Ausgabe 
23.2.1928
 
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mit die seitherige, unzureichende, unwürdige und lediglich im Terordnungswege geregelte Besol­dung beseitigt wird. Letztere stellt eine einzig dastehende Zurücksetzung der wissenschaft­lichen Assistenten gegenüber allen anderen Staatsbeamten dar. Die berechtigten Wünsche der Assistenten in den süddeutschen Hochschul­ländern werden nicht nur durch den Deutschen Akademischen Assistentenverband als Gesamtver­tretung aller deutschen wissenschaftlichen Assisten­ten, sondern auch durch den Reichsverband der höheren Beamten bzw. dessen Landesverbände mit allen Kräften unterstützt werden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 23. Februar 1928.

Oie Arbeitsmarktlaqe im nördlichen Oberhessen.

3m Bereiche des Arbeitsamtes für die Stadt und den Kreis Gießen, sowie die Kreise Als­feld, Lauterbach und Schotten hat sich die Lage des Arbeitsmarktes seit Mitte Ja­nuar weiter verschlechtert. Bei dieser verstärlten Arbeitslosigkeit handelt es sich aber in der Hauptsache um saichnrnähige Er cheinungen. Eine große Anzahl Arbeitskräfte aus den länd­lichen Kreisen des Arbeitsamtsbezirks ist vom rheinisch-westfälischen Industriegebiet, wo sie bis­her tätig waren, arbeitslos in die Heimat zurück- gekehrt. wodurch die Ziffern der Arbeitslosen- ftirsorge im hiesigen Bezirk die Erhöhung er­fuhren. Das heimische Baugewerbe und die In­dustrie der Erden und Steine hat infolge der gelinderen Witterung eine Besserung in der Be­schäl tigungslage zu verzeichnen, jedoch war es nicht möglich, die zusätzlichen Arbeitskräfte aus dem Industriegebiet hier unterzubringen. In der Landwirtschaft konnte eine Anzahl Arbeiter wieder Beschäftigung finden, da jetzt die FrüH- jahrsorbeiten vorbereitet werden bzw. allmählich schon in Gang kommen. Die Befchästtgungslage in der Industrie ist unverändert günstig geblie­ben. In den ländlichen Kreisen wird an ver­schiedenen Stellen an Dränagen gearbeitet, die Holzhauerarbeiten sind verschiedentlich noch im Gange, ebenso im Kreise Lauterbach die Rot­standsarbeiten. Bei all diesen Arbeiten finden zahlreiche Arbeiter Beschäftigung. 3m einzelnen ist ziffernmäßig zu berichten:

Arbeitslosen-Fürsorge.

Gießen-Stad t: Am 15. Februar 279 Haupt­unterstützungsempfänger, 403 Zuschlogsempfänger (15. Januar 292 bzw. 470).

Kreis Gießen: Am 15. Februar 978 Haupt- Unterstützungsempfänger, 1322 Zuschlagsempfänger (15. Januar 1009 bzw. 1185).

Kreis Alsfeld: Am 15. Februar 589 Haupt­unterstützungsempfänger, 754 Zuschlagsempfänger (15. Januar 191 bzw. 318).

Kreis Lauterbach: Am 15. Februar 302 Hauptunterstützungsempfänger, 484 Zufchlagsemp- Tanger (15. Januar 231 bzw. 414).

Kreis Schotten: Am 15. Februar: 327 Hauptunterstützungsempfänger, 520 Zuschlagsemp­fänger (15. Januar 130 bzw. 225).

Insgesamt: Am 15. Februar 2475 Haupt- Unterstützungsempfänger, 3483 Zuschlagsempfänger (15. Januar 1853 bzw. 2612).

firifenfürforge-CEmpfänger.

Gießen-Stad t: 'n 15. Februar 129 Haupt- unterstützungsempfäna "*19 Zuschlagsempfänger (15. Januar 131 bzw. j).

Kreis Gießen: Am 15. Februar 72 Haupt- Unterstützungsempfänger, 89 Zuschlagsempfänger (15. Januar 41 bzw. 69).

Kreis Alsfeld: Am 15. Februar 30 Haupt- ui terstützungsernpfänger, 39 Zuschlagsempfänger (15. Januar 17 bzw. 21).

Kreis Lauterbach: Am 15. Februar vier Hauptunterstützunnsempfänger, 7 Zuschlagsempfän­ger (15. Januar 2 bzw. 4).

Kreis Schotten: Am 15. Februar 8 Haupt- unterstühungsempfänger, 35 Zuschlagsempfänger (15. Januar 13 bzw. 11).

Insgesamt: Am 15. Februar 243 Haupt­unterstützungsempfänger, 389 Zuschlagsempfänger (15. Januar 204 bzw. 355).

Gicftener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 150 bis 170, Watte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 35 bis

Der unangenehme Kalender.

Von Josefa Meh.

Ich besitze cinen kleinen Abreißkalender, den ich mir für den Zweck gekauft hatte, die Tage, die ich durchlebe, festzus^ellen, und nicht immer am Donnerstag zu denken, es sei Dienstag. Der ganz gewöhnliche kleine Block aus schlechtem Papier trug, wie alle seine Kollegen, die Wo- matsbexeichnung am Kopf, den Tag im Wagen und zu Füßen eine Weisheit. Und diese nun ist es, von der ich sprechen will.

Als ich am ersten Tag des neuen Jahres mit dem gewissen kleinen Aberglauben, den wir so gerne ableugnen, auf Kalender blickte, einen Geleitspruch in die neue Zeit mitsunehmen, was lese ich da?Wein, Weib und Wür el sind ein dreifach Weh." Ist das ein Gele.tspruch für ein neues Jahr, das sowieso gar nicht hoffnungsvoll aussah?! Run, es ging mir nicht weiter nah, nut. geschmacklos. Am nächsten Tage pflückte ich gleichmütig die drei Webs ab. Da mahnt es:Dem Jüngling ziemt Beick eidenheil." Dagegen lieh sich nichts einwenden, auch fühlte A mich als Richtjüngling gar nicht getroffen. ®od) der dritte Tag! Am Drillen Tag schrie mein Kalender mich geradezu an:Beringe nie über dem Geld, bevor du es hast!" Diese Weisheil packte mich 3a, ich muß es eingestehen, ich hatte über das Geld verfügt, das ich am I. 3a- nuar erwartet und am 3. noch nicht erhalten Halle. Aber man läßt sich so etwas doch nicht gern schwarz auf weiß Vorbalten.

Andern Tags kam das Geld, zugleich mit einer Zeitung aus meiner Heimat, die eine Be- sprechung meiner kürzlich et?d) e:\enen Gedichte brachte. Ich ersah aus ihr, daß meine Heimat bisher war ich von ihr nicht verwöhnt wor- den von meinem Schaffen Rotiz f.eanmmen hatte und sogar eingeh: id unö lie evott. Diesen Tag mußte ich mir Merken D:n w e netten hatten wir also? Der Kalenoer antworte.e den 4. 3g» nuar. Aber nach dieser fachlichen Antwort er­klärte er:Besser Lob verdienen als Lob er­halten."

Da hatte ich es. Ich versank in felbstquä'erische Grübeleien, die mir die halbe Freude an der

45, Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 30 bi« 35, gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 35 bis 40, Sinter-Kohlrabi 10 bis 12, Rosenkohl 50 bis 60. Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 120 bis 150, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 5V», Aepfel 10 bis 15, Bir­nen 10 bis 15. Dörrobst 25, Honig 45. Suppen­hühner 100 bis 120, Endivien 100 bis 120; das Stück: Eier 12 bis 14, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 20 bis 40, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pfennig.

2.H. Hniversitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 26. Februar, vormittags 11.15 Hhr, findet in der Reuen Aula ein Hniversitäts-Goi» tesdienst statt, zu dem in erster Linie die Ange­hörigen der Universität eingeladcn sind. Selbst­verständlich hat aber auch jeder andere Zutritt. Professor D. Hans Schmidt hält seine 01b- schiedspredigt.

* Eine Achtzigjährige. Frau Louise Kirchner geb. Irle, Dammstraße 22 wohnhaft, begeht heute in voller Rüstigkeit ihren 80. Ge­burtstag.

** Eine Bereinigung Bogtscher Handelsschüler, die aus ehemaligen Schü­lern und Schülerinnen der Bogtfchen Handels­schule in Gießen besteht, ist kürzlich mit dem Sitz in Gießen gegründet worden. Die Bereinigung bezweckt u. a. die Förderung der Berufsinter­essen ihrer Mitglieder. In Herborn besteht eine Ortsgruppe der Bereinigung.

** D i e Aufbauschule in Friedberg kündigte im Anzeigenteil unseres gärigen Blat­tes an, daß die Anmeldungen zum Eintritt in die unterste Klasse der Aufbauschule bis zum 12. März bei der Direktion einzureichen sind. Die Aufbauschule führt ihre Schüler bekanntlich schon in 6 Jahren zur Reife, deshalb kann sie nur gut begabte Schüler, die mindestens 7 Jahre die Schule besucht haben, aufnehmen.

e* Der Berband mitteldeutscher Rotviehzüchter Hütt seine erste diesjährige und 11. Ausstellung und Zua)tvie-)ve::steige.ung für rotes Höhenvieh aus den westlichen Unterver­bänden des Berbandes am 8. März in Gießen ab. Zum Austrieb kommen etwa 70 Dullen über 14 Monate und 10 Kühe und tragende Rinder.

Obsrheffen.

Landkreis Gießen.

r. Allendorf (Lahn), 22. Febr. Olm Samstagabend hielt der hiesige Kriegerver- e i n seine diesjährige Abendunterhartung ab. Verbunden damit war die Feier seines vier­zigjährigen Bestehens. Der Vorsitzende oes Vereins, Philipp S t e i n m ü l1 er , sprach herzliche Degrühungsworte und gedachte der­jenigen Kameraden, die bis zum Tode der Fahne die Treue hielten. Ihr Andenken wurde in üb­licher Weise und durch den Gesang des Liedes Ich hott' einen Kameraden" geehrt. Für 25- jährige bzw. 40jährige treue Mitgliedschaft wurde ein großer Teil der Kameraden ausgezeichnet. 3m Damen des Präsidiums derHassia" über­brachte Albin Klein aus Gießen den Iubi- laren die herzlichsten Glückwünsche. Auch der Kriegerverein Klein-Linden übermittelte dem Rachbarverein in echter Kameradschaft durch seinen Vorsitzenden die herzlichsten Grüße. 3in Ramen der Geehrten dankte Flurschütz Weller. Gute Klavier- und Stteichmusik sorgte für Unter­haltung, desgleichen gut eingeübte Theatervvr- führungen und Einzelfzenen.

y Garbenteich, 22. Febr. Anfangs Juni feiert der GesangvereinFrohsinn" da­hier sein 50jähriges Bestehen. Das Fest wird mit einem Gesangswettstreit ver­bunden. Olm Sonntag fand im GasthausZum weißen Roh" der Delegiertentag statt. Es meldeten sich zur Teilnahme an dem Wett­streit 14 Vereine mit 750 Sängern aus der engeren und weiteren Heimat. Die Zahl ent­spricht den Größenverhältnissen unseres Dorfes mit 1000 Einwohnern und ermöglicht es dem festgebenden CBerein, seine Gäste aufs aufmerk­samste bewirten zu können. Gelegentlich seines letzten Familienabends ernannte der Verein in Anerkennung ihrer Treue und Verbimste ihm gegenüber folgende Herren zu Ehrenmit­gliedern: Heinrich Briegel IV. hier, Karl Walbo11, Annerod, Heinrich Schöck, Gießen,

schönen Rezension verdarb. Unter anderem dachte ich: Wenn aus einem etwas w.rd, wollen plötz­lich alle mit ihm auf der Klasse gewesen sein und behaupten, wie z. B. bei mir:Frühec- war sie ziemlich dumm, nur ihre Aufsätze waren immer glänzend." Der erste Teil dieser Behaup­tung stimmt ja, aber die zweite nicht, denn unter meinen Aufsätzen stand mcir ens 45, und der Zusatz:auch wurde der Aufsatz durch 15 ortho­graphische und 36 Interpunklionsfehler entstellt."

Ich dachte nun, mit der Zeitung wird es so ähnlich sein. Eie hält mich für ziemlich dumm, will aber auf mich, als Kind der Stadt, nichts kommen lassen.

Am nächsten Tage hatte ich alles vergessen, Freude wie Zweifel, aber auch, den 4. Januar du löschen. So lebte ich wieder zeitenlos dahin und hielt diesmal, der Abwechslung halber, den Freitag für den vergangenen Mittwoch. In­zwischen erhielt ich die Besprechung einer großen Zeitung, die über meine Gedichte so ähnlich urteilte wie die heimatliche. Also mußte doch etwas Wahres daran sein. Gelegentlich eines Briefes, den ich schreiben wollte, blickte ich auf den Kalender, der immer noch den 4. Januar mit dem unangenehmen Spruch aufwies. Schnell orientierte ich mich bei meiner Wirtin über den heutigen Tag und erfuhr, daß wir den 8. Fe­bruar hatten. Frech und rund stand die Acht da. OTber das war noch gar nichts. Unter ihr hieß es:Der Schmeichler h a t betrogen oder will betrügen."Ist nicht wahr!" schrie ich den Kalender an.Wenn es doch zwei Zeitungen ganz ähnlich bringen! .,.

Da fiel der Kalender um. Wohl mehr vom Lultzug als vom Inhalt meiner Worte. Ich fühlte mich nicht bemüßigt, ihn wieder aufzu­richten. Am liebsten hätte ich ihn in meinen Prunklamin geworfen, der den ganzen Tag nichts tut als prunken, schrecklich viel Feuerung schlucken und kalt bleiben. Aber dann sagte ich mir, daß der tägliche Aerger ül er seine Weisheit mich mehr wärme als sein Blöckchen schlechtes Papier.

Ein jeder wird besteuert nach Vermögen," grinste mich am nächsten Tag der Kalender an.

Old) halt den Mund, von Steuern will ich nichts hören!

Karl Schöck, Johanne- Göbel und Hein­rich Amen d, hier.

cp Orüningen, 22. Febr. Bei der dies­jährigen zweiten Brenn- und Ruhholz- versteiaerung unserer Gemeinde waren die Preise sehr hoch. Es wurden folgende Durch­schnittspreise erzielt: Buchenscheitholz 30 Mk., Buchenknüppel 26 Mk., Buchenreiser 4 Mk.. Kie- fernreifer 1,50 Mk., Eichenlnüppel 8 M!., Eichen­scheitholz 15 Mk., Eichenreiser 1,50 Mk. Bauholz kostete 40 bis 50 Mk. je Festmeter.

df. Langsdorf, 22. Febr. In der ver­gangenen Woche fanden hier im Saale der Traube" jeden Abend Cvangelisations- Vorträge der Gemeinschaft statt. Pre­diger S t ö h r (Gießen) hielt die Andachten, die sich besonders aus der Frauenwelt guten Be­suches erfreuten. Am Montagabend sprach vor den Mitgliedern der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur cand. rer. Pol. Happich (Gießen). In feinen von ausgezeich­neter Sachkenntnis zeugenden Ausführungen machte er mit den sozialen Fragen der Gegen­wart bekannt. Seit langer Zeit haben wir hier keinen Redner gehört, der ein an und für sich schweres Problem so gemeinverständlich bar­stellte. Die Versammelten baten daher Herrn Happich, bald wieder hier zu sprechen, wozu er sich bereit erklärte.

:: Beuern, 22. Febr. Am Sonntag h lt der hiesige TurnvereinGut Heil" im Saale desHolländischen Hofes" sein dies­jähriges Winter est ab. Der erste Vorsitzende, Schreinermeister Ludwig W.l.e m Arnold, be­grüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde der Turnerei. In kurzer, gehaltvoller Ansprache wies e" auf die Bedeutung und Wich­tigleit ter spot liche i Betä igung ür Körper und Geist hin. Ein^e flott gespiette Theaterstücke ernteten reichen Beifall. Die anschließend aus- ge.ährten turnerischen Darb etungcn unter Lei­tung von Tumwart Otto Linden st ruth zeig­ten, daß in dem Verein gute Schulung und Trai­ning vorhanden ist. Tanz bildete den Schluß der gut verlaufenen Feier.

e. Rüddingshausen, 22. Febr. Hier ver- anstalttte der Arbeitergesangverein Konkordia" zwei Theaterabende, die einen sehr schönen Verlauf nahmen. Die Dorlührungen fanden in dem Saalbau der Gastwirtscha't Müs ig statt. Die Auswahl der passenden Stücke hatte der Dirigent, Lehrer Heiß, übernommen, unter dessen Leitung sie auch eingeübt und aufgesührt wurden. Dazu trug der Inhaber des Lokals noch einige Couplets und zwei Dialektdichtungen in Wetterauer Mundart vor. Die Verteilung der Rollen war sehr glücklich. Die Darbietungen fanden reichen Beifall. Bei der letzten Auffüh­rung vermochte der Raum kaum die Menge der Schaulustigen zu fassen.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 22. Febr. Das histori - sche Seminar der Universität Gie­ßen, das im Verlaufe des Winters sich mit siedlungsgeschichtlichen Arbeiten beschäftigte, unternahm am Samstag unter Führung von Prof. Dr. Aubin eine wissenschaftliche Exkursion in unsere Gegend. Es galt, durch Untersuchung der vorgeschichtlichen und mittel­alterlichen Fernstraßenzüge siedlungsgeschichtliche Probleme, vor allem das der Stadt Friedberg, zu klären. Von Bad-Rauheim aus stand für die Studienfahrt ein größerer Autoomnibus zur Verfügung, der es ermöglichte, im Laufe eines Rachmittags größere Entfernungen zurückzulegen, und so in möglichst vielen Cinzelbetrachtungen ein klares Gesamtbild zu gewinnen. Die Anfahrt von Bad-Rauheim gab gleich zu Anfang ein überzeugendes Bild von der geographischen Lage und der strategischen Bedeutung des Friedberger Burgsel en. Von der Höhe desselben konnte Prof. Dr. K l u t e , der sich mit einigen Mitgliedern des geographischen Seminars der Exkursion an­geschlossen hatte, einen anschaulichen Ueberblick über die Entwicklung der Landschaft geben und dabei auf die natürlichen Bedingte'.ten der Be­siedlung Hinweisen. Eine Besteigung des noch im Dau befindlichen neuen Wasserturms am Süd­ende der Stadt gewährte einen weiteren treff­lichen Ueberblick über das Gelände, so daß die von der Burg aus gewonnenen Eindrücke und Anschauungen noch wesentlich ergänzt werden konnten. Dann ging die Fahrt weiter nach dem Löwenhof, von wo aus unter der orts- und sach­kundigen Führung von Prof. Dr. Blecher

Meine Butter war alle. Das lautet rhythmisch ganz gut und konnte der Anfang eines Gerichts sein. Es war aber bittere Prosa. Auch ter Zucker hatte mich auf unbestimmte Zeit verlaßen. Scho­kolade und Zigaretten waren eine schöne Erinne­rung. Und woher soll man seine Anregung beziehen, nur von guten Besprechungen? Schiller, der Glückliche, brauchte nur faule Aepsel, aber die würde er heule auch nicht ohne Kasse er­halten. Der Kalender aber lächelte ganz infam: Rüchterner Mund hält Leib und Seele gesund." Ich ergriff ihn und warf ihn ins Wesenlose. Aber ich hatte nicht bedacht, daß im Wesenlosen eine Tintenflasche stand. Sie fiel auf den Teppich. Auf den Teppich meiner Wirtin! Ich rieb den Teppich, bis ihm die Haare ausgingen und träumte die ganze Rächt von blauen Qtofen. Aber es war nicht schlimm. Das Morgenlicht beschien keine blauen, sondern weinrote Tepp ich - rosen, die sich ganz gut machten und von der Wirtin als so geboren hingenommen wurden. Außerdem erhielt ich mit der Frühpost ein noch ausstehendes Honorar,'s ist nichts so schlimm, als man wohl denkt, wenn man's nur recht erfassen könnt". Ich bin nicht vom Kalender infiziert, dieser Ausspruch, freundlich vertont, kommt, soviel ich weih, in Stradella vor. Stra- della war die zweite Oper, die ich in meiner Kindheit sah und hörte, die erste warMartha". Martha, Martha, du entschwandest." Ich bin doch etwas infiziert, aber Kalenderweisheit werde ich ganz bestimmt nicht von mir geben.

Korrektur lesen ist für mich beinahe so un­angenehm, wie photographiert werden. Olber wer nimmt darauf Rücksicht?! Ich sollte sogar sehr schnell Korrektur lesen, wie der Vermerk auf den Abzügen besagte. Umgehend. Um mir noch einen kleinen Aufenthalt zu verschallen, löste ich das vortägige Kalenderblatt undLust unb Liebe sind die Fittiche zu großen Taten", strahlte es mir entgegen. Ermutigt griff ich zur Füllfeder und entdecke gleich zu Anfang etwas, um defsentwillen es sich schon lohnte. K>rrektur zu lesen: Ich erwähnte nämlich in einer Rovelle ein Dackelpaar, das sich nachher in ein Paar Pudel verwandelt hatte. Schnell stellte ich die Einheitlichkeit der Rasse wieder her.

(Friedberg) die alte vorgeschichtliche Wein­st r a ß e über Ober-Rosbach bis zum Forsthaufe Bainhards verfolgt wurde. Mit großem Inter­esse wurde ihre Anpassung an das Gelände be­obachtet, vor allem die Stellen, wo sie dieFah­renbach" und dieBeunebach" kreuzt. Aus einer Urkunde Karls IV. vom Jahre 1361 ergibt sich, daß die Weinstraße noch im Mittelalter von Kaufleuten benutzt wurde, um die Zollerhebung in Friedberg zu umgehen. In einer geistreichen Schlußbetrachtung faßte Prof. Dr. Aubin die Ergebnisse der Exkursion zusammen. Wichtige neuere Gesichtspunkte über die noch umstrittene Eiedlungsge chichte der Stadt Friedberg fanden durch die Studien im Gelände eine starke Stütze.

4 Bad-Rauheim, 22. Febr. Die Orts­gruppe Friedberg des Bezirks Hessen im Bund der Kolonialfreunde ist eifrig bemüht, durch Vortragsveranstaltungen und sonstige Werbetätigkeit den kolonialen Ge­danken auch hinaus aufs flache Land zu ' tragen. Die Friedberger Kolonialfreunde haben in die em anzuerkennenden Bestreben schon schöne Erfolge gehabt. Reuerdings gelang ihnen wieder die Gründung einer neuen Ortsgruppe des Bun­des im nahen Ober-Mörlen, als deren Vorsitzender Lehrer Klimm gewählt wurde. Als erfte Veranstaltung der neuen Ortsgruppe ist für die nächste Zeit ein Vortrag von cand jur. Burk über die völkerrechtliche Stellung innerhalb der früheren deutschen Kolonien vor­gesehen.

Kreis Birdirrgen.

/ Ortenberg, 22. Febr. Olm Sonntag beging die hiesige Freiwillige Feuer­wehr ihr Stiftungsfest. Am Aachmittag fand in Anwesenheit der benachbarten Wehren von Selters und Wippenbach unter der Leitung von Kommandant Lenz eine Hebung statt, die aufs neue Zeugnis ablegte von dem guten Geist und Zustand unserer Wehr. Rach der Hebung begab sich die Feuerwehr unter Vorantritt der Kapelle in den Hirzelschen Saal, wo ein Fest- kommers stattfand. Im Verlauf desselben er­griffen der Kommandant, Prinz Emst zu Swl- oerg-Rohla und andere Redner das Wort, um die Verdienste der Wehr hervorzuheben und die Liebe zum Vaterland und Volk neu zu stärken. Olm Abend fand das Stiftungsfest durch einen Ball feinen Abschluß.

Kreis Schotten.

Laubach, 22. Febr. Am Montag feierte der allgemein beliebte Stadtrechner Schmidt sein 2 5jährige s Dienftjubiläum. Um 11 Uhr war feierliche Gratulation im neuhergerichteten, festlich dekorierten Rathaussaal, worin der Kreis- direktor, Geh. Regierungsrat Dr. B ö ck m a n n, der Bürgermeister Böhm, der gesamte Ge- meinderat und das Bureau des Stadt­rechners sich eingefunden hatten. Geh. Regie­rungsrat Dr. B ö ck m a n n brachte mit herzlichen Worten dem Jubilar feine Glückwünsche dar, indem er die große Pflichttreue und Gewissenhaft gkeit dieses Beamten hervorhob. In gleichem Sinne gratulierte Bürgermeister Böhm, der im Namen der Stadt für den allezeit regen Diensteifer dankte und dem Jubilar als Zeichen der allgemeinen An­erkennung feiner wertvollen-Dienste eine prächtige Standuhr überreichte. Stadtrechner Schmidt dankte, hocherfreut durch die herzliche Ehrung, und lud die Gratulanten zu einem Glase Wein in den Solmser Hof" ein. Hier brachte in warmen Wor­ten Bürgermeister Böhm einen Trinkspruch auf ben all verehrten Kreisdire-ktor aus, 6 er es stets ver­stehe, Wohlwollen mit Gerechtigkeit zu verbinden. Am 18. März wird die Wahl des Beige­ordneten stattfinden. Der Gemeinderat hat den Kontrolleur P i tz (Bezirkssparkasse), der schon 25 Jahre dieser Körperschaft angeb^rt und das all­gemeine Vertrauen genießt, vorgesch'agen. Voraus­sichtlich wird keine andere Wahlliste eingereicht werden, da Kontrolleur P-tz. wie kein anderer dienstliche Schulung und Erfahrung besitzt und auch bereits längere Zeit den durch Krankheit viel­fach gehinderten früheren Beigeordneten Diehl zu allgemeiner Zufriedenheit vertreten hat. Er hat auch in selbstloser Weise erklärt, das Amt als reines Ehrenamt zu führen und auf die bisher ge­zahlten 300 Mk. Entschädigung verzichtet.

Stumpertenrod, 21 F br Am nächsten Sonntagabend wird in unsrer Kirche ein Mis­sionsfilmAfrikanische Reisebil-, d e r" vorgeführt werden. Dieser Film wurde im Jahre 1926 bei Gelegenheit einer Misfions-

Olm nächsten Tag teilte mir der Kalender mit: Die beste Gottesgabe ist ein reines Herz. Ra ja, schön. OTber was ist eigentlich ein reines Herz? Ich übersetzte es ms Triviale: ein saube­res Herz. Ein auf neu gewaschenes Herz. Dumme Scherze! Ein reines Herz ist ein reines Herz. Fertig.

Olber es ist ein Begriff ohne rechten Hinter­grund. Habe ich vielleicht ein reines Herz? Ich weiß nicht. Zwar lasse ich mich sehr oft anlügen und beschwindeln, ohne es zu merken, aber das kann auch ganz einfach meine Dummheit sein. Eine Portton Dummheit aber gehört wohl zum reinen Herzen. Kann man sich z. D. einen sehr geschäftstüchtigen Menschen mit einem reinen Herzen vorstellen'-' Olber lassen wir das.

Ganz besonders hat es mein Kalender auf Fest- und Feiertage abgesehen. So äußerte er z. D. gelegentlich Mariä LichtmeßOlllzuviel ist ungesund". Run forschte ich weiter und fand bei Mariä Verkündigung:Diel Leut, viel An­sichten."

Tage und Wochen entschwanden. Längst über­sah ich meinen Kalender, d. h. ich sah ihn wohl, doch vermochte er mir nichts mehr zu sagen. Ich hatte seine Bestimmung vergessen. Da fiel es ihm eines Tages ein, das Gleichgewicht zu verlieren, umzusallen und in zwei Hülsten zu brechen. Ich hob ihn auf, legte ihn auf seine nunmehr beiden Rücken und las die Sprüche d«»r Vorderseiten Der Wildheit ist die Sanftmut Gegenmittel. Was will er damit sagen? E r ist doch umgefallen, und ich habe ihm ausgeholsen. Der andere Spruch aber, der unter einem Tag der fernen Zukunft stand, verkündete:Die Reue ist der Frühling der Tugenden." Ra also! Machen wir Stieben, kleiner schäbiger Block! Zwar bereu ich gar nichts, nicht mal die weinroten Teppichrosen, denn ste sind eigentlich viel hübscher als die früheren hochroten, aber: »Frühling der Tugenden" lautet zu nett, als daß man nicht wirklich etwas bereuen sollte.

Also ich bereue... ach nein, lieber noch nicht- Ich werde dich fernerhin nicht mehr belästtgen, du kannst deine Weisheit ganz für dich allem verzapfen, kleiner Kalender. Denn das alles m ja doch nur Theorie, und was wollen toir, rcy bitte dich, heute mit Theorie anfangen?!