht. 3m Festzug marschierten 7000 Vereine mit rund 150 00U Mit- gliedern. Sie hatten rund 500 Bannerwagen und ctu>a 6800 Einzelsahnen und Standarten im Zuge. Den polizeilichen Ordnungsdienst versahen 5000 Mann der Sicherheitswache und 9000 Ordner und Ordnerinnen des deutschen Turnerbundes und der (Tbriftlid^n deutschen Turnerschaft und 1500 Mann Bundestruppen. Die Organisation der Wiener Aerzte hatte sich dem Ordnungsausschuß des Festes freiwillig zur Verfügung gestellt und im Verein mit der Rettungsgesellschaft zwölf Rettungsstationen, zehn Sanitätsposten und 120 Erfrifchungs-
stotionen, in denen Pfadfinder tätig waren, errichtet. Die Zahl der Bannerwagen wäre wohl noch größer gewesen, wenn in Wien und In den Orten der Umgebung für die von den Vereinen verlangten Bannerwagen noch Pferde auhutreiben gewesen wären. Dem vorzüglich ausgearbeiteten und durch- geführten Organilationsplan des Festzuges, dessen Schöpfer General Irautroeiler ist, ist es zu verdanken, daß der Festzug. abgesehen von den im Verhältnis xur Größe der Veranstaltung geringen Unfällen, glänzend verlaufen ist.
Aus tem Festzug sind unter der groben Fülle ter vorbeimarschlorenden Vereine und ter öarge ft eilten Gruppen folgende Einzelheiten besonder- hervvrznheben: Bon den Zuschauern wurden besonders
die deutschen Gänger auS Amerika.
begrübt, die nach den deutschen Sängern aus Windhuk und Swakopmund solgten. Da sind die Vertreter des Sängerbundes San Franzisko, des nordamerikanrschen Sängerbundes 3n- dianopolis, Arion-Drvollyn, der Gesangverein ter deutschen Turnvereinigung Reu-OrleanS, der Mozartverein hi Reuyork, ter österreichische Gesangverein in Reuyork .Blaue Donau", ter Gesangverein aus Eleve land und ter deutsche Gesangverein auS Ohio zu erwähnen. Reuyork ist ferner noch durch den Schubert-Verein vertreten. Auch Südamerika hat verschiedene deutsche Sängervereine entsandt, darunter den Bund ter deutschen Männergesangvereine von Santiago de Ehile und der Deutsche Sängerbund auS Sav Paulo.
Run folgen die Baltischen Staaten, und zwar sechs Vereine aus Reval und Riga, dann ter deutsche Männergesangvereian Oslo, hieraus 19 Vereine des Deutschen Sängerbundes inP o l- nisch-Oberschlesien und weitere 29 deutsche Vereins aus Polen. 3hnen folgten 28 Vereine auS Rumänien, in ihrer Mitte ein schöner Wagen ter Siebenbürger Sachsen in ihren Volkstrachten. Die Schweiz ist durch ten Züricher Männerges angverein oct treten. Jugoslawien durch acht Vereine. Ungarn durch ten Budapester Verein. Run tarnen noch stürmischer begrüßt als die übrigen Vereine, die Vertreterderbesetzten Gebiet e.D est » deu tschland-,
der hessische Sängerbund mit einem Zest- wagen des Gesangvereins ^Zrohsinn^
aus Bad-Nauheim,
ter pfälzische und nassauische Sängerbund mit tem Festwagen deS Schubert-DundeS »Wiesbaden als Weltkurort am Rhein". Dann folgten Festwagen teS Gesangvereins »Frohsinn" aus Bad Ems. dann der Rheinische Sängerbund mit zwei Festwagen. Die Sänger aus Trier trugen eine Tafel .Besetztes Gebiet". Die Koblenzer hatten eine originelle DacchuS-Gruppe als Sefttoagen. Run folgten die Sudetendeutschen aus Böhmen. Mähren und Schlesien mit Festwagen teS suteterrdeutschen Heimatbuntes. ter Liedertafel Weivpert und ter Liedertafel Tilsit, hierauf die Deutschen auS ter Slowakei. Großes Aufsehen erregte die Gruppe des preußischen Provinzialsängerbuntes (Königsberg und Danzig). Sie wurden von deutschen Ordensrittern zu Pferd und in schwerem Harnisch mit tem Wappen des deutschen Ritterordens begleitet. Mit ihnen zog eine Marienburger Droschke, deren Führer Paul Ricke! eigens zum Fest zuge die Fahrt Marienburg— Wien gemacht hat- Der deutsche Schulverein brachte einen Festwagen .Grenzlandsänger". Ihnen folgte die Gruppe ter österreichifchen Alpenländer Steiermark. Kärnten, Oberösterreich. Salzburg. Tirol und Vorarlberg, durchweg in ihren malerischen Trachten. Die Steiermark hatte einen Festwagen, der ten Erz berg DarftcIlL Der Salzburger Wagen hatte das Motto: .Stille Rächt, heilige Rächt". Der Vorbeimarsch ter S a ch s e n. etwa 18 000 Mann, dauerte eine Stunde. Ihnen folgten
39 akademische Sängerschaften
aus Aachen. Drcslau, Br mm. Danzig. Dresden. Frankfurt a. M.. Freiburg (Breisgau). Göttingen, Heidelberg, Hohenheim, 3nn5brud, 3ena, Kiel, Köln, Königsberg. Leipzig. München. Prag. Rostock, Stuttgart, Tübingen. Wien und Rurn- berg sowie ter Wiener W a f f enr in a. Die Chargierten waren beritten und in vollem Wich^. Ihnen folgte die R o r d m a r k, Hannover. Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg. Ham- burg-Qntona, die Vereinigte Dorddeutscho Liedertafel Oldenburg, mitten im Zuge ein getixu* tigeS Siers atz aus Dortmund und ein Fvch- dampfer aus Bremerhaven. Dann kam die Provinz Sachten, Anhalt, Südbayern und Franken, die Arbeitsgemeinschaft ter Daye rn, ein Festwagen ter Münchener Sängerrunde. Run folgten die Sänger aus Berlin, Brandenburg. Pommern, Thüringen, Kurtz essen. Die Berliner brachten auf einem Festwagen ihr Wahrzeichen, das Brandenburger Tor. mit Es folgten die Schwaben. barm die Badener. Schlesien zeigte il a. ten Bunzlauer Topf und eine Rübezahl- gruppe des Sängergaues Hirschberg. Rumnehr folgte eine ter schönsten und größten Gruppen,
der ostmärkische Sängerbund
zu dem Wien, Niederösterrcich und das Burgenland gehört Don einer Reiterschar angeführt, zeig» diese
Gruppe einen geschmackvgllen Festwagen „Cie Königin des Liedes". Die Hauptfigur war ein schönes Wiener Mädchen, umgeben von zwei Wienerinnen im Biedermeier-Kostum, einer Niederösterreicherin und einer Burgeniänderin. Dieser Gruppe folgte in einem vierspännigen Wagen Schulrat Falsch, der Organisator des Wiener San- gersestes. Hinter ihm fuhren seine verdienstvollen Mitarbeiter. Nun folgte die Gruppe „Volks- tum und Heimat", die künftlerifche Bilder österreichischen Volkslebens und alter Gebräuche und Sitten veranschaulichte. Sie bot eine selten chöne und vollständige Schau öfter reicht- cher Volkstrachten von einst und jetzt. Man ah eine Allwiener Ausfahrt, einen Erntefesttug u. a. mehr. Die in Wien ansässigen Egerländer zeigten eine ganze Spinnstube. Die Abkömmlinge Der Sprachinseln aus Mähren, dem früheren Oesterreichisch-Schlcsien, und die in Wien wohnenden Siebenbürger Sachsen sitzen einträchtig auf den Bärenfellen eines gemeinsamen Festwagens. Die Oberösterreicher zeigten eine goldene Hochzeit vor hundert Jahren, eine Drescher Gruppe und eine Mostpresse. Sehr schön waren auch die Salzburger Trachtenwagen und ganz besonders beachtenswert die Tiroler Gruppen, unter denen sich auch eine alte Landsturmgruppe aus ter Andreas-Hoser-Zeit befand. Dann kamen die D o r • arlberger, die Kärntner mit einer Bauernhochzeit, st eiermärkische Scheibenschützen, burgenländische Difchossreiter usw.
Huldigungen
vor dem Bundespräsidenten.
Von ten vielen Darbietungen kann natürlich nur eine Auswahl genannt werten. Es müßten noch manche historische Fahnen und andere wertvolle Stücke genannt werden, die hier aus sorgsamer Hut feit langem zum ersten Male wieder an die Oeffentlichkett tarnen. Der Festzug, welcher sich heute vormittag um 10 Uhr in Bewegung gesetzt hatte, zog mit seinen letzten Truppen erst um 7 Ahr abends durch den Ring an den Tribünen der Ehrengäste vorbei, also neun Stunden nach Beginn. Rach dem Vorbeimarsch der Düste waren es die groben Wiener Gesangvereine, die mit den besonders abwechslungsreich und lünftlettfd) gestalteten Gruppen der Gesangvereine der österreichischen Länder den Schluß bildeten. Als letzter marschierte der Schubert bu n d, auf seinem Festwagen eine überlebensgroße Düste Franz Schubert-, unter dessen Zeichen ja daS ganze Söngersest gestanden hatte, vor das Zelt des Bundespräsidenten Hainisch, der. von einer kleinen Mittagspause abgesehen, trotz der ziemlich empfindlichen Hitze vom frühen Morgen ab den ganzen Tag ausgeharrt hatte. Der Schubert-Bund huldigte dem Staatsoberhaupt durch den Süngergruß und brachte dadurch das in glänzender Weife gelungene zehnte deutsche SängerbundeSfest zu einem schönen Abschluß.
Die Hessen in Wien.
Eine gewaltige Kundgebung deS Hessischen Sängerbundes auf dem Karlsplah.
Wien. 22. 3uIL Eine Svnderkundge- bung deS Hessischen Sängerbundes aus dem KarlSplatz in Wien gestaltete sich zu einem besonderen Ereignis im Rahmen teS deutschen Sängerbundessestes. Eine unübersehbare Menschenmenge hatte sich um ten KarlSplatz eingefunten, der sich dem Auge im schönsten Schmucke darbot. Am Kirchenportal halten die Fahnenträger Platz gefunden, in der Runde nahmen die fast 2000 Sanger deS hessischen Sängerbundes OhifftcUung. Lautlose Stille herrschte, als BundeSchormeister R a u m a n n den Taltstock erhebt und in freudigem Bekenntnis braust „Das Deutsche Lied" von Kalliwoda zum Himmel empor. Tiefen Eindruck löste ter Gesang auS: als ter letzte Akkord verklungen, setzt ein brausender Beisall ein. Wieder wird es stlll in der Runde, alS der 1. Buntesvorsihente des hessischen Sängerbundes,
Ministerialrat Dr. K. Siegelt
in einer Ansprache u. a. etwa folgendes ausführt: „Die großen Feste des Deutschen Sängerbundes verfolgten von jeher hohe künsllerifche und vaterländische Ziele. Sie bedeuten nicht mir Höhepunkte in ter Geschichte des Männergesangs, sondern auch in der vaterländischen Geschichte überhaupt — unvergeßlich für alle btejenigen, die sie rniterleben durften. 3n der Tat, mit Porten laßt es sich nicht beschreiben, wessen die Macht des Gesanges an solchen Tragen fähig ist. Das Mit- genießen der reinen und edlen Freuten ter Sangeskunst, die von einem zum anderen übersprühente Begeisterung, das gemeinsameDekenntnis zum geliebten deutschen Daterland verbinden die Herzen der Sänger mit heiliger Kraft und finden Widerhall auch tief in der Seele eines jeten im Volke, tem Sangeskunst und Vaterland nicht leere Begriffe find. Liebe Freunde! Was in dieser Beziehung aber in Wien geboten wird, übertrifft alles bisher Dagewesene. 140 000 deutsche Sänger! Nicht nur aus dem ganzen Vaterland, auch aus fremden Ländern und fernen Erdteilen jenseits ter Meere sind die deutschen Sangesbrüder zusammenaeströmt, um gemeinsam ihren hohen Idealen zu huldigen. Jeder fühlt mit Stolz, daß es auch auf i h n ankommt, jeder steht unter dem gewaltigen Eindruck großer Geschehnisse. Das macht Wien tem deutschen Sänger wohl so anziehend? Ift's die alte Kaiserstadt mit ihrer klassischen Schönheit, mit ihren herrlichen Baudenk- malern und unermeßlichen Kunstschätzen? Ist's die liebenswürdige, lebensfrohe An der Bevölkerung, ter gemütliche Ton, das Wiener Leben, das uns reizt? Gewiß ist es für uns alle sehr verlockend, das schöne Wien — das Entzücken ter ganzen Well — mit eigenen Augen schauen zu dürfen. Die Gedanken der Sänger gehen aber auch tiefer. Wien ist die Stadt unseres Franz Schubert, — Wien ist die Stadt ter Lieber und des Männergefangs, — Wien ist der musikalische Mittelpunkt der Welt, die Stadt, in der die größten Musiker aller Zeiten gewirkt haben. Neben der Vergangenheit und Gegenwart gelten unsere Gedanken heute aber auch ter Zukunft, — ter Zukunft der sechs Millionen österreichischen Brüder, — der Zukunft der Länder Oe st erreich und Deutschland, ivelche sich zu einem Land vereinigen möchten. 1918 — am Ente des Weltkrieges — war der Zusammenschluß nahe. Die Volksvertretung in Wien hatte gesprochen. Vertteter Oester- reichs haben an unserem Derfasiungswerk mitgearbeitet. Da witerfprach die Welt. Unsere ehemaligen Gegner liehen es nicht zu. Aber dieser Widerstand wird eines Tages durch einen Sieg d« r Vernunft geb r o che n werten.
Aufholten kann man ten Zusammenschluh- gedanken wohl, aber töten kann man ihn nicht. Immer lauter wird er ausgesprochen, und namentlich öle deutschen Sänger, die unter der grohlinigen Führung des Deutschen Sängerbundes schon mehr Einfluß aus den Gang ter Geschichte genommen haben, werden nicht ruhen, bl» das Ziel der Sehnsucht ter beiden
Völker verwirklicht ist.
Sprechen wir nicht dieselbe Sprache? Singen wir nicht dasselbe Lied? Sind wir nicht Brüter eines Stammes? Darum gibt eS kein Zögern und Fragen, wenn etwa ter Zusammenschluß größeren materiellen oder politischen Vorteil bringt — ein Zusammengehen ist nationale Pflicht. Mögen die Regierungen auch noch so zurückhaltend sein — die Völler streben zueinander und verlangen nichiS anderes, al« daß das vielgerühmte Selbst- bestimmungSrecht, das so oft au ihrem Rachteil ongewendet toorten ist, nun endlich auch für alle gelte. 3n diesem Gerste sind die deutschen Sänger nach Wien gezogen, in diesem Geiste find fie auf genommen:
3m Herzen und im Liede gleich 3st Deutschland und Deutschösterreich.
Gewiß wird eS für unsere Staatsmänner noch manche schwere Frage zu lösen geben, über die man nicht einfach im Drange ter Begeisterung hinweg^chretten kann. Aber daS Wichttgerc find heute die treibenden Kräfte. Zu ihnen soll und will auch da« 10. Deutsche Sängerbuntestest gehören.
Alldeuttchland mutz erblüh'n. Das ist das Lied von Dien!
Die Rede sand begeisterten Beifall. 3ebe«ma{, wenn der Anfchluhgedanke in der Rede vorkam, wurden Hochrufe auf Hessen und auf Deutschland ausgebracht. Der Abschluß der Svnder- funbgebung bildete „Das BundeSlied" von Mozart. Aus Taufenden und aber Taufenden von Kehlen erschallte dann das Deutschland! cd, dann folgten Heilruse auf ten Hessischen Sängerbund, auf Hessen und auf Deutschland.
Oer Reichsbahntarif.
Bor Anrufung des Reichsbahnschicdsgerichts.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Bnac'igers".
Berlin. 23. Juli. Die Besprechungen zwischen der Reichsbahngesellfchaft, dem Reichsfinanzminifte- rium und dem Reichsverkehrsministerium, die sich mit der Frage derBeschafsungneuerfinan- zieller Mittel für den Betriebs- und Beschaffungssonds der Reichsbahn be- fassen, und die auch noch fortgesetzt werden, scheinen, wie wir zu wissen glauben, doch mehr und mehr zu dem Ergebnis zu kommen, dah der ursprünglich ge- dachte Plan, die Finanzmittel auf dem An- le i h e w e g e zu erfassen, wenig Aussicht auf Durchführung hat. Das Reichskabinett, das, obwohl es auf der Tagesordnung für die letzte am Montag ftattfindende Kabinettssitzung vor den Ferien nur laufende Angelegenheiten angesetzt hat, sich ttotz- dem abschließend nunmehr auch noch in dieser Sitzung mit dem Problem ter Tariferhöhung befassen wird, dürfte auch jetzt noch zu keinem anderen Ergebnis kommen, als eben dem, daß eine Tariferhöhung wirtschaftlich nicht tragbar wäre, so daß dann die Reichsbahn den nächsten Schritt unternehmen wird, und das Reichsbahn- Schiedsgericht anruft. Es läßt sich natürlich noch nicht überblicken, zu welcher Stellungnahme


